14012020_Lektionsheft_Teil_III
Dieses Dokument ist Teil der Anfrage „Material "Kleine Klimaschula"“
Energieproduktivität: Die Energieproduktivität gibt das Verhältnis von der Wertschöpfung eines Läfldes im Verhältnis zum Energieverbrauch wieder. Sie ist damit ein Maßstab für die Effizienz im Umgan pit _Energieressourcen. Je niedriger sie ist, desto weniger Energie wird also für die Wertschöpfung benötikt,, und desto besser steht das jeweilige Land beim effektiven Einsatz von Energie da. 1” Im Rahmen der Ziele der Energiewende wird vor allem über den Ausbau der erneuerbaren Energieträger gesprochen. Die Grundlage dafür liefert ein Gesetz, das im Jahr 2000 in Kraft trat. Das Erneuerbare- Energien-Gesetz (EEG) regelt den Ausbau der erneuerbaren Energien als zentrale Säule der deutschen Energiewende. Es erteilt erneuerbaren Energien Vorfahrt ins Stromnetz und eine garantierte Einspeisevergütung für den produzierten Strom. Die Vergütung erfolgt unabhängig davon, ob dieser Strom gerade benötigt wird. Diese garantierte Einspeisevergütung wurde auf 20 Jahre festgeschrieben, was den Neubau von Energieanlagen im Bereich erneuerbarer Energie ab dem Jahr 2000 stark beförderte. Der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch ist so von rund sechs Prozent im Jahr 2000 auf rund 33 Prozent im Jahr 2018 gewachsen. Damit wurde die von der Bundesregierung definierte Zielmarke von 35 Prozent für das Jahr 2020 bereits vorzeitig übertroffen. Bis zum Jahr 2025 sollen 40 bis 45 Prozent des in Deutschland verbrauchten Stroms aus erneuerbaren Energien stammen. So sieht es das EEG nach seiner letzten Novellierung im Jahr 2014 vor. Mit 46% Anteil Erneuerbarer am Stromverbrauch wurde dieses Ziel bereits im Jahr 2019 übertroffen. Beim Ausbau der erneuerbaren Energien hat Deutschland seine Ziele erfüllt, bei ihrem Anteil am Energieverbrauch ist es ebenso auf einem guten Weg - bei den weiteren Zielen sieht es weniger optimistisch aus. Sowohl bei der Senkung der Treibhausgasemissionen als auch bei der Energieeffizienz verfehlt Deutschland seine Ziele derzeit zum Teil deutlich. %
s Enttäuschende Zwischenbilanz 2020 I TFT: Stand Stand Ziel %. hessen | 1990 FL) 2016 2020 Ku SR, © © Bedkdenebhangesenisonen 0 m ou am | Anteil Erneuerbare am » 5 Bruttoendenergieverbrauch 7 ” 9 Mar P? „Anteil Erneuerbare am 5 Bruttostromverbrauch a2 U Be >» N Senkung des Primärenergieverbrauchs 100% vs 2 gegenüber 2008 (2008) iR v RN IR 100% Senkung Stromverbrauch gegenüber 2008 (2008) - 0,6%? - 3,8%? -10% 1) Quelle: Umweltbundesamt, Stand Frühjahr 2017 2) Quelle: BMWi, Zahlen und Fakten Energiedaten, Stand: 31.01.2017 3) Quelle: AG Energiebilanzen, Stand Februar 2017 Die Veränderungen im Mix der Energieträger Der Mix der Energieträger an der Bruttostromerzeugung hat sich in Deutschland insbesondere infolge des EEG stark verändert. Die