Hannover_Endbericht
Masterplan Stadt und Region Hannover| 100 % für den Klimaschutz Strategiegruppe Personen Treffen Energieversorgung 32 7 Gebäude-Energieeffizienz 40 7 Klimaneutraler Alltag 28 7 Raum und Mobilität 69 5 Regionale Wirtschaftskreisläufe / Abfallwirtschaft 19 7 Szenarien 17 6 Wirtschaft 30 6 Tabelle 1: Übersicht Strategiegruppen-Beteiligung Die Strategiegruppen erarbeiteten kompetent und ambitioniert die Kernthemen für eine klimaneutrale Region Hannover in 2050. Hierzu bedurfte es sowohl des realistischen Blicks für die regionalen Möglichkeiten und Konkurrenzen als auch des visionären Muts für unkonventi- onelle Wege. Die folgende Abbildung visualisiert den Arbeitsprozess der Strategiegruppen, der durch die Agentur 4K-Kommunikation für Klimaschutz (für 6 Gruppen) sowie die Agentur Kommunikation für Mensch & Umwelt (1 Gruppe) unterstützt wurde. Abbildung 2: Grundsätzliche Vorgehensweise der Strategiegruppenarbeit Ergebnis jeder Strategiegruppe ist je ein thematisches Strategiepapier, welches eine Vision für 2050 beschreibt, Maßnahmen empfiehlt sowie die dafür erforderlichen Rahmenbedingungen benennt. Jedes Papier wurde in der jeweiligen Gruppe gemeinsam detailliert abgestimmt, wobei nicht jede einzelne Aussage in vollem Umfang von allen Teilnehmerinnen und Teilneh- mern geteilt werden musste. Alle Ergebnisse aus dem Partizipationsprozess der Expertinnen und Experten sind in den Kapi- teln 6 Präambel, 7 Vision, 8 Szenarien, 9 Strategische Handlungsfelder und 10 Rahmenbedingungen zusammengefasst und ausführlich in der Dokumentation des Master- plan-Prozesses online unter http://www.klimaschutz2050.de dargestellt. Szenarienberechnung / Energie- und CO2-Bilanz Ergänzend zur Arbeit der Strategiegruppen wurde ein Berechnungstool für die rechnerische Darstellung von Szenarien-Annahmen bis 2050 entwickelt. Das Tool unterstützt die Umset- zungsplanung, denn durch die Simulation verschiedener Szenarien können Entwicklungspfade für die Zukunft transparent aufgezeigt und sachlich diskutiert werden. Mit der Erarbeitung wurde das Leipziger Institut für Energie GmbH (IE Leipzig) beauftragt. In die Szenarien sind Einzelstudien sowie die Einschätzungen aus den Strategiegruppen und dem Phase 1: Juni 2012 bis Dezember 2013 Seite 40 | 136
Masterplan Stadt und Region Hannover| 100 % für den Klimaschutz Projekt-Beirat (s.u.) eingeflossen. Basis der Berechnungen bildeten die Energie- und CO2-Bilanz der Stadt und der Region Hannover. Mit der Aktualisierung aller Daten der Bilanz, der Zusam- menarbeit mit dem IE Leipzig sowie der Erstellung eines Monitoringkonzepts war das Büro E4-Consult aus Hannover beauftragt. Alle Ergebnisse der Szenarienberechnungen wurden zwischenbilanziert und final mit den Expertinnen und Experten der Strategiegruppen abge- stimmt. Ausführlich dargestellt werden die Szenarienberechnungen in Kapitel 8. Wissenschaftliche Begleitung / Studien Aufgrund der weitreichenden Zielsetzungen Klimaneutralität und Energiewende wurde bereits zu Beginn auf die Zusammenarbeit mit den ansässigen Hochschulen und Forschungsinstituten gesetzt. Die Leibniz Universität Hannover mit der Leibniz Forschungsinitiative Energie 2050 "Transformation des Energiesystems" sowie die Hochschule Hannover beteiligten sich durch ihre Teilnahme an den Strategiegruppen, aber auch durch begleitende Studien, Vortragsreihen und Veranstaltungen. Gleichzeitig beteiligten sich die verschiedenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und weitere Fachleute durch Teilnahme an den Strategiegruppen, aber auch durch begleitende Studien. Die nachfolgend in der Übersicht dargestellten Studien wurden in enger konzeptionel- ler und inhaltlicher Abstimmung mit den Strategiegruppen erarbeitet. Die Zusammenfassungen der Studien sind in Kapitel 9 dargestellt. Studie Institution Energieeinsparpotenziale im Gebäudebe- Dipl.