„Zugang zum Suchthilfesystem
Dieses Dokument ist Teil der Anfrage „Impfstoffe“
- 13 - Webseite umgesetzt, sodass mit der geplanten Weiterentwicklung der GSB-basierten SafeVac-App weiterhin Synergien genutzt werden. 3.8. Technische Kenndaten der App Die App ist eine Smartphone App als Weiterentwicklung der GSB-basierten SafeVac 1.0 App. Sie kann vom Nutzer somit an jedem Ort flexibel genutzt werden. Die App wendet sich an Impflinge. Die App wird als Cross-Plattform App6 für die Betriebssysteme iOS (Apple) und Android (Google) entwickelt. Die App unterstützt die folgenden Betriebssystem-Versionen: iOS: Unterstützung der Versionen iOS 12 und iOS 13 sowie die aktuelle Version iOS 14 Android: Unterstützung der Versionen ab 5.0 bis 9.0 sowie die aktuelle Version 10.0 Im Zuge der Umsetzung werden für die Betriebssysteme iOS und Android die folgenden beiden Referenzgeräte eingesetzt: iPhone XS Google Pixel 2 Mit der Kombination von Geräten und Betriebssystemen (und deren Versionen) soll repräsentativ eine Menge abgedeckt werden, die der tatsächlichen Verbreitung der Geräte entspricht. Es soll sichergestellt werden, dass der größte Teil der Nutzer die App exakt so sieht, wie sie konzipiert wurde. Auf anderen Smartphones und Betriebssystemversionen kann es zu Abweichungen zur Konzeptionsreferenz kommen. Die mit der App erfassten Daten werden über eine noch zu implementierende Schnittstelle von den Servern des ITZBund in die PEI-Nebenwirkungsdatenbank geschrieben. Die aus der App stammenden unerwünschten Ereignisse werden speziell gekennzeichnet, damit eine separate Auswertung möglich ist. Die App ist zweisprachig in deutscher und englischer Sprache. Für das Einstellen der App in den App Store von Apple bzw. in den Play Store von Google wird das bestehende Benutzerkonto des PEI erneuert. 3.9. Datenerfassung mithilfe der SafeVac 2.0-App Die native SafeVac 2.0 (Version: iOS ≥12, Android ≥5.0) kann entweder über eine Suchfunktion im App Store, im Google Play Store oder über eine Verlinkung (QR-Code) heruntergeladen werden. Der App-Download kann bereits vor der COVID-19-Impfung erfolgen. Der Impfling initialisiert die Teilnahme an der Studie mit Eingabe des Impfstoffnamens (Handelsname), der Chargennummer, der Dosisnummer, des Impfdatums (diese Angaben sind 6 Cross-Plattform App – Genutzt wird das Flutter Framework. Dabei wird eine Code Basis mit der Programmiersprache Dart generiert. Diese wird durch einen Transpiler dann in die native Sprache des jeweiligen Betriebssystems übersetzt. Seite 13 von 26 SafeVac 2.0 Studienprotokoll, Version 1.1, 13.12.2020
- 14 - vom Praxispersonal in den Impfpass bzw. Impfzertifikat eingetragen worden oder sind vom Sticker abzulesen, der in den Impfpass eingeklebt wurde) und der Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO. Grund für die Impfung). Nach erfolgter Eingabe von Handelsnamen und gültiger Chargennummer wird serverseitig eine eineindeutige Fall-ID generiert und dem anfragenden Smartphone mitgeteilt. Die Fall-ID wird als eine UUID der Version 4 (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Universally_Unique_Identifier#(Pseudo)zuf%C3%A4llig_generierte_UUIDs_(Version _4) ) erzeugt, ohne Daten vom anfragenden Smartphone zu verwenden. Obwohl es dabei schon eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit für Dubletten gibt, wird anschließend in der Datenbank nachgesehen, ob sie nicht schon verwendet wird. Ggf. wird dann eine neue UUID erzeugt. Innerhalb der SafeVac 2.0-App müssen die Teilnehmer/innen noch die Nutzungsbedingungen (enthält Informationen zum Datenschutz) akzeptieren und der freiwilligen Studienteilnahme