Konstanz
INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FÜR DIE STADT KONSTANZ 2.7 ZIELE UND VORGEHENSWEISE DER KONZEPTERSTELLUNG Das integrierte Klimaschutzkonzept dient als strategische Entscheidungsgrundlage und Pla- nungshilfe für zukünftige Klimaschutzanstrengungen und zeigt technische und wirtschaftliche CO2-Minderungspotenziale auf. Zusätzlich werden durch das integrierte Klimaschutzkonzept Ziele zur Minderung der CO2-Emissionen festgelegt und beschrieben, wie diese Ziele er- reicht werden können. Dabei umfasst das integrierte Klimaschutzkonzept alle klimarelevanten Bereiche wie Flä- chenmanagement, kommunale Liegenschaften, Beschaffungswesen, Straßenbeleuchtung, Privathaushalte, Gewerbe, Handel, Dienstleitung, Industrie, Mobilität, Abwasser und Abfall. Abbildung 6: Prozessablauf des Klimaschutzkonzeptes Eigene Darstellung durch Pöyry Der Prozess, um das Konzept zu erstellen gliederte sich, wie in Abbildung 6 dargestellt, in sechs Bausteine. Die Bestandsanalyse beinhaltet einen Aktivitätsrückblick im Bereich Klima- schutz, eine Bilanz der gesamtstädtischen und eine Bilanz der Sektor bezogenen Energie- verbräuche und CO2-Emissionen. Innerhalb der Potenzialanalyse wurden Potenziale zur Einsparung. Erzeugung und Effizienzsteigerung bei der Nutzung von Energie ermittelt. Zu- sätzlich wurden Szenarien mit unterschiedlich intensiver Umsetzung der aufgezeigten Po- tenziale für den Zeitraum bis 2050 entwickelt und dargestellt. Aus den jeweiligen Analysen lassen sich Maßnahmen ableiten, um die Potenziale auszuschöpfen. Mithilfe des Control- lingkonzepts können die Fortschritte der Umsetzung der Maßnahmen gesteuert, koordiniert und dokumentiert werden. Das Konzept der Öffentlichkeit hat zum Ziel, eine möglichst breite Information und Beteiligung der Öffentlichkeit zu schaffen, um die abgestimmten Maßnah- men umzusetzen. Die Einwohner in Konstanz sollen dadurch zu einer aktiven Teilnahme am Klimaschutz motiviert werden. Einführung 39
INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FÜR DIE STADT KONSTANZ Die Akteursbeteiligung wurde in die unterschiedlichen Bausteine der Konzepterstellung durch Befragungen, Interviews, Workshops und Zwischenpräsentationen integriert. Dadurch wurden die Interessen einzelner Akteure aufeinander abgestimmt und Akteure sowie Bürger über den Umsetzungsgrad informiert. Wichtiger Bestandteil der Akteursbeteiligung waren die regelmäßigen Abstimmungstreffen mit der Lenkungs- und Arbeitsgruppe, die sich aus Mit- gliedern der Politik, Fachgremien der Stadtverwaltung sowie Initiativen und Verbänden zu- sammensetzten. Die Lenkungsgruppe steuerte die Fortschritte der Konzeptentwicklung und die Arbeitsgruppe verfolgte und steuerte den Fortschritt der Maßnahmenumsetzung. 2013 hat der Konstanzer Stadtrat der Erstellung eines Integrierten Klimaschutzkonzepts für die Stadt Konstanz zugestimmt. Hierfür wurden der Stadt Konstanz von dem BMUB Förder- mittel im Rahmen der Klimaschutzinitiative gewährt. Mit dem Klimaschutzkonzept möchte Konstanz die begonnenen Klimaschutzaktivitäten fortsetzen und verstetigen. Ziel ist es, eine Auswahl von Maßnahmen zur effizienten Senkung des Energiebedarfs, zur Erhöhung der erneuerbaren Energieversorgung sowie zur Reduzierung der CO2-Emissionen zu treffen. Die Entwicklung, des vor allem auf Umsetzbarkeit ausgelegten Maßnahmenprogramms, er- folgte unter Einbindung weiterer Akteure in der Stadt sowie unter Berücksichtigung der aktu- ellen gesetzlichen Rahmenbedingungen. Das Projekt lief unter der Federführung des Amtes für Stadtplanung und Umwelt. Die Erarbeitung erfolgte in enger Abstimmung mit den städti- schen Fachstellen, den Stadtwerken Konstanz und der städtischen Wohnbaugesellschaft WOBAK. 