Integriertes Maßnahmenprogramm zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels im Freistaat Thüringen - IMPAKT II

Dieses Dokument ist Teil der Anfrage „Klimaschutz- und Klimaanpassungskonzepte

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Weiter zu strukturierende Maßnahmenfelder Durchführung von Detailstudien zu Klimafolgen                     Initiierung von (gezielten) Artenhilfsprogrammen Eine wichtige Grundlage für die Entwicklung geeigneter            Die Initiierung von (gezielten) Artenhilfsprogrammen ist auf die Anpassungsmaßnahmen sind Kenntnisse, welche Arten und             vorab erwähnten Detailstudien angewiesen, mit denen sich Lebensräume in besonderer Weise durch die Klimaverände­           Arten identifizieren lassen, die besonders vom Klimawandel rungen beeinträchtigt werden. Hierzu bedarf es spezifischer       betroffen sind und daher spezifischer Artenschutzmaßnahmen floristischer und faunistischer Erfassungen und Studien, um auf   bedürften. Diese Detailstudien konnten in Thüringen bisher nur dieser Grundlage zunächst entscheiden zu können, in welchen       zum Teil und noch nicht systematisch mit Blick auf spezifische Bereichen weiterer Untersuchungsbedarf besteht und dann           Fragestellungen zu den Auswirkungen des Klimawandels durch­ gegebenenfalls prioritär Anpassungsmaßnahmen durchgeführt         geführt werden. werden sollten. So wurden beispielswiese von Brettfeld 2016  Bestandser­ Im Auftrag der TLUG wurde 2013 von Musche et al.  das „Kon­      fassungen zur Ermittlung des Schutzbedarfs von Bewohnern der zept für ein Monitoring der Auswirkungen des Klimawandels         oberen Bachläufe durchgeführt. Hierzu gehören insbesondere auf die biologische Vielfalt des Freistaates“ erstellt. Im Rahmen Eintags-, Stein-, und Köcherfliegen. Dabei handelt es sich um der Studie wurde untersucht, welche Daten aus laufenden           Arten, für die Thüringen national oder international eine hohe Beobachtungsprogammen im Naturschutz für ein Monitoring           Verantwortung trägt und die daher auch in die Thüringer Biodi­ zu Klimawandel und Anpassung nutzbar sind. Die Ergebnisse         versitätsstrategie aufgenommen wurden. wurden unter anderem für den Aufbau des Thüringer Klimafol­ genmonitorings im Handlungsfeld Naturschutz genutzt.              Die Bewertung der hochmontanen Bergbacharten als klimasen­ sitiv ist aus deren Beschränkung auf die Bachoberläufe indirekt Im Jahr 2016 wurde der Community Temperature Index (CTI) für      hergeleitet, denn es muss davon ausgegangen werden, dass Libellen berechnet. Die Berechnung wurde für die Generierung      sich im Falle einer Erwärmung die Habitatbedingungen für diese des Indikators I-NA-2 zum Klimafolgenmonitoring 2016 durch­       Arten deutlich verschlechtern. Direkte Detailstudien zur Klima­ geführt (s. auch S. 88). Der Indikator basiert auf Daten aus dem  sensitivität wurden hingegen nicht durchgeführt. Die aktuellen Libellenmonitoring.                                               Fundgewässer der Eintags-, Stein-, und Köcherfliegen-Arten können allerdings als Referenzgebiete dienen, um die mögliche Im Rahmen des Copernicus-Projekts „PhaenOPT“ – Satelliten­        künftige Entwicklung unter den Bedingungen des Klimawandels gestütztes Phänologiemonitoring in Thüringen“ wurde von der       verfolgen zu können. Klimaagentur der TLUG in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Fern­erkundung der Friedrich-Schiller-Universität und Jena Optro­ Am Zuschnitt der derzeitigen Artenhilfsprogramme ändern die nik untersucht, wie sich punktuelle Messungen zur phänologi­      bisher in Thüringen durchgeführten Bestandserfassungen vor­ schen Entwicklung mittels frei verfügbarer Satellitendaten in die erst nichts. Dies liegt auch daran, dass es sich bei den bisher Fläche übertragen lassen. Die Arbeiten wurden im November         untersuchten Arten um sehr seltene Arten an Reliktstandorten 2018 abgeschlossen. Gefördert wurde das Projekt aus Mitteln       