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            "content": "Bayerischer Landtag 16. Wahlperiode\t\t\t\t\t\t\t\t                                                                                       Drucksache      16/15146 14.01.2013 Schriftliche Anfrage                                                         5. Wie erklärt die Staatsregierung einige im Rahmen der Bestandserfassung zur Wasserrahmenrichtlinie im des Abgeordneten Adi Sprinkart                                                   Grundwasser aufgetretene Befunde, bei denen der Atra- BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN                                                            zingehalt den Gehalt des Abbauproduktes Desethylatra- vom 31.10.2012                                                                   zin um mehr als das Dreifache übertraf? Atrazin                                                                      6. Hält die Staatsregierung die Entnahme von Bodenproben zur Kontrolle des Atrazin-Anwendungsverbotes durch Ich frage die Staatsregierung:                                                   die Ämter für Landwirtschaft für zielführend oder wä- ren nicht die Wasserwirtschaftsbehörden, denen auch die 1.1 Welche Konsequenzen bzw. welche Maßnahmen wurden                             Atrazinwerte im Grundwasser vorliegen, für die Überwa- von den zuständigen Stellen ergriffen, nachdem an der                        chung besser geeignet? Probeentnahmestelle „Türkenbrücke“, Gemeinde Ho- henthann an der Kleinen Laaber, zwischen 11.06.2008                      7. Werden in Bayern Stichproben von Terbuthylazinspritz- und 22.07.2008 die Rückstandswerte für Atrazin von                           mitteln auf einen Verunreinigungsanteil hin untersucht, 0,12 µg/l auf 0,7 µg/l und die Werte für Desethylatrazin                     nachdem das als Spritzmittel zugelassene Terbuthylazin von 0,24 µg/l auf 0,34 µg/l anstiegen?                                       relativ hohe Anteile Atrazin als Verunreinigung enthal- 1.2 Wie ist dieser Anstieg außer durch den Einsatz von Atra-                     ten kann? Wenn ja, wie viele und mit welchen Ergebnis- zin in der Landwirtschaft zu erklären?                                       sen? 1.3 Bei wie vielen Landwirten wurden wann wie viele Bo- denproben gezogen, welche Ergebnisse erbrachten diese hinsichtlich Atrazin bzw. Desethylatrazin und konnte ein Verursacher ermittelt werden? 2. Wie beurteilt die Staatsregierung die Tatsache dass Atra- zin immer noch in Oberflächengewässern gefunden wird, obwohl seine Anwendung vor fast 20 Jahren verboten wurde? 3.1 In wie vielen Fällen ergaben in den letzten 10 Jahren die Untersuchungsergebnisse von Wasserproben bei Ober- flächengewässern einen Hinweis auf den Einsatz von Atrazin? 3.2 In wie vielen dieser Fälle konnte der Verursacher ermit- telt werden und welche Sanktionen wurden in diesen Fäl- len verhängt? 3.3 Für welche Oberflächen-Wasserkörper wurde für Terbu- thylazin die Jahresdurchschnitts-Umweltqualitätsnorm                     Antwort 2010 oder 2011 überschritten?                                            des Staatsministeriums für Umwelt und Gesundheit vom 03.12.2012 4.1 Wie beurteilt die Staatsregierung die Tatsache, dass am 09.06.2011 an der Probeentnahmestelle „Seemühle“ an                      Die Schriftliche Anfrage wird im Einvernehmen mit dem der Großen Laaber in einer Wasserprobe 30 verschie-                      Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Fors­ dene Pestizide teilweise mit Konzentrationen von 3–4                     ten wie folgt beantwortet: µg/l nachgewiesen wurden, insbesondere auch unter dem Gesichtspunkt, dass die Universität Koblenz-Landau in                    Zu 1.1: einer Studie zu dem Ergebnis kommt, dass Pestizide Ge-                   Die Kleine Laaber in Türkenfeld an der Brücke der St 2143 wässer deutlich höher belasten als vorausberechnet?                      