München
Klimaschutzziel und -strategie München 2050 – Endbericht immer weniger CO2 eingespart), allerdings ist die Höhe dieser Degression ein Schätzwert, für den es aufgrund der mangelnden Vorlagen für die Durchführung einer Energiewende keine empiri- schen Zahlen gibt. Hinzu kommt, dass die nicht quantifizierbaren Maßnahmen in der Gesamtab- schätzung nicht mit aufgenommen sind. Diese werden mittel- bis langfristig ebenfalls eine Wirkung entfalten, CO2 Einsparungen erbringen und somit die CO2-Bilanz der Stadt weiter verbessern. Abbildung 4-3 zeigt den Verlauf der bisherigen Pro-Kopf-Emissionen, die Abschätzung der Emissi- onsminderung bis 2030 sowie die möglichen Zielwerte für das Jahr 2050 auf der Basis der bun- 14 desweiten Ziele . Die linearen Trendlinien (rot) machen deutlich, dass das bisher gewählte Pro- Kopf-Ziel für 2030 circa eine Tonne CO2-Emissionen über einer linearen Reduktion von 1990 bis 2050 liegt. Selbst bei Erreichen des aktuellen Minderungsziels bis zum Jahr 2030 müsste somit in den Jahren von 2030 bis 2050 eine sehr viel stärkere Emissionsminderung erreicht werden als bei einer konsequenten linearen Reduktion (der roten Trendlinie folgend) – unabhängig davon, wel- cher Zielwert für 2050 angepeilt wird (-80 % oder -95 % bezogen auf 1990). Die Ziele von -80 % und -95 % beziehen sich dabei auf die Gesamtemissionen. Um auf kommunale Pro-Kopf-Ziele 15 umzurechnen, wird zwischen energiebedingten und nicht-energiebedingten Emissionen unter- schieden. Auf kommunaler Ebene werden nur energiebedingte Emissionen bilanziert. Um also die nicht bilanzierten nicht-energiebedingten Emissionen „einzupreisen“, müssen die energiebedingten Emissionen auf kommunaler Ebene noch stärker reduziert werden. Dies bedeutet für die LH Mün- chen effektiv, dass das -80 % Ziel zu einem -89 % Pro-Kopf-Ziel und das -95 % zu einem -98 % Pro-Kopf-Ziel wird (vgl. dazu Tabelle 5-1 und Exkurs in Kapitel 5.1). Abbildung 4-3: Entwicklung der Pro-Kopf-Emissionen von 1990 bis 2014, Abschätzung bis 2030 und mögliche Ziele bis 2050 Quelle: RGU Daten, SWM Daten, Berechnung Öko-Institut 14 Die Bundesziele sehen eine Minderung der Treibhausgasemissionen gegenüber 1990 von -80 % bis -95 % bis 2050 vor (vgl. Bundesregierung 2010); siehe hierzu auch den Vorschlag für ein Klimaschutzziel der LHM in Kapitel 6. 15 Als energiebedingte Emissionen bezeichnet man die Freisetzung von Treibhausgasen und Luftschadstoffen, die durch die Umwandlung von Energieträgern z.B. in Strom oder Wärme entstehen (http://www.umweltbundesamt.de). Als nicht-energiebedingte Emissionen werden Emissionen aus der Land- und Forstwirtschaft, aus Produkt- verwendung und Abfallwirtschaft, flüchtige Emissionen aus Energiesektoren sowie prozessbedingte Emissionen aus Industrieprozessen zusammengefasst (vgl. dazu Öko-Institut und Fraunhofer ISI, z.B. Tab. 7-2). 41