entscheidenden Veränderungen sind das verstärkte Wachstum der Erneuerbaren seit 2010, die Reduktion des Anteils der Kernenergie seit 2011 und die Abnahme des Anteils der Steinkohle in den vergangenen zwei bis drei Jahren. Der Anteil der Braunkohle hat sich im Bereich elektrischer Energie seit 1990 nicht allzu stark verändert, er ist erst in den Jahren 2018 und 2019 um ca. ein Fünftel gesunken, weil einerseits erste Kraftwerkskapazitäten im Bereich der Braunkohle abgeschaltet wurden, andererseits das Jahr 2019 mit viel Wind und Sonne ein sehr gutes Jahr für erneuerbare Energieträger war. Die Reduktion der Braunkohleförderung der Neuen Bundesländer in der Nachwendezeit um über zwei Drittel (von ca. 300 Mio. Tonnen pro Jahr auf unter 100 Mio. Tonnen pro Jahr) hat also weniger mit der Stromerzeugung zu tun, sie schlägt sich eher im Bereich von Industrieprozessen und im Bereich der Gebäude/Wärme nieder. In vielen Haushalten und Unternehmen wurde zur Wende noch mit Kohle geheizt, hier wurde intensiv umgerüstet bzw. zurückgebaut. Insofern weist der Anteil der Braunkohle im Bereich des Stromverbrauchs trotz Rückgang der Fördermenge bis 2018 nur vergleichsweise leichte Schwankungen auf. Die Entwicklung zeigt ebenso, dass der Bruttostromverbrauch. um knapp ein Fünftel zugenommen hat. Das bedeutet, dass Deutschland infolge des Zubaus erneuerbarer Energieträger zunehmende Strommengen produziert. In Deutschland wurden bis 2018 insgesamt 30.518 Windkraftanlagen (Windräder) errichtet, davon 29.213 an Land und 1.305 im Meer. Windkraft hat heute einen Anteil von rund 25 % an der deutschen Stromproduktion. Im Jahr 2019 kam der Ausbau der Windkraft allerdings fast zum Erliegen, dazu sind Anmerkungen im Folgekapitel „Konflikte in der
Energiewende“ zu finden. U Bruttostromerzeugung in Deutschland nach Energieträgern % Terawattstunden 700 550 Twh 190 1992 1994 1995 1956 2000 2002 2004 2005 2008 2010 2012 2014 2016 2018* MW Braunkohle WKermenergie MSteinkohlle "Gase MMineralöle IM EmeuerbareEnergien 1 Übrige Energieträger * vorläufige Angaben, zum Teil geschätzt Quelle: Umweltbundesamt auf Basis AG Energiebilanzen, Sondertabelle Bruttostromerzeugung in Deutschland von 1990 bis 2018 nach Energieträger, Stand 12/2018 Die Entwicklung des Primärenergieverbrauchs zeigt die Entwicklung für die gesamte Energie über den Strom hinaus, Hier wird deutlich, wie der Anteil der Braunkohle Anfang der 1990er-Jahre zügig abnimmt. Diese Übersicht enthält auch den Energieverbrauch im Verkehr (Mineralöle) und in der Industrie sowie den Gebäuden (z.B. Gase). Sie macht deutlich, dass erneuerbare Energie sich aktuell vor allem auf den Stromverbrauch auswirkt. Bei der Gesamtenergie fällt die Steigerung seit 2010 relativ gering aus. Das entspricht auch den verfehlten Zielen bei Emissionsminderungen in Sektoren außerhalb der Energiewirtschaft.