-Ing. Benedikt Siepe, Energieberatung stand Potenzialanalyse regenerative Wärme Fernwärme-Forschungsinstitut in Hannover e.V. Potenzialanalyse zum Einsatz von Biokunst- Hochschule Hannover, Institut für Biokunst- stoffen stoffe und Bioverbundwerkstoffe (IfBB) Landwirtschaftliche Produktion und regionale Landwirtschaftskammer Niedersachsen Vermarktung Klimaneutrale Abwasser- und Abfallbehand- Leibniz Universität Hannover, Institut für lung Siedlunbswasserwirtschaft und Abfalltechnik (ISAH) Vertikale Solarfassaden in der Landeshaupt- Leibniz Universität Hannover, Institut für stadt und der Region Hannover Festkörperphysik (FKP), Abt. Solarenergie, Institut für Kartographie und Geoinformatik (IKG), Institut für Meteorologie und Klimato- logie (MUK), Leibniz Forschungszentrum Energie 2050 (LiFE 2050) Tabelle 2: Übersicht über die begleitenden Studien im Rahmen der Masterplan-Phase 1. Phase 1: Juni 2012 bis Dezember 2013 Seite 41 | 136
Masterplan Stadt und Region Hannover| 100 % für den Klimaschutz Alle 19 Masterplankommunen werden darüber hinaus von einem wissenschaftlichen Team bestehend aus Ecologic-Institut, IFEU- und Öko-Institut sowie arepo consult und Dr. Ziesing als freier Consultant im Auftrag des Bundesumweltministeriums fachlich beraten und begleitet. Bürgerinnen und Bürger Von Frühjahr bis Herbst 2013 wurden verschiedenste Werkstattangebote, Veranstaltungen, Konferenzen und Quartiersdialoge für die Bevölkerung im gesamten Regionsgebiet zum Thema „klimaneutrale Gesellschaft“ angeboten. Dabei wurden unter anderem Instrumente und Me- thoden zu Beteiligungsprozessen diskutiert und erprobt, aber auch Ideen und Visionen gesammelt. Die Ergebnisse aller Aktivitäten sind Grundlage der Empfehlungen für das weitere Handeln zur Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern. Konzipiert und umgesetzt wurden die gesamten Aktivitäten insbesondere durch den Wissen- schaftsladen Hannover e.V. Insgesamt beteiligten sich über 5.000 Jugendliche und Erwachsene. Tabelle 3 gibt hierzu einen Überblick und Kapitel 11 stellt den Baustein vertiefend vor. Landeshauptstadt Kommunen im Umland Schulen Zukunftsdialoge und Werkstattangebo- Abgestimmt auf spezifische Veranstaltungen mit Schülerin- te, z. B. Wunschproduktion, Bedürfnisse der Städte und nen und Schülern der LH Gartenparty mit Social-Bar-Elementen, Gemeinden: Aktionen, Hannover, dem Umland der Kreativ-Werkstatt, Theater- Kampagnen, Wettbewerbe Region Hannover zum Thema Methoden Visionslabor, Rollenspiele, interkultu- und Informationsveranstal- Klimaschutz und regionale relle Aktionstage im "Wandergarten" tungen für verschiedenste Energiewende Zielgruppen und Altersklas- sen ca. 3.000 Teilnehmerinnen und Teil- 14 Umlandkommunen - 9 Veranstaltungen: Gruppen- Reichweite nehmer; mehr als 2.000 Teilnehme- größe von 5 Jugendlichen bis 8 Veranstaltungen; rinnen und Teilnehmner hin zu Großgruppen mit mehr 3 Stadtbezirke / 5 Stadtteile als 50 Schülerinnen und Schüler Tabelle 3: Übersicht der