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"content": "GS LK HT 1 W2 \n Seite 1 von 3 \n \n \nName: _______________________ \n \n \nAbiturprüfung 2017 Nur für den Dienstgebrauch! \n \n \n \nAbiturprüfung 2017 \nGeschichte/Sozialwissenschaften, Leistungskurs \nAufgabenstellung: \n \n1. Geben Sie Hauptaussagen und Gedankengang des vorliegenden Textes strukturiert \nwieder. (22 Punkte) \n \n2. Ordnen Sie den Text in die politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen der Jahre \n1815 bis zum März 1848 ein und erläutern Sie den politischen Standpunkt des Autors.\n (34 Punkte) \n \n3. Beurteilen Sie u. a. vor dem Hintergrund des Textes, welche Ursachen zum Scheitern \nder Revolution 1848/49 führten. (24 Punkte) \n \n \nMaterialgrundlage: \n \n Otto Lüning: Zum neuen Jahre. In: Das Westphälische Dampfboot. Paderborn, Januar \n1848, S. 1 7 \nabgedruckt nach dem Faksimile unter: http://dlibra.bibliotekaelblaska.pl/Content/51551/ \n010335-1848_01.pdf \n(Die Rechtschreibung und Zeichensetzung folgen dem Original.) \n \n \nZugelassene Hilfsmittel: \n \n Wörterbuch zur deutschen Rechtschreibung \n Herkunftssprachliches Wörterbuch für Studierende, deren Herkunftssprache nicht \nDeutsch ist",
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"content": "GS LK HT 1 W2 \n Seite 2 von 3 \n \n \nName: _______________________ \n \n \nAbiturprüfung 2017 Nur für den Dienstgebrauch! \nDr. Otto Lüning (1818 1868), Arzt und Redakteur in Rheda/Westfalen, schreibt in der \nvon ihm herausgegebenen Zeitschrift Das Westphälische Dampfboot im Januar 1848: \n \n[
] Unsere Zeit, unsere öffentlichen Zustände sind nicht darnach angethan, daß ein an sich \nnoch so wichtiges Ereignis den Kampf zwischen der Freiheit und der Reaktion e n t s c h e i -\nd e n könnte; nur in Zeiten gewaltiger Aufregung, wo die Thatkraft von Jahrzehnden in einem \neinzigen Moment zusammengedrängt wird, wie z. B. in der ersten französischen Revolution, \nkann e i n Wurf, e i n e kühne T h a t , ja selbst eine das Volk mit unwiderstehlicher Gewalt 5 \nfortreißende R e d e die ganze Lage der Dinge, die Grundlagen des Staates radikal und prin-\nzipiell ändern. Solche Haubtschlachten werden jetzt nicht mehr oder auch nicht wieder gelie-\nfert; der Kampf ist jetzt nur ein Vorpostengefecht. Aber aus allen diesen Plänkeleien ist die \nFreiheit siegreich hervorgegangen, obwohl sie den wohlorganisirten Truppen der Reaktion \nnur Freischaaren1 entgegen zu stellen hatte. Preußen hat seinen ersten Vereinigten Landtag2 10 \ngehabt und wenn nicht alle Zeichen trügen, so wird es den zweiten haben, ehe die festgesetzten \n4 Jahre verflossen sind. Der Liberalismus hat in Deutschland aller Orten viel neues Terrain \ngewonnen, womit wir freilich noch nicht gesagt haben wollen, daß er auch den Muth haben \nwird, es zu benutzen. [
] \nWir wollen nicht zu früh triumphiren. Die Freiheit hat zwar die Vorpostengefechte siegreich 15 \nbestanden; aber noch ist die Reaktion mächtig und erhebt gerade in der letzten Zeit ihr Haubt \nkecker, als je. Sie hat einen Augenblick geglaubt, durch Zugeständnisse die öffentliche Mei-\nnung irre leiten und für sich gewinnen zu können. Aber zwischen der Freiheit und der Reak-\ntion ist keine Verständigung, keine Transaktion3 möglich; hier heißt es Sieg oder Niederlage. \nDie Reaktion hat ihren Irrthum eingesehen; sie sucht die Zugeständnisse, die die Noth des 20 \nAugenblicks ihr abrang, unwirksam zu machen; die Beweise dafür muß sich der Leser selbst \nsuchen. Sie hat sich zusammengerafft und führt alle ihre Truppen ins Feld. [
] \nUnsere Ansichten über die civilisirte Gesellschaft und ihre Einrichtungen, über die Ver-\nhältnisse des Erwerbes und des Verkehrs, des Kapitals und der Arbeit, sind noch ganz die \nnämlichen, die wir seither ausgesprochen haben. Wir geben kein Titelchen davon auf, so 25 \nwenig als von unserem Ziele, wie wir es im vorigen Januar aussprachen:4 Gleichmäßige \nharmonische Bildung für alle Schichten der menschlichen Gesellschaft, Verwirklichung und \nBethätigung des schönen Menschenthums; und als dessen Basis das durch die Einrichtung der \nGesellschaft g a r a n t i r t e Recht des Menschen auf eine zureichende menschliche Existenz. \n[
] Wir sagten schon früher in unseren Programmen: Der Konstitutionalismus ist eine Durch- 30 \ngangsphase und die nächste Entwicklung, die uns bevorsteht. Durch ihn gelangen wir zur \nDemokratie und erst in der Demokratie sind die Mittel gegeben, auf dem Wege der Gesetz-\ngebung die Verhältnisse des Erwerbes und des Verkehrs so abzuändern, wie es die neue Gesell-\nschaft zu ihrem geistigen und materiellen Wohlsein für nöthig erachten wird. Nun wohl, \n \n1 Freischaaren: militärische Freiwilligenverbände \n2 Der erste Vereinigte Landtag war die erstmalige gemeinsame Versammlung der ständischen Vertreter aller acht preußi-\nschen Provinzen in Berlin. Sie tagte von April bis Juni 1847 nach Einberufung durch den König. Hier kam es zu Diskus-\nsionen über eine preußische Verfassung. \n3 Transaktion: Übereinkunft \n4 Lüning bezieht sich auf einen Beitrag zum Westphälischen Dampfboot im vorangegangenen Jahr.",
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"content": "GS LK HT 1 W2 \n Seite 3 von 3 \n \n \nName: _______________________ \n \n \nAbiturprüfung 2017 Nur für den Dienstgebrauch! \nPreußen hat die Bahn der konstitutionellen Entwicklung betreten. Dadurch hat der Kampf 35 \num die politische Freiheit eine reelle Grundlage, eine praktische Bedeutung erhalten. Unser \nnächstes Ziel liegt jetzt offen vor uns; es ist die Ausbildung und Verwirklichung des Konsti-\ntutionalismus, das Streben nach wirklich demokratischen Einrichtungen, zu deren Erringung \nuns der verwirklichte Konstitutionalismus erst die Waffen liefert, weil die Bourgeoisie5 die \nWaffen, die sie für sich selbst nöthig hat, nicht für sich allein behalten kann. [
] 40 \nSoll dieses Ziel erreicht werden, so müssen alle diejenigen, welche f ü r die Theilnahme des \nVolkes an den öffentlichen Angelegenheiten durch eine konstitutionelle Verfassung und \ng e g e n die Herrschaft der Bureaukratie, g e g e n die Vorrechte der Feudalaristokratie in die \nSchranken treten wollen, Hand in Hand gehen. Die reinen Konstitutionellen und die reinen \nDemokraten unterscheiden sich zwar in sehr wesentlichen Punkten; jene haben nur einen Stand 45 \nim Auge, die Bourgeoisie, welche sie an die Stelle der früher bevorrechteten Stände setzen \nwollen; diese kämpfen für die Rechte des gesammten Volkes. Aber da sie für die nächste \nZukunft dasselbe Ziel, dieselben Forderungen haben, so müssen sie vorläufig zusammen \ngehen und die Entscheidung über die Differenzpunkte bis zur Verwirklichung der g e m e i n -\ns c h a f t l i c h e n Forderungen hinausschieben. [
] Die Konstitutionellen wollen Vertretung 50 \ndes deutschen Volkes beim deutschen Bunde und beim Zollverein (durch Notable)6, Preß-\nfreiheit, Gewissens- und Lehrfreiheit, Geschwornengerichte, Trennung der Verwaltung \nvon der Justiz, Sicherung der pers[önlichen] Freiheit, Verminderung der stehenden Heere, \nBefreiung des Bodens von allen noch übrigen Feudallasten7 (durch Ablösung), Selbstverwal-\ntung der Gemeinden. Die Demokraten setzen noch hinzu: Abschaffung der stehenden Heere 55 \nund Einführung einer volksthüml[ichen] Wehrverfassung, progressive Einkommensteuer8 \nstatt aller bisherigen Steuern, Unentgeltlichkeit des Unterrichts, damit er Allen zugänglich \nwerde, Ausgleichung des Mißverhältnisses zwischen Kapital und Arbeit. Nun, da sind trotz \nwichtiger und wesentlicher Verschiedenheiten doch Vereinigungspunkte genug. Diese wol-\nlen wir vorläufig durch Vereinigung der bisher zersplitterten Kräfte zu erringen suchen. Die 60 \nDemokratie ist bereit, ihre weiter gehenden Forderungen zu verschieben; aber sie erwartet \ndafür auch, daß der Liberalismus die gemeinschaftlichen Forderungen nicht durch Halbheit \nund Unentschlossenheit verquicke und verdünne. [
] \nDie Reaktion ist wohlgerüstet und wohlorganisirt, wenn auch nur selten gut geführt; die Par-\ntei des Fortschritts darf ihre Kräfte nicht fürder9 zersplittern. Wir wollen unsere persönliche 65 \nLiehaberei gern dem allgemeinen Interesse, den gemeinschaftlichen Bestrebungen zum Opfer \nbringen und wir erwarten, daß der Liberalismus das auch thun wird. Uns führt nicht eine innige \nZuneigung, sondern das gemeinschaftliche Interesse zusammen. Aber am Tage der Schlacht \nfrage ich nicht darnach, ob mein Nebenmann mir persönlich angenehm oder unangenehm ist, \nsondern darnach, ob er denselben Zweck hat, wie ich. [
] 70 \n \n5 Bourgeoisie: gemeint ist das Besitzbürgertum \n6 Notable: Vertreter des Volkes, die aufgrund ihres Ansehens oder Vermögens eine herausgehobene Stellung innehatten. \n7 stehende Feudallasten: Die Bauernbefreiung in Preußen zu Beginn des 19. Jahrhunderts fand durch Ablösezahlungen an \ndie Grundherren statt, wodurch es zu hohen Verschuldungen der Bauern kam. Die Zahlungen dauerten entsprechend viele \nJahrzehnte an. \n8 progressive Einkommenssteuer: Steuer auf das Einkommen, die bei steigenden Einkommen prozentual stärker ansteigt. \n9 fürder: weiterhin",
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"content": "Ministerium für Schule und Bildung NRW GS LK HT 1 W2 \n Seite 1 von 10 \nAbiturprüfung 2017 Nur für den Dienstgebrauch! Unterlagen für die Lehrkraft \nAbiturprüfung 2017 \nGeschichte/Sozialwissenschaften, Leistungskurs \n1. Aufgabenart \nInterpretation sprachlicher oder nichtsprachlicher historischer Quellen \n \n \n2. Aufgabenstellung1 \n1. Geben Sie Hauptaussagen und Gedankengang des vorliegenden Textes strukturiert \nwieder. (22 Punkte) \n \n2. Ordnen Sie den Text in die politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen der Jahre \n1815 bis zum März 1848 ein und erläutern Sie den politischen Standpunkt des Autors.\n (34 Punkte) \n \n3. Beurteilen Sie u. a. vor dem Hintergrund des Textes, welche Ursachen zum Scheitern \nder Revolution 1848/49 führten. (24 Punkte) \n \n \n3. Materialgrundlage \n Otto Lüning: Zum neuen Jahre. In: Das Westphälische Dampfboot. Paderborn, Januar \n1848, S. 1 7 \nabgedruckt nach dem Faksimile unter: http://dlibra.bibliotekaelblaska.pl/Content/51551/ \n010335-1848_01.pdf \n(Die Rechtschreibung und Zeichensetzung folgen dem Original.) \n \n \n4. Bezüge zum Kernlehrplan und zu den Vorgaben 2017 \nDie Aufgaben weisen vielfältige Bezüge zu den Kompetenzerwartungen und Inhaltsfeldern des \nKernlehrplans bzw. zu den in den Vorgaben ausgewiesenen Fokussierungen auf. Im Folgenden \nwird auf Bezüge von zentraler Bedeutung hingewiesen. \n \n1. Inhaltsfelder und inhaltliche Schwerpunkte \n Inhaltsfeld 5: Nationalismus, Nationalstaat und europäische Integration \n Einheit und Freiheit nationale Bewegungen in Deutschland und Europa im \n19. Jahrhundert \n \n2. Medien/Materialien \n entfällt \n \n \n1 Die Aufgabenstellung deckt inhaltlich alle drei Anforderungsbereiche ab.",