Klimaschutzziel und -strategie München 2050 - Endbericht 5. Szenarien für die Entwicklung des Endenergieverbrauchs und der Treibhausgas-Emissionen in München 2014 bis 2050 5.1. Methodik der Szenariorechnungen Gemäß Leistungsverzeichnis und Abstimmung mit dem Auftraggeber wurden drei Szenarien ge- rechnet: ein Referenzszenario und zwei Klimaschutzszenarien. Das Referenzszenario schreibt im Wesentlichen das aktuelle Ambitionsniveau der Klimaschutzpoli- tik auf kommunaler, Landes- und Bundes- sowie EU-Ebene fort. Dazu wurden, wo immer dies möglich war, Annahmen aus dem „Mit-Weiteren-Maßnahmen-Szenario“ (MWMS) des Projektions- berichts der Bundesregierung 2015 (Öko-Institut et al., Stand Dez. 2015, noch unveröffentlicht) auf München heruntergebrochen. War die Datengrundlage aus dem MWMS nicht ausreichend bzw. nicht auf München anwendbar, so wurden Annahmen aus dem Aktuelle-Maßnahmen-Szenario (AMS) aus Öko-Institut und Fraunhofer ISI oder eigene München-spezifische Annahmen ver- wendet. Dies war zum Beispiel bei der wirtschaftlichen Entwicklung der Fall, die sich in München stark von der deutschlandweiten unterscheidet. Im Referenzszenario werden bis zum Jahr 2050 bereits einige wesentliche München-spezifische Änderungen, zusätzlich zum aktuellen auch bun- desweit gültigen Ambitionsniveau angenommen. Dies ist in den Sektoren Energieumwandlung und Verkehr der Fall. So wird im Sektor Energieumwandlung auch im Referenzszenario unterstellt, dass das HKW Nord 2 bereits vor dem Jahr 2030 abgeschaltet werden kann (vgl. dazu Kapitel 5.7.1), um die Vergleichbarkeit aller Szenarien sicher zu stellen. Im Sektor Verkehr wird davon ausgegangen, dass eine ungebremste Zunahme des Motorisierten Individualverkehrs (MIV), aus- gelöst durch weiteres Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum, aufgrund der begrenzten Kapazität der Verkehrsinfrastruktur nicht stattfinden kann (vgl. Kapitel 5.6.1). Analog zu den Klimaschutzszenarien 2050 (Öko-Institut und Fraunhofer ISI) auf Bundesebene wurden zusätzlich zum Referenzszenario zwei weitere Szenarien gerechnet, die von einer ambiti- onierteren Klimaschutzpolitik ausgehen. Beide Szenarien wurden als Ziel-orientierte Szenarien gerechnet. Das heißt, es wurde ein Emissionsminderungsziel vorgegeben und im Szenario darge- stellt, mit welchen spezifischen Maßnahmen und Entwicklungen das auf diese Weise vorgegebene Ziel erreicht werden kann. Zur Definition der Ziele wurden die Emissionsminderungen aus den bundesweiten Klimaschutzszenarien auf München übertragen und in Pro-Kopf-Ziele umgerechnet. - Szenario Klimaschutz moderat (KSmod) analog zum KS 80 mit THG-Minderung -80 % gegenüber 1990 bundesweit, entspricht für München -81 % absolut und -89 % pro Kopf. In diesem Szenario sollen die im Energiekonzept der Bundesregierung festgelegten Mindestziele für die Emissionsreduktion auch in München erreicht werden. (vgl. Exkurskas- ten „Umrechnung der für Deutschland definierten Minderungsziele für München“ weiter un- ten) - Szenario Klimaneutrales München (KN) analog zum KS 95 mit THG-Minderung -95 % gegenüber 1990 bundesweit: entspricht für München -97 % absolut und -98 % pro Kopf; Ziel dieses Szenarios ist die Darstellung einer „klimaneutralen Stadt München“. Im Detail wird die jeweilige Methodik der Szenariorechnungen bei den einzelnen Sektoren erläu- tert. 42