umgesetzten Bürgerinnen- und Bürger-Dialoge in der Region Hannover in 2013 Kunst und Kultur Kunst- und Kulturschaffende beschäftigen sich in der Region Hannover seit langer Zeit mit der Verbindung von "Kultur und Nachhaltigkeit". Mit dem Ziel, die Kultur als Baustein zur Errei- chung der klimaneutralen Region zu diskutieren, fand im September 2013 das Symposium Klima.Kunst.Städte. statt. Über 120 Bürgerinnen und Bürger folgten der Einladung, hierunter auch Vertreter der Partnerstädte Rouen, Poznań, Blantyre und Bristol (siehe Kapitel 9.6.3). Koordinationsteam Die zentrale Steuerung des Prozesses wurde durch die Klimaschutzmanagerinnen gewährleis- tet, die fachlich und organisatorisch jeweils den Klimaschutzleitstellen der Landeshauptstadt und der Region Hannover zugeordnet sind. Ergänzt wurde das Team durch die Agentur 4K- Kommunikation für Klimaschutz, die Agentur Kommunikation für Mensch & Umwelt, die beide auch im Dialogprozess involviert waren, sowie durch die Forschungsinitiative Energie 2050 - Transformation des Energiesystems der Leibniz Universität Hannover. Phase 1: Juni 2012 bis Dezember 2013 Seite 42 | 136
Masterplan Stadt und Region Hannover| 100 % für den Klimaschutz Steuerungsgruppe Das Koordinationsteam der beiden Verwaltungen berichtet regelmäßig dem/der Wirtschafts- und Umweltdezernent(in) und Ersten Stadtrat bzw. Stadträtin der Landeshauptstadt Hannover sowie dem Dezernenten für Umwelt, Planung und Bauen der Region Hannover und Ersten Regionsrat. Hier werden Grundsatzentscheidungen über Projektablauf und Berichtsstruktur gefällt. Beirat Das „Kuratorium Klimaschutzregion Hannover“ wurde in 2012 gegründet und hat die Funkti- on des Beirats für den „Masterplan 100 % für den Klimaschutz“ übernommen. Die ausgewählten Entscheidungsträgerinnen und -träger haben somit den Erarbeitungsprozess begleitet. Der Beirat gibt Empfehlungen für den politischen Entscheidungsprozess zum Mas- terplan. Das Kuratorium Klimaschutzregion Hannover besteht aus Vertreterinnen und Vertreter der Politik und Verwaltungen von Landeshauptstadt und Region Hannover sowie Vertreterinnen und Vertreter von für den Klimaschutz relevanten Institutionen und Organisati- onen aus der Region Hannover. Veranstaltungen / Zwischenkongress Drei große Veranstaltungen begleiteten die erste Projektphase. Im Mittelpunkt der ersten Veranstaltung „Die Energiewende – Konsequenzen für die Region Hannover“ am 12. Novem- ber 2012 stand für über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Frage, welche politischen und gesellschaftlichen Weichen gestellt werden müssen, um die Energiewende in der Region Hannover Wirklichkeit werden zu lassen. Am 7. Februar 2013 wurde ein Zwischenfazit zum Projekt gezogen. Mit über 220 Teilnehme- rinnen und Teilnehmern, die sich im Lichthof der Leibniz-Universität Hannover über den Stand des Projekts informierten, war der Kongress „100 % für den Klimaschutz“ ein guter Erfolg. Vormittags trafen sich die Strategiegruppen und diskutierten Querschnittsthemen in vier Workshops. Am Nachmittag wurden Zwischenergebnisse des Masterplanprozesses der Öffent- lichkeit präsentiert und über die weiteren geplanten Schritte im Projekt informiert. Der Zwischenkongress fand zeitgleich mit der Energieforschungsmesse der Leibniz Universität Hannover statt und wurde von einem einwöchigen Programm – der Klimaschutzwoche – mit zahlreichen Veranstaltungen, Vorträgen, Ausstellungen und