Görlitz
Die folgende Abbildung 10 zeigt den Fernwärmeversorgungszustand im Jahr 2030. Der Entwicklungspfad ist durch eine entsprechend farbige Hinterlegung dargestellt. Abbildung 10: Ausbauszenario Fernwärme: Orange – Verdichtung Fernwärmegebiete; Weiß – Ausweitung und Verbindung EEQ; Gelb – Quartier Brauerei, Tierpark, Südstadt; Blau – Quartier Siemens West; Rot – Nutzung industrieller Abwärme 41
Tabelle 22: Daten Ausbau Fernwärme Fernwärme Ausgangssituation 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 2027 2028 2029 2030 Effekt FW-Bedarf WoBau 88.322,69 56.082 54.960 53.861 52.784 51.728 50.694 49.680 48.686 47.712 46.758 45.823 -2,00% Reduzierung Bedarf WoBau - - 1.122 - 2.221 - 3.298 - 4.354 - 5.388 - 6.402 - 7.396 - 8.370 - 9.324 - 10.259 FW-Bedarf Haushalte, öffentliche Gebäude und (kleine) Industrie 32.241 31.596 30.964 30.345 29.738 29.143 28.560 27.989 27.429 26.881 26.343 -2,00% Reduzierung Bedarf Haushalte, Gebäude und (kleine) Industrie - - 645 - 1.277 - 1.896 - 2.503 - 3.098 - 3.681 - 4.252 - 4.812 - 5.360 - 5.898 Verdichtung FW-Gebiet Weinhübel 4.600 4.600 4.600 4.600 4.600 4.600 4.600 4.600 4.600 Verdichtung FW-Gebiet Königshufen, Gewerbegebiet 3.000 3.000 3.000 3.000 3.000 3.000 3.000 3.000 3.000 3.000,00 Nutzung industrielle Abwärme Birkenstock - 2.000 - 2.000 - 2.000 - 2.000 - 2.000 - 2.000 - 2.000 - 2.000 - 2.000 - 2.000,00 Verdichtung FW-Gebiet Königshufen, Minna- Herzlieb-Str 1.000 1.000 1.000 1.000 1.000 1.000 1.000 1.000 1.000 1.000,00 Erschließung Q Siemens West 107.300 104.100 100.900 97.900 95.000 92.100 89.400 Erschließung Q Brauerei/Tierpark/Südstadt 66.400 64.400 62.400 60.600 58.700 57.000 55.300 53.600 EEQ, Erschließung gesamte Altstadt 16.600 32.200 46.800 60.600 73.400 85.500 96.700 107.200 Einbindung Abwärme aus Abwasser (LoI) - 2.500 - 2.500,00 Summe Bedarfsreduzierung - 1.766 5.498 7.194 8.857 10.486 12.083 13.648 15.181 16.684 20.657 Fernwärme gesamt 88.323 86.556 93.425 174.729 293.966 301.737 308.940 315.275 321.242 326.339 328.466 372% 42
Ausbau Fernwärme 375000 328.466 325000 Energieverbrauch / Energieerzeugung [MWh] 275000 225000 175000 125000 88.323 75000 25000 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 2027 2028 2029 2030 -25000 -75000 Nutzung industrielle Abwärme Birkenstock Reduzierung Bedarf Haushalte, Gebäude und (kleine) Industrie Einbindung Abwärme aus Abwasser (LoI) Reduzierung Bedarf WoBau FW-Bedarf WoBau FW-Bedarf Haushalte, öffentliche Gebäude und (kleine) Industrie Verdichtung FW-Gebiet Weinhübel Verdichtung FW-Gebiet Königshufen, Gewerbegebiet Verdichtung FW-Gebiet Königshufen, Minna-Herzlieb-Str Erschließung Q Siemens West Erschließung Q Brauerei/Tierpark/Südstadt EEQ, Erschließung gesamte Altstadt Summe Bedarfsreduzierung Fernwärme gesamt Abbildung 11: Darstellung Ausbau Fernwärme 43
5.4 Neubau Für größere Neubaugebiete empfehlen sich komplexe Versorgungskonzepte unter Einsatz erneuerbarer Energien, z.B. die Nutzung von Seewasserwärme (Neubauvorhaben Ferienhäuser am Berzdorfer See) oder Erdwärme über Wärmepumpen in Kombination mit Solarthermie, PV und Wärme- oder Stromspeichern. In solchen Konzepten ist z.B. das Thema Kühlung / Klimatisierung für den Wohnbereich gut umsetzbar. Im Mietwohnungsbau sollten Themen wie Blau-/Gründächer in Kombination mit Photovoltaikanlagen als Standard inklusive der Umsetzung von Mieterstrommodellen vorgegeben werden. Gut gemachte Mieterstrommodelle führen zu einer besseren Vermarktbarkeit der Wohnungen (preislich attraktiver Grünstrom vom eigenen Dach) und beteiligen damit auch die Mieter im positiven Sinne an der Energiewende. Neu entstehende Gewerbegebiete sollten in Görlitz durch geeignete Vorgaben im Bebauungsplan bereits in einer frühen Phase klimaneutral ausgerichtet werden. Eine erfolgreiche Implementierung dieser Versorgungsarten und die gewünschten Gestaltungen von Neubauvorhaben können über entsprechende Vorgaben der Stadt in der Planungsphase erreicht werden. 