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"content": "GS LK HT 1 W2 \n Seite 1 von 3 \n \n \n \nName: _______________________ \n \n \nNur für den Dienstgebrauch! \n \n \n \nAbiturprüfung 2011 \nGeschichte/Sozialwissenschaften, Leistungskurs \nAufgabenstellung: \n \n1. Geben Sie den Gedankengang und die Hauptaussagen des vorliegenden Textes struktu\nriert wieder. (20 Punkte) \n2. „Die reine Freiheit des Arbeitsmarktes musste daher ein instabiler Zustand sein. Im \nZusammenspiel von Protest der Arbeiter, Revolutionsprävention der Eliten und morali\nscher Einsicht in kleinen Reformergruppen entstanden daher nach wenigen Jahrzehnten \ndie Grundzüge des Sozialstaates.“ (Z. 16 – 19) \nErläutern Sie diese Aussage des Autors aus dem Text heraus ausführlich anhand des \nWandels der wirtschaftlichen und sozialen Stellung der Arbeiter in Deutschland im \nVerlauf des 19. Jahrhunderts. (36 Punkte) \n3. Diskutieren Sie, inwieweit das vom Autor dargelegte Ungleichgewicht der Verhand\nlungspartner am Arbeitsmarkt in Deutschland noch heute ein Problem darstellt und \ninwieweit der seit dem 19. Jahrhundert entwickelte und weiter ausgebaute Sozialstaat \nheute noch notwendig ist. (24 Punkte) \n \nMaterialgrundlage: \n \n• Jürgen Osterhammel: Arbeitsmarkt ohne Gleichgewicht. In: Ders.: Die Verwandlung \nder Welt. Eine Geschichte des 19. Jahrhunderts, 4. durchgesehene Auflage, München:\nC. H. Beck 2009, S. 1008 f. (Erstausgabe ebenfalls 2009) \n \n \nZugelassene Hilfsmittel: \n \n• Wörterbuch zur deutschen Rechtschreibung \n• Muttersprachliches Wörterbuch für Studierende, deren Muttersprache nicht Deutsch ist",
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"content": "GS LK HT 1 W2 \n Seite 2 von 3 \n \n \n \nName: _______________________ \n \n \nNur für den Dienstgebrauch! \nArbeitsmarkt ohne Gleichgewicht (Auszug) \n \nGegen Ende des Jahrhunderts kam ein neuer Faktor hinzu: der Aufstieg der organisierten \nArbeiterbewegung. Erst die nun allmählich sich bildenden Möglichkeiten, den übermächtigen \nKapitalbesitzern als forderndes Kollektiv1 gegenüberzutreten, korrigierte ein grundsätzliches \nUngleichgewicht auf dem Arbeitsmarkt. Ein wirklicher Durchbruch war erst dann erreicht, \nwenn jeweils eine nationale Gesetzgebung die Möglichkeit von Tarifverhandlungen (collective 5 \nbargaining2) einräumte. So führt der hindernisreiche Aufstieg freier Arbeit zu einem Paradox3: \nErst die Einschränkung der Freiheit des Marktes durch Bildung von Verhandlungsmonopolen \nauf Arbeiterseite gab den Einzelnen Freiheit von den Machtmitteln der Käufer von Arbeits\nkraft, vor allem der Möglichkeit, die um Beschäftigung konkurrierenden Arbeiter gegeneinan\nder auszuspielen und kurzfristige Kündigungen auszusprechen. Freie Arbeit in einem substan10 \nziellen4 Sinn entstand aus der sozialstaatlich motivierten Einschränkung unbegrenzter Ver\ntragsfreiheit. Die Kontraktualisierung5 des Arbeitsverhältnisses allein war außerstande, die \n«Würdelosigkeit der Lohnarbeiterschaft» (Robert Castel6) zu verhindern oder zu beseitigen. \nDer mit nichts als seiner eigenen physischen Arbeitskraft ausgestattete Arbeiter war ein \nWesen ohne Garantien und Rechte und darin seinem Antipoden7, dem Sklaven, vergleichbar. 15 \nDie reine Freiheit des Arbeitsmarktes musste daher ein instabiler Zustand sein. Im Zusammen\nspiel von Protest der Arbeiter, Revolutionsprävention8 der Eliten und moralischer Einsicht in \nkleinen Reformergruppen entstanden daher nach wenigen Jahrzehnten die Grundzüge des \nSozialstaates. Dass die schutzlose Arbeitsfreiheit als Grundlage für gesellschaftliche Integra\ntion wenig taugte, hatten zunächst philanthropische9 Unternehmer gesehen. Der frühe Sozial 20 \nstaat, wie er sich seit den 1880er Jahren entwickelte, systematisierte solche Fürsorge und \nersetzte sie durch das eigentlich neuartige, eine stille Revolution herbeiführende Prinzip der \nPflichtversicherung. Dahinter stand eine Auffassung von Gesellschaft nicht als Ansammlung \nvon Individuen, sondern als spannungsreiche Pluralität von Kollektiven, eine Auffassung, in \nder Konservative und Sozialisten prinzipiell übereinstimmten. Nur deshalb war der Aufbau 25 \nfrüher Sozialstaatlichkeit jenseits des klassischen Liberalismus möglich. Ganz so individua\nlistisch«manchesterlich10» war aber selbst der klassische (vor allem britische und französi\nsche) Liberalismus bei all seinen Vertretern in Theorie und Politik nicht gewesen. Der «neue \nLiberalismus» konnte sich daher dem allgemeinen Trend der Zeit zur staatlichen Abfederung \nvon Arbeit anschließen. In der Definition der «sozialen Frage» bestand während der zwei 30 \n \n1 Der Begriff „Kollektiv“ beschreibt soziale Gruppen, deren Beteiligte nach verschiedenen Gesichtspunkten zusammen\ngefasst werden – es kann z. B. ein Volk, eine Klasse, eine Belegschaft sein. \n2 englischsprachiger Begriff für Tarifverhandlungen \n3 Widerspruch in sich \n4 wesentlich \n5 von „Kontrakt“: Vertrag; „Kontraktualisierung“ meint hier die vertragliche Regelung eines Arbeitsverhältnisses zwischen \ndem Arbeitgeber und dem einzelnen Arbeiter. \n6 französischer Soziologe \n7 hier: Gegenspieler, Gegenüber \n8 vorbeugende Maßnahmen zur Verhinderung des Ausbruchs einer Revolution \n9 menschenfreundlich \n10 von „Manchestertum“: (oft abwertend gebrauchte) Bezeichnung für einen wirtschaftspolitischen Liberalismus mit der \nForderung nach völliger Freiheit der Wirtschaft ohne jeden staatlichen Eingriff. (Die englische Industriestadt Manchester \ngalt im 19. Jahrhundert als Zentrum dieser Richtung.)",
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"content": "GS LK HT 1 W2 \n Seite 3 von 3 \n \n \n \nName: _______________________ \n \n \nNur für den Dienstgebrauch! \noder drei Jahrzehnte vor dem Ersten Weltkrieg in den industrialisierten Ländern Europas ein \ngewisser Grundkonsens. Die Sozialversicherung, die in Deutschland primär ein Projekt kon\nservativer Systemstabilisierung war, wurde in Großbritannien nach 1906 von einer liberalen \nRegierung in Angriff genommen. […] \n \nAnmerkungen: \nJürgen Osterhammel (geb. 1952) ist Historiker. Seit 1999 ist er Inhaber des Lehrstuhls für Neuere und Neueste \nGeschichte an der Universität Konstanz. \n \n(Hervorhebungen wie im Original.)",
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"content": "Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW GS LK HT 1 W2 \n Seite 1 von 9 \nNur für den Dienstgebrauch! Unterlagen für die Lehrkraft \nAbiturprüfung 2011 \nGeschichte/Sozialwissenschaften, Leistungskurs \n1. Aufgabenart \nBearbeitung eines Sekundärtextes mit gegliederter Aufgabenstellung \n \n \n2. Aufgabenstellung1 \n1. Geben Sie den Gedankengang und die Hauptaussagen des vorliegenden Textes struktu\nriert wieder. (20 Punkte) \n2. „Die reine Freiheit des Arbeitsmarktes musste daher ein instabiler Zustand sein. Im \nZusammenspiel von Protest der Arbeiter, Revolutionsprävention der Eliten und morali\nscher Einsicht in kleinen Reformergruppen entstanden daher nach wenigen Jahrzehnten \ndie Grundzüge des Sozialstaates.“ (Z. 16 – 19) \nErläutern Sie diese Aussage des Autors aus dem Text heraus ausführlich anhand des \nWandels der wirtschaftlichen und sozialen Stellung der Arbeiter in Deutschland im \nVerlauf des 19. Jahrhunderts. (36 Punkte) \n3. Diskutieren Sie, inwieweit das vom Autor dargelegte Ungleichgewicht der Verhand\nlungspartner am Arbeitsmarkt in Deutschland noch heute ein Problem darstellt und \ninwieweit der seit dem 19. Jahrhundert entwickelte und weiter ausgebaute Sozialstaat \nheute noch notwendig ist. (24 Punkte) \n \n3. Materialgrundlage \n• Jürgen Osterhammel: Arbeitsmarkt ohne Gleichgewicht. In: Ders.: Die Verwandlung \nder Welt. Eine Geschichte des 19. Jahrhunderts, 4. durchgesehene Auflage, München: \nC. H. Beck 2009, S. 1008 f. (Erstausgabe ebenfalls 2009) \n \n4. Bezüge zu den Vorgaben 2011 \n1. Inhaltliche Schwerpunkte \n• Auswirkungen des Industriekapitalismus im 19. Jahrhundert in Deutschland auf die \nLebens und Arbeitswelt \n� Merkmale des Industriekapitalismus (Privateigentum an Produktionsmitteln, \nmarktwirtschaftliche Faktoren, freie Lohnbildung) \n� Soziale Auswirkungen der Industrialisierung (inhumane Arbeitsbedingungen, \nLandflucht, Pauperismus, Klassenantagonismus, Funktionswandel der Familie) \n� Lösungsversuche der sozialen Frage (Arbeiterbewegung, Unternehmer, Kirchen, \nStaat) \n� Gesellschaftstheorie (Marx) \n \n \n1 Die Aufgabenstellung deckt inhaltlich alle drei Anforderungsbereiche ab.",
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"content": "Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW GS LK HT 1 W2 \n Seite 2 von 9 \nNur für den Dienstgebrauch! 2. Medien/Materialien \n• entfällt \n \n \n5. Zugelassene Hilfsmittel \n• Wörterbuch zur deutschen Rechtschreibung \n•Muttersprachliches Wörterbuch für Studierende, deren Muttersprache nicht Deutsch ist\n \n \n6. Vorgaben für die Bewertung der Schülerleistungen \nTeilleistungen – Kriterien \na) inhaltliche Leistung \nTeilaufgabe 1 \nAnforderungen \nDer Prüfling maximal \nerreichbare \nPunktzahl \n1 nennt den Verfasser (J. Osterhammel, Historiker), das Erscheinungsjahr des Textes \n(2009), die Textsorte (wissenschaftliche Darstellung) und die Adressaten (Fachwissen\nschaftler und historisch interessierte Öffentlichkeit). 2 \n2 nennt als Thema des Textes in etwa: Charakterisierung der Entwicklung der Arbeits\nbeziehungen und des Sozialstaats in den Industrieländern des 19. Jahrhunderts. 2 \n3 formuliert als Kernaussage, dass erst die Begrenzung schrankenloser Vertragsfrei\nheit zwischen Arbeitgebern und dem einzelnen Arbeiter, wie sie durch den Aufstieg \nder Arbeiterbewegung und die Anfänge des Sozialstaates bewirkt worden sei, eine\ngewisse Stabilität des Systems freier Arbeitsbeziehungen im Industriekapitalismus \nhervorgebracht habe. 2 \n4 gibt den Gedankengang des Autors mit Hilfe von Verben, die die argumentative \nFunktion der Hauptaussagen verdeutlichen, sinngemäß in folgender Weise wieder:\nOsterhammel \n• stellt die These auf, dass erst durch das Aufkommen der organisierten Arbeiterbe\nwegung mit ihrem Auftreten als Verhandlungsmacht eines Kollektivs von Arbei\ntern das strukturelle Ungleichgewicht auf dem industriekapitalistischen Arbeits\nmarkt korrigiert werden konnte, \n• begründet dies mit der zuvor bestehenden völligen Ohnmacht des zwar rechtlich \nfreien, aber ökonomisch schwachen Arbeiters in seiner Beziehung zum Unterneh\nmer als Kapitalbesitzer, \n• behauptet, dass ein Zustand völlig unbegrenzter Vertragsfreiheit nicht ausreiche, \nwürdige Arbeitsverhältnisse für die Arbeitnehmer zu begründen und notwendig \nzu Instabilität führe, \n• sieht den sich allmählich entwickelnden Sozialstaat als von verschiedenen Seiten \ngeförderte Antwort auf diesen Zustand der Instabilität, \n• erklärt den Hintergrund dieser Entwicklung zum Sozialstaat mit der Erkenntnis, \ndass Gesellschaft durch Kollektive geprägt sei, was selbst der klassische Libera\nlismus im Kern akzeptiert habe. 4",