Führungen begleitet. Über 120 Personen nahmen am 21. September 2013 im Künstlerhaus Hannover am Symposi- um „KlimaKunstStädte“ teil. Im Rahmen des Masterplans - 100 Prozent für den Klimaschutz hatte das Kulturbüro der Landeshauptstadt Hannover Initiator/-innen von erfolgreichen Pro- jekten zum Thema Kunst und Nachhaltigkeit zu Gesprächen und Vorträgen ins Künstlerhaus eingeladen, um aus ihren Erfahrungen Perspektiven für Hannover und seine Partnerstädte zu entwickeln. Phase 1: Juni 2012 bis Dezember 2013 Seite 43 | 136
Masterplan Stadt und Region Hannover| 100 % für den Klimaschutz Ergebnisse der Strategiegruppen und des Bürgerinnen- und Bürger-Dialogs Endbericht Teil II In diesem Teil des Berichts werden die Ergebnisse des Partizipationsprozesses sowie die Er- gebnisse aus im Rahmen des Masterplanprozesses beauftragten Studien zusammengefasst. Diese beinhalten die Arbeitsergebnisse der Strategiegruppen, unterteilt in strategische Hand- lungsfelder und den umfangreichen Bürgerinnen- und Bürgerdialog. Strategiegruppen Kern der inhaltlichen Erarbeitung des Masterplans bildeten sieben thematische Strategiegrup- pen. Die Gruppen setzten sich zusammen aus Expertinnen und Experten aus Unternehmen der Wirtschaft ebenso wie Verbänden, Vereinen, Nicht-Regierungs-Organisationen sowie Vertrete- rinnen und Vertreter von Wissenschaft und Verwaltung von Stadt, Region und Umlandkommunen. Circa 240 Personen mit Fachkompetenz in Klimaschutz-Themen wurden für den Partizipationsprozess gewonnen. Damit verbunden war ein nicht unerheblicher Zeit- aufwand, ohne dass ein direkter Benefit für die Beteiligten im Vorfeld erkennbar war. Ergebnis der Strategiegruppen (Ausnahme: Szenarien) ist je ein thematisches Strategiepapier, welches eine Vision für 2050 beschreibt, Maßnahmen empfiehlt (strategische Handlungsfel- der) sowie die dafür erforderlichen Rahmenbedingungen benennt. Jedes Papier ist in der jeweiligen Gruppe gemeinsam detailliert abgestimmt, wobei nicht jede einzelne Aussage in vollem Umfang von allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern geteilt werden musste. Phase 1: Juni 2012 bis Dezember 2013 Seite 44 | 136
Masterplan Stadt und Region Hannover| 100 % für den Klimaschutz Alle Ergebnisse sind im folgenden Teil II zusammengefasst: Die Präambel in Kapitel 6 beschreibt übergeordnete Prämissen von grundlegender Bedeu- tung für alle Strategiegruppen Die Vision aller Gruppen für die klimaneutrale Region im Jahr 2050 ist im Kapitel 7 zusam- mengefasst. Ergänzend zur Arbeit der Strategiegruppen wurden Szenarien-Annahmen bis 2050 entwi- ckelt. Alle Ergebnisse der Szenarienberechnungen wurden zwischenbilanziert und final mit den Expertinnen und Experten der Strategiegruppen abgestimmt. Die Ergebnisse sind in Kapitel 8 und 9 dargestellt. Die Arbeit der Strategiegruppe Szenarien ist direkt in die Erarbeitung der Szenarienberech- nungen eingeflossen. Dieser Prozess ist am Anfang des Kapitels 8 beschrieben. Die aus der Vision entwickelten Maßnahmen sind in den Strategischen Handlungsfeldern in Kapitel 9 zusammenfassend dargestellt. Die projektbegleitenden Studien wurden in enger konzeptioneller und inhaltlicher Ab- stimmung mit den Strategiegruppen erarbeitet. Die Zusammenfassungen der Studien wurden in Kapitel 9 den entsprechenden Handlungsfeldern zugeordnet. Politische Instrumente und notwendige Rahmenbedingungen wurden den Handlungsfel- dern in Kapitel 10 zugeordnet. Die