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            "content": "Niedersächsischer Landtag — Zwölfte Wahlperiode Drucksache 12/3133\n\n \n\nAntwort auf eine Kleine Anfrage\n— Drucksache 12/2885 —\n\nBetr.: Leukämiefälle in der Umgebung von Kernenergieanlagen\n\nWortlaut der Kleinen Anfrage des Abg. Grill (CDU) vom 3. 3. 1992\n\nIm Zuge der Beantwortung der Dringlichen Anfrage der Fraktion der SPD „Neue Un-\ntersuchungsergebnisse zu der Häufung von Leukämiefällen in der Samtgemeinde EIb-\nmarsch“ im Niedersächsischen Landtag am 23. Januar 1992 ist u.a. ausdrücklich die\nFreisetzung von Jod 131 aus dem Forschungsteaktor der GKSS Geesthacht und das\nKernkraftwerk Würgassen angesprochen worden. Hinsichtlich der Jodfreisetzung als\nmögliche Ursache ist keine Wertung vorgenommen worden. Bezüglich des Kernkraft-\nwerkes Würgassen ist mitgeteilt worden, daß die nordrhein-westfälische Landesregie-\nrung um Beteiligung an der Durchführung von Untersuchungen gebeten werden soll\nund in diesem Zusammenhang vorgesehen sei, eine Einbeziehung des Kasseler Arztes\nDemuth vorzuschlagen.\n\nWie zwischenzeitlich bekanntgeworden ist, soll sich im Januar 1991 der Sozialminister\ndes Landes Schleswig-Holstein zu der Jodfreisetzung im Sozialausschuß des schleswig-\nholsteinischen Landtages geäußert haben. Auch hat nunmehr inzwischen Professor\nPrindull von der Universitätskinderklinik Göttingen eine Studie zur Frage von Krebser-\nkrankungen in der Nähe des Kernkraftwerkes Würgassen vorgelegt.\n\nIch frage die Landesregierung:\n\n1. Welche wesentlichen Feststellungen hat der Sozialminister des Landes Schleswig-\nHolstein in der Sitzung des Sozialausschusses des schleswig-holsteinischen Landtages\nam Mittwoch, dem 15. Januar 1992, getroffen im Hinblick auf die derzeit vorliegen-\nden Erkenntnisse über mögliche Ursachenzusammenhänge zwischen Strahlenemis-\nsionen nuklearer Anlagen und Leukämieerkrankungen?\n\n2. Ist der Sozialminister des Landes Schleswig-Holstein im Zuge seiner Darlegungen\nauch auf die Jodfreisetzung im Jahre 1983 eingegangen, und welche Feststellungen\nund Schlußfolgerungen hat er in bezug auf die Frage eines möglichen Ursachenzu-\nsammenhanges mit Leukämieerkrankungen in der Elbmarsch gezogen im Zusam-\nmenhang mit der Ausbreitungsrichtung?\n\n3. Trifft es zu, daß die Studie von Professor Prindull zu dem Ergebnis kommt, daß Kin-\nder, die in der Nähe des Kernkraftwerkes Würgassen an der Oberweser leben, nicht\nhäufiger an Krebs erkranken als gleichaltrige Kinder im Bundesdurchschnitt?\n\n4. Teilt die Landesregierung die Meinung von Professor Prindull, daß der Kinderarzt\nDemuch in seiner 1988 vorgelegten Studie, wonach Kinder in der Region um Wür-\ngassen ein 60% erhöhtes Leukämierisiko haben, von falschen Voraussetzungen aus-\ngegangen ist, weiler die Bevölkerungsstruktur nicht ausreichend in Betracht gezogen\nhat?",
