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"content": "Niedersächsischer Landtag — Zwölfte Wahlperiode\n\nAntwort auf eine Kleine Anfrage\n— Drucksache 12/882 —\n\nBetr.: Legionärskrankheit in Niedersachsen\n\nWortlaut der Kleinen Anfrage der Abg. Groth, Frau Bührmann, Frau Kruse, Gabriel,\nFrau Hartwig, Schuricht, Schwarz, Frau Tönsing (SPD) vom 7. 2. 1991\n\nDas Bundesgesundheitsamt hat bereits vor Jahren auf die zunehmenden Gefahren\ndurch die Legionärskrankheit hingewiesen. Erst im letzten Jahr haben zwei Erkrankun-\ngen deutscher Touristen mit tödlichem Ausgang auf der Urlaubsinsel Ischia, über die\nin den Medien berichtet wurde, die schwerwiegenden Folgen dieser Krankheit verdeut-\nlicht.\n\nLegionellen sind Bakterien, die natürlicher Bestandteil der Mikroflora des Süßwassers\nsind. Erst seit wenigen Jahren weiß man, daß sie unter bestimmten Voraussetzungen\neine schwere Lungenentzündung — die sogenannte Legionärskrankheit — hervorrufen\nkönnen, die unbehandelt häufig tödlich endet.\n\nDie Infektionen werden durch Einatmen von legionellenhaltigen Aerosolen aus der\nUmwelt ausgelöst. Die Gefahren sollen von Warmwasserversorgungsanlagen ausgehen.\nSo hat eine soeben veröffentlichte Untersuchung des Hygieneinstituts der Universität\nMünster ergeben, daß im Duschwassersystem von 88% der untersuchten kommunalen\nHallenbäder Legionellen nachweisbar waren.\n\nDies vorausgeschickt, fragen wir die Landesregierung:\n\n1. Wie wird die epidemiologische Situation der Legionärserkrankungen für Niedersach-\nsen eingeschätzt bzw. gibt es Möglichkeiten und Verfahren, sich hierüber Erkennt-\nnisse zu beschaffen?\n\n2. Welche Empfehlungen werden für Krankenhäuser, Betreiber von Hallenbädern u.a.\nzur Minimierung des Legionelleninfektionsrisikos gegeben?\n\n3. Wie werden die Gefahren für private Haushalte eingeschätzt; gibt es entsprechende\nEmpfehlungen?\n\nAntwort der Landesregierung\n\nNiedersächsisches Sozialministerium Hannover, den 25. 3. 1991\n— Z7T1 — 01 425/01 —\n\nEs ist seit einigen Jahren bekannt, daß in ungenügend erhitztem Warmwasser Legionel-\nlen auftreten können. Diese können über die Atemluft in die Lunge gelangen, wenn\n\nDrucksache 12/1169",
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"content": "Niedersächsischer Landtag — Zwölfte Wahlperiode Drucksache 12/1169\n\n \n\nWasser fein zerstäubt und in einatmungsfähiger Form vorliegt, etwa durch Duschköpfe\noder durch die Perlatoren der Wasserhähne. Diese Tatsache ist durch mehrere Untersu-\nchungen bestätigt worden; die in der Kleinen Anfrage zitierte Untersuchung ist daher\nnicht zu überraschenden Ergebnissen gekommen.\n\nLegionellen sind weltweit verbreitete Umweltbakterien, die ihren natürlichen Standort\nin Süßgewässern und feuchten Böden haben. Sie sind bei Temperaturen von nahe Null\nGrad Celsius bis ca. 50 Grad Celsius lebensfähig. In einem Temperaturbereich zwischen\n50 und 60 Grad Celsius werden sie innerhalb einiger Stunden, zwischen 60 und 70 Grad\nCelsius innerhalb einiger Minuten und über 70 Grad Celsius innerhalb von Sekunden\nabgetötet.\n\nDies vorangeschickt, beantworte ich die einzelnen Fragen wie folgt:\n\nZu 1:\n\nLegionellen konnten in über zwei Drittel aller Wasserproben gefunden werden, die die\nStaatlichen Medizinaluntersuchungsämter Hannover und Braunschweig in Kranken-\nhäusern und Hallenbädern gezogen haben. Ein erhöhtes Infektionsrisiko ist aufgrund\nepidemiologischer Untersuchungen aber erst bei einer Legionellenzahl von über 1000\npro ml anzunehmen. Diese Werte sind bei den gezogenen Proben nicht erreicht\nworden.