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"content": "Ministerium für Schule und Bildung NRW GS LK HT 1 W2 \n Seite 2 von 10 \nAbiturprüfung 2017 Nur für den Dienstgebrauch! 5. Zugelassene Hilfsmittel \n Wörterbuch zur deutschen Rechtschreibung \n Herkunftssprachliches Wörterbuch für Studierende, deren Herkunftssprache nicht \nDeutsch ist \n \n \n6. Vorgaben für die Bewertung der Schülerleistungen \nTeilleistungen Kriterien \na) inhaltliche Leistung \nTeilaufgabe 1 \n Anforderungen maximal \nerreichbare \nPunktzahlDer Prüfling \n1 benennt den Autor (Arzt und Redakteur Otto Lüning), die Textsorte (Leitartikel einer \nZeitschrift), die Adressaten (interessierte Öffentlichkeit, insbesondere Demokraten), \nden Zeitpunkt der Abfassung (Januar 1848) sowie die Art des zu untersuchenden \nMaterials (Quelle). 2 \n2 nennt als Thema in etwa: das Verhältnis von Demokraten und Liberalen im Hinblick \nauf die bevorstehenden politischen Auseinandersetzungen im neuen Jahr. 2 \n3 formuliert als Kernaussage in etwa: Der Entscheidungskampf zwischen reaktionären \nund freiheitlichen Kräften stehe bevor, sodass sich Liberale und Demokraten für einen \nSieg zusammenschließen müssten. 4 \n4 gibt den Gedankengang des Autors mit Hilfe von Verben, die die argumentative Funk-\ntion der Hauptaussagen verdeutlichen, in etwa wie folgt wieder: \nLüning \n betont die Bedeutung des zurückliegenden Jahres für den Kampf zwischen reak-\ntionären und freiheitlichen Kräften, \n wiederholt die bestehenden Forderungen der Demokraten nach einer Volksbildung \nund einer existenziellen Grundsicherung, \n sieht den Konstitutionalismus in Preußen als Durchgangsstadium für die Entwick-\nlung der Demokratie, \n fordert auf der Grundlage von gemeinsamen politischen Interessen ein Zusammen-\nwirken von Liberalen und Demokraten für die Durchsetzung der gemeinsamen \nForderungen, \n erklärt die Bereitschaft der Demokraten, eigene Forderungen vorerst zurückzustel-\nlen, und erwartet vom Liberalismus dasselbe. 4 \n5 gibt die Hauptaussagen des Textes in Verbindung mit dem in Kriterium 4 skizzierten \nGedankengang strukturiert wieder (Die Trennung beider Kriterien erfolgt hier nur, um \ndie Punkteanteile ausweisen zu können.): \nNur selten gelinge ein politischer Umschwung in einem einzigen Moment; tatsäch-\nlich dauere der Kampf zwischen den reaktionären und freiheitlichen Interessen län-\nger, der Liberalismus habe aber im letzten Jahr wie im zurückliegenden ersten \nVereinigten Landtag Preußens ersichtlich einen Aufschwung erfahren. \nDie Forderungen der Demokraten, Volksbildung und das Recht auf eine gesicherte \nExistenz, blieben jedoch weiterhin bestehen. \nDer von den Liberalen angestrebte Konstitutionalismus in Preußen sei nur ein Zwi-\nschenschritt auf dem Weg zu einer Demokratie, in der die Möglichkeit bestehe, \nErwerbs- und Verkehrsverhältnisse derart zu ändern, dass für das Volk geistige \nFreiheit und materieller Wohlstand ermöglicht würden.10",
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"content": "Ministerium für Schule und Bildung NRW GS LK HT 1 W2 \n Seite 3 von 10 \nAbiturprüfung 2017 Nur für den Dienstgebrauch! Liberale und Demokraten teilten grundlegende Ziele wie die Verwirklichung \nrechtsstaatlicher Prinzipien, Freiheit und Mitbestimmung (auch in Form einer \nVolksvertretung beim Deutschen Bund); darüber hinaus strebten die Demokraten \nmilitärische Abrüstung, Steuern in Abhängigkeit des steigenden Einkommens, Bil-\ndungsmöglichkeiten für die Bevölkerung und eine gerechte Regelung des Verhält-\nnisses von Kapital und Arbeit an. \n Die Demokraten seien bereit, in der anstehenden Zeit der Auseinandersetzung mit \nden reaktionären Kräften ihre Forderungen zurückzustellen und gemeinsam mit \nden Liberalen die gemeinsamen Ziele zu erkämpfen; sie erwarteten aber auch eine \nentsprechende Bereitschaft zur Zusammenarbeit seitens der Liberalen. \n6 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium. (2) \n \n \nTeilaufgabe 2 \n Anforderungen maximal \nerreichbare \nPunktzahlDer Prüfling \n ordnet den Text in die politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen der Jahre 1815 \nbis zum März 1848 ein, indem er folgende Aspekte berücksichtigt: \n1 die politischen Voraussetzungen für den Ausbruch der Märzrevolution, die in einem \nzunehmenden Autoritäts- und Legitimationsverlust der oft noch absolutistisch regie-\nrenden monarchischen Staatsführungen im territorial zersplitterten Deutschland und \neinem wachsenden politischen Selbstbewusstsein v. a. bürgerlicher Kräfte im Hinblick \nauf die Durchsetzung liberaler und nationaler Forderungen bestanden; er berücksich-\ntigt dabei mindestens drei Gesichtspunkte, z. B.: \n die Ergebnisse des Wiener Kongresses von 1815, die eine weitgehende Wiederher-\nstellung der alten Mächte zur Folge hatten und mit der Gründung des Deutschen \nBundes als Bund souveräner Einzelstaaten die Hoffnungen auf einen deutschen \nNationalstaat nicht erfüllten, \n die Entstehung oppositioneller politischer Strömungen in Deutschland als Reak-\ntion auf die Französische Revolution und die Ergebnisse des Wiener Kongresses \n(Liberale, Demokraten, nationale Bewegung) mit der Bildung von politischen \nGruppierungen (u. a. Burschenschaften), \n die Versuche dieser politischen Opposition, durch öffentliche Aktionen und pub-\nlizistische Tätigkeiten ihre Ideen publik und populär zu machen, z. B. durch poli-\ntische Feste (z. B. Wartburg 1817, Hambach 1832, Heppenheimer Versammlung \n1847), politische Literatur (Junges Deutschland, Vormärz, Westphälisches Dampf-\nboot) und öffentlichen Ungehorsam (Göttinger Sieben, Frankfurter Wachensturm), \n die verfassungspolitische Situation in den Staaten des Deutschen Bundes, die \ndadurch gekennzeichnet war, dass vielfach noch wie in Preußen absolutistisch \nregiert wurde oder Verfassungen bestanden, in denen keine oder nur wenige sub-\nstanzielle Mitbestimmungs- und Freiheitsrechte vorhanden waren, \n die Maßnahmen der Obrigkeiten, die mit den Mitteln der Staatsgewalt liberale, \nnationale und demokratische Bestrebungen zu unterdrücken bestrebt waren (vgl. \nz. B. die Karlsbader Beschlüsse von 1819 und die erneute Repressionswelle nach \nder Französischen Juli-Revolution von 1830). 8",
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"content": "Ministerium für Schule und Bildung NRW GS LK HT 1 W2 \n Seite 4 von 10 \nAbiturprüfung 2017 Nur für den Dienstgebrauch! 2 die wirtschaftlichen Voraussetzungen für den Ausbruch der Märzrevolution, die in \neiner Verarmung großer Teile der Land- und Stadtbevölkerung infolge einer Bevöl-\nkerungszunahme und des Übergangs von einer ständisch-feudalen Agrargesellschaft \nzur kapitalistischen Industriegesellschaft begründet lag; er berücksichtigt dabei min-\ndestens drei Gesichtspunkte, z. B.: \ndas anhaltende Bevölkerungswachstum u. a. infolge der Bauernbefreiung und\nden darauf folgenden Zustrom in die anwachsenden Städte, so dass zwar für die\nIndustrialisierung günstige Arbeitskräfte zur Verfügung standen, es aber auch\nArbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung gab, \ndie Verschärfung der Situation durch Pauperisierung und Proletarisierung der \nLand- und Stadtbevölkerung, deren problematische soziale Lage sich zusätzlich \ndurch Missernten (1845 47) und eine damit verbundene Wirtschaftskrise zuspitzte, \nden Konkurrenzkampf zwischen Handwerkern, Heimarbeitern und Fabrikanten \nin der Frühindustrialisierung, der zu sozialen Konflikten (vgl. z. B. den Weber-\naufstand 1844) und einem sozialen Abstieg des freien Handwerks führte, \ndie problematischen Lebensumstände der Fabrikarbeiter aufgrund knappen und \ndaher teuren Wohnraums in den Städten, die mit hygienischen Missständen und \ngesundheitlichen Problemen einhergingen (z. B. Choleraepidemie 1830 36, \nThyphusepidemien), \ndie schwierigen Arbeitsbedingungen von Fabrikarbeitern, Frauen und Kindern,\ndie gesundheitlich und finanziell ausgebeutet wurden und sich lange Zeit auch \naufgrund fehlender staatlicher Schutzmaßnahmen nicht gegen die Unternehmer \nzur Wehr setzen konnten. 8 \n3 die politische Entwicklung im Frühjahr des Jahres 1848, in dem die Forderungen der \nLiberalen und Demokraten durch die Initialzündung der französischen Februarrevolu-\ntion auch in verschiedenen Staaten des Deutschen Bundes zu Aufständen gegen die \nFürsten führten; er berücksichtigt dabei mindestens drei Gesichtspunkte, z. B.:\n die Februar-Revolution in Paris, in der liberale Forderungen nach einer Wahlrechts-\nreform zur Absetzung des Königs und zur Einführung der zweiten französischen \nRepublik führten, \n die durch die Februar-Revolution angestoßenen Unruhen in den Hauptstädten der \nStaaten des Deutschen Bundes, so in Baden, Bayern, Österreich und Preußen, in \ndenen durch breitere Bevölkerungsschichten Forderungen nach Presse- und Ver-\neinsfreiheit, nach Verfassungen mit bürgerlichen Grundrechten, nach politischer \nMitbestimmung und nach nationaler Einheit (Märzforderungen) aufkamen, \n die Aufstände und Barrikadenkämpfe am 13. bzw. 18. März in Wien bzw. Berlin \nund anderen Städten Deutschlands, die die Monarchen zu Zugeständnissen zwan-\ngen (Einberufung liberaler März-Regierungen, Verfassungs- und nationale Eini-\ngungsversprechen, Abberufung reaktionärer Politiker, z. B. Metternichs), ohne \nallerdings die obrigkeitsstaatlichen Machtinstrumente (v. a. das jeweilige Militär) \nden Monarchen aus der Hand nehmen zu können, \n die Vorbereitung einer konstituierenden Nationalversammlung durch die Heidel-\nberger Versammlung und das Frankfurter Vorparlament, \n den beginnenden Aufschwung einer demokratisch-liberalen Öffentlichkeit, zu der \nauch Publikationen wie das von Lüning herausgegebene Westphälische Dampf-\nboot gehörten. 8",