handelt, für die ein gezielter Schutz schwer realisierbar ist. des BMVI im Rahmen des europäischen Copernicus-Programms. Der konkrete weitere Untersuchungsbedarf zu einzelnen Arten Über diese genannten Aktivitäten hinaus gibt es absehbar keine    oder Artengruppen müsste weiter differenziert werden, um aus Kapazitäten, um weitere Detailstudien zu Klimawandelfolgen        den Ergebnissen dann gezielte Hinweise auf notwendige und zu initiieren und umzusetzen. Es besteht jedoch nach wie vor      zielgerichtete Artenhilfsprogramme ableiten zu können. Bedarf nach der Durchführung von Detailstudien zu einzelnen Arten und Lebensräumen, für die davon ausgegangen werden          Beseitigung anthropogener Barrieren an Ver­ muss, dass sie in besonderer Weise klimasensitiv sind.            kehrswegen Zur Beseitigung anthropogener Barrieren an Verkehrswegen und in Fließgewässern wurde im Auftrag der TLUG bereits Ende 2010 die Fachkonzeption „Vordringliche Maßnahmen zur Beseitigung von Zerschneidungswirkungen von Verkehrswegen und Bauwer­ ken im Biotopverbund (Entschneidung) in Thüringen“ erstellt. 93
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Naturschutz Diese Konzeption folgt dem Fachkonzept zum länderübergrei­        2016 Brücken in neun weiteren Landkreisen kontrolliert. Sie fenden Biotopverbund auf Bundesebene und dient im Wesentli­       sollen bei Bedarf fischotterfreundlich umgebaut werden. Das chen den drei folgenden Zielsetzungen:                            Projekt wird mit Mitteln des europäischen Fonds für regiona­ le Entwicklung (EFRE-OP 2014 bis 2020) und des Freistaates •    Stärkung gefährdeter Populationen und deren Stabili­         Thüringen (TMUEN) gefördert. Von diesen auf den Fischotter sierung durch die Wiederherstellung des Individuenaus­       fokussierten Maßnahmen können in geringem Maße vermutlich tauschs zwischen verinselten Vorkommen,                      auch weitere Arten profitieren. Der Fischotter ist vor allem an Feuchtbiotope gebunden, die generell vom Klimawandel stärker •    Erleichterung des Wechselns wandernder Arten und mobi­       bedroht sind. Daher lässt sich eine Verbindung der Maßnahmen ler Schlüsselarten zwischen einzelnen Lebensräumen,          zur Klimawandelanpassung herstellen. •    Ermöglichen räumlicher Anpassungsprozesse an natürliche      Für die konsequente Umsetzung der konzeptionellen Empfeh­ und anthropogen bedingte Landschaftsdynamik, auch um         lungen bedürfte es der konkreten Planung von Umsetzungs­ negative Folgen des Klimawandels gering zu halten oder zu    schritten. vermeiden. Weitere Informationen zum Fischotter-Projekt:  Als Leitarten für den überregionalen Biotopverbund wurden folgende Arten in der Studie ausgewählt: Säugetiere (Fischotter, Luchs, Rothirsch, Wildkatze), Fledermäuse (Kleine Hufeisen­ Weiterführende Links nase, Großes Mausohr) und Fische (Aal, Aland, Barbe, Fluss­  Informationen zum Alperstedter Ried: neunauge, Lachs, Nase, Quappe). www.stiftung-naturschutz-thueringen.de/no_cache/ projekte/projektdetails/erhalt-der-moorlandschaft- In einem gesonderten Auftrag hat die TLUG zeitgleich ein alperstedter-ried-landkreis-soemmerda.html Gutachten zur Problematik von Amphibienunterquerungen vergeben, das ebenfalls 2010 vorgelegt wurde: „Vordringliche  Musche M., Wiemers M., Kühn I. 2013: Konzept für ein Mo­ Maßnahmen zur Beseitigung von Zerschneidungswirkungen von nitoring der Auswirkungen des Klimawandels auf die biologi­ Verkehrswegen und Bauwerken im Biotopverbund (Entschnei­ sche Vielfalt des Freistaates Thüringen. Helmholtz-Zentrum für dung) in Thüringen – Teilbereich Amphibien“. Im Rahmen der Umweltforschung. Arbeit im Auftrag der Thüringer Landesanstalt Studie wurden erstmals zusammenfassend für Thüringen die für Umwelt und Geologie. Amphibienquerungen an Straßen ermittelt und qualifiziert und soweit möglich das jeweils betroffene Artenspektrum darge­  Brettfeld R. 2016: Fortsetzung der Untersuchung der hoch­ stellt. montanen Bergbacharten in den