zustimmen. Es müssen keine personenbezogenen Daten wie Name, Vorname, Adresse oder Telefonnummer eingegeben werden. Die Teilnahme an der Studie kann auch noch nach Gabe der zweiten Dosis begonnen werden. In diesem Fall wird die Initialisierung mit Eingabe des Handelsnamens, der Chargennummer, der Dosisnummer, des Impfdatums sowie der Impfempfehlung der STIKO für die zweite Dosis durchgeführt. Informationen zum Impfstoff, der bei der ersten Dosis verwendet wurde, dem Impfzeitpunkt (Impfdatum) und zur Verträglichkeit der ersten Dosis werden in diesem Fall retrospektiv erhoben, zur Verträglichkeit der zweiten Dosis läuft die Befragung prospektiv ab. Pflichtangaben durch Teilnehmer/innen in die App umfassen Angaben zu den erhaltenen COVID-19-Impfungen (Handelsname, Chargennummer, Dosisnummer, Impfdatum, Impfempfehlung der STIKO) sowie Alter und Geschlecht des/der Teilnehmer/in. Des Weiteren wird der/die Nutzer/in aufgefordert, auf freiwilliger Basis anderweitige Impfungen in den letzten 2 Wochen, Begleiterkrankungen und Dauermedikation, Größe und Gewicht einzutragen (s. Anlagen 1 und 2). Das Auftreten bzw. Ausbleiben von Symptomen soll ebenfalls auf freiwilliger Basis anhand der App über einen Zeitraum 3 bzw. 4 Wochen nach jeder Impfung dokumentiert werden. Zudem soll der/in Nutzer/in 6 und 12 Monate nach dem letzten Impfzeitpunkt dazu befragt werden, ob eine COVID-19-Erkrankung aufgetreten ist und, wenn ja, wie lange sie gedauert hat und wie schwer sie war. Die Teilnehmer/innen können in der App optional bestätigen, dass sie mit dem Erhalt von Erinnerungsbenachrichtigungen durch die App einverstanden sind (Default: aktiviert). Wenn die Studienteilnehmer/innen dieser Option zugestimmt haben, werden sie in regelmäßigen Abständen, zunächst in kürzeren und später in längeren Intervallen, mithilfe von Erinnerungsbenachrichtigungen (Local Notifcations) befragt, ob und wann Symptome aufgetreten sind, wie lange die Symptome angedauert haben. Dabei erfasst die App zusätzlich das Datum und die Uhrzeit der Eintragung. Der Zeitpunkt der ersten LocalNotification wird vom/von dem/der Teilnehmer/in durch die Eintragung des Impfzeitpunktes (Datum und Uhrzeit) bestimmt. Über ein Icon im Hauptmenü gelangt der/die Nutzer/in zu weiteren Funktionen der App, wie z.B. eine Übersicht der eingegebenen Daten und Kontaktmöglichkeiten (Telefonnummer und E-Mail-Adresse des Paul-Ehrlich-Institutes, Information über weitere Meldewege bei Auftreten von möglichen UEs). Das E-Mail-Postfach der Studie steht unter anderem bei technischen Störungen, Fragen zu der App oder Studie zur Verfügung. Bei Fragen bezüglich Seite 14 von 26 SafeVac 2.0 Studienprotokoll, Version 1.1, 13.12.2020
- 15 - Symptomen werden die Teilnehmer/innen an ihre(n) Arzt/Ärztin und an eine PEI-Hotline verwiesen. Nach erfolgter Teilnahme an der Studie bzw. beim Studienabbruch werden die Teilnehmer/innen zusätzlich noch nach der Zufriedenheit mit der App sowie nach Verbesserungsvorschlägen dazu gefragt (s. Anlagen 1 und 2). 3.10. Technische Informationen zur Initialisierung der App und zum Meldevorgang Die Meldungen eines/r Teilnehmers/in werden in der App verschlüsselt auf dem jeweiligen mobilen Endgerät abgelegt (s. Anlage 3). Hierbei werden die Verschlüsselungsmechanismen von iOS und Android eingesetzt. Bei jedem Aufruf der App stehen die bisherigen Angaben eines Teilnehmers auch ohne einen externen Zugriff auf ein anderes System (und damit ohne eine Internetverbindung) zur Verfügung. 