\n\nDie Legionärskrankheit ist neben dem Pontiac-Fieber auf Legionelleninfektionen zu-\nrückzuführen. Durch Legionellen hervorgerufene Krankheiten treffen in der Regel Per-\nsonen, die bereits eine geschwächte Immunabwehr aufweisen, etwa im Rahmen schwe-\nrer anderer Erkrankungen oder bei fortgeschrittenem Alter. Die Krankheitshäufigkeit\nkann wegen des Fehlens gesicherten Materials nur grob geschätzt werden. Die vorliegen-\nden Schätzungen gehen von 5000 bis 8000 an der Legionärskrankheit erkrankten und\nvon ca. 500 bis 800 an dieser Krankheit gestorbenen Personen in den alten Ländern der\nBundesrepublik Deutschland im Jahr aus.\n\nDas Niedersächsische Sozialministerium hat den Krankenhausträgern empfohlen, in\nvermehrtem Maße die inzwischen optimierten Untersuchungsmöglichkeiten der Staatli-\nchen Medizinaluntersuchungsämter zur Legionellen-Diagnostik wahrzunehmen. Damit\nkönnten mehr Erkenntnisse über das Auftreten von Legionellen-Erkrankungen in Nic-\ndersachsen gewonnen werden.\n\nZu 2:\n\nLegionellen können insbesondere über eine sachgerechte Temperaturführung des Lei-\ntungswassers reduziert werden. Wo möglich, sollte Kaltwasser verwendet werden.\nWarmwasser ist alternativ\n\na) bei mindestens 60 Grad C zu speichern und zu verteilen,\n\nb) diskontinuierlich auf mindestens 70 Grad C zu erhitzen, und die Leitungen sind da-\nmit zu spülen,\n\nc) in Durchlauferhitzern zu erwärmen. Hier spielt die Erwärmungstemperatur keine\nRolle, sofern sicher ist, daß das erwärmte Wasser unmittelbar verbraucht wird und\nnicht in der Leitung stagniert,\n\nd) in der Vorerwärmung (über 70 Grad C) legionellenfrei zu machen. In diesem Fall\nkann das Warmwasser danach bei jeder beliebigen Temperatur nicht nur verteilt,\nsondern auch gespeichert werden.",
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"content": "Niedersächsischer Landtag — Zwölfte Wahlperiode Drucksache 12/1169\n\nMaßnahmen zur Desinfektion unter Verwendung chemischer Desinfektionsmittel oder\nMaßnahmen zur Vermeidung einer Aerosolbildung sind zur Minderung des Infektions-\ntisikos weitgehend untauglich.\n\nIn Krankenhäusern und Altenheimen sollte Warmwasser in gewissen Zeitabständen auf\ndas Vorhandensein von Legionellen untersucht werden. Die staatlichen Medizinalunter-\nsuchungsämter in Niedersachsen sind bereit und in der Lage, die notwendigen Untersu-\nchungen vorzunehmen und zur Legionellenvermeidung zu beraten.\n\nDas Infektionsrisiko in Hallenbädern ist aufgrund des Benutzerkreises geringer. Das In-\nfektionsrisiko durch die Duschen in den Bädern kann durch Erhitzen des Warmwassers\nin zweiwöchigem Abstand auf 70 Grad C und das Durchspülen der Duschköpfe mit\ndem erhitzten Wasser für 3 bis 5 Minuten nahezu ausgeschaltet werden.\n\nZu 3:\n\nLegionellen lassen sich auch in ungenügend erhitztem Warmwasser von privaten Haus-\nhalten regelmäßig nachweisen. Sie können vermieden werden, wenn Durchlauferhitzer\neingesetzt werden oder das Wasser im Warmwasserspeicher auf 60 Grad C und in den\nZirkulations- und Stichleitungen der Warmwassersysteme auf 55 Grad C erhitzt wird.\n\nHiller\n\n(Ausgegeben am 16. 4. 1991) 3",
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