Quellbereichen des Thüringer Waldes 2016. Arbeit im Auftrag der Thüringer Landesanstalt für Beide Konzeptionen enthalten Empfehlungen für vordringlich Umwelt und Geologie. durchzuführende Maßnahmen zur aktiven Entschneidung, die von der Straßenbauverwaltung umzusetzen sind. Eine syste­  Fischotter-Projekt: matische Herangehensweise für die Umsetzung gibt es bisher www.duh.de/projekte/fischotter-thueringen allerdings nicht. Es werden lediglich kleinere Einzelmaßnahmen realisiert. Eine Ausnahme gilt für den Fischotter, eine der Leit­ arten des Biotopverbunds in Thüringen. Da Fischotter Brücken niemals schwimmend unterqueren, weichen sie, wenn es kein begehbares Ufer unter den Brücken gibt, auf die Straße aus und werden dort oft überfahren. Mit der Anlage von sicheren Otter­ wegen unter Brücken lassen sich diese Verluste vermeiden. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat in einem Modellprojekt von 2012 bis 2015 bereits 16 Gefahrenpunkte in Thüringen entschärft und die Erfahrungen in einem Handlungsleitfaden zusammengefasst. In einem dreijährigen Folgeprojekt „Fisch­ otterschutz in Thüringen – Lebensräume verbinden, Lösungen aufzeigen, Akzeptanz fördern“ werden nun seit September 94
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95 Feuerlibelle (Crocothemis erythraea)
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3.7 	Verkehrswesen Beobachtbare Klimawandelfolgen Durch Thüringen verlaufen national und international bedeu­       ren. Schäden an Verkehrswegen standen aus diesen Gründen tende Verkehrswege wie die Bundesautobahnen A 4 und die           bisher auch nicht im Fokus des Klimafolgenmonitorings. A 38 in Ost-West-Richtung sowie die in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Autobahnen A 9, die A 71 und A 73. Sie verbin­       Für die Verkehrsteilnehmer, vor allem im Straßenverkehr, den Thüringen mit den angrenzenden Bundesländern und den          können die klimatischen Veränderungen möglicherweise europäischen Nachbarstaaten. Im Schienenverkehr steuern die       höhere Unfallrisiken bedeuten. So nimmt bei zunehmenden überregionalen ICE-Verbindungen die Bahnhöfe in Erfurt, Gotha,    Starkregenfällen die Aquaplaninggefahr zu. Allerdings ist Glätte Eisenach und Saalfeld an. Der Erfurter Hauptbahnhof ist inzwi­    bei Regen zumindest bisher eine weniger bedeutende Unfall­ schen ein bundesweit bedeutendes ICE-Kreuz und Endpunkt der       ursache. Demgegenüber wird vor allem die künftige Entwicklung Schnellfahrstrecke Nürnberg – Erfurt.                             der winterlichen Straßenverhältnisse, die erheblich von Schnee- und Eisglätte geprägt sind, eine Rolle für die Unfallstatistik spielen. Schnee- und Eisglätte waren beispielsweise im Jahr 2010, in dem der Winter in Thü­ ringen sowohl im Januar und Februar als auch im November und Dezember sehr streng war, eine (Mit-)Ursache von annähernd zehn Prozent aller Straßenverkehrsunfälle mit Personen­ schaden. Eindeutige Trends lassen sich bisher aber nicht erkennen. Ob ein sich veränderndes Klima Einfluss auf den Winterdienst hat, ist ebenfalls noch unklar. Der Verbrauch von Streusalz auf den Bundesfernstra­ Klimafolgenmonitoring: I-VK-3 „Windbedingte Einschränkungen des Straßenverkehrs“ ßen und Landesstraßen schwankte im Verlauf der letzten 15 Jahre sehr stark. Der Erschließung in der Fläche dienen die zahlreiche Bundes­      Verhältnismäßig viel Salz musste witterungsbedingt in den Win­ straßen und ein weitverzweigtes Netz an Land-, Kreis- und         tern 2004/05, 2005/06, 2009/10, 2010/11 und insbesondere Gemeindestraßen sowie die öffentlichen Verkehrsmittel des         2012/13 eingesetzt werden, in den Jahren dazwischen war es regionalen Bahn- und Busverkehrs.                                 