3 ENERGIE- UND CO2-BILANZ 2012 Für die Stadt Konstanz wurde eine territoriale Energie- und CO2-Bilanz erstellt. Dazu wurden der Öl- und Erdgasverbrauch sowie die Stromimporte und der lokal erzeugte Strom den Sek- toren Privathaushalte (HH), Gewerbe, Handel und Dienstleistungen (GHD) (inkl. verarbeiten- des Gewerbe), kommunale und öffentliche Liegenschaften sowie Verkehr zugeordnet. Der territorialen Bilanzierung wurde der Vorzug gegenüber der Verursacherbilanzierung gege- ben, da die Stadt vor allem die im Stadtgebiet entstehenden Emissionen beeinflussen kann. Einzig der Strombezug wurde mit den indirekten Emissionen berücksichtigt, da diese einen erheblichen Anteil ausmachen. ENERGIEBILANZ 2012 Diese Energiebilanz der Stadt Konstanz umfasst den direkten Energieverbrauch in der Stadt nach Energieträger (Strom, Erdgas und Erdöl). Nicht berücksichtigt sind dabei Energieauf- wände, die außerhalb des Stadtgebietes anfallen, beispielsweise für die Produktion von Gü- tern und Dienstleistungen, die im Stadtgebiet genutzt bzw. verbraucht werden. Im Jahr 2012 belief sich die Energiebilanz der Stadt Konstanz auf knapp 1.370 GWh. Endenergieverbrauch Der größte Anteil des Endenergieverbrauchs (ca. 1.350 GWh) entfiel auf Privathaushalte mit ca. 52 %, gefolgt vom Sektor GHD mit ca. 26 %. Der Verkehrssektor verbrauchte ca. 16 %. Öffentliche und kommunale Verbraucher hatten einen Anteil von je ca. 3 % am Endenergie- verbrauch. Energie- und CO2-Bilanz 2012 40
INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FÜR DIE STADT KONSTANZ Energieaufwand Wichtigster Energieträger in der Stadt Konstanz waren Erdgas mit ca. 42 % und Erdöl mit ca. 36 %. Strom stellt ca. 22 % der benötigten Energie bereit. Insgesamt wurden 1.358 GWh von außerhalb des Stadtgebiets bezogen (Importe). Das entspricht 99 % der benötigten Energie. Photovoltaik lieferte im Stadtgebiet unter 1 % der benötigten Endenergie (Verbrauch). Die folgende Abbildung fasst den Endenergieverbrauch sowie den Energieaufwand der Stadt Konstanz für das Referenzjahr 2012 zusammen. Abbildung 7: Energieflussdiagramm der Stadt Konstanz 2012 CO2-EMISSIONSBILANZ 2012 Die energiebedingten direkten und indirekten CO2 Emissionen beliefen sich im Jahr 2012 auf über 512.000 t CO2/a bzw. knapp 6,5 t CO2/EW*a. Die folgenden Abbildungen sowie Tabelle 7 fassen die energiebedingten CO2-Emissionen nach Sektoren in Prozent und je Energieträ- 5 ger in t CO2/EW zusammen. Privathaushalte (HH) haben mit ca. 48 % den größten Anteil an den CO2-Emissionen und Stromimporte verursachen mit über 43 % den größten Anteil der anfallenden CO2-Emissionen. 5 Energieverbrauch: u.a. Haushaltsstrom, Raumwärme, Warmwasser und Prozesswärme (v.a. Kochen, Trocknen) Energie- und CO2-Bilanz 2012 41
INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FÜR DIE STADT KONSTANZ 7 6 Stromimporte 5 Gas 14% HH t CO2/EW 4 Öl 7% 3 GHD 48% 2 Öffentlich 1 31% 0 Verkehr Abbildung 8: Energiebedingte CO2-Emissionen Abbildung 9: Energiebedingte CO2-Emissionen 2012 nach Sektoren (%) 2012 nach Sektoren (t CO2/EW) Eigene Darstellung durch LBST Eigene Darstellung durch LBST Tabelle 7: Zusammenstellung der energiebedingten CO2-Emissionen (Dargestellt nach Verbrauchergruppe und Energieträger) t CO2 Öl Gas Stromimporte Gesamt Anteil in % Privathaushalte 78.121 83.840 85.566 247.527 48 % GHD 8.680 41.639 107.411 157.731 31 % Öffentlich - 12.952 21.834 34.786 7% Verkehr 67.931 - 4.319 72.250 14 % Summe 154.731 138.431 219.131 512.293 100% Eigene Darstellung durch LBST 2000-WATT-GESELLSCHAFT Die im Rahmen dieser Arbeit erstellte Energie- und CO2-Bilanz umfasst den Endenergiever- brauch und die damit verbundenen direkten und indirekten CO2-Emissionen. Nicht berück- sichtigt sind dabei der Energieverbrauch und die damit verbundenen CO2-Emissionen von Gütern und Dienstleistungen, die zwar in der Stadt genutzt und verbraucht, jedoch außerhalb des Stadtgebietes erzeugt wurden. Das Ziel der 2000-Watt-Gesellschaft umfasst jedoch den gesamten Primärenergieverbrauch und die damit verbundenen Treibhausgasemissionen und es werden beispielsweise die Erzeugung bzw. Bereitstellung von Lebensmitteln, Maschinen, Geräten oder Konsumgütern, die in anderen Teilen des Landes oder auf einem anderen Kontinent erfolgt, mitbilanziert (die sogenannte „graue Energie“). Eine Darstellung des aus dem territorialen Endenergieverbrauch berechneten Primärener- 6 gieverbrauchs in Höhe von knapp 3.000 W/EW zeigt, dass allein dieser Wert noch deutlich über dem Zielwert von 2.000 W/EW liegt. Abbildung 10 zeigt den Primärenergieverbrauch je Einwohner für die Stadt Konstanz und im deutschen Durchschnitt. Die Abbildung weist eben- falls eine Abschätzung des zusätzlichen Energieverbrauchs auf, der sich aus Importen von Gütern und Dienstleistungen ergibt (grauer Balkenanteil). Im Vergleich zu Deutschland ver- fügt die Stadt Konstanz über keine Schwerindustrie und weist daher keinen entsprechenden Energieverbrauch auf. Gegenüber dem Durchschnittswert Deutschlands hat ein Konstanzer Bürger jedoch mehr Energieimportbedarf, da viele Güter und Produkte nicht im Stadtgebiet hergestellt werden. 6 nur Erdgas, Erdöl und Strom, keine Berücksichtigung von weiteren Gütern und Dienstleistungen, die außerhalb des Stadtgebietes erzeugt werden Energie- und CO2-Bilanz 2012 42
INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FÜR DIE STADT KONSTANZ 6.000 Primärenergie Stadt Konstanz und Deutschland (2012) 5.000 Primärenergieverbrauch in W/EW*a) Graue Energie 1.455 4.000 Industrie Verkehr 3.000 1.324 401 Öffentlich 203 - GHD 2.000 901 959 Haushalte 1.000 1.272 1.446 - Deutschland Konstanz Abbildung 10: Primärenergieverbrauch je Einwohner – Vergleich Konstanz und Deutschland [Darstellung durch Sven Fitz; Datenquelle: AGEB 2013] Bezogen auf das Ziel der 2000-Watt-Gesellschaft hat Konstanz sich ein ehrgeiziges Ziel ge- setzt. Durch den im Juli 2012 erfolgten Beschluss des Gemeinderats, der „Charta der 2000- Watt-Städte in der Bodenseeregion“ beizutreten, hat man sich