Suizidopfer und Suizidgefährdete

/ 4
PDF herunterladen
Landtag Brandenburg                                   Drucksache 4/4691 4. Wahlperiode Antwort der Landesregierung auf die Kleine Anfrage Nr. 1778 der Abgeordneten Barbara Richstein Fraktion der CDU Landtagsdrucksache 4/4544 Suizidopfer und Suizidgefährdete Wortlaut der Kleinen Anfrage Nr. 1778 vom 09.05.2007: Wir sind immer wieder tief erschüttert, wenn wir Kenntnis davon erhalten, dass sich in unserem nähren Umfeld ein Mensch das Leben genommen hat. Tatsache ist, dass in der Bundesrepublik Deutschland durchschnittlich acht Jugendliche und junge Erwachsene täglich durch Selbstmord sterben. Der Verein Freunde für's Leben e. V. geht davon aus, dass jeden Tag weitere 150 Menschen versuchen, sich das Leben zu nehmen. Insgesamt sterben somit in der Bundesrepublik Deutschland mehr Men- schen aus eigener Entscheidung als durch Verkehrsunfälle, Drogen und Aids zusam- men. Ich frage die Landesregierung: 1.     Wie viele Suizide gab es in den letzten fünf Jahren im Land Brandenburg? (bitte aufgeschlüsselt nach Geschlecht, Alter und Jahr) 2.     Wie hoch war die Zahl der Suizidversuche in den letzten fünf Jahren? (bitte aufgeschlüsselt nach Geschlecht, Alter und Jahr) 3.     Welche Hilfsmaßnahmen gibt es im Land für Suizidgefährdete und deren An- gehörige? 4.     Welche Vereine und Organisationen kümmern sich um gefährdete Personen, um Überlebende von Suizidversuchen und deren Angehörige? (Bitte aufge- schlüsselt nach staatlichen und nicht staatlichen Organisationen) 5.     Welche landesseitige finanzielle Unterstützung wurde diesen Vereinen und Organisationen zuteil? Datum des Eingangs: 06.06.2007 / Ausgegeben: 12.06.2007
1

Namens der Landesregierung beantwortet die Ministerin für Arbeit, Soziales, Ge- sundheit und Familie die Kleine Anfrage wie folgt: Frage 1: Wie viele Suizide gab es in den letzten fünf Jahren im Land Brandenburg? (bitte aufgeschlüsselt nach Geschlecht, Alter und Jahr) zu Frage 1: In der amtlichen Todesursachenstatistik des Landes Brandenburg werden für die Jahre 2001 – 2005 folgende Raten von Suizidsterbefällen (absolute Fallzahlen in Klammern) ausgewiesen: Jahr     Suizidsterbefälle in Brandenburg pro 100.000 der Bevölkerung        davon weiblich      davon männlich (absolute Fallzahl) 2001                   15,3 (397)                 7,2 (95)           23,6 (302) 2002                   15,0 (388)                 6,5 (85)           23,7 (303) 2003                   15,5 (400)                 6,4 (84)           24,8 (316) 2004                   16,1 (413)                 6,8 (88)           25,6 (325) 2005                   13,1 (336)                 6,6 (85)           19,8 (251) Nach Berechnungen des Robert-Koch-Instituts liegen die Raten in Brandenburg nur geringfügig über dem Bundesdurchschnitt. Differenziertere Erkenntnisse, insbesondere über altersspezifische Risiken, lassen sich gewinnen, wenn man die Raten von vorsätzlicher Selbstbeschädigung mit To- desfolge auf Altersgruppen bezieht (s. Anlage). Frage 2:Wie hoch war die Zahl der Suizidversuche in den letzten fünf Jahren? (bitte aufgeschlüsselt nach Geschlecht, Alter und Jahr) zu Frage 2: Fälle von vorsätzlicher Selbstbeschädigung ohne Todesfolge werden weder in der amtlichen Statistik noch in der Gesundheitsberichterstattung erfasst. Frage 3: Welche Hilfsmaßnahmen gibt es im Land für Suizidgefährdete und deren Angehörige? Frage 4: Welche Vereine und Organisationen kümmern sich um gefährdete Perso- nen, um Überlebende von Suizidversuchen und deren Angehörige? (Bitte aufge- schlüsselt nach staatlichen und nicht staatlichen Organisationen) zu Frage 3 und 4: Für suizidgefährdete Menschen und ihre Angehörigen stehen die Hilfsangebote des gesamten psychiatrischen, psychotherapeutischen und psychosozialen Versor- gungsangebotes im Land zur Verfügung. Das Spektrum umfasst spezielle Behand- lungsangebote in den psychiatrischen Krankenhäusern und Tageskliniken, die am- bulante Behandlung in Psychiatrie- und Nervenarztpraxen sowie die Beratung und Therapie durch niedergelassene Ärztliche und Psychologische Psychotherapeuten. Auch Hausärzte sind Ansprechpartner für Menschen mit suizidalen Gedanken bzw. Menschen, die Selbsttötungsversuche überlebt haben.
2