wird vom Wasserwirtschaftsamt Landshut im Rahmen des 4.2 Bei welchen in Bayern eingesetzten Pestiziden sind ne-                   Monitorings gemäß EG-Wasserrahmenrichtlinie beprobt. gative Langzeitwirkungen wie Fortpflanzungsstörungen                     Pflanzenschutzmittel werden dabei stichprobenartig mit un- und Missbildungen bei Fischen bei Konzentrationen un-                    tersucht. Die bisherigen Analysenergebnisse sind in nachfol- ter 10µg/l im Oberflächenwasser zu befürchten?                           gender Tabelle aufgeführt: Drucksachen, Plenarprotokolle sowie die Tagesordnungen der Vollversammlung und der Ausschüsse sind im Internet unter www.bayern.landtag.de – Dokumente abrufbar. Die aktuelle Sitzungsübersicht steht unter www.bayern.landtag.de – Aktuelles/Sitzungen/Tagesübersicht zur Verfügung.",
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            "content": "Seite 2                          Bayerischer Landtag      · 16. Wahlperiode                                   Drucksache 16/15146 Datum       Atrazin µg/l   Desethylatrazin µg/l    sucht. Eine illegale Anwendung atrazinhaltiger Herbizide 11.06.2008               0,12                   0,24    konnte nicht nachgewiesen werden. 22.07.2008               0,70                   0,31    In Bayern werden seit 1993 Atrazinkontrollen durchgeführt. 24.11.2009               0,11                   0,15    Die Auswahl der zu kontrollierenden Betriebe erfolgt teils 03.03.2010               0,06                   0,12    per Zufallsprinzip (flächenhaftes Untersuchungsprogramm), 02.11.2010               0,14                   0,20    teils im Rahmen von Verdichtungsprogrammen. Zusätzlich 29.09.2011               0,14                < 0,02     erfolgen Kontrollen in begründeten Verdachtsfällen bzw. 09.11.2011               0,15                   0,21    aufgrund von Anzeigen. 07.12.2011               0,07                < 0,02 Nachfolgende Übersicht zeigt den Kontrollumfang (gesamt) 19.01.2012               0,08                < 0,02     und die Ergebnisse für die Jahre 2002 bis 2012: 01.02.2012               0,10                   0,16     Jahr           2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 01.03.2012               0,07                   0,10     Anzahl          439 368 377 358 366 276 250 99 102 96 104 12.04.2012               0,08                   0,06     kontrollierter 20.06.2012               0,13                   0,06     Betriebe Anzahl Boden- 439 368 393 386 366 277 251 99 102 96 107 01.08.2012               0,14                   0,36     proben 26.09.2012               0,12                   0,27     Bodenproben       1    2    1    0    1    0    0    0    1    0    0 mit Atrazin- Die Beprobung am 22.07.2008 erfolgte in einer regenreichen       gehalten >100 Periode. Es ist daher davon auszugehen, dass die erhöhten        µg/kg Gehalte an PSM im Fließgewässer vom Juli 2008 durch Ab- schwemmungen aus den angrenzenden landwirtschaftlichen          Bei Atrazingehalten ≥ 100 µg/kg Boden ist von einer aktu- Ackerflächen in die Kleine Laaber verursacht wurden. Die        ellen Atrazinanwendung auszugehen. In diesen Fällen wurde aufgrund der erhöhten Werte durchgeführten Nachuntersu-         gegen die Betriebe ein Ordnungswidrigkeitsverfahren einge- chungen in den Folgejahren lieferten keinen Hinweis auf         leitet. eine spezielle Belastung durch Atrazin. Zu 2.: Da Untersuchungen des Grundwassers im Gebiet der Ge-            Die Belastung von Oberflächengewässern mit Atrazin ist in meinde Hohenthann in den weiteren Jahren erhöhte Werte          den letzten Jahren rückläufig. Dass in Oberflächengewäs- für Atrazin und Desethylatrazin zeigten, wurde dieses Ge-       sern nach wie vor Atrazin gefunden wird, hängt u. a. damit biet 2012 als Verdichtungsgebiet für Atrazinkontrollen vor-     zusammen, dass Remobilisierungen gebundener Rückstände geschlagen und vonseiten der Landwirtschaftsverwaltung          im Boden und im Sediment insbesondere während der wär- intensiv untersucht (siehe Antwort zu Frage 1.3).               