Rhein-Hunsrück
Potenziale zur Erschließung der verfügbaren Erneuerbaren Energien 63 Tabelle 7: Ermittlung der Waldholzmasse der Vermarktungsreserve Vermarktungs- Lbh- Ndh- Lbh-Masse Ndh-Masse Brennholz- Heizwert Forstamt menge Anteil Anteil bei 85 % TM bei 85 % TM Masse* (Brennholz) [fm] [%] [t/a] MWh/a Simmern - 41% 59% - - - - Kastellaun - 59% 41% - - - - Boppard (ohne Klein-Privatw ald) 3.000 60% 40% 1.170 530 340 1.420 Boppard (nur Klein-Privatw ald) 5.000 70% 30% 2.280 670 590 2.480 Σ bzw. gew. Ø 8.000 66% 34% 3.450 1.200 930 3.900 * 20% Brennholzanteil der Lbh- und Ndh-Masse Zusammengefasst liegt das Ausbaupotenzial bei insgesamt 8.000 Efm/a (s. Tabelle 5). Wird hier die verwertbare Masse analog zum technischen Potenzial berechnet, so ergeben sich rund 3.450 t/a an Laub- und rund 1.200 t/a an Nadelholz. Die gesamte Menge von etwa 4.650 t/a enthält dann einen Brennholzanteil von rund 930 t/a und hat dabei einen Heizwert von ca. 3.900 MWh/a, äquivalent zu etwa 390.000 l Heizöl/a. 3.1.2 Biomassepotenziale aus der Landwirtschaft Für den landwirtschaftlichen Sektor wurden die Biomassepotenziale für eine energetische Verwertung aus den folgenden Bereichen untersucht: o Energiepflanzenanbau auf Ackerflächen, o Reststoffe aus Ackerflächen, o Biomasse aus Dauergrünland sowie o Reststoffe aus der Viehhaltung. Für die Analysen wurden statistische Daten der landwirtschaftlichen Betriebsdatenbank für das Anbaujahr 2009 über die Kreisverwaltung (Herr Rockenbach, Leiter des Fachbereiches Landwirtschaft) herangezogen. Außerdem wurden im Rahmen von Werkstattgesprächen verschiedene Expertenmeinungen eingeholt. © IfaS 2011 34
Potenziale zur Erschließung der verfügbaren Erneuerbaren Energien 43.836 ha; 45% 12.089 ha; 13% Siedlungsgebiete & Infrastruktur Waldfläche Grünland Ackerfläche 25.397 ha; 26% 14.988 ha; 16% 64 Abbildung 16: Landnutzung im Rhein-Hunsrück-Kreis Eine erste Übersicht zur Landnutzung im Rhein-Hunsrück-Kreis (Abbildung 16: Landnutzung im Rhein-Hunsrück-Kreis) zeigt, dass es sich um eine waldreiche Landschaft handelt. Be- züglich der landwirtschaftlichen Nutzung zeigt sich, dass der Rhein-Hunsrück-Kreis als Ackerbauregion der höheren Lagen bezeichnet werden kann und die Spezialisierung vieler Betriebe im Marktfruchtbau (Getreide und Ölsaaten) zu erwarten ist. Energiepflanzenanbau auf Ackerflächen Um die Potenziale aus dem Anbau von Energiepflanzen auf Ackerflächen darstellen zu kön- nen, wurde ermittelt, in welchem Umfang Ackerflächen hierfür bereits genutzt werden oder künftig zusätzlich bereitgestellt werden können. Hierfür wurde zunächst die Verteilung der Ackerkulturen auf den Flächen des Rhein-Hunsrück-Kreises anhand der Daten aus 2009 abgeleitet (Abbildung 17: Aufteilung der Anbauflächen für Ackerfrüchte im Rhein-Hunsrück- Kreis (Zahlen von 2009). 64 Eigene Darstellung, Daten entnommen aus: Kreisverwaltung Rhein-Hunsrück-Kreis, schriftliche Mitteilung durch Herrn Rockenbach am 21.01.2011. © IfaS 2011 35