zum Teil deutlich weniger. Da die Infrastrukturen und ihre Nutzer dem Wetter und der         Stürme beeinträchtigen die Verkehrssicherheit vor allem an Witterung sehr unmittelbar ausgesetzt sind, werden sich die kli­  windexponierten Straßenabschnitten. An einzelnen Talbrücken matischen Veränderungen auch auf das Verkehrssystem auswir­       der Thüringer-Wald-Autobahn BAB A 71 kommt es immer wieder ken. Die Beanspruchung der Verkehrswege wird sich beispiels­      zu Situationen, in denen der Straßenabschnitt aufgrund der weise durch Frost, (Stark-)Regen, aber auch Hitze verändern.      herrschenden Windgeschwindigkeiten für den Lkw-Verkehr oder Schädigungen wie Schlaglochbildung als Folge häufiger und         sogar vollständig gesperrt werden muss. Vor allem in den Jahren ausgeprägter Frost-Tau-Wechsel, Spurrillenbildung und Verfor­     2014 und 2015 musste die zulässige Höchstgeschwindigkeit mungen durch hitzebedingtes Aufweichen von Asphaltdecken          aufgrund von Starkwindereignissen häufiger beschränkt werden und hohen Lasteintrag sowie Blowups von Betonfahrbahnen           (s. Indikator I-VK-3). Die längste durchgängige Beschränkung bei hoher Hitze können zunehmen und einen höheren Aufwand         der zulässigen Höchstgeschwindigkeit wurde im Dezember für die Instandhaltung nach sich ziehen. Allerdings ist es bisher 2011 für annähernd 60 Stunden erlassen, als die Orkantiefs nahezu unmöglich, aus dem jeweiligen Schadensbild eindeutig       Hergen und Joachim über Deutschland zogen. die Ursachen abzuleiten. Insbesondere der größere Umfang der Güterverkehrsabwicklung über Lkw wird ganz unabhängig von der Witterungsentwicklung zu einem Anstieg der Schäden füh­ 96
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Maßnahmen Sichere Verkehrswege und zuverlässige Verkehrsmittel sind eine           bahnen, da hier aufgrund der großen Fahrbahnbreite und der wichtige Voraussetzung dafür, dass Wirtschaft und Gesellschaft           hohen gefahrenen Geschwindigkeiten das Aquaplaningrisiko funktionieren können.                                                    besonders groß ist. Neben der Anpassung von Neigungswin­ keln und einer Beschilderung zur Geschwindigkeitsbegrenzung In erster Linie ist es die selbstverständliche Pflicht aller             ist auch das Einfräsen von Längskerben in Fahrtrichtung eine Verkehrs­teilnehmerinnen und -teilnehmer, sich mit einem                 Option. angepassten Verkehrsverhalten an Wetter und Witterung anzu­ passen. Allerdings lassen sich auch durch die Verkehrswegepla­           Bezüglich der Überprüfung der Dimensionierung von Entwäs­ nung, durch bauliche Maßnahmen und die Instandhaltung der                serungseinrichtungen insbesondere an Brückenbauwerken ist Infrastruktur Risiken mindern.                                           bisher noch keine systematische Herangehensweise vorgese­ hen. Es werden nur bei offensichtlichen Schadensfällen infolge Übergeordnetes Ziel ist es, die volle Funktionsfähigkeit des             von Starkregenereignissen Überprüfungen der Dimensionierung Verkehrssystems und die Verkehrssicherheit durch eine voraus­            durchgeführt und gegebenenfalls Anpassungen vorgenommen. schauende Planung und Realisierung von Verkehrsinfrastruktur sowie eine angemessene Instandhaltung aufrecht zu erhalten.              Zur Sicherstellung der Verkehrssicherheit bei Starkwinden wurden an den besonders exponierten Talbrücken bereits Für Anpassungen von Straßenaufbauten und Straßenbelägen an               windmessgestützte Verkehrsleitsysteme eingerichtet, die alle in veränderte Witterungs- und Klimabedingungen fehlen derzeit               Betrieb sind und regelmäßig an den aktuellen Stand der Technik noch wichtige Grundlagen. So ist beispielsweise noch nicht               angepasst werden. klar, welche Aufbauten besonders hitzebeständig sind. Hier ist weitere Forschung auf Bundesebene erforderlich. Im Falle von             Aufgrund der nach wie vor bestehenden Unsicherheiten Lkw-Stellplätzen besteht die Tendenz, diese künftig konsequen­           bezüglich der künftigen Entwicklung der winterlichen Straßen­ ter mit Beton- statt mit Asphaltdecken auszustatten. Dies kann           verhältnisse werden die Straßenbaulastträger zunächst keine im Bereich der Strecke aber aus ausschreibungstechnischen                Veränderungen ihres Managements vornehmen und die gegen­ und -rechtlichen Gründen derzeit nicht generell umgesetzt                wärtigen Auftausalz- und Räumfahrzeugkapazitäten zumindest werden. Daher werden diesbezüglich auch im IMPAKT II keine               aufrechtzuerhalten. Mögliche künftige Veränderungen durch konkreten und spezifischen Maßnahmen vorgesehen.                         