Grußworte des Kultusministers anläßlich der Übergabe von U 995 an die Bundesregierung (Bezug: Kieler Nachrichten vom 4. 10. 1971, S. 5)

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SCHLESWIG-HOLSTEINISCHER LANDTAG                                                                  Drucksache                 7!105 7. Wahlperiode 29. 10. 71 Antwort des Kultusministers auf die Kleine Anfrage des Abg. Klinke (SPD) Grußworte des Kultusministers anläßlich der Obergabe von U 995 an die Bundesregierung (Bezug: Kieler Nachrichten vom 4. 10. 1971, S. 5) Die Kleine Anfrage vom 8, Oktober 1971 hat folgenden Wortla\].t: 1. Welche Fakten veranlaßtenden Kultusminister, sid1 ntief besorgt" über die .,zunehmende Geschichtslosigkeit der Jugend" zu äußern? 2. Welche nedlten revolutionären Kräfte" versuchen Werte wie Freiheit, De- mokratie, Leistung und Verantwortung auszuhöhlen? 3. In welcher Art und Weise kann die Aufstellung von U 995 dazu dienen, junge Menschen Geschidlte erleben zu lassen? 4. Wie soll die "Qualität Vaterland" im Unterricht bewußt gemacht werden? 5. Was hat die Landesregierung in den letzten 20 Jahren getan, um in den entspred1enden Unterrichtsfächern an den schleswig-holsteinischen Schulen in Wort und Sd1rift ein modernes Gesd1id1tsbewußtsein in der Jugend un- seres Landes zu entwick~ln? Die oben bezeichnete Kleine Anfrage beantworte ich wie folgt: Die Kleine Anfrage des Herrn Abgeordneten Klinke bezieht sich auf Zitate in den "!Geier Nachrichten" vom 4. 10. 1971. In Zusammenhang der ganzen Rede ist das Gemeinte unmißverständlich. Die Landtagsdrucksachensind fortlaufend und einzeln beim Verl~g Schmldt & Klaun!g, 23 Kiel, Ringstraße 19/21, Fernruf 62095/96, zu beziehen.
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Drucksache 7/105           Schleswig-Holsteinischer Landtag- 7. Wahlperiode Zu 1.: "Zunehmende Geschichtslosigkeit" kennzeid1net allgemein die heutige Jugend: Die Zerstörung der historischen Kontinuität in zwei Weltkrie- gen, der rasche Wandel der äußeren Lebensverhältnisse im Industrie- zeitalter und die Uberfülle aktueller Informationen durch die Massen- medien verdrängen das Bewußtsein der historischen Uberlieferung. Offenbar teilt der Landesvorsitzende der SPD diese Auffassung. Nach Pressemeldungen hat er bei einer Vortragsreise durch die Bundesrepu- blik 11 Überraschende Geschichtslosigkeit" festgestellt und "eine er- staunlich gleichlautende Argumentation mit einem bemerkenswerten Mangel an historisdwm Hintergrund"-. Zu 2.: Revolutionäre Minderheiten an Sd1ulen und Hochschulen beunruhigen seit Jahren die demokratischen Kräfte. Diese Sorge auszudrücken, war Sinn des entsprechenden Teiles meiner Rede. Ich freue mich, daß der Landesvorsitzende der SPD diese Sorge off~nsidülich teilt. Nach Presse~ meldungensprach er aus Anlaß seiner Vortragsreise davon, "daß die historische Diskreditierung von Kommunismus und Faschismus vor allem unter den Jugendlichen nicht mehr vorhanden sei", undcersprach weiter auch von der "verblüffenden Tatsache des Wiederfußfassens kommunistischer Kader unter den jungen Leuten". Zu3.: Historische Zeugnisse konfrontieren mit historischen Ereignissen und führen zui Frage nach Ursache und Wirkung. Zu 4.: Es sollte ein unserer demokratischen Staatsform angemessenes Ver~ hältnis des Bürgers zum Staat im Unterridü bewußt gemadlt werden. Dabei sollte weder einer Vergötzung des Staates wie in der NS-Zeit noch der heute oft anzutreffenden Auffassung vom Staat als bloßer Schutz- und Versorgungsanstalt das Wort geredet werden. In diesem Zusammenhang. erscheint der Begriff Vaterland weiterhin aussage- kräftig.                               · zu  5.: Die Landesregierung hat den für den Geschichtsunterricht verantwort- lichen Lehrern regelmäßig Hilfen gegeben durch Richtlinien, Lehrpläne, Lehrerfortbildungsveranstaltungen und Einführung von Lehr- und Lern.mitteln auf dem jeweiligen Stand.der Fachwissenschaft und Fach- didaktik. Braun
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