Potenziale zur Erschließung der verfügbaren Erneuerbaren Energien 17.063 ha; 70% Getreide Ackerfutterbau (ohne Mais) Mais 17 ha; 0% Raps Stilllegung 511 ha; 2% 457 ha; 2% Sonstiges 5.798 ha; 24% 593 ha; 2% 65 Abbildung 17: Aufteilung der Anbauflächen für Ackerfrüchte im Rhein-Hunsrück-Kreis (Zahlen von 2009) Der Rhein-Hunsrück-Kreis verfügt über 25.397 ha Ackerfläche. Aus der Kulturartenverteilung von 2009 ist ein klarer Fokus auf Raps- und vor allem auf Getreideanbau erkennbar. Aufgrund der Werkstattgespräche mit den landwirtschaftlichen Akteuren des Landkreises wird davon ausgegangen, dass etwa 20% der Ackerfläche für den Anbau von Energiepflan- zen genutzt werden können. Dies entspricht einer Fläche von rund 5.100 ha, die zur Berech- nung des technischen Potenziales zugrunde gelegt wird. Dabei ist davon auszugehen, dass die Bereitstellung von Fläche für den Energiepflanzenanbau in Abhängigkeit von Entwicklun- gen der Agrarpreise vorwiegend aus den derzeitigen Marktfruchtflächen (Raps- und Getrei- deanbau) erfolgt. Im Landkreis befinden sich bereits verschiedene Biogasanlagen, die landwirtschaftliche Sub- strate nutzen, mit einer elektrischen Gesamtleistung von 5,3 MW in Betrieb, im Genehmi- gungsverfahren oder im Bau. Die hierdurch bereits vorhandenen bzw. verplanten Anbauflä- chen belaufen sich unter Berücksichtigung der regionalen Erträge auf geschätzte 3.500 ha, wobei überschlägig etwa 2.800 ha Ackerfläche für den Anbau von Mais und Getreide-GPS angesetzt werden können (Tabelle 8). Ein praxisüblicher Substratmix besteht aus etwa 50% Maissilage, 30% Getreide-Ganzpflanzensilage (GPS) und 20% Grassilage. Weiterhin ge- nutzte Substrate aus etwa 700 ha Dauergrünlandflächen für die Erzeugung von Grassilage und Reststoffe aus der Tierhaltung (in der Regel Gülle) finden in den Punkten Biomasse aus Dauergrünland und Reststoffe aus der Viehhaltung Berücksichtigung. 65 Eigene Darstellung, Daten entnommen aus: Kreisverwaltung Rhein-Hunsrück-Kreis, schriftliche Mitteilung durch Herrn Rockenbach am 21.01.2011. © IfaS 2011 36
Potenziale zur Erschließung der verfügbaren Erneuerbaren Energien Erste Flächen zum Anbau von Festbrennstoffen (insbesondere Agrarholzanbau mit schnell- wachsenden Baumarten) existieren nach Aussage der Landwirte ebenfalls bereits, be- schränken sich jedoch in der Regel auf wenige Hektar. Diese Flächen werden aufgrund ihres geringen Umfanges nicht in der Übersicht der bereits genutzten Potenziale in Tabelle 8 dar- gestellt. 66 Tabelle 8: Bereits genutzte Potenziale aus dem Anbau von Energiepflanzen auf Ackerflächen Flächen- Mengen- Biogas- Spezifischer Gesamt- Ertrag Kulturart potenziale Potenziale* Potenzial Heizwert** Heizwert Heizwert [ha] [t/ha*a] [t/a] [m³] [MWh/t] [MWh/a] Biogassubstrate aus dem Ackerbau Getreide-GPS 1.050 37 ca. 38.900 ca. 7.562.160 5,3 kWh/m³ 1,03 ca. 40.100 Mais 1.750 45 ca. 78.800 ca. 16.059.440 5,2 kWh/m³ 1,06 ca. 83.500 Σ 2.800 124.000 * in Tonnen Frischmasse zur Ernte; ** bei Biogassubstraten bezogen auf das Biogas Wie zu erkennen ist, sind die Anbauzahlen aus 2009 – beispielsweise zum Maisanbau – durch den aktuellen Bestand und die Planungen im Biogasbereich bereits deutlich überholt, wenngleich Ungenauigkeiten durch einen landkreisübergreifenden Anbau von Biogassub- straten ebenfalls nicht vermeidbar sind. Neben diesen bereits genutzten oder verplanten Flächen stehen somit rechnerisch weitere 2.300 ha als Ausbaupotenzial zur Verfügung. Für diese Fläche wurde entsprechend der regionalen Gegebenheiten, der Gesprächsergebnisse