Drucksache 10/1372 Schleswig-Holsteinischer Landtag -10. Wahlperiode Für das Entstehen sehr intensiver Gerüche beim Klärwerk Hetlingen sind im wesentlichen die thermische Behandlung des Klärschlamms, aber auch das auf dem langen Transportweg angefaulte Abwasser als Ursache anzusehen. Die thermische Schammbehandlung zielt darauf ab, die Struktur der Schlammstoffe durch hohe Temperaturen (190- 200" C) zu verändern, gebundenes Wasser freizusetzen und die Entwässerungseigenschaften der Abwasserschlässe so zu verbessern, daß sie durch maschinelle Verfahren zu einem möglichst festen, transportfähigen Schlamm- kuchen entwässert werden können. Die bei der Wärmebehandlung ablaufenden physikalisch-chemischen Reaktionen führen insbeson- dere bei belebten Schlämmen zur Zerstörung der kolloidalen Struktur der Schlammstoffe. Dabei wird ein Teil der Zellsubstanz unter Freiset- zung von Gasen im Schlammwasser gelöst. Das Schlammwasser aus der thermischen Schlammbehandlung ist somit hoch verschmutzt und hat einen typischen, starken und unangenehmen Geruch. Es muß dem Klärprozeß wieder zugeführt werden. Dies sind die anlagenspezifischen Merkmale dafür, daß vom Klärwerk Hetlingen trotz der getroffenen Maßnahmen zur Geruchsbekämpfung deutlich stärkere Geruchsbelästigungen ausgehen können als von anderen Klärwerken. 4. Welche Maßnahmen hält die Landesregierung für möglich bzw. erforderlich, um die Geruchsbelästigung zu beseitigen bzw. ent- scheidend zu reduzieren? Um die vom Klärwerk Hetlingen ausgehenden Geruchsbelästigungen zu beseitigen bzw. entscheidend zu reduzieren, hält es die Landesregie- rung für unverzichtbar, die Schlammbehandlung auf anaerobe Ausfau- lung in geschlossenen Faulbehältern (Bioreaktoren) umzustellen. Die notwendigen Planungen dafür sind abgeschlossen. Das erforderliche Planfeststelungsverfahren wird z.Z. durchgeführt und wird voraus- sichtlich noch in diesem Jahr abgeschlossen. Mit de.m Bau der Faulbehälter ist in den Jahren 1987 - 89 zu rechnen. Die Erweiterung der biologischen Reinigungsstufe ist im Bau. Die dazu gehörenden Nachklärbecken sind fertiggestellt und in Betrieb. Die Belebungsbecken- als ringsrum geschlossene Betonbecken mit Druck- belüftung vorgesehen - sind vom Abwasser-Zweckverband in Auftrag gegeben. Die Arbeiten werden z.Z. als Winterbaumaßnahme ausge- führt, so daß die Fertigstellung von 2 der zu errichtenden 3 Belebungs- becken Ende des Jahres 1986 erwartet wird. Nach Inbetriebnahme der neuen Belebungsbecken kann das vorhandene Belebungsbecken mit Oberflächenbelüftung durch Kreisel ebenfalls auf Druckbelüftung um- gerüstet werden. Schon mit der Inbetriebnahme der zwei neuen Belebungsbecken und der dabei möglichen vollständigen Ableitung der Abluft wird eine entscheidende Reduzierung der aus der Mitbehandlung des Schlamm- wassers resultierenden Geruchsbildung erwartet. .2