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"content": "Bayerischer Landtag 15. Wahlperiode Drucksache 15/5318 29.05.2006 Schriftliche Anfrage Antwort des Abgeordneten Dr. Christian Magerl BÜNDNIS 90/DIE des Staatsministeriums für Landwirtschaft und Forsten GRÜNEN vom 18.04.2006 vom 09.02.2006 Zu 1.: Winterfütterung bei Rehwild kritisch hinterfragen Während seiner Entwicklungsgeschichte hat das Rehwild – angepasst an seinen Lebensraum – ein artspezifisches Ver- Dieses Jahr steht wieder ein Verbissgutachten an. Schon jetzt halten zur Reaktion auf äußere Störungen ausgebildet. Als lässt sich vermuten, dass auch 2006 in einigen Hegegemein- sog. „Schlüpfertyp“ versucht es Störungen möglichst früh- schaften ein viel zu hoher Wildverbiss zu verzeichnen ist. In zeitig auszuweichen oder durch Verstecken („Abtauchen“, diesem Zusammenhang und im Hinblick auf die immer mil- „Wegducken“ bei meist regungslosem Verharren) unbe- der werdenden Winter, stellt sich die Frage, ob eine Winter- merkt zu bleiben. Erst bei zu großer, unmittelbar einwirken- fütterung bei Rehwild überhaupt gerechtfertigt ist. der Störung, insbesondere beim Überschreiten einer kriti- schen Distanz, reagiert Rehwild mit meist blitzartigen, kur- Ich frage die Staatsregierung: zen Fluchten. Dadurch gewinnt es rasch Distanz zur Stör- quelle, um dann möglichst schnell wieder deckungsreiche 1. Wie reagiert Rehwild auf äußere Störeinflüsse, Strukturen als Versteck aufzusuchen. a) auf Spaziergänger, die auf den Forststraßen bleiben? b) auf Pilzsucher? Diese Art des Feindverhaltens unterscheidet sich deutlich b) auf frei laufenden Hunde? von Wildarten der ursprünglichen halboffenen Steppen (z. B. Rotwild), die äußeren Störungen mit für Rudeltiere typi- 2. Welche Faktoren haben einen Einfluss auf das Körperge- schen weiträumigen Fluchten ausweichen. wicht von Rehen? Wissenschaftlich gesicherte Aussagen zum Fluchtverhalten 3. Wie unterscheidet sich das Körpergewicht von Rehwild des Rehwilds bei unterschiedlichen äußeren Störquellen be- in Revieren, stehen aufgrund fehlender geeigneter technischer Untersu- a) mit künstlicher Fütterung? chungsmethoden zur Zeit nicht. Derzeit wird in einem aus b) in denen das natürliche Äsungsangebot (z. B. durch Mitteln der Jagdabgabe mitfinanzierten Projekt des Natio- Wildacker) erhöht wird? nalparks Bayerischer Wald zur Räuber-Beute-Beziehung c) in denen keinerlei Hegemaßnahmen ergriffen wer- zwischen Luchs, Reh- und Rotwild der Einsatz modernster den? GPS-Satelliten-Technik geprüft. Soweit die Ergebnisse die- ses Projektes anwendbare technische Untersuchungsmetho- 4. Wie unterscheiden sich die Einnahmen und Ausgaben in den liefern, könnten in ggf. folgenden Projekten auch die Revieren Auswirkungen von äußeren Störungen, wie Spaziergängern, a) mit künstlicher Fütterung? Pilzsuchern und frei laufenden Hunden, auf das Verhalten b) in denen das natürliche Äsungsangebot (z.B. durch von Rehwild näher untersucht werden. Wildacker) erhöht wird? c) in denen keinerlei Hegemaßnahmen ergriffen wer- Nach den bisherigen Erkenntnissen und Erfahrungen ist die den? Art und Weise der Reaktion auf Störungen beim Rehwild von der Art der Störquelle, der Intensität und Dauer der 5. Wie hoch waren die Ausgaben für Hegemaßnahmen in Störung abhängig. Von Spaziergängern, die sich lediglich der Bayerischen Staatsforstverwaltung in den letzten 10 auf Forststraßen bewegen, dürften wohl kaum bzw. nur ge- Jahren? ringe direkte Störungen ausgehen. Der Spaziergänger ist für das Wild eher berechenbar und die kritische Fluchtdistanz 6. Lässt sich durch Hegemaßnahmen der Verbissdruck auf zur Störquelle wird in der Regel nicht erreicht. Forstpflanzen senken, a) durch Fütterungen? Pilzsucher, die sich gezielt innerhalb der Waldbestände be- b) durch Äsungsflächen? wegen, werden vom Rehwild als direkte Störquelle wahrge- nommen. Zunächst nutzt das Rehwild strukturreiche Berei- 7. Ist es möglich, dass durch die Hegemaßnahmen die Reh- che als natürliche Deckungsmöglichkeiten zum Verstecken wildpopulation und somit auch der Verbissdruck auf und verharrt dort meist regungslos. Dabei lässt das Rehwild Forstpflanzen erhöht wird? Wenn ja, warum wird dann die Störquelle durchaus bis nur einige wenige Meter an sich die Rehwild-Fütterung nicht verboten? herankommen. Sobald die Störung zu groß wird, kommt es",
