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            "content": "Niedersächsischer Landtag — Elfte Wahlperiode Drucksache 11/4513\n\nI. [Un\n\nAntwort auf eine Kleine Anfrage\n— Drucksache 11/4189 —\n\nBetr.: Dioxinbelastung von Nahrungsmitteln in Niedersachsen\n\nWortlaut der Kleinen Anfrage der Abg. Frau Langendorf (Grüne) vom 26. 7. 1989\n\nDer holländischen Tagespresse vom 15. 7. 1989 ist zu entnehmen, daß die dortigen Be-\nhörden den menschlichen Verzehr von Milch und Milchprodukten sowie Innereien und\nFett von Tieren aus einem Gebiet nördlich der Müllverbrennungsanlagen in Rijnmond\nund Amsterdam-Nord untersagt haben. Die Behörden haben dies veranlaßt, nachdem\nin Milchproben erhöhte Gehalte von für die Gesundheit des Menschen äußerst giftigen\nStoffen — hauptsächlich Dioxinen und Chlorverbindungen — gefunden worden\nwaren. Diese Stoffe wurden bei der Verbrennung von Abfall freigesetzt.\n\nDie einzige öffentliche Hausmüllverbrennungsanlage Niedersachsens steht in Hameln.\nEs ist zu befürchten, daß ähnliche Gifte auch an die Umgebung Hamelns abgegeben\nwerden.\n\nIch frage die Landesregierung:\n1. Sind ihr diese Vorkommnisse in den Niederlanden bekannt?\n\n2. In welchem Umfang wird in Niedersachsen — zum Beispiel beim Milchmonito-\nring — auf Dioxin und dioxinverwandte Stoffe untersucht? Wie hoch ist die Grund-\nbelastung von Milch, Milchprodukten sowie Innereien und Fett von Tieren durch\ndiese Stoffe? Wie oft wird beprobt? Nach welchem Verfahren wird gemessen? Was\nist über festgestellte Werte bekannt? Welches sind die maximalen Werte? In wel-\nchen Regionen kommen sie vor? Wie schätzt die Landesregierung die Dioxinbela-\nstung ein?\n\n3. Gibt es Untersuchungen auf Dioxin und dioxinverwandte Stoffe in der Umgebung\nder Müllverbrennungsanlage (MVA) Hameln (Weidegras, Futter, Milch, Milchpro-\ndukte, Innereien und Fett)? Wenn ja, von wann und mit welchen Ergebnissen?\n\n4. Gibt es für den Müllverbrennungsstandort Hameln medizinische Untersuchungen\nüber Dioxinanreicherungen im menschlichen Körper? Wenn ja, von wann und mit\nwelchen Ergebnissen?\n\n5. Ist es richtig, daß dioxinhaltige Filterstäube der MVA Hameln ohne Abdeckung\nunter offenem Himmel auf einer Deponie gelagert werden? Wenn ja, welchen\nDioxingehalt (2,3,7,8-TCDD und Gesamt-Dioxin) haben die Stäube?\n\n6. Ist es richtig, daß die Oberflächenabwässer aus dieser Deponie in die Kläranlage der\nStadt Hameln geleitet werden? Werden die Oberflächenabwässer beprobt? Wenn ja,\nwie oft und mit welchen Ergebnissen?\n\n7. Welches ist die Rechtsgrundlage für die Genehmigung der Filterstaub-Deponie?\nWann wurde die Deponie von wem unter welchen Auflagen genehmigt?\n\n8. Wie beurteilt die Landesregierung den Umgang mit Filterstäuben aus der MVA Ha-\nmeln aus ökologischer, medizinischer und technischer Sicht?\n\n9. Welche Konsequenen zieht sie aus den holländischen Vorkommnissen? Hält sie ein\nVerzehrverbot für Milch, Milchprodukte sowie Innereien und Fett von Tieren aus der\nRegion Hameln für geboten, oder wird die Landesregierung aus Gründen der Vor-\nsorge eine Schließung der MVA Hameln als Sofortmaßnahme anordnen?",
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            "content": "_—__\n\nNiedersächsischer Landtag — Elfte Wahlperiode Drucksache 11/4513\n\n \n\nAntwort der Landesregierung\n\nNiedersächsisches Ministerium Hannover, den 13. 10. 1989\nfür Ernährung, Landwirtschaft und Forsten\n— 101.1 — 01425/21 — 411 —\n\nDie Gruppe der polychlorierten Dibenzodioxine und -furane umfaßt insgesamt 210\nstrukturverwandte Verbindungen, davon je nach Stellung und Anzahl der Chloratome\nim Molekül 75 isomere Dibenzodioxin- und 135 isomere Dibenzofuran-Strukturen.