Verfassungsbeschwerde: Hohe Gebühren auf dem Prüfstand

Viele Behörden fordern für Auskünfte hohe Gebühren – und schrecken damit Menschen davon ab, ihr Grundrecht auf Informationsfreiheit wahrzunehmen. Laut Bundesverwaltungsgericht ist das rechtskonform. Wir wollen das Urteil nun vom Bundesverfassungsgericht überprüfen lassen.

Im vergangenen Herbst hat das Bundesverwaltungsgericht überraschend unsere Klage gegen überhöhte Gebühren für Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz (IFG) abgewiesen. Entgegen der Vorinstanz entschied das Gericht, dass Behörden bei IFG-Anfragen ihren Aufwand bis zu einer Höchstgrenze von 500 Euro nach einem ermäßigten Stundensatz abrechnen können. Damit durfte das Bundesinnenministerium nach dem Urteil für einen Arbeitsaufwand von nur vier Stunden insgesamt 235 Euro in Rechnung stellen.

Durch eine solche Gebührenpraxis werden vor allem Menschen, die wenig Geld zur Verfügung haben, vom Zugang zu Informationen ausgeschlossen. Einfache Anfragen, deren Bearbeitung nur wenige Stunden dauern, sind auf diese Weise besonders teuer, während aufwändigere Anfragen alle 500 Euro kosten. Hierin liegt unserer Meinung nach ein Verstoß gegen das Abschreckungsverbot und gegen die Gebührengerechtigkeit. Deshalb haben wir vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe Verfassungsbeschwerde eingelegt.

Demokratischer Diskurs leidet

Sollte das Verfahren des Innenministeriums Schule machen, dürften dreistellige Beträge auch für einfache IFG-Anfragen die Regel werden. Schon jetzt ist es so, dass FragDenStaat-Nutzer:innen in der Hälfte aller Gebührendrohungen durch das Ministerium ihre Anfragen zurückgezogen haben.

Das allerdings ist eine Bedrohung für den demokratischen Diskurs. Das Grundrecht auf Informationszugang ist für die freiheitlich-demokratische Staatsordnung besonders wichtig. Die Debatte von Themen des öffentlichen Interesses lebt von verlässlichen Informationen. Schließlich wird die Kontrolle politischer und behördlicher Prozesse so erst ermöglicht.

Für den gesamten Bereich der Informationsfreiheit wäre es daher sehr wichtig, wenn das Bundesverfassungsgericht eine grundsätzliche Entscheidung zur Stärkung der Informationsfreiheit treffen würde. Während der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte gerade zuletzt oft die Bedeutung des Zugangs zu Originaldokumenten als „politisches Mitwirkungsrecht“ betont hat, hat das Bundesverfassungsgericht bislang kaum die Bedeutung des Grundrechts herausgehoben. Das Gericht in Karlsruhe nimmt insgesamt nur sehr wenige Verfahren zur Entscheidung an – wir hoffen nun, dass unseres dazugehören wird.

Weitere Klagen gegen überteuerte Gebühren

Zusätzlich zur Verfassungsbeschwerde werden wir auch weiter vor den Verwaltungsgerichten gegen überzogene Gebührenbescheide vorgehen. So haben wir Klage gegen das Auswärtige Amt eingereicht, das seine Gebührenpraxis als Reaktion auf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts geändert hatte und jetzt mehr Gebühren verlangt.

Mit Gebühren schrecken Behörden Bürger*innen vom Informationszugang ab. Deswegen fordern wir schon seit langem, Gebühren für Auskünfte komplett abzuschaffen – wie dies weltweit üblich ist. Die Bevölkerung sollte nicht erneut für Informationen zahlen müssen, die mit Steuergeldern finanziert wurden.

Jetzt erst recht: Wir werden weiter für Informationsfreiheit kämpfen. Bitte unterstütze uns dabei mit einer Spende – am liebsten einer Dauerspende von fünf, zehn oder zwanzig Euro im Monat.

