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"content": "Wissenschaftliche Dienste Deutscher Bundestag Dokumententyp: Sachstand Sachstand Titel: Import Import von Kernenergie von Kernenergie ausAusland aus dem dem Ausland und und der der Einfluss Einfluss der der EU-Taxonomie auf Kernenergie-Projekte © 2022 Deutscher Bundestag WD 5 - 3000 - 095/22",
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"content": "Wissenschaftliche Dienste Sachstand Seite 2 WD 5 - 3000 - 095/22 Import von Kernenergie aus dem Ausland und der Einfluss der EU-Taxonomie auf Kernenergie- Projekte Aktenzeichen: WD 5 - 3000 - 095/22 Abschluss der Arbeit: 12.08.2022 Fachbereich: WD 5: Wirtschaft und Verkehr, Ernährung und Landwirtschaft Disclaimer: Die Wissenschaftlichen Die Wissenschaftlichen Dienste des Dienste DeutschendesBundestages Deutschen Bundestages unterstützenunterstützen diedes die Mitglieder Mitglieder desBundestages Deutschen Deutschen bei ihrer mandatsbezogenen Bundestages Tätigkeit. IhreTätigkeit. bei ihrer mandatsbezogenen ArbeitenIhre geben nicht die Arbeiten Auffassung geben nicht diedes Deutschen Auffassung desBundestages, eines sei Deutschen Bundes ner Organe oder der Bundestagsverwaltung wieder. Vielmehr liegen sie in der fachlichen Verantwortung tages, eines seiner Organe oder der Bundestagsverwaltung wieder. Vielmehr liegen sie in der fachlichen Verantworder Verfasse rinnen und Verfasser sowie der Fachbereichsleitung. Arbeiten der Wissenschaftlichen Dienste geben nur den zum Zeit tung der Verfasserinnen und Verfasser sowie der Fachbereichsleitung. Arbeiten der Wissenschaftlichen Dienste punkt der Erstellung des Textes aktuellen Stand wieder und stellen eine individuelle Auftragsarbeit für einen Abge geben nur den zum ordneten des Zeitpunkt Bundestagesderdar. Erstellung des Textes Die Arbeiten könnenaktuellen Stand wieder und stellen der Geheimschutzordnung eine individuelle des Bundestages Auftragsarbeit unterliegende, ge schützte für einenoder andere nicht Abgeordneten deszur Veröffentlichung Bundestages dar. Diegeeignete ArbeitenInformationen enthalten. Eine beabsichtigte können der Geheimschutzordnung Weitergabe des Bundestages oder unter Veröffentlichung ist vorab liegende, geschützte dem jeweiligen oder andere nicht zur Fachbereich anzuzeigen Veröffentlichung undInformationen geeignete nur mit Angabe der Quelle enthalten. zulässig. Eine Der Fach beabsichtigte bereich berät über die dabei zu berücksichtigenden Fragen. Weitergabe oder Veröffentlichung ist vorab dem jeweiligen Fachbereich anzuzeigen und nur mit Angabe der Quelle zulässig. Der Fachbereich berät über die dabei zu berücksichtigenden Fragen.",
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"content": "Wissenschaftliche Dienste Sachstand Seite 3 WD 5 - 3000 - 095/22 Inhaltsverzeichnis 1. Einleitung 4 2. Import von Strom 4 3. Anteil von Kernenergie am importiertem Strom 7 4. Überblick zum Stand der Kernenergie in anderen EU- Ländern 11 5. Die EU-Taxonomie und Investitionen in Kernenergie- Projekte 11",