Im Bereich des Öffentlichen Gesundheitsdienstes sind die Sozialpsychiatrischen Dienste der Gesundheitsämter fachlich kompetent. Diese Dienste sind darauf vorbe- reitet, präventiv zu beraten, Menschen in akuten Krisen zu unterstützen bzw. Nach- sorge, auch durch Hausbesuche, zu übernehmen. Die Kontakt- und Beratungsstel- len für psychisch Kranke sowie die Beratungs- und Behandlungsstellen für Sucht- kranke bieten vertrauliche Gesprächsmöglichkeiten und zeigen weitere, in der Regi- on erreichbare Hilfen auf. Die Adressen zu den vielfältigen Hilfsangeboten in den Landkreisen und kreisfreien Städten sind im „Wegweiser Psychiatrie“ bzw. „Wegweiser Suchthilfe“ (vom MASGF herausgegebenen und auf aktuellem Stand gehalten) aufgeführt und beim Stichwort Publikationen -Soziales/Gesundheit- unter der nachfolgenden Internetadresse ver- fügbar: www.masgf.brandenburg.de Ein weiteres niedrigschwelliges Hilfsangebot stellt das Diakonische Werk Potsdam e.V. mit seinem Angebot der Telefonseelsorge zur Verfügung. Hierüber sind kompe- tente Ansprechpartner landesweit über eine kostenfreie Telefonnummer 24 Stunden täglich erreichbar. Für den speziellen Bereich der Kinder- und Jugendarbeit wird auf die Angebote und Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe nach SGB VIII hingewiesen. Suizidgefährde- te Kinder und Jugendliche bzw. deren Eltern gehören selbstverständlich zum Klientel der Jugendhilfe. Ansprechpartner sind die örtlichen Träger der Jugendhilfe (Jugend- ämter) bei den Landkreisen und kreisfreien Städten. Es gibt keine speziellen Bera- tungs- oder Hilfsangebote für Gefährdete oder für Überlebende von Suizidversuchen im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe. Die Zielgruppe wäre zu klein, um Spezialein- richtungen vorzuhalten. Die Regeleinrichtungen sind aber durchaus mit dem Thema Suizid vertraut und als Anlaufstelle geeignet. Im Einzelnen nehmen insbesondere folgende Einrichtungen präventive Aufgaben im Zusammenhang mit Suizid und suizidalen Tendenzen wahr: a)      42 Erziehungs- und Familienberatungsstellen (in öffentlicher und freier Träger- schaft) b)      7 Kinder- und Jugendnotdienste (in Brandenburg/Havel, Caputh, Cottbus, Ei- senhüttenstadt, Frankfurt/Oder, Potsdam und Prenzlau, alle in freier Träger- schaft) c)      die Kinder- und Jugendtelefone, kostenfrei und anonym erreichbar unter der bundeseinheitlichen „Nummer gegen Kummer“ 0800 - 111 0 333 (im Land Brandenburg von 3 Trägern der freien Jugendhilfe flächendeckend betrieben). Frage 5: Welche landesseitige finanzielle Unterstützung wurde diesen Vereinen und Organisationen zuteil? zu Frage 5: Die Zuweisungen des Landes an die Landkreise und kreisfreien Städte für die Kon- takt- und Beratungsstellen für psychisch Kranke sowie für die Beratungs- und Be- handlungsstellen für Suchtkranke belaufen sich im Haushaltsjahr 2007 auf 1.566.600 €. Die in der Antwort zu Frage 3 und 4 unter c) genannten freien Träger erhalten zum Betrieb ihres überregionalen Angebots eines Kinder- und Jugendtelefons eine jährli- che Zuwendung aus Mitteln des Landesjugendplans von jeweils ca. 25.000 €.
3

Sterbefälle durch vorsätzliche Selbstbeschädigung, Land Brandenburg 2001 - 2005, je 10 000 der Bevölkerung, nach Altersgruppen und Geschlecht Altersgruppe              2001                            2002                              2003                       2004                    2005 von ... bis    insge-    männ-      weib-     insge-     männ-       weib-     insge-      männ-    weib-   insge-    männ-   weib-    insge- männ- weib- unter ... Jahren  samt      lich       lich      samt       lich        lich      samt        lich     lich    samt      lich    lich     samt   lich  lich unter 15               -      –          –           0,1         0,1        0,1         –          –       –       0,1       0,1    0,1         –      –      – 15 - 30               0,8        1,3      0,3        0,8         1,1        0,4        0,9        1,4     0,3      0,8       1,2    0,3       0,6    1,1    0,0 30 - 40               1,4        2,3      0,3        1,3         2,2        0,4        1,2        1,8     0,4      1,2       2,0    0,4       1,0    1,4    0,6 40 - 50               2,0        3,2      0,8        2,4         4,0        0,6        1,9        3,0     0,7      2,2       3,8    0,6       1,6    2,4    0,7 50 - 60               2,0        3,2      0,7        1,6         2,7        0,6        2,1        3,6     0,7      2,1       3,0    1,2       1,8    2,9    0,6 60 - 70               2,4        3,9      0,9        1,8         2,6        1,1        2,2        3,5     1,1      2,0       3,3    0,8       2,0    2,6    1,3 70 - 80               2,2        2,5      2,0        2,3         3,9        1,2        2,3        4,6     0,7      2,7       5,1    1,0       2,0    3,3    1,4 80 und älter          3,8        8,3      2,4        3,5         9,4        1,7        4,0        9,5     2,3      3,6       7,8    2,2       3,0    7,4    1,6 Altersgruppen insgesamt            1,5        2,4      0,7        1,5         2,4        0,6        1,6        2,5     0,6      1,6       2,6    0,7       1,3    2,0    0,7 Quellen: LDS Brandenburg (2005). Statistische Berichte. A IV 3 – j / 05 und A IV 10 – j / 05 und eigene Berechnungen des Landesgesundheitsamtes
4