\n\nPolychlorierte Dibenzodioxine und -furane wurden großtechnisch niemals absichtlich\nhergestellt und besitzen keinen Anwendungszweck. Diese nutzlosen, aber teilweise\nhochgiftigen Verbindungen bildeten sich lange Zeit unbemerkt bei Prozessen der\nchemischen Großindustrie, insbesondere bei der Herstellung von Chlorphenolen und\nderen Umsetzung zu Folgeprodukten wie Herbiziden und anderen Bioziden. Sie entste-\nhen ebenfalls bei fast allen Verbrennungsprozessen. Aufgrund ihrer mannigfachen Bil-\ndungsmöglichkeiten sind Polychlordibenzodioxine und -furane in der Umwelt, insbe-\nsondere in Industrieländern, ubiquitär verbreitet und gelangen auch in die Nah-\nrungskette.\n\nVon den 210 möglichen Isomeren reichern sich nach wissenschaftlichen Erkenntnissen\nnur 15 als schwerabbaubare fettlösliche Substanzen im biologischen Material an, 12 von\nihnen wird ein besonders hohes toxikologisches Potential zugeschrieben.\n\nUm die auf polychlorierte Dibenzodioxine und -furane zurückzuführende Wirkung\nquantifizieren zu können, werden die Meßergebnisse aller Isomere nach einem Vor-\nschlag des Bundesgesundheitsamtes als 2, 3, 7, 8-Terrachlordibenzodioxine (TCDD)-\nÄquivalente zusammengefaßt.\n\nDies vorausgeschickt, beantworte ich die Fragen im einzelnen wie folgt:\n\nZul:\n\nDie Vorkommnisse in den Niederlanden sind hier durch Presseberichte bekanntge-\nworden.\n\nZu 2:\n\nDas Vorkommen von polychlotierten Dibenzodioxinen und -furanen in Lebensmitteln\nund Bioindikatoren hatte die Landesregierung bereits 1985 veranlaßt, beim Staatlichen\nChemischen Untersuchungsamt Oldenburg eine Dioxinmeßstelle einzurichten.\n\nNachdem zunächst Humanmilchproben untersucht wurden, hat die Meßstelle 1988 be-\ngonnen, Lebensmittel und Bioindikatoren aus dem Umfeld der Sonderabfall-Deponie\nMünchehagen auf polychlotierte Dibenzodioxine und -furane zu untersuchen. Die bis-\nherigen Untersuchungsergebnisse zeigen, daß in Lebensmitteln keine erhöhten Konta-\nminationen auftreten. Lediglich einzelne Bioindikatoren enthalten polychlorierte Di-\nbenzodioxine und -furane, die sich mit der ubiquitären Verbreitung dieser Stoffe vor-\naussichtlich nicht erklären lassen.\n\nAufgrund der vorhandenen Meßkapazität konnten weitere Untersuchungen nur in Ein-\nzelfällen durchgeführt werden und lassen deshalb eine weitergehende Auswertung, ins-\nbesondere unter Berücksichtigung der regionalen Herkunft der Proben, noch nicht zu.\n\nDie chemische Analyse der Proben erfolgt — nach säulenchromatographischer Aufbe-\nreitung — durch hochauflösende Massenfragmentographie.",
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            "content": "Niedersächsischer Landtag — Elfte Wahlperiode Drucksache 11/4513\n\n \n\nNeben den Meßergebnissen aus dem Sonderprogramm Münchehagen, die im Münche-\nhagen-Ausschuß den Betroffenen und der Öffentlichkeit vorgestellt wurden und die\naufgrund der besonderen Standortproblematik nicht als repräsentativ gewertet werden\nkönnen, liegen weitere Ergebnisse von Schweineleber-, Rohmilch und Konsummilch-\nproben vor. Letztere wurden insbesondere unter dem Aspekt eines möglichen Über-\ngangs von polychlorierten Dibenzodioxinen und -furanen aus der Kartonverpackung in\ndie Milch untersucht.\n\nDiese Untersuchungsergebnisse zeigen, daß Kartonverpackungen ungefähr zu einer\nVerdoppelung der in der Rohmilch enthaltenen TCDD-Äquivalente führen können,\nwenn in dem Verpackungsmaterial als Folge der Chlorbleiche beim Herstellungsprozeß\ndes Papiers bzw. des Zeilstoffs erhöhte Mengen an polychlorierten Dibenzodioxinen\nund -furanen enthalten sind.