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"content": "Wissenschaftliche Dienste Sachstand Seite 4 WD 5 - 3000 - 095/22 1. Einleitung Deutschland importierte 2021 rund 39.600 GWh vertraglich vereinbarten Strom von seinen Nach barländern. Da aktuell der „Ausstieg vom Atomausstieg“ bzw. die Betriebszeitstreckung der drei letzten Atomkraftwerke (AKW) in Deutschland vor dem Hintergrund der Energiesicherung disku tiert wird, beleuchtet diese Analyse die Frage, wie hoch der Anteil an Kernenergie bzw. Atom kraftenergie (AKE) an der importierten Strommenge ist. Es zeigt sich, dass sich bilanziell dazu Aussagen treffen lassen, die jedoch wenig Aussagekraft zu der tatsächlichen physikalischen Im portmenge haben und damit begrenzt belastbar sind. Die kürzliche Aufnahme der Kernenergie in die EU-Taxonomie nachhaltiger Aktivitäten könnte zudem eine neue Dynamik in die Zukunft der Kernenergie in Europa bringen. In diesem Sach stand werden die ersten öffentlich verfügbaren Ausblicke gesammelt, wie sich durch die EU-Ta xonomie die Finanzierung von Kernenergieprojekten als „nachhaltige Anlageformen“ auswirken könnte. 2. Import von Strom Aufgrund seiner geografischen Lage ist Deutschland Drehschreibe bei der Kopplung des europäi schen Verbundsystems für Strom. Hintergrund ist die Weiterentwicklung und das Zusammen wachsen der nationalen Strommärkte durch einen grenzüberscheitenden Handel für eine sichere 1 und kostengünstige Stromversorgung. „Der Strombinnenmarkt ist in einzelne Gebotszonen aufgeteilt, in denen Angebot und Nach frage die Preise für den Strom bestimmen. Innerhalb der Gebotszone wird der Stromhandel engpassfrei (also ohne Kapazitätsrestriktionen) vom Erzeuger zum Verbraucher abgewickelt. Damit das funktioniert, müssen innerhalb einer Gebotszone die physikalischen Engpässe ent weder durch Redispatch-Maßnahmen und Netzausbau behoben werden, oder die internen Leitungsüberlastungen werden bei der Berechnung der Grenzkuppelkapazitäten berücksich tigt. Aufgrund von Engpässen zwischen den Gebotszonen findet grenzüberschreitender 2 Stromhandel in dem Umfang statt, wie es die Übertragungsnetzkapazität erlaubt.“ Die Übertragungsnetzkapazität ist die Übertragungsleistung (Import und Export), die zwischen zwei Gebotszonen über das Jahr gemittelt stündlich dem Markt zur Verfügung gestellt wird. Dazu werden zwei unterschiedliche Berechnungsverfahren je nach Gebotszonen angewendet: die Net 3 Transfer Capacity (NTC) und das Flow-Based Market Coupling (FBMC). Beide Verfahren unter scheiden sich fundamental und können nicht miteinander vergleichen werden. Daher werden sie in der Übersicht der Stromimporte nach Deutschland aus den Jahren 2018 bis 2020 separat ausge wiesen (siehe Abbildung 1 und Abbildung 2). 1 Bundesnetzagentur (2021), Monitoringbericht, S. 226. 2 Ebd. 3 Zur Erläuterung der NTC- und der FBMC-Methode siehe Bundesnetzagentur (2021), Monitoringbericht, S. 229.",
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"content": "Wissenschaftliche Dienste Sachstand Seite 5 WD 5 - 3000 - 095/22 Abbildung 1: Entwicklung der Importkapazitäten nach Deutschland4 Hinweis: Einige Daten von 2020 wurden im Monitoringbericht fehlerhaft von den ÜNB übermittelt. Die Werte für 2020 sind in Abbildung 4 korrekt. (E-Mail der BNetzA vom 9.8.22) 4 Bundesnetzagentur (2021), Monitoringbericht, S. 229.",