3.11. Technische Informationen zur Übermittlung der in die App eingegebenen Daten Falls die Teilnehmer/innen der Notification-Funktion zugestimmt haben, erhalten sie in regelmäßigen Abständen Local Notifications, in denen sie nach dem Auftreten bzw. Ausbleiben von Symptomen gefragt werden (s. Anlage 3). Diese Notifications werden nicht vom Apple- oder Google Server verschickt, sondern lokal von dem genutzten Smartphone. Die von den Teilnehmern/innen eingegebenen Daten werden anschließend mithilfe der standardisierten Verschlüsslungsmechanismen von iOS und Android im jeweiligen mobilen Endgerät abgelegt. Bei jedem Aufruf der App stehen damit die bisherigen Angaben der Teilnehmer/innen auch ohne eine Internetverbindung zur Verfügung, da sie verschlüsselt im Gerätespeicher liegen. Bei einer Deinstallation der App werden die im Gerätespeicher liegenden Daten gelöscht. Die Übertragung der Daten vom Speicher des Smartphones zur intermediären Datenbank (Government Site Builder-Applikationsdatenbank) des ITZBund geschieht, sobald eine Internetverbindung besteht (Abbildung 1). Die Kommunikation zwischen dem Smartphone und dem ITZ-Bund erfolgt über das Kommunikationsprotokoll HTTPS (SSL). Bevor die Daten übermittelt werden, wird geprüft, ob die Fall-ID gültig ist. Wenn die Fall-ID vom Server nicht als gültig erkannt wird, findet kein Transfer von Daten statt. Die Daten in der intermediären Datenbank werden einmal täglich als JSON-Datei in ein Verzeichnis auf einen SFTP-Server kopiert. Dieses Verzeichnis ist passwortgeschützt. Das PEI hat die Zugriffsberechtigung auf das Verzeichnis, ruft täglich die Daten über das „Pull-Prinzip“ auf und pflegt diese in die Arzneimittelsicherheitsdatenbank des PEI ein. Die Kommunikation zwischen der GSB-Applikationsdatenbank und dem PEI erfolgt über die Netze des Bundes (NdB) und zusätzlich per SFTP. Seite 15 von 26 SafeVac 2.0 Studienprotokoll, Version 1.1, 13.12.2020
- 16 - Abbildung 1: Datenübermittlung Das Verfahren wurde im Zuge der Implementierung angepasst und im Sinne der Datensicherheit optimiert. Der Hauptgrund für diese Änderung ist die Absicherung vor unbefugter Datenzulieferung in die ITZBund- und damit die PEI-Datenbank: also Gründe der Datensicherheit. Nach dem neuen Verfahren erzeugt der GSB-Server bei der Anfrage der App nach der Gültigkeit der von der Nutzerin bzw. dem Nutzer eingegeben Chargennummer im Falle der Gültigkeit der Chargennummer serverseitig eine Fall-ID. Diese Fall-ID wird allein serverseitig ermittelt und enthält keinerlei Daten das anfragenden Smartphones. Das nach der Gültigkeit der Chargennummer anfragende Smartphone erhält somit vom Server eine Fall-ID und verwendet diese für zukünftige Meldungen an den Server. Nach diesem neuen Verfahren geht die Geräte-Nummer in keiner Weise in die Ermittlung der Fall-ID ein. Generell erfolgt die Zurückweisung von Anfragen immer dann, wenn diese nicht mit einer korrekten Fall-ID legitimiert werden. Hierbei wird der http Request mit einem entsprechendem HTTP Status Code quittiert. Auch die Anfrage zum Erzeugen einer Fall-ID mit einer ungültigen Chargennummer wird mit einem entsprechenden Status Code quittiert. HTTP Hyper Text Transfer Protocol, ITZ: Informationstechnikzentrum, PEI: Paul-Ehrlich-Institut 3.12. Feedback-Fragen Die Studienteilnehmer/innen haben zudem die Möglichkeit, freiwillig im Abschlussdialog Angaben zu ihrer Zufriedenheit mit der App sowie Verbesserungsvorschläge zu machen. Hierzu kann in einer Auswahlliste zwischen verschiedenen Bewertungen die Zufriedenheit mit der App gewählt werden: sehr zufrieden, zufrieden, weniger zufrieden, unzufrieden. Zusätzlich können in einem Freitextfeld Verbesserungsvorschläge der Nutzerin oder des Nutzers mitgeteilt werden. 