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"content": "Deutscher Bundestag 1. Untersuchungsausschuss Alexander Ritzmann der 19, Wahlperiode Ausschussdrucksache 23.04.2018 1.9(tim)J3,564 Deutscher Bundestag 1. Untersuchungsausschuss 0,.#4 2 7. April 2018 724 Stellungnahme zur Beweisaufnahme des 1. Untersuchungsausschusses der 19. Wahlperiode (\"Terroranschlag Breitscheidplatz\") Thema \"Gewaltbereiter Islamismus und Radikalisierungsprozesse\" COUNTER BIG BRANDENBURGISCHES INSTITUT für GESELLSCHAFT und SICHERHEIT Ewt~n Avvarenes. Network EXTREMISii PROJECT 1 Alexander Ritzmann",
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"content": "Gliederung Einleitung S. 3 Zusammenfassung 5. 5 Handlungsempfehlungen S. 6 1) Welche gemeinsamen Merkmale liegen Zuordnungen von Organisationen, Aktionen und Haltungen zu islamistischen Strömungen und der Abgrenzung von muslimischen Verbänden zugrunde? S. 7 - Die Rolle und Funktion von Ideologien bei der Radikalisierung S. 7 2) Welche Ausgangsbedingungen begünstigen organisierten gewaltbereiten Islamismus und Radikalisierungsprozesse? S. 9 - Das Internet, Radikalisierung und biologische Algorithmen 5. 9 Der (angeblich) fehlende Pluralismus in „Online-Echokammern\" S. 10 Die Rolle von Rekrutierungsnetzwerken und „Radikalisierungshochburgen\" S. 11 Rechtliche und technologische Maßnahmen zur Extremismusprävention S. 13 3) Welche Ansätze und Konzepte sind im Blick auf islamistische Strömungen und insbesondere organisierten gewaltbereiten Islamismus —für Staat und Zivilgesellschaft — beispielhaft erfolgversprechend zur Prävention sowie zur Deradikalisierung und Unterstützung des Aussteigens? S. 14 Biographische Information des Sachverständigen 5. 15 Quellenverzeichnis S. 16 2 Alexander Ritzmann",
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"content": "Einleitung Der Auftrag des 1. Untersuchungsausschusses der 19. Wahlperiode (\"Terroranschlag Breitscheidplatz\") besteht unter anderem darin zu „prüfen und Empfehlungen (zu) geben, inwiefern und gegebenenfalls welche Schlussfolgerungen für die Prävention durch Angebote im Bereich gewaltbereiter Islamismus gezogen werden können und sollen.\"' Extremismus ist per Definition politisch. Insbesondere terroristische Gewalt2 ist die extremste Form der politischen Kommunikation und kann als eine Art blutiges politisches Theater' verstanden werden, in dem Mord ein Mittel zum Zweck ist. Terrorismus funktioniert zumindest auf einer strategischen Ebene nur, wenn es Zuschauer gibt und diese ihrerseits extrem reagieren. Eskalation, Polarisierung, das schüren der „Angst vor dem Nachbarn', sind bevorzugte strategische Mittel im Werkzeugkasten von Extremisten, die die freiheitlich-demokratische Grundordnung durch ein Utopia, beispielsweise ein Kalifat, ersetzen wollen. Angst und Hass sollen die Gesellschaft spalten und Regierungen zur Überreaktion provozieren. Die Reaktion auf extremistische Gewalt durch Medien, Staat und Gesellschaft ist damit entweder eskalierend oder deeskalierend. Sie spielt Terroristen entweder (unbewusst) in die Hände oder lässt deren Strategie ins Leere laufen. Historisch gesehen werden Ideologien nicht besiegt oder widerlegt, „sondern obsolet, ignoriert, langweilig, vergessen'. Daraus ergibt sich auch, dass kluge Präventions- und Gegenmaßnahmen Extremisten und deren Propaganda die kleinstmögliche Bühne bieten. Dieser Stellungnahme liegen vom Untersuchungsausschuss formulierten Fragestellungen zu Grunde. Auf die kursiv/unterstrichenen hervorgehoben Fragestellungen wird direkt Bezug genommen. Sämtliche personenbezogenen Bezeichnungen sind geschlechtsneutral zu verstehen. „Erläuternde Fragestellung zur Anhörung „Gewaltbereiter Islamismus und Radikalisierungsprozesse\" 1. Welche gemeinsamen Merkmale liegen der Zuordnung von Organisationen, Aktionen und Haltungen zu islamistischen Strömungen und der Abgrenzung von muslimischen Verbänden zugrunde? - Hinsichtlich der Ideologie, der Feindbilder und der politischen Ziele - Hinsichtlich der Berufung auf bestimmte islamische Autoritäten - Hinsichtlich typischer Aktions- und Handlungsformen - Hinsichtlich typischer Organisationsformen - Welche wichtigen Wandlungen und Entwicklungen des Islamismus sind für den Zeitraum zwischen 2011 und 2017 hervorzuheben? 2. Wie haben sich zentrale islamistische Strömungen in Deutschland mit Blick auf ihr Personen- und Gewaltpotential entwickelt? - Wie ordnet sich die Entwicklung in Deutschland ein in die Entwicklungen in den europäischen Partnerländern? - Wie sind islamistische Strömungen in Deutschland eingebunden in internationale Netzwerke? - Welche Unterstützung erfahren islamistische Strömungen in Deutschland und Europa aus anderen Staaten? 3 Alexander Ritzmann",
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"content": "3. Welche Ausgangsbedingungen begünstigen organisierten gewaltbereiten Islamismus und Radikalisierungsprozesse? - Hinsichtlich der Persönlichkeit potentieller Anhänger oder Aktiver - Hinsichtlich der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Situation - Hinsichtlich von Kommunikationswegen (Internet und elektronische Kommunikation, Schriften und Musik; Umfeld bestimmter Moscheen) - Hinsichtlich der Zuwanderung von Menschen aus muslimisch geprägten Ländern - Hinsichtlich der Finanzierung 4. Welche Ansätze und Konzepte sind mit Blick auf islamistische Strömungen und insbesondere organisierten gewaltbereiten Islamismus — für Staat wie Zivilgesellschaft — beispielhaft erfolgversprechend zur Prävention sowie zur Deradikalisierung und Unterstützung des Aussteigens? 4 Alexander Ritzmann",