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"content": "Wissenschaftliche Dienste Sachstand Seite 6 WD 5 - 3000 - 095/22 Abbildung 2: Verbundaustauschfahrpläne aus und nach Deutschland für 2019 und 20205 Den rechnerischen Austauschplänen als Handelsflüsse stehen die tatsächlich gemessenen physi kalischen Lastflüsse gegenüber (siehe Abbildung 3). „Im Idealfall wäre der Saldo von physikalischen Lastflüssen und Handelsflüssen in der Ge samtbetrachtung nahezu identisch. Durch ungeplante Flüsse (Ring- und Transitflüsse, (…)), Übertragungsverluste, grenzüberschreitenden Redispatch und Messtoleranzen kommt es je doch häufig zu Abweichungen. Da der physikalische Stromfluss immer den Weg des gerings ten Widerstandes nimmt, weichen physikalische Lastflüsse und realisierte Handelsflüsse an einzelnen Grenzen teilweise stark voneinander ab (…). Dies ist bei einem stark vermaschten 6 Netz mit einer großen Gebotszone unvermeidbar.“ 5 Bundesnetzagentur (2021), Monitoringbericht, S. 232. 6 Bundesnetzagentur (2021), Monitoringbericht, S. 231 f.",
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"content": "Wissenschaftliche Dienste Sachstand Seite 7 WD 5 - 3000 - 095/22 Abbildung 3: Vergleich der Importe tatsächlicher Lastflüsse und der Verbundaustauschpläne für 2019 und 20207 3. Anteil von Kernenergie am importiertem Strom Im Stromverbundsystem wird in jeder Sekunde aus einer Vielzahl an Quellen Strom eingespeist und an unzähligen Entnahmepunkten Strom ausgespeist. Die physikalischen Eigenschaften von Strom erlauben dabei weder die Bestimmung, wo der Strom herkommt, noch welchen Transport weg er zurückgelegt hat. Somit kann nicht physikalisch korrekt ein Rückschluss auf die jewei lige Stromerzeugertechnologie der importierten Strommenge gezogen werden. Die Frage, wie hoch der Anteil von (Atom-)Kernenergie (AKE) an der importierten Strommenge ist, ist ohne großen Aufwand nur bilanziell und nicht konkret physikalisch zu beantworten. Eine Annäherung erfolgt daher nur rechnerisch über den jeweiligen Strommix des Ursprungslandes unter der Annahme, dass sich der importierte Strom identisch zusammensetzt. Die Bundesnetzagentur zieht für die Berechnung den jeweils gebotszonenscharfen kommerziellen Außenhandel mit Strom sowie die länder- bzw. gebotszonenspezifische realisierte Stromerzeu gung heran. Dabei werden die in stündlicher Auflösung vorliegenden Daten zu einer Jahresbe trachtung zusammengefasst. Die Daten werden von den Übertragungsnetzbetreibern Europas (ENTSO-E) öffentlich bereitgestellt. Aus der folgenden Tabelle sind die Strommengen und AKE- Anteile am Import aus den elektrischen Nachbarn nach Deutschland für die Jahre 2020, 2021 und für 2022 (anteilig bis 22.7.22) ersichtlich. Aus dem jeweiligen AKE-Anteil des nationalen Strom mixes ins Verhältnis gesetzt mit der importierten Strommenge nach Deutschland, ergibt sich so mit ein rechnerischer Anteil an AKE, der nach Deutschland „importiert“ wurde: im Jahr 2020 23 7 Bundesnetzagentur (2021), Monitoringbericht, S. 233.",
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"content": "Wissenschaftliche Dienste Sachstand Seite 8 WD 5 - 3000 - 095/22 Prozent, im Jahr 2021 16 Prozent und für das Jahr 2022 anteilig bis Juli 9 Prozent (Abbildung 4, graue Spalten rechts). Abbildung 4: Bilanzieller Anteil von Atomkernenergie am deutschen Stromimport*8 * Hinweise zur Methodik: Es wurde zur Datenauswertung eine BNetzA-interne Methodik verwandt. Sie kann die Rea lität nicht vollständig abbilden, stellt aber eine Annäherung an die Stromflüsse dar. Dies liegt unter anderem daran, dass die stündliche Zusammensetzung der Stromerzeugung in der jeweiligen Gebotszone als statisch und unabhängig vom Im /Export betrachtet wird. Es wird für die Berechnung angenommen, dass der AKE-Anteil des Stromes, der ex portiert wird, genau dem AKE-Anteil des Stromes entspricht, der in der jeweiligen Gebotszone in der