Sr < er a L % 9 " Entwicklung des Primärenergieverbrauchs! in Deutschland % nach Energieträgern mit politischen Zielen % Petajoule 7 . 14.005 er) | z 14000 Bg- I | | | | BR ml PO DR BR BR GER 8- I II % 10 | Alpllı m 9% | ' % 10000 2 8000 7.190 EORI 4000 2000 o 190 1992 1994 1956 198 2000 2002 2004 2006 2008 2010 2012 2014 2016 2018* zei ““ zei 20x 2050° Wi Steinkohle MM Braunkohle MMineralöl "Gase MKemenergie m Sonstige Energieträger’ I Emeuerbare Energien ! Berechnungen auf der Basis des Wirkungsgradansatzes \ : ? Ziele des Energiekonzeptes der Bundesregierung: Senkung des Primärenergieverbrauchs Eis 2020 um 20% und bis 2050 um 50% Basisjahr 2008) > sonstige Energieträger: Grubengas, nicht-erneuerbare Abfälle und Abwärme sowie der Stromaustauschsaldo * vorläufige Angaben Quelle: Umweltbundesamt auf Basis AG Energiebilanzen, "Auswertungstabellen zur Energiebilanz für die Bundesrepublik Deutschland 1990 bis 2017, Stand 07/2018; für 2017/20 18-Umweltbundesamt auf Basis AG Energiebilanzen, Primärenergieverbrauch, Stand 12/2018 Die Entwicklung der Emissionen "Die Energiewende dient vor allem dem Zweck der Emissionsminderung von Treibhausgasen. Das geschieht auf zwei Wegen. Zum einen, indem fossile und mit stärkeren Emissionen verbundene Energieträger durch erneuerbare Energieträger ersetzt werden. Zum anderen, indem grundsätzlich weniger Energie verbraucht wird bzw. mit Energie effizienter gewirtschaftet wird. Betrachtet werden bei der Energiewende Emissionen in den Sektoren Energie, Wärme und Verkehr. Wir haben diese Bereiche zum besseren Verständnis in unserer Kleinen Klimaschule etwas ausführlicher gegliedert in Energiewirtschaft, Industrie, Gebäude, Verkehr und Landwirtschaft. Das entspricht auch der politischen Diskussion, da genau in diesen Bereichen konkrete Maßnahmen zum Erreichen der Ziele der Energiewende führen sollen. Betrachten wir nochmals die Entwicklung der Emissionen in diesen Bereichen (siehe auch Beitrag 1.):
Treibhausgasemission nach Sektoren in der Abgrenzung des Klimaschutzplans in Mio.t CO,-Äquivalente : Pr weitgehende Treibhausgas- neutraltät 1990 2000 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 Ziele Ziele Ziele Ziele 2020 2030 2040 2050 # Ziele Sonstige IM Landwirtschaft u Verkehr Gebauje Industie iM Energtemtrtschaft divon CO, Steinkchle " dawa Co, Braunlohle 1.252 200 Quelle: Urmwehbundesamt Über alle Sektoren hinweg hat Deutschland seine Treibhausgasemissionen bislang um 27,5 % senken ' können. Bis 2020 sollten es ursprünglich 40 % sein. Dennoch könnte man bei erreichten knapp 30 % meinen, Deutschland ist auf einem guten Weg. Wie sind diese Zahlen zu werten? Dafür ist es wichtig, sich die Entwicklung der Emissionen und der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen genau anzuschauen. In den letzten zwölf Jahren, seit 2005, konnten die Treibhausgasemissionen in Deutschland lediglich um ca. 7 % gesenkt werden. In dieser Zeit erfolgte aber der Großteil des Zubaus an erneuerbaren Energieträgern. Warum sind dennoch von 1990 bis Anfang der 2000-er Jahre fast drei Mal mehr Emissionen gemindert worden als in etwa dem gleichen Zeitraum danach? Hierzu können zwei Erklärungen herangezogen werden. Der Zusammenbruch der DDR: Entscheidend ist bei der Betrachtung der erreichten Ziele zur Energiewende der Vergleichszeitraum. Dieser wurde auf das Jahr 1990 festgelegt. Im Oktober 1990 erfolgte die Deutsche Einheit, also der Beitritt der ehemaligen DDR zur Bundesrepublik Deutschland. Das Gebiet der Neuen Bundesländer verfügte 1990 über die Wirtschafts- und