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"content": "Ministerium für Schule und Bildung NRW GS LK HT 1 W2 \n Seite 5 von 10 \nAbiturprüfung 2017 Nur für den Dienstgebrauch! 4 erläutert den politischen Standpunkt Lünings als von demokratischen bzw. frühsozia-\nlistischen Forderungen nach politischer Mitbestimmung, aber auch nach wirtschaft-\nlicher Besserstellung der breiten Bevölkerung geprägt, worin Lüning sich von der \nreaktionären Staatsmacht Preußens sowie entsprechenden konservativen bis reaktio-\nnären politischen Vorstellungen unterscheidet, aber sich grundlegend auch von den \nliberalen Forderungen des Besitzbürgertums abhebt, mit dem er aber eine zeitweilige \nKooperation im Kampf gegen die Reaktion anstrebt; er berücksichtigt dabei min-\ndestens drei Gesichtspunkte, z. B.: \n Lüning fordert einen Kampf der Freiheit gegen die Reaktion, eine Änderung \nder Grundlagen des Staates, eine Auseinandersetzung mit der Herrschaft der \nBureaukratie und den Vorrechte[n] der Feudalaristokratie, womit er sich als \nGegner des in Preußen bestehenden nahezu absolutistischen Staatssystems, in dem \nunterschiedliche Standesrechte und vom König eingesetzte Regierungen den Staat \nbeherrschen, zu erkennen gibt. \n Lüning grenzt sich deutlich von der Vorgehensweise der Liberalen / des Libera-\nlismus ab, die für Preußen den Konstitutionalismus als Regierungsform anstreb-\nten, wobei die Liberalen selber aber so bezweifelt er kaum den Muth hätten, \neinen politischen Nutzen aus den gewonnenen Plänkeleien und Vorposten-\ngefechte[n] des Jahres 1847 zu ziehen. \n Lüning akzeptiert die politisch-gemäßigten Forderungen der Liberalen nach Bürger-\nrechten, Freiheit, Mitbestimmung und Gewaltenteilung, nämlich eine Verfassung \nfür Preußen, Volksvertretung beim Deutschen Bund und beim Zollverein, Presse-, \nGewissens- und Lehrfreiheit, Geschworenengerichte, Gewaltenteilung, Sicherung \nder persönlichen Freiheit, Heeresreduzierung, Ablösung der Feudallasten und \nGemeindeselbstverwaltung, nennt den Liberalismus aber nur eine Durchgangs-\nphase. \n Lüning will weitergehend mit den Waffen der Bourgeoisie nach Erreichen des \nKonstitutionalismus die wahre Demokratie erreichen, da auch die Liberalen nur \nihren eigenen Stand im Auge hätten, wodurch er sich als Anhänger einer radikal-\ndemokratischen, tendenziell antibürgerlichen Strömung zeigt. \n Lüning sieht als Ziele der Demokratie eine grundlegende unentgeltliche Volksbil-\ndung und eine Existenzsicherung für alle, zusätzlich eine Abschaffung der obrig-\nkeitlichen Heere, ein gerechteres Steuersystem in Abhängigkeit von der Einkom-\nmenshöhe und eine gerechtere Entlohnung, um das Missverhältnis zwischen \nKapital und Arbeit auszugleichen, wodurch er sich frühsozialistischen Forderun-\ngen nach Besserstellung der Arbeiter und Besitzlosen anschließt. 10 \n5 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium. (4)",
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"content": "Ministerium für Schule und Bildung NRW GS LK HT 1 W2 \n Seite 6 von 10 \nAbiturprüfung 2017 Nur für den Dienstgebrauch! Teilaufgabe 3 \n Anforderungen maximal\nerreichbare \nPunktzahlDer Prüfling \n1 beurteilt u. a. vor dem Hintergrund des Textes, welche Ursachen zum Scheitern der \nRevolution 1848/49 führten; er berücksichtigt dabei \nsowohl eher auf das Verhalten der Akteure bezogene als auch eher strukturelle Ursa-\nchen, die die von Lüning vorgebrachte Prognose eines erfolgreichen Zusammenwir-\nkens von Liberalen und Demokraten gegen die konservativen Kräfte entkräften und \ndie Revolution scheitern ließen, z. B.: \n die Schwierigkeiten, mit denen die in Frankfurt zusammengetretene Nationalver-\nsammlung nach den Anfangserfolgen der Märzrevolution zu kämpfen hatte, insbe-\nsondere die Fülle der zu regelnden Probleme rund um die innere und äußere Gestalt \ndes Staates (Verfassung, Staatsgebiet u. a.), \n die objektiv gegebene politische Unerfahrenheit der Revolutionäre und Abgeor-\ndeten, die auf Grund der vorherigen obrigkeitsstaatlichen Verhältnisse auf ihre \nkomplexen und vielfältigen Aufgaben inner- und außerhalb der Nationalversamm-\nlung nur sehr eingeschränkt vorbereitet sein konnten, \n damit verbunden die trotz ihrer Leistungen (Ausarbeitung einer Verfassung und \nGesetzgebung) vorhandene Unfähigkeit der Nationalversammlung, sich zu einer \nzupackenden, praktisch-handelnden Körperschaft zu entwickeln, was sich in meh-\nreren innen- und außenpolitisch brisanten Situationen zeigte (u. a. die Reaktion \nauf die Schleswig-Holstein-Krise), \n die durch politische Gruppierungen entstehenden wachsenden Spannungen zwischen \nLiberalen und Demokraten, die sich schwer taten, gemeinsam gegen die konserva-\ntiven bzw. reaktionären Abgeordneten vorzugehen, sodass Lünings Vision des zeit-\nweiligen Zusammenschlusses beider Gruppen nicht in die Realität umgesetzt wurde, \n hierbei speziell das Verhalten des Großteils des liberalen Bürgertums, das in der \nZusammensetzung der Nationalversammlung die größte Gruppe stellte und auch aus \nAngst vor einer roten Gefahr (vgl. Lünings Forderungen nach Ausgleichung des \nMißverhältnisses zwischen Kapital und Arbeit) eher vorsichtig und kompromiss-\nbereit agierte, was auch Lüning schon andeutet, wenn er befürchtet, die Bourgeoisie \nkönne nur ihren eigenen Stand im Auge haben und die gemeinschaftlichen For-\nderungen
durch Halbheit und Unentschlossenheit verquicke[n] und verdünne[n], \n das nicht zuletzt durch die äußere Ablenkung des dänischen Krieges um Schleswig \nund Holstein sowie durch die Ablösung einiger Feudallasten sinkende Interesse \nder noch überwiegend agrarisch und handwerklich geprägten Bevölkerung an der \nFrankfurter Versammlung, was nicht zuletzt zu einem Wunsch nach einer Rückkehr \nzur alten Ordnung führte, sodass Lünings Hoffnung auf eine neue Gesellschaft, \ndie auf Freiheit und Mitbestimmung dränge, sich nicht erfüllte, \n das Versäumnis der Nationalversammlung, zu Beginn ihrer Konstituierung eine \nZentralgewalt einzusetzen, die von ihr kontrolliert wurde, um die Veränderungen \nin Deutschland voranzutreiben, konterrevolutionären Widerstand zu brechen und \nauch den sich bildenden Nationalstaat nach außen militärisch zu vertreten (vgl. \nz. B. die Auseinandersetzungen um Schleswig-Holstein), \n die bleibende Stärke der alten Mächte auf Grund der fortbestehenden, von der \nNationalversammlung strukturell nicht angetasteten Loyalität des alten Machtappa-\nrates, insbesondere des Militärs gegenüber den Regierungen; da die Nationalver-\nsammlung nicht über eine militärische Macht verfügte, konnte sie am Ende gewalt-\nsam aufgelöst werden, \n das erneute Erstarken der Fürsten, die sich aus der Schockstarre der Märzrevo-\nlution wieder lösten und insbesondere mithilfe des Militärs ihre Position erneut \nfestigen konnten, womit Lünings Befürchtung, dass die Reaktion alle ihre Trup-\npen ins Feld führen würde, sich bewahrheitete, 20",
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"content": "Ministerium für Schule und Bildung NRW GS LK HT 1 W2 \n Seite 7 von 10 \nAbiturprüfung 2017 Nur für den Dienstgebrauch! die Ablehnung der dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. angebotenen \nKaiserkrone, womit eine zentrale Vorstellung der Paulskirchenversammlung, einem \nerwählten Fürsten die Krone anzubieten, scheiterte, \n die Ablehnung der Verfassung durch die beiden wichtigsten Staaten im Deutschen \nBund (Preußen, Österreich), so dass die Idee der nationalen Einigung wirkungslos \nblieb, \n die z. T. auch mit militärischen Mitteln erfolgte Auflösung der Nationalversamm-\nlung und die Niederschlagung der letzten Aufstände in Südwestdeutschland nach \nder Reichsverfassungskampagne, \n die Verhaftung, Verfolgung oder Flucht der Anführer der Revolution, die zu einer \nFührungslosigkeit führte, \n die Abberufung der liberalen Märzministerien in den Bundesstaaten durch die \nFürstenhäuser und die Rückkehr zu oktroyierten Regierungsvorgaben und Ver-\nfassungen, die die liberalen und demokratischen Aktivitäten für die nächsten Jahr-\nzehnte erneut unterdrückte. \n \nOrientierung für eine 10 Gewichtungspunkten entsprechende Lösungsqualität: \nDer Prüfling gelangt unter Bezugnahme auf Lünings Prognose zu einer nachvollzieh-\nbaren Argumentation, in der insgesamt mindestens drei Gesichtspunkte sachgerecht \nberücksichtigt werden. Die Argumentation enthält keine gravierenden sachlichen \nFehler. \nOrientierung für eine 20 Gewichtungspunkten entsprechende Lösungsqualität: \nDer Prüfling entwickelt unter vertiefter Bezugnahme auf Lünings Prognose eine diffe-\nrenzierte Argumentation, in der erörternd insgesamt mindestens fünf Gesichtspunkte \nsachgerecht berücksichtigt werden. Die Argumentation enthält keine sachlichen Fehler. \n2 formuliert ein Fazit, in dem er darstellt, dass die Hoffnungen Lünings auf ein erfolg-\nreiches Zusammengehen der Liberalen mit den Demokraten nicht in Erfüllung gingen \nund in dem er mit der Möglichkeit unterschiedlicher inhaltlicher Schwerpunktset-\nzungen das Scheitern der 1848er Bewegung multikausal begründet (Uneinigkeit und \nUnerfahrenheit, die Vielfalt der zu lösenden Probleme, Wiedererstarken der Reaktion, \nwachsendes öffentliches Desinteresse, militärische Chancenlosigkeit). 4 \n3 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium. (4) \n \n \nb) Darstellungsleistung \n Anforderungen maximal \nerreichbare \nPunktzahl Der Prüfling \n1 strukturiert seinen Text schlüssig, stringent sowie gedanklich klar und bezieht sich \ndabei genau und konsequent auf die Aufgabenstellung. 5 \n2 bezieht beschreibende, deutende und wertende Aussagen schlüssig aufeinander. 4 \n3 belegt seine Aussagen durch angemessene und korrekte Nachweise (Zitate u. a.). 3 \n4 formuliert unter Beachtung der Fachsprache präzise und begrifflich differenziert. 4 \n5 schreibt sprachlich richtig (Grammatik, Orthographie, Zeichensetzung) sowie \nsyntaktisch und stilistisch sicher.4",
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"content": "Ministerium für Schule und Bildung NRW GS LK HT 1 W2 \n Seite 8 von 10 \nAbiturprüfung 2017 Nur für den Dienstgebrauch! 7. Bewertungsbogen zur Prüfungsarbeit \nName des Prüflings: ____________________________________ Kursbezeichnung: ____________ \n \nSchule: _____________________________________________ \n \n \nTeilaufgabe 1 \n Anforderungen Lösungsqualität \n Der Prüfling maximal \nerreichbare \nPunktzahl EK2 ZK DK \n1 benennt den Autor
2 \n2 nennt als Thema
2 \n3 formuliert als Kernaussage
4 \n4 gibt den Gedankengang
4 \n5 gibt die Hauptaussagen
10 \n6 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium: (2) \n
.. \n
.. \n Summe 1. Teilaufgabe 22 \n \n \nTeilaufgabe 2 \n Anforderungen Lösungsqualität \n Der Prüfling maximal \nerreichbare \nPunktzahl EK ZK DK \n ordnet den Text
\n1 die politischen Voraussetzungen
8 \n2 die wirtschaftlichen Voraussetzungen
8 \n3 die politische Entwicklung
8 \n4 erläutert den politischen
10 \n5 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium: (4) \n
.. \n
.. \n Summe 2. Teilaufgabe 34 \n \n \n2 EK = Erstkorrektur; ZK = Zweitkorrektur; DK = Drittkorrektur",
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"number": 12,
"content": "Ministerium für Schule und Bildung NRW GS LK HT 1 W2 \n Seite 9 von 10 \nAbiturprüfung 2017 Nur für den Dienstgebrauch! Teilaufgabe 3 \n Anforderungen Lösungsqualität \n Der Prüfling maximal \nerreichbare \nPunktzahl EK ZK DK \n1 beurteilt u. a.