5.5 Industrie und Gewerbe 5.5.1 Allgemein Das produzierende Gewerbe benötigt fast durchgängig gleichartige mit CO2-Emissionen verbundene Prozessmedien: - Beleuchtung - Druckluft - Strom zum Antrieb von Maschinen und Anlagen - Prozesswärme / Heizwärme - Prozesskälte / Kühlung Bevor versucht wird, die CO2-Emissionen dieser Energieverbräuche durch externe Maßnahmen (z.B. Grünstrom- oder Grüngasbezug) zu reduzieren, sollten alle wirtschaftlich vertretbaren Maßnahmen zur Effizienzsteigerung und damit zur Reduzierung des spezifischen und auch absoluten Energieverbrauchs sowie zum Einsatz erneuerbarer Energien in der Produktion umgesetzt werden. Im Rahmen der Bestandsaufnahme wurde für den Sektor Industrie und Gewerbe ein Gesamtstromverbrauch von ca. 53.500 MWh festgestellt. 5.5.2 Beleuchtung Eine der ersten Maßnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs in Industrieunternehmen ist die Umstellung der Beleuchtung auf LED-Technologie. Dabei sind bei gleichzeitiger Erhöhung der Beleuchtungsqualität Einsparungen von mindestens 70 % möglich. Dies führt zu Amortisationszeiten von 2 Jahren bei einem 3-Schichtbetrieb, von 3 Jahren bei einem 2-Schichtbetrieb und von 4 Jahren bei einem 1-Schichtbetrieb. Ein durchschnittlicher Maschinenbaubetrieb benötigt ca. 20 – 30 % seines Strombezuges für die Beleuchtung. Für die Erstellung eines Absenkpfades werden die folgenden Annahmen getroffen, die aus Energieaudits und umgesetzten Umstellungsprojekten in entsprechenden Industriebetrieben abgeleitet wurden: • Stromverbrauch für Beleuchtungszwecke in Industrieunternehmen 25 % vom Gesamtstromverbrauch → 13.400 MWh/a • Reduzierung des Stromverbrauchs für Beleuchtungszwecke um bis zu 70 % → 9.380 MWh/a 44
Die Umsetzung der Beleuchtungsmodernisierung in den Industrieunternehmen beginnt 2021 und ist nach 4 Jahren abgeschlossen, der Hochlauf bis zur Gesamtenergieeinsparung verläuft dabei linear. 5.5.3 Druckluft Der Austausch von Druckluftanlagen ist in der Regel ab einem Alter von mehr als 10 Jahren wirtschaftlich abbildbar. Insbesondere in Verbindung mit der Abwärmeauskopplung aus den Kompressoren für die ganzjährige Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung im Winter können hier Amortisationszeiten zwischen 3 bis 6 Jahren erreicht werden. Überschlägig wird zur Gestaltung des Absenkpfades Industriestrom ein Anteil von 10 % des Gesamtstromverbrauchs (entspricht ca. 5.400 MWh/a) für die Druckluftproduktion angesetzt. Dieser kann durch die Modernisierung in der Regel um mindestens 20 % (1.080 MWh/a) reduziert werden. Da die Installation einer neuen Druckluftanlage eine hohe Investition erfordert, wird der Umsetzungszeitraum hier auf 8 Jahre geschätzt, wobei ebenfalls ein linearer Verlauf unterstellt wird. 5.5.4 Antriebe und allgemeine Effizienzsteigerung Der Austausch und die Flexibilisierung (frequenzgeregelte Steuerung) von älteren elektrischen Antrieben kann sich insbesondere bei Dauerläufern innerhalb von 1-3 Jahren amortisieren. Für die Gestaltung des Absenkpfades wird eine jährliche Effizienzsteigerung von 2,5 % durch fortschreitende Modernisierungsmaßnahmen in den Industrieunternehmen unterstellt. 