den Klimawandel spielen derzeit für die Planungen keine Rolle, beziehungsweise das derzeitige Management in Thüringen ist Zur Reduzierung der Aquaplaninggefahr werden im Straßenbau               geeignet, auch kurzfristig auf eine veränderte Ausgangssitua­ allerdings Vorkehrungen getroffen. Dies gilt vor allem für Auto­         tion zu reagieren. Maßnahmen des IMPAKT II Maßnahmen des Integrierten Maßnahmenprogramms im Handlungsfeld Verkehrswesen: Durchführung von Maßnahmen zur Reduzierung der Aquaplaninggefahr auf gefährdeten Bestandsstre­ VK_01                                                                                                             in Umsetzung cken (BAB) VK_02       Einrichtung windmessgestützter Verkehrsleitsysteme                                                   abgeschlossen 97
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Verkehrswesen Durchführung von Maßnahmen zur Reduzierung der Aquaplaninggefahr auf gefährdeten Bestandsstrecken (BAB)                                                           VK_01 Die Herausforderung Infolge des Klimawandels muss damit gerechnet werden, dass Starkregen in Häufigkeit und Intensität zunehmen. Bei Starkregen steigt auf Straßen die Gefahr von Aquaplaning. Das bedeutet, die Reifen können auf dem Wasserfilm einer nassen Fahrbahn auf­ schwimmen und die Haftung verlieren. Das Fahrzeug kann dadurch ins Schleudern geraten. Zu Aquaplaning kommt es vor allem auf Bestandsstrecken, an de­ nen die Entwässerungseinrichtungen für intensive Starkregenereig­ nisse nicht ausreichend dimensioniert sind und das Regenwasser daher nicht schnell genug abgeführt werden kann. Aquaplaning spielt insbesondere auf Autobahnen eine Rolle. Aufgrund der großen Fahrbahnbreite kann sich Wasser leichter auf Geschwindigkeitsbegrenzungen reduzieren das Aquaplaningrisiko. der Fahrbahn sammeln. Gleichzeitig werden höhere Geschwindig­ keiten gefahren. Klimafolgenmonitoring: Wer ist aktiv und was wird getan?                                      I-VK-1 Wetter- und witterungsbedingte Straßenverkehrsunfälle Für den Freistaat ist die Erhöhung der Verkehrssicherheit im Stra­ ßenverkehr ein zentrales Anliegen. Vor allem an den überörtlichen   für Bau und Verkehr (TLBV) mit dem KOSTRA-Atlas des DWD. Straßen, deren Bau und Unterhaltung in der Verantwortung des        KOSTRA steht für Koordinierte Starkniederschlagsregionalisierung Landes liegt, werden daher Maßnahmen des Straßenbaus und der        und -auswertung. Es handelt sich um eine rasterbasierte Starknie­ Verkehrslenkung ergriffen, um bestmögliche Voraussetzungen für      derschlagsauswertung, die seit mehr als 30 Jahren regelmäßig er­ die Vermeidung von Unfällen zu schaffen.                            arbeitet wird. Die letzte Fortschreibung der Starkniederschlagsaus­ Als geeignete Maßnahmen zur Reduzierung von Aquaplaningrisi­        wertung erfolgte im Jahr 2016 als KOSTRA-DWD-2010. Sie beruht ken gelten in einem ersten Schritt präventive Maßnahmen beim        nun auf den Daten der Jahre 1951 bis 2010. Eine weitere Revision Neubau vor allem von Autobahnen. Eine Schlüsselrolle spielt         dieses Datensatzes erfolgte im Jahr 2017 (KOSTRA-DWD-2010R). dabei die Entwässerungsplanung. Bei Straßen mit ausreichendem Längsgefälle kann Niederschlagswasser in der Regel schnell genug    Was wurde erreicht und wie geht es weiter? abfließen. Verlaufen Straßen hingegen in weitgehend ebenem Gelände, müssen künstliche Längs- oder auch Querneigungen           Für Bestandsstrecken werden in Thüringen Maßnahmen als Reak­ angelegt werden. Bei Bestandsstrecken sind Querneigungswin­         tion auf eine steigende Aquaplaninggefahr in besonders gefähr­ kel nicht mehr veränderbar. Dann sind nur noch die folgenden        deten Gebieten mit tendenziell schlechterer Entwässerung gezielt Maßnahmen umsetzbar: Über (dauerhafte) Beschilderungen lässt        umgesetzt. sich die Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen auf 130, 120 oder     Im thüringischen Streckenverlauf der Bundesautobahn A 4 Dres­ 100 km/h begrenzen. Außerdem können an Streckenabschnitten          den – Frankfurt a. M. werden in Richtung Frankfurt a. M. auf drei mit Verkehrsbeeinflussungsanlagen situationsangepasste Ge­          Abschnitten von insgesamt 8,49 km Länge bei Nässe Geschwindig­ schwindigkeitsbegrenzungen vorgenommen werden. Sollten diese        keitsbegrenzungen geschaltet, in der Gegenrichtung erfolgt dies Maßnahmen allein nicht wirksam sein, kann durch das Einfräsen       auf 13,3 km verteilt auf fünf Abschnitten. von Längsrillen in den Fahrbahnbelag in Fahrtrichtung, das soge­    Das Grooving befindet sich in Thüringen noch in der Experimen­ nannte Grooving, der Oberflächenabfluss verbessert werden.          tierphase und wird nur in Einzelfällen umgesetzt. Maßnahmen Die Maßnahmen gegen Aquaplaning werden auf diejenigen Gebie­        wurden bisher auf der A 4 Dresden – Frankfurt a. M. durchgeführt. te konzentriert, in denen mit einem besonders häufigen Auftreten    In Richtung Frankfurt a. M. wurden auf drei Streckenabschnitten intensiver Starkregen zu rechnen ist. Zur Identifizierung besonders insgesamt 350 Meter eingefräst, in der Gegenrichtung wurden auf gefährdeter Bestandsstrecken arbeitet das Thüringer Landesamt       fünf Streckenabschnitten insgesamt 950 Meter bearbeitet. 98
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Einrichtung windmessgestützter Verkehrsleitsysteme VK_02 Die Herausforderung Es wird erwartet, dass mit dem Klimawandel die Häufigkeit und Intensität von Stürmen zunimmt. Starkwinde können den Ver­ kehr stellenweise massiv beeinflussen. Am stärksten betroffen sind die Brückenbauwerke im Verlauf von Bundesfernstraßen über die Flusstäler von Saale, Werra, Unstrut, Gera oder Ilm. Gefahrenpunkte sind dabei insbesondere Talbrücken, die im Vor- oder Nachlauf an Tunnellagen anschließen. Hier können die Fahrzeuge unmittelbar nach der Ausfahrt aus dem windge­ schützten Tunnelinneren einem sehr starken Windangriff ausge­ setzt sein und dadurch schwer kontrollierbar werden. Mitunter können in extremen Fällen Lkw-Anhänger auch umgerissen werden. Der Wechsel zwischen den windexponierten Brücken­ Verkehrsbeeinflussungsanlagen an der Thüringer Wald-Autobahn erhöhen bauwerken und den Tunnellagen ist auch deshalb heikel, weil      die Verkehrssicherheit bei Starkwind. sich bei Störungen auf der Brücke der Verkehr bis in die Tunnel­ röhren hinein stauen kann, was für die Verkehrssicherheit Klimafolgenmonitoring: besonders kritisch ist. I-VK-2 Windbedingte Einschränkungen des Straßenverkehrs Wer ist aktiv und was wird getan? wird bei Sturm ausgelöst, das heißt bei Windgeschwindigkeiten Zur Reduzierung der sturmbedingten Unfallgefahr wurden ab        zwischen 20,3 m/s bis 28,5 m/s. In diesem Fall wird die zuläs­ dem Jahr 2010 an einzelnen Straßenabschnitten von Bundes­        sige Höchstgeschwindigkeit für beide Talbrücken auf 60 km/h autobahnen gezielt Maßnahmen ergriffen. Im Verlauf der           begrenzt. Für Lkw mit Hänger, Wohnwagen und vergleichbare Thüringer Wald-Autobahn BAB A 71 wurden beispielsweise           Kraftfahrzeuge ist der Streckenabschnitt ab Stufe 2 gesperrt; sie streckenweise Windabweiser installiert. Deren Einsatzmöglich­    werden auf Umleitungsstrecken abgeleitet, die ausgeschildert keiten sind aus bauphysikalischen beziehungsweise statischen     wurden. Ab orkanartigem Sturm mit Windgeschwindigkeiten Gründen allerdings Grenzen gesetzt, da durch die Anlagen         über 28,5 m/s tritt für den Autobahnabschnitt eine Vollsperrung aerodynamische Auftriebskräfte entstehen, die die Brücken        in Kraft. aus ihren Lagerungen heben können. Diese Maßnahme kommt daher nicht weiter zur Anwendung.                                