20 \n2 formuliert ein Fazit
4 \n3 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium: (4) \n
.. \n
.. \n Summe 3. Teilaufgabe 24 \n Summe der 1., 2. und 3. Teilaufgabe 80 \n \n \nDarstellungsleistung \n Anforderungen Lösungsqualität \n Der Prüfling maximal \nerreichbare \nPunktzahl EK ZK DK \n1 strukturiert seinen Text
5 \n2 bezieht beschreibende, deutende
4 \n3 belegt seine Aussagen
3 \n4 formuliert unter Beachtung
4 \n5 schreibt sprachlich richtig
4 \n Summe Darstellungsleistung 20 \n \n Summe insgesamt (inhaltliche und Darstellungsleistung) 100 \n aus der Punktsumme resultierende Note gemäß nach-\nfolgender Tabelle \n Note ggf. unter Absenkung um bis zu zwei Notenpunkte \ngemäß § 17 Abs. 5 APO-WbK \n \n Paraphe \n \nBerechnung der Endnote nach Anlage 4 der Abiturverfügung auf der Grundlage von § 52 APO-WbK \n \nDie Klausur wird abschließend mit der Note ________________________ (____ Punkte) bewertet. \n \n \nUnterschrift, Datum:",
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"content": "Ministerium für Schule und Bildung NRW GS LK HT 1 W2 \n Seite 10 von 10 \nAbiturprüfung 2017 Nur für den Dienstgebrauch! Grundsätze für die Bewertung (Notenfindung) \nFür die Zuordnung der Notenstufen zu den Punktzahlen ist folgende Tabelle zu verwenden: \n \nNote Punkte Erreichte Punktzahl \nsehr gut plus 15 100 95 \nsehr gut 14 94 90 \nsehr gut minus 13 89 85\ngut plus 12 84 80 \ngut 11 79 75 \ngut minus 10 74 70 \nbefriedigend plus 9 69 65 \nbefriedigend 8 64 60 \nbefriedigend minus 7 59 55 \nausreichend plus 6 54 50 \nausreichend 5 49 45 \nausreichend minus 4 44 40 \nmangelhaft plus 3 39 33 \nmangelhaft 2 32 27 \nmangelhaft minus 1 26 20 \nungenügend 0 19 0",
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"content": "GS LK HT 2 W2 \n Seite 1 von 3 \n \n \nName: _______________________ \n \n \nAbiturprüfung 2017 Nur für den Dienstgebrauch! \n \n \n \nAbiturprüfung 2017 \nGeschichte/Sozialwissenschaften, Leistungskurs \nAufgabenstellung: \n \n1. Geben Sie Hauptaussagen und Gedankengang des vorliegenden Textes strukturiert \nwieder. (22 Punkte) \n \n2. Erläutern Sie die für das Verständnis des Textes notwendigen politischen und militäri-\nschen Hintergründe sowie die Umstände und Folgen des Attentats vom 20. Juli 1944. \nCharakterisieren Sie anschließend Evans Sichtweise auf Stauffenberg. (36 Punkte) \n \n3. Setzen Sie sich mit der im Text geäußerten Überlegung auseinander, dass Stauffenberg \nals Vorbild für künftige Generationen schlecht geeignet (Z. 30 f.) sei. (22 Punkte) \n \n \nMaterialgrundlage: \n \n Richard J. Evans: Sein wahres Gesicht. In: Süddeutsche Zeitung Magazin, Heft 04/2009 \nvom 23.01.2009, S. 8 10 \nhier aus: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/27927/1/1 \n \n \nZugelassene Hilfsmittel: \n \n Wörterbuch zur deutschen Rechtschreibung \n Herkunftssprachliches Wörterbuch für Studierende, deren Herkunftssprache nicht \nDeutsch ist",
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"content": "GS LK HT 2 W2 \n Seite 2 von 3 \n \n \nName: _______________________ \n \n \nAbiturprüfung 2017 Nur für den Dienstgebrauch! \nRichard J. Evans1: Sein wahres Gesicht (2009) \n \nNur wenige Ereignisse der innerdeutschen Geschichte des Zweiten Weltkriegs waren von \nhöherer Dramatik als der Versuch des Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg am 20. Juli \n1944 den Führer des deutschen Reiches, Adolf Hitler, zu ermorden. Die geflüsterten Gesprä-\nche und geheimen Unterredungen der Verschwörer im Vorfeld; die abgebrochenen Atten-\ntatsversuche am 11. und 15. Juli; die atemberaubende Kühnheit bei der Durchführung des 5 \nBombenanschlags; der Zufall, durch den Hitler mit dem Leben davonkam; die chaotischen \nZustände bei Beginn der Operation Walküre, die immer aussichtslosere Lage der letzten Stun-\nden im Armeehauptquartier in der Berliner Bendlerstraße; die tiefe Tragödie der hastigen Hin-\nrichtung Stauffenbergs; das Rätsel seiner letzten Worte: »Es lebe das geheiligte Deutschland!« \nDass die Verschwörung des 20. Juli 1944 jetzt Thema eines Hollywood-Films geworden ist, 10 \nüberrascht nicht.2 \nDoch Stauffenberg eignet sich nicht für die Rolle des Actionhelden, der aus dem einfachen \nmoralischen Antrieb handelt, wie er dem Bestreben Hollywoods genügt, Geschichte im Rah-\nmen starker Gegensätze von Gut und Böse abzuhandeln. Stauffenbergs Moralverständnis war \nein vielschichtiges Konglomerat3 aus katholischer Lehre, einem aristokratischen Ehrenkodex, 15 \ndem Ethos4 des Alten Griechenland und deutscher romantischer Dichtung. \nMehr als alles andere prägte ihn in dieser Hinsicht wohl der Einfluss des Dichters Stefan \nGeorge,5 dessen Ehrgeiz es war, ein »Geheimes Deutschland« wiederzubeleben, das den \nMaterialismus der Weimarer Republik hinwegfegen und das Leben in Deutschland zu seiner \nwahren Spiritualität zurückführen sollte. Vom Gedankengut Georges inspiriert, ersehnte 20 \nStauffenberg ein idealisiertes mittelalterliches Reich, durch das Europa unter der Führung \nDeutschlands ein neues Maß an Kultur und Zivilisation erlangen würde. Eine Sinnsuche \ndieser Art war nicht untypisch für die utopistischen Ideen, die am Rande der Weimarer Repu-\nblik gediehen optimistisch und ehrgeizig, aber auch abstrakt und unrealistisch: eine völlig \nungeeignete Grundlage für eine reale politische Zukunft. [
] 25 \nSelbst gegen Ende der Dreißigerjahre war Stauffenberg merklich stärker dem Nationalsozia-\nlismus zugetan als viele ältere Offiziere. Verwandte beschrieben ihn als das einzige »braune« \nMitglied der Familie. Obwohl er später jegliche Begeisterung für den Nationalsozialismus ver-\nlieren sollte, hatte er für die parlamentarische Demokratie zeitlebens nur Verachtung übrig. \nAllein schon aus diesem Grund ist Stauffenberg als Vorbild für künftige Generationen schlecht 30 \ngeeignet. [
] \nIn Feldzügen der ersten beiden Kriegsjahre kämpfte Stauffenberg tapfer und mit Begeisterung. \nErst 1941, in den Monaten nach der Invasion der Sowjetunion, kamen ihm Zweifel, ob der \n \n1 Richard J. Evans, geboren 1947 in London, ist Professor für Neuere Geschichte an der Universität Cambridge mit dem \nSchwerpunkt Nationalsozialismus. \n2 Gemeint ist der 2008 erschienene Film Operation Walküre das Stauffenberg Attentat mit Tom Cruise in der Rolle \ndes Claus von Stauffenberg. \n3 Konglomerat: Gemisch, Gemengelage \n4 Ethos: Gewohnheit, Sitte, Bräuche \n5 Stefan George (1868 1933): einflussreicher deutscher Lyriker, der der Weimarer Republik distanziert gegenüberstand \nund dessen Ideen von Stauffenberg beeinflussten. Die Gedichte seines Spätwerks erschienen mit dem Titel Das neue \nReich, wobei er das neue Reich als ein geistiges auffasste und eine Vereinnahmung durch den NS ablehnte.",
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"content": "GS LK HT 2 W2 \n Seite 3 von 3 \n \n \nName: _______________________ \n \n \nAbiturprüfung 2017 Nur für den Dienstgebrauch! \nNationalsozialismus die Ideale verwirklichen würde, die er erreichen wollte. Stauffenberg \nerkannte, dass Hitler die deutschen Ressourcen in einer Weise beanspruchte, die ein Scheitern 35 \nunausweichlich machte. \nWichtiger noch, die Massentötungen von Zivilisten hinter der Ostfront, die Ermordung von \ndreieinhalb Millionen sowjetischen Kriegsgefangenen und vor allem die Erschießung Hun-\nderttausender Juden überzeugte Stauffenberg, dass das nationalsozialistische Regime rück-\nsichtslos jenes Wohlwollen zertrampelte, das ihm die Völker, die es vom Joch Stalins befreit 40 \nhatte, anfänglich entgegengebracht hatten. Es verriet seine Vorstellung eines neuen Europa, \ndas unter der gütigen Herrschaft des Deutschen Reichs gedieh. Das Regime, so dachte er, ver-\nriet sogar die Ideale des Nationalsozialismus selbst. \nWie die wenigen anderen Offiziere, die die Art und Weise der Kriegsführung an der Ostfront \nmissbilligten, fand Stauffenberg also zuerst zu einer Haltung, die eher von militärischen als 45 \nvon moralischen Überlegungen geprägt war. Im Verlauf des Jahres 1942 erkannte Stauffen-\nberg allerdings, dass diese Gräueltaten nicht nur kontraproduktive Begleiterscheinungen einer \nbrutalen Politik der Kriegsführung waren, sondern letztlich das Wesen des deutschen Kriegs-\neinsatzes darstellten. Hitler und die Führung der Nationalsozialisten verrieten Deutschland: \nSie verhinderten nicht nur die Umsetzung der spirituellen Werte des »Geheimen Deutsch- 50 \nland«, sie negierten diese. Sie pervertierten militärische Werte und verwickelten die Streit-\nkräfte in grauenvolle Verbrechen, die gegen die grundsätzlichsten Prinzipien verstießen, nach \ndenen er und andere Offiziere lebten. Hätte Stauffenberg den Krieg überlebt, dann hätte er \nkein Verständnis für diejenigen gehabt, die später behaupteten, die Wehrmacht sei vom mörde-\nrischen Geist des Nationalsozialismus unbefleckt geblieben. Die Armee selbst war zu einem 55 \nInstrument des Verbrechens geworden. \nEs war diese moralische Überzeugung gewonnen, als Deutschland in Europa noch die abso-\nlute Vorherrschaft innehatte , die Stauffenberg von den eher pragmatischen Ansichten einiger \nanderer Verschwörer unterschied. Von jenen, denen vor allem daran gelegen war, Deutsch-\nland vor der totalen Niederlage zu retten, mit der das Land nach Stalingrad rechnen musste. 60 \nStauffenberg wurde aktiv, als viele andere Mitglieder des militärisch-aristokratischen Wider-\nstands noch zögerten. \nDer Schwur, den er für die Verschwörer ersann, verpflichtete sie auf eine neue Ordnung, »die \nalle Deutschen zu Trägern des Staates macht« aber auch dazu, »die Gleichheitslüge« zu \nverachten« und sich »den naturgegebenen Rängen« zu beugen. Wie beinahe alle Zweige des 65 \nWiderstands war Stauffenberg der Meinung, der Parlamentarismus, die einzig praktikable \nForm einer demokratischen Politik, habe in der Weimarer Republik seine Bankrotterklärung \nabgeliefert; dass dieses politische System nach dem Krieg wiederauferstehen sollte, hätte \nStauffenberg verärgert und auch überrascht. \nAuch hier waren seine Vorstellungen in ihrer arroganten Zurückweisung sozialer und poli- 70 \ntischer Gleichberechtigung eher rückwärts- als zukunftsgewandt. Diese Ablehnung von \nGleichheit und Demokratie teilten, in verschiedenen Ausprägungen, die vielfältigen Gruppie-\nrungen innerhalb des Widerstands. Somit hatte der Versuch, politische Persönlichkeiten ande-\nrer Weltanschauungen, etwa Sozialdemokraten, mit ins Boot zu holen, nie eine realistische \nAussicht auf Erfolg. [
] 75",
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"content": "Ministerium für Schule und Bildung NRW GS LK HT 2 W2 \n Seite 1 von 10 \nAbiturprüfung 2017 Nur für den Dienstgebrauch! Unterlagen für die Lehrkraft \nAbiturprüfung 2017 \nGeschichte/Sozialwissenschaften, Leistungskurs \n1. Aufgabenart \nAnalyse von Darstellungen und kritische Auseinandersetzung mit ihnen \n \n \n2. Aufgabenstellung1 \n1. Geben Sie Hauptaussagen und Gedankengang des vorliegenden Textes strukturiert \nwieder. (22 Punkte) \n \n2. Erläutern Sie die für das Verständnis des Textes notwendigen politischen und militäri-\nschen Hintergründe sowie die Umstände und Folgen des Attentats vom 20. Juli 1944. \nCharakterisieren Sie anschließend Evans Sichtweise auf Stauffenberg. (36 Punkte) \n \n3. Setzen Sie sich mit der im Text geäußerten Überlegung auseinander, dass Stauffenberg \nals Vorbild für künftige Generationen schlecht geeignet (Z. 30 f.) sei. (22 Punkte) \n \n \n3. Materialgrundlage \n Richard J. Evans: Sein wahres Gesicht. In: Süddeutsche Zeitung Magazin, Heft 04/2009 \nvom 23.01.2009, S. 8 10 \nhier aus: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/27927/1/1 \n \n \n4. Bezüge zum Kernlehrplan und zu den Vorgaben 2017 \nDie Aufgaben weisen vielfältige Bezüge zu den Kompetenzerwartungen und Inhaltsfeldern des \nKernlehrplans bzw. zu den in den Vorgaben ausgewiesenen Fokussierungen auf. Im Folgenden \nwird auf Bezüge von zentraler Bedeutung hingewiesen. \n \n1. Inhaltsfelder und inhaltliche Schwerpunkte \n Inhaltsfeld 4: Die Zeit des Nationalsozialismus Voraussetzungen, Herrschaftsstrukturen, \nNachwirkungen und Deutungen \n Politische und ideologische Grundlagen des Nationalsozialismus \n Nationalsozialistische Herrschaft und Volksgemeinschaft \n Völkermord und Vernichtungskrieg \n Das Handeln der Menschen in der Zeit des Nationalsozialismus \n Motive und Formen des Widerstandes am Beispiel der Weißen Rose und im \nKontext des 20. Juli 1944 \n \n \n1 Die Aufgabenstellung deckt inhaltlich alle drei Anforderungsbereiche ab.",
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"content": "Ministerium für Schule und Bildung NRW GS LK HT 2 W2 \n Seite 2 von 10 \nAbiturprüfung 2017 Nur für den Dienstgebrauch! 2. Medien/Materialien \n entfällt \n \n \n5. Zugelassene Hilfsmittel \n Wörterbuch zur deutschen Rechtschreibung \n Herkunftssprachliches Wörterbuch für Studierende, deren Herkunftssprache nicht \nDeutsch ist \n \n \n6. Vorgaben für die Bewertung der Schülerleistungen \nTeilleistungen Kriterien \na) inhaltliche Leistung \nTeilaufgabe 1 \n Anforderungen maximal \nerreichbare \nPunktzahlDer Prüfling \n1 benennt den Autor (Historiker Richard J. Evans), die Textsorte (Zeitschriftenartikel), \ndie Adressaten (historisch interessierte Öffentlichkeit), den Zeitpunkt der Veröffent-\nlichung (Januar 2009) sowie die Art des zu untersuchenden Materials (populärwissen-\nschaftliche Darstellung). 2 \n2 nennt als Thema in etwa: Stauffenbergs politische Grundpositionen und die Motive \nfür sein Widerstandshandeln. 2 \n3 formuliert als Kernaussage in etwa: Stauffenberg sei aufgrund der deutschen Kriegs-\nverbrechen zum Verschwörer gegen Hitler geworden, tauge aber heute aufgrund seiner \nrückwärtsgewandten aristokratischen und antidemokratischen Weltanschauung nicht \nals Vorbild. 4 \n4 gibt den Gedankengang des Autors mit Hilfe von Verben, die die argumentative Funk-\ntion der Hauptaussagen verdeutlichen, in etwa wie folgt wieder: \nEvans \n stellt die cineastische Dramatik des Stauffenberg-Attentats dar, obwohl dieser nicht \nzum Kinohelden tauge, \n umschreibt die seiner Ansicht nach irrealen moralischen Zukunftsvisionen Stauf-\nfenbergs, \n stellt Stauffenberg als früheren Anhänger des Nationalsozialismus dar, \n sieht den Grund für sein Umdenken in den deutschen Kriegsverbrechen, \n bewertet Stauffenbergs Ideologie als rückwärtsgewandt und behauptet, dass seine \nZukunftspläne daher hätten scheitern müssen. 4 \n5 gibt die Hauptaussagen des Textes in Verbindung mit dem in Kriterium 4 skizzierten \nGedankengang strukturiert wieder (Die Trennung beider Kriterien erfolgt hier nur, um \ndie Punkteanteile ausweisen zu können.): \n Der Attentatsversuch vom 20. Juli biete einerseits in seiner Dramatik aufgrund der \nunsicheren Vorbereitungen, der Beherztheit des Attentats und der aussichtslosen \nLage der Verschwörer nach seinem Misslingen genügend Stoff für einen aktuellen \nSpielfilm, obwohl der Protagonist Stauffenberg andererseits aufgrund seiner viel-\nschichtigen Moralvorstellung nicht zum hollywoodtypischen Schwarz-Weiß-Helden \ntauge. 10",
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"content": "Ministerium für Schule und Bildung NRW GS LK HT 2 W2 \n Seite 3 von 10 \nAbiturprüfung 2017 Nur für den Dienstgebrauch! Stauffenberg sei geprägt gewesen durch den Dichter Stefan George und dessen \nVorstellung einer mittelalterlichen deutschen Reichsidee und einer damit verbun-\ndenen führenden Rolle eines neuen deutschen Reiches in Europa. \n Stauffenberg sei zunächst ein überzeugter Anhänger des Nationalsozialismus \ngewesen und habe die parlamentarische Demokratie zeitlebens verachtet. \n Trotz anfänglicher begeisterter Kriegsteilnahme habe er durch die deutschen \nKriegsverbrechen, bei denen auch die Wehrmacht dem Nationalsozialismus als \nInstrument gedient habe, eine Pervertierung der NS-Ideale erkannt. Daher sei er \nnoch vor der Wende von Stalingrad zum Gegner der Nationalsozialisten geworden. \n In seinem rückwärtsgerichteten antiparlamentarischen und antiegalitären Standes-\ndenken habe es allerdings keinen Platz für eine Zusammenarbeit mit Andersden-\nkenden gegeben, weshalb seine politischen Pläne für die Zukunft hätten scheitern \nmüssen. \n6 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium. (2) \n \nTeilaufgabe 2 \n Anforderungen maximal \nerreichbare \nPunktzahlDer Prüfling \n erläutert die für das Verständnis des Textes notwendigen politischen und militärischen \nHintergründe sowie die Umstände und Folgen des 20. Juli 1944, indem er sich auf \nfolgende Aspekte bezieht: \n1 den politischen Hintergrund der nationalsozialistischen Machtübernahme und des \nMachtausbaus, die einen totalitären Führerstaat schufen, der durch seine repressiven \nMaßnahmen kaum einen Spielraum für politisch andere Sichtweisen und Handlungen \nzuließ; er berücksichtigt dabei mindestens drei Aspekte, z. B.: \n die Machtübertragung an Hitler durch den Reichspräsidenten von Hindenburg am \n30. Januar 1933, \n den Machtausbau Hitlers und seiner Regierung unter Anwendung verschiedener \nGesetze und Verordnungen (Reichstagsbrandverordnung, Ermächtigungsgesetz), \ndie Grundrechte, Parlamentarismus und Gewaltenteilung aufhoben und die Macht \nbei Hitler (nach Hindenburgs Tod 1934 Führer und Reichskanzler) konzentrier-\nten, \n das Verbot zur Betätigung bzw. Neugründung von oppositionellen Parteien, die \neine legale politische Betätigung außerhalb der NSDAP unmöglich machte, \n die Gleichschaltung der Länder und Kommunen, sodass auf allen Ebenen Natio-\nnalsozialisten an der Regierung waren, \n die Gleichschaltung des gewerkschaftlichen, kulturellen und öffentlichen Lebens, \ndie Pluralismus und ein selbstbestimmtes Leben nahezu ausschloss, \n die repressiven Maßnahmen des NS-Staatsapparates gegen Oppositionelle und \nGegner, gegen Nicht-Angepasste und Kriegsdienstverweigerer, gegen Juden und \nsogenannte Nicht-Arier, welche mit Lagerhaft oder Hinrichtung, Folter und \nMord bedroht wurden. 8",
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"content": "Ministerium für Schule und Bildung NRW GS LK HT 2 W2 \n Seite 4 von 10 \nAbiturprüfung 2017 Nur für den Dienstgebrauch! 2 den militärischen Hintergrund des Angriffs- und Vernichtungskrieges NS-Deutsch-\nlands gegen den Großteil der europäischen Staaten, der aus der deutschen Zivilgesell-\nschaft eine militarisierte Gesellschaft schuf und der in seinen brutalen Dimensionen der \nKriegsführung und der Kriegsverbrechen alle bisherigen Kriege übertraf; er berück-\nsichtigt dabei mindestens drei Aspekte, z. B.: \ndie (Re-)Militarisierung Deutschlands durch Bruch der Versailler Abrüstungsbe-\ndingungen und eine forcierte Aufrüstung mitsamt Kriegsvorbereitungen unter der \nAnkündigung, Deutschland wieder zu einer starken Nation machen zu wollen,\ndie schnellen und äußerst brutal geführten Angriffskriege (u. a. gegen Polen und \nFrankreich) unter Missachtung von Neutralität und Haager Landkriegsordnung seit \nSeptember 1939,\nden Überfall auf die Sowjetunion (Unternehmen Barbarossa) seit Juni 1941,\ndie insbesondere in Polen und in der Sowjetunion begangenen Kriegsverbrechen, \ndie durch die Ermordung der einheimischen Bevölkerung zu neuem Lebensraum \nim Osten führen sollten, \ndie Verschleppung und Ermordung von Teilen der osteuropäischen und insbeson-\ndere jüdischen Bevölkerung zu Arbeitseinsätzen in Deutschland und in Arbeits- \nund Vernichtungslager, wie Auschwitz im besetzten Polen, \ndie Tätigkeit der auch von der Wehrmacht unterstützten Einsatzgruppen hinter der \nFront, die die gezielte Vernichtung der einheimischen intellektuellen, politisch\naktiven und insbesondere jüdischen Bevölkerung betrieben, was offenbar Stauf-\nfenberg zum Umdenken bewog, \ndie nach der Niederlage von Stalingrad langsam zurückweichende Ostfront, die \n gemeinsam mit den weiteren Fronten in der Normandie und in Italien im Jahr \n1944 eine Niederlage Deutschlands immer wahrscheinlicher erschienen ließ. 8 \n3 die Umstände des Hitler-Attentats am 20. Juli, dem als gemeinsame Ursache die \nAblehnung von Hitlers Kriegsführung, der Repressionen im totalitären Staat, der \nNS-Rassenpolitik und des Holocausts von militärischen und bürgerlichen Oppositio-\nnellen zu Grunde lag und die zu verschiedenen Widerstandshandlungen und insbeson-\ndere zu Versuchen zur Beseitigung Hitlers führte; er berücksichtigt dabei mindestens \nzwei Aspekte, z. B.: \n die seit Kriegsbeginn existierenden Widerstandsgruppierungen, so den Kreisauer \nKreis aus überwiegend liberalkonservativ eingestellten adeligen und bürgerlichen \nMitgliedern, und militärische Hitlergegner um Ludwig Beck, die ein sofortiges \nKriegsende, ein Ende der Judenverfolgung und eine neue Staats- und Regierungs-\nform nach der Herrschaft Hitlers anstrebten und deren Mitglieder zu einem sich \n1943 bildenden Kreis um Stauffenberg gehörten, \n die wie im Text erwähnt bei Stauffenberg durch die Kriegsverbrechen in Ost-\neuropa entstehenden Zweifel über die Richtigkeit von Hitlers Befehlen und die \nwachsende Überzeugung, nur durch die Tötung Hitlers könne der Krieg gestoppt \nwerden, \n die Versetzung Stauffenbergs auf eigenen Wunsch von der Ostfront nach Berlin, \nwo er am 1. Juli 1944 zum Stabschef des Heeresamtes ernannt wurde, von wo er \nZugang zu militärischen Lagebesprechungen mit Hitler besaß, \n die Planung und Aufstellung einer Übergangsregierung nach dem erhofften erfolg-\nreichen Attentat, \n die im Text erwähnten, von Stauffenberg zuvor abgebrochenen zwei Versuche, \nHitler in den zwei Wochen vor dem 20. Juli zu töten, \n die komplexe Planung und Durchführung des Bombenattentats auf Hitler im Haupt-\nquartier der Wolfschanze sowie die unglücklichen Umstände, die ein erfolgrei-\nches Attentat verhinderten. 6",
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"content": "Ministerium für Schule und Bildung NRW GS LK HT 2 W2 \n Seite 5 von 10 \nAbiturprüfung 2017 Nur für den Dienstgebrauch! 4 die Folgen des misslungenen Hitler-Attentats in der Wolfschanze, die zu einer \nVerfolgungs-, Verhaftungs- und Hinrichtungswelle der Mitglieder der Stauffenberg-\nGruppe und ihrer Angehörigen führte. Der Prüfling berücksichtigt dabei mindestens \nzwei Aspekte, z. B.: \n den aufgrund der Meldungen über das Überleben Hitlers nicht durchgeführten \nPlan eines militärischen Staatsstreichs in der Hauptstadt, \n die Verhaftung Stauffenbergs und seiner engsten Mitverschwörer im Heeresamt \n(Bendlerblock) nach seiner Rückkehr nach Berlin und ihre Erschießung in den \nfolgenden Tagen, \n die Verfolgungswelle durch die Gestapo, die Folterverhöre bzw. Hinrichtungen \nund Schauprozesse vor dem Volksgerichtshof, wobei etwa 5000 Personen hinge-\nrichtet wurden und Sippenverfolgung auch unbeteiligten Familienangehörigen \ngalt. 6 \n5 charakterisiert die Sichtweise Evans auf Stauffenberg als sachliche Darstellung der \nEinstellung Stauffenbergs zum Hitler-Regime und seiner romantisierend-konservativen, \naber auch antidemokratischen und ständischen Vorstellungen. Der Prüfling berück-\nsichtigt dabei mindestens drei Aspekte, z. B.: \nEvans sieht Stauffenberg \n als anfänglich überzeugten Anhänger des NS, der sich von diesem eine Abkehr \nvon der für ihn unfähigen parlamentarischen Demokratie und ein Erwachen der \ndeutschen Gesellschaft im romantisierend-konservativen Sinne mit dem Ziel einer \nWiederherstellung des Ständestaats erhoffte, \n als zunächst bereitwillig Hitler folgenden, patriotischen Kriegsteilnehmer und \nOffizier des Generalstabs an der Ostfront,\n als Realisten in einem humanistisch begründeten Prozess des Umdenkens in den \nMonaten nach der Invasion in der Sowjetunion, da er erkannt habe, dass Hitler mit \ndiesem Krieg die deutschen (militärischen und wirtschaftlichen) Ressourcen über-\nstrapaziert habe, \n in einer gewandelten patriotischen Überzeugung, da die Ermordung Hunderttau-\nsender Bewohner der Sowjetunion durch die Deutschen die Bevölkerung gegen \nihre vermeintlichen Befreier vom Stalinismus aufgebracht habe und dadurch auch \nDeutschland verraten und die Wehrmacht missbraucht habe, \n als moralisch geläutert, da er trotz eines militärischen Treueeids gegenüber Hitler \nsich innerlich von diesem abgewendet habe und bereit gewesen sei, ein Attentat zu \nverüben und damit sein eigenes Leben auf Spiel zu setzen. 8 \n6 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium. (4) \n \n \nTeilaufgabe 3 \n Anforderungen maximal \nerreichbare \nPunktzahlDer Prüfling \n1 setzt sich damit auseinander, dass Stauffenberg als Vorbild für künftige Generationen \nschlecht geeignet (Z. 30 f.) sei. Er berücksichtigt dabei \neinerseits die undemokratische, nationalistische und ständische Einstellung Stauffen-\nbergs, die seine Eignung als Vorbild nach heutigen Wertvorstellungen erschwert; er \nberücksichtigt dabei z. B. folgende Aspekte: \n Stauffenbergs anfängliche Begeisterung für den Nationalsozialismus und die damit \nverbundene Ablehnung der (Weimarer) Demokratie, \n seine romantisierenden Vorstellungen zur Rückkehr zu einem mittelalterlich anmu-\ntenden Ständestaat, der dem Adel und damit seiner eigenen Familie Vorrechte ver-\nschafft hätte, 18",
