Verlandung des Einfelder Sees
SCHLESWIG-HOLSTEINISCHER LANDTAG Drucksache 14/953 14. Wahlperiode 04.09.97 Kleine Anfrage des Abgeordneten Uwe Döring (SPD) und Antwort der Landesregierung - Minister für Umwelt, Natur und Forsten- Verlandung des Einfelder Sees 1. Trifft es zu, daß der Wasserstand des Einfelder Sees in den letzten Jahren in besorgniserregender Weise sinkt und daß bis zu 3 ha pro Jahr verlanden? Hat die Landesregierung Erkenntnisse, ob das Absinken des Wasserstandes dauerhaftoder nur die Foge besonders trockener Sommer ist? Der langjährige mittlere Wasserstand des Einfelder Sees liegt auf einer geodätischen Höhe von 26,670 müNN. Er fiel in den letzten Jahren vom bisher höchsten beobachteten Wasserstand von 27,35 müNN (Ende April 1995) auf 26,35 müNN (Ende April 1996) und 26,1 o müNN (Ende April 1997). Der niedrigsie Wasserspiegel dieser Zeit wurde mit 25,75 müNN (Ende Oktober 1996) registriert. Das Absinken des Was- serstandes kann jedoch nicht als besorgniserregend bezeichnet wer- den. Ähnliche niedrige Wasserstände wurden im Oktoper 1976 mit 25,75 müNN und im April1977 mit 26,05 müNN gemessen. Der bisher niedrigste Wasserstand im Einfelder See wurde im. Oktober 1973 mit Die Landtagsdrucksachen sind fortlaufend und einzeln beim Verlag Schmidt & Klaunig, Ringstraße 19, 24114 Kiel. Fernruf 04 31/6 20 95, zu beziehen.
Drucksache 14/953 Schleswig-Holsteinischer Landtag ~ 14. Wahlperiode 25,68 müNN gemessen. Das Absinken desWasserstandesvon 1995 _ bis 1996 ist auf die ungewöhnlich ni!ldrigen [lliederschläge. im Winter _ 1995/1996 mit 124 mm (langjähriges Mittel 361 mm) und im folgenden ungewöhnlich trockenen Sommer 1996 mit 31 () mm (langiähri_ges Mittel 418 mm) zurückzuführen. Da der Einfelder See ein kleines oberirdische.§ Einzugs_gepiet hat, das_ nur dreimal so groß wie die Seefläche ist, reagiert er empfindlich auf Änderungen der Niederschlagsintensltä!. Aufgrund der vielerorts flachen Ufer des im Mittel nur 3,40 m und maximal8,40 m Uefen Einfelder Sees wirken sid! geringe Niooers{;l]läg~ _ und dadurch bedingte geringe Zuflüsse besonders auf die GrOße der Wasserfläche aus. Mit dem Sinken des SeeWl!Sserspiegels fallen Teil- bereiche des Sees trocken. Dies ist nicht_ ~an Oauer, sandem oie Seefläche wird sich mit dem steigenden Was§erstand wieder ausdeh- nen. Insofern handelt es sich nicht um eine Verlandung. 2. Welchen Einfluß hat die Renaturierung des Dosenmoores auf den Wasserstand des Einfelder Sees? Die im Naturschutzgebiet Dosenmoor laufende Regeneration hat keinen meßbaren Einfluß auf den Wasserstand des Ein1elder Sees. Die Hochmoorregeneration bewirkt, daß das Niederschlagswasser voo_ den Sphagmen (Torfmoosen) gehalten wird. Lediglich für die Anfangs- phasen der Wasserhaltung könnte es ggf. zu Abflußverzög~rungen kommen. Nach Sättigung des MoorkOrpers wird überschUssiges Was- ser in die Umgebung abgegeben. Die Moorregeneration trägt dazu.bei, daß ggf. mehr Wasser an die umgebenden Rächen abgegeben werden kann als im entwässerten Zustand, da u.a. daS Aufkommen vori Gehöl- zen, die erhebliche Wassermengen verdunsten, unterbunden