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"content": "Zusammenfassung ➢ Bei der großen Mehrheit von Radikalisierungsverläufen sind enge soziale (offline) Kontakte mit bereits radikalisierten Personen ausschlaggebend, weniger die Qualität des (online) Propagandamaterials.' Die Wirkungswahrscheinlichkeit von Propaganda nimmt also erst zu, wenn man dem Überbringer der Information (Messenger) vertraut. Das notwendige Zusammenwirken von Propaganda und Messenger erklärt auch die „Radikalisierungs- hochburgen\", also geographische Häufungen von Radikalisierungsfällen in bestimmten Stadtteilen oder Dörfern, statt derer gleichmäßigen Verteilung. ➢ Islamistische Rekrutierer wie „Abu Walaa\" wurden verhaftet, nachdem Dutzende, in vielen Fällen über 100 ihrer Anhänger sich dem „Islamischen Staat\" angeschlossen hatten. Dies lag unter anderem daran, dass die Rekrutierung sehr unterwellig erfolgte und somit zu spät strafrechtlich verfolgt werden konnte. In genau dieser Lücke, zwischen Anwerbung (Grooming) und Rekrutierung (Recruitment), ist der Staat machtlos. ➢ Präventiv handeln kann jedoch die Zivilgesellschaft. Dort wo Extremisten für ihre Überzeugungen werben gibt es auch Menschen aus der gleichen Community oder Nachbarschaft, die für Demokratie und Pluralismus eintreten oder dies tun wollen. Diesen Demokratinnen fehlt jedoch oft das, was Extremisten haben: Kapazitäten, ein Netzwerk und finanzielle Mittel. Sie sind gelebte und glaubwürdige Alternativen zu extremistischer Propaganda und Teil des Konzepts der „wehrhaften Demokratie\". ➢ Der Erfolg von Demokratieförderung und Extremismusprävention in Deutschland sollte deswegen auch daran orientiert und gemessen werden, inwieweit lokale demokratisch- pluralistische Akteure konkret gefördert und unterstützt werden. > Die Förderung legalistischer islamistischer Organisationen mit Steuergeldern, oder eine bevorzugte Behandlung durch politische Akteure, sendet verheerende Signale in Communities, in denen Mitglieder mit demokratisch-pluralistischen Überzeugungen bereits eine Minderheit sind. Im Bereich der Rechtsextremismusprävention schlägt niemand vor, zum Beispiel die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD), also legalistische, (in der Regel) nicht gewaltbereite Rechtsextremisten, mit staatlich geförderter Präventions- oder Deradikalisierungsarbeit für gewaltbereite Neo-Nazis oder potentiell radikalisierungsanfällige Jugendliche zu beauftragen. > Ideologien sind die Grundlage der Propaganda und Rekrutierung. Propaganda soll zunächst die eigenen Anhänger aktivieren und motivieren. Außerdem sind extremistische Ideologien ein wirksames Mittel zur Selbsthilfe, zur Aufwertung der eigenen Existenz. ➢ Die oft bemühte „Gehirnwäsche\" durch Extremisten mag es im Einzelfall geben. Häufiger jedoch sind Radikalisierungsprozesse „Koproduktionen\", eine Art „Radikalisierungs-Tango\", bei denen einer führt und der andere bewusst folgt. In einigen Fällen führt nicht etwa der Rekrutierer, sondern die Person, die sich von der „Radikalisierung\" ein „upgrade\" oder gar ein völlig neues, besseres Leben verspricht. Alexander Ritzmann",
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"content": "Handlungsempfehlungen Ansätze und Konzepte zur Prävention sowie zur Deradikalisierung, die parallel verfolgt werden sollten: 1) Kompetenzen stärken: Als Mittel der primären Prävention (Resilienzsteigerung) muss stärker in die kritische Medienkompetenz der Bevölkerung investiert werden. Insbesondere Kinder und Jugendliche (Digital Natives) müssen für den Umgang mit Medien und Propaganda besser vorbereitet werden. Dazu gehören Trainings zum politisch-zivilgesellschaftlichen Engagement, zur kritischen Medienkompetenz sowie eine offene Diskussionskultur in Schulen, die kontroverse Themen aufgreift. Demokratinnen werden nicht geboren, sondern gefördert und gemacht. Das kostet Zeit und Geld und erfordert eine Anpassung der Lehrpläne und Lehrkräfteausbildung. Ohne dies werden die Herausforderungen einer offenen Gesellschaft und (Neue) Mediendemokratie im 21. Jahrhundert kaum zu meistern sein. 2) Propaganda stören: Illegale bzw. gegen die Nutzungsbedingen sozialer Medien verstoßende Propaganda und dahinterstehende Nutzer-Profile müssen wirksamer und unter stärkerer Nutzung künstlicher Intelligenz gelöscht werden. Insbesondere FotoDNA/Hashing- Algorithmen wie eGLYPH,1 die bereits einmal identifizierte rechtswidrige Inhalte beim re- upload melden oder löschen können, sind hier hilfreich. Die notwendige gesellschaftliche Diskussion um die Abwägung von Sicherheitsbedürfnissen, Freiheitsrechten und Geschäftsinteressen kann jedoch weder durch technologische noch gesetzliche Lösungen (z.B. NetzDG) ersetzt werden. 3) Demokratinnen fördern: Alternative Narrative' und Angebote von glaubwürdigen, lokalen Akteuren erhöhen die Resilienz gegenüber extremistischer Propaganda und Rekrutierung. Insbesondere bei für bestimmte Zielgruppen hoch emotionalen Themen geht es darum, diese aufzugreifen und frühzeitig konkrete alternative Handlungsmöglichkeiten (Call-to-Action) aufzuzeigen. Die jeweilige Zielgruppe soll dabei explizit dazu befähigt werden, etwas Konstruktives zu tun. Extremistische Propaganda, die häufig mit der Aussage „niemand tut etwas außer uns\" argumentiert, hätte damit weniger Anknüpfungspunkte. Durch diesen „Peer to Peer\" Ansatz wird auch das Risiko von Stigmatisierung bestimmter Bevölkerungsgruppen reduziert. 4) Extremisten herausfordern: Gegen-Narrative (Counter Narratives)9 zeigen Widersprüche und Lügen extremistischer Organisationen auf. Da sie jedoch Propaganda zunächst einmal wiederholen und ihr damit eine Plattform bieten, sollten sich Gegen-Narrative ausschließlich an klar definierte und durch Propaganda und Rekrutierung konkret gefährdete Zielgruppen richten, die sich im online oder offline Umfeld von Rekrutierern bewegen. Ein Seminarformat scheint dafür am geeignetsten zu sein.\" Zwar kann man Überzeugungen, die nicht auf rationalen Argumenten beruhen, nicht schlüssig widerlegen. Aber man kann sie untergraben, indem man auf für die jeweilige Zielgruppe glaubwürdige Art und Weise auf Diskrepanzen zwischen Propaganda und Realität hinweist. Den harten Kern der Anhänger wird das zunächst nicht erschüttern. Für diejenigen, die bisher nur mit der Ideologie sympathisieren oder sich im Zweifel darüber befinden, ob der gewählte Weg der Richtige für sie ist (kognitive Öffnung), kann ein zielgerichtetes Gegen-Narrativ Wirksamkeit entwickeln. 6 Alexander Ritzmann",