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"content": "Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW GS LK HT 1 W2 \n Seite 3 von 9 \nNur für den Dienstgebrauch! 5 gibt die Hauptaussagen des Textes in Verbindung mit dem in Kriterium 4 skizzierten \nGedankengang strukturiert wieder (die Trennung beider Kriterien erfolgt hier nur, um \ndie Punktanteile ausweisen zu können): \n• Erst das gewachsene Gewicht der organisierten Arbeiterbewegung habe Ende des \n19. Jahrhunderts den Arbeitern Möglichkeiten geschaffen, als Kollektiv in gesetz\nlich verankerten Tarifverhandlungen Forderungen gegenüber den bisher übermäch\ntigen Arbeitgebern aufzustellen, um so das bisherige strukturelle Machtgefälle \nzwischen Kapitalbesitzern und dem einzelnen Arbeiter zu korrigieren. \n• Vorher habe der Unternehmer als Käufer der Arbeitskraft die einzelnen, auf den \nVerkauf ihrer physischen Arbeitskraft angewiesenen und um Arbeitsplätze kon\nkurrierenden Arbeiter gegeneinander ausspielen können, da diese ohnmächtig \nund rechtlos gewesen seien. \n• Die schrankenlose Vertragsfreiheit zwischen den Unternehmern als Kapitalbesit\nzern und dem einzelnen Arbeiter habe wegen der Ungleichgewichtigkeit der Ver\ntragsparteien paradoxerweise doch nicht zur dauerhaften Durchsetzung würdevol\nler Arbeitsverhältnisse geführt, sondern nur zu einem Zustand der Instabilität. \n• Als Antwort darauf habe sich aus dem Zusammenspiel von Protesten der Arbeiter \nselbst, von Veränderungsbereitschaft der, revolutionären Druck befürchtenden, \nEliten und vom Entgegenkommen verschiedener moralisch motivierter Reform\nkräfte die Entwicklung zum Sozialstaat ergeben, wobei vor allem die Bedeutung \ndes Prinzips der Pflichtversicherung hervorzuheben sei. \n• Hinter dieser Entwicklung zum Sozialstaat habe eine von Konservativen und \nSozialisten gleichermaßen getragene Auffassung gestanden, dass Gesellschaft \nprimär durch das spannungsreiche Nebeneinander von Kollektiven und nicht durch \neine Ansammlung von Individuen geprägt sei, was selbst der klassische Liberalis\nmus nicht völlig leugne, wie man daran sähe, dass in England eine liberale Regie\nrung eine Sozialversicherung initiiert habe, während sie in Deutschland primär ein \nAnliegen konservativer Systemstabilisierung gewesen sei. 10 \n6 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium. (2) \n \n \nTeilaufgabe 2 \nAnforderungen \nDer Prüfling maximal \nerreichbare \nPunktzahl \n erläutert ausführlich anhand des Wandels der wirtschaftlichen und sozialen Stellung \nder Arbeiter in Deutschland im Verlaufe des 19. Jahrhunderts die folgende Aussage \ndes Autors: „Die reine Freiheit des Arbeitsmarktes musste daher ein instabiler Zustand \nsein. Im Zusammenspiel von Protest der Arbeiter, Revolutionsprävention der Eliten \nund moralischer Einsicht in kleinen Reformergruppen entstanden daher nach wenigen \nJahrzehnten die Grundzüge des Sozialstaates.“ Er stellt dabei mit folgenden Sachver\nhalten einen Zusammenhang her: \n1 mit der schlechten wirtschaftlichen und sozialen Situation vieler Arbeiter seit der \nersten, vom Übergang zum Wirtschaftsliberalismus gekennzeichneten Industrialisie\nrungsphase bis hinein in die Phase der Hochindustrialisierung (Pauperismus / Soziale \nFrage) als Auswirkung der von Osterhammel angeführten völligen Freiheit des Arbeits\nmarktes; er berücksichtigt mindestens fünf Aspekte, z. B.: \n• extrem niedrige Löhne (allmählicher Anstieg erst im letzten Drittel des 19. Jahr\nhunderts) als Folge der Lohnbildung aus Angebot und Nachfrage an einem lange\nZeit völlig freien Arbeitsmarkt, \n• schlechte Arbeitsbedingungen wie z. B. überlange Arbeitszeiten von z. T. 12 Stun\nden und mehr, gesundheitsgefährdende Verhältnisse in den Fabriken u. a. m., \n• leichte Austauschbarkeit und schwache Verhandlungsposition des einzelnen Arbei\nters infolge des lange Zeit sehr hohen Arbeitskräfteangebotes, 12",
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"content": "Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW GS LK HT 1 W2 \n Seite 4 von 9 \nNur für den Dienstgebrauch! • fehlender gesetzlicher Kündigungsschutz mit der drohenden Entlassung als Diszipli\nnierungsmittel, \n• die weitgehende Rechtlosigkeit der Arbeiter: kein Streik und Koalitionsrecht, \nkeine betrieblichen Mitbestimmungsmöglichkeiten, \n• Kinderarbeit auf Grund des zu geringen Familieneinkommens mit ihren schäd\nlichen Auswirkungen auf die geistigen und körperlichen Entwicklungsmöglich\nkeiten der Kinder, \n• fehlende Bildungs und Entwicklungsmöglichkeiten für Arbeiter wegen fehlender \nArbeitszeitregelungen und einem Mangel an geeigneten Bildungseinrichtungen, \n• ungleichmäßiges Wachstum, Wirtschaftskrisen mit der damit verbundenen Exis\ntenzunsicherheit der einzelnen Arbeiter, die diesen Wechselfällen einer freien \nMarktwirtschaft schutzlos ausgeliefert waren, \n• existenzielle Unsicherheiten durch fehlende soziale Absicherung bei Krankheit, \nAlter, Invalidität. \n2 mit der von Osterhammel als wesentlichen Impuls zur Veränderung angeführten zu\nnehmenden Organisation der Arbeiterproteste durch die Bildung von Arbeiterorgani\nsationen, vor allem von Parteien und Gewerkschaften und den von ihnen erreichten \nVeränderungen; er berücksichtigt mindestens drei der folgenden Aspekte: \n•die Gründung von sozialdemokratischen Arbeiterparteien in Deutschland in den \n60er Jahren des 19. Jahrhunderts (teils mit reformerischer, teils mit revolutionärer \nProgrammatik) und ihre Vereinigung in der Mitte der 70er Jahre, \n• das rasche Wachstum der vereinigten Partei sowohl im Hinblick auf die Gewin\nnung von Parlamentssitzen als auch das Mitgliederwachstum mit der Folge einer \nwachsenden Bedeutung der SPD für die inner und außerparlamentarische politi\nsche Auseinandersetzung in Deutschland, \n• die Gründung von sozialistischen und christlich orientierten Gewerkschaften als \nkollektive ökonomische Interessenvertretung der Arbeiter auf betrieblicher und \naußerbetrieblicher Ebene seit den 60er Jahren und ihre wachsenden Mitglieder\nzahlen bis zum 1. Weltkrieg, \n• die Organisation von Protesten und Streiks wie z. B. dem Bergarbeiterstreik von \n1889, die zwar nicht immer erfolgreich für die Arbeiter verliefen und z. T. auch \nmit staatlicher Gewalt unterdrückt wurden, aber deutlich ein gewachsenes Selbst\nbewusstsein und eine gestiegene Kampfkraft der Arbeiter als Kollektiv zeigten, \nlangfristig ihre Stellung im Betrieb stärkten und Konzessionen von Unternehmer\nseite bewirkten. 8 \n3 mit der „moralischen Einsicht“ in „kleinen Reformergruppen“ im gesellschaftlichen \nund kirchlichen Bereich, aus Gründen der Gerechtigkeit und der Humanität eine \nsoziale Besserstellung der Arbeiter herbeiführen zu müssen, er berücksichtigt min\ndestens drei Aspekte, z. B.: \n• Appelle einzelner staatlicher Beamter schon in der ersten Industrialisierungsphase, \ndie Situation der Arbeiter zu verbessern, z. B. mit der Folge einer staatlichen Ein\nschränkung der Kinderarbeit in Preußen oder der Einrichtung kommunaler Hilfs\nkassen (Barmen), \n• die Gründung des Vereins für Sozialpolitik und dessen Forderung nach Begren\nzung eines ungezügelten Liberalismus sowie einer Stärkung der Verhandlungs\nposition des einzelnen Arbeiters durch eine entsprechende staatliche Gesetzgebung, \n• Appelle und Hilfsmaßnahmen aus kirchlichen Kreisen auf der Basis des Postulats \nder Nächstenliebe, z. B. Gründung von Gesellenvereinen durch A. Kolping, die \nEntwicklung der katholischen Soziallehre durch W. Ketteler u. a., die Sozialen\nzyklika des Papstes von 1891, J. H. Wichern und die Innere Mission, \n• die Forderung nach Beschränkung der Kinderarbeit aus unterschiedlichen gesell\nschaftlichen Kreisen – unter anderem auch mit dem Argument, dass den Kindern \nein Recht auf freiere Entfaltung ihrer Persönlichkeit zugebilligt werden müsse, \n• Maßnahmen der betrieblichen Sozialpolitik, die in beiden Industrialisierungs\nphasen von einzelnen Unternehmern auch aus humanitären Motiven gefordert \nund durchgeführt worden sind und nicht nur aus betriebswirtschaftlichem Kalkül, \nwie z. B. die Fabrikrede von Buss oder die Maßnahmen von Abbe zeigen. 8",
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"content": "Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW GS LK HT 1 W2 \n Seite 5 von 9 \nNur für den Dienstgebrauch! 4 mit Maßnahmen und Haltungen, die der „Revolutionsprävention der Eliten“ insofern \nzugerechnet werden können, als sie dem Ziel folgten, die organisierte Arbeiterbewe\ngung an einer revolutionären Veränderung des kaiserlichen Obrigkeitsstaates und des \nkapitalistischen Wirtschaftssystems zu hindern und somit „konservativer Systemstabi\nlisierung“ zu dienen; er berücksichtigt den ersten und mindestens einen der anderen \nAspekte: \n• die Versuche des Staates, parallel zur Repression, durch Entgegenkommen – vor \nallem durch die Einführung gesetzlich verankerter Pflichtversicherungen im Falle \nvon Unfall, Krankheit, Invalidität und Alter – einen weiteren Aufstieg der Arbei\nterbewegung, besonders der SPD mit ihrer marxistisch fundierten Programmatik\nzu verhindern, ohne grundlegendere Systemkorrekturen vornehmen zu wollen, \n• die Versuche einiger Unternehmer (z. B. Krupp, Stumm) mit Hilfe betrieblicher \nSozialpolitik auf das Privatleben der Arbeiter Einfluss zu nehmen, sie zu diszipli\nnieren und von politischer Betätigung, vor allem von einer Organisation bei den \nSozialdemokraten, abzuhalten, \n• die ausdrückliche Ablehnung revolutionärer Veränderungen von kirchlicher Seite, \nwie z. B. an der Ausrichtung der „Christlichsozialen Arbeiterpartei“ unter der Füh\nrung des konservativnationalistischen Adolf Stoecker oder an der Verurteilung \nvon Liberalismus und Sozialismus durch Papst Leo XIII. gezeigt werden kann, \n• die Versuche des Staates, mit Hilfe von Repressionen die Entstehung einer orga\nnisierten Arbeiterschaft durch den Versuch ihrer Kriminalisierung aufzuhalten, \nwie z. B. anhand des Sozialistengesetzes gezeigt werden kann. 8 \n5 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium. (4) \n \n \nTeilaufgabe 3 \nAnforderungen \nDer Prüfling maximal \nerreichbare \nPunktzahl \n1 diskutiert aus unterschiedlichen Blickwinkeln, inwieweit das vom Autor dargelegte \nUngleichgewicht der Verhandlungspartner am Arbeitsmarkt in Deutschland noch \nheute ein Problem darstellt: er berücksichtigt mindestens drei Aspekte, z. B.: \n• einerseits \n� die Tatsache, dass es heute vielfach gut ausgebildete Spezialisten gibt, deren \nArbeitskraft gefragt ist und die sie – auch als Einzelne – zu guten Bedingungen \nverkaufen können, \n� das Vorhandensein von heute rechtlich anerkannten und gesellschaftlich akzep\ntierten Gewerkschaften, die das Koalitions und Streikrecht haben und als \nTarifpartner agieren und die so ein Gegengewicht gegen die lange „übermäch\ntigen Kapitalbesitzer“ bilden, \n� die heute existierende umfassende Gesetzgebung mit einklagbaren Schutz\nrechten (z. B. Kündigungsschutz) und Mitbestimmungsmöglichkeiten für die \nArbeitnehmer (z. B. durch das Betriebsverfassungsgesetz), die bewirken, dass \nder Arbeiter nicht mehr nur „ein Wesen ohne Garantien und Rechte“ ist, \n•andererseits aber auch \n�die vor allem mit Hinweis auf den Druck des globalisierten Wettbewerbs durch\ngesetzte Liberalisierung und Flexibilisierung des Arbeitsmarktes in den letzten \nJahrzehnten (z. B. Lockerung des Kündigungsschutzes, Förderung der tariflich \nschlechter gestellten Leiharbeit), die das Gleichgewicht zu Lasten der Situation \nder Arbeitnehmer tendenziell in Frage stellen, \n� Tendenzen zur Auflösung der von Osterhammel angeführten „Bildung von Ver\nhandlungsmonopolen auf Arbeiterseite“ als entscheidender Voraussetzung für \neinen Arbeitsmarkt mit Gleichgewicht (z. B. zurückgehende Mitgliederzahlen \nder Gewerkschaften; wachsende Zahl von Branchen, in denen die Arbeitsver\nhältnisse nicht mehr oder nur in geringem Maße tarifvertraglich geregelt sind), 10",