3.13. Technische Maßnahmen zum Schutz vor Missbrauch und unbefugtem Zugriff Schutz vor unbefugtem Zugriff auf die SafeVac 2.0-App Serverseitig werden nur Meldungen einer gültigen Fall-ID akzeptiert. Die Fall-ID wird serverseitig erzeugt und dem anfragenden Smartphone bei der Eingabe der ersten Impfdosis auf Basis von Handelsnamen und gültiger Chargennummer des Impfstoffs mitgeteilt. Alle folgenden Meldungen müssen jeweils eine gültige Fall-ID haben. Hierdurch wird erreicht, dass die Datenbank nicht mit falschen Fall-IDs unbefugter Nutzer gefüllt werden kann. Meldungen in die Datenbank sind immer nur unter Angabe einer gültigen Fall-ID möglich. Seite 16 von 26 SafeVac 2.0 Studienprotokoll, Version 1.1, 13.12.2020
- 17 - Passwortschutz Zusätzlich dazu kann die SafeVac 2.0-App optional passwortgeschützt werden. Dies ist als Standardeinstellung deaktiviert (Default-Funktion). Bei der Erstanmeldung werden die Teilnehmer/innen aufgefordert, ein Passwort einzurichten. Zusätzlich wird darauf aufmerksam gemacht, dass bei Vergessen des Passworts kein Zugriff auf die App mehr besteht, denn das Passwort kann aus Datenschutzgründen nicht zurückgesetzt werden (dafür wäre ein persönlicher Account und eine E-Mail-Adresse notwendig, was beides aus Datenschutzgründen nicht besteht). Ein Ampelsystem, welches die Sicherheit des Passwortes einstuft, unterstützt den/die Teilnehmer/in hierbei. Sichere Passwörter (von mind. 8 Zeichen Länge und bestehend aus mind. einem Großbuchstaben, einem Kleinbuchstaben, einem Sonderzeichen und einer Zahl) werden als grün gekennzeichnet. Der/die Teilnehmer/in kann auch weniger komplexe Passwörter wählen, wird jedoch davor gewarnt (Ampelsystem). Ein Passwort muss mindestens aus 4 Zeichen bestehen. Gegen Brute-Force-Angriffe werden vorrübergehende Kontosperrungen implementiert. Diese erfolgt nach drei falschen Eingaben des Passwortes für einen Zeitraum von fünf Minuten. Danach ist das Konto mit dem aktuell gültigen Passwort wieder zugänglich. 3.14. Fristen für die Löschung der App-Daten nach Studienende Tabelle 2 gibt einen Überblick über Fristen für die Löschung/Sperrung der App-Studiendaten nach Studienabschluss. Tabelle 1: Fristen für die Löschung/Sperrung der App-Studiendaten nach Studienabschluss Speicher der Studiendaten Fristen Der/die Teilnehmer/in hat bis 4 Wochen nach der letzten Befragung (13 Monate nach der letzten Impfung) Lesezugriff auf die App-Daten, danach erfolgt eine Smartphone automatische Sperrung durch die App. Die von den Nutzerinnen und Nutzern eingegebenen Daten können dann nicht mehr eingesehen werden. Die App kann nur noch deinstalliert werden. GSB-Applikationsdatenbank (ITZ- 13 Monate, Löschung erfolgt durch berechtigte Mitarbeiter/innen des ITZ- Bund) Bundes Löschung erfolgt täglich durch berechtigte Mitarbeiter/innen des SFTP-Server (ITZ-Bund) Studiensekretariats im PEI Keine Löschung vorgesehen (gemäß EU Verordnung (EU 726/2004), PEI-Server Arzneimittelgesetz (§63c)) ITZ: Informationstechnikzentrum, GSB: Government Side Builder-Applikationsbank, PEI: Paul-Ehrlich-Institut, SFTP: Secure File Transfer Protocol Seite 17 von 26 SafeVac 2.0 Studienprotokoll, Version 1.1, 13.12.2020
