Offene Bildungsmaterialien: Lernen auf Abstand

Die Corona-Krise zwingt Schülerinnen dazu, zu Hause und online zu lernen. Die Abituraufgaben der vergangenen Jahre könnten bei der Vorbereitung auf die Prüfungen helfen – wenn sie denn zugänglich sind.

Die Schulen sind leer – Abiturprüfungen sollen trotzdem stattfinden. –

Photo by Ivan Aleksic on Unsplash

Während Schülerinnen und Schüler ihr Abitur mit Sicherheitsvorkehrungen in den ansonsten leeren Schulen schreiben, bleibt ihnen in der Vorbereitung keine Wahl, als online und auf Abstand zu lernen.

Gut, wenn die Abituraufgaben der vergangenen Jahre wie in Niedersachsen frei und online abrufbar sind. Schlecht, wenn sie nur über Rechner an den Schulen oder in der Schulverwaltung zugänglich sind oder Aufgaben oder Zugangsdaten grundsätzlich nur persönlich und analog ausgehändigt werden. Das ist in vielen Bundesländern derzeit leider noch Standard.

Die Schulschließungen führen allen im Bildungssystem vor Augen, wie wichtig digitale Zugänge zu Lernmaterial sind. Offene Bildungsressourcen (OER) sollten gerade von staatlicher Seite zur Verfügung gestellt werden. Zentrale Prüfungsaufgaben der Vorjahre gehören da ganz selbstverständlich dazu.

Wir alle haben viel gelernt in diesem Jahr. Die Corona-Krise ist eine Ausnahmesituation, aber sie verdeutlicht ein bekanntes Problem. Die Verantwortlichen sollten als Konsequenz die Aufgaben für 2021 von Anfang an so anlegen, dass sie im Folgejahr online und ohne Zugangsbeschränkung veröffentlicht werden können, notfalls unter Schwärzung der urheberrechtlich relevanten Teile. Für die Prüfungsvorbereitung reicht das meistens aus.

Zentrale Prüfungsaufgaben der Vorjahre sollen Schülerinnen und Schülern selbstverständlich zur Verfügung stehen – nicht erst nach Kauf und nicht erst nach Login. Gelernt wird überall. Sogar in der Bildungsverwaltung.

Rückblick

FragDenStaat und Wikimedia Deutschland fordern, dass öffentlich finanzierte Abituraufgaben als öffentliches Gut für alle frei zugänglich auf Bildungsservern abrufbar sind.

Auf „FragSieAbi!“ ermöglichen wir, Abituraufgaben vergangener Jahre mit einem Klick nach dem jeweiligen Informationsfreiheitsgesetz des Landes anzufragen. Zum Start in 2019 waren viele Aufgaben nur gegen Bezahlung bei Verlagen zugänglich. Und die insgesamt 750 Anfragen zeigten Wirkung:

Obwohl es in Bayern kein Informationsfreiheitsgesetz gibt, hat das Ministerium die Aufgaben herausgegeben. Grundlage sind sogenannte Bürgeranfragen, die jede*r mit einem Interesse stellen kann. Vorher lagen immerhin schon die Mathematik- und Physikaufgaben auf dem Bayerischen Bildungsserver.

Schleswig-Holstein hat die Abiturfragen herausgegeben und geschütztes Textmaterial geschwärzt, die ersten und letzten Worte frei gelassen und mit einer Quellenangabe versehen. So ist es einfach möglich, die Texte in der Originalquelle wieder zu finden und zu Hause zu üben. Dabei wurden allerdings auch Gedichte von Goethe geschwärzt, die längst nicht mehr unter das Urheberrecht fallen.

In Nordrhein-Westfalen werden die Aufgaben ungeschwärzt zum persönlichen Gebrauch herausgegeben, allerdings nicht veröffentlicht. So muss jede*r für sich eine eigene Anfrage stellen. Dadurch macht sich das Ministerium eigentlich nur selber mehr Arbeit.

In Bremen und Sachsen werden die Aufgaben in einem geschützten Bereich angeboten. Wohl dem, der sein Passwort rechtzeitig ausgehändigt bekommt und nicht vergisst.

Hamburg hat übrigens gezeigt, warum eine Kampagne wie „FragSieAbi!“ so wichtig ist. 2019 hat die Behörde die Aufgaben zunächst auf Anfrage kostenfrei herausgegeben. Nach Ende der Kampagne und Überarbeitung des IFG und der Gebührenordnung werden jetzt für jeden Antrag Gebühren fällig. Aber die nächste Kampagne kommt bestimmt.

Bernd Fiedler

Bernd ist Projektmanager Politik bei Wikimedia Deutschland.

Bild des Autors

Lea Pfau

Lea ist Campaignerin bei FragDenStaat und arbeitet zusätzlich zum Volksentscheid Transparenz.

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