Stunde erzeugt wird. Wie sich die AKE-Importe in Zukunft verändern werden, hängt von mehreren Faktoren ab. Zum einen kommt es darauf an, wie sich der Strommix der Länder verändert, aus denen Deutschland Strom importiert. Da aktuell nur wenige Länder in der Liste den Bau neuer Atomkraftwerke pla nen, werden hauptsächlich die Zubaukapazitäten im Bereich konventioneller oder erneuerbarer Energien erweitert, womit sich der Import-Durchschnitt von Kernenergie nach Deutschland ver ringern dürfte. Es wird damit gerechnet, dass der Anteil von AKE in der EU von derzeit 26 Pro 9 zent auf 15 Prozent bis zum Jahr 2050 sinken werde. Schaut man auf die Länder, die tatsächlich AKE in einem größeren Umfang liefern, sind dies Bel gien, Tschechien, Schweiz und Frankreich. Markant sind die Verringerungen des importierten 8 Korrespondenz mit der Bundesnetzagentur (E-Mail vom 25.07.2022) 9 https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2022-01/kernenergie-akws-investitionen-nachhaltige-energieform",
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"content": "Wissenschaftliche Dienste Sachstand Seite 9 WD 5 - 3000 - 095/22 Stroms gerade aus Frankreich, wo über zwei Drittel des produzierten Stroms aus Kernkraft ge 10 wonnen wird. Ein Großteil der AKW-Flotte in Frankreich ist derzeit abgeschaltet oder läuft un 11 ter niedriger Last, so dass Frankreich selbst große Mengen Strom importieren muss. Auswir kungen auf den Stromimport könnte es geben, wenn die AKWs wieder hochfahren. Zwar hat die 12 französische Regierung den Bau von sechs neuen Meilern verkündet , die Bauzeit solcher Anla 13 gen sowie die Dauer der Instandsetzung sind jedoch sehr lang, so dass kurzfristig mit keiner Än 14 derung zu rechnen ist. Die Laufzeitverlängerung von AKWs, wie sie nach Presseberichten derzeit in Belgien vollzogen wird, dürfte nur marginal eine Rolle spielen, da danach die derzeitigen AKE-Kapazitäten nicht 15 weiter ausgebaut werden; der Anteil sich also nicht verändert. Einflüsse auf die weitere Reduktion von AKE am Importstrom sind wahrscheinlicher, da sich deutlich die Strommenge aus Ländern wie Dänemark oder Norwegen erhöht, die einen Großteil ihrer Energie ohne Kernenergie-Anteil nach Deutschland exportieren (siehe türkise Spalte in Ab bildung 4). Betrachtet man die Stromimporte – wie bereits angesprochen – nicht rein bilanziell, sondern ver sucht die tatsächliche physikalische Herkunft zu klären, muss der physikalische Stromfluss an den grenzüberscheitenden Kuppelstellen und damit der verbundene Import-Export-Saldo sowie 16 der Abruf-Rangfolge der Kraftwerke (Merit Order) interpretiert werden. Wenn der Anteil nuk learen Stroms abgeschätzt werden soll, muss auf Kraftwerkebene herunter gebrochen werden, zu welchen Grenzkosten in bestimmten Zeitintervallen AKWs zum Handelspreis ihren produzierten Strom anbieten und welche anderen Kraftwerkstypen zu dieser Zeit ebenfalls liefen, um die be nötigte Menge an Strom zu produzieren. Realistisch spielt ebenfalls der Kraftwerksstandort eine 10 https://world-nuclear.org/information-library/country-profiles/countries-a-f/france.aspx 11 https://www.zeit.de/politik/ausland/2022-05/frankreich-atomkraftwerke-emmanuel-macron-klimaschutz 12 ebd. 13 Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages (2021), Energiewende und Kernenergie in Frankreich, WD 5 - 3000 - 074/21, S. 10 ff., https://www.bundestag.de/re source/blob/869702/b81366a754e3172ac5677f79f2a4d6b2/WD-5-074-21-pdf-data.pdf; World Nuclear Industry Status Report (2021), World Nuclear Power Reactors 1951–2021, The WNISR Interactive DataViz, https://www.worldnuclearreport.org/reactors.html#tab=durationclass. 