WD 5 - 167/18 Sicherstellung der Stromversorgung bei Dunkelflauten

Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft

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Wissenschaftliche Dienste Dokumentation Sicherstellung der Stromversorgung bei Dunkelflauten © 2019 Deutscher Bundestag                           WD 5 - 3000 - 167/18
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Wissenschaftliche Dienste                Dokumentation                                                          Seite 2 WD 5 - 3000 - 167/18 Sicherstellung der Stromversorgung bei Dunkelflauten Aktenzeichen:                      WD 5 - 3000 - 167/18 Abschluss der Arbeit:              31. Januar 2019 Fachbereich:                       WD 5: Wirtschaft und Verkehr, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Die Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages unterstützen die Mitglieder des Deutschen Bundestages bei ihrer mandatsbezogenen Tätigkeit. Ihre Arbeiten geben nicht die Auffassung des Deutschen Bundestages, eines sei- ner Organe oder der Bundestagsverwaltung wieder. Vielmehr liegen sie in der fachlichen Verantwortung der Verfasse- rinnen und Verfasser sowie der Fachbereichsleitung. Arbeiten der Wissenschaftlichen Dienste geben nur den zum Zeit- punkt der Erstellung des Textes aktuellen Stand wieder und stellen eine individuelle Auftragsarbeit für einen Abge- ordneten des Bundestages dar. Die Arbeiten können der Geheimschutzordnung des Bundestages unterliegende, ge- schützte oder andere nicht zur Veröffentlichung geeignete Informationen enthalten. Eine beabsichtigte Weitergabe oder Veröffentlichung ist vorab dem jeweiligen Fachbereich anzuzeigen und nur mit Angabe der Quelle zulässig. Der Fach- bereich berät über die dabei zu berücksichtigenden Fragen.
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Wissenschaftliche Dienste           Dokumentation                         Seite 3 WD 5 - 3000 - 167/18 Inhaltsverzeichnis 1.          Vorbemerkungen                                              4 2.          Zum Phänomen der Dunkelflaute                               4 2.1.        Begriff                                                     4 2.2.        Auftreten                                                   5 2.3.        Überbrückung                                                7 3.          Ausgewählte Studien                                        11 3.1.        Studie der Energy Brainpool GmbH & Co. KG zur kalten Dunkelflaute                                               11 3.2.        Leitstudie Integrierte Energiewende der Deutschen Energie- Agentur GmbH                                               13 3.3.        Projekte „Langfrist- und Klimaszenarien“ im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie              17 3.4.        Weiterführende Hinweise                                    18
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Wissenschaftliche Dienste               Dokumentation                                               Seite 4 WD 5 - 3000 - 167/18 1.    Vorbemerkungen In dem hier zugrunde liegenden Auftrag wird die Frage aufgeworfen, wie die Stromversorgung in Deutschland bei Dunkelflauten sichergestellt werden kann. Konkretisierend wird nach Szenarien gefragt, die sich mit der bei einer vollständigen Umstellung auf erneuerbare Energieträger erfor- derlichen Speicherkapazität und dem entsprechenden Investitionsvolumen befassen. Die aus Dunkelflauten resultierenden Herausforderungen sind Bestandteil der kontrovers geführ- ten Diskussion über die Gewährleistung der Versorgungssicherheit bei einer zunehmend auf fluk- tuierenden erneuerbaren Energieträgern aufbauenden Energieversorgung. Allerdings scheinen die von Dunkelflauten ausgehenden Beeinträchtigungen der künftigen Sicherheit der Stromversor- gung bisher kaum Gegenstand eigenständiger Untersuchungen gewesen zu sein. Insbesondere konnten im Rahmen der Recherchen keine Studien ermittelt werden, die die im Auftrag aufge- worfenen konkretisierenden Fragen beantworten würden. Die nachfolgende Dokumentation setzt sich aus zwei Abschnitten zusammen. Zunächst wird in das Phänomen der Dunkelflaute eingeführt. Anschließend werden exemplarisch einige Veröffent- lichungen vorgestellt, die sich (u. a.) mit der künftigen Sicherstellung der Stromversorgung in Deutschland in Phasen von Dunkelflauten befassen. Die im Text angegebenen Internet-Adressen wurden jeweils am 31. Januar 2019 zuletzt aufgeru- fen. 2.    Zum Phänomen der Dunkelflaute 2.1. Begriff Der Begriff „Dunkelflaute“ setzt sich aus der ersten Silbe des Wortes Dunkelheit und der zweiten Silbe des Wortes Windflaute zusammen. Er charakterisiert eine Situation, in der eine Windflaute (bzw. Schwachwind) zusammen mit wetter- oder jahreszeitlich bedingter Dunkelheit auftritt und somit das Dargebot von Wind- und Solarenergie nur gering ausfällt oder zum Erliegen kommt. Diese kann sich je nach Wetterlage und Jahreszeit über diverse Tage erstrecken. Fällt eine Dun- kelflaute in die Wintermonate, wird auch von einer „kalten Dunkelflaute“ gesprochen. Hierzu       1 heißt es in einer Studie der Denkfabrik Energy Brainpool GmbH & Co. KG: „Tritt eine Dunkel- 1     Vgl. Next Kraftwerke GmbH (2018). Was ist die Dunkelflaute? Köln. S. 1. Link: www.next-kraftwerke.de/wissen/strommarkt/dunkelflaute ; energie-experten.org (2018). Was ist eine Dunkelflaute? Hamburg. S. 1. Link: www.energie-experten.org/erneuerbare-energien/oekostrom/energiespeicher/dunkelflaute.html .