5.5.5 Prozesswärme / -kälte Insbesondere ist hier zu prüfen, ob Lastanforderungen vorliegen, welche den Einsatz von Kraft- Wärme-(Kälte)-Kopplungs-Anlagen (KWKK-Anlagen) wirtschaftlich ermöglichen. Dabei ist der wirtschaftlich sinnvolle Einsatz stromgeführter KWK-Anlagen zu prüfen, die überschüssige Wärme an angrenzende EEQ oder Fernwärmegebiete abgeben können. Da keine näheren Informationen dazu vorlagen, wurden hierzu allerdings keine gesonderten Energiebedarfs- bzw. CO2-Minderungs- potentiale berücksichtigt. 5.5.6 Photovoltaik-Anlagen Durch den Preisverfall im Bereich der PV-Module und das sogenannte Eigenstromprivileg (reduziert die EEG-Umlage für selbst erzeugten und genutzten Strom um 60 %) ist auch die Installation von an die jeweiligen Lastgänge angepassten PV-Anlagen im Industriebereich wirtschaftlich abbildbar. Um den Ausbau der PV-Stromerzeugung der drei größten Industrieunternehmen abzuschätzen, wurden die folgenden Flächen angenommen, die zur PV-Stromproduktion genutzt werden können. Tabelle 23: PV-Potential in der Industrie Unternehmen Flächenbereitstellung Stromproduktion Siemens 7.000 m² 1.000 MWh/a Birkenstock 7.000 m² 1.000 MWh/a Bombardier 10.000 m² 1.400 MWh/a In welchen, der im Kapitel 5.2.5.4 näher beschriebenen Geschäftsmodellen diese PV-Anlagen umgesetzt werden, hängt im Wesentlichen von der Investitionsbereitschaft der jeweiligen Industrieunternehmen ab. Die nachfolgende Tabelle sowie das zugehörige Diagramm bilden die beschriebenen Absenkpfade im Bereich Strom Industrie ab. 45
Tabelle 24: Daten Absenkpfad Strom Industrie Absenkpfad Strom Industrie 60.000 53.538 Energieverbrauch / Energieerzeugung [MWh] 50.000 34.708 40.000 30.000 20.000 10.000 0 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 2027 2028 2029 Effizienzsteigerung … 2030 -10.000 Effizienzsteigerung Beleuchtung Effizienzsteigerung Druckluft -20.000 -30.000 PV Siemens PV Bombardier PV Birkenstock Strom Industrie gesamt Summe Reduzierung Abbildung 12: Diagramm Absenkpfad Strom Industrie 46
5.6 Verkehr (Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV)/Individualverkehr/Wirtschaftsverkehr) 5.6.1 Allgemein Der ÖPNV in Görlitz ist charakterisiert durch zwei Straßenbahn- und sieben Buslinien mit insgesamt 25 Fahrzeugen (11 Busse, 14 Straßenbahnen). Die Fahrleistung beträgt bei der Straßenbahn ca. 450.000 km pro Jahr und bei den Buslinien 585.000 km pro Jahr. Auf die Straßenbahnen entfallen ungefähr zwei Drittel des Fahrgastaufkommens und auf den Busverkehr ein Drittel des Fahrgastaufkommens von insgesamt etwa drei Millionen Nutzern pro Jahr. Der Sektor Verkehr verursacht im untersuchten Gebiet Görlitz ca. 21% des Gesamtenergieverbrauchs. Der Individualverkehr beansprucht mit ca. 163.800 MWh/a knapp 98 % des gesamten Energiebedarfs im Verkehrsbereich von insgesamt ca. 167.000 MWh/a (Ableitung aus der CO2-Bilanz von 2015). Vorrangiges Ziel der Verkehrspolitik in Görlitz sollte es daher sein, möglichst viel Individualverkehr durch attraktive Angebote und begleitet durch restriktive stadtplanerische Maßnahmen auf den ÖPNV oder andere Fortbewegungsarten umzulenken. Im Rahmen dieses Leitfadens wird auf einige Möglichkeiten eingegangen, den Energieverbrauch und die damit verbundenen Emissionen zu reduzieren beziehungsweise den Bereich Verkehr klimaneutral zu gestalten. Eine allumfassende Analyse des Verkehrssektors und der Mobilitätswende in Görlitz sollte in einem separaten Mobilitätskonzept erstellt werden. 