darauf festgelegt, die 2000- Watt-Gesellschaft möglichst bereits bis 2050 zu erreichen. Bis zu dieser Zielmarke müsste hierfür der Dauerenergieverbrauch pro Einwohner auf 2.000 Watt reduziert werden und der Ausstoß der resultierenden energiebezogenen CO2-Äquivalente auf eine Tonne pro Jahr und Einwohner gesenkt werden. Die Stadt Konstanz steht folglich vor großen Herausforderungen. Der Verbrauch von End- energie und die bereits bei deren Erzeugung und Verfügbarmachung entstehenden CO2- Emissionen müssen deutlich reduziert werden. Die CO2-arme bzw. langfristig CO2-freie Energieerzeugung muss in Konstanz weiter konsequent ausgebaut werden (z. B. weiterer ambitionierter Ausbau von PV- und KWK-Anlagen, Zubau von Wärmepumpen, Ausbau des Wärmenetzes und Verlagerung/Vermeidung des Verkehrs). 3.1 STROMBILANZ 2012 DER STADT KONSTANZ Im Jahr 2012 wurden in der Stadt Konstanz insgesamt 310 GWh Strom verbraucht und knapp 16 GWh (ca. 5 %) in der Stadt selbst erzeugt. PV-Anlagen lieferten dabei 8,8 GWh, Erdgas-BHKWs 6 GWh und weitere Anlagen zusammen ca. 1,3 GWh. Abzüglich des Stromverlusts durch das Stromnetz, der ca. 8,5 GWh betrug, lag der End- 7 energieverbrauch der Stromkunden in der Stadt Konstanz bei knapp 302 GWh . Den größten Stromverbrauch wiesen dabei mit knapp 52 % die Unternehmen auf, gefolgt vom Sektor Pri- vathaushalte mit ca. 38 % und öffentliche Gebäude (inklusive der Universität Konstanz) mit einem Anteil von ca. 10 %. Abbildung 11 fasst die Strombilanz der Stadt Konstanz für das Jahr 2012 zusammen. 7 Stromverbrauch von Kunden der Stadtwerke Konstanz und anderen Stromversorgern Energie- und CO2-Bilanz 2012 43
INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FÜR DIE STADT KONSTANZ Abbildung 11: Energieflussdiagramm der Strombilanz 2012 [Eigene Darstellung durch LBST basierend auf SWK 2014] 3.2 WÄRMEBILANZ Die Wärmebilanz fasst den Wärmeverbrauch bzw.- bedarf je Sektor sowie den Energieein- satz nach Energieträger der Stadt Konstanz für das Jahr 2012 zusammen. Der Wärmeverbrauch in der Stadt Konstanz betrug im Jahr 2012 ca. 683 GWh, wovon ca. 560 GWh auf den Heizwärmebedarf entfielen. Witterungsbereinigt belief sich der Wärmever- brauch auf knapp 720 GWh bzw. der Raumwärmeanteil auf knapp 600 GWh. Wie in Abbil- dung 12 dargestellt haben Wohngebäude (Privathaushalte) mit über 70 % den größten Raumwärmeanteil in der Stadt Konstanz und stellen damit das größte Potenzial für weitere Einsparungen dar. Weitere Details zum Raumwärmeverbrauch bzw. -bedarf von Wohnge- bäuden und den damit verbundenen Einsparpotenzialen sind in Kapitel 4.1 beschrieben. Privathaushalte (406 GWh) 21% Gewerbe, Handel, Dienstleistung (117 GWh) 72% Kommunale und öffentliche 7% Gebäude (37 GWh) Abbildung 12: Aufteilung des Raumwärmebedarfs [Eigene Darstellung durch LBST] Energie- und CO2-Bilanz 2012 44
INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FÜR DIE STADT KONSTANZ Anmerkungen zur Methodik und den zu Grunde gelegten Annahmen Grundsätzlich muss zwischen einem Wärmeverbrauch und einem –bedarf unterschieden werden. Der Wärmeverbrauch kann durch Wärmezähler direkt oder durch Verbrauchsab- rechnungen von Energieträgern (z. B. Gas oder Heizölabrechnungen) und Umrechnung von 8 Wirkungsgraden rechnerisch bestimmt werden . Der Wärmebedarf wird auf Grundlage von Wärmebedarfsberechnungen, z. B. Wärmeverlust der Gebäudehülle oder statistischer Warmwasserbedarf je Einwohner, ermittelt. Bei dem Wärmeverbrauch von Privathaushalten wurde zwischen der Heizwärme der Gebäu- de und dem Wärmebedarf für Warmwasser unterschieden. Der Anteil des Wärmeverbrauchs 9 für Warmwasser eines typischen Privathaushalts wurde mit 18 % angenommen. [BMWI 2014] Der ermittelte Heizwärmeverbrauch wurde mithilfe des Klimafaktors des Deutschen Wetterdiensts (DWD) für das Jahr 2012 korrigiert. Der gebäudespezifische Wärmeverbrauch von leitungsgebundenen Energieträgern wurde unter Zuhilfenahme zweier Quellen berechnet: Einerseits handelte es sich hierbei um Netz- daten und verfügbare Abrechnungsdaten von Kunden der Stadtwerke Konstanz (z.B. Gas- verbrauchsdaten, Abrechnungsdaten von Nahwärmenetzen, Stromlieferungen für Wärme- pumpen sowie Stromheizungen), andererseits um typische Wärmeverbrauchswerte je Ein- wohner und Gebäudeart. Da für eine Abschätzung nicht-leitungsgebundener Energieträger keine Daten der Kamin- kehrer zur Verfügung standen, wurde der Heizölverbrauch auf Basis des durchschnittlichen Verbrauchs Baden-Württembergs ermittelt. Eine Abschätzung des Heizwärmebedarfs der Privathaushalte erfolgte auf Basis der Anzahl der Wohngebäude und Wohnungen in der Stadt Konstanz. Hierfür wurden Daten des statis- tischen Landesamtes Baden-Württemberg zugrunde gelegt. [WEBSITE ZENSUS 2011] Daten zum Wärmeverbrauch bzw. -bedarf kommunaler Gebäude wurden von der Stadt Kon- stanz zur Verfügung gestellt. Dabei handelte es sich um Wärmeverbrauchsdaten sowie be- reits in vorherigen Untersuchungen ermittelten Wärmebedarfsberechnungen. Für den Sektor GHD wurde der Wärmeverbrauch für die größten Unternehmen, mit mehr als 100 Mitarbeitern, auf Basis vorliegender Abrechnungsdaten oder mithilfe statistischer Hoch- rechnungen (statistischer Energieverbrauch je Wirtschaftszweig und Bezugseinheit) ermittelt. 3.3 VERKEHRSBILANZ Insgesamt lag der Endenergieverbrauch des Verkehrssektors bei ca. 219 GWh, wovon ca. 212 GWh auf Benzin/Diesel und ca. 7 GWh auf Fahrstrom entfiel. Die damit verbundenen 10 klimaaktiven Treibhausgasemissionen betragen ca. 73.000 t CO2eq . 8 In Rahmen dieser Arbeit wurde ein Wirkungsgrad für Ölheizungen von 76 % und für Erdgasheizungen von 86 % angenommen. 9 Statistische Daten des Bundes: Endenergieverbrauch in den Privathaushalten in Deutschland 2012: Raumwärme = 1.664 PJ, Warmwasser = 370 PJ, siehe [BMWi 2014] 10 Anteil Benzin/Diesel: ca. 68.000 t CO2eq Energie- und CO2-Bilanz 2012 45
INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FÜR DIE STADT KONSTANZ Die Stadt Konstanz liegt damit deutlich unter dem durchschnittlichen Endenergieverbrauch Baden-Württembergs. Auf Basis einer statistischen Hochrechnung der Energiebilanz Baden-Württembergs errech- net sich ein Endenergieverbrauch von knapp 650 GWh für die Stadt Konstanz. Dieser Wert liegt deutlich über dem in dieser Studie ermittelten Endenergieverbrauch. Abbildung 13 zeigt den in dieser Arbeit ermittelten Endenergieverbrauch des Verkehrssektors (Integriertes Kli- maschutzkonzept Konstanz (IKSK)) gegenüber der Hochrechnung der Energiebilanz