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"content": "Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW GS LK HT 1 W2 \n Seite 6 von 9 \nNur für den Dienstgebrauch! � die nach wie vor vorhandene Krisenanfälligkeit der kapitalistischen Marktwirt\nschaft mit der Folge von Ungleichgewichten, die in Form von Arbeitslosigkeit \nund damit verbundener wachsender Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt auch \nheute noch zur existenziellen Verunsicherung von Arbeitern führen. \n2 diskutiert aus unterschiedlichen Blickwinkeln, inwieweit der seit dem 19. Jahrhundert \nentwickelte und weiter ausgebaute Sozialstaat heute noch notwendig ist; er berück\nsichtigt mindestens drei Aspekte z. B. : \n• einerseits \n� die Frage der Finanzierbarkeit des Sozialstaats in Zeiten des demografischen \nWandels und der wachsenden Belastung durch steigende Ausgaben, z. B. im \nGesundheitswesen, \n� die Frage möglicher negativer Auswirkungen sozialstaatlicher Transferzahlun\ngen auf die Eigenverantwortung und initiative der Leistungsempfänger, \n• andererseits aber auch \n� die nach wie vor bestehenden Schwierigkeiten des einzelnen Arbeitnehmers, \nsich bei dem bestehenden Lohnniveau und bei ggf. rückläufiger Absicherung \ndurch kollektive sozialstaatliche Sicherungssysteme individuell auf unkalku\nlierbare Lebensrisiken wie Arbeitslosigkeit, Krankheit und Versorgung im \nAlter so vorzubereiten, dass Leben und Altern in Würde möglich sind, \n� die heute noch hohe Bedeutung des von Osterhammel als „stille Revolution“ \nhervorgehobenen „Prinzip(s) der Pflichtversicherung“, das Arbeitnehmern ein \nauch durch eigene Beiträge erworbenes Anrecht auf soziale Leistungen ein\nräumt und Arbeiter in Notsituationen nicht angewiesen sein lässt auf freiwil\nlige Wohltätigkeit (Almosen) oder auf die Risiken privater Versicherungen, \n� die Bedeutung von gesellschaftlicher Integration und sozialem Frieden, die \ndurch sozialstaatliche Strukturen gefördert werden, für die Vermeidung gesell\nschaftlicher Instabilität bzw. für den Erhalt von Rechtsstaat und Demokratie. 10 \n3 formuliert ein Fazit, in dem er abschließend deutlich macht, inwieweit aus seiner Sicht \ndas Spannungsverhältnis zwischen Regulierung und Deregulierung am Arbeitsmarkt \nheute angemessen ausgestaltet ist, und inwieweit der Umfang des Sozialstaates heute \n(wieder) zu Recht zur Diskussion steht bzw. ob eine stärkere Hinwendung zu der Auf\nfassung von Gesellschaft als „Ansammlung von Individuen“ angemessen sein könnte.4 \n4 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium. (4) \n \n \nb) Darstellungsleistung \nAnforderungen \nDer Prüfling maximal \nerreichbare \nPunktzahl 1 strukturiert seinen Text schlüssig, stringent sowie gedanklich klar und bezieht sich \ndabei genau und konsequent auf die Aufgabenstellung. 5 \n2 bezieht beschreibende, deutende und wertende Aussagen schlüssig aufeinander. 4 \n3 belegt seine Aussagen durch angemessene und korrekte Nachweise (Zitate u. a.). 3 \n4 formuliert unter Beachtung der Fachsprache präzise und begrifflich differenziert. 4 \n5 schreibt sprachlich richtig (Grammatik, Orthographie, Zeichensetzung) sowie \nsyntaktisch und stilistisch sicher. 4",
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"content": "Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW GS LK HT 1 W2 \n Seite 7 von 9 \nNur für den Dienstgebrauch! 7. Bewertungsbogen zur Prüfungsarbeit \nName des Prüflings: ____________________________________ Kursbezeichnung: ____________ \n \nSchule: _____________________________________________\n \n \nTeilaufgabe 1 \n Anforderungen Lösungsqualität \n Der Prüfling maximal \nerreichbare \nPunktzahl EK2 ZK DK \n1 nennt den Verfasser … 2 \n2 nennt als Thema … 2 \n3 formuliert als Kernaussage … 2 \n4 gibt den Gedankengang … 4 \n5 gibt die Hauptaussagen … 10 \n6 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium: (2) \n…………………………………………………………….. …………………………………………………………….. \n Summe 1. Teilaufgabe 20 \n \n \nTeilaufgabe 2 \n Anforderungen Lösungsqualität \n Der Prüfling maximal \nerreichbare \nPunktzahl EK ZK DK \n erläutert ausführlich anhand … \n1 mit der schlechten … 12 \n2 mit der von … 8 \n3 mit der „moralischen … 8 \n4 mit Maßnahmen und … 8 \n5 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium: (4) \n……………………………………………………………..\n…………………………………………………………….. \n Summe 2. Teilaufgabe 36 \n \n \n \n2 EK = Erstkorrektur; ZK = Zweitkorrektur; DK = Drittkorrektur",
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"content": "Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW GS LK HT 1 W2 \n Seite 8 von 9 \nNur für den Dienstgebrauch! Teilaufgabe 3 \nAnforderungen Lösungsqualität\nDer Prüflingmaximal \nerreichbare \nPunktzahl EK ZK DK\n1 diskutiert aus unterschiedlichen … 10 \n2 diskutiert aus unterschiedlichen … 10 \n3 formuliert ein Fazit … 4 \n4 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium: (4)\n…………………………………………………………….. …………………………………………………………….. \n Summe 3. Teilaufgabe 24 \n Summe der 1., 2. und 3. Teilaufgabe 80 \n \n \nDarstellungsleistung \n Anforderungen Lösungsqualität \n Der Prüfling maximal\nerreichbare \nPunktzahl EK ZK DK \n1 strukturiert seinen Text … 5 \n2 bezieht beschreibende, deutende … 4 \n3 belegt seine Aussagen … 3 \n4 formuliert unter Beachtung … 4 \n5 schreibt sprachlich richtig … 4 \n Summe Darstellungsleistung 20 \n \n Summe insgesamt (inhaltliche und Darstellungsleistung) 100 \n aus der Punktsumme resultierende Note \n Note ggf. unter Absenkung um ein bis zwei Noten\npunkte gemäß § 17 Abs. 5 APOWbK \n \n Paraphe \n \nggf. arithmetisches Mittel der Punktsummen aus EK und ZK: ___________ \n \nggf. arithmetisches Mittel der Notenurteile aus EK und ZK: _____________ \n \nDie Klausur wird abschließend mit der Note: ________________________ (____ Punkte) bewertet. \n \n \nUnterschrift, Datum:",
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"content": "Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW GS LK HT 1 W2 \n Seite 9 von 9 \nNur für den Dienstgebrauch! Grundsätze für die Bewertung (Notenfindung) \nFür die Zuordnung der Notenstufen zu den Punktzahlen ist folgende Tabelle zu verwenden: \n \nNote Punkte Erreichte Punktzahl \nsehr gut plus 15 100 – 95 \nsehr gut 14 94 – 90 \nsehr gut minus 13 89 – 85 \ngut plus 12 84 – 80 \ngut 11 79 – 75 \ngut minus 10 74 – 70 \nbefriedigend plus 9 69 – 65 \nbefriedigend 8 64 – 60 \nbefriedigend minus 7 59 – 55 \nausreichend plus 6 54 – 50 \nausreichend 5 49 – 45 \nausreichend minus 4 44 – 39 \nmangelhaft plus 3 38 – 33 \nmangelhaft 2 32 – 27 \nmangelhaft minus 1 26 – 20 \nungenügend 0 19 – 0",
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"content": "GS LK HT 2 W2 \n Seite 1 von 4 \n \n \n \nName: _______________________ \n \n \nNur für den Dienstgebrauch! \n \n \n \nAbiturprüfung 2011 \nGeschichte/Sozialwissenschaften, Leistungskurs \nAufgabenstellung: \n \n1. Geben Sie den Gedankengang und die Hauptaussagen des vorliegenden Textes struktu\nriert wieder. (20 Punkte) \n2. Erläutern Sie wesentliche Hintergründe, deren Kenntnis für eine Auseinandersetzung \nmit den Ausführungen des Autors zu Ursachen und Ausgestaltung der mit der national\nsozialistischen Machtübernahme einhergehenden Veränderungen 1933 erforderlich ist.\n (36 Punkte) \n3. Setzen Sie sich mit den Einschätzungen des Autors zu Ursachen und Rechtmäßigkeit \nder „nationalen Regeneration“ sowie mit seinen Aussagen zur Rolle von Kommunisten \nund Juden umfassend auseinander. (24 Punkte) \n \nMaterialgrundlage: \n \n• Hans Wahl: Memorandum über die gegenwärtige Lage in Deutschland, insbesondere über \ndie Judenfrage, 7. Juni 1933. In: Armin Boyens: Kirchenkampf und Ökumene 1933 – 1939. \nDarstellung und Dokumente. München 1969, S. 299 ff. \n \n \nZugelassene Hilfsmittel: \n \n• Wörterbuch zur deutschen Rechtschreibung \n• Muttersprachliches Wörterbuch für Studierende, deren Muttersprache nicht Deutsch ist",
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"number": 14,
"content": "GS LK HT 2 W2 \n Seite 2 von 4 \n \n \n \nName: _______________________ \n \n \nNur für den Dienstgebrauch! \n \nDas folgende Memorandum1 wurde als Antwort auf verschiedene Schreiben von kirchlichen \nOrganisationen und einzelnen Personen aus dem Ausland zur Situation der Juden in Deutsch\nland am 7. Juni 1933 vom evangelischen Kirchenbundesamt versandt. Autor des Textes ist der \nOberkonsistorialrat Hans Wahl. Ein Oberkonsistorialrat übernimmt in einem Konsistorium, \neiner Verwaltungsbehörde der evangelischen Kirche, kirchenleitende Aufgaben. \n \nWas sich in den letzten Monaten in Deutschland vollzogen hat und noch vollzieht, ist eine \nRevolution oder besser noch eine nationale Regeneration von tiefster und weitester innerer \nAuswirkung. Die Bildung der Regierung und der Ausbau ihrer Machtstellung haben sich \nfreilich nicht im Wege der Gewalt, sondern im Rahmen der Verfassung und mit den Mitteln \nder Mehrheitsentscheidung, der Wahl und Abstimmung vollzogen. Die Gesetze werden auf 5 \nGrund einer Ermächtigung erlassen, die eine 2/3 Mehrheit des verfassungsmäßig gewählten \nReichstages der Regierung auf 4 Jahre erteilt hat. Aber auf Grund dieser Ermächtigung will \ndie Regierung an die Stelle des Alten in Staat und Wirtschaft etwas in vieler Hinsicht grund\nsätzlich Neues setzen. Wie jede politische Umwälzung, so formt auch die deutsche Revolution \nvon 1933 auf vielen Gebieten neue Vorstellungen von dem, was für das Wohl des Volkes 10 \nund für die Erhaltung seines Lebens notwendig und gut ist. […] Die Mischung der liberalen \nund marxistischen Ideen, die der Verfassung des NachkriegsDeutschlands ihren Stempel \naufgedrückt hat, hat sich für das Verfassungs und Volksleben nicht als fruchtbar erwiesen. \nSie hat es vor allem nicht vermocht, die gefährlichen sozialen und politischen Gegensätze, \ndie im deutschen Volk seit langer Zeit vorhanden waren, auszugleichen. Diese Not ist die 15 \nletzte Ursache der nationalsozialistischen Bewegung einerseits, und andererseits erwächst \naus ihr ihre Aufgabe. Dies ist der Angelpunkt für das Verständnis des heutigen Geschehens \nin Deutschland. Von hier aus müssen daher auch die Einzelheiten bewertet werden. […] \nDas deutsche Volk kämpft seit jetzt beinahe 2 Jahrzehnten um sein Leben. Die Regierung \nwill in einer großen organisatorischen und geistigen Anstrengung in Staat, Wirtschaft und 20 \nKultur die verfallende Ordnung unseres Volkslebens wieder zu einem kraftvollen Organis\nmus gestalten. Zucht und Ordnung, Sparsamkeit und Fleiß, sozialer Frieden und Pflege der \nnationalen Kulturgüter des deutschen Volkes sind Mittel und Ziel dieses Weges zugleich. \nDie erhoffte endliche Konsolidierung2 der Verhältnisse in Deutschland wird auch für die \nWeltpolitik, für die Erhaltung des Friedens – freilich nicht ohne kluge und im Geiste der 25 \nGerechtigkeit betätigte Handhabung der internationalen Probleme durch das Ausland – von \ngroßer und positiver Bedeutung werden. Bekanntlich ist eine starke Regierung meist eine \nbessere Garantie für den Frieden als eine schwache, die allen möglichen unkontrollierbaren \nEinflüssen ausgesetzt ist. […] \nAls eine ihrer Hauptaufgaben im Innern hat die Regierung naturgemäß die geistige und poli30 \ntische Überwindung des Marxismus besonders in der Form des Kommunismus erkannt, der \nin Deutschland – wie übrigens auch in anderen Ländern – eine unmittelbare, den Staat und \ndie Kirchen bedrohende Stärke erreicht hatte. Dabei sind selbstverständlich einzelne von der \nStaatsgewalt ergriffene Maßregeln nicht frei von Härten. […] \n \n1 Denkschrift \n2 Festigung, Sicherung",
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"number": 15,
"content": "GS LK HT 2 W2 \n Seite 3 von 4 \n \n \n \nName: _______________________ \n \n \nNur für den Dienstgebrauch! \nDer Versuch einer gewaltsamen Aufrichtung der kommunistischen Diktatur schien auf 35 \ndem Wege der Verwirklichung. Es braucht nicht ausführlich dargelegt zu werden, welches \nSchicksal die Kirche bei dem fanatischen Haß des Kommunismus gegen Religion und Kirche \nim Falle eines Sieges des Kommunismus gefunden haben würde. Der Standpunkt der Reichs\nregierung, daß sie durch Übernahme der Regierung am 30. Januar 1933 eine in sicherer Aus\nsicht stehende Katastrophe verhindert habe, wird auch von den Kirchen geteilt. 40 \nFür einen so machtvollen Umschwung der Dinge, wie wir ihn erlebt haben, wird das Gesamt\nurteil eines disziplinierten Verlaufs geschichtlich bestehen. Wie bei der Wucht dieser Revo\nlution und der tiefgehenden Erregung der Bevölkerung aber nur natürlich ist, sind einzelne \nGewaltakte – auch gegen Juden, aber nicht allein oder vorzugsweise gegen diese – vorge\nkommen, die nicht nur von den Kirchen, sondern auch von der Regierung mißbilligt und 45 \nbedauert werden. Doch sie stehen in keinem Verhältnis zu den grausamen und schmachvollen \nVorgängen der Revolution von 1918, die allerdings von der christlichen Welt seinerzeit nicht \nbeachtet worden sind. Im großen und ganzen kann bezeugt werden, daß die Bevölkerung eine \nDisziplin bewahrt hat, wie sie wohl selten bei einer Staatsumwälzung bewiesen worden ist. \n[…] 50 \nDie Judenfrage ist in Deutschland kein eigentliches Nachkriegsproblem, wenngleich sie die \nfür die heutige Zeit charakteristische Zuspitzung erst nach dem Kriege unter der Einwirkung \nder deutschen Revolution von 1918 einerseits und des Versailler Vertrages andererseits erfah\nren hat. Weite Schichten des Volkes empfanden die Haltung mancher jüdischer Kreise im \nKriege und insbesondere unmittelbar nach dem Kriege gegenüber dem Lebenskampf unseres 55 \nVolkes als zweideutig oder gar als feindlich. Hinzu kam, daß die Juden seit dem Umsturz von \n1918 dank ihrer guten Beziehungen zu den marxistischen Parteien eine unverhältnismäßig \ngroße Zahl von öffentlichen Ämtern und anderen Stellen errangen, die für das öffentliche \nLeben bedeutsam sind. (Hierbei sei eingeschaltet, daß die Parlamentsabgeordneten der marxis\ntischen Parteien allergrößtenteils aus der Kirche ausgetreten waren und diese Parteien zu den 60 \nOrganisationen der Freidenker enge Beziehungen und zahlreiche Personalverbindungen \nbesaßen). Dazu kam weiterhin, daß die Regierungen seit 1918 die Ostgrenzen für die jüdische \nEinwanderung weit öffneten und zahllose kulturell minderwertige Ostjuden sich in Deutsch\nland niederlassen konnten oder gar das deutsche Bürgerrecht erhielten. Hand in Hand damit \nging das jüdische Vordringen in Wissenschaft, Presse und Literatur, in Theater und Film, 65 \nwährend vielfach deutsche Gelehrte und Künstler in den Hintergrund gedrängt wurden. […] \nNicht nur das Bewußtsein von dem prozentualen Mißverhältnis zwischen der Gesamtzahl der \nJuden in Deutschland und der Zahl der von ihnen innegehabten bedeutenden Stellen förderte \ndie Erregung im Volke; vielmehr drang im Volke die Erkenntnis durch, daß der jüdische \nGeist besonders in Literatur, Theater und Film christliche Religion und Sitte, Familienleben 70 \nund Volkstum, schließlich alle die Bindungen untergrub, ohne die eine Erhaltung des Volks\ntums und des Staates nicht möglich ist. Nicht deutlich genug kann insbesondere die Bedro\nhung der christlichen Kultur betont werden, die sich hier unter dem Schutze der Geistesfreiheit \nvollzog. […]",