mit Praktikern und Experten sowie pflanzenbaulicher Grundlagen ein Energiepflanzen- Anbaumix aus verschiedenen, für die Produktion von Biogassubstraten und Festbrennstoffen geeigneten Kulturarten entwickelt. Demnach wird für die künftige Ausweitung der Energie- pflanzen-Anbaufläche von 2.300 ha ein Anbaumix aus 40% Getreide-GPS, 30% Mais, 15% Feldgras und Futterbaugemengen, 5% alternativen Biogaskulturen, 5% Agrarholz und 5% Miscanthus angenommen. Eine Übersicht der Ausbaupotenziale mit entsprechenden Kenn- werten zum Flächen-, Mengen- und Energiepotenzial ist in Tabelle 9 gegeben: 66 Eigene Darstellung, Daten entnommen aus: Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz, Die Landwirtschaft 2009, 2010, S. 97 / KTBL, http://daten.ktbl.de, Kalkulationsdaten, 2010, abgerufen am 20.05.2011. © IfaS 2011 37
Potenziale zur Erschließung der verfügbaren Erneuerbaren Energien Tabelle 9: Ausbaupotenziale aus dem Anbau von Energiepflanzen auf Ackerflächen Flächen- Mengen- Biogas- Gesamt- Ertrag Kulturart potenziale Potenziale* Potenzial Heizwert** Heizwert [ha] [t/ha*a] [t/a] [m³] [MWh/a] Biogassubstrate Getreide-GPS 920 37 ca. 34.000 ca. 6.609.600 5,3 kWh/m³ ca. 35.000 Mais 690 45 ca. 31.100 ca. 6.338.180 5,2 kWh/m³ ca. 33.000 Feldgras & Futterbaugemenge 345 26 ca. 9.000 ca. 1.701.000 5,3 kWh/m³ ca. 9.000 alternative Biogaskulturen 115 35 ca. 4.000 ca. 616.000 5,2 kWh/m³ ca. 3.200 Festbrennstoffe Agrarholz 115 12 ca. 1.400 - 3,0 kWh/kg ca. 4.200 Miscanthus 115 15 ca. 1.700 - 4,1 kWh/kg ca. 6.900 Σ 2.300 91.000 * in Tonnen Frischmasse zur Ernte; ** bei Biogassubstraten bezogen auf das Biogas So sollte nach Meinung verschiedener Akteure beim Anbau von Biogassubstraten ein Schwerpunkt auf Getreide-Ganzpflanzensilage (GPS) liegen, da die Ertragsleistung auf den meisten Standorten im Landkreis an Mais heranreicht, die durchgehende Bodenbede- ckung über Winter das Erosionsrisiko herabsetzt und die Betriebe über die notwendige Technik verfügen. Eine mögliche Bereicherung der Anbauvielfalt stellt der Anbau von Wick- roggen dar, der ebenfalls als GPS für die Biogasanlage geerntet werden kann. Ferner kommt als gängigstes Biogassubstrat Silomais in Frage. Der bislang mit 2% der Ackerfläche nur geringe Maisanteil im Landkreis lässt eine Ausdehnung des Anbaus auch vor dem Hintergrund der Ausweitung verengter Getreidefruchtfolgen sinnvoll erscheinen, wenngleich er auch ein Zeichen für die in den Höhenlagen des Hunsrücks oftmals nicht vor- zügliche Anbaueignung von Mais ist. Für den Flächenumfang von 690 ha wird zur Berech- 67 nung der Biomasse-Potenziale ein Hektarertrag von 45 t/a zugrunde gelegt, woraus sich ein Potenzial von ca. 31.100 t/a errechnet. Der Gesamtheizwert, der sich ergibt, liegt bei über 33.000 MWh/a äquivalent zu etwa 3,3 Mio. l Heizöl. Eine Alternative zu Getreide-GPS und Mais kann der Anbau von Feldgras und traditionellen Gemengen aus dem Futterbau wie Luzerne-/ Kleegras oder Landsberger Gemenge als Biogassubstrate sein. Diese Kulturen, die als mehrjährige Kulturen geeignet sind, bringen vor allem auf gut wasserversorgten Standorten überdurchschnittliche Erträge und können in Hanglagen zum Erosionsschutz beitragen. 67 Vgl. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz, Die Landwirtschaft 2009, 2010, S. 97. © IfaS 2011 38