Bevölkerungsstruktur der vormaligen DDR. Insofern wurden in diesem Jahr auch entsprechende Emissionen verursacht. Ab Anfang der 1990er-Jahre bis zum ‚ Beginn der 2000-er Jahre erstreckte sich dann ein Strukturbruch vor allem in den industriellen Zentren der südlichen Neuen Bundesländer, also Südbrandenburg, Sachsen, Thüringen und Teile Sachsen-Anhalts. So gingen allein in der Lausitz von geschätzt 100.000 Arbeitsplätzen in der Energiewirtschaft (betrachtet man Bergbau und Kraftwerke gemeinsam) gut 90.000 verloren, mit der Textilindustrie und der Glasindustrie verschwanden ganze Branchen. In den Nachwendejahren verließen fast 1,4 Mio. Bürger ihre ostdeutschen Bundesländer, meist Richtung Westen. In der Lausitz haben einige Städte seit der Deutschen Einheit fast die Hälfte Ihrer Bevölkerung verloren. 1990 wurden allein in der Lausitz rund 170 Mio. Tonnen Braunkohle gefördert, heute sind es noch knapp 60 Mio. Tonnen, Tendenz weiter abnehmend. Der Zusammenbruch
” SL einerseits und.die Effizienzsteigerung der verbliebenen Betriebe in der Industrie und der Energiewiftschaft in Ostdeutschland andererseits sorgten im Nachwendejahrzehnt für eine erhebliche Minderun an Emissionen. Das wird deutlich sichtbar, wenn man die Minderung der Emissionen nach Bundesländern betrachtet: Sie reichen von Minderungen in den Neuen Bundesländern wie Thüringen mit 63,1 % über, ‚Sachsen mit 46,5 % oder Brandenburg mit knapp 30 % (hier wird die Wirkung im industriellen Süden durch® den ländlichen Norden gedämpft) bis zu kaum spürbaren Veränderungen wie in Hessen mit gerade einmal 3 %. Kurzum: den Großteil der bis heute erreichten CO,-Reduktionen verursachte der wirtschaftliche Niedergang des Ostens. Seit 2010 liegt die zusätzliche Minderung an Emissionen zwischen 3 und 4 %. Vor‘ diesem Hintergrund wird ersichtlich, dass weitere Minderungen in den künftigen Jahren mit den bislang verfolgten Maßnahmen zumindest schwierig umsetzbar erscheinen. CO,-Reduktion in Deutschland m <10% zu <20% mu <410% zu >40 % Quelle: UBA, Nationaler Inventarbericht, Mai 2016; eigene Berechnung auf Basis der Länderergebnisse des Jahres 2012 Um die Emissionsminderungen in den einzelnen Bereichen besser zu verstehen, betrachten wir noch einmal die fünf entscheidenden Sektoren Energiewirtschaft, Industrie, Gebäude, Verkehr und Landwirtschaft. Energiewirtschaft: In der Energiewirtschaft wurden die Emissionen von 466 Mio. Tonnen im Jahr 1990 auf 330 Mio. Tonnen im Jahr 2017 verringert, das entspricht knapp 30 %. Bei allen Sektoren werden die Emissionen übrigens in CO»-Äquivalenten gemessen, das bedeutet, dass Emissionen anderer Treibhausgase wie Methan einfach in CO, umgerechnet werden, um die Bereiche anhand einer einfachen Zahl vergleichbar zu machen. In der Energiewirtschaft ist der Trend im Nachwendejahrzehnt deutlich erkennbar, im Zeitraum seit 2010 wurden trotz Zunahme der Erneuerbaren in der Energiewirtschaft nur weitere gut 8% an Emissionen eingespart. Das hat auch einen Grund, der sich in wenigen Jahren noch Pd °. Se % ° © 2