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Wissenschaftliche Dienste                 Dokumentation                                                        Seite 5 WD 5 - 3000 - 167/18 flaute im Winter auf, trifft ein längerfristig geringes Dargebot erneuerbarer Energien auf eine wit- terungsbedingt besonders hohe Nachfrage nach Energie. Diese Situation wird als ‚kalte Dunkel- flaute‘ bezeichnet.“      2 Nach Angaben des Energiedienstleistungsunternehmens Next Kraftwerke GmbH liegt bisher keine klare qualitative und quantitative Abgrenzung des Begriffs Dunkelflaute vor, obgleich die öffentliche Energiedebatte den Begriff der Dunkelflaute mit großer Selbstverständlichkeit ver- wende. Ab welchem Zeitraum und in welcher Größenordnung eine Lücke in der Versorgung aus Wind- und Sonnenstrom bestehen müsse, um von einer „Dunkelflaute" zu sprechen, sei nicht festgelegt.  3 2.2. Auftreten Kalte Dunkelflauten sind in Deutschland bereits wiederholt aufgetreten. Häufig wird in diesem 4 Zusammenhang an die Situation in der zweiten Januarhälfte des Jahres 2017 erinnert. Sie ist              5 u. a. vom Berliner Thinktank Agora Energiewende in einem Rückblick auf das Jahr 2017 näher analysiert worden. Hierin führt er aus: 6 „Eine der zentralen Herausforderungen für das Stromsystem ist die Gewährleistung von Ver- sorgungssicherheit in Zeiten sehr geringer Einspeisung aus Erneuerbaren Energien. Dies gilt insbesondere in den frühen Abendstunden im Winter, wenn sowohl die Nachfrage nach Strom als auch nach Wärme ihren Tageshöchstpunkt erreicht („kalte Dunkelflaute“). Eine solche Situation ergab sich in den letzten beiden Januarwochen 2017 zwischen dem 2      Energy Brainpool GmbH & Co. KG (2017). Kalte Dunkelflaute: Robustheit des Stromsystems bei Extremwetter. Studie im Auftrag der Greenpeace Energy eG. Autoren: Huneke, Fabian/Linkenheil, Carlos Perez/Niggemeier, Marie-Louise. Berlin. 12.05.2017. S. 4. Links: www.energybrainpool.com/fileadmin/download/Studien/Stu- die_2017-06-26_GPE_Studie_Kalte-Dunkelflaute_Energy-Brainpool.pdf ; www.greenpeace-energy.de/fileadmin/docs/pressematerial/170629_GPE_Studie_Kalte-Dunkelflaute_Energy- Brainpool.pdf . 3      Vgl. Next Kraftwerke GmbH (2018). Was ist die Dunkelflaute? Köln. S. 1. Link: www.next-kraftwerke.de/wissen/strommarkt/dunkelflaute . 4      Vgl. u. a. Energy Brainpool GmbH & Co. KG (2017). Kalte Dunkelflaute: Robustheit des Stromsystems bei Ext- remwetter. Studie im Auftrag der Greenpeace Energy eG. A. a. O. S. 4. 5      Vgl. u. a. Next Kraftwerke GmbH (2018). Was ist die Dunkelflaute? Köln. S. 2. Link: www.next-kraftwerke.de/wissen/strommarkt/dunkelflaute ; Energiezukunft (ez) (2017). Die Angst vor der Dunkelflaute. Beitrag vom 09.02.2017. S. 1 f. Link: www.energiezukunft.eu/wirtschaft/die-angst-vor-der-dunkelflaute/ . 6      Vgl. Agora Energiewende (2018): Die Energiewende im Stromsektor: Stand der Dinge 2017. Rückblick auf die wesentlichen Entwicklungen sowie Ausblick auf 2018. Berlin. S. 51 – 53. Abschnitt 9.1: „Kalte Dunkelflaute“ vom 16. bis 25. Januar 2017. Link: www.agora-energiewende.de/fileadmin2/Projekte/2018/Jahresauswer- tung_2017/Agora_Jahresauswertung-2017.pdf . Zur Situation der Versorgungssicherheit während der kalten Dunkelflaute im Januar 2017 vgl. auch folgenden kritischen Beitrag: VERNUNFTKRAFT – Bürgerinitiative für vernünftige Energiepolitik. Januar 2017. „Energie- wende“ trifft frostige Wirklichkeit. Links: www.vernunftkraft.de/kaltflaute/ ; www.vernunftkraft.de/de/wp-con- tent/uploads/2017/02/Energiewende-trifft-frostige-Wirklichkeit-1.pdf .
