Kunststoffrecyclingwerke in Schleswig-Holstein
SCHLESWIG-HOLSTEINISCHER LANDTAG Drucksache 13/1153 13. Wahlperiode 16.07.93 Kleine Anfrage der Abgeordneten Bertold Sprenger und Ulrich Schley (CDU) und Antwort der Landesregierung - Minister für Natur und Umwelt- Kunststoffrecyclingwerke in Schleswig-Holstein 1. Zu welchen Produkten soll der im Kunststoffrecyclingwerk Neu- münster einzusammelnde Kunststoffabfall wiederverwertet werden? Mit der Inbetriebnahme des Kunststoffrecyclingwerks Neumünster werden zunächst sortenreine Kunststoffgranulate aus vermischt ange- lieferten Kunststoffabfällen hergestellt. ln der darauf folgenden Arbeits- phase ist beabsichtigt, zusätzlich die Herstellung von Bau- und Abdeck- folien sowie die Produktion von Kunststoffsäcken aufzunehmen. Für die Herstellung von weiteren Produkten bzw. von Halbfabrikaten wird z.Z. seitens der Belreiberfirma eine Marktanalyse durchgeführt, die unter Berücksichtigung der sich entwickelnden Interessen in ein Unter- nehmenskonzepteinfließen sollen. 2. Wenn er dort jedoch nur aufbereitet werden sollte, wohin soll das Kunststoffgranulat dann geliefert werden? Gibt es bereits diesbezügliche Absprachen oder Verträge? Die Landtagsdrucksachen sind fortlaufend und einzeln beim Verlag Schmidt & Klaunig, Ringstraße 19, 24114 Kiel, Fernruf 04 31/6 20 95, zu beziehen.
Drucksache 13/1153 Schleswig-Holsteinischer Landtag -13. Wahlperiode Nach Aussage der Setreiberfirma werden die recyclierten Kunststoff- granulate nach Inbetriebnahme des Werks der kunststoffverarbeiten- den Industrie direkt oder durch den Handel zugeführt. Über entspre- chende Abnahmeverträge gäbe es jedoch Vorabsprachen, die etwa zum Zeitpunkt der Fertigstellung des Werkes in Abnahmeverträge ein- fließen sollen. 3. Wie ist der derzeitige Absatzmarkt für Kunststoffrecyclingproduk- te, z.B. aus Flensburg? Wie bewertet die Landesregierung die Konkurrenzfähigkeit dieser Produkte allein aufgrund des Preises? Nach Aussage der Fa. Städtereinigung Nord, die seit 1987 ein Werk für Kunststoffrecyclingprodukte in Flensburg betreibt, existiert eine rege Nachfrage von Kunststoffrecyclingprodukten, deren Abnehmer über- wiegend Baumärkte, Gärtnereibetriebe, Baumschulen, die Landwirt- schaft und teilweise Tiefbauunternehmen sind. Die Konkurrenzfähigkeit der Kunststoffrecyclingprodukte gegenüber vergleichbaren Produkten z.B. aus druckimprägnierten Hölzern ist of- fensichtlich !rotz des Preisunterschiedes gegeben, da seit Inbetrieb- nahme des Kunststoffwerks in Flensburg nach Aussagen des Setrei- bers eine stetige Steigerung des Absatzes und eine rege Nachfrage zu verzeichnen sei. Es kann davon ausgegangen werden, daß die hochwertigen Aufberei- tungsprodukte aus den noch im Bau befindlichen Kunststoffaufberei- tungsanlagen aufgrund der dann erreichten Sortenreinheit noch bessere Marktchancen haben werden. 4. Wo werden in Schleswig-Holstein - außer in Flansburg -welche Kunststoffrecyclingprodukte hergestellt? ln Schleswig-Holstein werden bereits jetzt außer im Werk Flensburg, in Stapelfeld, Prisdorf und Bargteheide sortenreine Kunststoffgranula- te produziert. 5. Wie bewertet die Landesregierung ein dänisches Verfahren, das Kunststoffgranulate zu Stangen verschmelzt, vor dem Hintergrund der Gefahrenminimierung im Zwischen Iager? Das zitierte dänische Verfahren ist der Landesregierung nicht im ein- zelnen so bekannt, als daß jetzt schon eine Bewertung vorgenommen werden könnte. Inwieweit eine Gefahrenminimierung bei der Lagerung der entsprechenden Kunststoffstangen gegenüber der von Kunststoff- granulaten in Silos möglich ist, kann daher nicht exakt beurteilt werden. 2
Schleswig-Holsteinischer Landtag -13. Wahlperiode Drucksache 13/1153 6. Wie bewertet die Landesregierung thermische Verfahren - so auch das Thermoselect-Verfahren- zur Energie- und Wärmege- winnung, wie sie der saarländische Umweltminister inzwischen nicht mehr ausschließt? Die Bewertung thermischerVerfahren zur Energiegewinnung (z.B. aus Kunststoffen) hat die Landesregierung im Abfallwirtschaftsprogramm des Landes 1991 bereits vorgenommen. Danach lehnt sie den Einsatz solcher Verfahren- vorwiegend zur Energie- und Wärmegewinnung- grundsätzlich ab. Thermische Verfahren betrachtet sie lediglich als eine Möglichkeit- neben mechanischen, biologischen und chemischen Be- handlungsverfahren -, Restabfälle vor deren Ablagerung zu inertisie- ren; die evtl. Nutzung der dabei freigesetzten Energie ist dabei ledig- lich ein Nebeneffekt und kein primäres VerwertungszieL Das Thermoselect-Verfahren wurde bereits in der Antwort auf die Kleine Anfrage (Drucksache 13/934 vom 7.4.93) bewertet. 3