Mg 1 G 7 deutlicher niederschlagen könnte. Im Jahr 2010 betrug der Anteil emissionsfreier Kerflenergie an der Stromerzeugung in Deutschland noch über 22 %. Im Jahr 2018 waren es zehn Prozent wenige may testens im Jahr 2022 verabschieden sich die restlichen zwölf bis 13 Prozent durch den Kernkraftausstieg’@4s dem deutschen Energiesystem. Sie müssen durch einen anderen Energieträger ersetzt werden. Da Kernenäpgje grundlastfähigen Strom liefert (siehe Beitrag 2.), wird sie im Jahr 2022 zumindest zeitweise durch, grundlastfähige Energie ersetzt werden müssen. Zusätzliche Kapazitäten grundlastfähiger Energie wird es ”, „ in dieser Kurzfristigkeit nur durch fossile Energieträger geben. Insofern können die Emissionen bei reiner Betrachtung auf die Energiewirtschaft dann wieder steigen. Industrie: In der Industrie wurden die Emissionen von 284 Mio. Tonnen im Jahr 1990 auf 193 Mio. Tonnen im Jahr 2017 verringert, das entspricht rund 32 %. Hier wird der Zusammenbruch der ehemaligen DDR am deutlichsten, denn seit 2010 haben die Emissionen im Bereich der Industrie sogar leicht zugenommen. Die gesamte Minderung erfolgte im Nachwendejahrzehnt. Gebäude: Im Bereich Gebäude entstehen Emissionen vorwiegend durch Heizung und Warmwasser. Hier wurden die Emissionen von 210 Mio. Tonnen im Jahr 1990 auf 131 Mio. Tonnen im Jahr 2017 verringert, das entspricht einer Minderung von rund 38 %. Auch hier ist in den letzten Jahren nichts mehr passiert, seit vier Jahren geht der Trend sogar wieder leicht nach oben. Der immense Rückgang bis etwa 2005 ist zum einen.dem massiven Rückbau von Plattenbauten und weiteren Wohnhäusern in den neuen Bundesländern und zum anderen vielen Investitionen in Maßnahmen zur Dämmung von Gebäuden und zur Umrüstung im Bereich der Gebäudetechnik, insbesondere der Modernisierung von Heizungsanlagen und deren Umstellung von Kohle auf andere Energieträger, zu verdanken. Durch massive Neubauprogramme vor allem in den Städten nimmt Wohnraum seit Jahren wieder zu, wodurch in diesem Bereich auch wieder steigende Emissionen zu verzeichnen sind. Verkehr: Der Verkehr ist das größte Sorgenkind der Energiewende. Hier haben die Emissionen im Vergleichszeitraum seit 1990 sogar zugenommen, um knapp 4 % von 163 Mio. Tonnen im Jahr 1990 auf 169 Mio. Tonnen im Jahr 2017. Deutschland hat immense Probleme bei der Umsetzung der Verkehrswende, insbesondere bei der Verlagerung des Verkehrs von der Straße auf die Schiene — sowohl im Personenverkehr als auch im Güterverkehr. Zudem ist in diesem Bereich gut zu sehen, wie es-um den persönlichen Beitrag der Deutschen steht. Der Automarkt wird von schweren SUV und stark motorisierten Modellen beherrscht, die entsprechend stark im Kraftstoffverbrauch und Ausstoß von Emissionen sind. Im Jahr 2013 wurden mit 933.505 SUV bzw. Geländewagen so viele Offroader wie noch nie in Deutschland zugelassen, im Jahr 2019 waren es in diesem Bereich bereits im November sogar über 1 Mio. Neuzulassungen. Im Vergleich dazu betrug die Zahl neu zugelassener Elektroautos in 2018 nur 36.062 Fahrzeuge. Inzwischen steigen die Neuzulassungen bei Elektroautos, im ersten Halbjahr 2019 waren es bereits über 30.000 neue Elektroautos, das Wachstum fällt im Vergleich zu den Neuzulassungen in anderen Bereichen aber nach wie vor deutlich zu gering aus. Landwirtschaft: Die Landwirtschaft hat ebenso nur in den 1990er-Jahren für einen geringfügigen Rückgang an Emissionen gesorgt, von 1990 mit 90 Mio. Tonnen auf 72 Mio. Tonnen im Jahr 2017 sind es zwar 20 % im gesamten Betrachtungszeitraum, aber hier hat sich seit 2000 kaum noch etwas getan. In der Landwirtschaft entstehen Emissionen vor allem durch Methan, das Kühe und andere Pflanzenfresser in Größenordnungen ausstoßen. Zum anderen entstehen Emissionen verstärkt durch Düngung, insbesondere im Bereich großer Flächen mit Monokulturen, die.oft für Stromerzeugung aus Biomasse, zur Herstellung von Kraftstoffen (Bio-Diesel) oder zur Produktion von Futtermitteln für die Tierhaltung genutzt werden. Insbesondere das ausgestoßene Methan stellt eine Herausforderung für die Energiewende dar.