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Wissenschaftliche Dienste              Dokumentation                                                         Seite 6 WD 5 - 3000 - 167/18 16. und dem 25. Januar: Für einen Zeitraum von zehn Tagen lag die maximal ins Netz einge- speiste Leistung aus Erneuerbaren-Energien jeweils um 19 Uhr lediglich zwischen 7,9 und 13,7 Gigawatt, wobei der Großteil hiervon von Wasserkraft- und Biomassekraftwerken bereit- gestellt wurde. Gleichzeitig betrug die nachgefragte Gesamtleistung von Industrie, Gewerbe und Haushalten zu diesen Zeitpunkten zwischen 72,8 und 76,0 Gigawatt ( … ).“                 7 Weiterhin teilt Agora Energiewende mit, dass die Stromeinspeisung um jeweils 19 Uhr in diesem Zeitraum überwiegend durch konventionelle Kraftwerke gedeckt worden sei. Eine Gefahr für die Versorgungssicherheit habe nicht bestanden.         8 Darüber hinaus gibt Agora Energiewende im Rückblick auf das Jahr 2018 Folgendes zu bedenken: Im Jahr 2018 sei zwar keine längere kalte Dunkelflaute aufgetreten, allerdings habe es von Mitte Februar bis Anfang März eine Periode mit Temperaturen von bis zu minus 20 Grad Celsius gege- ben, in die auch eine ca. sechstägige Phase gefallen sei, in der nur in geringem Umfang Strom aus Erneuerbaren Energien in das Netz eingespeist worden sei (17. bis 23. Februar). So hätten am 19. Februar 2018 in der Zeit von 17 bis 19 Uhr Erneuerbare Energien nur zu 11 Prozent zur De- ckung des inländischen Strombedarfs in Höhe von 77,1 beziehungsweise 78,9 Gigawatt beigetra- gen; sie seien zu knapp 70 Prozent durch Biomasse- und Wasserkraftanlagen bereitgestellt wor- den. Der weit überwiegende Teil des Strombedarfs sei dagegen durch Strom aus konventionellen Kraftwerken, vor allem aus Erdgas- und Braunkohlenkraftwerken, gedeckt worden. Ähnliche Ver- hältnisse seien auch im Oktober aufgetreten. Dennoch habe in diesen Tagen für Deutschland zu keiner Zeit eine kritische Engpasssituation bestanden.        9 Auch der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat die wetterbedingten Risiken einer Stromproduktion aus erneuerbaren Energien untersucht. Er teilt hierzu in einer Pressemitteilung vom 6. März 2018 u. a. mit: „Exemplarisch hat der DWD ausgewertet, wie oft in der Vergangenheit über einen Zeitraum von 48 Stunden in bestimmten Gebieten die mittlere Energieproduktion aus Wind und Sonne unter zehn Prozent der Nennleistung blieb. ( … ). Zugrunde gelegt wurden Leistungsmerkmale heutiger Windkraftwerke und Photovoltaikanlagen. Bei Windkraftanlagen auf dem deutschen Festland trat dieser Fall im Mittel etwa 23 Mal im Jahr auf. Werden auch Offshore-Windkraft- anlagen in den ausschließlichen Wirtschaftszonen Deutschlands in Nord- und Ostsee hinzuge- nommen, muss die Energiewirtschaft mit 13 Fällen pro Jahr rechnen. ( … ). Die Kombination von Windkraft auf Land und See mit Photovoltaik ergab ( … ) im Mittel für Deutschland noch 7     Agora Energiewende (2018): Die Energiewende im Stromsektor: Stand der Dinge 2017. A. a. O. S. 51. 8     Vgl. Agora Energiewende (2018): Die Energiewende im Stromsektor: Stand der Dinge 2017. A. a. O. S. 52. 9     Vgl. Agora Energiewende (2019): Die Energiewende im Stromsektor: Stand der Dinge 2018. Rückblick auf die wesentlichen Entwicklungen sowie Ausblick auf 2019. Berlin. Januar 2019. S. 61. Link: www.agora-energie- wende.de/fileadmin2/Projekte/2018/Jahresauswertung_2018/125_Agora-JAW-2018_WEB.pdf .