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"number": 16,
"content": "GS LK HT 2 W2 \n Seite 4 von 4 \n \n \n \nName: _______________________ \n \n \nNur für den Dienstgebrauch! \nAll dies hat nicht nur den im Volke latent3 vorhandenen antisemitischen Stimmungen zum 75 \nDurchbruch verholfen, sondern zwang auch den ruhiger Denkenden zu der Einsicht, daß \netwas geschehen müsse zur Abwehr der unserem Volkstum je länger desto mehr drohenden \nGefahr. […] \nZusammenfassend sei festgestellt, daß es sich gegenwärtig in Deutschland nicht um eine \n„Judenverfolgung“ mit dem Ziel wirtschaftlicher und persönlicher Vernichtung handelt, 80 \nvielmehr, abgesehen von dem Boykott, der als einmaliger Akt und als Abwehrmaßnahme \nanzusehen ist, im wesentlichen um eine gesetzliche Reduzierung des nach dem Weltkriege \nübermäßig gewordenen Anteils des jüdischen Elements an öffentlichen oder öffentlich bedeut\nsamen Stellungen. Trotz dieser Reduzierung dürfte aber nicht überall der dem Bevölkerungs\nverhältnis entsprechende Anteil hergestellt werden. Die Maßregel zeigt prinzipiell den Cha85 \nrakter einer Schutzmaßnahme zur Sicherung des deutschen Volkes. Ein Kampf gegen die \njüdische Religion oder die freie Ausübung des jüdischen Kults findet überhaupt nicht statt. \n[…] \n \n(Rechtschreibung, Zeichensetzung und Hervorhebungen entsprechen der Vorlage.) \n \n \n3 versteckt, nicht offenkundig",
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"number": 17,
"content": "Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW GS LK HT 2 W2 \n Seite 1 von 11 \nNur für den Dienstgebrauch! Unterlagen für die Lehrkraft \nAbiturprüfung 2011 \nGeschichte/Sozialwissenschaften, Leistungskurs \n1. Aufgabenart \nBearbeitung einer Quelle mit gegliederter Aufgabenstellung \n \n \n2. Aufgabenstellung1 \n1. Geben Sie den Gedankengang und die Hauptaussagen des vorliegenden Textes struktu\nriert wieder. (20 Punkte) \n2. Erläutern Sie wesentliche Hintergründe, deren Kenntnis für eine Auseinandersetzung \nmit den Ausführungen des Autors zu Ursachen und Ausgestaltung der mit der national\nsozialistischen Machtübernahme einhergehenden Veränderungen 1933 erforderlich ist.\n (36 Punkte) \n3. Setzen Sie sich mit den Einschätzungen des Autors zu Ursachen und Rechtmäßigkeit \nder „nationalen Regeneration“ sowie mit seinen Aussagen zur Rolle von Kommunisten \nund Juden umfassend auseinander. (24 Punkte) \n \n3. Materialgrundlage \n• Hans Wahl: Memorandum über die gegenwärtige Lage in Deutschland, insbesondere über \ndie Judenfrage, 7. Juni 1933. In: Armin Boyens: Kirchenkampf und Ökumene 1933 – 1939. \nDarstellung und Dokumente. München 1969, S. 299 ff. \n \n \n4. Bezüge zu den Vorgaben 2011 \n1. Inhaltliche Schwerpunkte \n• Macht und Herrschaftsstrukturen am Ende des Rechts und Verfassungsstaates in \nDeutschland 1933/34 \n� Das Scheitern der Weimarer Republik (politische, ökonomische, gesellschaftliche \nUrsachen) \n� Machtübernahme der Nationalsozialisten (Aufbau und Organisation des Führer\nstaates, Gleichschaltung, Rassenpolitik) \n� Anpassung und Widerstand \n \n2. Medien/Materialien \n•entfällt\n \n \n1 Die Aufgabenstellung deckt inhaltlich alle drei Anforderungsbereiche ab.",
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"number": 18,
"content": "Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW GS LK HT 2 W2 \n Seite 2 von 11 \nNur für den Dienstgebrauch! 5. Zugelassene Hilfsmittel \n• Wörterbuch zur deutschen Rechtschreibung \n• Muttersprachliches Wörterbuch für Studierende, deren Muttersprache nicht Deutsch ist \n \n \n6. Vorgaben für die Bewertung der Schülerleistungen \nTeilleistungen – Kriterien \na) inhaltliche Leistung \nTeilaufgabe 1 \nAnforderungen \nDer Prüfling maximal \nerreichbare \nPunktzahl\n1 nennt den Autor (Oberkonsistorialrat Hans Wahl), die Form der Quelle (Denkschrift/ \nMemorandum), den Zeitpunkt des Erscheinens (07.06.1933), die Adressaten (ver\nschiedene Kirchen, kirchliche Stellen und Personen im Ausland) und die Quellenart \n(Primärquelle). 2 \n2 nennt als Thema des Textes in etwa: Die Beurteilung der aktuellen politischen Lage \nund der gesellschaftlichen Rolle von Kommunisten und Juden in Deutschland. 2 \n3 formuliert als Kernaussage des Autors, dass Deutschland sich nach der Machtüber\nnahme der Nationalsozialisten auf einem guten, die Belastungen aus der Weimarer \nRepublik überwindenden Weg befinde, vor allem weil die nationalsozialistische Regie\nrung dabei sei, die vom Kommunismus und vom Judentum ausgehenden Bedrohungen \nabzubauen. 2 \n4 gibt den Gedankengang des Autors mit Hilfe von Verben, die die argumentative \nFunktion der Hauptaussagen verdeutlichen, sinngemäß in folgender Weise wieder: \nWahl \n• begrüßt die nationalsozialistische Machtergreifung als gewaltlose, auf legalem \nVorgehen basierende Revolution im positiven Sinne, \n• bewertet die Strukturen der Weimarer Republik überwiegend als gefährlich und \nsieht in diesen Gefahren die wesentliche Ursache für die Notwendigkeit einer \ninnen und außenpolitische Verbesserung der deutschen Lage durch die national\nsozialistische Regierung auf der Basis der Wiederbelebung konservativer Werte, \n• befürwortet (auch gewalttätige) Maßnahmen gegen Kommunisten als notwendig \nund begründet dies mit der Behauptung, von ihnen gehe eine große Gefahr für \nStaat und Kirche aus, \n• behauptet eine fortlaufende Zuspitzung der schon vorher virulenten Judenfrage \nmit Beginn der Weimarer Republik, \n• bilanziert, dass die Juden eine Gefahr für das deutsche Volk darstellen würden, \nund begründet dies u. a. mit ihrem unverhältnismäßig hohen Anteil an der Aus\nübung öffentlicher Ämter, \n• betont zusammenfassend, dass eine Judenverfolgung gegenwärtig nicht stattfinde \nund rechtfertigt Boykottmaßnahmen mit der notwendigen Reduzierung des zu \ngroßen Anteils der Juden an öffentlich bedeutsamen Stellen. 4",
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"number": 19,
"content": "Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW GS LK HT 2 W2 \n Seite 3 von 11 \nNur für den Dienstgebrauch! 5 gibt (in Verbindung mit dem Gedankengang) die Hauptaussagen des Textes struktu\nriert wieder: \n• In Deutschland vollziehe sich seit dem 30.01.1933 eine Revolution bzw. eine \nnationale Regeneration im positiven Sinne. Dabei seien die Machtergreifung und \ndie Verabschiedung des Ermächtigungsgesetzes mit einer Zweidrittelmehrheit auf \nlegalem Weg erfolgt. \n• Die durch liberalmarxistische Ideen gekennzeichnete Weimarer Verfassung habe \nnicht zu positiven Entwicklungen für das Volk geführt und Gegensätze nicht aus\ngleichen können. Die Ursache der nationalsozialistischen Bewegung liege in der \nNotwendigkeit der Überwindung dieser Schwächen. Nach zwei Jahrzehnten des \nVerfalls werde der nationalsozialistischen Regierung durch Wiederbelebung alter \nTugenden wie Zucht und Ordnung die Konsolidierung der Verhältnisse im Inneren \nund damit auch eine starke und friedliche Weltpolitik gelingen. \n• Der Regierung sei die Überwindung des Kommunismus, der eine massive Gefahr \nfür Kirche und Staat darstelle, gelungen. Auch wenn bedauerliche Gewaltakte \ngegenüber politischen Gegnern vorgekommen seien, so sei das Vorgehen insge\nsamt zu begrüßen und im Sinne der Kirchen erfolgt. \n• Besonders seit dem ersten Weltkrieg seien die Juden aus verschiedenen Gründen \nfür das deutsche Volk bedrohlich: \n� Die Haltung der Juden im Krieg und nach Kriegsende sei von vielen Deutschen \nals feindlich empfunden worden. \n� Aufgrund ihrer Beziehungen zu marxistischen Parteien würden unverhältnis\nmäßig viele Juden öffentliche Ämter bekleiden. \n� Zu viele „kulturell minderwertige Ostjuden“ seien nach Deutschland eingewan\ndert und hätten das Bürgerrecht erhalten. \n� In Wissenschaft und Kultur hätten Juden deutsche Gelehrte und Künstler in den \nHintergrund gedrängt. \n• Die überproportionale Präsenz der Juden stelle eine drohende Gefahr für das deut\nsche Volkstum und die christliche Kultur dar, welche abgewehrt werden müsse. \n• Eine „Judenverfolgung“ mit dem Ziel einer wirtschaftlichen und persönlichen Ver\nnichtung der Juden finde gegenwärtig nicht statt, sondern lediglich eine gesetzliche \nReduzierung des übermäßigen Anteils der Juden an bedeutsamen öffentlichen \nÄmtern, ohne dass die Freiheit der jüdischen Religionsausübung dadurch beein\nträchtigt werde. 10 \n6 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium. (2)",
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"content": "Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW GS LK HT 2 W2 \n Seite 4 von 11 \nNur für den Dienstgebrauch! Teilaufgabe 2 \nAnforderungen \nDer Prüfling maximal \nerreichbare \nPunktzahl \n erläutert wesentliche Hintergründe, deren Kenntnis für eine Auseinandersetzung mit \nden Ausführungen des Autors zu Ursachen und Ausgestaltung der mit der national\nsozialistischen Machtübernahme einhergehenden Veränderungen 1933 erforderlich \nist; er stellt mit folgenden Punkten einen Zusammenhang her: \n1 mit wesentlichen Kennzeichen der Weimarer Republik, da nach Wahls Auffassung \nin den von ihren Strukturen ausgehenden negativen Entwicklungen eine wesentliche \nUrsache der nationalsozialistischen Bewegung liege; er berücksichtigt mindestens \ndrei Aspekte, z. B.: \n• den Versuch einer Verankerung liberaler und pluralistischer Grundsätze nach dem \nErsten Weltkrieg im Zuge der Ablösung des autoritär strukturierten Kaiserreichs \ndurch eine neue, Meinungsvielfalt zulassende Staatsform, wie z. B. die Repräsen\ntanz eines breiten Meinungsspektrums im Reichstag durch die Wahl der Abgeord\nneten nach dem Verhältniswahlrecht zeigt, \n• die Inkraftsetzung einer demokratischen Verfassung mit Gewaltenteilung und \nWahl aller politischen Funktionsträger durch Männer und Frauen als zentralen \nElementen der Machtkontrolle, \n• die Tatsache, dass es den Politikern in der Weimarer Republik gelungen ist, trotz der \näußerst schwierigen Situation nach der Niederlage im 1. Weltkrieg eine wirtschaft\nliche und gesellschaftliche Stabilisierung zwischen 1924 und 1929 zu erreichen, \n• die Tatsache, dass die Bildung tragfähiger Mehrheiten allerdings schwierig war, \nweil der Staat auch solchen Parteien und Verbänden gegenüber Toleranz zeigte, \ndie nicht auf dem Boden der demokratischen Verfassung standen, \n• die Tatsache, dass sich im Zuge der gesellschaftlichen Liberalisierung in den \n„goldenen Zwanzigern“ besonders im großstädtischen Milieu eine kulturelle \nVielfalt entwickeln konnte, die u. a. traditionelle Vorstellungen von „Zucht und \nOrdnung“ in Frage stellte, \n• die Tatsache, dass es den Politikern der Weimarer Republik trotz der Niederlage \nDeutschlands im Ersten Weltkrieg gelungen ist, durch eine diplomatische Außen\npolitik in die Völkergemeinschaft zurückzukehren und auf dem Verhandlungs\nwege eine deutliche Reduzierung der ursprünglich geforderten Reparationsforde\nrungen zu erreichen, \n• die Tatsache, dass die Umsetzung der in der Weimarer Verfassung verankerten \ndemokratischen und liberalen Grundsätze u. a. durch das Weiterwirken monarchis\ntischer Traditionen aus dem Kaiserreich sowie durch antidemokratische und anti\nsemitische Strömungen stark beeinträchtigt worden ist. 8",