Klimaschutzziel und -strategie München 2050 – Endbericht Abbildung 5-1: Berechnete Szenarien für die Entwicklung des Endenergieverbrauchs und der Treibhausgas-Emissionen in München bis zum Jahr 2050 Referenzszenario (Sz. Ref) • Fortschreibung des aktuellen Ambitionsniveaus der Klimaschutzpolitik auf kommunaler, Landes- und Bundes- sowie EU-Ebene • Abschaltung HKW Nord 2 vor 2030 • keine unbegrenzte Zunahme des Verkehrs aufgrund begrenzter Kapazitäten möglich Szenario Klimaschutz moderat (Sz. KSmod) • Zielorientiertes Klimaschutzszenario mit dem Ziel der Emissionsminderung um 81% absolut und um 89% pro Kopf • Abschaltung HKW Nord 2 vor 2030 Szenario klimaneutrales München (Sz. KN) • Zielorientiertes Klimaschutzszenario mit dem Ziel einer Klimaneutralen Stadt München, das heißt mit dem Ziel der Emissionsminderung um -97% absolut und um -98% pro Kopf • Abschaltung HKW Nord 2 vor 2030 Tabelle 5-1: Entwicklung der Emissionen unterteilt nach nicht-energiebedingten und energiebedingten Emissionen in den bundesweiten Klimaschutzszenarien 1990 2050 KS80 2050 KS95 2050 KS80 2050 KS95 Mio. t CO2 e Minderung Absolut / Pro-Kopf Energiebedingte Emissionen 1.018 107 15 89,5 %/ 98,5 % / (Energiewirtschaft, Industrie, GHD, 88,7 % 98,4 % private Haushalte, Verkehr) Nicht-energiebedingte Emissionen 208 95 46 54,3 % / - 77,9 % / - (flüchtige Emissionen aus Energiewirtschaft, Industrieprozesse, Produkteverwendung, Land- und Abfallwirtschaft) Quelle: Zusammenstellung nach Öko-Institut und Fraunhofer ISI und Matthes (2009) Die Emissionsszenarien werden jeweils sowohl in direkten CO2-Emissionen berechnet, also ohne Berücksichtigung der Vorketten, als auch in Treibhausgas-Emissionen (CO2e) mit Berücksichti- gung der Vorketten. Die verwendeten Emissionsfaktoren finden sich in Tabelle 3-2 und in Tabelle 3-3. 43
Klimaschutzziel und -strategie München 2050 - Endbericht Exkurs: Umrechnung der für Deutschland definierten Minderungsziele für München Die in den Klimaschutzszenarien bundesweit dargestellten Ziele von -80 % (Szenario KS80) bzw. -95 % (Szenario KS95) Emissionsminderung gegenüber 1990 umfassen die Emissionen aller Sektoren, darunter direkte Emissionen aus der Land- und Abfallwirtschaft, Emissionen aus Industrieprozessen und flüchtige Emissionen aus der Energieumwandlung, zusammengefasst als nicht-energiebedingte Emissionen. Somit setzt sich das im Zieljahr verbleibende Emissions- budget aus den genannten nicht-energiebedingten Emissionen auf der einen Seite und den energiebedingten Emissionen auf der anderen Seite zusammen. Die energiebedingten Emissionen enthalten die Emissionen aus den Energieverbrauchssektoren Energiewirtschaft, Industrie, GHD, Haushalte und Verkehr. Im Szenario KS80 beträgt der Anteil der energie- bedingten Emissionen an den im Jahr 2050 verbleibenden Emissionen noch 53 %; im Szenario KS 95 sind es dagegen nur noch 25 %. Das heißt, das noch zur Verfügung stehende jährliche Emissionsbudget wird