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"content": "1) Welche gemeinsamen Merkmale liegen Zuordnungen von Organisationen, Aktionen und Haltungen zu islamistischen Strömungen und der Abgrenzung von muslimischen Verbänden zugrunde (Fragestellung 1)? Islamistische Organisationen in Deutschland streben die Überwindung der bestehenden Gesellschafts- und Staatsordnung an. Die freiheitlich-demokratische Grundordnung (FDGO) und die sie tragende pluralistische Gesellschaft soll durch einen „Islamischen Staat\", der auf fundamentalistisch interpretierten „göttlichen\" Gesetzen basiert, ersetzt werden. Über die genaue Ausgestaltung dieses zukünftigen „Islamischen Staats\" gibt bei den verschiedenen islamistischen Strömungen und Gruppierungen genau so wenig Einigkeit wie bei der Wahl der Strategien und Mittel. Diese reichen von langfristigen Missionierungsstrategien bis hin zur Anwendung terroristischer Gewalt. Wesentliche Merkmale islamistischer Organisationen und Ideologien sind: • Anti-pluralistische bzw. totalitäre Ausrichtung • Forderung nach Einheit von Staat, Religion und Gesellschaft • „Göttliches Recht\" steht über dem Grundgesetz • Ungleichbehandlung der Geschlechter • Patriarchale interne Strukturen • Anti-Amerikanismus • Anti-Zionismus • Antisemitismus • Anti-Liberalismus • Homophobie Zentrale Organisationen im legalistischen Islamismus sind beispielsweise die türkisch geprägte Milli- Görüs Bewegung (MGB/IGMG) und die Islamische Gemeinschaft in Deutschland e.V. (IGD).11 Bei der Präventions- und Deradikalisierungsarbeit im Bereich Islamismus wird immer wieder die Frage diskutiert, ob man mit legalistischen, (in der Regel) nicht-gewaltbereiten Islamisten, wie etwa der Muslimbruderschaft (MB) oder mit ihr affiliierten Organisationen, zusammenarbeiten und diese finanziell fördern soll.' Befürworter argumentieren, dass die kulturelle, ideologische oder religiöse Nähe (Peer to Peer Ansatz) zwischen legalistischen Islamisten und radikalisierten, bzw. sich im Prozess der Radikalisierung befindlichen Menschen, die Erfolgswahrscheinlichkeit der Intervention erhöht. Im Bereich der Rechtsextremismusprävention schlägt niemand vor, zum Beispiel die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD), also legalistische, (in der Regel) nicht gewaltbereite Rechtsextremisten, mit staatlich geförderter Präventions- oder Deradikalisierungsarbeit für gewaltbereite Neo-Nazis oder potentiell radikalisierungsanfällige Jugendliche zu beauftragen. Natürlich sind NPD und MB nicht direkt miteinander vergleichbar. Beides sind jedoch ideologisch motivierte Organisationen, die liberale und pluralistische Demokratien durch anti-pluralistische und in der Konsequenz totalitäre politische Systeme ersetzen wollen. So wie Rechtsextreme einen Führerstaat anstreben und sich NPD und Neo-Nazis über den Weg dorthin uneinig sind, wollen Muslimbrüder und der so genannte Islamische Staat (IS) ein Kalifat. MB Organisationen arbeiten auf eine langfristige Evolution hin, bei der die Gesellschaft aus dem gegenwärtigen Stadium der „Ignoranz\" erwachen soll. Die Anhänger des IS wollen ihr islamistisches Utopia jetzt und mit Gewalt. 7 Alexander Ritzmann",
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"content": "Solange das Bestreben zur Überwindung der freiheitlich-demokratische Grundordnung nicht aktiv kämpferisch betrieben wird bzw. keine Aussicht auf Erfolg hat,' sind Aktivitäten anti-pluralistischer Akteure zwar legal. Eine Förderung solcher Organisationen mit Steuergeldern, oder eine bevorzugte Behandlung durch politische Akteure, sendet jedoch verheerende Signale in Communities, in denen Mitglieder mit demokratisch-pluralistischen Überzeugungen bereits eine Minderheit sind. Die Rolle und Funktion von Ideologien bei der Radikalisierung Insbesondere zur Legitimierung von Gewalt benötigen Extremisten eine Ideologie, also große Erzählungen (Narrative), die eine aus Werten und Ritualen bestehende verbindliche Weltanschauung schaffen. Diese großen Narrative machen beispielsweise den Unterschied zwischen dem IS und mexikanischen Drogenkartellen aus.' Beide setzen ihre Ziele und Interessen mit teils extremer Gewalt durch. Gleiches gilt für den Unterschied zwischen Rechtsextremisten, Linksextremisten und kriminellen Biker-Gangs. Ohne Ideologie gibt es keinen Extremismus oder Terrorismus, sondern nur Kriminalität. Die jeweilige Ideologie ist auch die Grundlage der Propaganda und Rekrutierung. Propaganda, bei der Hassrede in Form der Abwertung der „Anderen\" („out-groups\") oft ein wichtiger Bestandteil ist, hat operativ gesehen für Extremisten dabei mehrere Funktionen. Zunächst sollen die eigenen Anhänger („in-group\") aktiviert und motiviert werden. Extremistische Propaganda kann somit auch als gruppenbezogener „Ruf zu den Waffen\"' bezeichnet werden. Außerdem wird Propaganda zur Rekrutierung, zur Erweiterung der „in-group\" eingesetzt. Wesentliche Bestandteile sind a) Krisen- und Opfernarrative („Wir werden angegriffen!\"), b) Lösungsszenarien („Nur ein Kalifat/Führerstaat/Arbeiterstaat kann uns Schutz bieten!\") und c) Projektionsflächen für individuelle Bedürfnisse („Werde ein Held/eine Mutter der Nation!\"). Die Ideologie ist dabei das verbindende Element von Extremisten mit sehr verschiedenen Biografien. Was sonst haben, wie im Fall des „Islamischen Staats\", Kleinkriminelle, Ärzte, Busfahrer, Studenten, Arbeitslose, Ingenieure, Barbetreiber und Einser-Schülerinnen gemeinsam?' Sie alle folgen einer bestimmen Ideologie, die sie anspricht und aus der sie zugleich einen konkreten Nutzen für sich ziehen. Aber verstehen Islamisten denn überhaupt etwas von den Inhalten des politischen Islams? Haben die Sunniten unter ihnen Sayed Qutb gelesen und sich mit Ibn Tayimiyas Schriften auseinandergesetzt? Kann jedes Hisbollah-Mitglied die wichtigsten Schriften der Ayatollahs Khomeini und Khamenei zitieren? Genauso wenig wie man Alfred Baeumler oder Martin Heidegger gelesen haben muss, um Rechtsextremist zu werden, muss man in die Tiefen islamistischer Ideologie eintauchen, um Mitglied oder Anhänger in einer islamistischen Organisation zu sein. Ideologien haben mehrere Funktionen. Wie oben beschrieben dient Ideologie zunächst zur Bestimmung und Motivation der „in-group\" und zur Abgrenzung und Legitimation von Gewalt gegenüber „out-groups\". Außerdem sind extremistische Ideologien ein wirksames Mittel zur Selbsthilfe, zur Aufwertung des eigenen Lebens. Teil einer selbsterklärten Elite zu sein, die sich im Besitz der „Wahrheit\" befindet und sich „männlich\" gegen deren Feinde verteidigt, kann ein starkes Gefühl von Relevanz und Kontrolle über das eigene Leben vermitteln. Extremist zu sein gibt so dem Leben einen klaren Sinn und Zweck, erhöht den Status und das Prestige. Die gewählte Ideologie bietet die gewünschte Identität. 8 Alexander Ritzmann",