Was wurde erreicht und wie geht es weiter? Systematisch umgesetzt wurden hingegen Maßnahmen zur Ver­ kehrsbeeinflussung an der Reichenbachtalbrücke und der Tal­      Die Maßnahmen zur Errichtung der Anlagen konnten bereits im brücke Zahme Gera. An diesen Talbrücken können aufgrund der      Jahr 2010 abgeschlossen werden. Die Anlagen sind seither in Bauwerkshöhen und der Talform heftige Seitenwinde entstehen      Betrieb. und Windverhältnisse auftreten, die sich stark von denjenigen    Die Streckenlänge, für die Verkehrsbeeinflussungsanlagen in Be­ der anschließenden Streckenabschnitte unterscheiden.             trieb sind, beträgt 6,7 km. Die Kosten für die Wechselverkehrszei­ Die Verkehrsbeeinflussungsanlagen werden in direkter Abhän­      chen (Geschwindigkeitsbeschränkung) betrugen 900.000 Euro. gigkeit von Windstrommessungen geschaltet. In drei Stufen        Weiterhin entstanden Kosten für die Anpassung der Wechselweg­ werden je nach Windstromstärke Maßnahmen von Geschwindig­        weiser (Anzeige Umleitung) in Höhe von rund 200.000 Euro. keitsbegrenzungen bis hin zu Sperrungen ergriffen. In Stufe 1    Aktuell werden die Wechselwegweiser an den Anschlussstellen bei Windgeschwindigkeiten zwischen 13,9 m/s bis 20,3 m/s         Gräfenroda und Ilmenau-West mit Informationstafeln in LED-Tech­ (steifer Wind) wird zunächst die zulässige Höchstgeschwindig­    nik ausgestattet, um die Information der Verkehrsteilnehmer keit auf 80 km/h auf der Talbrücke Reichenbach beziehungswei­    weiter zu verbessern. se auf 60 km/h auf der Talbrücke Zahme Gera begrenzt. Stufe 2 99
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Verkehrswesen Daueraufgaben Überprüfung der Dimensionierung von Entwäs­                       bisher nicht vorgesehen. Die Unterhaltung und Neuplanung von Anlagen zur Straßenentwässerung sind laufende Aufgaben des serungseinrichtungen im Reparaturfall und bei TLBV. Derzeit werden nur bei offensichtlichen Schadensfällen Neubauten vor allem an Brücken                                    infolge von Starkregenereignissen Überprüfungen hinsichtlich der Dimensionierung durchgeführt und gegebenenfalls Anpas­ Einrichtungen zur Straßenentwässerung müssen so bemessen sungen vorgenommen. sein, dass sie auch Starkregen aufnehmen können. Berücksichtigung zunehmender Aquaplaning­ Das TLBV ist nur für die Entwässerungsplanung und -unter­ gefahr beim Straßenneubau haltung außerhalb von Ortschaften zuständig. Innerhalb der Ortschaften liegt die Entwässerung in der Zuständigkeit der       Eine zunehmende Aquaplaninggefahr lässt sich bereits beim kommunalen Abwasserzweckverbände. Für die Verkehrswege            Neubau von Straßen über eine entsprechende Entwässerungs­ wird hier in der Regel mit pauschalen Zuschlägen für die Dimen­   planung berücksichtigen. Bei Straßen mit ausreichendem sionierung der Anlagen gerechnet. Das TLBV kann auf das jewei­    Längsgefälle kann Niederschlagswasser in der Regel schnell lige Vorgehen auf kommunaler Ebene keinen Einfluss nehmen.        genug abfließen. Verlaufen Straßen hingegen in weitgehend ebenem Gelände, müssen künstliche Längsneigungen oder Für die Bemessung der Anlagen für die Verkehrswerge im            auch Querneigungen angelegt werden. Verantwortungsbereich des TLBV werden die Informationen des Starkregenkatalogs KOSTRA genutzt, der vom DWD erstellt und       Vor allem Querneigungswechsel haben Einfluss auf die Fahr­ regemäßig angepasst wird (s. Maßnahme VK_01). Eine zuneh­         dynamik. In der Regel muss bei Querneigungswechseln die mende Starkregenproblematik wird sich in den Fortschreibun­       Fahrgeschwindigkeit reduziert werden. Daher ist die Anlage von gen des Atlas niederschlagen.                                     