vorliegenden Ergebnisse basieren ausschließlich auf den eingebrachten Inhalten der beteiligten Expertinnen und Experten und haben Empfehlungscharakter. Bürgerinnen- und Bürger-Dialoge Von Frühjahr bis Herbst 2013 wurden verschiedenste Werkstattangebote, Veranstaltungen, Konferenzen und Quartiersdialoge für die Bevölkerung im gesamten Regionsgebiet zum Thema „klimaneutrale Gesellschaft“ angeboten. Die Ergebnisse aller Aktivitäten sind Grundlage der Empfehlungen für die zukünftige Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern. Auch in den Kommunen des Umlands wurden verschiedenartigste Veranstaltungen für ver- schiedene Zielgruppen. Insgesamt beteiligten sich über 5.000 Jugendliche und Erwachsene. Die ausführlichen Fassungen sind in der Dokumentation des Masterplan-Prozesses online unter www.klimaschutz2050.de verfügbar. Phase 1: Juni 2012 bis Dezember 2013 Seite 45 | 136
Masterplan Stadt und Region Hannover| 100 % für den Klimaschutz 6 PRÄAMBEL Eine klimaneutrale Region Hannover bedeutet die Reduktion der Treibhausgasemissionen um 95 %, nicht aber energetische Autarkie. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Strategie- gruppen sind sich einig, dass auf regionaler Ebene drei Punkte von grundlegender Bedeutung sind, um die Zielsetzungen einer nahezu Klimaneutralität, der damit verbundenen Energie- 14 wende sowie den Anstrengungen bei der Effizienz und Suffizienz erfüllen zu können: (1) International und national müssen politische Weichen für die Erfüllung der Klimaschutzziele gesetzt werden. Hierbei ist parteiübergreifende Kontinuität unabdingbar. Konkrete Rich- tungsentscheidungen für die Energiewende sind notwendig, um langfristige Planungs- sicherheit für die Akteure in der Gesellschaft, Wirtschaft und Verwaltung der Region Hannover zu garantieren. (2) Für eine breite Akzeptanz der Ziele und Umsetzungswege in der Gesellschaft wird die angemessene sozialverträgliche Gestaltung der Energiewende sichergestellt. Grundsätzlich ist zwischen Energie- und Sozialpolitik zu unterscheiden, aber gerade deshalb bedarf es ganzheitlicher Ansätze durch eine enge Abstimmung dieser Politikbereiche. (3) Strategien für eine nachhaltige Entwicklung müssen in der Gesellschaft gefestigt werden. Hierzu zählt - individuelle Verantwortung für den eigenen Lebensstil zu übernehmen – konkret einen umweltverträglichen Lebensstil unter anderem durch Suffizienz zu erreichen, - die Etablierung geschlossener Stoffkreisläufe, vorzugsweise in regionalen Wirtschafts- kreisläufen. Technik- und Produktinnovationen müssen auf eine ökologische Qualität abzielen, sodass jegliche Ressourcen in wirtschaftlichen Kreisläufen geführt werden können, die den Natürlichen nahekommen, - Ökoeffizienz, das heißt bei möglichst geringem Ressourcen-Einsatz und Schadstoff- Ausstoß Produkte zu produzieren, die preislich wettbewerbsfähig sind, menschliche Be- dürfnisse befriedigen und Lebensqualität sicherstellen, - umfassende Beteiligung der Betroffenen, Interessierten und handelnden Akteurinnen und Akteure bei der Entwicklung, Planung und Umsetzung von Projekten, - die Überprüfung von wirtschaftlichen Wachstumserfordernissen in Bezug auf die Klima- schutzziele. Die Strategien basieren auf einer ganzheitlichen Vorgehensweise, die Ökologie, Ökonomie, soziale Belange und bürgerschaftliches Engagement erfasst. Aufbauend auf diese grund- sätzlichen Voraussetzungen zur Erreichung der Masterplan-Ziele wird im folgenden Kapitel 7 die Vision einer klimaneutralen Region Hannover im Jahr 2050 entworfen. 