Potenziale zur Erschließung der verfügbaren Erneuerbaren Energien Für den Anbau von Biogassubstraten lohnt es sich außerdem, auch neuere Entwicklungen im Auge zu behalten. So werden in verschiedenen Forschungs- und Entwicklungsvorhaben, aber häufig auch bereits von Praxisbetrieben alternative Biogaskulturen, unter anderem Pflanzen wie die Durchwachsene Silphie oder auch Wildpflanzengemenge aus heimischen und nicht-heimischen Arten, erprobt. Zur Erzeugung von Festbrennstoffen werden bereits langjährig verschiedene schnellwach- sende Baumarten wie Pappeln und Weiden sowie mehrjährige Energiegräser (hauptsäch- lich Chinaschilf, auch unter seinem botanischen Gattungsnamen Miscanthus bekannt) er- probt. Während für die Weide bereits etablierte Anbauverfahren aus Schweden bekannt sind, wird nach wie vor intensiv an Themen wie „optimale Umtriebszeit“ und „Erntetechnik“ insbe- sondere für Pappeln geforscht. Beide Baumarten haben wie der Miscanthus auch einen ins- gesamt hohen Wasserbedarf, lassen sich aber nach ihrer Etablierung mit nur geringem Auf- wand an Pflanzenschutz und Düngung kultivieren. Der Anbauumfang in Deutschland ist so- wohl bei Agrarholz als auch bei Miscanthus noch gering, nimmt jedoch in den letzten Jahren deutlich zu. Zusammenfassung der Potenziale aus dem Energiepflanzenanbau auf Ackerflächen Werden die bereits genutzten Flächen für die Erzeugung von Biogassubstraten mit dem Ausbaupotenzial zusammengefasst, so ergibt sich das insgesamt realisierbare technische Potenzial. Dies umfasst wie oben bereits dargestellt etwa 5.100 ha Fläche, woraus sich bei den angenommenen Anbauverhältnissen ein energetisches Potenzial von ca. 215.000 MWh (äquivalent zu 21,5 Mio. l Heizöl) pro Jahr ergibt (Tabelle 10). 68 Tabelle 10: Technische Potenziale aus dem Anbau von Energiepflanzen auf Ackerflächen Flächen- Mengen- Biogas- Gesamt- Ertrag Kulturart potenziale Potenziale* Potenzial Heizwert** Heizwert [ha] [t/ha*a] [t/a] [m³] [MWh/a] Biogassubstrate Getreide-GPS 1.970 37 ca. 72.900 ca. 14.171.760 5,3 kWh/m³ ca. 75.100 Mais 2.440 45 ca. 109.800 ca. 22.377.240 5,2 kWh/m³ ca. 116.400 Feldgras & Futterbaugemenge 345 26 ca. 9.000 ca. 1.701.000 5,3 kWh/m³ ca. 9.000 alternative Biogaskulturen 115 35 ca. 4.000 ca. 616.000 5,2 kWh/m³ ca. 3.200 Festbrennstoffe Agrarholz 115 12 ca. 1.400 - 3,0 kWh/kg ca. 4.200 Miscanthus 115 15 ca. 1.700 - 4,1 kWh/kg ca. 6.900 Σ 5.100 215.000 * in Tonnen Frischmasse zur Ernte; ** bei Biogassubstraten bezogen auf das Biogas 68 Eigene Darstellung, Daten entnommen aus: Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz, Die Landwirtschaft 2009, 2010, S. 96f. / KTBL, http://daten.ktbl.de, Kalkulationsdaten, 2010, abgerufen am 20.05.2011. © IfaS 2011 39