5.6.2 ÖPNV – allgemein Straßenbahn Mit der Anschaffung von energieeffizienter Wageninfrastruktur ab 2025 und der Fortschreibung des Energiemanagementsystems ist eine Absenkung des Stromverbrauchs von 3 % pro Jahr jeweils in Bezug auf das Vorjahr verbunden. Der Ausbau der Straßenbahn und damit der Ersatz von Busstrecken führt langfristig zur Reduzierung von Dieselverbrauch und im Gegenzug zu einem erhöhten Strombedarf. Laut Auskunft der Görlitzer Verkehrsbetriebe wird der zum Antrieb der Straßenbahnen benötigte Strom seit 2020 zertifiziert klimaneutral bezogen. Busverkehr Mit der Verlängerung bestehender Buslinien nach Zgorzelec und der Synchronisierung des grenzüberschreitenden ÖPNV wird ein für die Europastadt Görlitz/Zgorzelec derzeit nicht quantifizierbarer Umlenkeffekt vom Individualverkehr hin zum ÖPNV erreicht. Durch die kontinuierliche Modernisierung der Busflotte und die damit einhergehende Effizienzsteigerung wird von einer Absenkung des Energieverbrauchs von jährlich 2 % (jeweils bezogen auf das Vorjahr) ausgegangen. Die Ablösung des Linienverkehrs in den Abend- und Nachtstunden sowie an den Wochenenden durch flexible Kleinbusse mit alternativen Antrieben (Wasserstoff- oder Elektro-Antriebe), welche nach diesem Leitfaden ab 2025 realisierbar ist, führt zu einer Reduzierung des Dieselverbrauchs und zu einer Erhöhung des Stromverbrauchs (bzw. grünem Wasserstoff). Notwendig ist hierzu der Aufbau einer GörlitzVerkehrs-App zur flexiblen Anforderung dieser Kleinbusse, und mit der zugleich die in Görlitz kreisende Flotte gesteuert wird. Diese kann tagsüber den Linienverkehr ergänzen, um mehr Nutzer des Individualverkehrs zum ÖPNV zu ziehen und ersetzt den Linienverkehr in den Abend- und Nachstunden sowie an den Wochenenden. 47
Für die in 2030 noch verbliebenen Buslinien wird in Verbindung mit der Errichtung des Wasserstoff- kompetenzzentrums die Anschaffung von Wasserstoffbussen mit Brennstoffzelle und Elektroantrieb empfohlen. Abbau von Zugangshürden zum ÖPNV Eine Reduzierung des Individualverkehrs in Görlitz ist durch den Abbau von Zugangshürden zum ÖPNV denkbar. Eine wesentliche Zugangshürde zur Nutzung des bereits bestehenden ÖPNV und eine Voraussetzung zur Einführung des im vorangegangenen Kapitel bereits beschriebenen flexiblen Bussystems ist die digitale Abrechnung der Beförderungsleistung. Hierfür sollte durch die GVB eine Mobilitäts-App entwickelt werden, über die auf einfache Art und Weise elektronische Tickets für Straßenbahn und Bus geordert und bezahlt werden können. Darüber hinaus sollte die App als Anforderungs- und Informationssystem für die flexibel eingesetzte Kleinbusflotte dienen. Ziel ist es dabei, dass Nutzer bei der Anforderung des Busses mitgeteilt bekommen, wann der Bus eintrifft, wann voraussichtlich das gewünschte Ziel erreicht wird und wieviel die Fahrt kostet. Eine Weiterentwicklung der Parkraumbewirtschaftung durch eine maßvolle Verknappung und Verteuerung der Parkmöglichkeiten - bevorzugt im Innenstadtbereich - unterstützt dieses attraktive und kostengünstige Angebot und baut eine weitere Zugangshürde ab: Der Parkraum ist teilweise günstiger als ein ÖPNV-Ticket. Insbesondere die Preisanpassung von Parktickets kann dazu führen, dass der ÖPNV oder gar klimaneutrale Mobilität wie Fuß- oder Radverkehr gestärkt werden. Auch die Verknappung von Flächen für den ruhenden Verkehr trägt zu einem Umstieg bei, sofern die Zeit zur Suche eines Stellplatzes dadurch verlängert wird. Mit der Verknappung der Stellflächen könnte eine Umgestaltung des öffentlichen Raumes (von versiegelter Fläche zu Grünflächen) einhergehen. Mit der Umsetzung der oben beschriebenen Maßnahmen wird eine Umlenkung vom Individual- verkehr hin zum ÖPNV in einer Größenordnung