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"content": "Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW GS LK HT 2 W2 \n Seite 5 von 11 \nNur für den Dienstgebrauch! 2 mit der Machtübertragung auf die Nationalsozialisten und mit dem Ausbau ihrer \nMachtstellung, da der Autor diesen Prozess als „nationale Regeneration“ begrüßt; \ner berücksichtigt mindestens vier Aspekte, z. B.: \n• die Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler eines Präsidialkabinetts durch den \nReichspräsidenten v. Hindenburg am 30. Januar 1933, \n• die Auflösung des Reichstags durch v. Hindenburg auf Druck der neuen Koalitions\nregierung mit dem Ziel, der NSDAP durch Neuwahl eine absolute Mehrheit zu \nermöglichen, und die Durchführung der Wahl am 5. März 1933, \n• den „Tag von Potsdam“ als Versuch der Nationalsozialisten, durch öffentlich \ninszenierten Schulterschluss mit den bürgerlichen Eliten Anerkennung als mit \ndiesen vergleichbare, legitime gesellschaftliche Kraft zu erreichen, \n• die Verabschiedung des Ermächtigungsgesetzes am 23. März 1933 mit Zwei\ndrittelmehrheit nach einer Änderung der Geschäftsordnung des Reichstags ohne \nBeteiligung der bereits verhafteten Abgeordneten der KPD und Teilen der SPD\nAbgeordneten – gegen die Stimmen der anwesenden SPDMitglieder, \n• die Tatsache, dass die nationalsozialistische Regierung durch die mit Hilfe des \nErmächtigungsgesetzes herbeigeführte Aufhebung der Gewaltenteilung zwischen \nLegislative und Exekutive Gesetze, selbst solche verfassungsändernden Inhalts, \nverabschieden konnte, \n• die Errichtung des Einparteienstaats durch das sukzessive Verbot aller Parteien \naußer der NSDAP und durch die Verschmelzung von Partei und Staat. 10 \n3 mit staatlichen Maßnahmen zur Ausschaltung politischer Gegner der Nationalsozia\nlisten, vor allem von Kommunisten und Juden, mit dem Ziel, eine nationale Neuord\nnung des Volkslebens durch Gleichschaltung zu erreichen, da der Autor sich auf \nTeile dieses Prozesses bezieht; er berücksichtigt mindestens vier Aspekte, z. B.: \n• die, Übergriffe auf den Einzelnen ermöglichende, Außerkraftsetzung der Grund\nrechte durch den Erlass der Reichstagsbrandverordnung, z. B.: Freiheit der Person, \nMeinungs, Presse, Vereins und Versammlungsfreiheit, Post und Telefonge\nheimnis, Unverletzlichkeit der Wohnung und des Eigentums, \n• Ausschaltung und Terrorisierung vieler Oppositioneller, vor allem aus dem linken \npolitischen Spektrum, und Erschwerung der politischen Arbeit mittels der Will\nkürmaßnahmen infolge der Brandverordnung, z. B.: Beginn der „Säuberungen“ \nim öffentlichen Dienst, Verbot von Zeitungen, „Schutzhaft“, Errichtung von \nKonzentrationslagern durch die SA, \n• die vor allem gegen die links orientierte Arbeiterbewegung gerichtete gewaltsame \nZerschlagung der Gewerkschaften am 02.05.1933 und ihre Ersetzung durch die, \njede Interessenskollision zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern negierende \nDeutsche Arbeitsfront, \n• die Aufhebung individueller Freiheitsspielräume durch eine fast lückenlose Über\nwachung der Bevölkerung durch den Sicherheitsdienst (SD) und die Geheime \nStaatspolizei (Gestapo), \n• die Entfernung jüdischer Beamter aus dem Staatsdienst durch das von der Regie\nrung erlassene „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“, \n• den „BoykottTag“ vom 01.04.1933 als erste öffentliche antijüdische Aktion und \ndas Verbot jüdischer Zeitungen und Vereinigungen, \n• die Berufsverbote für ‚nichtarische’ Arbeiter und Angestellte im öffentlichen \nDienst, Bücherverbrennungen und die beginnende Ausschaltung der Juden aus \ndem Kulturleben. 10",
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"number": 22,
"content": "Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW GS LK HT 2 W2 \n Seite 6 von 11 \nNur für den Dienstgebrauch! 4 mit der Verbreitung ideologischer Behauptungen durch die Nationalsozialisten als \nBestandteil der „nationalen Regeneration“, da der Autor sich ihrer zum Teil bedient; \ner berücksichtigt mindestens drei Aspekte, z. B.: \n• die im Sozialdarwinismus wurzelnde Behauptung von der Existenz einer überle\ngenen ‚arischen’ Rasse und ihres Auftrags, sich im ‚Kampf ums Dasein’ durch\nsetzen zu müssen, \n• die Behauptung von der Minderwertigkeit einer ‚jüdischen Rasse’, die als angeb\nlich parasitäre Existenz das ‚arische’ deutsche Volk existenziell bedrohe und die \nes deshalb zu bekämpfen gelte, \n• die Behauptungen von der Existenz einer jüdischen Weltverschwörung und von \nder Bedrohung Deutschlands durch Kommunismus und Bolschewismus, \n• die Postulierung einer Volksgemeinschaft, die die Einheit von Volk und Führer ver\nkörpere, womit sich jegliche Form einer demokratischen Machtkontrolle erübrige, \n• die Verbreitung der Vorstellung von einem Führerprinzip, das unbedingte Treue \nund Gehorsam gegenüber Hitler erfordere und mit dem Anspruch auf liberale \nFreiheitsrechte des Einzelnen nicht vereinbar sei. 8 \n5 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium. (4) \n \n \nTeilaufgabe 3 \nAnforderungen \nDer Prüfling maximal \nerreichbare \nPunktzahl \n setzt sich mit den Einschätzungen des Autors zu Ursachen und Rechtmäßigkeit der \n„nationalen Regeneration“ ab 1933 sowie mit seinen Aussagen zur Rolle von Kom\nmunisten und Juden umfassend auseinander, indem er folgende Überlegungen in \nseine Argumentation aufnimmt: \n1 die Frage nach der Angemessenheit und der sachlichen Richtigkeit der Behauptung \nWahls, es handele sich um eine gewaltlose, legale Umgestaltung des unter den Folgen \neiner zweifelhaften Verfassung leidenden deutschen Staates, die die Situation nach \n20 Jahren existenzieller Bedrohung endlich im Hinblick auf eine bessere Zukunft für \ndas deutsche Volk stabilisiere; er berücksichtigt mindestens fünf Aspekte, z. B.: \n• die Fragwürdigkeit der Bewertung der Weimarer Verfassung durch den Autor \nals durch liberale und marxistische Ideen negativ geprägtes Regelwerk, von dem \nUnheil für den Staat ausgegangen sei, angesichts der Tatsache, dass diese Verfas\nsung darauf zielte, Freiheitsspielräume für den Einzelnen, Meinungsvielfalt und \numfassende Mitwirkungsmöglichkeiten für die Bevölkerung zu sichern, \n• die Fragwürdigkeit der Aussage Wahls, nur durch eine starke Regierung der \nNationalsozialisten könnten die vielschichtigen Krisen beseitigt werden, obwohl \ndie Regierungen der Weimarer Republik zahlreiche Krisen überwinden, den Staat \nzwischen 1924 und 1929 konsolidieren konnten und beachtliche außenpolitische \nErfolge erzielten, \n• die Fragwürdigkeit der Tatsache, dass Wahl auf die in der Weimarer Republik \nbestehenden Gegensätze nicht mit der Forderung nach Intensivierung der demo\nkratischen Kultur und nach wirkungsvollem Schutz der demokratischen Verfas\nsung, sondern mit der Rechtfertigung einer nationalistischen demokratiefeind\nlichen Bewegung reagiert, \n• die Fragwürdigkeit des Versuchs Wahls, mit der Behauptung, das deutsche Volk \nkämpfe seit 20 Jahren um sein Leben, die Notwendigkeit der nationalsozialisti\nschen Machtübernahme zu legitimieren – angesichts der Tatsache, dass eine \nDestabilisierung der Demokratie in der Weimarer Republik vor allem von ein\nflussreichen antidemokratischen und antisemitischen Gruppen ausgegangen ist, 12",
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"number": 23,
"content": "Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW GS LK HT 2 W2 \n Seite 7 von 11 \nNur für den Dienstgebrauch! • die Überlegung, dass die Art und Weise der Einsetzung Hitlers als Reichskanzler \nzwar dem Wortlaut der Verfassung nicht widersprach, dass aber die Tatsache, dass \nes sich um ein weiteres Präsidialkabinett handelte, das sich in starkem Maße auf \nNotverordnungen des Reichspräsidenten und nicht auf das Parlament stützte, nicht \ndem demokratischen Geist der Weimarer Verfassung entsprach, \n• die Überlegung, dass die Neuwahl des Reichtags Anfang März 1933 zwar dem Ziel \ndiente, den Nationalsozialisten auf scheinbar legale Weise durch demokratische \nWahlen die absolute Mehrheit zu verschaffen, dass aber illegalen Manipulationen \nund der Ausübung politischen Drucks Tür und Tor geöffnet waren, so dass es sich, \nanders als Wahl suggeriert, nicht mehr um wirklich freie Wahlen handelte, \n• die Überlegung, dass bis auf die SPD zwar tatsächlich alle anwesenden Parteien \nim Reichstag ihre Zustimmung zum Ermächtigungsgesetz gegeben haben, dass \ndie angebliche ZweidrittelMehrheit aber, anders als Wahl es behauptet, nicht auf \nlegale Weise, sondern mit fragwürdigen Mitteln, vor allem mit Gewalt gegen linke \nAbgeordnete, erreicht worden ist, \n• die Überlegung, dass die Außerkraftsetzung der Gewaltenteilung zwischen Legis\nlative und Exekutive durch das Ermächtigungsgesetz nicht zu einer positiven Ent\nwicklung beitrug, wie Wahl suggeriert, sondern der menschenverachtenden natio\nnalsozialistischen Diktatur den Weg ebnete, \n• die Überlegung, dass die Nationalsozialisten, anders als Wahl behauptet, schon vor \nihrer Machtübernahme, erst recht aber danach den Einsatz von Gewalt und Terror \nzum festen Bestandteil ihres Vorgehens gemacht haben, so dass mit der „nationa\nlen Regeneration“ keine Konsolidierung der Verhältnisse im Sinne des Gemein\nwohls einherging. \n2 die Frage nach der Angemessenheit der Einschätzungen des Autors im Hinblick auf \nJuden und Kommunisten und seiner Rechtfertigung des staatlichen Vorgehens gegen \nsie mit der Behauptung, von ihnen gehe eine ernsthafte Bedrohung für den deutschen \nStaat aus; er berücksichtigt mindestens drei Aspekte, z. B.: \n• die Überlegung, dass keine ernsthafte Gefahr einer erfolgreichen kommunistischen \nMachtübernahme bestand, wie die Wahlergebnisse für die KPD z. B. ebenso zeigen \nwie fehlende Indizien für eine ausreichende Massenbasis für eine revolutionäre \nErhebung, \n• die Überlegung, dass der Kommunismus zwar in der Tat eine antireligiöse bzw. \neine antikirchliche Ausrichtung hatte, dass es aber keine Indizien dafür gibt, dass \ndie KPD in Deutschland eine konkrete Bedrohung für die Kirchen darstellte, \n• die fragwürdige Vorstellung Wahls, dass von den Juden eine gesellschaftliche \nBedrohung ausgehe, die offenbar nicht auf Fakten sondern auf von der NSIdeolo\ngie aufgegriffenen antisemitischen Stereotypen beruhte, sowie seine, Religionszu\ngehörigkeit und Nationalität vermischende, Gegenüberstellung von Juden einer\nseits und Deutschen andererseits, \n• die fragwürdige, empirisch nicht zu belegende, sondern eher Verschwörungstheo\nrien bedienende Behauptung Wahls, dass zahlreiche Juden in enger Beziehung zu \nmarxistischen Parteien gestanden und in für das deutsche Volk gefährlich über\nproportionaler Weise öffentliche Ämter innegehabt hätten, \n• die Fragwürdigkeit der – trotz vorsichtiger Relativierungen – insgesamt schonungs\nlos diffamierenden Bewertungen des Autors im Hinblick auf Juden und Kommu\nnisten, ihre Einschätzung als „minderwertig“ und seine fehlende Bereitschaft, ihnen \nuneingeschränkt Menschenwürde und das Recht auf körperliche Unversehrtheit \nzuzubilligen, \n• die Fragwürdigkeit der Beurteilung des Autors, das Vorgehen der Nationalsozia\nlisten gegen politische Gegner sei erforderlich und „selbstverständlich […] nicht \nfrei von Härten“ und eine „Judenverfolgung“ gebe es derzeit nicht, angesichts der \nWillkürmaßnahmen und des politischen Terrors sowie der eklatanten Missachtung \nder Menschenrechte ab 1933. 8",
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"number": 24,