Potenziale zur Erschließung der verfügbaren Erneuerbaren Energien Vom insgesamt vorhandenen technischen Potenzial ist somit ein geringfügig größerer Teil (knapp 124.000 MWh) bereits genutzt oder verplant, während weitere 91.000 MWh als mit- tel- und langfristiges Ausbaupotenzial betrachtet werden können. Reststoffe aus dem Ackerbau Aufgrund des hohen Getreideanteils an der Ackerfläche im Landkreis ist das technische Po- tenzial für Stroh als Bioenergieträger generell als hoch anzusehen. Wird der im Punkt Ener- giepflanzenanbau auf Ackerflächen dargestellte Ausbau des Energiepflanzenanteils an der Ackerfläche auf Kosten der Marktfruchtfläche vorangetrieben, sinkt jedoch der Flächenum- fang mit Getreideanbau und damit auch die Strohverfügbarkeit. Wird davon ausgegangen, dass entsprechend dem aktuellen Anbauverhältnis von 1:3 von Raps zu Getreide etwa 75% der oben veranschlagten 5.100 ha Energiepflanzenbau (das entspricht etwa 3.825 ha) zu Lasten der Getreideflächen gehen, so verbleiben bei einer aktuellen Getreidefläche von 17.000 ha insgesamt gut 13.000 ha, aus denen künftig Getreidestroh gewonnen werden kann. Für die Mobilisierung von Stroh zur energetischen Verwertung sind jedoch weiterhin ver- schiedene Einschränkungen zu beachten, die sich durch den innerbetrieblichen Strohbedarf in der Tierhaltung, Auflagen zur Humusreproduktion und ggf. durch den überregionalen Han- del von Stroh ergeben. In den Gesprächen mit den landwirtschaftlichen Akteuren wurde da- her eine Verfügbarkeit von etwa 20% der anfallenden Gesamtstrohmenge als Potenzial ge- sehen, was preislichen Restriktionen wie auch den landbaulichen Anforderungen gerecht wird und einer Fläche von 2.600 ha entspricht. Die verfügbare Strohmenge für die energetische Verwertung liegt damit bei einem zugrunde gelegten durchschnittlichen regionalen Hektargetreideertrag von ca. 6,1 t/a und einem Korn- Stroh-Verhältnis von 1:1 bei rund 15.900 t/a. Der Gesamtheizwert dieser Menge als energe- tisches Potenzial beträgt etwa 63.600 MWh/a äquivalent zu ca. 6,3 Mio. l Heizöl/a. Die Diskussion um die energetische Verwertung von Getreidekorn beschränkt sich aufgrund ethischer Bedenken häufig weitgehend auf die Nutzung von minderwertigem Sortier- bzw. Ausputzgetreide, welche nach Expertenaussagen starken jährlichen Schwankungen ausge- setzt sind. In der Diskussion mit den Praktikern zeigte sich jedoch, dass dies nur in Teilen von den Landwirten so gesehen wird. Vielmehr sehen zahlreiche Landwirte die Welternäh- rungsfrage nicht als Mengen-, sondern als Verteilungsproblem und stehen daher auch einer weitergehenden Nutzung von Getreide als Brennstoff offen gegenüber, sofern dies ökono- misch darstellbar ist. Da die Zulassung von Getreide als Regelbrennstoff im Immissions- schutzrecht derzeit auf Kleinfeuerungsanlagen im landwirtschaftsnahen Bereich beschränkt und die Verfügbarkeit geeigneter Kessel begrenzt ist, werden dennoch lediglich 5% der Ge- samterträge als technisches Potenzial angesetzt. © IfaS 2011 40
Potenziale zur Erschließung der verfügbaren Erneuerbaren Energien Dies ergibt bei Berücksichtigung einer verminderten Getreideanbaufläche analog zum Stroh- potenzial eine Menge von ca. 4.000 t/a, was einem Flächenpotenzial von 650 ha entspricht. Der Heizwert dieser Menge beträgt ca. 12.800 MWh/a äquivalent zu etwa 1,3 Mio. l Heizöl/a. Die Potenziale von Getreidestroh und -korn werden zusammenfassend in der nachstehen- den Tabelle 11 gezeigt. 