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"content": "2) Welche Ausgangsbedingungen begünstigen organisierten gewaltbereiten Islamismus und Radikalisierungsprozesse (Fragestellung 3)? Seit 2014 haben Millionen Menschen in Europa von den Taten und Forderungen des sogenannten Islamischen Staates (IS) gehört. Auch in Deutschland haben Hundertausende die IS-Propaganda gesehen, deren Medienformate und Strategie unter Kommunikationsexperten als „State of the Art\" gelten» Geschätzt mehr als 40.000 ausländische Kämpfer (Foreign Fighters) sind dem Ruf des 15 gefolgt. Mindestens 5000 von ihnen kommen aus Ländern der EU, darunter bis zu 30% Frauen. Die Kern-Narrative des IS zu den Hochzeiten der Rekrutierungsbewegungen waren:' • Der Islam werde angegriffen, sunnitische Muslime würden von Ungläubigen ermordet, es sei die Pflicht jedes Sunniten, zu helfen und ins „Kalifat\" auszuwandern. Das „Kalifat\" sei die attraktive, menschliche und das Seelenheil versprechende Utopie und eine Alternative zur so unmenschlichen und materialistischen westlichen Gesellschaft. • Ein neues Leben, eine neue Familie, der Kampf für eine gerechte Sache und ein direktes Ticket ins Paradies für sich, die Familie und Freunde. • Eine „Dschihadi-cool\"-Jugendkultur, die insbesondere abenteuerlustige junge Männer anspricht. Basierend auf den Analysen von Aussagen und Online-Postings von IS-Kämpfern lassen sich diese grob in drei Gruppen einteilen:19 Zunächst sind da die Suchenden, die eine Verbesserung ihres bisherigen Lebens möchten. Sie streben nach neuer Identität, Prestige, Abenteuer und Heldentum und wollen ihre Sexualität mit mehreren Ehefrauen und Sklavinnen ausleben. Die zweite Gruppe kann man als Beschützer bezeichnen, denen es darum geht, sunnitische Muslime, insbesondere Frauen und Kinder, zu verteidigen oder zu rächen. Die dritte Gruppe besteht aus den Mit- und Nachläufern, die ihren Freunden aus Gruppe eins oder zwei folgen. Für weibliche IS-Anhänger scheint die Utopie einer gerechten islamischen Gesellschaft und das Image des rechtschaffenen, gottesfürchtigen und „echten\" Mannes, der im Gegensatz zu den materialistischen und oberflächlichen Muslimen im Westen stehen soll, ein Hauptanziehungspunkt zu sein. Hinzu kommt, dass sich im IS-Land angeblich nicht nur Frauen, sondern eben auch Männer an die extrem strengen IS-Schariaregeln halten müssen. Für einige Muslima, die zuhause unter patriarchalischen Strukturen leiden, ist dies eine Art von Gerechtigkeit. Warum sind also so viele Europäer dem Ruf des IS gefolgt? Das ist eine wichtige Frage, an der intensiv geforscht wird. Eine jedoch genau so wichtige Frage ist: Wenn die IS Propaganda so präsent und professionell ist, warum sind nur so wenige? Das Internet, Radikalisierung und biologische Algorithmen Das Internet, und insbesondere Soziale (online) Medien, werden teilweise als für Radikalisierungs- prozesse ausschlaggebend oder als „Brandbeschleuniger\" bezeichnet. Wie groß der direkte Einfluss von Propaganda auf die Zielgruppen ist, kann jedoch nur im Einzelfall ermittelt werden.' Dabei ist auch umstritten, ob Propaganda extremistische Ansichten und Verhaltensweisen initiieren kann oder ob sie vorhandene Sympathien oder Überzeugungen nur verstärkt.' 9 Alexander Ritzmann",
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"content": "Insbesondere die Rolle von „online-Filterblasen\",22 also von Algorithmen vorsortierten Medien- inhalten, und den daraus entstehenden „Echokammern\" als Foren von Gleichgesinnten, wird problematisiert. In der aktuellen Diskussion über „online-Filterblasen\", geht oft verloren, dass diese nicht nur technologische Konstruktionen sind, sondern Abbildungen menschlicher Bedürfnisse und biologischer Algorithmen.' Angefangen von „Denk-Abkürzungen\" (Heuristiken) über „motivierte Wahrnehmung\"' (motivated reasoning), funktioniert das menschliche Gehirn auf Basis einer bis heute nur teils bekannten Anzahl von „biologischen Programmen\". Der „Bestätigungsfehler\" (Confimation Bias) und gedankliche Deutungsrahmen (Cognitive Frames) selektieren Ihformationen vor und präferieren jene, die zu unseren bestehenden Überzeugungen passen.' Informationen, die unsere Überzeugungen und „Wahrheiten\" in Frage stellen, werden dagegen relativiert und abgewertet. Unsere biologischen Filter sind also Bestandteil weitgehend unbewusste Prozesse; vieles geschieht permanent, offline und bereits ohne die Unterstützung der Algorithmen von Facebook oder Google. Psychologie und Neurowissenschaften zeigen damit, dass Erwachsene über ausgeprägte Verteidigungsmechanismen' gegen externe Manipulation verfügen. Ohne diese biologischen Filter würden Menschen, je nach Qualität der Narrative, Propaganda und persönlichen Beziehungen, permanent politische oder religiöse Identitäten wechseln. Erwachsene sind also nur eingeschränkt Herr oder Herrin ihrer einmal gefassten Kernüberzeugungen und.Identität. Diese drastisch zu ändern, erfordert einen Kraftakt, eine bewusste Manipulation unserer selbst. Eine Motivation zu einer solchen Selbstmanipulation kann beispielsweise durch eine persönliche Krise hervorgerufen werden, etwa eine extreme emotionale Belastung, die das bisher als gut und richtig geltende massiv in Frage stellt. Der damit verbundene Drang nach Neuorientierung kann die notwendige kognitive Öffnung schaffen und empfänglich für Propaganda in Form von „Heilsversprechen\" machen. Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die sich in der Persönlichkeitsentwicklung befinden und auf der Suche nach Wahrheiten und ihrer Rolle in der Gesellschaft sind, deren Filterblase also noch nicht entwickelt ist, sind dementsprechend potentiell anfälliger für Manipulationen. Die Wahrscheinlichkeit zur Übernahme extremistischer Narrative steigt, wenn man bereits an weltweite Verschwörungen glaubt» Ähnlich wie der Glaube an eine Ideologie, insbesondere eine extremistische, hat auch der Glaube an universelle Verschwörungen einen individuellen emotionalen Mehrwert. Verschwörungstheoretiker sehen sich als die wenigen „Sehenden\", also eine elitäre „in- group\", die im Besitz der Wahrheit ist. Damit ist einerseits die eigne Aufwertung verbunden, die automatisch zur Abwertung.der „blinden und dummen\" „Anderen\" führt. Der (angeblich) fehlende Pluralismus in „Online-Echokammern\" Menschen haben generell die Tendenz, sich mit Gleichgesinnten zu umgeben und das als „wahr und richtig\" zu halten, was ihre bereits bestehenden Grundwerte und -überzeugungen untermauert.' Online-Echokammern29, also virtuelle Foren, in denen sich (durch Software unterstützt) hauptsächlich Gleichgesinnte austauschen, können jedoch den „Effekt des bloßen Kontakts\" (Mere Exposure Effect) 3°verstärken, dem zufolge die wiederholte Wahrnehmung einer anfangs neutral beurteilten Sache ihre positivere Bewertung zur Folge hat. Der Effekt scheint jedoch nicht aufzutreten, wenn die Bewertung beim ersten Kontakt negativ ausfiel. 10 Alexander Ritzmann",
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"content": "Durch wiederholtes Darstellen von Inhalten, die bereits negativ bewertet wurden, stiegt die Abneigung des Empfängers sogar. Wer also bereits glaubt, dass es einen Krieg gegen den Islam gibt, der glaubt dies umso mehr, je öfter er dies hört. Wer dieses Narrativ jedoch für falsch hält, dessen ablehnende Haltung dazu nimmt proportional zur Anzahl diesbezüglicher Aussagen zu. Ein für die Demokratie- und Präventionsarbeit relevantes Missverständnis im Kontext von „Echokammern\" ist, dass in extremistischen Echokammern, online oder offline, die Argumente der „Anderen\" nicht präsent sind und diskutiert werden. Das Gegenteil ist der Fall. Extremisten setzen sich häufig, und gerade online, mit den Handlungen und Aussagen ihrer Gegner auseinander. Wie oben beschrieben führt die Präsenz von Narrativen, gegen die bereits negative Gefühle bestehen dazu, dass sich diese negativen Gefühle verstärken. Extremisten mobilisieren also ihre Anhängerschaft auch gerade dadurch, dass die Argumente und Schlüsselpersonen der „Anderen\" thematisiert werden. Dabei werden Inhalte zwar oft verkürzt, eine vollständige Manipulation der Aussagen findet jedoch eher selten statt und ist, wie oben beschrieben, auch nicht nötig. Die oft bemühte „Gehirnwäsche\" durch Extremisten mag es im Einzelfall geben. Häufiger jedoch sind Radikalisierungsprozesse „Koproduktionen\", eine Art „Radikalisierungs-Tango\", bei denen einer führt und der andere bewusst folgt. In einigen Fällen führt nicht etwa der Rekrutierer, sondern die Person, die sich von der „Radikalisierung\" ein „upgrade\" oder gar ein völlig neues, besseres Leben verspricht. Die Rolle von Rekrutierungsnetzwerken und „Radikalisierungshochburgen\" Wie oben gezeigt tun diejenigen, die sich aktiv mit extremistischer Propaganda befassen, dies oft zunächst aus Eigeninteresse. Sie folgen dem Drang sich oder ihre Umgebung zu ändern. Bei der großen Mehrheit von Radikalisierungsverläufen sind jedoch meist enge soziale Kontakte mit bereits radikalisierten Personen ausschlaggebend, weniger die Qualität des Propagandamaterials.' Die Wirkungswahrscheinlichkeit von Propaganda nimmt also erst zu, wenn man dem Überbringer der Information (Messenger) vertraut. Diese glaubwürdigen Propaganda-Kuriere können Familienmitglieder, Freunde oder charismatische Rekrutierer sein. Das notwendige Zusammenwirken von Propaganda und deren Kurier erklärt auch die „Radikalisierungshochburgen\" (Radicalisation-Hotbeds), also geographische Häufungen von Radikalisierungsfällen in bestimmten Dörfern, Städten oder Stadtteilen, statt derer gleichmäßigen Verteilung.' Benachbarte Stadtteile oder Dörfer mit vergleichbaren sozio-ökonomischen oder demographischen Kennzahlen generieren extrem unterschiedliche Radikalisierungsphänomene in Bezug auf Qualität und Quantität. Hierbei handelt es sich um ein weltweites Phänomen, dass in Somalia und Ägypten genauso existiert wie in Belgien und Deutschland. In diesen Radikalisierungshochburgen operieren häufig Rekrutierungsnetzwerke rund um charismatische Ideologen. In Belgien waren dies beispielsweise Khalid al-Zerkani's und Fouad Belkacem (Sharia4Belgium), in Großbritannien Abu Hamza al-Masri und Anjem Choudary (Islam4UK) in Österreich Mirsad Omerovic (Ebu Tejma) und in Deutschland Ahmad Abdulaziz Abdullah Abdullah (Abu Walaa) oder Ibrahim Abou-Nagie (Die Wahre Religion/„Lies!\"-Kampagne). In Italien gab bzw. gibt es mehrere kleinere Radikalisierungszentren. 33 Viele dieser islamistischen Prediger und Rekrutierer wurden erst verhaftet, nachdem Dutzende, in einigen Fällen über 100 ihrer Anhänger sich dem „Islamischen Staat\" angeschlossen hatten. Dies lag unter anderem daran, dass die Rekrutierung oft sehr unterwellig erfolgte und somit zu spät strafrechtlich verfolgt werden konnte. In genau dieser Lücke, zwischen Anwerbung (Grooming) und Rekrutierung (Recruitment), ist der Staat machtlos. 11 Alexander Ritzmann",