14 Suffizienz beschreibt die Frage nach dem rechten Maß, Öko-Suffizienz eine „Lebens- und Wirtschaftsweise, die dem übermäßigen Verbrauch von Gütern und damit Stoffen und Energie ein Ende setzt.“ Damit flankiert Öko- Suffizienz die Ökoeffizienz und Konsistenz (vgl. Linz 2013). Erreicht werden kann dies durch eine geringe Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen, die einen hohen Ressourcenverbrauch erfordern. Phase 1: Juni 2012 bis Dezember 2013 Seite 46 | 136
Masterplan Stadt und Region Hannover| 100 % für den Klimaschutz 7 VISION 2050 Dieses Kapitel wirft den Blick auf das Jahr 2050. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Strategiegruppen beschreiben ein regionales Umsetzungsergebnis für die verschiedenen Themenbereiche in Form von Annahmen, Wünschen und Vorstellungen, wenn die Ziele des Masterplans ideal und vollständig umgesetzt worden sind. Es handelt sich hierbei nicht um Prognosen oder Szenarien, sondern um erste Bilder und Visionen. Die vollständigen Visionsbil- der können der Dokumentation des Masterplan-Prozesses online unter http://www.klimaschutz2050.de entnommen werden. Energieversorgung Für das Energiesystem in der Region Hannover gilt: Klimaschutz hat auf entscheidungsrelevan- ten Ebenen hohe Priorität. Die Energieversorgung ist alltäglich erfahrbar, CO2- und atomstromfrei. Der Energiebedarf in der Region ist auf ein notwendiges Minimum reduziert. Die Energieversorgung von Bevölkerung, Gewerbe und Industrie ist sicher, umwelt- und klima- freundlich sowie wirtschaftlich. Die Energieerzeugung erfolgt 2050 überwiegend dezentral durch Wind und Sonne. Zur Wär- meversorgung sind die Nutzung von Solarthermie, Umweltwärme, Biomasse und Abwärme wichtig. Gebäude sind zu Mikrokraftwerken geworden: Sie nutzen die Solarenergie auf einem Großteil der Dachflächen und geeigneten Fassaden. Windenergieanlagen sind als Bestandteil der regionalen Kulturlandschaft akzeptiert. Hier- durch konnten alle geeigneten Flächen in der Region als Vorranggebiete für die Windenergienutzung ausgewiesen werden. Auch für die Solarstromerzeugung stehen Flächen zur Verfügung. Insgesamt wird durch die Reduzierung des Energieverbrauchs verantwortungs- voll mit dem Flächenbedarf zur Nutzung der erneuerbaren Energien umgegangen. Zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit wurde ein leistungsfähiges Speichersystem aufgebaut und die Energieflüsse werden mit einem intelligenten Konzept gesteuert. Lebensraum Die Region ist lebenswert und durch ihre vitalen Städte und lebendigen Dörfer charakterisiert. Der demografische Wandel wurde und wird aktiv gestaltet und sichert die Lebensqualität für alle. Quartiere und Zentren zeichnen sich durch eine gute Nutzungsmischung von Wohnen, Arbei- ten und Versorgungseinrichtungen auf kurzen Wegen aus und sind in ein attraktives ÖPNV- Netz eingebunden. Die Straßenräume sind lebendig und sicher: Hier haben Menschen die zu Fuß gehen und Radfahren mit den verbleibenden Autofahrerinnen/ –fahren ein rücksichtsvol- les Miteinander entwickelt. Mit Zentren in den Umlandkommunen kann auch die Infrastruktur kleiner ländlicher Siedlungen gesichert werden. Nachhaltiges Flächenmanagement hat zu einem geringen Verbrauch unversiegelter Flächen geführt. Die konsequente Vernetzung von Frei- und Erholungsräumen dient dem Klimaschutz und unterstützt eine Anpassung an die Folgen des Klimawandels. Damit wird auch im urbanen Raum die biologische Vielfalt erhalten. Phase 1: Juni 2012 bis Dezember 2013 Seite 47 | 136