14 Siehe hierzu https://www.zeit.de/politik/ausland/2022-08/deutschland-frankreich-atomstrom-energie-strom handel 15 https://www.zeit.de/news/2022-07/22/einigung-bei-geplanter-akw-laufzeitverlaengerung-in-belgien 16 Erklärung des Begriffs: Die Merit-Order bzw. die Abruf-Reihenfolge der Kraftwerke beschreibt eine Rangfolge, bei der vorrangig zunächst jene Kraftwerke abgerufen werden, die die geringsten Grenzkosten aufweisen. Kraft werke mit höheren Grenzkosten werden so lange zugeschaltet, bis der Strombedarf gedeckt ist. Die Grenzkosten ergeben sich aus der Brennstoffbeschaffung, den Betrieb sowie ggf. notwendige CO2-Emissionsberechtigungen. (https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/merit-order-effekt-53696)",
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"content": "Wissenschaftliche Dienste Sachstand Seite 10 WD 5 - 3000 - 095/22 Rolle. Die Vielzahl der verbrauchs- und produktionsabhängigen Faktoren macht daher eine Be stimmung des reinen Anteils an AKE an deutschen Stromimporten schwierig. Wie schwierig und interpretativ eine solche Analyse sein kann, zeigt beispielhaft folgende Studie: Das Öko-Institut veröffentlichte 2013 eine Untersuchung zu den Stromimporten kurz vor und nach der Bekanntgabe des Atomausstiegs Deutschland im März 2011 und gingen der Frage nach, 17 ob als Ergebnis mehr Kernenergie aus dem Ausland importiert werden würde. Die Autoren un tersuchten die saisonale Stromproduktion der französischen AKWs sowie den Stromimport und Export zu verschiedenen Tageszeiten (Nachttal, Morgenpeak, Nachmittagstal, Abendpeak). Sie kamen zu folgendem Ergebnis: „Obwohl also ab dem 21. Mai in Deutschland nur noch 5 GW Kernkraftwerksleistung in Be trieb waren, wurde in diesem Zeitraum immer noch in einigen Stunden Strom kommerziell von Deutschland nach Frankreich gehandelt, und zwar dann, wenn die französische Nach frage und damit auch die Produktion besonders hoch waren. In Deutschland waren dies eben falls Stunden mit hoher Nachfrage. Zugleich wurde jedoch in diesen Stunden im dargestell ten Zeitraum neben konventionellem auch viel Solar und/oder Windstrom produziert. Die Nettoimporte von Frankreich nach Deutschland erreichten ihre höchsten Werte in der zweiten Maihälfte 2011 tendenziell in der Stunde von 4 bis 5 Uhr morgens und zwischen 20 und 21 Uhr. Insbesondere diese sehr frühen Morgenstunden sind jedoch Stunden mit niedri ger bis mittlerer Nachfrage und Stromproduktion in Deutschland, in denen durchaus noch inländische Kraftwerkskapazitäten verfügbar wären. In Frankreich waren in den gezeigten zwei Wochen außer an den Wochenenden in allen Stunden auch fossile Kraftwerke in Betrieb. Das französische Grenzkraftwerk kann also in diesen Stunden kein Kernkraftwerk gewesen sein. An den Wochenenden ist dies nicht auszu schließen, hier haben zwar auch Wasserkraftwerke Strom geliefert, es ist jedoch möglich, dass ihre kurzfristigen Grenzkosten unter denen der Kernkraftwerke liegen, wenn es sich zum Bei spiel um Laufwasserkraftwerke oder Speicherwasserkraftwerke (ohne Pumpe) mit vollem Wasserspeicher handelt. Insgesamt lässt sich aus den vorangegangenen Analysen ableiten, dass Stromlieferungen von Frankreich nach Deutschland