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"content": "Religions-, Meinungs-, und Versammlungsfreiheit sind essentielle Grundrechte in Deutschland und bieten eben auch Raum für Extremisten, solange diese nicht gegen Gesetze verstoßen. Wer im Vorfeld strafbarer Handlungen agieren kann, ist die Zivilgesellschaft. Überall dort, wo Extremisten für ihre Überzeugungen werben, gibt es auch Menschen aus der gleichen Community oder Nachbarschaft, die für Demokratie und Pluralismus eintreten oder dies tun wollen. Diesen Demokratinnen fehlt jedoch oft das, was Extremisten haben: Kapazitäten, ein Netzwerk und finanzielle Mittel. Sie sind gelebte und glaubwürdige Alternativen zu extremistischer Propaganda und Aktionismus und Teil des Konzepts der „wehrhaften Demokratie\". Insbesondere Projekte der sekundären und tertiären Prävention' (indiziert/problemorientiert) sollten aus Effizienz- und Effektivitätsgesichtspunkten heraus auf die oben beschriebenen geographischen „Radikalisierungshochburgen\" konzentriert werden. Eine solche Konzentration von Präventionsmaßnahmen kann jedoch zur Stigmatisierung der betroffenen Communities oder Nachbarschaften führen. Um nicht ungewollt zur gesellschaftlichen Polarisierung beizutragen ist deshalb eine konfliktsensible Planung und Durchführung dieser Maßnahmen zwingend notwendig (Do no Harm Prinzip).' Sind Gefängnisse Radikalisierungshochburgen? Im Fall von Anis Amri, dem Attentäter vom Breitscheidplatz, scheint sein Aufenthalt in italienischen Gefängnissen zu seiner Radikalisierung beigetragen zu haben. Hierbei ist jedoch unklar, ob er radikalisiert wurde oder sich selbst radikalisiert hat (siehe S. 11). Seine kriminelle Vergangenheit in Tunesien und die Einschätzung von Freunden, er sei ein „Rebell\" gewesen, lassen beide Möglichkeiten zu.' Eine mehrjährige Inhaftierung, und die dabei oft eintretende emotionale Krise, kann zu einer kognitiven Öffnung geführt haben die jedenfalls notwendig gewesen wäre, um sich vom „Glücksritter\" zum selbst ernannten „Heiligen Krieger\" zu entwickeln (siehe S.10). Wenn es so war, dass Amri, als „Rebell without a Cause\", in den Gefängnissen auf islamistische Rekrutierer traf, die ihm eine Ideologie (siehe S. 8), also eine Plattform für seine Bedürfnisse anboten, dann stellt sich auch hier die Frage, ob es nicht an glaubwürdigen und attraktiven alternativen Angeboten gefehlt hat.' Die Untersuchung der italienischen Staatsanwaltschaft wird hoffentlich zeigen, welche konkreten Schlüsse für Politik und Wissenschaft aus der Radikalisierung von Amri gezogen werden können.' Von Generalisierungen bezogen auf die Rolle von Gefängnissen in Radikalisierungsprozessen ist abzuraten. Tatsache ist, dass die übergroße Mehrzahl der Menschen unter vergleichbaren Haftbedingen sich eben nicht radikalisieren. Es gibt jedoch in bestimmten Gefängnissen eine Häufung von Fällen, hier muss Fallbezogen analysiert und interveniert werden. Ein stärkerer Fokus sollte zu dem auf die Untersuchung und Förderungen von Resilienzfaktoren gegenüber gewaltbereitem Extremismus, gerade auch in Gefängnissen, gelegt werden. Hier lautet die Leitfrage: Warum radikalisieren sich so wenige Menschen in Gefängnissen? 12 Alexander Ritzmann",
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"content": "Rechtliche und technologische Maßnahmen zur Extremismusprävention In Deutschland wurde das „Netzwerkdurchsetzungsgesetz\" (NetzDG) nach bemerkenswert kurzer Diskussion im Sommer 2017 verabschiedet. Internetunternehmen müssen nun seit dem 01.01.2018 unter anderem „offensichtlich rechtswidrige Inhalte\" innerhalb von 24 Stunden (bzw. 7 Tagen) löschen, nachdem sie davon per Meldung erfahren haben. Außerdem müssen sie quartalsweise über Ressourcen, Löschteams und Vorgehen Bericht erstatten. Wiederholte Verstöße gegen diese Vorgaben können erhebliche Bußgelder nach sich ziehen. Auf europäischer Ebene hat man ein kooperatives und konsultatives Verfahren der Gesetzgebung vorgezogen, beziehungsweise vorgeschaltet. Das „EU Internet Forum\", von der EU-Kommission im Dezember 2015 eingerichtet, bringt in regelmäßigen Abständen Mitglieder europäischer Behörden wie Europol, die EU-Innenminister, Vertreter der Internetbranche (mittlerweile Google/You Tube, Facebook, Microsoft, Twitter, Justpaste.it, Snap, Wordpress und Yello), die EU-Kommission und andere relevante Akteure wie das Radicalisation Awareness Network (RAN) und das Forschungsnetzwerk VOX- Pol zusammen. Bislang fehlt es an Vertretern der Zivilgesellschaft. Ziel dieser freiwilligen Partnerschaft ist es, „den Zugang zu terroristischen Inhalten im Internet einzuschränken und Partner aus der Zivilgesellschaft darin zu bestärken, den Umfang schlagkräftiger alternativer Diskurse im Internet zu vergrößern\". Im diesem Rahmen wurde beispielsweise das „Civil Society Empowerment Programme\" (CSEP) ins Leben gerufen und finanziert, bei dem mehr als 250 europäische CSOs an Trainings zur Durchführung Alternativer/Gegenrede-Kampagnen teilgenommen haben. Alleine auf Youtube werden jede Minute 200 Stunden Video-Content hochgeladen, Tendenz steigend.\" In diesem Kontext hat sich die Internetbranche Ende 2016 dazu verpflichtet, verstärkt in technologische Lösungen zu investieren, insbesondere was die Identifizierung und gegebenenfalls automatisierte Löschung extremistischer Inhalte angeht. Hierzu wurde im Frühjahr dieses Jahres eine „Database of Hashes\" erstellt,' damit ein „upload-filter\" das wiederholte hochladen bereits als rechtswidrig beziehungsweise gegen die jeweiligen Nutzungsbedingen verstoßender Inhalte klassifizierter Bild-, Audio- und Videodateien meldet oder diese löscht. Diese Technologie befindet sich bereits seit Jahren in der Anwendung bei Microsoft, Google und Facebook, um das wiederholte hochladen kinderpornographischer Inhalte zu unterbinden. Professor Hani Fahd,' der den Algorithmus zur automatisierten Löschung von Kinderpornographie entwickelt hat, stellte 2015 in Kooperation mit dem Counter Extremism Projekt (CEP) einen analog funktionierenden „upload-filter\" namens eGLYPH vor, der zuvor qualifizierte Inhalte finden , melden oder löschen kann.' Mittlerweile hat die Internetbranche nun also auch mit einem eigenen Extremismus-Uploadfilter nachgezogen, wobei es bisher an Transparenz mangelt was die Löschkriterien angeht. Die notwendige gesellschaftliche Diskussion um die Abwägung von Sicherheitsbedürfnissen, Freiheitsrechten und Geschäftsinteressen kann jedoch weder durch technologische Lösungen noch durch Gesetzgebung ersetzt werden.' Ein deutsches „Internet Forum\", mit gleichberechtigter Beteiligung von Internetunternehmen, Regierungs- und Parlamentsvertretern sowie Repräsentanten der Zivilgesellschaft, könnte hier einen wichtigen Beitrag leisten. 13 Alexander Ft itzmann",