69 Tabelle 11: Reststoff-Potenziale aus Ackerflächen Flächen- Mengen- Spezifischer Gesamt- Ertrag Reststoffart Stoffgruppe potenzial Potenziale Heizwert Heizwert [ha] [t/ha*a] [t/a] [MWh/t] [MWh/a] Energiestroh Festbrennstoffe 2.600 6,1 ca. 15.900 4,00 ca. 63.600 Energiegetreide Biogassubstrate 650 6,1 ca. 4.000 3,20 ca. 12.800 Σ 19.900 76.400 Insgesamt ergibt sich ein technisches Potenzial von knapp 20.000 t/a mit einem Heizwert von ca. 76.400 MWh/a äquivalent zu etwa 7,6 Mio. l Heizöl/a. Um das Ausbau-Potenzial darzustellen, werden Mengen, welche sich bereits aktuell und auch zukünftig (zusätzlich) in Nutzung befinden bzw. befinden werden, in Abzug gebracht. Da jedoch bisher keine Stroh- oder Ausputzgetreide verwertenden Anlagen bekannt sind, wird hier angenommen, dass Ausbau- und technisches Potenzial gleichzusetzen sind. Biomasse aus Dauergrünland Im Rhein-Hunsrück-Kreis werden aktuell gut 12.000 ha Grünland bewirtschaftet. Aus der 70 landwirtschaftlichen Statistik ergibt sich ein mittlerer Grünmasseertrag von rund 26 t/ha (erntefrische Masse mit ca. 18% TM), womit sich ein Gesamtertrag von rund 312.000 t FM/a ergibt. Um das technische Potenzial zu erhalten, werden der Raufutterbedarf für die Tierhaltung sowie der Magerwiesenanteil von 10% vom Gesamtflächenpotenzial in Abzug gebracht. Für die Berechnung des grasartigen Futterbedarfes werden Kennzahlen und Umrechnungsfakto- ren wie in Tabelle 12 berücksichtigt. 69 Eigene Darstellung, Daten entnommen aus: Kaltschmitt et. al., Energie aus Biomasse, 2009, S. 360. 70 Vgl. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz, Die Landwirtschaft 2009, S. 97. © IfaS 2011 41
Potenziale zur Erschließung der verfügbaren Erneuerbaren Energien 71 Tabelle 12: Raufutterbedarf (berechnet als erntefrisches Material) 1 Tierbesatz Tierbesatz Angenommer Gras-/Heubedarf pro a* Viehart GV/Tier im Kreis in GV pro GV gesamt Pferd 1.476 1,1 1.624 12,2 t 19.754 t Schaf 4.246 0,1 425 12,8 t 5.421 t Rind (Milch- oder Mutterkuh) 4.775 1,2 5.730 13,3 t 76.047 t Rind (Mast- oder Jungvieh) 11.670 0,7 8.169 13,3 t 108.417 t Σ 15.947 209.640 t/a *1 Durchschnittsw ert (18% TM) über ein Jahr hinw eg Abzüglich des Raufutterbedarfes von ca. 210.000 t FM/a und des Magerwiesenanteils ergibt sich eine Menge von rund 70.800 t FM/a Grünmasse (als erntefrisches Material mit 18% TM). Dies entspricht etwa 36.000 t FM/a als Grassilage (35% TM) analog zu einer Fläche von ca. 2.700 ha (vgl. Tabelle 13). Hieraus geht bei einer Biogasausbeute von 154 m³/t Sila- ge und einem Heizwert von 5,2 kWh/m³ ein Gesamtheizwert von gut 28.800 MWh/a äquiva- lent zu etwa 2,9 Mio. l Heizöl/a hervor. 72 Tabelle 13: Technisches Potenzial für Gras aus Dauergrünland Flächenpoten- Mengen- Biogas- Gesamt- Ertrag Kulturart ziale Potenziale Potenzial Heizwert Heizwert [ha] [t/ha*a] [t/a] [m³] [MWh/a] Gras aus Dauergrünland 2.700 13,3 (35% TM) ca. 36.000 ca. 5.533.200 5,2 kWh/m³ ca. 28.800 Wird nun die bereits realisierte oder geplante Nutzung von Gras aus Dauergrünland in Bio- gasanlagen (analog zu ca. 700 ha bei 26 t FM/ha, vgl. Energiepflanzenanbau auf Ackerflä- chen) vom technischen Potenzial abgezogen, so ergibt sich ein Ausbaupotenzial von etwa 26.700 t FM/a entsprechend 2.000 ha. Energetisch lässt sich daraus (über die Vergärung) Biogas mit einem Gesamtheizwert von ca. 21.300 MWh/a erzeugen, was einem Heizöläqui- valent von rund 2,1 Mio. l/a entspricht. 73 Tabelle 14: Ausbaupotenzial für Gras aus Dauergrünland Flächenpoten- Mengen- Biogas- Gesamt- Ertrag Kulturart ziale Potenziale Potenzial Heizwert Heizwert [ha] [t/ha*a] [t/a] [m³] [MWh/a] Gras aus Dauergrünland 2.000 13,3 (35% TM) ca. 26.667 ca. 4.098.667 5,2 kWh/m³ ca. 21.300 71 Eigene Darstellung in Anlehnung an: Eder / Schulz, Biogas Praxis, 2006, S. 44. 72 Eigene Darstellung, Daten entnommen aus: KTBL, http://daten.ktbl.de, Kalkulationsdaten, 2010, abgerufen am 20.05.2011. 73 Ebenda. © IfaS 2011 42