- 18 - 3.15. Widerruf der Teilnahme an der Studie Die Teilnahme an der Studie erfolgt ausschließlich auf freiwilliger Basis. Bevor die Daten zu Forschungszwecken erhoben werden dürfen, muss eine elektronische Einwilligung zur Teilnahme an der Studie vorliegen. Sobald die Teilnehmer/innen Daten in die App eingegeben haben und eine Internetverbindung besteht, werden die in die App eingegeben Daten erfasst und mit einer Zufallsnummer übertragen. Über die Option „Daten löschen“ haben Teilnehmer/innen aber auf Wunsch die Möglichkeit, ihre erfassten Daten löschen zu lassen. Hierzu wird der entsprechende Datensatz – ermittelt anhand der Fall-ID, die übergeben wird – in der Datenbank des ITZBund gelöscht. Auch in der PEI-Datenbank ist das Löschen der Inhalte möglich, allerdings bleibt der „leere“ Datensatz der Fall-ID mit Angabe des Grundes für die Löschung erhalten. Zudem ist jegliche Nutzung der App (z.B. Dateneingabe) durch den/die Teilnehmer/in frei zu bestimmen und zu entscheiden. Die Möglichkeit, zu jedem Zeitpunkt nicht mehr an der Studie teilnehmen zu können und dass dann aufgrund dieser Meldung die bislang erhobenen Daten des jeweiligen Teilnehmers gelöscht werden, kommt einem Widerruf in der Praxis gleich. Unter Löschung der Daten, die von der SafeVac App mittels Smartphone an die Applikationsdatenbank des ITZBundes übertragen werden und dann die PEI Datenbank übermittelt werden, muss zwischen einem Datensatz unterschieden werden, der eine unerwünschte Reaktion nach Impfung enthält (entspricht der Verdachtsmeldung einer unerwünschten Impfreaktion an das PEI) und solchen Datensätzen, die keine unerwünschten Reaktionen enthalten. Damit die Informationen aus der SafeVac App klassifiziert werden können, werden die eingegangen Datensätze in einem speziellen Verzeichnis der PEI-Datenbank gespeichert und nach den entsprechenden Inhalten, Vorliegen einer Nebenwirkung oder nicht, sortiert. Alle Datensätze, die den Mindestkriterien einer Verdachtsmeldung einer Nebenwirkung entsprechen, werden gemäß den Vorschriften des § 62 Arzneimittelgesetz und der im PEI geltenden Verfahrensanweisung (S-S1-VA- 006, Dokumentation und Bearbeitung von unerwünschten Arzneimittelwirkungen und Impfreaktionen) bearbeitet. Sobald die Verdachtsmeldung einer Nebenwirkung als valide klassifiziert ist, wird diese Verdachtsmeldung in der PEI Datenbank dokumentiert und mit einer neuen, eindeutigen Worldwide Case ID (entspricht der PEI- Fallnummer) versehen, die nicht der zufälligen Meldenummer entspricht. Unter dieser PEI-Fallnummer wird die Verdachtsmeldung dann elektronisch an die Datenbank der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) entsprechend den Verpflichtungen nach dem Arzneimittelgesetz und in einem gesetzlich vorgeschriebenen Format (ICH E2B (R3)) gesendet. Es gibt verschiede Gründe, eine Meldung zu Löschen (siehe EMA Good Vigilance Practice Module VI, 28 July 2017, EMA/873138/2011 Rev 2*). Ein Teilnehmer der Smartphone App Studie kann jederzeit ohne Angabe von Gründen die Löschung eines Verdachtsfalles in der PEI Datenbank (Nullifizieren) erwirken. In diesem Fall werden die Inhalte der betreffenden Verdachtsmeldung vollständig gelöscht. Die zugeordnete Fallnummer bleibt jedoch bestehen und wird mit einem Vermerk versehen, der den Zeitpunkt und den Grund der Löschung beschreibt. Sofern eine Meldung an die europäische Nebenwirkungsdatenbank bei der EMA gegangen ist (im Fall einer unerwünschten Reaktion), beantragt das PEI auch dort eine Lösung aller Inhalte der Meldung unter Angabe des Seite 18 von 26 SafeVac 2.0 Studienprotokoll, Version 1.1, 13.12.2020