Neigungen und Neigungswechseln immer das Ergebnis eines Abwägungsprozesses zwischen guter Fahrdynamik auf trocke­ Das technische Regelwerk zur Dimensionierung der Straßen­         ner Fahrbahn und ausreichender Fahrsicherheit bei Nieder­ entwässerungseinrichtungen (Richtlinien für die Anlage von        schlägen. In Anbetracht steigender Aquaplaningrisiken kann Straßen – Teil: Entwässerung) regelt den Bau und Entwurf von      diese Abwägung zugunsten einer höheren Sicherheit durch Entwässerungsanlagen an Straßen. Die Richtlinien sehen vor,       häufigere Neigungswechsel und zu Ungunsten des Fahrkom­ dass die Entwässerungsrohre mit einem Freiraum von 10 % be­       forts ausfallen. ziehungsweise einer Füllung von 90 % zu bemessen sind. Wird der Freiraum größer bemessen, muss dies plausibel begründet       Mit den Verkehrsprojekten Deutsche Einheit soll das Autobahn­ werden, da damit in der Regel Mehrkosten verbunden sind.          netz in Thüringen von 250 Streckenkilometern im Jahr 1990 auf 550 Kilometer bis 2020 deutlich erweitert werden. Inzwi­ Vor allem in exponierten Lagen kann es aber sinnvoll sein, mit    schen sind die Neubauvorhaben nahezu komplett umgesetzt Sicherheitsaufschlägen zu arbeiten, um für stärkere Nieder­       worden. Die Planungen zu diesen Streckenausbauten sind schlagsereignisse gewappnet zu sein. Solche Aufschläge sind       bereits vor acht bis zehn Jahren abgeschlossen worden. Die vor allem für die Entwässerung von Brückenbauwerken relevant.     technischen Regeln zur Sicherstellung der Entwässerung sind Hier werden die Rohre zumeist entlang von Brückenpfeilern         dabei eingehalten worden. Darüber hinaus wurden mögliche geführt. Geht der fließende Abfluss, für den die Rohre konzipiert Sicherheitszuschläge für Starkregenereignisse bei den Pla­ sind, aufgrund zu großer Wassermengen in einen schießenden        nungen berücksichtigt. Inwieweit diese konkret durch eine Abfluss über, können Schäden an empfindlichen Brückenbau­         Klimawandel­anpassung motiviert waren, lässt sich im Einzelnen teilen entstehen. Unproblematischer ist die Situation zumeist     nicht mehr nachvollziehen. Nach Abschluss des Autobahnnetz­ bei erdverlegten Rohren. Hier kann es höchstens zu Schäden        ausbaus lassen sich – auch im Zuge von Deckensanierungen beim Wasseraustritt aus den Rohren in die Entlastungsbecken       – Neigungswinkel nicht mehr verändern. Die Maßnahme einer kommen, wenn das Wasser mit zu hoher Kraft in die Becken          Anpassung der Neigungswinkel beim Autobahnbau ist daher für einschießt.                                                       Thüringen als abgeschlossen zu berichten. Eine systematische Überprüfung der Dimensionierung von Ent­ wässerungseinrichtungen vor dem Hintergrund der möglicher­ weise steigenden Anforderungen infolge des Klimawandels ist 100
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Kontrolle der Straßenbäume Stadtbäume sind wichtige Elemente des städtischen Grüns. Sie übernehmen stadthygienische, gesundheitsfördernde und klimatisch ausgleichende Funktionen, denen vor allem in An­ betracht des Klimawandels eine erhöhte Bedeutung zukommt. In Innerortslagen sind Stadtbäume unter anderem entlang von Straßen angesiedelt. Hier sind die Kommunen für die Einhal­ tung der Verkehrssicherungspflichten verantwortlich. Die Überwachung der Straßenbäume entlang der Landes- und Bundesstraßen sowie Autobahnen in Thüringen liegt in der Ver­ antwortung des TLBV. Entlang der Kreis- und Gemeindestraßen sind die Landkreise und Kommunen zuständig. Wenn infolge des Klimawandels Stürme in Frequenz und Stärke zunehmen, kann eine damit einhergehende Sturmwurfgefahr von Straßenbäumen die Verkehrssicherheit beeinträchtigen. Zugleich können sich die Standortverhältnisse für Bäume vor allem in Innenstadtlagen durch den Klimawandel weiter ver­ schlechtern, weil Hitze und Bodentrockenheit zunehmen. Zur Erfüllung der Verkehrssicherungspflicht führen die Kom­ munen und das TLBV regelmäßig Baumschauen durch, um den Zustand der Bäume zu bewerten und Risiken frühzeitig zu erkennen. