Kassel

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Integriertes Klimaschutzkonzept für die Stadt Kassel Abbildung 14: Übersicht über die Stadtteile; hervorgehoben sind die drei Stadtteile, auf denen der Fokus des integrierten Klimaschutzkonzeptes liegt (Quelle: Stadt Kassel). Vorderer Westen E CKDATEN        ZU DEN     S CHWERPUNKTSTADTTEILEN K IRCHDITMOLD , U NTERNEUSTADT                                UND    B ETTENHAUSEN Der Stadtteil Kirchditmold weist eine Fläche von 3,60 km² mit 10.448 Einwohnern (Stand 31.12.2010, vgl. HSL 2011) auf und erstreckt sich im nord-westlichen Bereich Kassels von den weitläufigen Gleisanla- gen des Rangierbahnhofs bis an den Rand des Habichtswaldes. Schon im Mittelalter hatte Kirchditmold (bzw. Diethmelle) eine große Bedeutung und zeigt noch heute eine historische Prägung. Als fast aus- schließlich wohngenutzter Stadtteil besteht Kirchditmold heute aus Quartieren, die vom Beginn des 20. Jahrhunderts an bis in die Nachkriegszeit errichtet wurden. Die archi- Abbildung 15: Das Zentrum von Kirchdit- mold (Quelle: Stadt Kassel). tektonisch   bedeutsame,         in  den   späten   1920er      Jahren    in einem   Genos- senschaftsmodell erbaute Riedwiesensiedlung steht als Ensemble unter Denkmalschutz. Im Zentrum des Stadtteils an Teich- und Zentgrafen- straße befindet sich ein historischer Dorfkern mit Fachwerkhäusern und der Kirche als Mittelpunkt. Im Westen wird die Bebauung von Ein- und Mehrfamilienhäusern mit großzügigen Gartengrundstücken dominiert. Insgesamt zeichnet sich der Wohnstandort Kirchditmold durch eine hohe Wohnqualität aus. Dazu tragen ein hoher Grünflächenanteil und mehrere Kleingartenvereine sowie zahlreiche Spazier- und Wanderwege zu Schlosspark und Habichts- wald bei. Mit dem Bau einer Umgehungsstraße konnte der Ortskern vom Durchgangsverkehr entlastet werden. Durch den Ausbau der RegioTram wurde die Anbindung an den ÖPNV maßgeblich verbessert, wenngleich noch immer ein hohes Verkehrsaufkommen durch eine starke Pendlerbelastung besteht. Seite 40
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Integriertes Klimaschutzkonzept für die Stadt Kassel Die Unterneustadt, das „Quartier am Fluss“, weist eine Fläche von 2,83 km² mit 3.888 Einwohnern (Stand 31.12.2010) auf. Das beliebte Wohnviertel erstreckt sich innenstadtnah entlang des Flussufers. Historisch gesehen ist die Unterneustadt einer der ältesten Stadtteile Kassels und war bis zu seiner fast vollständi- gen Zerstörung im zweiten Weltkrieg der am dichtesten besiedelte Abbildung 16: Das moderne Wohnquartier    Stadtbezirk. Erst in den 80er Jahren wurden unter dem Motto „Stadt Unterneustadt an der Fulda (Quelle: Stadt Kassel). am   Fluss“ Pläne für eine erneute  Bebauung   entwickelt. Basis  der  Pläne war die sogenannte „Kritische Rekonstruktion“ des alten Stadtgrund- risses. Seit Ende der 1990er Jahre ist daher nach umfassender Bür- gerbeteiligung auf kleinteiliger Parzellierung mit unterschiedlichen Eigentumsmodellen am Flussufer ein urbanes, gemischtes Quartier mit hoher städtebaulicher Dichte entstanden. Nördlich und südlich des modernen Quartiers bestehen Wohnviertel mit Gebäuden aus dem 19. und früheren 20. Jahrhundert, die mit Nachkriegsbauten durch- setzt sind. Im Süden geht der Stadtteil über in das Freizeit- und Erholungsgebiet Fulda-Aue, wo wie am nördlichen Rand Felder, Gärtnereien und Kleingartenanlagen zur Naherholung liegen. Östlich der Wohnviertel befinden sich Gewerbeflächen, die in den benachbarten Industriestandort Bettenhausen übergehen. Der Stadtteil Bettenhausen schließt sich unmittelbar östlich an die Unterneustadt an und ist Wohn- und gleichzeitig Industriestandort, der in den letzten Jahrzehnten durch die ökonomischen Strukturumbrüche einen grundlegenden Wandel erfahren hat. Bettenhausen weist eine Fläche von 6,23 km² auf und hat 8.213 Einwohner (Stand: 31.12.2010). Entlang des renaturierten Flusses Losse erstreckt sich zentral der in den 1990er Jahren sanierte Dorfkern mit historischer Bausubstanz, welcher fast vollständig von weitläufi- gen Industrie- und Gewerbeflächen umgeben ist. Der Nordosten umfasst ein Altindustriegebiet mit mar- kanten, teilweise leer stehenden gründerzeitlichen Fabrikgebäuden (u. a. Salzmannfabrik, Haferkakao- fabrik) sowie den modernen Gewerbe- und Industriestandort Miramstraße mit entsprechend modernen Lagerhallen und Flächenzuschnitten. Der Südwesten umfasst unter anderem einen seit Mitte der 1980er Jahre revitalisierten Altindustriestandort auf dessen Flächen sich im „Unternehmenspark Kassel“ rund 70 kleinere Gewerbebetriebe, u. a. Existenzgründer aus der Kultur- und Kreativwirtschaft, als innovative Nachnutzer niedergelassen haben. Entlang der Losse schiebt sich ein grüner Keil aus der Landschaft bis ins Zentrum des Stadtteils. Felder, Wiesen, Bäche, der Eichwald im Osten des Stadtteils sowie Freizeit- und Kleingartenanlagen erhöhen die Wohnqualität und fördern die Naherholung. An der Hauptverkehrs- ader findet sich eine Bebauung mit mehrgeschossigen Geschäfts- und Wohnhäusern. Seite 41
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Integriertes Klimaschutzkonzept für die Stadt Kassel Abbildung 17: Blick auf Bettenhausen (Quelle: Stadt Kassel). Die Prägung des ehemaligen Industriestandorts befindet sich in einem stetigen Wandel. Beispielsweise wurden ehemalige Industrieanlagen zu kulturellen Einrichtungen umgewandelt, wie etwa die Salzmann- Fabrik, die heute als Kulturfabrik mit vielfältigem Angebot genutzt wird. 3.3 K LIMASC HUTZ                IN DER       S TADT K ASSEL Die Stadt Kassel hat in den letzten Jahren auf verschiedenen Ebenen Konzepte und Maßnahmen zum Thema Klimaschutz entwickelt und initiiert. Hierzu zählen die folgenden Aktivitäten, die den derzeitigen Status-Quo bilden: Die Stadt Kassel ist seit dem 22.04.1991 Mitglied des „Klima-Bündnis der europäischen Städte mit indigenen Völkern des Regenwaldes“ (auch „Alianza del Clima e.V.“), welches sich zum Ziel gesetzt hat, durch die Erarbeitung von Klimaschutzstrategien den Ausstoß von klimaschädlichen Gasen zu reduzieren und den Regenwald zu erhalten (www.klimabuendnis.org). Seit diesem Beitritt werden in der Stadtver- ordnetenversammlung der Stadt Kassel Beschlüsse im Bereich Klimaschutz, CO2-Emissionen und Energie thematisiert. Unter anderem beauftragte die Stadtverordnetenversammlung den Magistrat, Maßnahmen zur Erreichung des im Jahr 1991 verabschiedeten Klimaschutzzieles (Reduktion auf 50 % der CO2-Emissionen von 1990 bis spätestens zum Jahr 2030) zu entwickeln. Die Beschlüsse lassen sich im Umweltportal der Stadt Kassel (www.umweltportal-kassel.de) nachlesen. Das Internetportal informiert interessierte Bürger ausführlich über Themen aus verschiedenen Bereichen wie Abfall, Immissionen, Bodenschutz, Mobilität, Natur, Wasser sowie selbstverständlich auch Klima und Energie (siehe www.umweltportal-kassel.de), zudem gibt es Hinweise auf themenbezogene überkommu- nale Informationsmöglichkeiten. Im Rahmen verschiedener Initiativen (z.B. Aktionsprogramm zur lokalen Agenda 21) wurden in den vergangenen Jahren verschiedene Handlungsansätze erarbeitet, um eine Reduktion der CO2-Emissionen in verschiedenen Handlungsfeldern zu erreichen. Vielfältige Aktivitäten zum Thema Energie und Nachhaltigkeit zeichnen das Engagement der Stadtver- waltung aus: Im Oktober 2011 unterzeichnete Kassels Bürgermeister Jürgen Kaiser beim deutschlandweit größten Kommunalkongress zum Thema erneuerbare Energien in Kassel als einer der Ersten die vom Kompetenz- netzwerk Dezentrale Energietechnologien (deENet e.V.) vorgestellte Charta „100 % Erneuerbare- Energien-Regionen" (100ee-Regionen). Seite 42
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Integriertes Klimaschutzkonzept für die Stadt Kassel Oberbürgermeister Bertram Hilgen unterzeichnete am 27.11.2009 die Hessische Charta für den Klima- schutz („Hessen aktiv: 100 Kommunen für den Klimaschutz“). Kassel ist damit eine der ersten 20 Kommunen in Hessen, die sich besonders für den Klimaschutz in ihrer Region engagieren. Die Charta für den Klimaschutz ist im Rahmen eines Projektes der Nachhaltigkeitsstrategie Hessen ins Leben gerufen worden. Ziel des Projektes ist es, mindestens 100 hessische Kommunen für das Programm zu gewinnen, die zusammen mit der Landesregierung, Unternehmen und Schulen in Hessen sowie mehr als 10.000 Bürgerinnen und Bürgern an einer nachhaltigen Zukunft in unserem Land arbeiten (www.hessen- nachhaltig.de). Die Stadt Kassel weist die Bürgerschaft auf das Angebot rund um die Hessische Energie- spar Aktion hin, die Energieeinsparung vor allem im Altbau zum Ziel hat (www.energiesparaktion.de/). Die im Rahmen der lokalen Agenda 21 initiierten Maßnahmen des Energiemanagements zur Erhöhung der Energieeffizienz städtischer Liegenschaften sollen weitergeführt werden. Für ihr vorbildliches Enga- gement im Wettbewerb „Bundeshauptstadt im Klimaschutz“ wurde der Stadt Kassel der Titel „Klima- schutzkommune 2006“ verliehen. Im Jahr 2007 folgte die Umsetzung des durch die Stadtverordnetenversammlung beschlossenen Indikatorensystems für die nachhaltige Entwicklung der Stadt Kassel mittels der Nachhaltigkeitsberichte. Diese beziehen sich auf die Stadt Kassel und gliedern sich in 18 Indikatorenberichte mit über 100 Nach- haltigkeitsthemen aus den vier Dimensionen Ökologie, Ökonomie, Soziales sowie Partizipation. In diesen regelmäßig aktualisierten Berichten finden sich klimaschutzrelevante Aspekte. So wird beispielsweise in der Dimension Ökologie anhand der Energieindikatoren der CO2-Ausstoß und Energieverbrauch ver- schiedener Abnehmergruppen analysiert. Die Berichte sind ebenfalls im Umweltportal der Stadt Kassel verfügbar (www.umweltportal-kassel.de). Die Einrichtung des „Zukunftsbüro“ der Stadt Kassel verfolgt das Abbildung 18: Klimakommunikation in Nordhes- sen (Quelle: KLIMZUG). Ziel, neben der Anpassung an den demographischen Wandel in ausgesuchten Stadtteilen Klimaschutzaspekte in Zusammenarbeit mit den Bürgern vor Ort in die städtische Entwicklung einzubringen. Kurzfristige Anpassungen an den Klimawandel sind durch den Klimaschutz allein nicht zu leisten. Daher verfolgt das Projekt „KLIMZUG“ (www.klimzug.de/) den Ansatz, die Anpassung an den Klimawandel in verschiedenen Bereichen zu fördern. Die Stadt Kassel ist an diesem „Klimaanpassungsnetzwerk für die Modell- region Nordhessen“ (www.klimzug-nordhessen.de/) beteiligt und unterstützt neben zahlreichen Projekten auch die Plattform „Klimakommunikation“. Im Jahr 2008 startete die Stadt Kassel Initiativen zur Förderung erneuerbarer Energien und machte ihre Zielsetzungen im Bereich erneuerbare Energien und Energieeffizienz deutlich, die unter dem Jahresmotto „Solarstadt Kassel“ zusammengefasst wurden. Die Erhebung der in Kassel installierten Solaranlagen diente u.a. der Anmeldung zur „Solarbundesliga“, die einen bundesweiten Vergleich der Städte und Kommunen herstellt. In der Kategorie „Großstädte“ erreichte die Stadt Kassel Platz 13 (Wärme: 0,044 m² Solarthermie/Einw.; Strom: 78,3 W/Einw.) und ist damit beste hessische Großstadt. Seite 43
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Integriertes Klimaschutzkonzept für die Stadt Kassel Die Stadt Kassel ist Mitveranstalterin des „Hessen Solar Cup“, einem Bildungswettbewerb für Schüler und Auszubildende, welcher seit 2006 jährlich veranstaltet wird. Nach Peking (2007) und Johannesburg (2009) stand im Jahr 2011 die Stadt Kassel als Veranstaltungsort für den Weltsolarkongress ISES im Blickpunkt der internationalen Solarforschung. Zum Kongress waren mehr als 700 Forscher aus aller Welt in Kassel zu Gast (www.ises.org). Der Farrington Daniels Award wurde für hervorragende wissenschaftliche Forschung zur Solartechnik und Solararchitektur verliehen. Seit 2005 vergeben Stadt und Landkreis Kassel den Solararchitekturpreis, der herausragende Architek- turlösungen im Zusammenhang mit Solarenergie und Energieeffizienz ehrt. Abbildung 19: Der Solardachfinder der Stadt Kassel gibt Hausbesitzern Informationen zur Eignung der Dachflächen für die Solarenergie-Nutzung (Quelle: Stadt Kassel). Abbildung 20: Logo der Dachflächenbörse SolarLokal Kassel (Quelle: Stadt-Kassel.de). Informationen über die Eignung der eigenen Dachflächen hinsichtlich Aus- richtung, Neigung und Verschattung für die Installation von Solarenergie- Anlagen erhalten Hausbesitzer im „Solardachfinder“ (kurz SOLFI, www.stadt-kassel.de/stadtplan/themen/solardachfinder). In der Solardachbörse „SolarLokal“ können kostenlos Angebote und Gesu- che für Dachflächen in Kassel und darüber hinaus platziert werden. So werden interessierte Hauseigentümer und Investoren angesprochen und Angebot und Nachfrage zusam- men gebracht (www.solarlokal.de). Eine Verbesserung der Luftqualität, Steigerung der Energieeffizienz durch energetische Sanierungen, Förderung des Einsatzes erneuerbarer Energien und weitere klimaschutzrelevante Aspekte werden be- reits im Luftreinhalte- und Aktionsplan für den Ballungsraum Kassel (vgl. HMULV 2006) aufgegriffen. Dieser wurde erstmals im Jahre 1984 als Luftreinhalteplan Kassel mit einer Fortschreibung 1999 nach Landesrecht veröffentlicht. Die aktuelle Fortschreibung des Luftreinhalteplans für den Ballungsraum Kassel ist am 22.08.2011 in Kraft getreten und ersetzt den Plan aus dem Jahr 2006 (vgl. HMULV 2006; HMUELV 2011). Er beinhaltet vor allem bauliche Maßnahmen zur Reduzierung der Fahrzeugemissionen. Seite 44
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Integriertes Klimaschutzkonzept für die Stadt Kassel Die energetische Sanierung städtischer Gebäude wird im vom Amt Hochbau und Gebäudewirtschaft erstellten und regelmäßig aktualisierten Energiebericht dargestellt. Die CO2-Berichte der Stadt Kassel greifen verschiedene Bereiche wie städtischen Liegenschaften, Verkehr und erneuerbare Energien auf. Mit den im Winter 2010/2011 erstmals durchgeführten Thermografie-Spaziergängen, initiiert durch das Umwelt- und Gartenamt der Stadt Kassel, wurde ein visueller Ansatz genutzt, um Sanierungsbedarf bei Bestandsgebäuden aufzudecken und die Sanierungstätigkeit zu erhöhen. Aufgrund des hohen Interesses und der hohen Nachfrage wird eine Fortsetzung der Aktion im Winter 2011/2012 geplant. Das Thema Klimaschutz soll auch in Zukunft in städtische Aktionen und Aktionswochen eingebunden wer- den, so trägt beispielsweise der “Tag der Umwelt“ 2012 den Titel „Gemeinsam in eine bessere Energie- zukunft“. Zur Erhöhung der Energieeffizienz und Optimierung der Energienutzung in kommunalen Liegenschaften erhalten die bei der Stadt Kassel beschäftigten Hausmeister entsprechende Schulungen. Insgesamt stehen in Kassel 5.500 Gebäude unter Denkmalschutz, davon ca. 2.000 Kulturdenkmäler und 3.500 Gebäude aus Gesamtanlagen. Diese weisen oft einen erhöhten Energiebedarf verglichen mit modernen Wohnhäusern auf. Gleichzeitig bestehen besondere Anforderungen an die energetische Sanie- rung der Gebäude. Im Rahmen des Modellprojekts „Denkmal & Energie“ mit dem Netzwerk dezentrale Energietechnologien (deENet e.V.) bietet die Untere Denkmalschutzbehörde der Stadt Kassel ein kombi- niertes Energieberatungsgespräch an, in dem ein Team aus Denkmalpflegern und Energieberatern mit den Hausbesitzern gemeinsam erste Ideen zur energetischen Sanierung entwickelt und Hilfe bei der Stellung eines Bauantrags bietet. Auch Möglichkeiten für Zuschüsse und Abschreibungen werden mit den Hausbesitzern geklärt um so die Energieeffizienz historischer Gebäude langfristig zu steigern. Dieses Energieberatungsgespräch ist für die Hausbesitzer kostenlos (www.serviceportal-kassel.de/ cms05/dienstleistungen/048096/index.html; www.deenet.org/Denkmal-Energie.2313.0.html). Zusammen mit anderen Partnern ist die Stadt Kassel Mitglied im „Kompetenznetzwerk dezentrale Ener- gietechnologien e.V.“ (deENet). Im Jahre 2008 wurde die Aktion „Bleib gesund, altes Haus“ gestartet, mit der vor allem Gebäudeei- gentümer über die Potenziale der energetischen Altbausanierung informiert werden sollten. Eine Ausstel- lung, Vorträge und Begehungen guter Beispiele vor Ort wurden in diesem Zusammenhang veranstaltet. 2009 wurde die Aktion fortgeführt und durch die Herausgabe von Flyern zur Altbausanierung allgemein sowie im Besonderen zur Sanierung denkmalgeschützter Gebäude und Fachwerkbauten fortgesetzt. Das Sozialamt der Stadt Kassel hat bereits im Jahr 2005 den Energie-Ratgeber „Clever Energie sparen mit wenig Kohle“ herausgegeben, der Tipps rund um klimabewusstes Verhalten gibt. Die Verpflichtung zur Nachhaltigkeit, umweltschonender Mobilität und Energieversorgung auf regenerati- ver Basis ist im Unternehmensleitbild der Kasseler Verkehrs- und Versorgungs-GmbH (KVV mit den Tochtergesellschaften Kasseler Verkehrs Gesellschaft AG (KVG) und Städtische Werke AG) verankert. Sichtbar wird dies mit der Aufnahme der KVV sowie der Tochterunternehmen in die Umweltallianz Hes- sen. Seite 45
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Integriertes Klimaschutzkonzept für die Stadt Kassel Um im Klimaschutz glaubwürdig argumentieren zu können, sollte der ÖPNV bei der Produktion von Ver- kehrsleistungen Vorbild sein, weshalb umweltgerechte städtische Verkehrsplanung ein wichtiger Beitrag zum städtischen Klimaschutz und der Umsetzung des Luftreinhalteplans für den Ballungsraum Kassel ist. In diesem Sinne wurde im Oktober 2011 die Straßenbahnstreckenverlängerung nach Vellmar eröffnet. Schon seit Mitte der 1990er Jahre betreibt die KVG systematisch den Ausbau des ÖPNV-Angebots. Hierzu zählen insbesondere die Tram-Streckenverlängerung nach Baunatal, Helleböhn und in das Lossetal sowie das gemeinsam mit dem NVV vorangetriebene RegioTram-Projekt (Stadt-Umland-Verbindungen mit Zweisystem-Fahrzeugen). Seit dem 22. Juni 2010 sind Fahrzeuge der KVG sowie der beauftragten Subunternehmen CO2-neutral; die Bahnen bereits seit 2007. Weitere Maßnahmen der KVG im Bereich Klimaschutz sind der Einsatz erneuerbarer Energien in den Betriebshöfen, die Nutzung von Strom aus Wasserkraft zum klimaschonenden Antrieb der Straßenbahnen, die Rückgewinnung der Bremsenergie, eine stetige Modernisierung des Fuhrparks sowie die Qualifikation des Personals durch regelmäßiges Eco-Training zum kraftstoffsparenden Fahren. Im Zusammenhang mit dem Projekt ZEBRA (siehe unten) und weiteren Forschungsprojekten arbeitet die KVG an der Integration der Elektromobilität in den ÖPNV (z.B. durch den Einsatz von E-Bussen und der Integration von Carsharing-Angeboten mit E-Autos in den ÖPNV). Abbildung 21: Werbung für die Klimaflotte der KVG (Quelle: KVG). Im Bereich der Mobilität hat sich in den letzten Jahren ein Wandel vollzogen. Durch die technische Umgestaltung von Antriebstechnologien auf Basis von Elektro-Energie, wurden auch Stromtankstellen im Stadt- gebiet errichtet. Durch die Förderung des Fahrradverkehrs in der Stadt Kassel wird ein weiterer wesentlicher Beitrag zum Klimaschutz geleistet. Der Ausbau der Fahrradinfrastruktur und des Fahrradver- leih-Systems „Konrad“ tragen zu einer fahrradfreundlicheren Umge- bung bei. Die KVG hat die Initiative der hessischen Landesregierung „100 Unternehmen für den Klimaschutz“ unterzeichnet und sich damit verpflichtet, ihre entsprechenden Aktivitäten systematisch weiter vo- ranzutreiben. Der Städtische Werke AG fällt bei den Aktivitäten zum Klimaschutz in Kassel eine bedeutende Rolle zu. Aus diesem Grund arbeitet die Städtische Werke AG systematisch am Ausbau erneuerbarer Energien und führt ihre Klimaschutzaktivitäten in einer Klima-Roadmap zusammen. Unter anderem wurde bereits 1999 das Wasserkraftwerk „Neue Mühle“ wieder in Betrieb genommen und Strom aus Photovoltaikanla- gen auf den eigenen Dächern sowie auf Haltestellen, Betriebshöfen und Freiflächen erzeugt. Die Geschäftsfelder E-Mobilität, Windenergie, Biogas und die CO2-neutrale Gas-Versorgung werden entwickelt und stetig ausgebaut (siehe Klima-Roadmap unter www.100-ee-kongress.de/fileadmin /content/downloads/3._Kongress/F7/f7_longobardi.pdf) – beispielsweise ist die Städtische Werke AG seit 2011 der bundesweit größte Anbieter von CO2-neutralem Gas. Seit dem 30.10.07 werden alle Kunden mit CO2-neutral erzeugtem Strom aus Wasserkraft (Naturstrom) beliefert. Weiterhin bietet die Städtische Werke AG das Produkt Nahstrom an, bei dem Strom aus regenerativen Ressourcen (Wasser- Seite 46
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Integriertes Klimaschutzkonzept für die Stadt Kassel kraft) und Fernwärme im Kraft-Wärme-Kopplungsprozess aus konventionellen Kraftwerken geliefert wird. Mit dem Angebot „Nahstrom/Naturstrom aus Kassel“ hat die Städtische Werke AG ein Produkt zur Förderung erneuerbarer Energieträger entwickelt, welches sich neben 100 % erneuerbarer Energie durch einen regionalen Bezug mit kurzen Transportwegen auszeichnet und damit einen wichtigen Beitrag zu Ressourcen- und Klimaschutz leistet. Der Mehrpreis von ca. 4Ct/kWh wird für die Realisierung weiterer regionaler Energieprojekte eingesetzt. Ergänzend dazu wird eine Energieberatung für Privat-, Gewerbe- und Industriekunden bei energetischen