- 19 - Grundes für die Löschung. Die EMA verfährt nach dem gleichen Verfahren und versieht die PEI-Fallnummer mit dem Kommentar zum Grund der Löschung. Am Ende sind bei einer Nullifizierung eines Falls alle Verdachtsfall- bezogenen Informationen aus der PEI-Datenbanken und der EMA-Datenbank gelöscht. 3.16. Datenschutz Da die Fall-ID automatisch bei Eingabe der Pflichtfelder erstellt wird und keine personenbezogenen Daten eingegeben werden, ist eine Re-Identifizierung von Teilnehmer/innen nicht möglich. Der Übertragungsweg erfasster Meldungen aus der App in die Nebenwirkungsdatenbank des PEI orientiert sich an dem Übertragungsweg der Meldungen aus dem Internetauftritt „Online-Meldung von Nebenwirkungen“ (https://nebenwirkungen.bund.de bzw. https://nebenwirkungen.pei.de/nw/DE/home/home_node.html). Bei der Erstellung des Datenschutzkonzeptes wurde das PEI durch den Datenschutzbeauftragen des PEI und den Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI) beraten. 4. Ethische / rechtliche Gesichtspunkte Die Befragung wurde durch die zuständige Ethik-Kommission berufsethisch und berufsrechtlich beraten. Eine Versicherung der Teilnehmer/innen ist nicht erforderlich, da es sich nicht um eine Interventionsstudie handelt. 5. Anzeige der Studie Im Sinne des AMG handelt es sich um eine Anwendungsbeobachtung. Die Anzeige gemäß § 67 Abs. 6 Arzneimittelgesetz erfolgt durch das PEI. 6. Verwendung der Ergebnisse Die Inzidenzen v.a. der UE, die nicht in die Fachinformation des jeweiligen COVID-19-Impfstoffs aufgenommen wurden, werden im Rahmen einer Observed-versus-Expected (OvE) –Analyse mit den alters- und geschlechtsspezifischen Inzidenzen dieser Ereignisse in der Bevölkerung verglichen. Diese sog. „Hintergrundinzidenzen“ erhält das PEI aus einem anderen Projekt mit dem Robert Koch-Institut bzw. bezieht sie über das Statistische Bundesamt. Deskriptiver Vergleich der über die App erfassten UE mit den Verdachtsfallmeldungen aus dem bestehenden Meldesystem Mit den Schätzern zum Schutz vor Erkrankung unter Geimpften kann man eine Impfeffektivität ermitteln. Dazu werden zusätzlich externe Daten zum Schutz vor Erkrankung unter Nicht-Geimpften benötigt, z.B. aus dem gemeinsamen Projekt von RKI und PEI „Krankenhausbasierte Fall-Kontroll-Studie zur Wirksamkeit und Sicherheit von COVID-19-Impfstoffen im Alter von 18 bis 85 Jahren“ (multizentrische prospektive Fall- Kontroll-Studie). Seite 19 von 26 SafeVac 2.0 Studienprotokoll, Version 1.1, 13.12.2020
- 20 - Die Ergebnisse sollen in einem „peer-reviewed“ Journal (PEI) veröffentlicht werden. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse sollen zeitnah der Ständigen Impfkommission (STIKO) sowie der europäischen Arzneimittelagentur (EMA) zur Verfügung gestellt werden. Das Konzept der App-gestützten Erfassung von Nebenwirkungen könnte zur Verbesserung der Impfstoffsicherheit auf alle in Deutschland angebotene Impfungen übertragen werden. 7. Limitationen Da die Datenerhebung keine personenbezogenen Daten umfasst, können keine Informationen nacherhoben werden. Damit ist es, abgesehen von in die App integrierten automatisierten Plausibilitätschecks, nicht möglich Implausibilitäten durch Queries (Nachfragen) auszuräumen oder fehlende Werte nachzutragen. Unklar ist, inwieweit ältere Personen im Umgang mit der Smartphone- und App-Technik vertraut und bereit sind, an einer Studie, die diese Technik einsetzt, teilzunehmen. Möglicherweise fällt besser gebildeten Personen die Benutzung von Smartphones und App leichter, sodass Personen mit höherem Bildungsabschluss möglicherweise eher an einer solchen Studie teilnehmen würden. Ein Risiko für Selektionsbias bestünde dann, wenn besser gebildete Personen ein anderes Berichtsverhalten in Bezug auf UE zeigen als weniger gebildete Personen. 8. Anlagen Anlage 1 PEI-SafeVac-2.0-App-Konzept-2020-10-05.pdf Anlage 2 03-SafeVacV2-App-Spezifikation-Eingabefelder_2020-11-28.xlsx Anlage 3 Ergänzende Texte zur App Spezifikation 2020-12-22.pdf Seite 20 von 26 SafeVac 2.0 Studienprotokoll, Version 1.1, 13.12.2020