Methan ist deutlich klimawirksamer als CO». In den ersten zehn bis 20 Jahren seiner Verweildader in der Atmosphäre ist es fast 90mal klimaschädlicher als CO. Hier schlägt sich insbesondere der Fleischlönsum der Deutschen nieder, der mit 60 Kilogramm pro Kopf auf relativ hohem Niveau stagniert. °, Pr 8: 9 Sichtweise des Redaktionsteams 9 Betrachtet man die Entwicklung der Emissionen in den letzten Jahren genau, ist die Bilanz ernüchternd. Die Energiewende hat von 2000 bis zum Jahr 2017 bereits rund 200 Milliarden an Kosten verursacht, mit stark zunehmender Steigerungstendenz. In diesem Zeitraum hat sich am Ausstoß der Emissionen in Deutschland aber kaum etwas verändert. Die Minderungen sind insgesamt vor allem auf den industriellen Zusammenbruch der ehemaligen DDR zurückzuführen. Der starke Ausbau der Erneuerbaren in den vergangenen Jahren scheint im Gesamtbild keine deutlichen Klimaeffekte zu erzielen, im Bereich der Energieeffizienz scheinen die Maßnahmen ebenso eher wenig Wirkung zu entfalten. Der Zeitraum, in dem massiv in die deutsche Energiewende investiert wurde, scheint im Ergebnis.die Emissionen nicht deutlich zu beeinflussen und somit nicht den erhofften Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Die Kosten der Energiewende Die Kosten der Energiewende lassen sich in ihrer Entwicklung schwer abschätzen. Berechnungen der Gesamtkosten vom Start bis in das Jahr 2050 reichen von 1.000 bis zu rund 4.500 Milliarden Euro. Aktuelle Schätzungen für das inzwischen diskutierte Ziel, 2050 bei den Emissionen eine Null zu erreichen, gehen bis zu über 7.000 Milliarden an Kosten. Ein Gutachten des Düsseldorfer Instituts für Wettbewerbsökonomie (DICE) hatte im Jahr 2016 laut einer Studie die Kosten der Energiewende bis 2025 mit rund 520 Milliarden Euro berechnet. Am stärksten wirkte sich in der Berechnung die Umlage zur Finanzierung der ° Erneuerbaren Energien aus, die sogenannte EEG-Umlage. Sje wird von jedem Stromverbraucher entrichtet und finanziert die gesetzlich garantierte Einspeisevergütung für Strom aus erneuerbaren Energieträgern. Der Ausbau der Strom- und Verteilernetze schlug mit 55,3 Milliarden Euro zu Buche. Die Studie legte erstmals eine Kostenschätzung vor, die sämtliche Kosten der Energiewende im Stromsektor berücksichtigte, dazu zählen neben den direkten Kosten zur Förderung der erneuerbaren Energien auch indirekte Folgekosten, wie zum Beispiel für den Ausbau der Übertragungs- und Verteilungsnetze (die Bereiche Verkehr, Landwirtschaft und Wärme waren hier also noch nicht enthalten). Seitdem haben sich die Kostenschätzungen deutlich erhöht, sie fallen z.B. in folgenden Bereichen an: e EEG-Umlage durch weiteren Zubau erneuerbarer Energieträger, inzwischen pro Jahr rund 30 Milliarden Euro mit zunehmender Tendenz e der Ausbau des Übertragungsnetzes, das den Strom aus dem windreichen Norden in den industriell- und bevölkerungsstarken Süden bringen soll, wird bis 2030 mit rund 50 Milliarden Euro beziffert, aktuelle Angaben gehen aufgrund von Verzögerungen und höheren Planungskosten einerseits und beschleunigtem Ausbau der 'Erneuerbaren andererseits von deutlich höheren Kosten aus e Kosten für Maßnahmen zur Stabilisierung der Stromnetze: Durch den zunehmend schwankenden Strommix im Stromnetz nehmen die Kosten für dessen Betrieb deutlich zu, die Eingriffe sind inzwischen auch auf ein jährliches Kostenvolumen im Milliardenbereich gestiegen e Entwicklung und Bau von Speichern: Hierüber wird derzeit wenig gesprochen. Perspektivisch braucht das deutsche Stromsystem durch den Verzicht auf Atomstrom und die zunehmende Stilllegung von Kohlekraftwerken eine Alternative, um erneuerbare Energie zu bevorraten, wenn 0 % 2