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Wissenschaftliche Dienste               Dokumentation                                                       Seite 7 WD 5 - 3000 - 167/18 2 Fälle. Bei einer europaweiten Betrachtung trat der Musterfall schließlich nur noch 0,2 Mal im Jahr auf.“  10 Der DWD fährt fort, die Verwendung anderer Schwellenwerte bei den Erträgen oder Zeitperioden führe zu ähnlichen Ergebnissen. Anschließend gibt er jedoch zu bedenken, dass sich Wind und Sonne im Durchschnitt zwar gut ergänzten, in Deutschland jedoch trotzdem Situationen auftre- ten könnten, in denen beide Energieformen gleichzeitig nur wenig Strom einspeisen würden. Ein weiterer Ausbau erneuerbarer Energien erfordere deshalb zugleich Strategien zur Gewährleistung der Netzstabilität, zum Beispiel durch Reservekraftwerke, Speicher oder einen großräumigen Stromaustausch.     11 2.3. Überbrückung Wie in den vorangehenden Ausführungen anklingt, werden zur Überbrückung künftiger Stromengpässe infolge von Dunkelflauten verschiedene Lösungsansätze diskutiert, hierunter der Einsatz von - flexibel nutzbaren konventionellen Kraftwerkskapazitäten (insbesondere von Gaskraftwerken), - Maßnahmen des Last- bzw. Demand Side Managements, - Stromspeichern (insbesondere von längerfristig nutzbaren Speichern wie großen Pumpspei- cheranlagen sowie Speichern auf der Grundlage von Power-to-Gas-Technologien), - Stromimporten im Rahmen des europäischen Stromverbundes. In diesem Zusammenhang wird auf einen Beitrag des Fachportals energie-experten.org zur Frage „Was ist eine Dunkelflaute?“ aufmerksam gemacht, in dem sich u. a. folgende Aussagen finden: „Um Dunkelflauten in der deutschen und europäischen Stromversorgung zu überbrücken, können einerseits flexible Erzeugungsanlagen wie Gaskraftwerke (zum Beispiel mit Bio- oder Erdgas) eingesetzt werden. Eine weitere Möglichkeit sind Speichersysteme. Um mit Speichern einen effizienten Aus- gleich zwischen Stromangebot und -nachfrage zu erzielen, bedarf es kurzfristiger Flexibilitäts- optionen wie Batteriespeicher, mittelfristiger Flexibilitätsoptionen wie Pumpspeicher und Langzeitspeichersysteme wie mit Elektrolysegas aus erneuerbaren Energien und Biogas ge- füllte Gasspeicher. Grundsätzlich gilt: Je mehr Flexibilitätsoptionen zur Verfügung stehen und je geringer die Klimaschutzanforderungen sind, desto weniger Langzeitspeicher müssen einge- setzt werden. Zudem muss die Stromnachfrage durch ein verbessertes Demand Side Management stärker ge- steuert werden können, um die Stromnachfrage zu flexibilisieren. Indem der Stromverbrauch teilweise zeitlich verlagert wird, kann Demand Side Management bei höheren Anteilen 10    Deutscher Wetterdienst (2018). Pressemitteilung. Klima-Pressekonferenz 2018 des Deutschen Wetterdienstes. Wetterbedingte Risiken der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien durch kombinierten Einsatz aus Wind- kraft und Photovoltaik reduzieren. Berlin. 6. März 2018. S. 1. Link: www.dwd.de/DE/presse/pressekonferen- zen/DE/2018/PK_06_03_2018/pressemitteilung_20180306.pdf?__blob=publicationFile&v=4 . 11    Vgl. Deutscher Wetterdienst (2018). Pressemitteilung. A. a. O. S. 1.
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Wissenschaftliche Dienste                Dokumentation                                               Seite 8 WD 5 - 3000 - 167/18 schwankender Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien zur Flexibilisierung des Stromsys- tems beitragen. Neben großen und energieintensiven Unternehmen werden zunehmend auch Haushalte mit Photovoltaik-Batteriesystemen, elektrischen Heiz- und Warmwassersystemen in Verbindung mit thermischen Speichern sowie Elektrofahrzeugen zum Demand Side Manage- ment herangezogen, um Dunkelflauten abzufedern bzw. zu vermeiden.“               12 Darüber hinaus wird in dem Beitrag darauf hingewiesen, dass bei länderübergreifenden Dunkel- flauten die Anrainerstaaten oft mit dem gleichen Problem der Stromknappheit wie Deutschland konfrontiert seien. Insofern spiele neben der zeitlichen auch die räumliche Dimension einer Dun- kelflaute eine entscheidende Rolle hinsichtlich der Sicherstellung der Stromversorgung.           13 In Presseveröffentlichungen werden ebenfalls Bedenken geäußert, sich zur Überbrückung kalter Dunkelflauten in Deutschland auf Stromimporte aus dem europäischen Ausland zu verlassen. So verweist beispielsweise der stellvertretender Büroleiter des Handelsblatts in Berlin, Klaus Strat- mann, in einem Beitrag in der Ausgabe des Handelsblatts vom 2. Januar 2019 auf ähnliche wet- terbedingte Anspannungen in der Stromversorgung der Nachbarstaaten und konstatiert, dass fos- sile Energieträger auch künftig für die Gewährleistung einer verlässlichen Stromversorgung in Deutschland unverzichtbar seien. Er merkt kritisch an: „Das Jahr 2018 war also wieder ein voller Erfolg für die Betreiber von Anlagen zur Stromer- zeugung mittels Wind, Sonne, Wasser und Biogas. Doch der Schein trügt. Ein Blick auf die Er- zeugungsdaten des Monats Dezember 2018 verdeutlicht das. Die Sonnenstromproduktion war in der eher trüben Vorweihnachtszeit über weite Strecken kaum relevant. Mitte Dezember gab es zudem einige Tage mit sehr geringer Windstromerzeugung. Ohne Kohle, Gas und auch Atomkraft wäre die Stromversorgung zusammengebrochen. Hilfe aus dem Ausland wäre nur sehr eingeschränkt möglich gewesen. Denn in den Nachbarstaaten war Strom über weite Stre- cken knapp. Europäische Solidarität endet immer dann, wenn die Gefahr besteht, dass im ei- genen Land die Lichter ausgehen. Wenn die jährliche Energiebilanz für die Erneuerbaren von Jahr zu Jahr positiver ausfällt, so fußt diese Feier auf einer sehr einseitigen Betrachtung der reinen Produktionsmengen. Über den Beitrag der Erneuerbaren zu einer verlässlichen Stromversorgung ist damit wenig gesagt. Man mag sich eine schönere Welt wünschen, aber ohne fossile Kraftwerke als Back-up-Lösung geht es nicht. Nur sie können dafür sorgen, dass zu jeder Sekunde eines Jahres ausreichend Strom erzeugt wird. Das wird sich auch dann nicht nennenswert ändern, wenn die Bundesregierung ihr Ziel errei- chen sollte, den Anteil der Erneuerbaren an der Stromerzeugung bis 2030 auf 65 Prozent zu steigern. Fallen Windflaute und schwache Solarstrom-Ausbeute zusammen, müssen die Fossi- len in die Bresche springen - und sei die Jahresbilanz der Erneuerbaren auch noch so positiv. Es zeichnet sich keine brauchbare Lösung für dieses Problem ab. Wer Deutschland über eine Dunkelflaute - also eine Phase ohne nennenswerte Wind- und Sonnenstromproduktion - retten 12    energie-experten.org (2018). Was ist eine Dunkelflaute? S. 3. Link: www.energie-experten.org/erneuerbare-energien/oekostrom/energiespeicher/dunkelflaute.html . 13    Vgl. energie-experten.org (2018). Was ist eine Dunkelflaute? A. a. O. S. 1.
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Wissenschaftliche Dienste               Dokumentation                                                          Seite 9 WD 5 - 3000 - 167/18 will, ist auf fossile Kraftwerke angewiesen. Solche Phasen gibt es immer wieder, und sie kön- nen gut und gerne zwei Wochen andauern. Kostengünstige Stromspeicher, mit denen man in großem Stil Strom aus wind- und sonnenreichen Tagen auffangen könnte, sind nicht in Sicht. ( … ).“ 14 Vor dem Hintergrund einer Untersuchung zur Verfügbarkeit ausländischer Kraftwerkskapazitäten für die Stromversorgung in Deutschland warnt darüber hinaus der BDEW Bundesverband der 15 Energie- und Wasserwirtschaft e.V. davor, sich in Deutschland darauf zu verlassen, künftig Pha- sen kalter Dunkelflauten durch Stromimporte aus den europäischen Nachbarstaaten überbrücken zu können. Unter teilweise wörtlicher Bezugnahme auf Ausführungen des Vorsitzenden der BDEW-Hauptgeschäftsführung, Stefan Kapferer, teilt der Verband in einer Presseinformation zu der Untersuchung mit, dass fast überall in Europa gesicherte Stromerzeugungskapazitäten vom Netz genommen werden sollen. Dies sei keine zufällige Entwicklung, sondern eine logische: Alle EU-Staaten strebten – richtigerweise – den Ausbau der Erneuerbaren Energien an. In der Folge seien auch die Nachbarn Deutschlands in Europa dabei, ihre konventionellen, sicheren Kapazitä- ten zu reduzieren. Die Zeiten, in denen sehr viel Strom nachgefragt werde, seien in Mitteleuropa nahezu deckungs- gleich. Sei die Stromnachfrage in Deutschland hoch, sei dies in der Regel auch in den angrenzen- den Staaten der Fall. Ein besonders kalter Winter mache nicht an einer deutschen Grenze halt. Und die stromintensiven Werktage seien in Europa auch identisch. Wir könnten uns in solchen Phasen nicht darauf verlassen, aus diesen Ländern Strom in nennenswertem Umfang importieren zu können. Leider funktioniere auch die Idee nicht, die Versorgungssicherheit in Deutschland mit dem Import von mehr Erneuerbaren-Strom aus dem EU-Ausland abzusichern. Die für Wind 14    Deutscher Bundestag – Pressedokumentation (2019). Stratmann, Klaus. Erneuerbare Energien. Trügerische Bi- lanz. Der Strom aus erneuerbaren Quellen wird immer wichtiger, aber nicht immer verlässlicher, kritisiert Klaus Stratmann. In: Handelsblatt. 02.01.2019. S. 13. Vgl. auch: Deutscher Bundestag – Pressedokumentation (2018). Stratmann, Klaus. Der Zwist um den Ausstieg aus der Kohle. Aktuelle Zahlen belegen, dass der Anteil von Strom aus Kohlekraftwerken rapide sinkt. Aus Sicht der Branche schmälert das den Handlungsdruck. Doch Klimaschützer wollen das nicht gelten lassen. Peter Altmaier muss sich entscheiden. In: Handelsblatt. 18.04.2018. S. 6; Deutscher Bundestag – Pressedokumentation (2018). Wetzel, Daniel (2018). Der Strom geht aus. Deutschland rechnet mit der Hilfe der Nachbarländer. Das wird nicht funktionieren. In: Die Welt. 23.08.2018. S. 12; Deutscher Bundestag – Pressedokumentation (2018). Meier, Jürg/Ziegert, Susanne. Alarm in der Stromversor- gung Der deutsche Branchenverband warnt vor einem Kraftwerksterben, das auch der Schweiz Probleme berei- ten könnte. Das Bundesamt für Energie widerspricht. NZZ am Sonntag. 06.05.2018. S. 34. 15    Vgl. BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (2018). Fakten und Argumente. Verfügbar- keit ausländischer Kraftwerkskapazitäten für die Versorgung in Deutschland. Berlin. 16. August 2018. Link: www.bdew.de/media/documents/Awh_20180816_Verfuegbarkeit-auslaendischer-Kraftwerkskapazitaeten.pdf .