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"content": "Seite 2 Bayerischer Landtag · 15. Wahlperiode Drucksache 15/5318 zu Fluchten, bei denen in der Regel die nächste geeignete renz um diese beeinflusst. Je mehr Individuen mit gleichem Deckungsmöglichkeit auf direktem Wege aufgesucht wird. Nahrungsspektrum bei begrenzter Verfügbarkeit in einem Lang anhaltende Fluchten erfolgen erfahrungsgemäß bei die- Lebensraum vorkommen, umso geringer ist die Ausbeute für sen örtlich begrenzten Störungen nicht. jedes einzelne, was wiederum Auswirkungen auf das indivi- duelle Körpergewicht haben kann. Frei laufende Hunde, die innerhalb der Waldbestände im Vergleich zu Menschen relativ große Bewegungsradien be- Zu 3.: sitzen, werden ebenfalls vom Rehwild als direkte Störquelle Wissenschaftlich gesicherte Untersuchungen zum Vergleich empfunden. Die Reaktion hierauf dürfte grundsätzlich nach der Entwicklung des Körpergewichtes von Rehwild bei einem vergleichbaren Muster wie bei der Störung durch künstlicher Fütterung, bei Verbesserung des Äsungsangebo- Menschen erfolgen. Allerdings ist davon auszugehen, dass tes durch Anlage von Wildäckern oder bei Unterlassen der Intensität, Dauer und räumliche Wirkung der Störung durch vorher genannten Maßnahmen in Freilandrevieren Bayerns frei laufende Hunde durchaus größer sein können. Das kann sind nicht bekannt. Es bestehen lediglich Untersuchungen in auch länger anhaltende Fluchten zur Folge haben. einzelnen gegatterten Revierteilen, in denen die künstliche Zugabe verschiedener Futtermittel ausgewertet wurde. Zu 2.: Die körperliche Konstitution von Rehwild wird vom Geno- Zu 4.: typ und von Umwelteinflüssen bestimmt. Die Entwicklung des individuellen Körpergewichtes wird v. a. durch die Ver- Daten zu einer Erfolgsrechnung in Jagdrevieren werden in fügbarkeit von artgerechter Nahrung im jeweiligen Lebens- Bayern nicht erhoben. Eine zahlenmäßige Darstellung und raum gesteuert. Rehwild gehört zu den Wiederkäuern und ist Bewertung verschiedener Bewirtschaftungskonzepte in fi- ein sog. „Konzentratselektierer“, der bevorzugt stark ei- nanzieller Sicht kann daher nicht erfolgen. weißhaltige Nahrung in Form von Pflanzenteilen, wie Trie- ben, Blättern, Knospen und Früchten aus einem breiten Ar- Zu 5.: tenspektrum aufnimmt. Aufgrund der Umstellung der Betriebsbuchhaltung und Ein- Die Verfügbarkeit von artgerechter Nahrung ist abhängig führung eines neuen Forstlichen Rechnungs- und Informati- von der Ausstattung des jeweiligen Lebensraumes. Ein opti- onssystems (FORIS) ab dem Jahr 2000 können lediglich males Nahrungsangebot findet das Rehwild in arten- und Aussagen zu Ausgaben der Bayerischen Staatsforstverwal- strukturreichen Biotopen, die eine breite Palette von unter- tung für Fütterungen und für die Anlage von Äsungsflächen schiedlichster Äsung bieten. Naturnahe, artenreiche für die Jahre 2000 bis 2005 erfolgen. Für das Jahr 2005 sind Mischwälder mit üppigem Unterwuchs und Krautschicht in den Kosten auch Aufwendungen der Bayerischen Staats- sind beispielsweise im Gegensatz zu einschichtigen, ge- forsten ab dem 1. Juli 2005 enthalten. Über das Jahr 2000 schlossenen Reinbeständen für das Rehwild als Lebensraum hinausgehende Angaben können nur mit unverhältnismäßig deutlich attraktiver. hohem Verwaltungsaufwand aufbereitet werden, sodass hiervon abgesehen wurde. In den folgend aufgeführten Aus- Neben der Ausstattung des Lebensraumes wird die Verfüg- gaben (in Euro) für Fütterung und Anlage von Äsungs- barkeit von Nahrung auch durch die vorkommende Konkur- flächen sind Verwaltungskosten nicht enthalten: Jahr 2000 2001 2002 2003 2004 2005 Fütterung 658.285 650.116 558.034 505.415 424.310 172.530 Äsungsflächen 316.457 356.677 277.144 224.275 183.548 85.774 Summe 674.742 1.006.793 835.178 729.690 607.858 258.304 Bei den Ausgaben für Fütterungen handelt es sich überwie- vermieden werden. Insbesondere soll die Bejagung die gend um Maßnahmen zum Bau und Unterhalt von Rotwild- natürliche Verjüngung der standortgemäßen Baumarten im fütterungen bzw. Wintergattern im Gebirgsraum. Fütterun- Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen ermöglichen. gen wurden ansonsten lediglich im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben in der jeweiligen Notzeit vor Ort vorgenommen. Der Schutz und die Pflege der natürlichen Lebensgrundlagen des Wildes sind nach Art. 43 Abs. 1 BayJG Aufgabe des Re- Zu 6.: vierinhabers, der im Einvernehmen mit den Grundstücksei- Die Hege hat nach § 1 Abs. 2 BJagdG die Erhaltung eines gentümern durch Maßnahmen der Reviergestaltung und den landschaftlichen und landeskulturellen Verhältnissen an- Äsungsverbesserung die Voraussetzung dafür schaffen soll, gepassten artenreichen und gesunden Wildbestandes sowie dass das Wild auch in der vegetationsarmen Zeit natürliche die Pflege und Sicherung seiner Lebensgrundlagen zum Ziel. Äsung findet. In der Notzeit ist der Revierinhaber nach Art. Dabei muss die Hege so durchgeführt werden, dass Beein- 43 Abs. 3 BayJG verpflichtet, für eine angemessene Wild- trächtigungen einer ordnungsgemäßen land- und forstwirt- fütterung zu sorgen. Wird Schalenwild außerhalb der Notzeit schaftlichen Nutzung, insbesondere Wildschäden möglichst gefüttert, handelt es sich um eine missbräuchliche Wildfütte-",
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"content": "Drucksache 15/5318 Bayerischer Landtag · 15. Wahlperiode Seite 3 rung nach § 23 a AVBayJG. nur unter der Voraussetzung erfolgreich sind, dass die Reh- wildbestände ausreichend reguliert werden. Bei der Zulassung von Fütterungen in der Notzeit geht es im Grundsatz darum, bei einer Gefährdung aufgrund anhalten- Zu 7.: der extremer Witterungsbedingungen, wie z. B. örtlich unge- Grundsätzlich erscheint es möglich, durch künstliche Maß- wöhnlich andauernde und hohe Schneelage und einer da- nahmen wie z. B. durch Ausbringen von zusätzlichen Futter- durch bedingten fehlenden natürlichen Äsung, das Überle- mitteln Populationsdichten bei Wildtieren zu erreichen, die ben durchschnittlich konditionierter Stücke einer Population die natürliche Biotopkapazität des jeweiligen Lebensraumes zu ermöglichen. Die Regelungen zur Notzeitfütterung von überschreiten. Schalenwild stellen in ihrer Zielsetzung nicht darauf ab, mit- tels etwaiger Fütterungskonzepte als präventive Maßnahme Wildschäden an Forstpflanzen zu verringern. Nach § 1 Abs. 2 BJagdG hat die Hege allerdings die Erhal- tung eines den landschaftlichen und landeskulturellen Ver- Im Übrigen ist die Annahme, durch Fütterung Wildschäden hältnissen angepassten artenreichen und gesunden Wildbe- zu vermeiden oder zu verringern, wissenschaftlich fundiert standes sowie die Pflege und Sicherung seiner Lebensgrund- bislang nicht eindeutig nachgewiesen und wird daher in der lagen zum Ziel. Dabei hat die Hege so zu erfolgen, dass Be- Fachwelt kontrovers diskutiert. einträchtigungen einer ordnungsgemäßen land- und forst- wirtschaftlichen Nutzung, insbesondere Wildschäden mög- Grundsätzlich ist darauf hinzuweisen, dass die Initiativen der lichst vermieden werden. Insbesondere soll die Bejagung die Staatsregierung zur Verbesserung der Wildlebensräume natürliche Verjüngung der standortgemäßen Baumarten im außerhalb des Waldes, weniger auf die Äsungs- als auf die Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen ermöglichen. Deckungsverbesserung zielen. Zudem wurde bei den Akti- vitäten höchster Wert darauf gelegt, dass lebensraumverbes- Wie bereits erläutert, ist eine Wildfütterung nach § 23 a AV- sernde Maßnahmen keinesfalls als Ersatz für eine unzurei- BayJG dann missbräuchlich, wenn dadurch das Hegeziel des chende Anpassung der Rehwildbestände an die Landeskultur § 1 Abs. 2 BJagdG gefährdet ist. Dies ist in der Regel u. a. betrachtet werden. Diesen Aspekt hat auch die von der dann der Fall, wenn eine Fütterung außerhalb der Notzeit er- Staatsregierung eingesetzte Arbeitsgruppe Wildlebensraum- folgt. Mit diesen rechtlichen Vorgaben bestehen in Bayern verbesserung immer deutlich herausgearbeitet und hervorge- sachdienliche Regelungen, die sowohl dem Interesse der hoben, dass die von ihr vorgeschlagenen Maßnahmen sowie Landeskultur als auch den Bedürfnissen der Wildtiere in aus- die Bemühungen um die Akzeptanz der Grundeigentümer reichendem Maße gerecht werden.",
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