Modernisierungen und allen Fragen rund um die Energieeffizienz und -einsparung angeboten, welche Spartipps, Energiechecks (EnergieCheck, EnergieCheck Plus, Klima- Check, siehe www.sw-kassel.de), EnergiesparClips, HaushaltsChecks und ThermographieChecks umfasst, Energieausweise ausstellt und die Erdgasmobilität fördert. Im Rahmen einer Bildungsinitiative werden Projekte mit Bezug zu den Bereichen Energie, Wasser und Umwelt gefördert. Mit dem Projekt ZEBRA: Zukunftsfähige Elektromobilität – Beispielhafte Regionale Anwendung soll das Land Hessen zum Vorreiter für Elektromobilität werden, die Stadt Kassel wurde als eine von drei Modellregionen ausgewählt. Die KVV betreibt daher in einer Testphase drei Elektro-Autos (STROMOS), um die Praktikabilität und Nutzer- attraktivität zu steigern. Die Städtische Werke AG ist dabei für die Bereitstellung der Infrastruktur ver- antwortlich, das E-Tankstellennetz soll hessenweit vergrößert werden. Die Fahrzeugflotte der Städtische Werke AG wird durch Erdgasautos ergänzt. Bei stadteigenen Betrieben wird die Umrüstung von Fahr- zeugen auf Erdgasbetrieb gefördert. Ein weiteres wichtiges Angebot für die Umsetzung von Energie- sparmaßnahmen ist das Energie-Contracting. Die Stadtverordnetenversammlung hat am 07.09.2009 die weitere Entwicklung von Contracting-Vorhaben beschlossen. Diese sollen in Kooperation zwischen der Städtische Werke AG und dem örtlichen Handwerk insbesondere im Bereich der Ein- und Zweifamilien- häuser umgesetzt werden. Die Städtische Werke AG ist Mitgründer der SUN (Stadtwerke Union Nordhessen; www.sun- stadtwerke.de), in der sechs nordhessische Stadtwerke, Kommunen und Bürgern helfen, eine eigene rege- nerative Energieversorgung aufzubauen. Gemeinsam mit den SUN-Partnern und dem Fraunhofer IWES beteiligt sich die Städtische Werke AG an der Erarbeitung des Konzepts „Energiewende Nordhessen“, um die Region mit dezentralen, erneuerbaren Energien zu versorgen. Gemeinsam mit verschiedenen Partnern wie Viessmann, Wintershall, Volkswagen, E.ON Mitte und der Universität Kassel ist die Städti- sche Werke AG am „Institut für dezentrale Energietechnologie gemeinnützige GmbH (IdE)“ beteiligt. Die Tochtergesellschaft der KVV, die Müllheizkraftwerk Kassel GmbH (mhkw), wurde in den Jahren 2006 bis 2008 energetisch optimiert. Unter anderem wurde die Rauchgasreinigungsanlage erneuert, ein Trockenadsorptionsverfahren mit Natriumbikarbonat eingeführt und die Prozessabläufe durch ein Wär- meverschiebungssystem optimiert. Die Anlagen ermöglichen daher eine energetische Verwertung auf hohem technischem Niveau, sodass hier jährlich bis zu 150.000 t Abfälle bei 7.500 Volllaststunden bei deutlicher Unterschreitung der Emissionswerte verwertet werden können. Die aus dieser Art der thermi- schen Behandlung anfallende Energie wird ressourcenschonend zur Erzeugung von Strom und Fernwärme eingesetzt. Seite 47
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Integriertes Klimaschutzkonzept für die Stadt Kassel Über die Kasseler Fernwärme GmbH (KFW) wird das Stadtgebiet Kassel mit umweltfreundlicher Fern- wärme aus drei Heizkraftwerken und vier Heizwerken versorgt. In den Kraftwärmekopplungsanlagen wird darüber hinaus Strom für die Städtische Werke AG erzeugt. Verschiedene Angebote zur Umweltbildung und Naturpädagogik greifen die Themen Energie, Klima- wandel und Umweltschutz in der Stadt und Region Kassel auf. In den 16 Biologischen Lernorten Kassel (BioLeKa) werden Veranstaltungen für Schulklassen durchgeführt, beispielsweise