Masterplan Stadt und Region Hannover| 100 % für den Klimaschutz Verkehr Die Entwicklung der Siedlungen und der Infrastrukturen erfolgt bis 2050 in enger Abstimmung mit dem ÖPNV, der weiterhin ausgebaut und stetig um neue flexible Mobilitätsangebote erweitert wird: Fahrrad, Car-Sharing, Bus und Bahn sind durch ein intelligentes Mobilitätsma- nagement verknüpft und können je nach Bedürfnis ausgewählt werden. Klimafreundliche Mobilitätsformen haben ein positives Image: Die Menschen bevorzugen den Rad- und den Fußverkehr sowie den ÖPNV. Der Radverkehr hat deutlich zugenommen und nutzt ein sehr gutes Radverkehrsnetz mit integrierten Radschnellwegen. Die Fahrzeuge des ÖPNV sind emissionsfrei und können als Stromspeicher genutzt werden. Für alternative An- triebe besteht eine flächendeckende Infrastruktur, Gebäude und Parkräume am Rand der Quartiere werden als Ladestationen genutzt. Im Güterverkehr hat bundesweit die kombinierte Nutzung von Schiene, Binnenschiff und Straße zugenommen. Insbesondere der Transportanteil auf der Schiene ist deutlich gestiegen – dem trägt die Region mit der Förderung entsprechender Infrastrukturen Rechnung. Gebäude Öffentliche Gebäude in der Region Hannover sind Vorbilder für ein nachhaltiges Gebäudema- nagement. Im Jahr 2050 werden in den Gebäuden im Sommer und Winter behagliche Temperaturen und gute Raumluft zu bezahlbaren Kosten erreicht. Insgesamt ist der Energiebedarf im Gebäudesektor im Vergleich zum Beginn des Jahrhunderts erheblich reduziert worden. Dies ist möglich, da die Gebäude über eine optimale Energieeffi- zienz mit minimalem Wärme- und Kühlbedarf verfügen. Darüber hinaus führt in der Bevölkerung der Trend zu suffizientem Verhalten zu erheblichen Energieeinsparungen. Die Strom- und Wärmeversorgung erfolgt erneuerbar und vernetzt in Quartieren. Alle neu eingebauten Baumaterialien werden so hergestellt, dass sie nach langer Nutzungsdauer recy- celt werden und neuen Nutzungsformen zugeführt werden können. Wirtschaft und Stoffkreisläufe Im Jahr 2050 setzt sich die Wirtschaft in der Region Hannover aus einem Mix verschiedener Branchen zusammen. Eine Verlagerung der Unternehmensstandorte in andere Länder wurde weitgehend verhindert. Neben Gewerbe, Handel und Dienstleistungen hält die Industrie im- mer noch einen relativ großen Anteil. Insbesondere die Bedeutung von Informationstechnologie-, Logistik- und Mobilitätsdienstleistungen sowie „Life Sciences“ hat zugenommen. Auch energieintensive Betriebe sind in der Region beheimatet – die benötigte Energie wird fast vollständig CO2-neutral erzeugt. Jedes Unternehmen hat das Interesse, alle wirtschaftlichen Energie-Einsparpotenziale auszu- schöpfen. Unterstützt durch die flächendeckenden und zielgruppenspezifischen Beratungsangebote in der Region Hannover haben die Unternehmen „Klimaneutralität“ er- reicht oder wesentliche Maßnahmen umgesetzt. Betriebe arbeiten energieautark oder sind in energetische Verbundsysteme integriert. Bei allen Investitionen werden die Material- und 15 Energieflusskosten beachtet. Die Energieeffizienz, z.B. von Anlagen, spielt eine wesentliche 15 Bei der Flusskostenrechnung steht die Analyse und Bewertung der Material- und Energieflüsse und der daraus resultierenden Kosten im Vordergrund. Sie trägt zur Transparenz der betrieblichen Kostenrechnung und der Verbes- serung der Ressourceneffizienz bei. Weitere Informationen: ISO 14051. Quelle: MU Baden-Württemberg, Betriebli- Betrieblicher Umweltschutz www.umweltschutz-bw.de. Phase 1: Juni 2012 bis Dezember 2013 Seite 48 | 136