\n\nDie Untersuchung von Rohmilchproben erbrachte Rückstandsgehalte zwischen 0,5 und\n1,4 pg TCDD-Äquivalente/g Milchfett. In Schweineleberproben wurden Gehalte zwi-\nschen 0,1 und 1,2 pg TCDD-Äquivalente/g nachgewiesen. Diese Ergebnisse lassen eine\nunmittelbare Gesundheitsgefährdung der Verbraucher nicht erwarten. Dennoch ist es\nZiel der Landesregierung, den Eintrag an polychlorierten Dibenzodioxinen und -fura-\nnen in die Umwelt und über die Nahrungskette auch zu Menschen spürbar zu ver-\ntingern.\n\nZu 3:\n\nUntersuchungen von Rohmilchproben aus dem Gebiet, in dem mit Immissionen der\nMüllverbrennungsanlage Hameln zu rechnen ist, sind veranlaßt. Ergebnisse liegen noch\nnicht vor.\n\nDie Untersuchung von zwei Rohmilchproben aus einem landwirtschaftlichen Betrieb,\nder in der Abluftfahne der Müllverbrennungsanlage Bremen liegt, erbrachte keine über\ndie ubiquitäre Verbreitung dieser Stoffe hinausgehende Belastung.\n\nZu 4:\n\nAufschluß über die Dioxinanreicherung im menschlichen Körper gibt insbesondere die\nUntersuchung von Humanmilch. Hierzu hat die Landesregierung 1986 ein Mutter-\nmilchuntersuchungsprogramm durchgeführt, das über einen Zeitraum von 8 Monaten\ndie Untersuchung von über 400 Proben umfaßte. Dabei wurden 35 Proben auf 15 ver-\nschiedene Dioxin- und Furan-Isomere untersucht. Die Ergebnisse des Untersuchungs-\nprogramms sind im Februar 1988 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden.\n\nFolgeuntersuchungen erbrachten Ergebnisse in der gleichen Größenordnung.\n\nEine Auswertung der Ergebnisse unter regionalen Gesichtspunkten lieferte keine ver-\nwertbaren Erkenntnisse.\n\nLaut Auskunft des Gesundheitsamts Hameln vom 16. 8. 1989 sind dort bis dato keine\nDioxinbestimmungen in menschlichen Gewebe vorgenommen worden. Dies gilt auch\nfür die Beschäftigten der HMVA Hameln, die der betriebsärztlichen Überwachung un-\nterliegen.\n\nZu 5:\n\nJa. Bisherige Untersuchungen des Flugstaubes aus der Müllverbrennungsanlage haben\neinen Gehalt des Dioxines 2, 3, 7, 8-TCDD von 0,028 — 0,1 ug/kg ergeben. Bezogen\nauf die Gesamtmenge von 6000 t Flugstaub pro Jahr fielen damit zwischen 0,168 und\n0,6 g Dioxin an.",
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            "content": "Niedersächsischer Landtag — Elfte Wahlperiode Drucksache 11/4513\n\n \n\nZu 6:\n\nDas Oberflächenwasser wird gesammelt und der Kläranlage der Stadt Hameln zuge-\nführt. Vor jedem Abtransport zur Kläranlage wird es daraufhin untersucht, ob eine Be-\nhandlung in der Kläranlage der Stadt Hameln möglich ist.\n\nDie Ergebnisse der bisherigen Untersuchungen haben keine Einwände gegen eine Be-\nhandlung in der Kläranlage ergeben.\n\nZu 7:\n\nDie Deponie wurde am 13. 9. 1983 von der Bezirksregierung auf der Grundlage der\n88 7 und 8 des damals gültigen Abfallbeseitigungsgesetzes (AbfG) planfestgestellt.\n\nMit der 1. Änderung des Planfeststellungsbeschlusses vom 1. 7. 1985 wurde für die Ab-\nlagerung von flugstaubhaltigen Abfällen u.a. die Erstellung einer Basisabdichrung und\neiner Sickerwasserfassung angeordnet.\n\nZu 8:\n\nDer Monopolder für Flugstäube aus der Müllverbrennungsanlage Hameln wird entspre-\nchend den allgemein anerkannten Regeln der Technik betrieben. Durch das Dichtungs-\nsystem sowie die Sickerwasserfassung und -entsorgung sind Gefährdungen für Boden\nund Grundwasser nicht zu erwarten.\n\nDer Flugstaub wird in feuchtem Zustand angeliefert und auf der Deponie beregnet, so\ndaß auch hierdurch keine Beeinträchtigungen der Umgebung oder gesundheitliche Risi-\nken für Menschen zu befürchten sind.\n\nNach Aussage eines vorliegenden Gutachtens zur Risikoabschätzung für das Betriebs-\npersonal bei Einlagerung des Flugstaubes ist die Dioxinbelastung, bezogen auf das\nhochtoxische 2, 3, 7, 8-TCDD, als gering einzustufen.\n\nÜber weitere Maßnahmen kann erst nach Vorliegen der entsprechenden Untersuchungs-\nergebnisse entschieden werden.\n\nDr. Ritz\n\n4 (Ausgegeben am 3. 11. 1989)",
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