fast vollständig von den nicht-energiebedingten Emissionen aufgezehrt, für die energiebedingten Emissionen verbleiben nur etwa 25 % (vgl. Abbildung 5-2). Werden nun die Emissionsziele auf eine Kommune übertragen, so sollte berücksichtigt werden, dass auf dem betrachteten Gebiet der Kommune nicht-energiebedingte Emissionen entweder nicht auftreten oder in der kommunalen CO2-Bilanz nicht bilanziert werden. Daher werden die nicht-energiebedingten Emissionen vom bundesweiten Budget abgezogen und das kommunale Emissionsziel bezieht sich nur noch auf die energiebedingten Emissionen. Diese müssen aus den beschriebenen Gründen noch stärker reduziert werden als die nicht-energiebedingten Emissionen. Die Umrechnung der absoluten Minderungen in Pro-Kopf-Minderungen erfolgt durch Umrechnung der bundesweiten absoluten energiebedingten Emissionen in bundesweite Pro- Kopf-Emissionen auf der Basis der für das Zieljahr prognostizierten Bevölkerungszahl. In den Klimaschutzszenarien sind es bundesweit 74 Mio. Einwohner im Jahr 2050. Diese Pro-Kopf- Minderungen gelten auch für die Münchner Bevölkerung. Sie wurden als Ziel für die Szenariorechnungen übernommen. (vgl. auch Tabelle 5-1). Abbildung 5-2: Entwicklung der Emissionen unterteilt nach nicht-energiebedingten (prozess-bedingte) und energiebedingten Emissionen in den bundesweiten Klimaschutzszenarien -95% -80% Emissionen gesamt nur energiebe- dingte Emissionen -89,5% -98,5% 44
Klimaschutzziel und -strategie München 2050 – Endbericht 5.2. Rahmendaten Bevölkerungsentwicklung Allen Szenarien liegen einheitliche Annahmen zur Bevölkerungsentwicklung zu Grunde. Dabei umfasst die „Bevölkerung“ für die Szenariorechnungen die Einwohner mit Hauptwohnsitz und zu 50 % die Einwohner mit Nebenwohnsitz in München. Bis 2015 beruhen die Zahlen auf Daten des Amtes für Statistik München. Für die Fortschreibung der Bevölkerungsentwicklung bis zum Jahr 2030 wurde die sogenannte Obere Variante aus dem Demografiebericht I (Kürbis 2015) verwendet. Es wird außerdem davon ausgegangen, dass der Anteil der Einwohner mit Nebenwohnsitz bis zum Jahr 2050 konstant bei etwa 1,9 % der Einwoh- ner mit Hauptwohnsitz bleibt. Nach dem Jahr 2030 wird von einer weiteren Zunahme der Einwohnerzahl mit vergleichbarer Dy- namik wie zwischen 2015 und 2030 ausgegangen, wobei unterstellt wird, dass mit Erreichen der 2- Millionen-Marke eine Sättigung erreicht ist und sich danach das Bevölkerungswachstum stärker auf das Umland verlagert. Die 2-Millionen-Marke wird nach dieser Rechnung im Jahr 2040 erreicht (vgl. Abbildung 5-3 und Tabelle 5-2). Abbildung 5-3: Bevölkerungsentwicklung in München bis 2050 Quelle: Berechnung Öko-Institut Tabelle 5-2: Bevölkerungsentwicklung in München bis 2050 2010 2020 2030 2040 2050 Bevölkerungs- 1.395.655 1.686.681 1.851.956 2.005.561 2.046.036 entwicklung Quelle: Berechnung Öko-Institut Entwicklung Bruttoinlandsprodukt (BIP) Die Entwicklung des BIP pro Kopf für München ab dem Jahr 2014 wurde in Abstimmung mit dem Fachgutachten „2.000-Watt-Gesellschaft“ mit 1 % Wachstum pro Jahr pro Einwohner fortgeschrie- ben. Für die Jahre 2000 bis 2013 basiert das angegebene BIP auf den Daten des Bayerischen Landesamtes für Statistik (vgl. Abbildung 5-4). 45