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"content": "Ministerium für Schule und Bildung NRW GS LK HT 2 W2 \n Seite 6 von 10 \nAbiturprüfung 2017 Nur für den Dienstgebrauch! seine offenbar lange Zeit nicht vorhandene Kritik an der nationalsozialistischen \nRassenpolitik und der Behandlung missliebiger Personen, die dem Menschen-\nrechtsgedanken und speziell dem Gleichheitsgrundsatz widerspricht, \n seine frühe Begeisterung für den völkerrechtswidrigen Krieg, die erst spät um-\nschlägt, als er die Gräueltaten der Deutschen und insbesondere der Wehrmacht \nerkennt, \n seine erst spät erfolgte endgültige Abwendung von Hitler zu einem Zeitpunkt, als \nihm der Kriegsgewinn aussichtslos erschien; die Attentatsversuche bzw. das durch-\ngeführte Attentat am 20.07.1944 erfolgten erst nach der Wende von Stalingrad und \nnach der Landung der Alliierten in der Normandie. \n \nandererseits seinen Wagemut und seine Überzeugung trotz geleistetem Eid auf Hitler \nund Todesgefahr, die Kriegsverbrechen zu beenden und den Diktator Hitler zu beseiti-\ngen; er berücksichtigt dabei z. B. folgende Aspekte: \n Stauffenbergs persönlichen Mut, trotz der offensichtlichen Lebensgefahr für sich, \nseine Familie und seine Mitverschwörer das Attentat zu wagen und damit bei \nMisslingen den eigenen Tod in Kauf zu nehmen, \n seine Entschlossenheit, sich gegen das herrschende Regime und die Meinung des \ngrößten Teils der deutschen Bevölkerung zu stellen, was auch nach einem erfolg-\nreichen Attentat zu erheblichen Problemen und Risiken geführt hätte, \n seine Bereitschaft, auch gegen seine ständischen Vorstellungen mit anderen auch \nvon der Demokratie überzeugten Oppositionellen ein Bündnis einzugehen (auch \nwenn Evans diesbezüglich eher skeptisch ist), \n seine Überzeugung nach den erfahrenen Kriegsverbrechen den Krieg unter Einsatz \nseines Lebens beenden zu müssen, \n seine moralische Wende trotz geleistetem Soldateneid auf Hitler, diesen töten zu \nwollen, um für Deutschland und seine Kriegsgegner weitere Verluste zu vermeiden. \n \nOrientierung für eine 9 Gewichtungspunkten entsprechende Lösungsqualität: \nDer Prüfling gelangt unter Bezugnahme auf den Text zu einer nachvollziehbaren Argu-\nmentation, in der insgesamt mindestens drei Gesichtspunkte, die aus beiden Blöcken \nstammen, sachgerecht berücksichtigt werden. Die Argumentation enthält keine gravie-\nrenden sachlichen Fehler. \nOrientierung für eine 18 Gewichtungspunkten entsprechende Lösungsqualität: \nDer Prüfling entwickelt unter vertiefter Bezugnahme auf den Text eine differenzierte \nArgumentation, in der erörternd mindestens fünf Gesichtspunkte, die aus beiden Blö-\ncken stammen, sachgerecht berücksichtigt werden. Die Argumentation enthält keine \nsachlichen Fehler. \n2 formuliert ein Fazit, in dem er die nach heutigen Wertvorstellungen nicht annehmbaren \nEinstellungen Stauffenbergs (seine Begeisterung für den Nationalsozialismus, seine \nreaktionären Vorstellungen eines erwünschten Ständestaats) als nicht vertretbar berück-\nsichtigt, jedoch insbesondere seine Bereitschaft, bei einem Attentat auf den Diktator \nund Massenmörder Hitler das eigene Leben für das Ende von Leiden und Krieg in \nDeutschland und Europa zu riskieren, positiv hervorhebt, wobei nach erfolgter Abwä-\ngung die abschließende Stellungnahme (Vorbild heute ja oder nein) in ihrer Akzen-\ntuierung offen bleiben kann. 4 \n3 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium. (4)",
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"content": "Ministerium für Schule und Bildung NRW GS LK HT 2 W2 \n Seite 7 von 10 \nAbiturprüfung 2017 Nur für den Dienstgebrauch! b) Darstellungsleistung \n Anforderungen maximal \nerreichbare \nPunktzahl Der Prüfling \n1 strukturiert seinen Text schlüssig, stringent sowie gedanklich klar und bezieht sich \ndabei genau und konsequent auf die Aufgabenstellung. 5 \n2 bezieht beschreibende, deutende und wertende Aussagen schlüssig aufeinander. 4 \n3 belegt seine Aussagen durch angemessene und korrekte Nachweise (Zitate u. a.). 3 \n4 formuliert unter Beachtung der Fachsprache präzise und begrifflich differenziert. 4 \n5 schreibt sprachlich richtig (Grammatik, Orthographie, Zeichensetzung) sowie \nsyntaktisch und stilistisch sicher. 4",
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"content": "Ministerium für Schule und Bildung NRW GS LK HT 2 W2 \n Seite 8 von 10 \nAbiturprüfung 2017 Nur für den Dienstgebrauch! 7. Bewertungsbogen zur Prüfungsarbeit \nName des Prüflings: ____________________________________ Kursbezeichnung: ____________ \n \nSchule: _____________________________________________ \n \n \nTeilaufgabe 1 \n Anforderungen Lösungsqualität \n Der Prüfling maximal \nerreichbare \nPunktzahl EK2 ZK DK \n1 benennt den Autor
2 \n2 nennt als Thema
2 \n3 formuliert als Kernaussage
4 \n4 gibt den Gedankengang
4 \n5 gibt die Hauptaussagen
10 \n6 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium: (2) \n
.. \n
.. \n Summe 1. Teilaufgabe 22 \n \n \nTeilaufgabe 2 \n Anforderungen Lösungsqualität \n Der Prüfling maximal \nerreichbare \nPunktzahl EK ZK DK \n erläutert die für
\n1 den politischen Hintergrund
8 \n2 den militärischen Hintergrund
8 \n3 die Umstände des
6 \n4 die Folgen des
6 \n5 charakterisiert die Sichtweise
8 \n6 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium: (4) \n
.. \n
.. \n Summe 2. Teilaufgabe 36 \n \n \n2 EK = Erstkorrektur; ZK = Zweitkorrektur; DK = Drittkorrektur",
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"number": 25,
"content": "Ministerium für Schule und Bildung NRW GS LK HT 2 W2 \n Seite 9 von 10 \nAbiturprüfung 2017 Nur für den Dienstgebrauch! Teilaufgabe 3 \n Anforderungen Lösungsqualität \n Der Prüfling maximal \nerreichbare \nPunktzahl EK ZK DK \n1 setzt sich damit
18 \n2 formuliert ein Fazit
4 \n3 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium: (4) \n
.. \n
.. \n Summe 3. Teilaufgabe 22 \n Summe der 1., 2. und 3. Teilaufgabe 80 \n \n \nDarstellungsleistung \n Anforderungen Lösungsqualität \n Der Prüfling maximal \nerreichbare \nPunktzahl EK ZK DK \n1 strukturiert seinen Text
5 \n2 bezieht beschreibende, deutende
4 \n3 belegt seine Aussagen
3 \n4 formuliert unter Beachtung
4 \n5 schreibt sprachlich richtig
4 \n Summe Darstellungsleistung 20 \n \n Summe insgesamt (inhaltliche und Darstellungsleistung) 100 \n aus der Punktsumme resultierende Note gemäß nach-\nfolgender Tabelle \n Note ggf. unter Absenkung um bis zu zwei Notenpunkte \ngemäß § 17 Abs. 5 APO-WbK \n \n Paraphe \n \nBerechnung der Endnote nach Anlage 4 der Abiturverfügung auf der Grundlage von § 52 APO-WbK \n \nDie Klausur wird abschließend mit der Note ________________________ (____ Punkte) bewertet. \n \n \nUnterschrift, Datum:",
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"content": "Ministerium für Schule und Bildung NRW GS LK HT 2 W2 \n Seite 10 von 10 \nAbiturprüfung 2017 Nur für den Dienstgebrauch! Grundsätze für die Bewertung (Notenfindung) \nFür die Zuordnung der Notenstufen zu den Punktzahlen ist folgende Tabelle zu verwenden: \n \nNote Punkte Erreichte Punktzahl \nsehr gut plus 15 100 95 \nsehr gut 14 94 90 \nsehr gut minus 13 89 85\ngut plus 12 84 80 \ngut 11 79 75 \ngut minus 10 74 70 \nbefriedigend plus 9 69 65 \nbefriedigend 8 64 60 \nbefriedigend minus 7 59 55 \nausreichend plus 6 54 50 \nausreichend 5 49 45 \nausreichend minus 4 44 40 \nmangelhaft plus 3 39 33 \nmangelhaft 2 32 27 \nmangelhaft minus 1 26 20 \nungenügend 0 19 0",
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"content": "GS LK HT 3 W2 \n Seite 1 von 3 \n \n \nName: _______________________ \n \n \nAbiturprüfung 2017 Nur für den Dienstgebrauch! \n \n \n \nAbiturprüfung 2017 \nGeschichte/Sozialwissenschaften, Leistungskurs \nAufgabenstellung: \n \n1. Fassen Sie die Hauptaussagen Stolpes zusammen. (20 Punkte) \n \n2. Ordnen Sie den Text in den Prozess der deutschen Wiedervereinigung seit Mitte der \n1980er Jahre ein und charakterisieren Sie die Position der Spiegelredakteure, wie sie \nim Text zum Ausdruck kommt. (36 Punkte) \n \n3. Prüfen Sie mit Blick auf die Situation seit 1990, ob sich Stolpes Forderung, Deutschland \nmüsse zusammenwachsen, erfüllt hat. (24 Punkte) \n \n \nMaterialgrundlage: \n \n Deutschland wird anders. In: Spiegel 27/1990, S. 42, 52, 53, Interview am 02.07.1990 \nvon Wolfram Bickerich und Ulrich Schwarz mit Manfred Stolpe \nhier zitiert nach: http://magazin.spiegel.de/EpubDelivery/spiegel/pdf/13499544 \n(Die Rechtschreibung und Zeichensetzung folgen dem Original.) \n \n \nZugelassene Hilfsmittel: \n \n Wörterbuch zur deutschen Rechtschreibung \n Herkunftssprachliches Wörterbuch für Studierende, deren Herkunftssprache nicht \nDeutsch ist",
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"content": "GS LK HT 3 W2 \n Seite 2 von 3 \n \n \nName: _______________________ \n \n \nAbiturprüfung 2017 Nur für den Dienstgebrauch! \nDeutschland wird anders \nInterview am 02.07.1990 von Wolfram Bickerich und Ulrich Schwarz mit Manfred Stolpe1 \n \nSPIEGEL: Herr Stolpe, der 1. Juli2 ist der Anfang vom Ende des zweiten deutschen Staates. \nFreut Sie das, oder stimmt Sie das traurig? \nSTOLPE: Es ist eine zwiespältige Situation. Auf der einen Seite muß man rundheraus sagen, \ndaß es eine Freude ist für jemanden, der davon überzeugt war, daß die Deutschen weiterhin \nzusammengehören. Entgegen meiner eigenen Vorstellung kommt die staatliche Einheit der 5 \nDeutschen nun doch sehr viel schneller und nicht erst, wenn ich im Altersheim sitze. Die \nFreude darf man sich nicht vermiesen lassen durch die Sorgen, die mehr kurzfristiger Art sein \nwerden, wie ich hoffe, nämlich: Wie gelingt es den Menschen dieses Landes, die Umstellung \nvorzunehmen in ein ganz verändertes pluralistisches, sehr stark von marktwirtschaftlichen \nGesichtspunkten bestimmtes Leben? Und wie gelingt es den Menschen dieses Landes, die 10 \nErfahrungen aus vier Jahrzehnten, die Verhaltensweisen, die zum Teil noch älter sind, zu \nbewahren und einzubringen in ein künftiges Deutschland? \n[
