Radium-226 in Mineralwässern

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SCHLESWIG-HOLSTEINISCHER LANDTAG                       Drucksache  15/ 87 15. Wahlperiode                                                    14. April 2000 Kleine Anfrage der Abgeordneten Jutta Scheicht (CDU) und Antwort der Landesregierung - Minister für Umwelt, Natur und Forsten Radium-226 in Mineralwässern Frage 1:       Sind der Landesregierung jüngste Untersuchungen von Mineralwässern   auf radioaktives Radium 226 bekannt?  Wenn ja, um welche Konzentrationen handelt es sich und wie werden di e- se von der Landesregierung beurteilt?  Antwort:       Die im Auftrag des Wirtschaftsmagazins "Plusminus" ermittelten Werte sind bekannt und als Anlage 1 beigefügt. Der höchste Wert wurde mit 510 Millibecquerel pro Liter (mBq/l) bei der Rosbacher Urquelle ermittelt. Der relativ hohe Gehalt an Radium-226 (Ra- 226) dieser Quelle ist aber schon seit Jahren bekannt. Untersuchungen  des ehemaligen Bundesgesundheitsamtes ergaben im Jahr 1983 einen Wert von über 1200 mBq/l (= 1,2 Becquerel/l) für dieses Mineralwasser. Bei weiteren Messungen 1987 und 1988 wurden für dieses Mineralwasser 530 mBq/l ermittelt.
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 Drucksache 15/ 87                      Schleswig-Holsteinischer Landtag - 15. Wahlperiode Beurteilung dieser Werte (radiologische Bewertung): Unter extrem konservativen Annahmen, d.h. Mineralwasser mit einer Kon- zentration von 0,5 Bq/l Ra-226, Verzehrraten wie beim Trinkwasser (800 Liter pro Jahr für einen Erwachsenen und 250 Liter für ein Kleinkind) wer -  den jährliche Dosisbeiträge von 0,144 Millisievert (mSv) für einen Er- wachsenen und 0,163 mSv für ein fünfjähriges Kleinkind ermittelt. Diese  Werte sind gering im Vergleich zur mittleren effektiven Jahresdosis der Bevölkerung durch natürliche Radioaktivität insgesamt. Diese wird vom Bundesumweltministerium mit 2,4 mSv angegeben. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt einen Leitwert von 0,1 mSv pro Jahr als effektive Dosis durch Trinkwasserverbrauch. Berücksichtigt man einen realistischen Mineralwasserverbrauch von ca. 100 Liter pro Kopf und Jahr wird vorliegend eine Strahlenexposition von 0,1 mSv pro Jahr nicht überschritten. Frage 2:           Sind ggf. Mineralwässer in Schleswig-Holstein von erhöhten Radium 226-  Konzentrationen betroffen?  Wenn ja, welche? Antwort:           Nein Nach derzeitiger Diskussion wird von einem erhöhten Radium-226-Gehalt bei natürlichen Mineralwässern mit mehr als 100 mBq Ra-226/l ausge- gangen. Bei sechs schleswig-holsteinischen Mineralwässern, die im Ra h-  men einer umfangreichen Untersuchung von Flaschenwässern 1987  durch das ‘Wasser-Boden-Lufthygiene-Institut’ des damaligen Bundesg e- sundheitsamtes überprüft wurden, ergab sich ein Mittelwert von 16,8 mBq/l bei einem Maximalwert von 63 und einem Minimalwert von 6,3 mBq/l (siehe Anlage 2). Die gemessenen Gehalte sind bei einer Halbwert-  zeit des Radiums-226 von 1600 Jahren nach wie vor aktuell. 2 
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 Schleswig-Holsteinischer Landtag - 15. Wahlperiode   Drucksache 15/ 87 Da schleswig-holsteinische Mineralwässer aus nicht vulkanisch geprägten geologischen Schichten, sondern verschiedenen urzeitlichen Sanden g e-  wonnen werden und hinsichtlich der Zusammensetzung der Wässer aus   diesen Erdschichten langfristig keine Änderungen zu erwarten sind, ist  davon auszugehen, dass diese Wässer weiterhin vergleichsweise niedrige  Radium-226-Gehalte behalten. Frage 3:             Welche Grenzwerte für Radium 226 in Mineralwässern best ehen?   Antwort:             Grenzwerte für natürliche Radium-226-Gehalte existieren nicht. Frage 4:             Trifft es zu, dass eine entsprechende Kennzeichnung zur Information des  Verbrauchers nicht vorgeschrieben ist? Antwort:             Ja Frage 5:             Ist die Landesregierung ggf. bereit, sich für eine Kennzeichnungspflicht  einzusetzen bzw. ist sie bereit, sich bei der Bundesregierung für eine Än-  derung der Mineralwasserverordnung einzusetzen?  Antwort:             Derzeit nimmt das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin im Einvernehmen mit dem Bundesamt für Strahle n- schutz eine erneute Risikobewertung von radiumhaltigen natürlichen Mi- neralwässern vor. Das Ergebnis dieser Bewertung bleibt zunächst abzu- warten. Danach wird die Landesregierung über den Normierungs- und  Handlungsbedarf entscheiden, insbesondere unter Anrechnung von Ris i- kogruppen wie Säuglingen. 3
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