zur Verfassungsbeschwerde

zur Klage gegen das Auswärtige Amt

JBB Rechtsanwälte, Christinenstraße 18/19, 10119 Berlin                                 Dr. Martin Jaschinski 1 Sebastian Biere 1 Bundesverfassungsgericht                                                                Oliver Brexl 1 Schlossbezirk 3                                                                         Thorsten Feldmann, LL.M. 2 Dr. Till Jaeger 2 Thomas Nuthmann 1 76131 Karlsruhe                                                                         Julian Höppner, LL.M. 3 Dr. Lina Böcker 3 Robert Weist Marie Lenz, LL.M. Vorab per Telefax:                    0721 9101-461                                     Martin Michel Dr. Jeannette Viniol, LL.M. 1 Marcel Breite Dr. Michael Funke David Andrew Copland, Attorney at Law 4 Berlin, 21. Dezember 2020                                                               Philipp Schmirler Fabian Scharpf Zeynep Balazünbül Unser Zeichen:                        20-2385                                           Felix Plundrich Karen Hensgen Philine Töpper Nina Tresp Hannah Stegmaier 1  Fachanwalt für gewerblichen Rechtsschutz Verfassungsbeschwerde                              2 Fachanwältin für gewerblichen Rechtsschutz Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht 3  Fachanwalt für Informationstechnologierecht Fachanwältin für Informationstechnologierecht 4  Of Counsel, zugelassen nach § 206 BRAO des Herrn Arne Semsrott, Singerstraße 109, 10179 Berlin Christinenstraße 18/19 10119 Berlin Tel.    + 49 30 443 765 0 - Beschwerdeführer -                            Fax     + 49 30 443 765 22 Mail feldmann@jbb.de Web www.jbb.de Verfahrensbevollmächtigte: JBB Rechtsanwälte, Jaschinski Biere Brexl                    Sitz der Partnerschaftsgesellschaft: Berlin Registergericht: AG Charlottenburg, PR 609 B Partnerschaft      mbB,     Christinen- straße 18/19, 10119 Berlin, gegen das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 13. Oktober 2020 Az. 10 C 23.19 Berliner Volksbank IBAN DE96 1009 0000 5205 2220 08 BIC BEVODEBBXXX
Seite 2 Wir zeigen ausweislich der beigefügten Originalvollmacht an, dass wir den Beschwerdeführer vertreten. Namens und im Auftrag des Beschwer- deführers legen wir Verfassungsbeschwerde wegen Verletzung insbesondere des Rechts auf Informationsfreiheit aus Art. 5 Abs. 1 Satz 1 Grundgesetz sowie des Gleichheitsgrundrechts aus Art. 3 Abs. 1 Grundgesetz ein, und beantragen, wie folgt zu entscheiden: 1.      Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 13. Oktober 2020, Az. BVerwG 10 C 23.19 verletzt die Rechte des Be- schwerdeführers aus Art. 5 Abs. 1 S. 1 Grundgesetz (Recht auf Informationsfreiheit) und Art. 3 Abs. 1 Grundgesetz (Gleichheit vor dem Gesetz). Es wird aufgehoben und die Sa- che wird an das Bundesverwaltungsgericht zurückverwie- sen. 2.      Die Bundesrepublik Deutschland hat dem Beschwerdeführer die notwendigen Auslagen zu erstatten. Begründung: Der Beschwerdeführer rügt die Verletzung seines Rechts auf Informati- onsfreiheit aus Art. 5 Abs. 1 S. 1 Grundgesetz sowie die Verletzung des allgemeinen Gleichheitssatzes aus Art. 3 Abs. 1 Grundgesetz (nachfol- gend: „GG“) durch das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 13. Oktober 2020, Az. BVerwG 10 C 23.19.
Seite 3 Inhaltsverzeichnis A)   Vorbemerkung und Kurzfassung des Sachverhalts ....................................... 6 B)   Sachverhalt ..................................................................................................................... 8 I.   Die Parteien des gerichtlichen Verfahrens ........................................................ 8 II.  Das angegriffene Entscheidung und der ihr zugrundeliegende Rechtsstreit.................... ......…......…......…......….........………………...…...……........................9 1.   Vorgeschichte: Die Geltendmachung von Informationsansprüchen durch den Beschwerdeführer.................................................................................. 9 2.   Kostenbescheid der Beklagten des Ausgangsverfahrens .......................... 10 3.   Klage des Beschwerdeführers vor dem Verwaltungsgericht Berlin und Verurteilung der Beklagten ................................................................................... 11 a)   Klage ............................................................................................................................... 11 b)   Urteil des Verwaltungsgerichts Berlin vom 29. März 2019, Az. VG 2 K 95.17 .........................................................................................................................................11 4.   