sich nicht aufgrund eines technischen Mangels an Kraftwerks kapazitäten in Deutschland ergeben. Physikalischer wie auch kommerzieller Stromfluss von Frankreich nach Deutschland entsteht verstärkt in Situationen, in denen französische Kraft werke ihre Produktion bereits reduziert haben. Umgekehrt findet niedriger physikalischer Fluss von Frankeich nach Deutschland bzw. sogar kommerzieller Stromfluss von Deutsch land nach Frankreich in Situationen mit hoher französischer Nachfrage respektive hoher fran zösischer Stromproduktion statt. In Deutschland sind dies vor allem Stunden mit hoher So 18 larstromeinspeisung.“ 17 Öko-Institut (2013), Auswirkungen des deutschen Kernenergie-Ausstiegs auf den Stromaustausch mit den Nach barländern, https://www.oeko.de/oekodoc/1634/2013-004-de.pdf. 18 Öko-Institut (2013), Auswirkungen des deutschen Kernenergie-Ausstiegs auf den Stromaustausch mit den Nach barländern, https://www.oeko.de/oekodoc/1634/2013-004-de.pdf, S. 72.",
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"content": "Wissenschaftliche Dienste Sachstand Seite 11 WD 5 - 3000 - 095/22 4. Überblick zum Stand der Kernenergie in anderen EU-Ländern Welchen Stellenwert die Kernenergie in einzelnen Staaten der EU hat, ist auf verschiedenen Sei ten und in verschiedenen Berichten dargelegt: – https://world-nuclear.org/information-library/facts-and-figures/world-nuclear-power-reac tors-and-uranium-requireme.aspx mit einzelnen Länderprofilen. – OECD/NEA (2021), Nuclear Energy Data 2020, OECD Publishing, Paris, https://doi.org/10.1787/736e93d4-en-fr. – World Nuclear Industry Status Report 2021, https://www.worldnuclearreport.org/-World- Nuclear-Industry-Status-Report-2021-.html mit Länderprofilen im Anhang. 5. Die EU-Taxonomie und Investitionen in Kernenergie-Projekte 19 Diejenigen, die die Aufnahme der Kernkraft in die EU Taxonomie befürworteten, sehen in die sem Schritt die einzige Möglichkeit, die massiven Investitionen in die existierenden AKWs und neue AKWs in Höhe von zusammen 550 Mrd. EUR zu ermöglichen und mittels dieser „Brücken 20 technologie“ den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Mittlerweile reagieren die Marktteilnehmer und positionieren sich zu möglichen „Green Bonds“, die in Kerntechnologie investieren. Im Zuge der Aufnahme von Kernenergie und Gas in die EU Taxonomie nachhaltiger Aktivitäten hat bereits der französische Staatkonzern EDF (Electricite de France SA), der fast alle AKWs in Frankreich betreibt, einen grünen Finanzierungsbond in Höhe von 8 Mrd. EUR in Aussicht gestellt. Die EDF berücksichtigt dennoch in ihrer Finanzierungsstra tegie Anleger und Investoren, die ein Investment in Kernenergieprojekte aufgrund eigener Regeln ausschließen. Es werden aus Transparenzgründen nachhaltige Anleihen mit und ohne Nuklear projekte veräußert, um es nachhaltigkeitsorientierten Anlegern dennoch zu ermöglichen, in 21 nicht-nukleare Projekte der EDF zu investieren. Einige Anleger und Investoren zeigen sich jedoch skeptisch und schließen teilweise die Auf nahme von grünen Bonds, die sich an Nuklearprojekten beteiligen, in die eigenen, nachhaltig- 22 orientierten Portfolios aus. Nach Expertenmeinung wird die neue Einstufung in der Taxonomie 19 Siehe hierzu im Detail: Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages (2022), Aktueller Begriff: Die EU- Taxonomie nachhaltiger Aktivitäten, https://www.bundestag.de/re source/blob/881552/1b4d4d18ed0e82de1a666c1d74f39783/EU-Taxonomie-data.pdf. 20 https://www.world-nuclear-news.org/Articles/EU-needs-colossal-investment-in-nuclear-to-hit-net 21 https://www.bloomberg.com/news/articles/2022-07-20/once-unthinkable-nuclear-green-bonds-are-coming-to- europe 22 https://www.deka.de/deka-gruppe/media-research/was-uns-bewegt/auf-unsere-finanzprodukte-hat-die-vorlaeu fige-entscheidung-keinen-einfluss",