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"document": "https://fragdenstaat.de/api/v1/document/145707/",
"number": 14,
"content": "3) Welche Ansätze und Konzepte sind im Blick auf islamistische Strömungen und insbesondere organisierten gewaltbereiten Islamismus — für Staat und Zivilgesellschaft — beispielhaft erfolgversprechend zur Prävention sowie zur Deradikalisierung und Unterstützung des Aussteigens (Fragestellung 4)? Die Frage nach erfolgsversprechenden Ansätzen von Prävention und Deradikalisierung wird im Moment neu diskutiert. Im internationalen Diskurs um „Preventing Violent Extremism\" (PVE) spielen ausdifferenzierte „Theorien des Wandels\" (Theories of Change) eine immer signifikantere Rolle.\" PVE- Aktivitäten sollten (noch mehr als bisher) klare, realistische und messbare Ziele haben. Außerdem sollten Wirkungsketten und Wirkungsannahmen deutlich weiter ausdifferenziert werden. Dies setzt ein umfassendes Verständnis der hyper-lokalen Radikalisierung- und Resilienzfaktoren voraus. Damit soll nicht nur die Effektivität von Präventionsmaßnahmen weiter erhöht werden. Auch das Risiko der unbeabsichtigten Stigmatisierung von Zielgruppen, und der damit verbundenen Gefahr der politischen Polarisierung, wird dadurch reduziert. Demokratieförderung und Extremismusprävention in Deutschland sollten auch daran orientiert und gemessen werden, inwieweit glaubwürdige, lokale Akteure gefördert werden können, die den heute bestehenden hohen bürokratischen Anforderungen staatlicher Fördermaßnahmen nicht immer entsprechen. Dies erfordert teilweise eine Reform staatlicher Förderungspolitik und -logik von Zivilgesellschaft. Das Bundesprogramm „Demokratie leben!\" geht hier mit weniger bürokratischen „Modelprojekten\" in die richtige Richtung. Konkrete Handlungsempfehlungen sind auf Seite 6 dieser Stellungnahme zu finden. 14 Alexander Ritzmann",
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"number": 15,
"content": "Biographische Information des Sachverständigen Alexander Ritzmann forscht und berät zu den Themenfeldern Demokratieförderung und Prävention von (gewaltbereitem) Extremismus. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Brandenburgischen Institut für Gesellschaft und Sicherheit (BIGS) und Mitglied des „Steering Committee\" und Co- Vorsitzender der „Working Group an Communication and Narratives\" des Radicalisation Awareness Network (RAN) der Europäischen Kommission. Alexander Ritzmann berät zudem das Counter Extremism Project (CEP) in New York, USA. Beim BIGS leitet er das im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben\" geförderte Projekt „Integration auf Augenhöhe\", bei dem ein Wertediskurs unter und mit syrischen Geflüchteten im Mittelpunkt steht. Von 2007 bis Ende 2017 hat Alexander Ritzmann mit der European Foundation for Democracy in Brüssel mit Unterbrechungen und in verschiedenen Funktionen zusammengearbeitet. Von September 2012 bis Dezember 2015 war er als Senior Adviser MENA-Region und Projektleiter für die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH im Landesbüro Ägypten, Kairo, tätig. Alexander Ritzmann war zudem non-resident Fellow des Washingtoner Think Tanks AICGS an der Johns Hopkins Universität (2007-2012). Von 2001-2006 war er Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses (FDP-Fraktion), und dort zuständig für die Themen Innere Sicherheit und Datenschutz. Er hat im Jahr 2000 ein Diplom-Studium der Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin abgeschlossen. Seine Veröffentlichungen sind unter http://www.alexander-ritzmann.de zu finden. E-Mail: alexander.ritzmann@bigs-potsdam.org 15 Alexander Ritzmann",
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"number": 16,
"content": "Quellenverzeichnis 1 Vgl. Deutscher Bundestag —19. Wahlperiode. Drucksache 19/943, Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Wahlprüfung, Immunität und Geschäftsordnung (1. Ausschuss). 2 Vgl. Schmid, Alex P.: Radicalisation, De-Radicalisation, Counter-Radicalisation: A Conceptual Discussion and Literature Review, ICCT Research Paper 2013. 3 Vgl. Ritzmann, Alexander. Vom Selbstmord zum Massenmord, tv diskurs: 20. Jg., 4/2016 (Ausgabe 78), S. 48- 51. https://tvdiskurs.de/beitrag/vom-selbst-zum-massenmord/ Vgl. Vidino, Lorenzo, Francesco Marone & Eva Entenmann. Fear Thy Neighbor: Radicalization and Jihadist Attacks in the West. George Washington University/IPSVICCT. 2017. 5 Vgl. Schleichert, Hubert. Wie man mit Fundamentalisten diskutiert, ohne den Verstand zu verlieren: Anleitung zum subversiven Denken. Beck'sche Reihe. 2008. 6 Vgl. Bundeskriminalamt(BKA) et al. Analyse der Radikalisierungshintergründe und -verläufe der Personen, die aus islamistischer Motivation aus Deutschland in Richtung Syrien oder Irak ausgereist sind. 2016. 7 Vgl. Ketterer, Joely. Ein Algorithmus soll Extremismus in sozialen Netzwerken stoppen. Wired Magazine. 2016. https://www.wired.de/collection/life/ein-algorithmus-soll-extremismus-sozialen-netzwerken-stoppen 8 Vgl. Ritzmann, Alexander. RAN guidelines for effective alternative and counter-narrative campaigns (GAMMMA+). RAN Issue Paper 2018. bit.ly/2F4zzTT 9 Ebenda. 10 Vgl. Cook, J., & Lewandowsky, 5. The Debunking Handbook. St. Lucia, Australia: University of Queensland. 2011 https://skepticalscience.com/docs/Debunking_Handbook.pdf 11 Vgl. http://www.verfassungsschutz.bayern.de/islamismus/situation/legalistischer_islamismus/index.html 12 Vgl. https://www.taz.de/!5495803/ 13 Vgl. https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2017/bvg17-004.html 14 Vgl. http://www.latimes.com/world/mexico-americas/la-fg-mexico-murders-20170721-story.html 15 Vgl. Ritzmann, Alexander. A Tribal Call to Arms. European Eye on Radicalisation, März 2018. https://eeradicalization.com/a-tribal-call-to-arms-propaganda-and-what-pve-can-learn-from-anthropology- psychology-and-neuroscience/ 1E' Vgl. Bundeskriminalamt(BKA) et al. Analyse der Radikalisierungshintergründe und -verläufe der Personen, die ausislamistischer Motivation aus Deutschland in Richtung Syrien oder Irak ausgereist sind. 2016. 