meren Jahreszeit stattfinden. Ferner kann durch Infiltration von atrazinbelastetem Grundwasser ein Eintrag von Atrazin Zu 1.2:                                                         in Oberflächengewässer erfolgen. Im Grundwasser ist Atra- Die Anwendung von Atrazin ist in Deutschland seit 1991          zin sehr langlebig. Aufgrund der dort herrschenden Verhält- verboten. Der Anstieg von Atrazin- und Desethylatrazin in       nisse (Dunkelheit, niedrige Temperatur, extrem geringe bio- der Kleinen Laaber im Juli 2008 kann jedoch durch Stark-        logische Aktivität) findet kaum ein Abbau statt. niederschläge verbunden mit Bodenabschwemmungen und Remobilisierung von gebundenen Atrazin-/Desethylatra-           Zu 3.1: zinrückständen verursacht worden sein. Die späteren Unter-      In den Jahren 2002 bis 2011 wurden 449 Fließgewässer- suchungen an der Messstelle „Türkenfeld Brücke“ zeigten         Messstellen auf das Vorkommen von Atrazin untersucht. In wieder einen Rückgang der Atrazinkonzentration auf das          2.368 der insgesamt 6.955 Befunde konnte Atrazin nachge- ursprüngliche Niveau. Von November 2009 bis September           wiesen werden. Die Umweltqualitätsnormen von 0,6 µg/l 2012 bewegten sich die Atrazinwerte zwischen 0,06 µg/l und      bezogen auf die Jahresdurchschnittskonzentration und von 0,15 µg/l. Andere Ursachen, wie beispielsweise die illegale     2 µg/l bezogen auf die Höchstkonzentration wurden stets Anwendung von Atrazin auf Nichtkulturland oder Ackerflä-        eingehalten. Der Trinkwassergrenzwert liegt für Pflanzen- chen oder die illegale Entsorgung von Atrazinresten, sind       schutzmittel bei 0,1 µg/l. Diese Konzentration wurde für allerdings nicht völlig auszuschließen.                         Atrazin an 118 Messstellen überschritten. Die Nachweise geben jedoch keinen unmittelbaren Hinweis auf den Einsatz Zu 1.3:                                                         von Atrazin, sondern können auf Anwendungen in der Ver- Auf Vorschlag des Landesamtes für Umwelt wurden im              gangenheit und Remobilisierungsvorgänge im Boden zu- Jahr 2012 in Abstimmung mit dem Wasserwirtschaftsamt            rückgeführt werden (siehe auch Antwort zu Frage 2). Landshut in der Gemeinde Hohenthann intensive Atrazin- kontrollen nach dem Verdichtungsprogramm durchgeführt.          Zu 3.2: Hierzu wurden vom örtlich zuständigen Amt für Ernährung,        Da sich aus den Fließgewässerdaten kein konkreter Verdacht Landwirtschaft und Forsten Deggendorf im Zeitraum vom           auf den Einsatz von Atrazin ableiten lässt, wurde auch keine 12. bis 21.06.2012 von 30 Maisschlägen (in 30 Betrieben)        Ursachenermittlung veranlasst. Bodenproben entnommen und im Labor auf Atrazin unter-",
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In den meisten Fällen beziehen        Auch einige aktuell zugelassene Pestizide, für die vergleichs- sich diese auf Atrazinwerte in Brunnen-, Quell- und Grund-      weise sehr niedrige Umweltqualitätsnormen (UQN) gelten, wasser (Verdichtungsprogramm, siehe auch Antwort zu             wie Picolinafen (Herbizid, UQN 0,007 µg/l) und Diflufeni- Frage 1.3).                                                     can (Herbizid, UQN 0,009 µg/l) zeigen ebenfalls chronisch schädigende Wirkungen auf Fische bereits unterhalb bzw. Zu 3.3:                                                         im Bereich von 10 µg/l. Die Umweltqualitätsnorm für Terbuthylazin wurde 2011 am Oberflächenwasserkörper IN058 (Kleine Vils mit Zuflüssen        Für weitere aktuell zugelassene und darüber hinaus sehr be- sowie Erlinger Bach und Sommeraubach) überschritten.            deutsame Herbizide wie Glyphosat, Isoproturon, Mecoprop Weitere Überschreitungen liegen in Bayern nicht vor.            und auch Bentazon liegen die sog. NOEC-Werte („No obser- ved effect concentration“) für negative Langzeitwirkungen Zu 4.1:                                                         bei Fischen nach den uns vorliegenden Daten dagegen deut- Das Einzugsgebiet der Großen Laaber gehört zu den Gebie-        lich über 10 µg/l. ten in Bayern mit intensiver landwirtschaftlichen Nutzung. Tatsächlich wurden in der am 09.06.2011 an der Messstel-        Zu 5.: le „Seemühle“ entnommenen Wasserprobe Rückstände von            Bei Atrazin handelt es sich um einen herbiziden Pflanzen- 23 verschiedenen Pflanzenschutzmitteln (PSM), darunter 