Klimaschutzziel und -strategie München 2050 - Endbericht Abbildung 5-4: Entwicklung des BIP pro Einwohner bis 2050 in Mrd. EURO 5.3. Sektor Private Haushalte 5.3.1. Methodik und Annahmen In diesem Unterkapitel werden die Methodik und verwendeten Annahmen für die Berechnung der Szenarien für den Sektor Private Haushalte beschrieben, beginnend mit einem allgemeinen Teil und danach aufgeteilt in die Anwendungsbereiche Raumwärme, Warmwasser sowie Geräte und Kochen. Der Endenergieverbrauch für das Jahr 1990 wurde auf Grundlage der Studie Timpe et al. (2004) abgeschätzt. Zusätzlich wurden jedoch Plausibilisierungen durchgeführt, beispielsweise ein Ab- gleich der SWM-Absatzzahlen für 1990 mit den energieträgerspezifischen Endenergieverbräuchen summiert über alle Sektoren. Folgende allgemeine Annahmen für den Sektor Private Haushalte (PHH) wurden getroffen: - Die Anzahl der Personen pro Haushalt nimmt ab 2016 jedes Jahr konstant um 0,003 ab. - Der Einsatz biogener Brennstoffe bleibt nahezu konstant. Dies ist zum einen auf die insge- samt beschränkten Biomassepotenziale für Deutschland zurückzuführen (vgl. u.a. Bürger et al. 2016), zum anderen ist eine verstärkte Verbrennung fester Biomasse im urbanen Um- feld aufgrund der auftretenden Feinstaubemissionen nicht erwünscht. Abbildung 5-5 zeigt die Entwicklung der Einwohner- und Haushaltszahlen, sowie die durchschnittli- chen Wohnfläche pro Person und pro Haushalt bis 2050. 46
Klimaschutzziel und -strategie München 2050 – Endbericht Abbildung 5-5: Entwicklung der Wohnfläche pro Einwohner und pro Haushalt Quelle: Berechnung Öko-Institut Anwendungsbereich Raumwärme: Basisjahre 1990 und 2012 - Die Charakterisierung des Münchner Gebäudebestands, d.h. die Aufteilung der Wohnflä- che auf Gebäudetypen und Baualtersklassen (BAK), erfolgt auf der Basis der Ergebnisse des Wärmekatasters (Steinert und Rebitzer 2015). Hierfür wurde der auf der Bruttoge- schossfläche (BGF) basierende rechnerische Endenergiebedarf im Wärmekataster umge- rechnet in einen Wohnflächen-basierten Endenergieverbrauch. Dazu wurden anteilig zur Gesamtwohnfläche die relativen Bruttogeschossflächen der verschiedenen Gebäudetypen und Baualtersklassen in Wohnflächen umgerechnet (Zahlen des RGU auf Basis des statis- tischen Landesamts). Zur Umrechnung von Bedarfs- auf Verbrauchswerte vgl. (Loga et al. 2015). - Es wird unterschieden in Ein- und Zweifamilienhäuser (EZFH), Mehrfamilienhäuser (MFH) und Große Mehrfamilienhäuser (GMH) und in 13 Baualtersklassen (BAK); vgl. Tabelle 5-3 - Basisjahr für die Quantifizierung des Raumwärmeverbrauchs der Privaten Haushalte ist das Jahr 2012, da das Wärmekataster im Mittel auf diesem Jahr basiert. - In die Bestimmung des Gebäudetyp-spezifischen Endenergieverbrauchs werden zudem die Ergebnisse des aktuellen Münchner Heizspiegels (Jahnke und Jank 2016) einbezogen; hierfür wurden vereinfacht die drei Größenkategorien des Heizspiegels (100-250m², 251- 1000m², >1000m²) auf die drei Gebäudetypen EZFH, MFH und GMH umgelegt. Die Auftei- lung des Endenergieverbrauchs auf die jeweiligen BAK erfolgte über die errechneten Ener- gieverbrauchswerte des Wärmekatasters der betroffenen BAKs. 47