] \nSPIEGEL: Das Tempo der Vereinigung ist laut Kanzler Kohl vom DDR-Volk erzwungen \nworden. Hat das Volk gewußt, was es tat? 15 \nSTOLPE: Es ist nicht Aufgabe des Volkes, sich Gedanken zu machen über Durchführungs-\nverfahren. \nSPIEGEL: Aber die Durchführungsverfahren sollten nicht seinen Interessen zuwiderlaufen. \nSTOLPE: Das souveräne Volk hat sein Ziel genannt und damit eine Situation geschaffen, die \nihm selbst zum Schaden gereichen kann, wenn es nicht gelingt, die normalerweise erforder- 20 \nliche Vorbereitungszeit für das Zusammengehen der beiden deutschen Staaten die Anglei-\nchungsfragen im sozialen, im wirtschaftlichen Bereich nun wenigstens als Nacharbeitszeit \nan die Einigung anzuhängen. Wir kommen nur dann zu menschenfreundlichen Regelungen, \nwenn die staatliche Einwirkung auf Wirtschaftsprozesse, auf Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen \nnoch für mindestens zwei Jahre sehr viel intensiver hier versucht wird, als es in der Bundes- 25 \nrepublik üblich ist. Wir müssen zusammenwachsen und nicht zusammenstürzen. Nacharbeit \nist auch nötig im verfassungspolitischen Bereich. Der Versuch muß gemacht werden, einen \ngesamtgesellschaftlichen Konsens der politisch mitdenkenden Bürger für die künftige Ver-\nfassung zu finden.3 Die Verfassung darf nicht ein abstraktes Dokument sein für die Arbeits-\nräume der Juristen, sondern soll den Vertrag beschreiben, den sich eine Gesellschaft für die 30 \nOrdnung ihres Zusammenlebens gibt. \nDas Grundgesetz ist dafür eine überzeugende Ausgangsbasis, aber es wäre wichtig, noch einen \nModus zu finden, wie man in dem künftigen gemeinsamen Deutschland, auch in dem künfti-\ngen gemeinsamen Parlament, arbeitet mit der nötigen Rückkopplung zu den Bürgern. \n \n1 Manfred Stolpe (*1936) war nach einem Jura-Studium zunächst Leiter verschiedener Einrichtungen der Evangelischen \nKirche in der DDR; seit Juli 1990 Mitglied der SPD und ab November 1990 Ministerpräsident des Landes Brandenburg \nbis 2002. \n2 An diesem Tag trat die Wirtschafts- und Währungsunion in Kraft. \n3 1990 wurde die Frage diskutiert, ob sich das wiedervereinte Deutschland eine neue Verfassung nach Artikel 146 GG \ngeben sollte oder die DDR nach Artikel 23 GG der Bundesrepublik beitreten sollte.",
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"content": "GS LK HT 3 W2 \n Seite 3 von 3 \n \n \nName: _______________________ \n \n \nAbiturprüfung 2017 Nur für den Dienstgebrauch! \nSPIEGEL: An welche Änderungen des Grundgesetzes denken Sie? 35 \nSTOLPE: Für mich steht an erster Stelle, welche Erfahrungen aus der demokratischen Revo-\nlution der DDR, welche jungdemokratischen Impulse einzubringen wären in das System Bun-\ndesrepublik, das dem Bürger vor allem die Rolle des Wählers zuweist, während wir hier in \nden letzten Monaten unmittelbare demokratische Mitwirkungsformen entwickelt haben. \nZu den Modalitäten des Beitritts muß die Verabredung gehören, daß nach der staatlichen Ein- 40 \nheit die Verfassung durchgesehen wird, vor allem darauf hin, ob nicht Formen der direkten \nDemokratie stärker Eingang finden können. Hier liegt die Erfahrung der letzten DDR-Monate \nnäher an alten demokratischen Traditionen in Deutschland, etwa von 1848, als das, was das \nGrundgesetz in einer historisch verständlichen Behutsamkeit getan hat. \nSPIEGEL: Dürfen wir Ihnen vorhersagen, was in Ihrer Nachbereitungsphase passiert? Gar 45 \nnichts, da ist die Einheit nämlich vollzogen, und die Regierungskoalition4 wenn sie am Ruder \nbleibt hat an einer Verfassungsänderung kein Interesse. \nSTOLPE: Das wird Kampf bedeuten, das wird Streit bedeuten. \nSPIEGEL: Der Einfluß von 150 Abgeordneten des früheren DDR-Territoriums im nächsten \nParlament ist eher gering. 50 \nSTOLPE: Das würde natürlich nicht genügen, aber die blieben ja nicht allein. \nSPIEGEL: Sie würden vielleicht noch 12 Abgeordnete der Bonner Parteiendemokratie fin-\nden, die mitmachen. \nSTOLPE: Mit 120 sähe es besser aus. \nSPIEGEL: Meinen Sie im Ernst, eine Mehrheit im Westen hätte Interesse daran, auf solche 55 \nDDR-Wünsche einzugehen? Das Volk der DDR, unbestritten, wollte die Einheit, auch wenn \nes jetzt Angst davor hat; das Volk der Bundesrepublik ist längst nicht mehr so begeistert über \ndie Wiedervereinigung, weil viele im Westen Angst davor haben, vom eigenen Wohlstand \netwas abgeben zu müssen. \nSTOLPE: Das halte ich für ganz normal, denn für die Bundesbürger ändert sich ja auch eini- 60 \nges. Die Menschen haben begriffen, daß die Routine ihres Zusammenlebens, die Gegebenhei-\nten ihrer Abläufe, die politische und soziale Balance in Frage gestellt werden könnten, wenn \n16 Millionen Menschen zuwandern, die dann, was ich sogar hoffe, als letztlich geschlossener \nBlock wirken werden. \nEs wird eine neue wirtschaftliche Konkurrenz heranwachsen, man wird ob man das zugibt 65 \noder nicht in der Tat teilen müssen. Bestimmte Prioritäten verlagern sich, irgendwo erfolgen \nAbstriche ich denke, daß man das auch viel offener zugeben müßte , und ich beobachte \nauch, daß eine Reihe jüngerer Menschen, also sozusagen die Nachgeborenen, die jetzt 30- und \n40jährigen und die noch jüngeren, in ihrer Identität berührt werden. Ihre Deutschland-Iden-\ntität war die einer Bundesrepublik mit einer starken West-Bindung, und mit einemmal ist man 70 \ndurch den Beitritt der DDR mit Osteuropa verheiratet: Die Menschen begreifen, daß dieses \nDeutschland anders wird. Im Grunde wird Deutschland jetzt erst richtig Deutschland. \nSPIEGEL: Herr Stolpe, wir danken Ihnen für dieses Gespräch. \n \n \n4 Koalition aus CDU/CSU und FDP",
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"content": "Ministerium für Schule und Bildung NRW GS LK HT 3 W2 \n Seite 1 von 9 \nAbiturprüfung 2017 Nur für den Dienstgebrauch! Unterlagen für die Lehrkraft \nAbiturprüfung 2017 \nGeschichte/Sozialwissenschaften, Leistungskurs \n1. Aufgabenart \nInterpretation sprachlicher oder nichtsprachlicher historischer Quellen \n \n \n2. Aufgabenstellung1 \n1. Fassen Sie die Hauptaussagen Stolpes zusammen. (20 Punkte) \n \n2. Ordnen Sie den Text in den Prozess der deutschen Wiedervereinigung seit Mitte der \n1980er Jahre ein und charakterisieren Sie die Position der Spiegelredakteure, wie sie \nim Text zum Ausdruck kommt. (36 Punkte) \n \n3. Prüfen Sie mit Blick auf die Situation seit 1990, ob sich Stolpes Forderung, Deutschland \nmüsse zusammenwachsen, erfüllt hat. (24 Punkte) \n \n \n3. Materialgrundlage \n Deutschland wird anders. In: Spiegel 27/1990, S. 42, 52, 53, Interview am 02.07.1990 \nvon Wolfram Bickerich und Ulrich Schwarz mit Manfred Stolpe \nhier zitiert nach: http://magazin.spiegel.de/EpubDelivery/spiegel/pdf/13499544 \n(Die Rechtschreibung und Zeichensetzung folgen dem Original.) \n \n \n4. Bezüge zum Kernlehrplan und zu den Vorgaben 2017 \nDie Aufgaben weisen vielfältige Bezüge zu den Kompetenzerwartungen und Inhaltsfeldern des \nKernlehrplans bzw. zu den in den Vorgaben ausgewiesenen Fokussierungen auf. Im Folgenden \nwird auf Bezüge von zentraler Bedeutung hingewiesen. \n \n1. Inhaltsfelder und inhaltliche Schwerpunkte \n Inhaltsfeld 5: Nationalismus, Nationalstaat und europäische Integration \n Entstehung, Auswirkungen und Überwindung der deutschen und europäischen Teilung \n1945 bis 1989/90 \n Inhaltsfeld 6: Frieden im 20. und 21. Jahrhundert \n Bipolare Ordnung der Welt nach dem Zweiten Weltkrieg: Ursachen und Überwindung \ndes Kalten Kriegs \n \n2. Medien/Materialien \n entfällt \n \n \n1 Die Aufgabenstellung deckt inhaltlich alle drei Anforderungsbereiche ab.",
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"content": "Ministerium für Schule und Bildung NRW GS LK HT 3 W2 \n Seite 2 von 9 \nAbiturprüfung 2017 Nur für den Dienstgebrauch! 5. Zugelassene Hilfsmittel \n Wörterbuch zur deutschen Rechtschreibung \n Herkunftssprachliches Wörterbuch für Studierende, deren Herkunftssprache nicht \nDeutsch ist \n \n \n6. Vorgaben für die Bewertung der Schülerleistungen \nTeilleistungen Kriterien \na) inhaltliche Leistung \nTeilaufgabe 1 \n Anforderungen maximal \nerreichbare \nPunktzahlDer Prüfling \n1 benennt die Gesprächspartner (Manfred Stolpe, Politiker aus der DDR, sowie Wolfram \nBickerich und Ulrich Schwarz, Spiegelredakteure), die Textsorte (Interview in einer \nZeitschrift), die Adressaten (interessierte Öffentlichkeit, insbesondere Spiegel-Leser), \nden Zeitpunkt des Interviews (02. Juli 1990) sowie die Art des zu untersuchenden \nMaterials (Quelle). 2 \n2 nennt als Thema in etwa: die Bewertung und die Herausforderungen der bevorstehen-\nden deutschen Wiedervereinigung. 2 \n3 formuliert als Kernaussage in etwa: Die deutsche Wiedervereinigung bedeute Freude, \naber auch eine Herausforderung, da Deutschland wirtschaftlich, gesellschaftlich und \nstaatsrechtlich trotz bestehender westdeutscher Ängste neu geordnet werden müsse. 4 \n4 fasst die Hauptaussagen Stolpes in etwa wie folgt zusammen: \n Das Ende der DDR sei für ihn (Stolpe) mit unterschiedlichen Gefühlen verbunden: \nEinerseits erfülle die absehbare Einheit ihn mit Freude, andererseits bringe diese \nProbleme mit sich, zu denen die Frage gehöre, wieweit sich die DDR-Bürger an-\npassen müssten und wie weit sie die Zukunft beeinflussen könnten. \n Da es keine Vorbereitungszeit für die Wirtschafts- und Währungsunion gege-\nben habe, sollten im Nachhinein soziale und ökonomische Regelungen erarbeitet \nwerden und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen bedacht werden. \n Das Grundgesetz solle im Kontext des Beitritts der DDR zur Bundesrepublik ver-\nändert werden, indem v. a. Elemente der direkten Demokratie gestärkt werden, \nderen Idee stärker in der DDR als in der Bundesrepublik verwurzelt sei. \n Ängste seitens der Bundesbürger seien verständlich, da der Beitritt der DDR wirt-\nschaftliche und politische Veränderungen für alle Deutschen mit sich bringen werde. \n Er (Stolpe) erwarte, dass sowohl Einflüsse aus der DDR als auch aus der Bundes-\nrepublik das vereinte Deutschland prägen würden. 12 \n5 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium. (2)",
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"content": "Ministerium für Schule und Bildung NRW GS LK HT 3 W2 \n Seite 3 von 9 \nAbiturprüfung 2017 Nur für den Dienstgebrauch! Teilaufgabe 2 \n Anforderungen maximal \nerreichbare \nPunktzahlDer Prüfling \n ordnet den Text in den Prozess der deutschen Wiedervereinigung seit Mitte der 1980er \nJahre ein, indem er folgende Aspekte berücksichtigt: \n1 den seit Mitte der 80er Jahre einsetzenden politischen Wandel in Ost- und Mittel-\neuropa und der DDR durch Bürgerrechtsbewegungen und die Führung der Sowjet-\nunion; er berücksichtigt dabei mindestens drei Gesichtspunkte, z. B.: \n die sich verschärfende wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Krise in \nden sozialistischen Ländern als Folge wirtschaftlicher Strukturprobleme, politi-\nscher Repression und fehlender demokratischer Legitimation und des Rüstungs-\nwettlaufs mit dem Westen als Ausgangspunkt für den politischen Wandel, \n die sowjetische Liberalisierungspolitik in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft \n(Glasnost und Perestroika) durch den 1985 in Amt gekommenen Generalsekretär \ndes Zentralkomitees der KPdSU Michail Gorbatschow, welcher erste Reformen \n(u. a. freie Meinungsäußerung) auf den Weg brachte, \n die wachsende Unzufriedenheit der Bevölkerung der DDR, die aufgrund von Man-\ngelwirtschaft und weiterhin bestehender politischer und gesellschaftlicher Repres-\nsion sich nach westlichen Waren und kulturellen Werten sehnte, ohne dass ein \nEinlenken der SED-Führung in Sicht gewesen wäre, \n die strikte Weigerung der DDR-Führung trotz der beginnenden Reformen in der \nSowjetunion ihr Machtmonopol in Frage zu stellen und mehr persönliche, politi-\nsche, wirtschaftliche oder kulturelle Freiheiten für die Bevölkerung zu gewähren, \n die Bildung und Ausdehnung einer v. a. durch die Kirchen getragenen Friedens- \nund Protestbewegung, \n die zumindest in Führungskreisen der DDR bekannten ökonomischen Probleme, \ndie auf einen Staatsbankrott hinausliefen. 8 \n2 die politischen Umstände und Ereignisse in der DDR in der Zeit zwischen Sommer \n1989 und dem Mauerfall; er berücksichtigt dabei mindestens drei Gesichtspunkte, \nz. B.: \n die Entstehung zahlreicher Bürgerrechtsbewegungen im Sommer 1989 wie Demo-\nkratie jetzt, Demokratischer Aufbruch und Neues Forum, die das Ziel ver-\nfolgen, das politische System zu verändern, \n die anwachsende Ausreise- bzw. Fluchtbewegung in den Westen, z. T. über andere \nOstblockstaaten (sog. Botschaftsflüchtlinge, Flucht über die geöffnete ungarisch-\nösterreichische Grenze), \n die in zahlreichen Städten stattfindenden Montagsdemonstrationen unter Beteili-\ngung breiter Schichten der DDR-Bevölkerung im Herbst 1989, \n die zurückhaltende Reaktion des Sicherheitsapparates und der in der DDR statio-\nnierten sowjetischen Soldaten angesichts dieser größten Demonstrationen seit dem \nVolksaufstand, \n die ungeplanten und von der internationalen Presse beobachteten Kundgebungen \nim Kontext der Feierlichkeiten des 40. Jahrestages der Gründung der DDR, \n der Rücktritt Erich Honeckers und die durch den neuen Parteichef Egon Krenz \nangekündigten Reformen, \n die überraschende Öffnung der Grenze in den Westen durch den Fall der Mauer \nam 9. November 1989. 8",