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            "content": "Niedersächsischer Landtag — Zwölfte Wahlperiode Drucksache 12/3133\n\n1 nn\n\n5. War ihr bekannt, daß der Göttinger Krebsspezialist Professor Prindull an der jetzt\nvon ihm vorgelegten Studie arbeitete, und seit wann ist ihr das Ergebnis dieser Stu-\ndie bekannt?\n\n6. Hätte sie die Möglichkeit gehabt, in ihrer Meinungsbildung zum weiteren Vorgehen\nbei den von ihr zu veranlassenden Untersuchungen auch das Ergebnis der Studie von\nProfessor Prindull einzubeziehen?\n\n7. Beabsichtigt sie nach wie vor, den Kinderarzt Demuth in die Beratungen einzube-\nziehen, und ist sie — wenn ja, in welcher Form — auch bereit, Herrn Professor Prin-\ndull um Mitarbeit zu bitten?\n\nAntwort der Landesregierung\n\nNiedersächsisches Sozialministerium Hannover, den 28. 4. 1992\n— Z/1 — 01 425/01 —\n\nDas im Zusammenhang mit der Beantwortung der Dringlichen Anfrage der Fraktion\nder SPD zum Thema „Neue Untersuchungsergebnisse zur Häufigkeit von Leukämiefäl-\nlen in der Samtgemeinde Elbmarsch“ in der Landtagssitzung am 23. 1. 1992 angespro-\nchene Kernkraftwerk Würgassen liegt auf nordrhein-westfälischem Gebiet unmittelbar\nan der niedersächsischen Landesgrenze. Daher könnten Einwohner Niedersachsens von\ndessen Emissionen betroffen werden.\n\nGrundsätzlich werden alle zu einer bestimmten Kernkraftanlage gehörenden Über-\nwachungseinrichtungen von dem Bundesland bereitgestellt und betrieben, auf dessen\nTerritorium die Anlage steht. Deshalb stehen den Standort Würgassen betreffende\nMeßwerte zunächst nur der Überwachungsbehörde des Landes Nordrhein-Westfalen zur\nVerfügung. An einer Prüfung der Frage, ob die von dem Kasseler Kinderarzt Dr. De-\nmuth im Jahre 1988 festgestellte erhöhte Leukämierate im Umkreis des Kernkraftwerkes\nWürgassen etwas mit dessen Betrieb zu tun haben könnte, muß somit die nordrhein-\nwestfälische Landesregierung beteiligt werden.\n\nAuch die Heranziehung der von Dr. Demuth in seinen Untersuchungen ermittelten\nDaten hält die Landesregierung für sinnvoll. Diese Daten hat im übrigen auch Prof.\nPrindull von der Universität Göttingen seiner Studie zugrunde gelegt.\n\nSeit der Ankündigung einer Untersuchung durch Ministerpräsident Schröder am 23. 1.\n1992 sind zwei wichtige Ereignisse eingetreten, die eine Neubewertung der Ausgangs-\nsituation erforderlich machen:\n\n1. Am 13. 2. 1992 hat Prof. Dr. Michaelis vom Kinderkrebsregister Mainz eine kern-\nkraftwerksbezogene Kinderleukämiestudie vorgestellt; für den Standort Würgassen\nist darin keine Erhöhung der Leukämierate verzeichnet.\n\n2. Dr. Demuth hat auf dem Kongreß „Neue Bewertung des Strahlentisikos“, der vom\n28. 2. bis 1. 3. 1992 in Kiel stattfand, berichtet, daß er seine Kinderkrebsstudie im\nUmkreis des Kernkraftwerks Würgassen fortgesetzt habe. In den letzten Jahren sei\nkeine Erhöhung der Leukämierate mehr festzustellen, statt dessen jedoch eine leicht\nerhöhte Hirntumorrate.\n\nAuf Grund dieser Entwicklung prüft die Landesregierung, ob die ursprüngliche Frage-\nstellung der beabsichtigten Studie abgeändert werden muß.",
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            "content": "Niedersächsischer Landtag — Zwölfte Wahlperiode Drucksache 12/3133\n\n1 110000011101010107070717171UUÄmmann 21 m\n\nDies vorausgeschickt, beantworte ich die einzelnen Fragen wie folgt:\n\nZu 1:\n\nNachweislich des Protokolls der Sitzung des Sozialausschusses des schleswig-holsteini-\nschen Landtages vom 15. 1. 1992 hat sich der Vertreter des dortigen Sozialministeriums\nnicht in allgemeiner Form zu möglichen Ursachenzusammenhängen zwischen Strahlen-\nemissionen nuklearer Anlagen und Leukämieerkrankungen geäußert. Er hat lediglich\nausgeführt, daß sich aus dem bis jetzt von der niedersächsisch / schleswig-holsteinischen\nFachbeamtenkommission zusammengetragenen Datenmaterial kein Anhaltspunkt für\neine erhöhte radioaktive Belastung der Umgebung der Nuklearanlagen von Geesthacht\nergäbe und daß somit ein Zusammenhang mit den Kinderleukämiefällen in der Samt-\ngemeinde Elbmarsch fraglich sei.\n\nZu 2:\n\nJa. Der Vertreter des Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Energie des Landes\nSchleswig-Holstein hat darauf hingewiesen, daß die 1983 freigesetzte radioaktive Wolke\nnach Nord-Ost in Richtung Geesthacht/OT Grünhof abgezogen sei und die Samtge-\nmeinde Elbmarsch nicht berührt habe. Auch von der Dosis her scheide ein Zusammen-\nhang mit den Leukämiefällen in der Samtgemeinde Elbmarsch aus.\n\nZu 3:\n\nJa. Der Vergleich der Kinderkrebsrate eines ländlichen Gebietes mit dem Bundesdurch-\nschnitt ist aber insofern problematisch, als in den Bundesdurchschnitt auch Belastungs-\ngebiete eingehen. Deshalb wird die Vorgehensweise von Prof. Dr. Michaelis begrüßt,\ndie Kinderkrebsrate in der Umgebung von Kernkraftstandorten auch mit der Kinder-\nkrebsrate in speziell ausgesuchten Referenzgebieten zu vergleichen, die mit dem jewei-\nligen Kernkraftwerksstandort in möglichst vielen Merkmalen wie Bevölkerungsdichte,\nSiedlungsstruktur, Wirtschaftskraft usw. übereinstimmen.\n\nZu 4:\n\nDie Bedenken der Landesregierung gegen die Ergebnisse der Demuth-Studie von 1988\nrichten sich nicht gegen den Befund einer erhöhten Leukämierate bei Kindern, sondern\ngegen den Umstand, daß die meisten Fälle im Umkreis von 15 bis 20 km aufgetreten\nsind. Die Umgebungsbelastung mit Radionukliden ist aber im Nahbereich der Anlage\nam höchsten. Wenn dort keine erhöhte Zahl von leukämiekranken Kindern beobachtet\nwurde, kann dies im Prinzip daran liegen, daß im 5-km-Radius nur wenige Menschen\nleben. Die Erhöhung der Häufigkeit einer relativ seltenen Krankheit kann grundsätz-\nlich nur in großen Populationen mit statistischer Sicherheit nachgewiesen werden. Die\nDemuth-Studie läßt aber ebenso die Deutung zu, daß die Emissionen des Kernkraft-\nwerks Würgassen nicht oder nur unerheblich zum Leukämierisiko beitragen und daß\ndie erhöhte Leukämierate im Fernbereich der Anlage andere Ursachen hat oder rein zu\nzufälliger Natur ist.\n\nZu 5:\n\nProf. Prindull ist am 3. 8. 1989 mit einem Schreiben an das Niedersächsische Sozialmi-\nnisterium herangetreten, in dem er ausführte, daß er den Befund einer erhöhten Leukä-\nmierate in der Umgebung des Kernkraftwerkes Würgassen nicht bestätigen könne, aber\neine erhöhte Gehirntumorrate entdeckt habe. In seiner am 2. 11. 1989 zugesandten\nStudie hat Prof. Prindull seine Aussage relativiert, indem er die im Vergleich zum Bun-\ndesdurchschnitt erhöhte Hirntumorrate im Umkreis des Kernkraftwerkes Würgassen ei-\nner Untererfassung der Hirntumore durch das Mainzer Kinderkrebsregister, das den",
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