Sprungrevision                            der                Beklagten                       und                 Urteil                 des Bundesverwaltungsgerichts ............................................................................................................12 C)   Rechtliche Würdigung ............................................................................................. 13 I.   Zulässigkeit .................................................................................................................. 13 1.   Statthaftigkeit ............................................................................................................. 13 2.   Tauglicher Beschwerdegegenstand ................................................................... 14 3.   Beschwerdefähigkeit ................................................................................................ 14 4.   Beschwerdebefugnis ................................................................................................ 14 5.   Rechtswegerschöpfung........................................................................................... 15 6.   Subsidiarität ................................................................................................................. 15 II.  Begründetheit ............................................................................................................. 17 1.        Verletzung des Rechts aus Art. 5 Abs. 1 S. 1 GG...................................... 17
Seite 4 a)   Schutzbereich.............................................................................................................. 17 aa)     Persönlicher Schutzbereich .............................................................................. 17 bb)     Sachlicher Schutzbereich................................................................................... 17 b)   Rechtsverletzung ....................................................................................................... 20 aa)     Eingriff....................................................................................................................... 20 bb)     Verfassungsrechtliche Rechtfertigung ......................................................... 21 (1)     § 10 Abs. 1 und 2 IFG i. V. m. § 1 Abs. 1 IFGGebV i. V. m. Gebührenverzeichnis (Teil A) für angemessene Bemessung der Gebühren nicht hinreichend bestimmt ............................................................................................ 22 (2)     Verfassungswidrige Anwendung der IFGGebV durch das BMI durch Festsetzung        nach               Zeitaufwand                       bemessener                       Gebühren                     mit Abschreckungswirkung ..................................................................................................... 24 (a)     Legitimer Zweck .................................................................................................... 25 (b)     Geeignetheit ........................................................................................................... 25 (c)     Erforderlichkeit ...................................................................................................... 26 (d)     Angemessenheit ................................................................................................... 26 (aa)    Allgemeiner             normativer                  Maßstab                 für        das          IFG          als        sog. „Jedermannsrecht” ..............................................................................................................27 (bb)    Empirische Daten bestätigen Abschreckungswirkung von Gebühren, insbesondere in der Praxis des BMI ............................................................................. 31 (cc)    Stärkung des Informationszugangsrecht durch die Meinungs- und Pressefreiheit nach Art. 5 Abs. 1 GG, Art. 10 EMRK mit Blick auf den Beschwerdeführer als politischem „watchdog” ....................................................... 35 (dd)         Unterlaufen der europarechtlichen Maßstäbe gegenüber der insoweit gleichlautenden Kostenregel aus § 12 Abs. 2 UIG................................ 40 2.   Verletzung des Rechts aus Art. 3 Abs. 1 GG ................................................... 42 a)   Schutzbereich.............................................................................................................. 43 b)   Ungleichbehandlung ................................................................................................ 43