c o u % einmal über längere Zeit Wind und Sonne ausbleiben. Das gilt zumindest, wenn Zukäufe von Stigm aus Kohle oder Atom aus dem Ausland vermieden werden sollen, was dem Zweck der deutschetk,. Energiewende, Emissionen einzusparen und auf die als riskant eingestufte Kernenergie zu 7, verzichten, entgegenstehen würde. Zudem sind gerade bei lang anhaltenden Wetterlagen mit wenig Sonne und Wind in der Regel auch die Nachbarländer betroffen, diese müssen also ihre eigene Stromversorgung absichern und können Deutschland in solchen sogenannten „kalten Dunkelflauten“ evtl. keinen überschüssigen Strom zur Verfügung stellen. Die Kosten für den Bau der notwendigen, ausreichenden Energiespeicher, damit Deutschland sich sicher und selbst versorgen kann, dürften die bislang bekannten Kosten für EEG-Umlagen, Netzausbau etc. bei weitem übertreffen. e Kosten für Forschung und Entwicklung: Hier ist keinerlei Statistik zu finden, die Ausgaben für Institute, Forschungsprojekte etc. sind .mit der zeitlichen Perspektive schwer zu beziffern. Das Deutsche Klima Konsortium (www.deutsches-klima-konsortium.de) umfasst mit 24 Instituten oder Zentren einen Teil der Einrichtungen, die mit staatlicher Unterstützung und Drittmitteln aus der Wirtschaft zum Thema forschen. °e Kosten für die Strukturentwicklung der Regionen, die infolge der politisch beschlossenen Energiewende (Kohleausstieg) neue Wirtschaftsstrukturen aufbauen müssen, erste Bundesmittel belaufen sich für Kohlereviere im Zeitraum bis 2038 auf rund 40 Milliarden Euro, mit ergänzenden Maßnahmen darf man von deutlich höheren Kosten ausgehen e _\Weitere Kosten für Maßnahmen zur Förderung des Klimaschutzes in der Gesellschaft, so haben Die Grünen bereits einen Klimafonds in Höhe von 100 Milliarden Euro gefordert, um Klimaschutzprojekte stärker und schneller zu fördern. Die Liste der Kostenpositionen ließe sich noch um viele weitere Punkte erweitern. Inzwischen haben auch die Bundesländer mit Schwerpunkt in der Automobilindustrie auf immensen Geldbedarf beim Umbau dieser Industrie auf e-Mobilität aufmerksam gemacht. Hier geht es um deutlich mehr Arbeitsplätze und Kosteneffekte als in den Kohleregionen. All das verdeutlicht aber bereits im kurzen Überblick, dass die Energiewende in viele Bereiche der Gesellschaft hineinwirkt. Zudem treten — wie bei vielen anderen Projekten auch — meist Kostensteigerungen auf. Im Herbst 2018 rügte der Bundesrechnungshof das Kostenmanagement der Energiewende durch die Bundesregierung. Der Bundesrechnungshof ist das Kontrollorgan für Geldausgaben und Wirtschaftlichkeit der Bundesregierung. Er hatte der Bundesregierung bereits 2016 bescheinigt, keine Übersicht über die Kosten der Energiewende zu haben. Im Bericht aus dem Jahr 2018 fiel die Kritik noch härter aus. Sie legt einen generellen Kontrollverlust nahe. Neben der Kostenexplosion rügte der Bundesrechnungshof gleichzeitig das Fehlen aussagekräftiger Daten und Effekte im Rahmen der Energiewende. (Quelle: 2018 Sonderbericht - Koordination und Steuerung zur Umsetzung der Energiewende durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, https://www.bundesrechnungshof.de/de/veroeffentlichungen/produkte/sonderberichte/2018/energiew ende). Bei der Konstruktion der Energiewende bleibt die Bundesregierung dem bisherigen Weg dennoch treu. Der Ausbau erneuerbarer Energieträger soll forciert, die Netze ausgebaut und Deutschland zum Vorreiter der Elektromobilität werden. Am gleichzeitigen Atom- und Kohleausstieg wird festgehalten, derzeit sogar ein beschleunigter Kohleausstieg diskutiert.
7. _ . 6,88
Luce
2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 .2016 2017
Prognose für die EEG-Umlage 2018 und 2019
‚EEG-Umlage für Haushalts- und Gewerbekunden in Deutschland
2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019
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2018» Stillstand oder leichte Senkung } }
2019 7 Anstieg um 9% 75
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Quelle: Strom-Report, Agora Energiewende