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Wissenschaftliche Dienste                 Dokumentation                                                      Seite 10 WD 5 - 3000 - 167/18 und Photovoltaik entscheidenden Großwetterlagen führten in Zentraleuropa zu einer mehr oder weniger deutlichen Gleichzeitigkeit von Erzeugungsmangel oder Überflusssituationen.                     16 Abschließend stellt der Verband im Fazit der Presseinformation fest: „Es wäre zu riskant, wenn sich Deutschland zum Beispiel in einer Winter-Dunkelflaute auf Stromimporte verlassen würde. Wir werden in Deutschland neue Erzeugungskapazitäten auf Basis von Gas brauchen. Die Bedin- gungen für Energiespeicher und Kraft-Wärme-Kopplung müssen sich verbessern sowie alle Opti- onen zur Nachfrageflexibilisierung ergriffen werden. Der Netzausbau muss deutlich beschleunigt werden."  17 Eine besondere Bedeutung im Hinblick auf die Überbrückung kalter Dunkelflauten misst der BDEW regenerativ erzeugtem Gas zu. In einer gemeinsam mit dem Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches e.V. (DVGW) herausgegebenen Untersuchung wird hierzu unter Verweis auf die eingangs erwähnte Studie der Energy Brainpool GmbH & Co. KG festgestellt:     18 „Bei einem überwiegend auf Erneuerbaren Energien basierenden Energiesystem können Darge- botsengpässe im europäischen Strommarkt durch eine sogenannte Dunkelflaute auftreten. Im Fall einer Dunkelflaute ist nahezu keine Erzeugung aus Photovoltaik und Windenergie mög- lich. Erneuerbares Gas ist absehbar eine wichtige Möglichkeit, um genügend Energie zu spei- chern und in solchen Situationen Versorgungssicherheit gewährleisten zu können.“                     19 16    Vgl. BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (2018). Presseinformation. BDEW-Analyse zur Entwicklung der konventionellen Kraftwerke in Europa: Kraftwerks-Kapazitäten in der Europäischen Union schmelzen dahin. Berlin. 22.08.2018. S. 2 f. Link: www.bdew.de/presse/presseinformationen/kraftwerks-kapazi- taeten-der-europaeischen-union-schmelzen-dahin . Vgl. auch BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (2018). Klimaschutz und Versorgungs- sicherheit sind gleich wichtig. Um die Klimaschutzziele 2020 und 2030 zu erreichen, darf die Versorgungssi- cherheit nicht gefährdet werden. Berlin. Link: www.bdew.de/energie/energiewende-wir-machen-tempo/klima- schutz-und-versorgungssicherheit-sind-gleich-wichtig . 17    BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (2018). Presseinformation. BDEW-Analyse zur Entwicklung der konventionellen Kraftwerke in Europa: Kraftwerks-Kapazitäten in der Europäischen Union schmelzen dahin. A. a. O. S. 3. 18    Vgl. S. 5, Fußnote 2 dieser Dokumentation. 19    BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V./DVGW Deutscher Verein des Gas- und Wasserfa- ches e.V. (Hrsg.) (2018). Infrastrukturen verbinden. Die Bedeutung der Gasinfrastruktur und von Power-to-Gas für die Energiewende Botschaften und Forderungen von BDEW und DVGW zur infrastrukturellen Kopplung des Strom- und Gasnetzes. Berlin/Bonn. Stand: November 2018. S. 8. Link: www.bdew.de/media/documents/BDEW_DVGW_Positionspapier_Infrastrukturen_verbinden_2018.pdf . Vgl. auch BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V./DVGW Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e.V. (2018). Potenziale von Gas für die Sektorkopplung nutzen. Gemeinsame Pressemitteilung vom 01.02.2018. Berlin. Link: www.bdew.de/presse/presseinformationen/potenziale-von-gas-fuer-die-sektor- kopplung-nutzen .
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