17 Vgl. Winter, Charlie: Documenting the Virtual 'Caliphate', Quilliam Foundation, 2015. 18 Vgl. Ritzmann, Alexander. Entzauberung durch Fakten, Internationale Politik 3.2016. 13 Vgl. Neumann, Peter R.: Victims, Perpetrators, Assets: The Narratives of Islamic State Defectors, ICSR, King's College London, 2015. http://icsrinfo/wp-content/uploads/2015/09/ICSR-Report-Victims-Perpertrators-Assets- The-Narratives-of-Islamic-State-Defectors.pdf und Speckhard, Anne and Yayla, Ahmet S.: Eyewitness Accounts from Recent Defectors from Islamic State: Why They Joined, What They Saw, Why They Quit, PERSPECTIVES ON TERRORISM, Volume 9, 2015. http://www.terrorismanalysts.com/pt/index.php/pot/article/view/475/934 20 VgI. Horgan, John: The Psychology of Terrorism, New York, NY, Routledge, 2014. 21 Vgl. European Parliament Policy Department for Citizens' Rights and Constitutional Affairs. Countering Terrorist Narratives. 2017. 22 Vgl. http://www.belitower.news/artikel/der-mythos-von-filterblasen-und-echokammern-12829 http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/filterblase-radikalisierung-auf-facebook-a-1073450.html 23 Vgl. Ritzmann, Alexander. Propaganda — Wirkung, Grenzen und Gegenmaßnahmen. Interventionen. Fachzeitschrift für Verantwortungspädagogik. Dezember 2017. Ritzmann, Alexander. A Tribal Call to Arms. European Eye on Radicalisation, März 2018. https://eeradicalization.com/a-tribal-call-to-arms-propaganda-and-what-pve-can-learn-from-anthropology- psychology-and-neuroscience/ 24 Vgl. Epley, Nicholas and Thomas Gilovich. The Mechanics of Motivated Reasoning. Journal of Economic Perspectives—Volume 30, Nu mber 3—Summer 2016—Pages 133-140. http://faculty.chicagobooth.edu/nicholas.epley/EpleyGilovichJEP2016.pdf 16 Alexander Ritzmann",
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"number": 17,
"content": "25 Vgl. Wehling, Elisabeth. Politisches Framing, Wie eine Nation sich ihr Denken einredet — und daraus Politik macht, Halem-Verlag. 2017. 26 Vgl. Kaplan, J. T., Gimbel, S. I., & Harris, S. Neural correlates of maintaining one's political beliefs in the face of counterevidence. Scientific reports, 6, 39589. 2016. https://www.nature.com/articles/srep39589 27 Vgl. Lambarty, Pia. Don't trust anyone: Verschwörungsdenken als Radikalisierungsbeschleuiniger? Journal EXIT Deutschland. N. 5, 2017. http://journals.sfu.ca/jed/index.php/jex/article/viewFile/72/198 28 Auch in der vor-Internet Zeit hat kaum jemand täglich mehrere Zeitungen gelesen, etwa von der linken „Junge Welt\" bis zur rechten „Jungen Freiheit\". 29 Vgl. https://onlinelibrary.wiley.com/doi/pdf/10.1002/poi3.88 https://datasciencehub.net/system/files/ds-paper-486.pdf 3° Vgl. http://psychologykesearchnet.com/social-psychology/social-influence/mere-exposure-effect/ 31 Vgl. Bundeskriminalamt(BKA) et al. Analyse der Radikalisierungshintergründe und -verläufe der Personen, die aus islamistischer Motivation aus Deutschland in Richtung Syrien oder Irak ausgereist sind. 2016. 32 Vgl. Gambetta, Diego & Steffen Hertog. (2016). Engineers of Jihad: The Curious Connection between Violent Extremism and Education. Princeton University Press. Sageman, Marc. (2008). Leaderless Jihad, Terror Networks in the Twenty-First Century. University of Pennsylvania. Vidino, Lorenzo, Francesco Marone & Eva Entenmann. Fear Thy Neighbor: Radicalization and Jihadist Attacks in the West. George Washington University/IPSI/ICCT. 2017. The Italian Institute for International Political Studies (ISPI), Jihadist Hotbeds - Understanding Local Radicalization Processes. 2016. http://www.ispionline.it/sites/default/files/pubblicazioni/jihadist.hotbeds_ebook.pdf \" Vgl. https://ctc.usma.edu/the-terror-threat-to-italy-how-italian-exceptionalism-is-rapidly-diminishing/ 34 Vgl. EI-Mafaalani, Aladin /Alma Fathi/Ahmad Mansour/ Jochen Müller/Götz Nordbruch/Julian Waleciak. Ansätze und Erfahrungen der Präventions- und Deradikalisierungsarbeit. Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK). HSFK-Report Nr. 6/2016. https://salafismus.hsfk.de/dimensionen-des-salafismus/praevention-und-deradikalisierung/ 33 Vgl. United Nations Development Programme (UNDP). PVE Toolkit: Improving the impact of preventing violent extremism programming. A toolkit for design, monitoring and evaluation, 2018. http://www.undp.org/content/dam/norway/undp-ogc/documents/ PVE_ImprovingImpactProgrammingToolkit_2018.pdf 36 Vgl. https://www.bild.de/newsjinland/weihnachtsmarkt-an-der-gedaechtniskirche/anis-amri-wohnte-bei- mir-50271684.bild.html 37 Vgl. http://www.wn.de/Welt/Thema/Hintergruende/3094003-Einen-neuen-Amri-verhindern- Deradikalisierung-in-der-Haft-in-Italien \" Vgl. http://www.ansa.it/english/news/general_news/2018/03/29/group-linked-to-amri-smashed-in-italy- 4_cda5de35-99c0-41ef-ad95-af888b809689.html Vgl. https://www.brandwatch.com/blog/96-amazing-social-media-statistics-and-facts/ 40 Vgl. http://europa.eu/rapid/press-release_IP-17-5105_en.htm 41 Vgl. https://en.wikipedia.org/wiki/Hany_Farid 42 Vgl. http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-04/radikalisierung-netz-online-islamismus- propaganda 43 Vgl. http://www.voxpol.eu/who-needs-courts-a-deeper-look-at-the-european-commissions-plans-to-speed- up-content-takedowns/ 44 Vgl. UNDP PVE Toolkit: Improving the impact of preventing violent extremism programming A toolkit for design, monitoring and evaluation http://www.undp.org/content/dam/norway/undp- ogc/documents/PVE_ImprovingImpactProgrammingToolkit_2018.pdf Royal United Services Institute, Whitehall Report 2-16 Countering Violent Extremism and Risk Reduction A Guide to Programme, Design and Evaluation https://rusi.org/sites/default/files/20160608_cve_and_mcombined.online4.pdf European Commission, Instrument contributing to Stability and Peace Operational, Guidelines an the preparation and implementation of EU financed actions specific to countering terrorism and violent extremism in third countries, 2017 https://ec.europa.eu/europeaid/sites/devco/files/eu_ct_cve_guidelines.pdf 17 Alexander Ritzmann",
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