werden kann. Das Moor hat rd. 23 % Anteil am Einzugsgebiet des Einfelder Sees und wirkt sich somit nur gering aus. 3. Trifft es zu daß im Norden des Dosenmoores durch einen Graben die Fließrichtung des Oberflächenwassers verändert wurde? Ja. Im Rahmen der Regeneration des Dosenmoores wurde Ende 1996 die Fließrichtung eines Grabens auf einer Länge von etwa 200 m umge- kehrt. Der Graben entwässert jetzt Ober die Burbek in die Eider. Die Maßnahme wurde mH Zustimmung der beidenWasser- und Bodenver- bände sowie der GemeindenWattenbekund Negenharrie durchgeführt. 2
Schleswig-Holsteinischer Landtag- 14. Wahlperiode Drucksache 141953 4. Trifft es zu, daß das Wassereinzugsgebiet des Einfelder Sees durch die Ableitung des Oberflächenwassers in die Aalbek bzw. Dosenbek tatsächlich erheblich verkleinert wurde? Das Wassereinzugsgebiet des Einfelder Sees ist durch die Maßnahme nur unwesentlich verkleinert worden. Die Umkehr der Entwässerungsrichtung hat zur Folge, daß Oberflä- chenwasser der Niederung zwischen den Staatsforsten Neumünster Wattenbekund Fiefharrie nicht mehr in das Moor eingeleitet wird. Von insgesamt 40 ha Landfläche entwässern 29 ha unverändert in die Dosenbek, während das Oberflächenwasser von 11 ha Grünland der Burbek zufließt. 5. Trifft es zu, daß eine zunehmende "Verkrautung" und Ausweitung des Schilfgürtels vorliegt und wenn ja, hängt diese mit dem nied- rigen Wasserstand oder mit starkem Nährstoffeintrag insbesonde- re aus der Landwirtschaft im Norden des Sees zusammen? Es liegen keine E(kenntnisse über die Ausweitung des Schilfgürtels am Einfelder See vor. Jedoch ist aufzuführen, daß ein Schilfgürtel ein wesentlicher Bestandteil des Uferbereiches ist und wichtige Funktionen für einen See erfüllt: - er schützt das Ufer vor mechanischen Einflüssen - er bietet einer überaus vielfältigen Lebensgemeinschaft aus Fischen, Vögeln, Insekten, Schnecken, Muscheln und anderen Wirbellosen Nahrung und Lebensraum - er trägt mit seinen Bewohnern zur Reinigung des aus der Umgebung zufließenden Wassers und zu einem Rückhalt der mitgeführten Stoffe bei. Damit wird der Freiwasserbereich des Sees entlastet. Auch vordem Hintergrund, daß an vielen Seen in Deutschland das Schilf im Rückgang begriffen ist, wäre eine Ausweitung der Ufervegetation am Einfelder See, sofern sie gegeben ist, aufgrundihrer Filter- und Lebens- raumfunktion aus ökologischer Sicht positiv zu bewerten. Die Ausdeh- nung der Ufervegetation ist durch die Wassertiefe naturlichel'l.'!eise begrenzt. 6. Gibt es Gutachten und Pläne des Landes, öie das Ökosystem Einfelder See betreffen? Wenn ja, welche? Ja. Das damalige Landesamt für Wasserhaushalt und Küsten hat im Jahre 1978 einen Bericht über die Zustands- und Belastungsquellen des 3
Drucksache 14/953 Schleswig-Holsteinischer Landtag- 14. Wahlperiode Einfelder Sees erstellt. Zusätzlich existiert ein Hydrologischer Zustands- bericht des Einfelder Sees, der 1983 vom Amt fOr Land- und Wasser- wirtschaft Kiel ausgearbeitet wurde. Darüberhinausgehende Pläne des Landes existieren derzeit nicht und werden auch nicht für erforderlich gehalten. 4