Coronahilfen-Tracker

Viele Unternehmen benötigen derzeit staatliche Hilfen. Die Bundesregierung hat dazu Milliarden zur Verfügung gestellt – entweder über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) oder den Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF), teils mit Beteiligung von privaten Banken, teils ohne.

Die Hilfen werden intransparent verteilt. Bislang gibt es kaum Auflagen für die Milliardenhilfen. Konzerne, die durch ihre internationalen Unternehmensstrukturen Steuern umgehen oder durch klimaschädliche Aktivitäten gegen die Pariser Klimaziele agieren, können nun Hilfen vom Staat erhalten. Das darf nicht passieren! Nur wer zukünftig ehrlich Steuern zahlt und den Klimaschutz ernst nimmt, darf Rettungsgelder bekommen. Dabei gibt es Hinweise darauf, dass dies nicht der Fall ist.

Während die Bundesregierung die Milliardenhilfen verteilt, gibt es keine Transparenz darüber, welches Unternehmen genau wie viel aus welchem Topf erhält. Obwohl es hier um unser aller Steuergelder geht und die Weichen dafür gestellt werden, welche Unternehmen und Sektoren gut durch die Krise kommen.

Der Coronahilfen-Tracker

Der Staat sorgt nicht für Transparenz. Deswegen tun wir es. Wir finden, es sollte eine öffentlich zugängliche Liste geben, in der festgehalten wird, welches Unternehmen welche Hilfen erhält.

Name Jahresumsatz 2019 (€) Gewinn 2019 vor Steuern und Zinsen (EBIT, €) Gewinn 2019 (€) Staatshilfe (€) Schattenfinanzplätze Laufzeit Form der Staatshilfe Umweltauflagen Kurzarbeit ausgezahlte Dividenden für 2019
Lufthansa 36,4 Milliarden 2,0 Milliarden 1,2 Milliarden 9,0 Milliarden Malta, Irland, Schweiz, Kaimaninseln, Guam, Niederlande, Panama, Singapur, VAE WSF nein ja keine
Deutsche Bahn 44,4 Milliarden 1,4 Milliarden 680,0 Millionen 7,5 Milliarden 52 Steueroasen-Töchter (teils aber echte ökonomische Aktivität) Rekapitalisierung + Hilfen für ÖPNV nein
Tui 18,9 Milliarden 691,4 Millionen 531,0 Millionen 3,0 Milliarden Malta, Singapur, Niederlande, Bahamas, Guernsey, Zypern, VAE, Panama Kredit KfW; Verhandlungen über WSF nein ja ja, 0,54 € pro Aktie, beschlossen am 11.02.2020
Adidas 23,6 Milliarden 2,7 Milliarden 2,0 Milliarden 2,4 Milliarden Delaware, Irland, Kaimaninseln, Mauritius, Niederlande, Panama, Schweiz, Singapur, VAE, Zypern Juli 2021 Kredit KfW (zurückgezahlt) nein ja keine
Ceconomy 21,5 Milliarden 224,0 Millionen 121,0 Millionen 1,7 Milliarden Niederlande, Schweiz Dez. 2021 Kredit KfW nein ja Verbot während Vertragslaufzeit
Sixt 3,3 Milliarden 380,0 Millionen 247,0 Millionen 1,0 Milliarde Malta, Guersney, Luxemburg 2 Jahre Kredit KfW nein ja keine für Stammaktien, 5 ct. für Vorzugsaktien
ThyssenKrupp 42,0 Milliarden 272,0 Millionen -260,0 Millionen 1,0 Milliarde Malta, Irland, Luxemburg Kredit KfW nein ja keine
Kion 8,8 Milliarden 716,0 Millionen 444,8 Millionen 1,0 Milliarde Luxemburg, Niederlande, Irland, Singapur; VAE Mai 2021 Kredit KfW nein ja gekürzt auf Mindestdividende von 0,04€ pro Aktie
Puma 5,5 Milliarden 440,2 Millionen 262,4 Millionen 625,0 Millionen Tochtergesellschaften in Malta, Niederlande, VAE, Singapur 2 Jahre Kredit KfW nein ja keine
Condor 1,7 Milliarden 57,0 Millionen 550,0 Millionen Kredit KfW nein ja Condor ist eine GmbH
AIDA 2,1 Milliarden 500,0 Millionen Tochterunternehmen von Costa Crociere (gehört wiederrum zu Carnival Corporation &plc, die rechtlich in Panama sitzt) Kredit (angekündigt) nein ja (Aida gehört zu Carnival, keine eigene AG)
K+S 224.300.000 88.900.000 88.900.000 350,0 Millionen Malta, Niederlande, VAE, Bahamas, Schweiz 1 Jahr Kredit KFW nein 4ct pro Aktie
Leoni 4,8 Milliarden -383,9 Millionen -434,8 Millionen 297,0 Millionen Schweiz, Singapur 31.12.2022 Bürgschaft des Bundes nein ja keine
FTI 4,1 Milliarden 235,0 Millionen WSF nein ja
Grammer 2,0 Milliarden 74,5 Millionen 43,5 Millionen 188,0 Millionen Kredit KfW (angekündigt) nein ja keine
MV-Werften 175,0 Millionen Bürgschaft (angekündigt) nein ja
Tom Tailor 803,1 Millionen -15,0 Millionen -52,2 Millionen 100,0 Millionen Delaware, Muttergesellschaft: Fosun Group (Shanghai) Ende September 2024 Bürgschaft des Bundes, der Länder Hamburg und Nordrhein-Westfalen nein ja
Hinweise auf weitere Corona-Hilfen?

Senden Sie uns über dieses Formular Hinweise zu, falls wir weitere Staatshilfen in den Tracker aufnehmen sollen. Die Übertragung ist verschlüsselt. Alternativ kann eine E-Mail an info@fragdenstaat.de gesendet werden.

Zum Beispiel eine private E-Mail-Adresse

Forderungen

Mit milliardenschweren Staatshilfen wie dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds will die Bundesregierung Unternehmen in der Corona-Krise stützen – intransparent und fast ohne Auflagen.

Wir fordern: Unternehmen dürfen nur Staatshilfen erhalten, wenn sie

  • keine Gewinne in Schattenfinanzzentren bzw. Steueroasen verlagern: um das zu belegen, müssen sie ihre Eigentümerstruktur offenlegen und mögliche Gewinnverlagerungen transparent machen („Country-by-Country-Reporting“),
  • keine Boni und Dividenden an ihre Vorstände und Aktionärinnen auszahlen und Aktienrückkäufe verhindern,
  • einen verbindlichen Klimaschutzplan vorlegen, der sie an das 1,5 Grad-Ziel des Pariser Klima-Abkommens bindet.

Wir können es uns nicht leisten, jetzt Steuertrickser und Klimasünder mit Milliardenhilfen zu unterstützen. Damit die staatlichen Hilfen ihre gewünschten Ziele erfüllen, müssen die Unternehmen zeigen, dass sie verantwortungsvoll mit Steuergeldern umgehen.

Auf dem Laufenden bleiben: Newsletter abonnieren!

In Kooperation mit: