Übersterblichkeit

Anfrage an:
Robert Koch-Institut
Verwendete Gesetze:
Status dieser Anfrage:
Antwort verspätet
Frist:
29. Mai 2020 - 9 Monate, 1 Woche her Wie wird das berechnet?
Zusammenfassung der Anfrage

es gab am 04.04.2020 eine Anfrage an Sie wegen der Übersterblichkeit im Zusammenhang mit Covid19. Dort wurde behauptet, dass anhand der europäischen Todesfallstatistik Euromomo bzw. der dort aufgeführten Daten keine Übersterblichkeit für die Wintersaison 2019/20 in Europa zu beobachten sei. Weiterhin wurde explizit auf eine tatsächliche Übersterblichkeit in den Wintern, 2016/2017 und 2017/2018 hingewiesen.

Sie antworten daraufhin zunächst zutreffend, dass es sehr wohl in diesem Winter eine Übersterblichkeit gibt und diese sich auch aus der Euromomo-Datenbank ablesen lässt.

Dabei benutzen Sie leider die Tatsache, dass der Fragesteller unzutreffend das Auftreten einer Übersterblichkeit verneint und korrigieren ihn.

Ich möchte diese Frage daher präzisieren und damit darauf hinweisen, dass zur Zeit eine sehr unsaubere Statistikhandhabung durch verantwortliche Stellen durchgeführt wird.

Anhand der Daten in der europäischen Todesfallstatistik in euromomo lässt sich nach derzeitigem Stand tatsächlich keine von den Übersterblichkeiten in den Wintern 2016/17 und 2017/18 abweichenden - de facto vor allem keine wesentlich höheren Todesfallzahlen ablesen.

Wird das RKI bzw. die verantwortlichen Personen dort oder die verantwortlichen Personen in der Bundesregierung in naher Zukunft auf diesen Sachverhalt hinweisen, und damit beginnen, die vorhanden Daten trennscharf und sauber zu bewerten?

Diese Frage ist insbesondere vor dem Hintergrund der Tatsache interessant, dass es z. B. im Jahr 2016/17 - trotz des Vorhandenseins einer Impfung - eine influenzabedingte Excess-Mortalität von ca. 22.900 Toten gegenüber dem Vorjahr (2015/16) gab, die sich im Folgejahr 2017/18 noch auf 25.100 tote Menschen steigerte (Quelle: Saisonbericht Influenza 2017/18 der AGI im Robert-Koch-Institut, Deutschland!).

Insbesondere ist für mich interessant, was der Unterschied zu diesen gestorbenen Personen zu den jetzigen Toten ist und warum damals die Bevölkerung nicht einmal ansatzweise in der Form wie heute darauf aufmerksam gemacht worden ist.

Vielen Dank.


Korrespondenz

Von
Ulrich Sorge
Betreff
Übersterblichkeit [#185390]
Datum
27. April 2020 00:11
An
Robert Koch-Institut
Status
Warte auf Antwort — E-Mail wurde erfolgreich versendet.

Antrag nach dem IFG/UIG/VIG Sehr geehrte<< Anrede >> bitte senden Sie mir Folgendes zu:
es gab am 04.04.2020 eine Anfrage an Sie wegen der Übersterblichkeit im Zusammenhang mit Covid19. Dort wurde behauptet, dass anhand der europäischen Todesfallstatistik Euromomo bzw. der dort aufgeführten Daten keine Übersterblichkeit für die Wintersaison 2019/20 in Europa zu beobachten sei. Weiterhin wurde explizit auf eine tatsächliche Übersterblichkeit in den Wintern, 2016/2017 und 2017/2018 hingewiesen. Sie antworten daraufhin zunächst zutreffend, dass es sehr wohl in diesem Winter eine Übersterblichkeit gibt und diese sich auch aus der Euromomo-Datenbank ablesen lässt. Dabei benutzen Sie leider die Tatsache, dass der Fragesteller unzutreffend das Auftreten einer Übersterblichkeit verneint und korrigieren ihn. Ich möchte diese Frage daher präzisieren und damit darauf hinweisen, dass zur Zeit eine sehr unsaubere Statistikhandhabung durch verantwortliche Stellen durchgeführt wird. Anhand der Daten in der europäischen Todesfallstatistik in euromomo lässt sich nach derzeitigem Stand tatsächlich keine von den Übersterblichkeiten in den Wintern 2016/17 und 2017/18 abweichenden - de facto vor allem keine wesentlich höheren Todesfallzahlen ablesen. Wird das RKI bzw. die verantwortlichen Personen dort oder die verantwortlichen Personen in der Bundesregierung in naher Zukunft auf diesen Sachverhalt hinweisen, und damit beginnen, die vorhanden Daten trennscharf und sauber zu bewerten? Diese Frage ist insbesondere vor dem Hintergrund der Tatsache interessant, dass es z. B. im Jahr 2016/17 - trotz des Vorhandenseins einer Impfung - eine influenzabedingte Excess-Mortalität von ca. 22.900 Toten gegenüber dem Vorjahr (2015/16) gab, die sich im Folgejahr 2017/18 noch auf 25.100 tote Menschen steigerte (Quelle: Saisonbericht Influenza 2017/18 der AGI im Robert-Koch-Institut, Deutschland!). Insbesondere ist für mich interessant, was der Unterschied zu diesen gestorbenen Personen zu den jetzigen Toten ist und warum damals die Bevölkerung nicht einmal ansatzweise in der Form wie heute darauf aufmerksam gemacht worden ist. Vielen Dank.
Dies ist ein Antrag auf Zugang zu amtlichen Informationen nach § 1 des Gesetzes zur Regelung des Zugangs zu Informationen des Bundes (IFG) sowie § 3 Umweltinformationsgesetz (UIG), soweit Umweltinformationen im Sinne des § 2 Abs. 3 UIG betroffen sind, sowie § 1 des Gesetzes zur Verbesserung der gesundheitsbezogenen Verbraucherinformation (VIG), soweit Informationen im Sinne des § 1 Abs. 1 VIG betroffen sind. Sollte der Informationszugang Ihres Erachtens gebührenpflichtig sein, möchte ich Sie bitten, mir dies vorab mitzuteilen und detailliert die zu erwartenden Kosten aufzuschlüsseln. Meines Erachtens handelt es sich um eine einfache Auskunft. Gebühren fallen somit nach § 10 IFG bzw. den anderen Vorschriften nicht an. Auslagen dürfen nach BVerwG 7 C 6.15 nicht berechnet werden. Ich verweise auf § 7 Abs. 5 IFG/§ 3 Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 UIG/§ 4 Abs. 2 VIG und bitte Sie, mir die erbetenen Informationen so schnell wie möglich, spätestens nach Ablauf eines Monats zugänglich zu machen. Kann diese Frist nicht eingehalten werden, müssen Sie mich darüber innerhalb der Frist informieren. Ich bitte Sie um eine Antwort per E-Mail gemäß § 1 Abs. 2 IFG. Ich widerspreche ausdrücklich der Weitergabe meiner Daten an Dritte. Ich möchte Sie um eine Empfangsbestätigung bitten und danke Ihnen für Ihre Mühe! Mit freundlichen Grüßen Ulrich Sorge Anfragenr: 185390 Antwort an: <<E-Mail-Adresse>> Laden Sie große Dateien zu dieser Anfrage hier hoch: https://fragdenstaat.de/a/185390 Postanschrift Ulrich Sorge << Adresse entfernt >>
Mit freundlichen Grüßen Ulrich Sorge
Von
Robert Koch-Institut
Betreff
Automatische Antwort: Übersterblichkeit [#185390]
Datum
27. April 2020 00:13
Status
Warte auf Antwort

Sehr geehrte Damen und Herren, vielen Dank für Ihre Anfrage. Das Robert Koch-Institut ist für Fragen aus der Fachöffentlichkeit zuständig. Wegen eines erhöhten Aufkommens an Anfragen aufgrund des neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 können derzeit keine Bürgeranfragen beantwortet werden. Die eingehenden fachlichen Anfragen werden kapazitätsbedingt nach Dringlichkeit bearbeitet. Ärzte können sich auch an die Kassenärztlichen Vereinigungen wenden. Informationen zu SARS-CoV-2 finden Sie auf den Seiten des RKI unter www.rki.de/covid-19. Das Robert Koch-Institut erfasst kontinuierlich die aktuelle Lage, bewertet alle Informationen und schätzt das Risiko für die Bevölkerung in Deutschland ein. Vielleicht sind auch unsere zahlreichen Antworten auf häufig gestellte Fragen für Sie hilfreich: www.rki.de/covid-19-faq . Informationen für Bürger stellt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) auf ihrer Internetseite zu COVID-19 zur Verfügung (https://www.infektionsschutz.de/coronav…). Das FAQ-Tool bietet die Möglichkeit, gezielt nach Antworten auf häufig gestellte Fragen zu suchen: https://www.infektionsschutz.de/mediath…. Für die Durchführung der empfohlenen Maßnahmen sind die Landesbehörden und Gesundheitsämter vor Ort zuständig. Zudem gibt es verschiedene Telefonhotlines für Bürger: - das Bürgertelefon des Bundesministeriums für Gesundheit ist zum Thema Coronaviren von Montag bis Donnerstag von 8 bis 18 Uhr, am Freitag von 8 bis 12 Uhr unter folgenden Nummern: 030 / 346 465 100 erreichbar - Beratung durch die unabhängige Patientenberatung unter der Nummer: 0800 330 4615 32 Zum Teil bieten ebenfalls Krankenkassen und Gesundheitsbehörden der Bundesländer telefonische Beratung an. Vielen Dank für Ihr Verständnis und freundliche Grüße
Von
Ulrich Sorge
Betreff
AW: Automatische Antwort: Übersterblichkeit [#185390]
Datum
27. April 2020 00:17
An
Robert Koch-Institut
Status
E-Mail wurde erfolgreich versendet.

Sehr geehrte<< Anrede >> die von mir erwähnte Anfrage an Sie wurde von Ihnen - wenn auch nicht ganz zutreffend, bzw. vollständig - bereits bearbeitet. Ich darf daher nun um Beantwortung meiner Frage bitten, da sich die bisher ungenaue Antwort von Ihnen dadurch präzisieren lässt. Vielen Dank. ... Mit freundlichen Grüßen Ulrich Sorge Anfragenr: 185390 Antwort an: <<E-Mail-Adresse>> Laden Sie große Dateien zu dieser Anfrage hier hoch: https://fragdenstaat.de/a/185390 Postanschrift Ulrich Sorge << Adresse entfernt >>
Von
Robert Koch-Institut
Betreff
AW: Übersterblichkeit [#185390]
Datum
27. April 2020 15:39

Sehr geehrter Herr Sorge, wir halten an unserer Darstellung fest: Die Daten von Euromomo zeigen für die Grippesaison zu Beginn des Jahres 2020 eine deutlich messbare Übersterblichkeit ("substantial increase"), die jedoch weniger stark ausfällt als in den Vorjahren, namentlich für die Saisons 2016/17 und 2018/19. Mit der Ausbreitung der COVID-19-Pandemie ca. ab der 11. Kalenderwoche zeigt sich eine massive Übersterblichkeit vor allem für ältere Personengruppen und für die am schwersten von der Gesundheitskrise betroffenen Länder Italien, Spanien, Frankreich, UK, Niederlande, Belgien. Mit freundlichen Grüßen
Von
Ulrich Sorge
Betreff
AW: Übersterblichkeit [#185390]
Datum
27. April 2020 16:07
An
Robert Koch-Institut
Status
E-Mail wurde erfolgreich versendet.

Sehr geehrte<< Anrede >> vielen Dank für diese wichtige Information. Dass es eine Übersterblichkeit auch dieses Jahr gibt ist auch von mir unbestritten. Neu ist für mich aber die Darstellung des Robert-Koch-Instituts, dass diese Übersterblichkeit "weniger stark ausfällt als in den Vorjahren". Die Berichterstattung in den Medien, aber auch die Verlautbarungen des RKI implizieren bei den meisten Bundesbürgern den Eindruck, dass es dieses Jahr eine besondere Übersterblichkeit gibt, die darüber hinaus auch noch besonderes hoch wäre. Dies ist aber - zumindest bisher - definitiv nicht aus der Statistik ableitbar und ich danke Ihnen für diese Richtigstellung. Allerdings bin sehr gespannt, wann in die Berichterstattung über das diesjährige Ausbruchsgeschehen eines Coronavirus die nötig Sachlichkeit einkehrt, da wir in Deutschland (wie ich ausdrücklich betone!) z. Zt. keine wesentlich andere Situation erleben, als wir in den Jahren 2015/16 oder 2017/18 gesehen haben. Mit freundlichen Grüßen Ulrich Sorge Anfragenr: 185390 Antwort an: <<E-Mail-Adresse>> Laden Sie große Dateien zu dieser Anfrage hier hoch: https://fragdenstaat.de/a/185390

Unterstützen Sie unsere Arbeit!

Mit Ihrer Spende halten Sie die Plattform am Laufen, ermöglichen neue Features sowie Support vom FragDenStaat-Team. Kämpfen Sie mit uns für mehr Transparenz in Politik und Verwaltung!

Jetzt spenden

Von
Ulrich Sorge
Betreff
AW: Übersterblichkeit [#185390]
Datum
3. Juni 2020 20:16
An
Robert Koch-Institut
Status
E-Mail-Versand ist fehlgeschlagen.

Sehr geehrte<< Anrede >> meine Informationsfreiheitsanfrage „Übersterblichkeit“ vom 27.04.2020 (#185390) wurde von Ihnen nicht in der gesetzlich vorgeschriebenen Zeit beantwortet. Sie haben die Frist mittlerweile um 6 Tage überschritten. Bitte informieren Sie mich umgehend über den Stand meiner Anfrage. Insbesondere bitte ich um eine Präzisierung Ihrer Behauptung, es gäbe weiterhin auch in Deutschland eine "massive" Übersterblichkeit, da diese wie bereits von mir erwähnt insbesondere im Hinblick auf die Jahre 2016/2017/2018 eben nicht höher ausfällt als in jenen Jahren. Es ist lediglich festzustellen, dass die jetzige Übersterblichkeit etwas länger anhält, als sonst, da üblicherweise auf die Beendigung der Grippewellen etwa um die 14. KW auch ein Rückgang der Übersterblichkeit folgt. Dafür ist insbesondere auch die tägliche Sterbeziffer im Durchschnitt nicht höher als in diesen Jahren. Weiterhin ist wichtig festzuhalten, dass die Basisreproduktionszahl vor allem deswegen wieder steigt, weil es zunehmend "Neuinfektionen" in Alten- und Pflegeheimen gibt, da das Personal dort unverständlicher Weise immer noch nicht ausreichend mit Schutzkleidung und sinnvollen FFP2 und FFP3 Masken ausgerüstet wird. Da die Reproduktionszahl aber aus den Infektionszahlen der vorangegangenen 4 bzw. 7 Tagen ermittelt wird und diese tatsächlich stark fallen, kann sich durch einen einzelnen neu identifizierten "Hotspot" eine starke Erhöhung der Reproduktionszahl ergeben, ohne dass dieser eine tatsächliche wesentliche Erhöhung der Zahl der Neuinfektionen zugrunde liegt. Welche Untersuchungen führt das RKI hierzu durch? Mit freundlichen Grüßen Ulrich Sorge Anfragenr: 185390 Antwort an: <<E-Mail-Adresse>> Laden Sie große Dateien zu dieser Anfrage hier hoch: https://fragdenstaat.de/a/185390