Baden- Württemberg für die Stadt Konstanz (Energiebilanz BW). Endenergieverbrauch Verkehr im Vergleich in GWh/a IKSK Konstanz Energiebilanz BW 648 615 219 176 15 35 18 7 1 1 Straße Schiene Schifffahrt Flugverkehr GESAMT Abbildung 13: Endenergieverbrauch des Verkehrssektors [Eigene Darstellung durch LBST basierend auf SWK 2014] Dieser Unterschied erklärt sich vor allem aufgrund der Randlage der Stadt, die zu einem er- höhten Raumwiderstand u.a. durch den Fährbetrieb Meersburg-Konstanz führt. Im Gegen- satz zu anderen Städten ist die Stadt Konstanz nicht von allen Richtungen über Straßen zu erreichen und weist somit auch einen deutlich geringeren Durchgangsverkehr auf. Dadurch ist das Verkehrsaufkommen deutlich geringer als in Städten vergleichbarer Größe und damit weit unterhalb des Landesdurchschnitts. Jedoch ist der Anteil der Schifffahrt naturgemäß deutlich größer als im Landesdurchschnitt. Insgesamt dürfen diese Umstände aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass im eng kon- zentrierten Altstadtbereich (Altstadtring) ein – insbesondere an Wochenenden – hohes Ver- kehrsaufkommen vorherrscht, wie es anhand von Zählungen belegt ist. ENERGIEVERBRAUCH NACH VERKEHRSTRÄGER UND -ZIEL Von den 219 GWh Endenergie entfallen 80 % auf den Straßenverkehr und knapp 16 % auf den Schiffsverkehr. Der Energieverbrauch des schienengebundenen Verkehrs beträgt im Stadtgebiet etwa 7 GWh bzw. knapp 3 % des Endenergieverbrauchs des Verkehrssektors. Mit ca. 0,5 % trägt die Aktivität des Flugplatzes in Konstanz nur marginal zum Energiever- brauch des gesamten Verkehrssektors bei. Energie- und CO2-Bilanz 2012 46
INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FÜR DIE STADT KONSTANZ 11 Aufgrund des deutlich höheren Emissionsfaktors von Strom gegenüber Benzin/Diesel ent- fällt auf den Schienenverkehr ein höherer spezifischer Anteil als bei der Bilanzierung des Endenergieverbrauchs. Tabelle 8: Endenergieverbrauch des Verkehrssektors Verkehr Energieverbrauch in GWh Personenverkehr Güterverkehr Gesamt Anteil in % Straße 153,9 22,1 175,9 80 % Schifffahrt 35,3 - 35,3 16 % Schiene 5,8 0,9 6,7 3% Flugverkehr 1,1 - 1,1 1% Summe 196,0 22,9 219,0 100 % Eigene Darstellung durch LBST Tabelle 9: CO2-Emissionen des Verkehrssektors Verkehr CO2-Emissionen in t Personenverkehr Güterverkehr Gesamt Anteil in % Straße 49.237,6 7.057,2 56.294,9 77 % Schifffahrt 11.283,7 - 11.283,7 15 % Schiene 4.319,4 648,5 4.967,9 7% Flugverkehr 352,0 - 352,0 0% Summe 65.192,8 7.705,8 72.898,6 100 % Eigene Darstellung durch LBST Anmerkungen zur Methodik und den zu Grunde gelegten Annahmen Die Berechnung des Straßenverkehrsaufkommens erfolgte auf Basis der Ergebnisse der Verkehrszählung an Bundes-, Land- und Kreisstraßen. Zusätzlich liegen für den Altstadtbe- reich und den Grenzübergang Verkehrszählungen der Stadt Konstanz vor. Diese Daten er- lauben auf den erfassten Straßen eine Aufteilung in Kraftrad, Pkw, Lieferwagen, Bus, Last- wagen, und Schwertransport (Lastwagen mit Anhänger und Sattelschlepper). Darüber hin- aus wurde das Verkehrsaufkommen der nicht über Zählungen erfassten Straßen geschätzt. Die Warentransporte wurden ebenfalls über die Verkehrszählungen erfasst. Für die nicht über Zählungen erfassten Straßen