Masterplan Stadt und Region Hannover| 100 % für den Klimaschutz Rolle. Bei der Finanzierungsberatung und Kreditvergabe werden Energieeffizienz und Nachhal- tigkeit geprüft. Für die regional hergestellten Produkte stellt Energieeffizienz bei der Produktion und Nutzung ein Querschnitts-Kriterium dar. Die Lebensdauer der Produkte spielt eine wesentliche Rolle. 16 Nach dem „Cradle-to-Cradle-Konzept“ werden alle erzeugten Produkte in einen - möglichst regionalen – Stoffkreislauf integriert. Dafür sind die Materialien und Inhaltsstoffe der Produkte gekennzeichnet. Durch eine getrennte Erfassung und Verwertung aller Materialien sowie durch konsequente Abfallvermeidung fällt nahezu kein Abfall mehr an. Angesichts des Paradigmenwechsels beim Klimaschutz ist eine Gemeinwohlorientiertung des Wirtschaftssystems entstanden, die globale und generationenübergreifende Gerechtigkeitskri- terien allem Handeln zugrunde legt. Der Respekt des eigenen Wertes der Natur ist integraler Bestandteil wirtschaftlichen Handelns. Alltag in der Region Hannover Die Lebensqualität in der Region Hannover ist hoch – die Menschen leben überwiegend zufrie- den, gut und gerne hier. Die Folgen des Klimawandels sind inzwischen auch im Alltag spürbar. Darauf hat sich die Bevölkerung in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend eingestellt und angepasst. Informierte Bewohnerinnen und Bewohner übernehmen Verantwortung für ihre regionale Lebenswelt: Sie gestalten in demokratischen Verfahren, durch persönliches Verhal- ten sowie in partizipativen Prozessen im eigenen Umfeld, wie die Grundsätze und Rahmenbedingungen des Zusammenlebens praktisch umgesetzt werden. Die regionale Grundversorgung orientiert sich an der Maxime „Gut leben statt viel haben“. Klimafreundliches Handeln wird von einem vielfältigen Angebot an klimaschonenden Prozes- sen und Produkten unterstützt. Die Ernährung erfolgt zu einem hohen Anteil mit Lebensmitteln aus regionalem und biologischem Anbau. Die Klimawirksamkeit von landwirt- schaftlichen Produkten aus regionaler oder überregionaler Herkunft ist für Verbraucherinnen und Verbraucher auf einen Blick nachvollziehbar und damit eine wichtige Entscheidungshilfe. Die Wohnformen haben sich dem demografischen Wandel und den neuen Bedürfnissen ange- passt. Es werden flexible generationenübergreifende Konzepte in der Stadt und im Dorf angeboten. Darüber hinaus hat eine Neugestaltung des Bildungssystems stattgefunden. Neue Lernräume sind quartiersnah. Bei der Freizeitgestaltung überwiegen der Regional-Tourismus und soziale Begegnungen. 16 Mit Hilfe des Cradle-to-Cradle-Konzepts (dt: von der Wiege zur Wiege) soll die Intelligenz natürlicher Systeme für die Entwicklung neuer Produkte genutzt werden, um eine friedliche Koexistenz von Wirtschaft und Natur zu ermög- lichen. Es folgt dabei dem Grundgedanken, dass Abfall gleichbedeutend mit Nahrung ist. Anstelle dessen sollen Verbrauchsgüter in einem biologischen Nährstoffkreislauf geführt werden und Gebrauchsgüter in technischen Kreisläufen organisiert werden (vgl. Springer Gabler Verlag 2013). Phase 1: Juni 2012 bis Dezember 2013 Seite 49 | 136