Seite 5 aa)     Unverhältnismäßige Schlechterstellung wenig aufwendiger Anträge gegenüber aufwendigen IFG-Anträgen / Übermäßige Privilegierung der aufwendigen IFG-Anträge ................................................................................................ 44 bb)     Unverhältnismäßige Schlechterstellung mittelmäßig aufwendiger Anträge gegenüber aufwendigen IFG-Anträgen .................................................... 47 cc)     Willkürliche Zuordnung von Anträgen zu den Gebührenklassen nach Teil A Nr. 1.2 bzw. Nr. 2.1 des Gebührenverzeichnisses zu § 1 Abs. 1 IFGGebV („normaler Verwaltungsaufwand“) und Teil A Nr. 1.3 bzw. 2.2 („deutlich höherer Verwaltungsaufwand”) ..................................................................................... 48 dd)     Kein      praktischer           Anwendungsbereich                                   für              unterste Gebührentatbestände in der Gebührenbemessungspraxis des BMI .............. 50 ee)     Ungleichbehandlung teilweise erfolgreicher Anträge gegenüber erfolglosen Anträgen sowie vollständig erfolgreichen Anträgen .................... 52 c)    Keine sachliche Rechtfertigung der Ungleichbehandlung........................ 53 D)      Zusammenfassung ............................................................................................... 57
Seite 6 A)       Vorbemerkung und Kurzfassung des Sachverhalts Beschwerdegegenstand ist ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts. Es ist in Ablichtung diesem Antrag als Anlage beigefügt. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 13. Oktober 2020, Az. BVerwG 10 C 23.19 - Anlage 1 - Das Urteil verletzt den Beschwerdeführer in seinem Grundrecht auf In- formationsfreiheit aus Art. 5 Abs. 1 S. 1 GG und in seinem Grundrecht auf Gleichbehandlung aus Art. 3 Abs. 1 GG. Mit der Klage, der der Beschwerdegegenstand vorausging, begehrte der Beschwerdeführer die Aufhebung eines Gebührenbescheides des Bun- desministeriums des Innern, für Bau und Heimat (nachfolgend “BMI”). Dieses hatte vom Beschwerdeführer eine Gebühr in Höhe von 235,00 EUR erhoben. Das BMI stützte die Gebühr zunächst auf § 10 des Infor- mationsfreiheitsgesetzes (IFG) in Verbindung mit § 1 der Informations- gebührenverordnung vom 2. Januar 2006 (IFGGebV) und Teil A Nr. 1.3 sowie Teil B Nr. 1.1 des Gebühren- und Auslagenverzeichnisses, später auf Teil A Nr. 2.2 des Gebühren- und Auslagenverzeichnisses. Der Beschwerdeführer hält sowohl die Höhe als auch die Bemessungs- methode durch das BMI für verfassungswidrig. Beides hat für das für die Demokratie fundamental wichtige Grundrecht der Informationsfreiheit eine verfassungsrechtlich nicht zu rechtfertigende abschreckende Wir- kung. Die Bemessungsmethode verstößt zudem gegen den Gleichheits- grundsatz.
Seite 7 Nach erfolgreicher Klage des Beschwerdeführers vor dem Verwaltungs- gericht Berlin gab das Bundesverwaltungsgericht der Sprungrevision durch das BMI statt und wies die Klage ab. Im verwaltungsgerichtlichen Verfahren war insbesondere streitig, in wel- cher Weise die Gebühren nach IFGGebV zu bemessen sind. Die Bemes- sung hat unmittelbare grundrechtliche Relevanz. Der Beschwerdeführer hält die Gebührentatbestände in Teil A des Ge- bühren- und Auslagenverzeichnisses der IFGGebV für Rahmengebüh- ren. Das BMI geht dagegen davon aus, dass es sich bei den Höchstbe- trägen der Gebührentatbestände in Teil A dieses Verzeichnisses um Kappungsgrenzen handelt. Das Verwaltungsgericht Berlin hielt die Gebührentatbestände ebenfalls für Rahmengebühren. Es rügte einen Verstoß gegen die Gebühren- gleichheit durch das BMI und erklärte, es sei erforderlich, den auf der Tatbestandsseite einer Tarifstelle erfassten Amtshandlungen zunächst die durch den Gebührenrahmen gebildete Gebührenskala in etwa pro- portional zuzuordnen. Das Bundesverwaltungsgericht ging demgegenüber von einer Kap- pungsgrenze aus. Dies sei nicht ermessensfehlerhaft, unter anderem, weil nur ein Teil der Kosten in Ansatz gebracht worden waren. Die Kap- pungsgrenze verstoße nicht gegen den Gleichheitssatz. Die Frage der Verfassungsmäßigkeit der Gebührenbemessungspraxis nach IFGGebV durch das BMI und ihre Bewertung durch das Bundesver- waltungsgericht hat grundsätzliche verfassungsrechtliche Bedeutung. Sie ist von erheblicher Relevant für die Effektivität des Grundrechts- schutzes auf Informationsfreiheit aus Art. 5 Abs. 1 S. 1 GG. Zudem wirft
Seite 8 sie durchgreifende Bedenken in Bezug auf die Gewährleistung des Art. 3 Abs. 1 GG auf. Die Praxis betrifft auch nicht nur den einen durch das Bundesverwal- tungsgericht entschiedenen Fall. Sie betrifft jede Person, die Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz an das BMI oder auch an andere Bundesbehörden, die gegebenenfalls aufgrund des beschwerdegegen- ständlichen Urteils eine vergleichbare Praxis etablieren, richtet. Weder in Bezug auf Art. 5 Abs. 1 S. 1 GG noch in Bezug auf Art. 3 Abs. 1 GG ist die Frage durch das BVerfG entschieden worden. Im Einzelnen: B)      Sachverhalt Der Verfassungsbeschwerde liegt der folgende Sachverhalt zugrunde: I.      Die Parteien des gerichtlichen Verfahrens 1.      Der Beschwerdeführer war Kläger im verwaltungsgerichtlichen Verfahren. Er ist Journalist und Leiter des Projekts “FragDen- Staat” der gemeinnützigen Open Knowledge Foundation Deutschland e.V. Das Projekt “FragDenStaat” bietet ein Stück “Demokratie-Infrastruktur”, indem Nutzer die Möglichkeit erhal- ten, bundesweit gegenüber Behörden eine Informationsfrei- heitsanfrage auf Basis der verschiedenen Informationsfreiheits- gesetze zu stellen und zu diesem Zweck durch den Prozess zur Anfrageerstellung geleitet werden und ihre Anfrage automatisch absetzen können. Die erhaltenen Informationen können dann auf dem Portal veröffentlicht werden. “FragDenStaat” bezweckt,
Seite 9 die Transparenz staatlichen Handelns zu fördern und einen Bei- trag zur demokratischen Willensbildung zu leisten. 2.       Die Beklagte des Verfahrens vor den Verwaltungsgerichten ist die Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch das Bundesmi- nisterium des Innern, für Bau und Heimat. II.      Die angegriffene Entscheidung und der ihr zugrundelie- gende Rechtsstreit Mit dem angegriffenen Urteil hat das Verwaltungsgericht der Sprungre- vision der Beklagten des Ausgangsverfahrens gegen das Urteil des Ver- waltungsgerichts Berlin vom 29. März 2019, VG 2 K 95.17, stattgegeben. Wir fügen das Urteil dieser Beschwerde als Ablichtung bei. Urteil des Verwaltungsgerichts Berlin vom 29. März 2019, Az. VG 2 K 95,17 - Anlage 2 - Das Bundesverwaltungsgericht hat mit dem hier angegriffenen Urteil die von dem Beschwerdeführer angestrengte Klage abgewiesen. 1.       Vorgeschichte: Die Geltendmachung von Informationsan- sprüchen durch den Beschwerdeführer Der Beschwerdeführer beantragte im Dezember 2016 beim BMI, ihm die Gesprächsvorbereitung für den damaligen Bundesinnenminister de Ma- izière für das Treffen mit Mark Zuckerberg, dem Gründer und Vorstands- vorsitzenden der Facebook Inc., das Mitte/Ende 2016 stattfinden sollte, zu übersenden. Der Antrag wurde überwiegend abgelehnt. Teilweise wurden ihm die begehrten Informationen in geschwärzter Form zur Ver- fügung gestellt. Die übersandten Informationen umfassten insgesamt
Seite 10 32 Din A4-Seiten und beinhalteten Zielsetzungen hinsichtlich des Um- gangs mit extremistischen und terroristischen Internetinhalten, eine Übersicht über das Programm des Tages, eine kurze Übersicht über die beruflichen Tätigkeiten der Gesprächspartner von Facebook sowie ei- nige Medienberichte. Jedoch enthielten die bereitgestellten Aktenaus- züge keine Informationen, die sich im Rahmen einer journalistischen Aufarbeitung hätten verarbeiten lassen, da der Antrag weit überwie- gend abgelehnt wurde. Insbesondere das angefragte Dokument über die “Verschlüsselung/Regulierung von Messenger-Diensten vom 24. August 2016” sowie die “Leistungsvorlage vom 7. Juli 2016 zur Zusam- menarbeit mit der Internetwirtschaft” wurden dem Beschwerdeführer nicht bereitgestellt. 2.      Kostenbescheid der Beklagten des Ausgangsverfahrens Dennoch erhob das BMI mit Bescheid vom 30. März 2017 eine Gebühr in Höhe von 235,00 EUR. Der Bescheid ist in Ablichtung beigefügt. Bescheid des Bundesministeriums des Innern vom 30. März 2017 - Anlage 3 - Zur Begründung führte das Ministerium aus, es sei für die Bearbeitung ein Aufwand von 3 Stunden und 55 Minuten des höheren Dienstes für die Aktenrecherche, Sichtung, Prüfung, Zusammenstellung und Schwär- zung der Unterlagen sowie der Beteiligung Dritter entstanden. Für eine Stunde des höheren Dienstes wurde ein durchschnittlicher Stundensatz von 60 EUR veranschlagt. Die Gebühr stützte das BMI auf Nr. 1.3 Teil A (Gebührenbetrag 60 bis 500 EUR) und Nr. 1.1 Teil B (Auslagen für Her- stellung von Abschriften und Ausdrucken in Höhe von 0,10 EUR je DIN A4-Seite) des Gebühren- und Auslagenverzeichnisses der IFGGebV.
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Phillip Hofmann

Phillip ist Head of Legal von FragDenStaat.

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