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"content": "Wissenschaftliche Dienste Sachstand Seite 12 WD 5 - 3000 - 095/22 wenig daran ändern, dass Kernkraft bisher schon ein Ausschlusskriterium für fast alle nachhalti 23 gen Fonds war. Aus Sicht von Investoren täuscht die Aufnahmen von Kernkraft und Gas nicht über die Schwä chen der Technologien hinweg. Trotz eines grünen Labels sind Investoren nicht dazu verpflich tet, Bonds mit nuklearen Anteil in ihr Portfolio aufzunehmen. Im Gegenteil, die Investoren, de nen immer auch alternative Anlagen zur Verfügung stehen, sehen weiterhin hohe Anlagerisiken: „Sicher ist aber, dass ein solches Label nicht über die wirtschaftlichen Schwächen der beiden Technologien hinwegtäuschen kann. So verursacht kein anderer Energieträger so hohe Kosten wie die Atomkraft, weshalb dieser ohne hohe staatliche Subventionen und andere Finanzhil fen für Bau, Instandhaltung und Entsorgung kaum mehr wettbewerbsfähig sein würde. Auf grund ihrer exorbitant hohen Anfangsinvestitionen, Jahrzehnte dauernder Kapitalrücklaufzei ten und explodierender Kapitalkosten wird die Atomkraft daher oftmals nicht nur sicher heitstechnisch, sondern auch finanztechnisch als eine Hochrisikotechnologie eingestuft (…). Für Anleger dürften Investitionen in erneuerbare Energien, die in den vergangenen zehn Jah ren eine historische Kostendegression durchlaufen haben, trotz fehlender EU-Sanktionen bei Erdgas- und Atom-Investitionen und der Umwidmung, die attraktivste Option darstellen. (…) Viele Anleger werden irritiert sein, wenn sie mit ihren als nachhaltig beworbenen Fonds In vestitionen in Atomkraft und Erdgas fördern. (…) Finanzmarktteilnehmer sollten daher mit Blick auf die Kundenbedürfnisse abwägen, inwiefern die neuen regulatorischen Freiheiten 24 ausgereizt werden sollten.“ Ob Kernenergie in Green Bonds tatsächlich zu einem größeren Finanzierungsumfang durch pri vate Anleger führt, dürfte stark von der Wahrnehmung der Anleger abhängen. Und das wird wie derum stark von der gesellschaftlichen Akzeptanz in den einzelnen Ländern bestimmt. In Län dern wie Frankreich, in denen Kernenergie eine hohe Akzeptanz genießt und wo ein außeror dentlich großer Bedarf an finanziellen Mitteln zur Ertüchtigung der AKW-Flotte nötig ist, könnte die Einordnung in die Taxonomie die benötigten Gelder mobilisieren. Zudem würde staatliches Kapital ebenfalls als Investition in die CO2-Neutralität, die sich Europa zum Ziel gesetzt hat, an erkannt werden. Den Anlegern in Ländern, in denen der Ausbau in erneuerbare Energien voran getrieben wurde und denen damit risikoärmere Investment-Alternativen zur Verfügung stehen, werden Bonds mit Kernenergieprojekten dadurch nicht automatisch attraktiver erscheinen. *** 23 https://www.capital.de/geld-versicherungen/eu-taxonomie-was-das-oekolabel-fuer-gas-und-atomkraft-fuer-an leger-heisst-32520652.html 24 https://klardenker.kpmg.de/digital-hub/eu-taxonomie-das-bedeutet-die-aufnahme-von-atom-und-gas/",
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