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"content": "Ministerium für Schule und Bildung NRW GS LK HT 3 W2 \n Seite 4 von 9 \nAbiturprüfung 2017 Nur für den Dienstgebrauch! 3 die politischen Umstände und Ereignisse zwischen dem Mauerfall und der deutschen \nWiedervereinigung; er berücksichtigt dabei mindestens vier Gesichtspunkte, darunter \ndie ersten drei obligatorisch: \n die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion, durch welche die Deutsche Mark, \ndie soziale Marktwirtschaft und das westdeutsche Sozialsystem am 1. Juli 1990 \nin der DDR eingeführt wurden, \n den 2+4-Vertrag, der die außenpolitischen Rahmenbedingungen für die endgültige \ninnere und äußere Souveränität des vereinten Deutschlands festlegt, \n die staatsrechtliche Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 in Form des Beitritts \nder DDR zur Bundesrepublik gemäß Art. 23 des Grundgesetzes ohne wesentliche \nVeränderungen des Grundgesetzes, \n \nund andere fakultativ, z. B.: \ndie Bildung der Regierung Modrow, die bis zu den Volkskammerwahlen im März \n1990 die Regierungsgeschäfte übernahm, \ndas 10-Punkte-Programm des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl, welches \nim November 1989 konkrete Schritte zur Wiedervereinigung benennt, \ndie Bildung des runden Tisches im Dezember 1989 unter Beteiligung u. a. von \nOppositionellen, Kirchenvertretern, SED und Regierung, der die Zukunft der DDR \ndiskutiert,\ndie ersten und letzten freien Wahlen in der DDR im März 1990, in deren Folge \nLothar de Maizière (CDU) Ministerpräsident der DDR wurde, \ndie 2+4-Gespräche von Mai bis September 1990 zwischen den 4 Siegermächten \ndes 2. Weltkriegs und den beiden deutschen Staaten über die Rechte und Pflichten \ndes vereinten Deutschlands, \nden Einigungsvertrag über die Modalitäten des Beitritts der DDR zur BRD \n(29. September 1990).10 \n4 charakterisiert die Position der Spiegelredakteure, wie sie im Text zum Ausdruck \nkommt, als kritisch und skeptisch gegenüber den Prognosen und der Realisierbarkeit \nder Wünsche Stolpes aufgrund ihrer Einschätzung des Bonner Politikbetriebs; er \nberücksichtigt dabei mindestens drei Gesichtspunkte, z. B.: \n die Skepsis gegenüber dem politischen Bewusstsein der DDR-Bevölkerung, die \nüberwiegend eine schnelle Wiedervereinigung forderte: Hat das Volk gewußt, \nwas es tat? (Z. 15), \n den Verweis auf Beharrlichkeit, mangelndes Veränderungsinteresse und politische \nUnbeweglichkeit auf der Seite der westdeutschen Politik: Dürfen wir Ihnen vor-\nhersagen, was in Ihrer Nachbereitungsphase passiert? Gar nichts
(Z. 45 f.), \n den Verweis auf die mangelnde Bereitschaft der westdeutschen Bevölkerung, öko-\nnomische Opfer für die deutsche Einheit zu bringen:
das Volk der Bundes-\nrepublik ist längst nicht mehr so begeistert über die Wiedervereinigung, weil viele \nim Westen Angst davor haben, vom eigenen Wohlstand etwa abgeben zu müssen. \n(Z. 57 ff.), \n den Verweis auf die unrealistische Einschätzung der politischen Verhältnisse durch \nStolpe: Der Einfluß von 150 Abgeordneten des früheren DDR-Territoriums im \nnächsten Parlament ist eher gering.
Sie würden vielleicht noch 12 Abgeordnete \nder Bonner Parteiendemokratie finden, die mitmachen. (Z. 49 ff.). 10 \n5 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium. (4)",
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"number": 34,
"content": "Ministerium für Schule und Bildung NRW GS LK HT 3 W2 \n Seite 5 von 9 \nAbiturprüfung 2017 Nur für den Dienstgebrauch! Teilaufgabe 3 \n Anforderungen maximal \nerreichbare \nPunktzahlDer Prüfling \n1 prüft mit Blick auf die Situation seit 1990, ob sich Stolpes Forderung, Deutschland \nmüsse zusammenwachsen, erfüllt hat. \nDer Prüfling berücksichtigt Argumente, die dafür sprechen, dass die beiden Teile \nDeutschlands zusammenwachsen bzw. zusammengewachsen sind; er berücksich-\ntigt z. B. folgende Aspekte: \n die (teilweise) Erfüllung der wirtschaftspolitischen Forderungen Stolpes (siehe \nText) durch Solidarpakt I & II und Transferzahlungen (in den ersten 10 Jahren \n1,8 Billionen DM) als Zeichen für gesamtdeutsche Solidarität, \n die internationale Wahrnehmung des vereinten Deutschlands (z. B. in allen supra-\nnationalen Organisationen) als eine (!) Nation, \n die Entscheidung, das ehemals geteilte Berlin erneut zur gesamtdeutschen Haupt-\nstadt zu erklären als Zeichen für ein Zusammenwachsen der Nation, \n die Normalität von west-ostdeutschen Partnerschaften und von Bildungs- und \nBerufsbiografien, die sich unabhängig von der Herkunft entwickeln, \n die Tatsache, dass mit Angela Merkel und Joachim Gauck zwei Ostdeutsche die \nwichtigsten Ämter in der Bundesrepublik bekleiden/bekleideten, was für eine \ngelungene politische Integration spricht. \n \nDer Prüfling berücksichtigt Argumente, die dagegen sprechen, dass die beiden Teile \nDeutschlands zusammenwachsen bzw. zusammengewachsen sind; er berücksich-\ntigt z. B. folgende Aspekte: \n die in der Folge der Wiedervereinigung nicht zufriedenstellende Regelung der \nEigentumsverhältnisse (bspw. Fragen der Restitution und Entschädigung), \n die (andauernde) politische Unzufriedenheit in den ostdeutschen Ländern, die \nsich auch in Protestwahlen und Unterstützung extremer politischer Gruppierungen \näußert, \n die umstrittene Vorgehensweise der Treuhand im Rahmen der Wiedervereinigung, \ndie zur weitgehenden Abwicklung der ostdeutschen Großbetriebe / Industrie und \ndem Verlust osteuropäischer Märkte führte, \n die andauernde hohe Arbeitslosigkeit im Osten Deutschlands und das West-Ost-\nGefälle in unterschiedlichen Bereichen wie u. a. in Löhnen und Gehältern, Lebens-\nerwartung etc., \n die sprichwörtliche Mauer in den Köpfen und den Verlust von Identität, der \nteilweise durch DDR-Nostalgie (oder auch BRD-Nostalgie) ausgeglichen wird. \n \nOrientierung für eine 10 Gewichtungspunkten entsprechende Lösungsqualität: \nDer Prüfling gelangt zu einer nachvollziehbaren Argumentation, die mindestens drei \nAspekte berücksichtigt. Die Argumentation enthält keine gravierenden sachlichen \nFehler. \nOrientierung für eine 20 Gewichtungspunkten entsprechende Lösungsqualität: \nDer Prüfling entwickelt eine differenzierte Argumentation und Problematisierung, in \nder erörternd insgesamt mindestens fünf Aspekte und beide Interpretationen berück-\nsichtigt werden. Die Argumentation enthält keine sachlichen Fehler. 20 \n2 formuliert ein Fazit, in dem er deutlich macht, dass die beiden Teile Deutschlands \nnach einem Vierteljahrhundert in vielen Bereichen zusammengewachsen sind, wenn \nauch weiterhin trennende Elemente bestehen. (Je nach Gewichtung der Argumente \nkönnen letztlich unterschiedliche Akzentuierungen vorgenommen werden.) 4 \n3 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium. (4)",
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"content": "Ministerium für Schule und Bildung NRW GS LK HT 3 W2 \n Seite 6 von 9 \nAbiturprüfung 2017 Nur für den Dienstgebrauch! b) Darstellungsleistung \n Anforderungen maximal \nerreichbare \nPunktzahl Der Prüfling \n1 strukturiert seinen Text schlüssig, stringent sowie gedanklich klar und bezieht sich \ndabei genau und konsequent auf die Aufgabenstellung. 5 \n2 bezieht beschreibende, deutende und wertende Aussagen schlüssig aufeinander. 4 \n3 belegt seine Aussagen durch angemessene und korrekte Nachweise (Zitate u. a.). 3 \n4 formuliert unter Beachtung der Fachsprache präzise und begrifflich differenziert. 4 \n5 schreibt sprachlich richtig (Grammatik, Orthographie, Zeichensetzung) sowie \nsyntaktisch und stilistisch sicher. 4",
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"content": "Ministerium für Schule und Bildung NRW GS LK HT 3 W2 \n Seite 7 von 9 \nAbiturprüfung 2017 Nur für den Dienstgebrauch! 7. Bewertungsbogen zur Prüfungsarbeit \nName des Prüflings: ____________________________________ Kursbezeichnung: ____________ \n \nSchule: _____________________________________________ \n \n \nTeilaufgabe 1 \n Anforderungen Lösungsqualität \n Der Prüfling maximal \nerreichbare \nPunktzahl EK2 ZK DK \n1 benennt die Gesprächspartner
2 \n2 nennt als Thema
2 \n3 formuliert als Kernaussage
4 \n4 fasst die Hauptaussagen
12 \n5 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium: (2) \n
.. \n
.. \n Summe 1. Teilaufgabe 20 \n \n \nTeilaufgabe 2 \n Anforderungen Lösungsqualität \n Der Prüfling maximal \nerreichbare \nPunktzahl EK ZK DK \n ordnet den Text
\n1 den seit Mitte
8 \n2 die politischen Umstände
8 \n3 die politischen Umstände
10 \n4 charakterisiert die Position
10 \n5 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium: (4) \n
.. \n
.. \n Summe 2. Teilaufgabe 36 \n \n \n2 EK = Erstkorrektur; ZK = Zweitkorrektur; DK = Drittkorrektur",
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"content": "Ministerium für Schule und Bildung NRW GS LK HT 3 W2 \n Seite 8 von 9 \nAbiturprüfung 2017 Nur für den Dienstgebrauch! Teilaufgabe 3 \n Anforderungen Lösungsqualität \n Der Prüfling maximal \nerreichbare \nPunktzahl EK ZK DK \n1 prüft mit Blick
20 \n2 formuliert ein Fazit
4 \n3 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium: (4) \n
.. \n
.. \n Summe 3. Teilaufgabe 24 \n Summe der 1., 2. und 3. Teilaufgabe 80 \n \n \nDarstellungsleistung \n Anforderungen Lösungsqualität \n Der Prüfling maximal \nerreichbare \nPunktzahl EK ZK DK \n1 strukturiert seinen Text
5 \n2 bezieht beschreibende, deutende
4 \n3 belegt seine Aussagen
3 \n4 formuliert unter Beachtung
4 \n5 schreibt sprachlich richtig
4 \n Summe Darstellungsleistung 20 \n \n Summe insgesamt (inhaltliche und Darstellungsleistung) 100 \n aus der Punktsumme resultierende Note gemäß nach-\nfolgender Tabelle \n Note ggf. unter Absenkung um bis zu zwei Notenpunkte \ngemäß § 17 Abs. 5 APO-WbK \n \n Paraphe \n \nBerechnung der Endnote nach Anlage 4 der Abiturverfügung auf der Grundlage von § 52 APO-WbK \n \nDie Klausur wird abschließend mit der Note ________________________ (____ Punkte) bewertet. \n \n \nUnterschrift, Datum:",
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"number": 38,
"content": "Ministerium für Schule und Bildung NRW GS LK HT 3 W2 \n Seite 9 von 9 \nAbiturprüfung 2017 Nur für den Dienstgebrauch! Grundsätze für die Bewertung (Notenfindung) \nFür die Zuordnung der Notenstufen zu den Punktzahlen ist folgende Tabelle zu verwenden: \n \nNote Punkte Erreichte Punktzahl \nsehr gut plus 15 100 95 \nsehr gut 14 94 90 \nsehr gut minus 13 89 85\ngut plus 12 84 80 \ngut 11 79 75 \ngut minus 10 74 70 \nbefriedigend plus 9 69 65 \nbefriedigend 8 64 60 \nbefriedigend minus 7 59 55 \nausreichend plus 6 54 50 \nausreichend 5 49 45 \nausreichend minus 4 44 40 \nmangelhaft plus 3 39 33 \nmangelhaft 2 32 27 \nmangelhaft minus 1 26 20 \nungenügend 0 19 0",
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