26 Jahre nach den Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen: Wo sind die Akten?

Am 22. August jähren sich die rassistischen Angriffe von Rostock-Lichtenhagen zum 26. Mal. Manche Hintergründe dazu bleiben aber weiter im Verborgenen. Wichtige Dokumente sind angeblich weder bei Bundes- oder Landesbehörden noch in Archiven vorhanden.

Die rassistischen Angriffe auf BewohnerInnen des Sonnenblumenhauses in Rostock im August 1992 trugen kurz nach der Widervereinigung maßgeblich dazu bei, dass die schwarz-gelbe Bundesregierung mit Unterstützung der SPD das Asylrecht in Teilen abschafften.

Einzelheiten zum politischen Hergang werden vermutlich immer geheim bleiben. So ist vor allem die Rolle des damaligen Bundesinnenministers Rudolf Seiters unklar. Zum Höhepunkt der Ausschreitungen führte Seiters vertrauliche Gespräche mit dem Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, Berndt Seite, sowie seinem Landesinnenminister Lothar Kupfer und Polizeichef Siegfried Kordus. Der Polizeichef Siegfried Kordus fuhr daraufhin nach Hause und lehnte Verstärkungen durch Einheiten des Bundesgrenzchefs ab. Beobachter vermuten deswegen, dass es sich bei den Ausschreitungen um eine inszenierte Serie der Gewalt gehandelt haben könnte.

Archive ohne Dokumente

Die beteiligten Behörden von damals werden bei der Aufklärung nicht helfen. Das Innenministerium Mecklenburg-Vorpommern und das Landeskriminalamt teilen mit, über Akten zu den Treffen von Seiters nicht zu verfügen. Man solle sich an das Archiv des Landes wenden. Aber auch die Archivare melden Fehlanzeige.

Das Bundesinnenministerium kann ebenfalls keine Dokumente zu den Treffen ermitteln. Ob es solche gegeben habe und ob Dokumente ggf. ans Bundesarchiv abgegeben wurden, ließe sich nicht mehr rekonstruieren. Und auch im Bundesarchiv sind keine derartigen Dokumente zu finden.

Verfassungsschutz meldet sich

Einzig der Verfassungsschutz des Landes Mecklenburg-Vorpommern sendet auf Anfrage Dokumente zu. Es verfügt angeblich allerdings nur über den Verfassungsschutzbericht des Jahres 1992 und darauf basierende Berichte. Darin heißt es beispielsweise, die Situation in Rostock-Lichtenhagen sei nach "gegenseitigen Provokationen der [rechtsextremen] Demonstranten und der Asylbewerber" eskaliert. Außerdem könne von überregional geplanten und organisierten Ausschreitungen nicht gesprochen werden, auch wenn Nazis aus anderen Bundesländern angereist seien.

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Arne Semsrott

Arne ist Projektleiter von FragDenStaat.

E-Mail: arne.semsrott@okfn.de

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