"content": "Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW GS LK HT 2 W2 \n Seite 8 von 11 \nNur für den Dienstgebrauch! 3 formuliert ein bewertendes Fazit, in dem er berücksichtigt, dass die Aussagen Wahls \nzu den Veränderungen ab 1933 in Deutschland im Hinblick auf den Verlust demokra\ntischer und liberaler Werte und Strukturen beschönigend und verharmlosend sind und \nseine Vorstellungen von Juden und Kommunisten zum größten Teil falsch und mit \nVorurteilen durchsetzt – dass das Memorandum somit im Dienst der Nationalsozia\nlisten steht. 4 \n4 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium. (4) \n \n \nb) Darstellungsleistung \nAnforderungen \nDer Prüfling maximal \nerreichbare\nPunktzahl 1 strukturiert seinen Text schlüssig, stringent sowie gedanklich klar und bezieht sich \ndabei genau und konsequent auf die Aufgabenstellung. 5 \n2 bezieht beschreibende, deutende und wertende Aussagen schlüssig aufeinander. 4 \n3 belegt seine Aussagen durch angemessene und korrekte Nachweise (Zitate u. a.). 3 \n4 formuliert unter Beachtung der Fachsprache präzise und begrifflich differenziert. 4 \n5 schreibt sprachlich richtig (Grammatik, Orthographie, Zeichensetzung) sowie \nsyntaktisch und stilistisch sicher. 4",
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"content": "Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW GS LK HT 2 W2 \n Seite 9 von 11 \nNur für den Dienstgebrauch! 7. Bewertungsbogen zur Prüfungsarbeit \nName des Prüflings: ____________________________________ Kursbezeichnung: ____________ \n \nSchule: _____________________________________________\n \n \nTeilaufgabe 1 \n Anforderungen Lösungsqualität \n Der Prüfling maximal \nerreichbare \nPunktzahl EK2 ZK DK \n1 nennt den Autor … 2 \n2 nennt als Thema … 2 \n3 formuliert als Kernaussage … 2 \n4 gibt den Gedankengang … 4 \n5 gibt (in Verbindung … 10 \n6 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium: (2) \n…………………………………………………………….. …………………………………………………………….. \n Summe 1. Teilaufgabe 20 \n \n \nTeilaufgabe 2 \n Anforderungen Lösungsqualität \n Der Prüfling maximal \nerreichbare \nPunktzahl EK ZK DK \n erläutert wesentliche Hintergründe … \n1 mit wesentlichen Kennzeichen … 8 \n2 mit der Machtübertragung … 10 \n3 mit staatlichen Maßnahmen … 10 \n4 mit der Verbreitung … 8 \n5 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium: (4) \n……………………………………………………………..\n…………………………………………………………….. \n Summe 2. Teilaufgabe 36 \n \n \n2 EK = Erstkorrektur; ZK = Zweitkorrektur; DK = Drittkorrektur",
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"content": "Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW GS LK HT 2 W2 \n Seite 10 von 11 \nNur für den Dienstgebrauch! Teilaufgabe 3 \nAnforderungen Lösungsqualität\nDer Prüflingmaximal \nerreichbare \nPunktzahl EK ZK DK\n setzt sich mit … \n1 die Frage nach … 12 \n2 die Frage nach … 8 \n3 formuliert ein bewertendes … 4 \n4 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium: (4) \n…………………………………………………………….. …………………………………………………………….. \n Summe 3. Teilaufgabe 24 \n Summe der 1., 2. und 3. Teilaufgabe 80 \n \n \nDarstellungsleistung \n Anforderungen Lösungsqualität \n Der Prüfling maximal\nerreichbare \nPunktzahl EK ZK DK \n1 strukturiert seinen Text … 5 \n2 bezieht beschreibende, deutende … 4 \n3 belegt seine Aussagen … 3 \n4 formuliert unter Beachtung … 4 \n5 schreibt sprachlich richtig … 4 \n Summe Darstellungsleistung 20 \n \n Summe insgesamt (inhaltliche und Darstellungsleistung) 100 \n aus der Punktsumme resultierende Note \n Note ggf. unter Absenkung um ein bis zwei Noten\npunkte gemäß § 17 Abs. 5 APOWbK \n \n Paraphe \nggf. arithmetisches Mittel der Punktsummen aus EK und ZK: ___________ \n \nggf. arithmetisches Mittel der Notenurteile aus EK und ZK: _____________ \n \nDie Klausur wird abschließend mit der Note: ________________________ (____ Punkte) bewertet. \n \n \nUnterschrift, Datum:",
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"content": "Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW GS LK HT 2 W2 \n Seite 11 von 11 \nNur für den Dienstgebrauch! Grundsätze für die Bewertung (Notenfindung) \nFür die Zuordnung der Notenstufen zu den Punktzahlen ist folgende Tabelle zu verwenden: \n \nNote Punkte Erreichte Punktzahl \nsehr gut plus 15 100 – 95 \nsehr gut 14 94 – 90 \nsehr gut minus 13 89 – 85 \ngut plus 12 84 – 80 \ngut 11 79 – 75 \ngut minus 10 74 – 70 \nbefriedigend plus 9 69 – 65 \nbefriedigend 8 64 – 60 \nbefriedigend minus 7 59 – 55 \nausreichend plus 6 54 – 50 \nausreichend 5 49 – 45 \nausreichend minus 4 44 – 39 \nmangelhaft plus 3 38 – 33 \nmangelhaft 2 32 – 27 \nmangelhaft minus 1 26 – 20 \nungenügend 0 19 – 0",
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"content": "GS LK HT 3 W2 \n Seite 1 von 4 \n \n \n \nName: _______________________ \n \n \nNur für den Dienstgebrauch! \n \n \n \nAbiturprüfung 2011 \nGeschichte/Sozialwissenschaften, Leistungskurs \nAufgabenstellung: \n \n1. Geben Sie den Gedankengang und die Hauptaussagen des vorliegenden Textes struktu\nriert wieder. (20 Punkte) \n2. Erläutern Sie die Ausführungen des Autors im Kontext der deutschen Teilung nach dem \n2. Weltkrieg sowie der Überwindung des Kalten Krieges und der damit verbundenen \nAuswirkungen auf die Strukturen in der DDR bis November 1989. (36 Punkte) \n3. Prüfen Sie die Prognosen Sommers im Hinblick auf die weiteren Entwicklungen der \nbeiden deutschen Staaten und auf das Verhalten der Siegermächte des Zweiten Welt\nkriegs anhand der tatsächlichen Entwicklungen nach dem Erscheinen des Artikels. \n (24 Punkte) \n \nMaterialgrundlage: \n \n• Theo Sommer: Der alten Garde letzter Aufmarsch. Nach Knüppeln und Kartätschen\nDrohung: Beginnt nun doch der Dialog? In: Die Zeit, 13.10.1989, Nr. 42 \n \n \nZugelassene Hilfsmittel: \n \n• Wörterbuch zur deutschen Rechtschreibung \n• Muttersprachliches Wörterbuch für Studierende, deren Muttersprache nicht Deutsch ist",
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"number": 29,
"content": "GS LK HT 3 W2 \n Seite 2 von 4 \n \n \n \nName: _______________________ \n \n \nNur für den Dienstgebrauch! \nAuszug aus einem Leitartikel Theo Sommers vom 13.10.1989 in der Wochenzeitung \n„Die Zeit“: \n \nDer alten Garde letzter Aufmarsch \nNach Knüppeln und Kartätschen1Drohung: Beginnt nun doch der Dialog? \n \nEin Jubelfest hätte die Vierzigjahrfeier der DDR werden sollen, doch sie wurde etwas ganz \nanderes: fast ein Requiem2. […] \nDie Staatsmacht demonstrierte noch einmal Stärke, Rechthaberei, Unbeweglichkeit: Schlag\nstöcke und Schäferhunde, Sperrgitter und StasiKordons3 schotteten die Welt der Herrschen\nden von jener der Aufbegehrenden ab. Das eigene Volk und die westlichen Besucher mußten 5 \nvon den Jubelfeiern ausgeschlossen werden;was an Applaus laut wurde, war die pflicht\ngemäße Hervorbringung dazu abkommandierter Jubelkolonnen. Wie den Menschen in der \nDDR wirklich zumute war, das zeigte sich in den spontanen Demonstrationen, die Abend \nfür Abend Zigtausende auf die Straße brachten. […] \nTraum vom „dritten Weg“ 10 \nNicht nur auf den Straßen schaffte sich der Unmut Luft. Schauspieler und OpernEnsembles,\nRockmusiker, Schriftsteller und Künstler verlangten Dialog, Öffnung, Reform. Die Kirche, \ndie seit längerem auf Wandel drängt, ist nicht mehr die einzige Institution, die ausspricht, was \ndie Menschen umtreibt. Sechs oder sieben Reformgruppen agieren ohne Furcht, darunter \nauch eine neu formierte sozialdemokratische Partei. Das Neue Forum, die größte der Grup15 \npen, hat 11 000 Unterschriften gesammelt. In den Blockparteien rührt sich schon seit einiger\nZeit Widerspruchsgeist, aber selbst in der SED rumort es nun […] \nDie gleichen Gedanken durchziehen alle ReformManifeste der letzten Wochen. Die DDR \nmuß sich den vorhandenen Widersprüchen stellen, die Obrigkeit die Mündigkeit des Bürgers \nrespektieren. Schluß mit der Geheimniskrämerei. Weg mit Wahlverfahren, die dem Wähler20 \nwillen widersprechen: freie Wahlen. Staat und Gesellschaft sollen demokratisch umgestaltet, \ndie Menschenrechte durchgesetzt werden; Informationsfreiheit („Information ist Bürgerrecht \nund Staatspflicht“), Meinungsfreiheit („Widerrrede4 ist nicht Widerstand“), Reisefreiheit ein\nschließlich Ausreisefreiheit. Wirtschaftliche Reformen sind dringlich: Dezentralisierung, \nFreisetzung der persönlichen Initiative, Teilhabe statt Bevormundung – darauf laufen sämt25 \nliche Skizzen einer ostdeutschen Perestrojka hinaus. \nEs fällt auf, daß ein Ziel nirgends erwähnt ist: die Wiedervereinigung. Die intellektuellen, \nkirchlichen und parteipolitischen Wortführer der Reform wollen die DDR nicht abschaffen, \nsondern sie verändern. Die deutsche Zweistaatlichkeit nehmen sie als Gegebenheit hin, die \nmeisten sogar mit billigendem Unterton. Die kapitalistische Bundesrepublik ist nicht ihr Vor30 \nbild; sie träumen noch einmal den Traum vom „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“, vom \n \n1 Schrotladung \n2 Totenmesse \n3 Absperrung, Sperrgürtel \n4 Gegenrede",
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"content": "GS LK HT 3 W2 \n Seite 3 von 4 \n \n \n \nName: _______________________ \n \n \nNur für den Dienstgebrauch! \n„dritten Weg“, vom prosperierenden Kommunismus. Reform, rasche Reform gilt beispiels\nweise den Unterhaltungskünstlern auch als Mittel gegen den Wiedervereinigungsdruck: \n„Feiges Abwarten liefert gesamtdeutschen Denkern Argumente und Voraussetzungen“. \nEs mag sein, daß diese Sicht von der Mehrheit der DDRBürger nicht geteilt wird. Wer daran 35 \nzweifelt, daß die Führung je wirkliche Reformen zulassen wird, der klammert sich wohl an \nden Gedanken der deutschen Einheit; der Anschluß wird ihm zum Ersatz für die Auswande\nrung. In der Tat ist ein dialektischer5 Zusammenhang zwischen Reformverweigerung und \nEinheitsverlangen nicht zu leugnen: Je weniger Reform das SEDPolitbüro gestattet, desto \nkräftiger werden sich enttäuschte Hoffnungen in Fluchtversuchen und Wiedervereinigungs40 \nstreben Luft machen. \nDesto lauter auch wird der Ruf nach Einheit in der Bundesrepublik wieder werden. Solange \nder Anschluß der DDR an den westdeutschen Staat als einzige Möglichkeit erscheint, jenseits \nder Elbe freiheitliche Zustände zu schaffen, ist das Pochen auf die Einheit nur folgerichtig. \nDoch gilt zugleich der Umkehrschluß: Wenn die Reform erst einmal läuft, wird der Drang 45 \nzur Einheit nachlassen. \nDas Für und Wider des Vorhabens, achtzig Millionen Deutsche wieder in einem Staat zu \nvereinen, wird dann ohne akute Herzensnot erörtert werden können. Andere Erwägungen \nwerden Vorrang gewinnen, zumal Überlegungen über die Wirkung einer kritischen Masse \nGesamtdeutschland auf das prekäre6 europäische Gleichgewicht. Und andere Modelle deut 50 \nschen Zusammenlebens als das des Bismarckschen Einheitsstaates werden sich wieder in den \nVordergrund schieben, losere Konstruktionen; Zusammenwirken statt Zusammenschluß; \ndeutsche Zweistaatlichkeit unter einem europäischen Dach, wie immer dessen Unterbau aus\nsehen mag, das allen Freiheit verbürgt. \nAber bis dahin wird viel Zeit ins geteilte Land gehen. Gewiß, das Tempo des Wandels in 55 \nOsteuropa hat alle überrascht, und wenn sich erst einmal der Wille zur Reform in der DDR \nGeltung verschafft, mag sich auch dort manches schneller vollziehen, als es heute vorstellbar \nerscheint. Doch sollte man die Schwierigkeiten nicht unterschätzen. Die Polen haben fast \nzehn Jahre gebraucht, bis sie die Vorherrschaft der kommunistischen Partei brechen konnten; \nin Ungarn hat es vier Jahre gedauert; in der Sowjetunion ist die Entwicklung dahin noch um60 \nstritten, jedenfalls noch nicht abgeschlossen.[…] Die DDR steht in dieser Hinsicht erst ganz \nam Anfang. \nDie deutsche Einheit hat im Ausland wenige beherzte Fürsprecher. Die Siegermächte waschen \nsich ihre Hände in Unschuld, trotz ihrer Verantwortung für „Deutschland als Ganzes“. Einer\nnach dem anderen erklären sie jetzt, die deutsche Frage sei eine Frage der Deutschen, erst 65 \nMitterrand, dann Bush, zuletzt auch Gorbatschow; Margaret Thatcher hat gegenwärtig bren\nnendere Sorgen, wird es aber wohl mit ihrem Amtsvorgänger Heath halten, wonach man gut \nfür die Wiedervereinigung sein konnte, solange es keine Aussicht darauf gab. […] \n \n5 dialektisch: hier: durch gegensätzliche Entwicklung gekennzeichnet \n6 prekär: heikel",