Klimaschutzziel und -strategie München 2050 - Endbericht Tabelle 5-3: Wohnfläche im Jahr 2012 nach Gebäudetyp und Baualtersklasse Baualtersklasse EZFH MFH GMH m² Wohnfläche bis 1918 445.898 2.947.535 2.320.148 1919 - 1948 1.812.073 2.844.670 416.736 1949 - 1957 1.270.426 2.283.858 2.124.865 1958 - 1968 2.068.615 3.917.401 5.149.717 1969 - 1978 1.768.954 2.779.350 5.774.595 1979 - 1983 692.290 879.633 1.027.284 1984 - 1994 1.135.801 2.149.503 2.107.548 1995 - 2001 550.306 1.286.672 923.778 2002 - 2009 1.129.397 1.852.828 1.595.244 16 2010 - 2015 2016 - 2020 2021 - 2030 2031 - 2050 Summe 10.873.760 20.941.449 21.439.916 Quelle: Berechnung Öko-Institut auf der Grundlage von Steinert und Rebitzer (2015) Anwendungsbereich Raumwärme: Fortschreibung bis zum Jahr 2050 - Der Netto-Wohnflächenzubau von 2015 bis 2020 wird mit jährlich 500.000 m² angenom- men. Danach verringert sich der jährliche Netto-Zubau um 2,5 % pro Jahr bezogen auf das jeweilige Vorjahr (eigene Setzung Öko-Institut). - Der Wohnflächenabgang eines Jahres wird durch den durchschnittlichen Abgang der vor- hergehenden fünf Jahre gebildet. - Der Abgang und Zugang von Gebäuden geschieht innerhalb derselben Gebäudekategorie (d.h. keine Verschiebung zwischen Gebäudetypen). - Die Neubaustandards werden, wie in Tabelle 5-4 dargestellt, je nach Szenario über die Jahre deutlich verschärft. Die Fortschreibung des Raumwärmebedarfs erfolgt anhand dreier Effizienzindizes: jährliche Sanie- rungsrate (Anteil der Gebäude am Gebäudebestand, der in einem Jahr saniert wird, siehe Tabelle 5-5), Sanierungstiefe (angestrebter Endenergiebedarf nach Sanierung, vgl. Tabelle 5-6) und Sa- nierungswirkung (welcher Anteil der angestrebten Sanierungstiefe kann tatsächlich erreicht wer- den, vgl. Tabelle 5-7). 16 Die Baualtersklasse 2010-2015 ist nicht im Wärmekataster enthalten und wird hier erst in der Fortschreibung (Szenarien) ab 2013 aufgenommen. 48
Klimaschutzziel und -strategie München 2050 – Endbericht - Quelle der Sanierungsraten: o Im Referenzszenario: Sanierungsraten 2009 bis 2035 aus dem Mit-weiteren- Maßnahmen Szenario (MWMS) des Projektionsberichts 2015 (Öko-Institut et al, noch unveröffentlicht), post-2035 aus den Klimaschutzszenarien (Öko-Institut und Fraunhofer ISI) o In den Szenarien Klimaschutz moderat und Klimaneutrales München: aus den Klima- schutzszenarien (Öko-Institut und Fraunhofer ISI) - Für die BAK bis 1918 und 1919 - 1945 wird ein „unsanierbarer Anteil“ an der Wohnfläche der jeweiligen BAK von 20 % festgelegt, um dem Denkmalschutz Rechnung zu tragen. Für die BAK von 1949 bis 1994 bleibt ein „unsanierbarer Anteil“ von 5 %, bei jüngeren BAK sind prinzipiell alle Gebäude sanierbar. - Für die Fortschreibung der Energieträgerverteilung im