die Energiewerkstatt im Wassererlebnishaus Fuldatal. Statement für den Klimaschutz                      Auch die „KlimaKiste“, gefüllt mit Mate- rialien und Messgeräten für verschiedene Altersgruppen rund um das Thema Klima und Klimaschutz, wird an Schulen und Kindertagesstätten in der Stadt Kassel eingesetzt, beispielsweise in der Montes- sori-Schule. Analog zur Aktion „Hessen aktiv: 100 Kommunen für den Klimaschutz“ haben in der Stadt Kassel vier Schulen die Charta für den Klimaschutz im Programm „Hessen aktiv: 100 Schulen für den Klimaschutz“ unterzeichnet und setzen sich so dafür ein, energiesparende Maßnahmen umzusetzen und das Bewusstsein für Klimaschutz und Nachhaltigkeit zu fördern. Insgesamt wurden drei Umweltschulen in der Stadt Kassel eingerichtet (Grundschule Bossental, Schule am Wall, Offene Schule Waldau). Im bundesweiten Projektwettbewerb „klima on … s’cooltour 2008/09“ gewannen die Schüler der Va- lentin-Traudt-Schule Kassel mit vielfältigen Ideen und Projekten zum Klima- und Umweltschutz. Lösungsan- sätze für das globale Problem Klimawandel werden mit Schülern ab der Jahrgangsstufe 7 im Projekt „Klimaboot“ entwickelt, welches in Nordhessen und der Stadt Kassel aktiv ist. Seite 48
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Integriertes Klimaschutzkonzept für die Stadt Kassel 4 PROZESSVERLAUF UND AKTEURSBETEILIGUNG Das folgende Zitat des Oberbürgermeisters Bertram Hilgen von November 2009 verdeutlicht den hohen lokalpolitischen Stellenwert den das Thema Klimaschutz in Kassel einnimmt: „Um [im Klimaschutz] wir- kungsvoll tätig werden zu können, brauchen wir nicht ständig neue Konzepte, sondern die Möglichkeit, vorhandene Fördermöglichkeiten intelligent kombinieren zu können, um mit praktischem Klimaschutz vor Ort zu beginnen. Denn Klimaschutz beginnt in der Stadt, und jeder von uns kann ein Stück dazu beitragen, ohne dass wir auf Wohlstand und Lebensqualität verzichten müssen.“ (Rede von Oberbürgermeister Bertram Hilgen anlässlich der Eröffnung des 13. Hessischen Klimaforums am 24. November 2009). An diese Botschaft und den Aufruf zum Handeln knüpft das integrierte Klimaschutzkonzept an, welches als Leitlinie und Richtschnur für die vielfältigen Aktivitäten dient, da ein zielorientiertes und kooperatives Handeln sonst nur schwer möglich ist. Das vorliegende integrierte Klimaschutzkonzept für die Stadt Kassel umfasst vor Ort vorhandene Aktivi- täten und Entwicklungspotenziale mit einem Bezug zum Klimaschutz. Projekte, Planungsansätze und Ideen finden Beachtung und sind gebündelt, weiter entwickelt und ergänzt worden, um die Entwicklungsziele zu erreichen. Daneben war es im Rahmen der Konzeptentwicklung die Aufgabe, gemeinsam mit den Akteu- ren herauszufinden, wo Chancen, Hemmnisse und Potenziale für den Klimaschutz liegen und wie zukünfti- ge Klimaschutzaktivitäten koordiniert und zielorientiert umgesetzt werden können. Um langfristige Verän- derungen mit größtmöglicher Akzeptanz der Bürger vor Ort zu erreichen, wurde die Erarbeitung des Klimaschutzkonzeptes deshalb als ein beteiligungsorientierter Prozess verstanden, mit dessen Hilfe ein planerischer und gesellschaftlicher Prozess angestoßen wird. Adressaten des Erarbeitungsprozesses sind Bürger, lokale Akteure aus Politik, Vereinen, Initiativen, Verbänden und Kirchen, die Wirtschaft sowie Liegenschaftsbesitzer und die Stadtverwaltung. Abbildung 22: Vom unkoordinierten zum koordinierten Prozess. Seite 49
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