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"content": "GS LK HT 3 W2 \n Seite 4 von 4 \n \n \n \nName: _______________________ \n \n \nNur für den Dienstgebrauch! \nReformen allerdings — dafür sind alle, auch Gorbatschow. Er hat gegenüber Honecker aus \nseinem Herzen keine Mördergrube gemacht. – „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“, 70 \nsagte er zu den „Entwicklungsproblemen“ der DDR. Und nach den Bruderküssen steckte er \nHonecker sein ReformRezept hinter den Spiegel: „Demokratisierung, Offenheit, Rechts\nstaatlichkeit, freie Entwicklung aller Völker, menschenwürdige Entwicklung aller Bürger.“ \nZwar will der Kremlherr sich aus den inneren Angelegenheiten des SEDStaates heraushal\nten: „Die Fragen, die die DDR betreffen, werden nicht in Moskau, sondern in Berlin beant75 \nwortet.“ Aber er hat keinen Zweifel daran gelassen, wo er steht. Den Neuerern in Honeckers \nSchatten muß das eine Ermutigung sein. \nÜberrollt von freieren Geistern \n[…] Die deutsche Frage, die heute auf der Tagesordnung steht, ist nicht die Frage der Wie\ndervereinigung, es ist die Frage der Reform in der DDR. Erich Honecker wehrt sich alters80 \nstarr […]. Er hätte sich einen nobleren Abgang verschaffen können, wäre er selber an die \nSpitze der Reformbewegung getreten. So wird er überrollt werden von freieren Geistern. \nDer Dialog, den die Obrigkeit in Dresden und Leipzig mit den Reformgruppen führt, mag \nein Vorbote des Kommenden sein. \nDer andere deutsche Staat wird so schnell nicht verschwinden, aber er wird ein anderer wer85 \nden. Das Jubelfest zum 40. Jahrestag der DDRGründung war der letzte Aufmarsch der alten \nGarde. Sie ergibt sich nicht, aber sie stirbt. Bald wird das Requiem fällig. \n \nAnmerkungen: \nTheo Sommer (geb.1930): Journalist, seit 1958 tätig für die Wochenzeitung „Die Zeit“, bis 1973 zunächst als \npolitischer Redakteur, dann bis 1992 als Chefredakteur und bis 2000 als Mitherausgeber. \n(Rechtschreibung und Zeichensetzung entsprechen der Vorlage.)",
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"content": "Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW GS LK HT 3 W2 \n Seite 1 von 10 \nNur für den Dienstgebrauch! Unterlagen für die Lehrkraft \nAbiturprüfung 2011 \nGeschichte/Sozialwissenschaften, Leistungskurs \n1. Aufgabenart \nBearbeitung einer Quelle mit gegliederter Aufgabenstellung \n \n \n2. Aufgabenstellung1 \n1. Geben Sie den Gedankengang und die Hauptaussagen des vorliegenden Textes struktu\nriert wieder. (20 Punkte) \n2. Erläutern Sie die Ausführungen des Autors im Kontext der deutschen Teilung nach dem \n2. Weltkrieg sowie der Überwindung des Kalten Krieges und der damit verbundenen \nAuswirkungen auf die Strukturen in der DDR bis November 1989. (36 Punkte) \n3. Prüfen Sie die Prognosen Sommers im Hinblick auf die weiteren Entwicklungen der \nbeiden deutschen Staaten und auf das Verhalten der Siegermächte des Zweiten Welt\nkriegs anhand der tatsächlichen Entwicklungen nach dem Erscheinen des Artikels. \n (24 Punkte) \n \n3. Materialgrundlage \n• Theo Sommer: Der alten Garde letzter Aufmarsch. Nach Knüppeln und Kartätschen\nDrohung: Beginnt nun doch der Dialog? In: Die Zeit, 13.10.1989, Nr. 42 \n \n \n4. Bezüge zu den Vorgaben 2011 \n1. Inhaltliche Schwerpunkte \n• Politische Partizipation nach dem 2. Weltkrieg \n� Teilung Deutschlands und Europas nach 1945 (Blockbildung) \n�Grundzüge der Entwicklung der beiden deutschen Staaten (1949 – 1989)\n� Vereinigung der beiden deutschen Staaten 1989/1990 \n \n2. Medien/Materialien \n• entfällt \n \n \n \n1 Die Aufgabenstellung deckt inhaltlich alle drei Anforderungsbereiche ab.",
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"content": "Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW GS LK HT 3 W2 \n Seite 2 von 10 \nNur für den Dienstgebrauch! 5. Zugelassene Hilfsmittel \n• Wörterbuch zur deutschen Rechtschreibung \n• Muttersprachliches Wörterbuch für Studierende, deren Muttersprache nicht Deutsch ist \n \n \n6. Vorgaben für die Bewertung der Schülerleistungen \nTeilleistungen – Kriterien \na) inhaltliche Leistung \nTeilaufgabe 1 \nAnforderungen \nDer Prüfling maximal \nerreichbare \nPunktzahl\n1 nennt den Verfasser (Theo Sommer, Chefredakteur der Wochenzeitung „Die Zeit“), \ndie Form der Quelle (Auszug aus einem Leitartikel der Wochenzeitung „Die Zeit“), \ndie Adressaten (politisch interessierte Leser), den Entstehungszeitpunkt (13.10.1989) \nund die Quellenart (Primärquelle). 2 \n2 nennt als Thema des Artikels in etwa: Überlegungen des Autors zur Situation und \nzu weiteren Entwicklungsperspektiven der DDR. 2 \n3 arbeitet als Kernaussage heraus, dass es hinsichtlich der DDR nicht um Wiederver\neinigung gehe, sondern dass sie als eigenständiger, reformierter Staat überleben \nwerde, wenn nach dem Abtreten der bisherigen Führung die Forderungen der Bürger \nnach demokratischer Umgestaltung umgesetzt würden. 2 \n4 gibt den Gedankengang des Autors mit Hilfe von Verben, die die argumentative \nFunktion der Hauptaussagen verdeutlichen, sinngemäß in folgender Weise wieder: \nTheo Sommer \n• kritisiert die Haltung der DDRStaatsmacht anlässlich der Vierzigjahrfeier der \nDDR und stellt der offiziellen Jubelstimmung die tatsächliche, durch außerge\nwöhnliche Massenproteste geprägte Situation gegenüber, \n• verortet die Reformgruppen in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen und \nbetont die Berechtigung ihrer Forderungen nach einer demokratischen, liberalen \nund wirtschaftlichen Umgestaltung, \n• hebt hervor, dass unter den Zielsetzungen der verschiedenen Reformprogramme \ndie Wiedervereinigung keine zentrale Rolle spiele, \n• konstatiert, dass das Verlangen nach Wiedervereinigung um so stärker sei, je \nstärker die DDRFührung Reformen verweigere, \n• skizziert unter der Annahme eines langen, kontinuierlichen Reformprozesses in \nder DDR wahrscheinlichere Alternativen zur Wiedervereinigung, \n• verweist dabei auf die reservierte Haltung der Siegermächte in der Frage eines \nneuen Gesamtdeutschland, \n• prognostiziert angesichts des Eintretens Gorbatschows für demokratische und \nliberale Reformen die Ausschaltung der bisherigen DDRFührung, aber ein Wei\nterbestehen der DDR im neuen Gewand. 4",
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"content": "Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW GS LK HT 3 W2 \n Seite 3 von 10 \nNur für den Dienstgebrauch! 5 gibt die Hauptaussagen des Textes in Verbindung mit dem Gedankengang struktu\nriert wieder (die Trennung beider Kriterien erfolgt hier nur, um die Punktanteile aus\nweisen zu können): \n• Bei den Feiern zum 40jährigen Bestehen der DDR habe die DDRFührung die \noffiziellen Feierlichkeiten von der demonstrierenden Bevölkerung abgeschottet \nund sich damit unbeweglich gezeigt. Die allabendlichen massenhaften Demonstra\ntionen hätten jedoch den pflichtgemäßen Jubel der dazu extra abkommandierten \nGruppen Lügen gestraft. \n• Neben der Kirche drängten nun auch neu gegründete Reformgruppen in Intellek\ntuellen und Künstlerkreisen offen auf Veränderung. In neuen politischen Gruppie\nrungen, in den Blockparteien und sogar in der SED zeigten sich ebenfalls kritische \nStimmen. Die Zielsetzungen der verschiedenen Reformgruppen, unter denen das \nNeue Forum die größte sei, seien übereinstimmend auf den demokratischen Umbau \nder DDR mit der Durchsetzung von Menschenrechten und wirtschaftlichen Refor\nmen ausgerichtet. Die DDRObrigkeit müsse sich diesen Ansprüchen des mündi\ngen Bürgers stellen. \n• Auffällig sei, dass die Forderungen der Protestgruppen sich nicht auf die Abschaf\nfung der DDR in Form einer Wiedervereinigung richteten. Die Zweistaatlichkeit \nwerde akzeptiert und für die DDR ein „dritter Weg“ als Alternative zur kapitalis\ntischen BRD anvisiert, auch wenn für die Mehrheit der DDRBürger möglicher\nweise der Wunsch nach einer Vereinigung der beiden Staaten im Vordergrund \nstehe. \n• Zweifel an der Reformfähigkeit der SEDSpitze könnten allerdings dazu führen, \ndass die deutsche Einheit zum Rettungsanker werde. Umgekehrt gelte aber auch, \ndass der Drang zur Einheit nachlassen werde, wenn in der DDR Reformen durch\ngesetzt werden können. \n• Es sei zu erwarten, dass über längere Zeiträume hinweg Alternativen in Form eines \nlockeren Zusammenwirkens unter einem europäischen Dach überlegt werden – \nauch angesichts der problematischen Auswirkungen eines vereinigten Deutsch\nlands auf das empfindliche europäische Gleichgewicht, aber auch als Alternative \nzum Einheitsstaat Bismarck’scher Prägung. \n• Die Wiedervereinigung habe im Ausland nur wenige Befürworter, die Sieger\nmächte hielten sich trotz ihrer Zuständigkeit für „Deutschland als Ganzes“ bislang \nzurück. \n• Gorbatschow habe Honecker sein eigenes, auf Demokratisierung, Rechtsstaatlich\nkeit und Freiheit zielendes Reformkonzept mit auf den Weg gegeben, was den \nkritischen Stimmen in seinem Umfeld Auftrieb geben müsse. Derzeit stehe nicht \ndie Frage der Wiedervereinigung auf der Tagesordnung, sondern die Frage der \nReformen in der DDR. Honecker und die alte Garde würden von der Entwicklung \nüberrollt werden. Die DDR jedoch werde nicht so schnell verschwinden, sondern \nin reformierter Gestalt weiter existieren. 10 \n6 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium. (2)",
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"content": "Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW GS LK HT 3 W2 \n Seite 4 von 10 \nNur für den Dienstgebrauch! Teilaufgabe 2 \nAnforderungen \nDer Prüfling maximal \nerreichbare \nPunktzahl \n erläutert die Ausführungen des Autors im Kontext der deutschen Teilung nach dem \n2. Weltkrieg sowie der Überwindung des Kalten Krieges und der damit verbundenen \nAuswirkungen auf die Strukturen in der DDR bis November 1989, indem er folgende \nSachverhalte berücksichtigt: \n1 die 1945 nach der bedingungslosen Kapitulation und nach der Übernahme der unein\ngeschränkten Regierungsgewalt durch die Siegermächte von diesen in Potsdam fest\ngelegte gemeinsame Zuständigkeit für alle „Deutschland als Ganzes“ betreffenden \nAngelegenheiten, die der Autor anspricht. 4 \n2 die Hintergründe für die Bildung zweier deutscher Staaten 1949 und die sich daraus \nergebende deutsche Teilung bis 1989/90; er berücksichtigt mindestens zwei Aspekte, \nz. B.: \n• die mit dem Zerfall der Kriegskoalition verbundene Spaltung der Welt in zwei sich \nfeindlich gegenüberstehende Machtblöcke mit konträren politischen, gesellschaft\nlichen und wirtschaftlichen Systemen, \n• das Auseinanderleben der unter dieser Prämisse gegründeten beiden deutschen \nStaaten aufgrund ihrer unterschiedlichen Strukturen und ihrer jeweiligen Zugehö\nrigkeit zu einem der Blöcke, \n• die Abkapselung der DDR gegenüber der Bundesrepublik, z. B. durch den Bau \nder Mauer, durch die Erschwernis bzw. Unmöglichkeit von Besuchen Westdeut\nscher in der DDR und umgekehrt, \n• die Konfrontation der westlichen Siegermächte gegenüber der UdSSR im Zusam\nmenhang mit der „deutschen Frage“ als Teil des Kalten Krieges. 6 \n3 die problematischen Strukturen des Herrschafts und Gesellschaftssystems der DDR\nals Ursachen der Protestbewegungen; er berücksichtigt mindestens drei der folgenden \nAspekte: \n• das Machtmonopol der SED, beruhend auf dem Anspruch, aufgrund einer als \neinzig richtig deklarierten Weltanschauung in allen Bereichen die alleinige Ent\nscheidungskompetenz auszuüben, \n• die Vermischung von Partei und Staatsapparat, bei der die SED über alle politi\nschen und gesellschaftlichen Schlüsselpositionen verfügt, \n• die allgegenwärtige Überwachung der Bürger durch die Staatssicherheit, \n• die politische Bevormundung der Bürger der DDR, z. B. durch Einheitslisten und \nManipulationen bei den Wahlen, \n• die Nichtbeachtung der Menschenrechte, z. B. durch Verweigerung der Meinungs \nund Demonstrations sowie der Reisefreiheit, durch willkürliche Verhaftungen \nund politisch geprägte Gerichtsurteile gegen Oppositionelle, \n• die geringe Leistungsfähigkeit des sozialistischen Wirtschaftssystems, die unzu\nreichende Versorgung mit Konsumgütern sowie die Umweltzerstörung. 8",