von 20 % bis 2030 prognostiziert. Das führt zu einer Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs in Höhe von 26.700 MWh und einer Erhöhung des Stromverbrauchs (Elektroenergie der Tramlinien) von 4.450 MWh. 5.6.3 Individualverkehr Effizienzsteigerung und Elektrifizierung von Fahrzeugen Es wird im Rahmen des Leitfadens davon ausgegangen, dass der Kraftstoffverbrauch der Fahrzeugflotte (Privatfahrzeuge) durch steigende Effizienz bis 2030 um 2% pro Jahr jeweils bezogen auf das Vorjahr sinkt, was zu einer Reduzierung des Gesamtkraftstoffverbrauches um ca. 30.000 MWh führt. Zusätzlich wird eine Elektrifizierung von Kraftstoffverbrauch bis 2030 in Höhe von ca. 49.100 MWh unterstellt (Ableitung aus den Zielen der Bundesregierung zur Einführung der Elektromobilität: bis zu 10 Mio. Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen bis 2030). Die dafür notwendige Energiemenge beträgt nur 16.300 MWh, das der Wirkungsgrad der Elektromobilität den der Verbrennertechnologie deutlich übertrifft. Weitere Mobilitätsangebote und Infrastrukturprogramme zur Reduzierung des emissionsbelasteten Individualverkehrs Im Rahmen der Erarbeitung eines ganzheitlichen Mobilitätskonzeptes für die Stadt Görlitz sollten auch die folgenden Themen nicht außer Acht gelassen werden: 48
• Förderung der Nahmobilität: Durch den Ausbau von Gehwegen und des Radnetzes wird der Umstieg vom PKW zur emissionsfreien Fortbewegung gefördert. Nicht selten sind Sicherheitsbedenken, besonders im innerstädtischen Bereich, ein Grund nicht das Rad zu benutzen. Diese Hemmschwelle kann durch einen geeigneten Infrastrukturaufbau eliminiert werden. • Förderung der E-Mobilität: Zur fortschreitenden Elektrifizierung der (privaten) Fahrzeugflotte muss die entsprechende Infrastruktur vorhanden sein. Ein Mangel an Ladesäulen (oder Wasserstofftankstellen) für Elektroautos reduziert die Nachfrage nach selbigen bzw. hindert an einem Kauf. Hier könnten die Stadtwerke mit der Installation eine Vorreiterrolle einnehmen. • Angebot von „Sharing“-Modellen: In zahlreichen Großstädten habens sich sogenannte Sharing-Angebote bereits etabliert. Der Grundgedanke ist, dass nicht jeder (Individual- )Verkehrsteilnehmer ein eigenes Fahrzeug besitzt, sondern dieses kurzfristig mietet. Abgesehen von PKW, deren Gesamtanzahl durch ein solches Angebot sich deutlich reduzieren ließe, gibt es auch Angebote für Elektroroller oder Fahrräder. 5.6.4 Wirtschaftsverkehr Ein weiterer Faktor im Bereich Energieverbrauch bzw. Emissionen ist der Wirtschaftsverkehr, der in großen Teilen durch LKW oder Lieferfahrzeuge organisiert ist. Ein gänzlicher Verzicht auf die Belieferung von Industrie, Handel und Gewerbe ist nicht denkbar. Möglich ist jedoch die Reduzierung von Emissionen durch die Umstellung der Belieferung beispielsweise im Innenstadtbereich durch Elektro- oder Wasserstofffahrzeuge. Im Rahmen der Logistikorganisation fällt dabei häufig der Begriff der „letzten Meile“ oder des „letzten Kilometers“. Im Rahmen des Mobilitätskonzeptes könnte dies berücksichtigt werden, indem eine Zone im Innenstadtbereich eingerichtet wird, die nur emissionsfrei beliefert werden darf. Dies erfordert selbstverständlich eine umgreifende Planung der Stadtlogistik (Umschlagszentren für den Umstieg LKW zu Elektromobilität). Das nachfolgende Diagramm zeigt die Summe der oben beschriebenen Maßnahmen: 49
Tabelle 25: Darstellung Absenkpfad Verkehr 180.000 Verkehr 167.350 Energieverbrauch / Energieerzeugung [MWh] 160.000 140.000 120.000 100.000 76.483 80.000 60.000 40.000 20.000 - Verkehr gesamt Summe Reduzierung 50