16       schutzmittelwirkstoff, der bis zum vollständigen Anwen- PSM-Wirkstoffe und 7 PSM-Metaboliten. Bei den beiden            dungsverbot im Jahr 1991 großflächig angewendet wurde. Wirkstoffen, die in einer Konzentration von 3–4 µg/l nach-      Besonders im Maisanbau galt Atrazin aufgrund seines brei- gewiesen wurden, handelte es sich um Maisherbizide. Diese       ten Wirkungsspektrums über einen Zeitraum von 25 Jahren vergleichsweise hohe PSM-Belastung im Gewässer ist auf          als wichtigstes Herbizid. Darüber hinaus erfolgte die An- ein extremes Starkregenereignis zurückzuführen. Daneben         wendung von Atrazin auf Nichtkulturland, z. B. an Bahn- können auch Einträge über Kläranlagen- oder Hofabläufe          gleisen oder in Siedlungsbereichen. (unsachgemäße Spritzenreinigung auf dem Hof) eine Rolle spielen.                                                        Der Wirkstoff Atrazin ist in Wasser unter Umweltbedin- gungen nur schwer abbaubar. Im Boden wird Atrazin nur Die Studie der Universität Koblenz-Landau bezieht sich aus-     scheinbar schnell abgebaut. Es wird in den Humus eingebaut schließlich auf Insektizide. Bei den meisten in der Großen      und bildet sogenannte „gebundene Rückstände“, welche mit Laaber nachgewiesenen PSM handelt es sich um Herbizide          üblichen Extraktionsmethoden nicht mehr feststellbar sind. und Abbauprodukte von Herbiziden sowie um einige Fungi-         Durch den jahrelangen großflächigen Einsatz im Maisanbau zide. Es wurde nur ein Insektizid in einer Konzentration un-    konnten sich so regelrechte Wirkstoffpools bilden. Erst beim terhalb des Trinkwassergrenzwerts für Pflanzenschutzmittel      Abbau dieser Humusverbindungen durch die in allen Böden von 0,1 µg/l gefunden.                                          stattfindende Mineralisierung wird Atrazin wieder freige- setzt und kann dann metabolisiert (umgewandelt zu Dese- Zu 4.2:                                                         thylatrazin) und abgebaut, aber auch ausgewaschen werden. Nachteilige Langzeitwirkungen von Pestiziden auf Gewäs-         Je nach dem Zusammenspiel von Mineralisierung, Abbau serorganismen werden in standardisierten chronischen Wir-       und Auswaschung können so schwankende Konzentrationen kungstests ermittelt, wie z. B. für Fische mit dem „Early Life  im Sickerwasser und im Grundwasser festgestellt werden. Stage Toxicity Test“ nach der Richtlinie (“Guideline”) Nr.      Darüber hinaus kann es in Karstgebieten, wo die Transport- 210 der OECD. Bei diesem Test werden Zebrabärblinge von         und Fließwege aufgrund der komplexen Hohlraumsysteme der Befruchtung bis zum Alter von maximal 30 Tagen im           im Detail nicht nachvollziehbar sind, beispielsweise nach Wasser ausgesetzt, das mit der zu untersuchenden Chemika-       Starkregenereignissen zur Mobilisierung von „Atrazin- lie kontaminiert ist, und zu verschiedenen Zeitpunkten auf      Depots“ und damit zu erhöhten Gehalten im Grundwasser mehrere Parameter wie Entwicklungsstörungen, Sterblich-         kommen. keit der Embryonen und Larven sowie Auswirkungen auf das Schwimmverhalten untersucht.                                Hinsichtlich der gemessenen Konzentrationen für Atrazin sowie für dessen Abbauprodukt Desethylatrazin zeigt sich Für Atrazin wurden in derartigen chronischen Tests nachtei-     im Grundwasser in den letzten Jahren insgesamt eine abneh- lige Effekte wie Missbildungen, Gewebeschädigungen sowie        mende Tendenz. An einzelnen Messstellen lässt sich jedoch Enzymveränderungen zum Teil bereits bei Konzentrationen         aufgrund der oben genannten Ursachen auch eine steigende, deutlich unter 10 µg/l ermittelt. Morphologische Verände-       schwankende oder gleichbleibende Belastung feststellen. rungen in der Niere von Regenbogenforellen mit einer nied-      Dies gibt Anlass dazu, die Überwachung des Grundwassers rigsten wirksamen Atrazinkonzentration von 5 µg/l wurden        hinsichtlich der Atrazin- bzw. Desethylatrazingehalte weiter beispielsweise in einer Untersuchung der ehemaligen Bay­        fortzuführen.",
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