Potenziale zur Erschließung der verfügbaren Erneuerbaren Energien Das dargestellte Potenzial ist relativ sensibel gegenüber Bewirtschaftungsveränderungen und klimatischen Einflüssen. So sind beispielsweise nach Meinung der Praktiker durch eine Intensivierung der Düngung noch zusätzliche Potenziale aus dem Grünland realisierbar, während in trockenen Jahren wie 2011 deutliche Einbußen bei den Grünlanderträgen zu verzeichnen sind. Reststoffe aus der Viehhaltung Basierend auf statistischen Angaben der Kreisverwaltung zu den Tierzahlen im Kreisgebiet (s. grüner Spaltenbereich in Tabelle 15) wurden unter Berücksichtigung durchschnittlich pro- duzierter Güllemengen sowie der Stalltage pro Tierart und Jahr die potenziellen Biogaserträ- ge und Heizwerte ermittelt. Die nachstehende Tabelle fasst die Ergebnisse dieser Ermittlung zusammen: 74 Tabelle 15: Tierbesatz im Rhein-Hunsrück-Kreis Spezifisches Relativer Anteil Wirtschafts- Biogas- Heizwert Art des Wirtschaftsdüngers TM-Gehalt Wirtschaftsdünger- Tieranzahl nach dünger ausbeute [MWh/a] aufkommen [Tier x 365 d] Viehhaltung [t/a] [m³/t] 1 Mutterkühe Festmist* 22,0% 12,0 m³ 10,0 t - 100% 0 84 0 Flüssigmist 7,5% 24,9 m³ 24,9 t 80% 56.028 17 940 Milchvieh 4.775 Festmist 22,0% 12,0 m³ 10,0 t 20% 5.603 84 471 2 Flüssigmist* 7,5% 10,8 m³ 10,8 t 50% 37.120 17 623 Mastrinder 11.670 Festmist 22,0% 4,7 m³ 3,9 t 50% 13.408 84 1.128 16.445 112.159 3.162 Mastschweine Flüssigmist*3 7,5% 2,0 m³ 2,0 t 13.842 100% 27.684 24 664 4 Zuchtsauen Flüssigmist* 7,5% 5,0 m³ 5,0 t 1.538 100% 7.690 24 185 15.380 35.374 849 Legehennen Kot-Einstreu-Gemisch 48,0% 0,027 m³ 0,019 t 11.451 100% 216 180 39 Pferde Mist 25,0% 15,9 m³ 10,00 t 1.476 100% 8.694 93 809 *1 Grünlandhaltung ? 75 %) *4 plus 18 Ferkel bis 25 kg Gesamt-Σ Gesamt-? 156.444 4.859 *2 > 6 Monate *5 N- und P angepasste unbelüftete Fütterung davon Gülle davon Gülle 128.523 2.412 *3 220 kg Zuwachs/Mastplatz davon Festmist davon Festmist 27.921 2.447 Nach Tierarten ergeben sich rund 112.000 t/a bzw. ca. 17.400 MWh/a aus Rindermist und -gülle, rund 35.400 t/a bzw. ca. 5.100 MWh/a aus Schweinegülle, etwa 220 t/a bzw. ca. 250 MWh/a aus Hühnermist und rund 8.700 t/a bzw. ca. 4.200 MWh/a aus Pferdemist, ins- gesamt also rund 27.000 MWh/a äquivalent zu etwa 2,7 Mio. l Heizöl. Um das Ausbaupotenzial darzustellen, werden Mengen, welche sich bereits aktuell und auch zukünftig in Nutzung durch beantragte, genehmigte oder im Bau befindliche Anlagen zur Gülleverwertung befinden, in Abzug gebracht. Insgesamt handelt es sich im Rhein- Hunsrück-Kreis dabei um drei Biogas-Anlagen mit einer elektrischen Leistung von etwa 750 kW. 74 Eigene Darstellung, Daten entnommen aus: KTBL, Betriebsplanung Landwirtschaft 2006/07, 2006, S. 412ff. / Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz, schriftliche Mitteilung durch Herrn Rockenbach am 26.01.2011. © IfaS 2011 43