wurden die Werte unter der Annahme ergänzt, dass ca. 6 % des Verkehrsaufkommens Warentransporte sind. Obwohl im Stadtgebiet die über automatische Zählstellen verfügenden Bundes-, Land- und Kreisstraßen mit 55 km weniger als 25 % des Straßennetzes ausmachen, tragen sie mit 74 % zum Energieverbrauch bei. Der Beitrag der Altstadt liegt bei 11 % und das restliche Stra- ßennetz mit 169 km Länge trägt gemäß der Abschätzung mit etwa 14 % bei. Damit lässt sich der Einfluss der Abschätzungsunsicherheit auf das Gesamtergebnis mit etwa 10-15 % ein- grenzen. 11 Analog zur gewählten Bilanzierung von Strom(-importen) wird nur der Anteil der fossilen und nuklearen Kraftwerke bilanziert, siehe Kapitel 3.4. Zur Konsistenz der Daten wurde im Rahmen dieser Arbeit auf die Verwendung eines eigenen Emissionsfaktors der Bahn verzichtet. Energie- und CO2-Bilanz 2012 47
INTEGRIERTES KLIMASCHUTZKONZEPT FÜR DIE STADT KONSTANZ Das Verkehrsaufkommen wurde mit Verbrauchsfaktoren für die einzelnen Fahrzeugkatego- rien ergänzt. Die Faktoren wurden den vom Umweltbundesamt und dem Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg GmbH (IFEU) erstellten Studien Transport Emission Model (TREMOD) und Handbuch Emissionsfaktoren (HBEFA) entnommen. [IFEU 2012; TU Graz 2014] Das schienengebundene Verkehrsaufkommen wurde aus dem Fahrplan des Bahnhofs Kon- stanz und den auf dem Stadtgebiet gelegenen Streckenabschnitten ermittelt. Güterzüge wurden mit im Mittel 15 Zügen pro Tag berücksichtigt. Der Schiffsverkehr wurde aus den An- gaben der Stadtwerke Konstanz und Fahrplänen der im Stadtgebiet gelegenen Anlegestellen ermittelt. Dabei wurde die Hälfte der Stecke zum nächsten Hafen Konstanz zugerechnet, wenn der nächste Hafen außerhalb des Stadtgebietes liegt. Der Energieverbrauch des Flug- verkehrs wurde aus den jährlichen Flugbewegungen über entsprechende Verbrauchsfakto- ren geschätzt. 3.4 CO2-EMISSIONSBILANZ Grundlage für die CO2-Emissionsberechnung stellt der territoriale Endenergieverbrauch von Erdöl, Erdgas und Strom dar (siehe Energiebilanz der Stadt Konstanz 2012). Dabei wurde die in der Stadt erzeugte Energie (z.B. Photovoltaik und Deponiegas) mit dem Verbrauch in- nerhalb des Stadtgebiets verrechnet. Erst die Netto-Energieimporte wurden mit spezifischen Emissionsfaktoren beaufschlagt. Dies hat den Effekt, dass lokal erzeugte regenerative Ener- gie direkt der Stadt selbst „gutgeschrieben“ wird. Um die doppelte Bilanzierung von erneuer- barem Strom zu vermeiden, wurde dem Netto-Stromimport ein CO2-Faktor entsprechend dem deutschen nuklear/fossilen Kraftwerkspark (d.h. ohne erneuerbaren Strom) zugeordnet. CO2-Emissionen, die bei der Erzeugung von Gütern und Dienstleistungen außerhalb des Stadtgebietes entstehen, wie z.B. importierte Lebensmittel oder Konsumgüter, werden in der CO2-Bilanz nicht berücksichtigt. Insgesamt wurden in der Stadt Konstanz im Jahr 2012 knapp 240.000 t CO2 an direkten Emissionen und über 512.000 t CO2 an direkten und indirekten Emissionen verursacht. 600.000 Stromimporte 500.000 Gas Öl 400.000 t CO2 300.000 200.000 100.000 - Direkte Emissionen Direkte + indirekte Emissionen Abbildung 14: Direkte und indirekte Gesamtemissionen 2012 Eigene Darstellung durch LBST Energie- und CO2-Bilanz 2012 48