Anwendungsbereich Raumwärme wurden an die LH München angepasste Varianten der bundesweiten Klimaschutzszenarien 2050 verwendet (Öko-Institut und Fraunhofer ISI). Tabelle 5-4: Durchschnittlichen Endenergieverbräuche in Neubauten in kWh/(m²*a) bezogen auf die Wohnfläche (ungefähre KfW-Effizienzhausstandards mit Bezug auf EnEV 2009 in Klammern) Ab 2016 Ab 2021 Ab 2031 Referenzszenario 70 55 (KfW-70) 40 (KfW-55) Szenario Klimaschutz moderat 70 45 (KfW-55) 35 (KfW-40) Szenario Klimaneutrales München 70 35 (KfW-40) 15 (Passivhaus) Quelle: Annahmen Öko-Institut Tabelle 5-5: Sanierungsraten Ab 2016 Ab 2021 Ab 2031 Ab 2041 % / a des Gebäudebestands in der jeweiligen BAK Referenzszenario 2,1 1,8 1,8 2,0 Szenario Klimaschutz mode- 1,3 1,8 2,4 3,1 rat Szenario Klimaneutrales 1,4 2,8 3,7 3,9 München Quelle: Projektionsbericht 2015 (Öko-Institut et al, noch unveröffentlicht, Öko-Institut und Fraunhofer ISI , sowie Annahmen Öko-Institut, BAK=Baualtersklasse 49
Klimaschutzziel und -strategie München 2050 - Endbericht Tabelle 5-6: Angestrebter Endenergieverbrauch nach der Sanierung (Sanierungstiefe) 2020 2030 2040 2050 kWh / m² / a Referenzszenario 60 50 45 45 Szenario Klimaschutz mode- 48 40 36 36 rat Szenario Klimaneutrales 38 32 29 29 München Quelle: Annahmen Öko-Institut Tabelle 5-7: Sanierungswirkung 2020 2030 2040 2050 % Referenzszenario 75 75 75 75 Szenario Klimaschutz mode- 80 80 80 80 rat Szenario Klimaneutrales 95 95 95 95 München Quelle: Annahmen Öko-Institut Anwendungsbereich Warmwasser: Basisjahre und Fortschreibung Die wesentliche Stellschraube beim EEV für die Warmwasserbereitung ist der Warmwasserver- brauch pro Kopf und Tag (vgl. Tabelle 5-8). Dieser betrug 1990 noch 42 Liter pro Kopf und Tag, und ist bis 2014 auf 45 Liter pro Kopf und Tag gestiegen (Matthes 2009). Im Referenzszenario und im Szenario Klimaschutz moderat wird dieser Wert konstant bis 2050 fortgeschrieben. Im Szenario Klimaneutrales München findet jedoch zwischen 2015 und 2050 in Folge von sparsamerem Ver- halten welches durch entsprechende Einrichtungen unterstützt wird eine Verbrauchsminderung von 45 Liter pro Kopf und Tag auf 42 Liter pro Kopf und Tag statt. Zur Berechnung des Energie- verbrauchs wird angenommen, dass der Temperaturhub für die Bereitstellung von Warmwasser 35 Kelvin beträgt. Weitere Stellschrauben für die Entwicklung des Warmwasserverbrauchs sind der Nutzungsgrad für die lokale Warmwasserbereitung sowie die verwendeten Energieträger. Die Nutzungsgrade für die lokale Warmwasserbereitung werden hier für alle Szenarien gleichgesetzt und aus Matthes (2009) entnommen. Da für die Aufteilung des EEV für die Warmwasserbereitung auf die verschiedenen Energieträger für München keine Datengrundlage vorliegt, erfolgte diese sowohl für die Basisjahre 1990 und 2014 als auch für die Fortschreibung anhand deutschlandweiter Angaben aus den verschiedenen Szenariorechnungen (Matthes 2009, Projektionsbericht 2015 [Öko-Institut et al, noch unveröffent- licht] sowie Öko-Institut und Fraunhofer ISI), die auf München angepasst wurden. 50