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"content": "Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW GS LK HT 3 W2 \n Seite 5 von 10 \nNur für den Dienstgebrauch! 4 die Vorgänge in der DDR, die zu der von Sommer beschriebenen Situation und \nschließlich zum Fall der Mauer führen; er berücksichtigt mindestens fünf Aspekte, \nz. B.: \n• die Fälschung der Kommunalwahlen 1989 und die sich dagegen richtende öffent\nliche Kritik verbunden mit dem Einspruch gegen die Gültigkeit der Ergebnisse, \n• die Rolle der evangelischen Kirche und die Montagsdemonstrationen in Leipzig \ngegen das SEDRegime mit der Forderung nach gesellschaftspolitischen Verän\nderungen in der DDR, \n• die Bildung von oppositionellen politischen Gruppierungen im September/Oktober \n1989, so z. B. die des Neuen Forum, \n• das Festhalten an der Zweistaatlichkeit und an einem nichtkapitalistischen Gesell\nschaftssystem für die DDR durch einen großen Teil der Reformbewegung, \n• die Massenfluchtwelle als Ausdruck des starken Gegensatzes zwischen Staatsfüh\nrung und Bevölkerung, \n• das Herunterspielen des Umfangs und der Bedeutung der Fluchtbewegung durch \ndie „alte Garde“ unter Honecker in Verbindung mit dem starren Festhalten am \nbisherigen Kurs, \n• den Versuch, durch die Ablösung Honeckers durch Krenz und die Ankündigung \neiner demokratischen Erneuerung des Sozialismus das System noch zu retten, \n• die am 09.11.1989 angekündigte Regelung für Westreisen, die bei den DDRBür\ngern zu spontanen Besuchen Richtung Westen und zu einer faktischen Öffnung \nder DDRGrenzen führte. 10 \n5 den Zusammenhang der Entwicklung in der DDR mit der von Gorbatschow betrie\nbenen Politik der Perestroika und Glasnost im Zuge der Überwindung des Kalten \nKrieges; er berücksichtigt mindestens drei Aspekte, z. B.: \n• die von Gorbatschow eingeleiteten Reformversuche in der Sowjetunion, \n• den Verzicht Moskaus auf jeglichen Führungsanspruch in Osteuropa mit dem \nWiderruf der BreschnewDoktrin, \n• die mit dem Wegfall dieser Doktrin ermöglichte Erhöhung des Freiraums der \nBürger in den osteuropäischen Staaten, die zur Stärkung der dortigen Reform\nkräfte führt, \n• die Vorbildwirkung solcher antikommunistischen Oppositionsbewegungen für \ndie bis dahin nur schwach ausgebildete Opposition in der DDR, \n• die Schwächung der Position der SED durch die fehlende Unterstützung Gorbat\nschows bei der Zurückdrängung oppositioneller Bewegungen. 8 \n6 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium. (4)",
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"content": "Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW GS LK HT 3 W2 \n Seite 6 von 10 \nNur für den Dienstgebrauch! Teilaufgabe 3 \nAnforderungen \nDer Prüfling maximal \nerreichbare \nPunktzahl \n prüft die Prognosen Sommers im Hinblick auf die weiteren Entwicklungen der beiden \ndeutschen Staaten und auf das Verhalten der Siegermächte des Zweiten Weltkriegs \nanhand der tatsächlichen Entwicklungen nach dem Erscheinen des Artikels, indem \ner folgende Überlegungen in seine Argumentation aufnimmt: \n1 die Widerlegung der Annahme Sommers, in der DDR würden letztlich die auf Eigen\nstaatlichkeit ausgerichteten Reformkräfte die Oberhand behalten – vor allem wenn \ndie SEDFührung Reformbereitschaft zeige –, so dass sie auf der Basis umfassender \nReformen als eigenständiger Staat noch geraume Zeit bestehen bleibe; er berücksich\ntigt mindestens vier Aspekte, z. B.: \n• die Tatsache, dass die Wiedervereinigung in Form des Beitritts der neuen Bundes\nländer zur Bundesrepublik und das InKraftTreten des Grundgesetzes in der ehe\nmaligen DDR – entgegen der Annahme Sommers – durch den Einigungsvertrag \nbereits auf den 3. Oktober 1990 terminiert wurde, \n• die Tatsache, dass selbst der Rücktritt Honeckers Ende Oktober 1989 und die\nÜbernahme seiner Position durch Egon Krenz und das damit verbundene Signal \neiner gewissen Reformbereitschaft der DDRFührung dem Wunsch nach einem \nSozialismus neuer Prägung nicht zu einer Mehrheit verholfen hat, \n• die Tatsache, dass die eher unverhoffte Maueröffnung im November 1989 die \nBereitschaft großer Teile der Bevölkerung, den Slogan „Wir sind das Volk“ durch \nden Slogan „Wir sind ein Volk“ zu ersetzen, deutlich beschleunigte – trotz zuneh\nmender Reformbereitschaft der neuen SEDFührung, \n• die Tatsache, dass die Macht der SED in wenigen Wochen in rasantem Tempo zer\nrann, mit der Folge, dass z. B. die Volkskammer Anfang Dezember den Führungs\nanspruch der SED aus der Verfassung strich und das Politbüro geschlossen zurück\ntrat, \n• die Überlegung, dass diejenigen, die hauptsächlich von der Erfüllung ihrer ökono\nmischen Nachholbedürfnisse und vom Wunsch nach Reisefreiheit geleitet wurden, \noffensichtlich im Oktober 1989 (noch) keine, den auf Eigenstaatlichkeit bedachten \nReformgruppen vergleichbare, öffentliche Stimme hatten, \n• die Tatsache, dass der Versuch verschiedener Repräsentanten der Bürgerbewegun\ngen, über Verhandlungen am Zentralen Runden Tisch seit Dezember eine demo\nkratische Umgestaltung der DDR bei Wahrung ihrer Eigenständigkeit zu erreichen, \nimmer stärker überlagert wurde durch die Forderung nach einer raschen Wieder\nvereinigung von Seiten der Mehrheit der Bevölkerung, \n• die Tatsache, dass auch das Ergebnis der ersten freien Wahl der Volkskammer im \nMärz 1990 ein eindeutiges Votum in die Richtung einer Wiedervereinigung dar\nstellte, bei dem die Parteien Erfolg hatten, die sich für eine schnelle politische \nVereinigung ausgesprochen hatten, \n• die Tatsache, dass sich auch in der Bundesrepublik unter Helmut Kohl diejenigen \nStrömungen durchsetzten, die auf eine schnelle Wiedervereinigung statt auf Zwei\nstaatlichkeit drängten. 12",
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"content": "Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW GS LK HT 3 W2 \n Seite 7 von 10 \nNur für den Dienstgebrauch! 2 die Präzisierung der von Sommer eher skeptisch gesehenen Rolle der Siegermächte \ndes Zweiten Weltkriegs gegenüber der Bildung eines das europäische Gleichgewicht \nmöglicherweise bedrohenden Gesamtdeutschlands; er berücksichtigt mindestens \ndrei Aspekte, z. B.: \n• die Tatsache, dass für das Ausland mit der Überwindung der deutschen Teilung \nin der Tat die Frage der Friedensverträglichkeit Deutschlands im Vordergrund \nstand, verbunden mit Ängsten vor einer neuen deutschen Großmacht und einer \nwirtschaftlichen Übermacht Deutschlands in Europa, \n• die Tatsache, dass der Deutschlandvertrag aus den 50er Jahren die Vorbehalts\nrechte der drei Westmächte für alle Fragen, die Deutschland als Ganzes betreffen, \nregelte, so dass die deutsche Einheit nicht gegen den Willen der vier Siegermächte \ndes Zweiten Weltkriegs herzustellen war, \n• die Tatsache, dass Gorbatschow einer Vereinigung der beiden deutschen Staaten \nauf der Basis der Forderung der Westmächte, das vereinte Deutschland müsse Mit\nglied der NATO bleiben, tatsächlich skeptisch gegenüber stand, aber nach intensi\nven Verhandlungen und hohen finanziellen Zusagen der Bundesrepublik schließ\nlich zustimmte, \n• die Tatsache, dass der Westen trotz seiner Vorbehalte gegen eine von den Deut\nschen gewünschte staatliche Einheit kaum mehr ein Veto einlegen konnte, wenn \ndie SU, die bis dahin nach offizieller Version allein einer Beseitigung der deut\nschen Spaltung entgegenstand, bereit war, ihre Zustimmung zu geben, \n• die Tatsache, dass nach einer raschen Folge diplomatischer Verhandlungen im \nJahr 1990 die Zerstreuung der Ängste des Auslands vor einem zu mächtigen \nGesamtdeutschland insgesamt gelungen ist, so dass schließlich alle Seiten in \nForm des ZweiplusVierVertrages die Vereinigung der beiden deutschen Staaten \nakzeptierten. 8 \n3 formuliert ein Fazit, in dem er deutlich macht, dass sich Sommers Prognosen vom \n13. Oktober 1989 als zu vorsichtig erwiesen haben und dass der Wunsch nach einem \nBeitritt zur Bundesrepublik mit dem Fall der Mauer eine solche Beschleunigung \nerfuhr, dass Zweifel am Sinn einer Vereinigung in den beiden deutschen Staaten \nselbst und die Skepsis des Auslands durch diplomatisches Geschick, vor allem von \nSeiten Helmut Kohls, – anders als Sommer vermutet – kurzfristig überwunden werden \nkonnten. 4 \n4 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium. (4) \n \n \nb) Darstellungsleistung \nAnforderungen \nDer Prüfling maximal \nerreichbare \nPunktzahl 1 strukturiert seinen Text schlüssig, stringent sowie gedanklich klar und bezieht sich\ndabei genau und konsequent auf die Aufgabenstellung. 5 \n2 bezieht beschreibende, deutende und wertende Aussagen schlüssig aufeinander. 4 \n3 belegt seine Aussagen durch angemessene und korrekte Nachweise (Zitate u. a.). 3 \n4 formuliert unter Beachtung der Fachsprache präzise und begrifflich differenziert. 4 \n5 schreibt sprachlich richtig (Grammatik, Orthographie, Zeichensetzung) sowie \nsyntaktisch und stilistisch sicher. 4",
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"content": "Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW GS LK HT 3 W2 \n Seite 8 von 10 \nNur für den Dienstgebrauch! 7. Bewertungsbogen zur Prüfungsarbeit \nName des Prüflings: ____________________________________ Kursbezeichnung: ____________ \n \nSchule: _____________________________________________\n \n \nTeilaufgabe 1 \n Anforderungen Lösungsqualität \n Der Prüfling maximal \nerreichbare \nPunktzahl EK2 ZK DK \n1 nennt den Verfasser … 2 \n2 nennt als Thema … 2 \n3 arbeitet als Kernaussage … 2 \n4 gibt den Gedankengang … 4 \n5 gibt die Hauptaussagen … 10 \n6 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium: (2) \n…………………………………………………………….. …………………………………………………………….. \n Summe 1. Teilaufgabe 20 \n \n \nTeilaufgabe 2 \n Anforderungen Lösungsqualität \n Der Prüfling maximal \nerreichbare \nPunktzahl EK ZK DK \n erläutert die Ausführungen … \n1 die 1945 nach … 4 \n2 die Hintergründe für … 6 \n3 die problematischen Strukturen … 8 \n4 die Vorgänge in … 10 \n5 den Zusammenhang der … 8 \n6 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium: (4) \n……………………………………………………………..\n…………………………………………………………….. \n Summe 2. Teilaufgabe 36 \n \n \n2 EK = Erstkorrektur; ZK = Zweitkorrektur; DK = Drittkorrektur",
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"content": "Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW GS LK HT 3 W2 \n Seite 9 von 10 \nNur für den Dienstgebrauch! Teilaufgabe 3 \nAnforderungen Lösungsqualität\nDer Prüflingmaximal \nerreichbare \nPunktzahl EK ZK DK\n prüft die Prognosen … \n1 die Widerlegung der … 12 \n2 die Präzisierung der … 8 \n3 formuliert ein Fazit … 4 \n4 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium: (4) \n…………………………………………………………….. …………………………………………………………….. \n Summe 3. Teilaufgabe 24 \n Summe der 1., 2. und 3. Teilaufgabe 80 \n \n \nDarstellungsleistung \n Anforderungen Lösungsqualität \n Der Prüfling maximal\nerreichbare \nPunktzahl EK ZK DK \n1 strukturiert seinen Text … 5 \n2 bezieht beschreibende, deutende … 4 \n3 belegt seine Aussagen … 3 \n4 formuliert unter Beachtung … 4 \n5 schreibt sprachlich richtig … 4 \n Summe Darstellungsleistung 20 \n \n Summe insgesamt (inhaltliche und Darstellungsleistung) 100 \n aus der Punktsumme resultierende Note \n Note ggf. unter Absenkung um ein bis zwei Noten\npunkte gemäß § 17 Abs. 5 APOWbK \n \n Paraphe \nggf. arithmetisches Mittel der Punktsummen aus EK und ZK: ___________ \n \nggf. arithmetisches Mittel der Notenurteile aus EK und ZK: _____________ \n \nDie Klausur wird abschließend mit der Note: ________________________ (____ Punkte) bewertet. \n \n \nUnterschrift, Datum:",
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"content": "Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW GS LK HT 3 W2 \n Seite 10 von 10 \nNur für den Dienstgebrauch! Grundsätze für die Bewertung (Notenfindung) \nFür die Zuordnung der Notenstufen zu den Punktzahlen ist folgende Tabelle zu verwenden: \n \nNote Punkte Erreichte Punktzahl \nsehr gut plus 15 100 – 95 \nsehr gut 14 94 – 90 \nsehr gut minus 13 89 – 85 \ngut plus 12 84 – 80 \ngut 11 79 – 75 \ngut minus 10 74 – 70 \nbefriedigend plus 9 69 – 65 \nbefriedigend 8 64 – 60 \nbefriedigend minus 7 59 – 55 \nausreichend plus 6 54 – 50 \nausreichend 5 49 – 45 \nausreichend minus 4 44 – 39 \nmangelhaft plus 3 38 – 33 \nmangelhaft 2 32 – 27 \nmangelhaft minus 1 26 – 20 \nungenügend 0 19 – 0",
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