- 21 - 9. Literaturverzeichnis Beigel, John H.; Tomashek, Kay M.; Dodd, Lori E.; Mehta, Aneesh K.; Zingman, Barry S.; Kalil, Andre C. et al. (2020): Remdesivir for the Treatment of Covid-19 - Preliminary Report. In: The New England journal of medicine. DOI: 10.1056/NEJMoa2007764. Del Rio, Carlos; Malani, Preeti N. (2020): 2019 Novel Coronavirus-Important Information for Clinicians. In: JAMA. DOI: 10.1001/jama.2020.1490. Fan, Guohui; Tu, Chao; Zhou, Fei; Liu, Zhibo; Wang, Yeming; Song, Bin et al. (2020): Comparison of severity scores for COVID-19 patients with pneumonia: a retrospective study. In: The European respiratory journal. DOI: 10.1183/13993003.02113-2020. Folegatti, Pedro M.; Ewer, Katie J.; Aley, Parvinder K.; Angus, Brian; Becker, Stephan; Belij-Rammerstorfer, Sandra et al. (2020): Safety and immunogenicity of the ChAdOx1 nCoV-19 vaccine against SARS-CoV-2: a preliminary report of a phase 1/2, single-blind, randomised controlled trial. In: The Lancet 396 (10249), S. 467– 478. DOI: 10.1016/S0140-6736(20)31604-4. Horby, Peter; Lim, Wei Shen; Emberson, Jonathan R.; Mafham, Marion; Bell, Jennifer L.; Linsell, Louise et al. (2020): Dexamethasone in Hospitalized Patients with Covid-19 - Preliminary Report. In: The New England journal of medicine. DOI: 10.1056/NEJMoa2021436. Mulligan, Mark J.; Lyke, Kirsten E.; Kitchin, Nicholas; Absalon, Judith; Gurtman, Alejandra; Lockhart, Stephen et al. (2020): Phase 1/2 study of COVID-19 RNA vaccine BNT162b1 in adults. In: Nature. Rogers, A. S.: Unintended drug effects: Identification and attribution. In: Pharmacoepidemiology: An Introduction, Bd. 1991, S. 64–74. Zhu, Na; Zhang, Dingyu; Wang, Wenling; Li, Xingwang; Yang, Bo; Song, Jingdong et al. (2020): A Novel Coronavirus from Patients with Pneumonia in China, 2019. In: The New England journal of medicine 382 (8), S. 727–733. DOI: 10.1056/NEJMoa2001017. Seite 21 von 26 SafeVac 2.0 Studienprotokoll, Version 1.1, 13.12.2020
- 22 - 10. Synopse Titel Prospektive Studie zur Sicherheit von Impfstoff(en) gegen COVID-19 und zum Schutz vor Erkrankung mittels Smartphone App Akronym SafeVac 2.0 Design Prospektive einarmige nicht-interventionelle Kohortenstudie Ziele, Fragestellung(en) Das Projekt dient der Evaluation der App-gestützten Erfassung von unerwünschten Ereignissen (UE) und des Schutzes vor der Krankheit nach der Impfung gegen COVID (Corona virus disease)-19 mit zugelassenen Impfstoffen im Rahmen der Post-Marketing Surveillance in Deutschland: Erfassung der Art, Schwere, Häufigkeit und des Verlaufs von UE nach COVID-19-Impfung bezogen auf die Anzahl geimpfter Personen (Nenner); Erfassung von Zeitintervallen zwischen Impfung und Auftreten von UE („time to onset“) und Dauer von UE mit einem Follow-up- Zeitraum bis zu 4 Wochen nach jeder Impfung; Rechallenge, d.h. Wiederauftreten bestimmter UE nach Verabreichen einer weiteren Dosis; Detektion (sehr) seltener und/oder verzögert auftretender UE in Abhängigkeit von der Zahl der Teilnehmer/innen Erfassung der Häufigkeit von Impflingen, die nach Covid-19 Impfung keine UE berichteten, d.h. die Impfung gut vertragen haben; Erfassung des Schutzes vor Infektion mit SARS-CoV-2 bis zu 12 Monaten nach der letzten Impfung. Des Weiteren dient die Studie der Evaluierung der Software/Technologie (App). Kooperation (App- Materna Information & Communications SE Entwicklung) Voßkuhle 37 44141 Dortmund Studienkollektiv Erwachsene COVID-19-Impflinge Einschlusskriterien ≥18 Jahre; Deutsch- bzw. Englischsprachigkeit; mindestens eine stattgehabte Impfung gegen Covid-19; Besitz eines eigenen App-kompatiblen Smartphone (IOS ≥12, Android ≥5.0) Einwilligung zur Studienteilnahme (elektronisch in der App); Seite 22 von 26 SafeVac 2.0 Studienprotokoll, Version 1.1, 13.12.2020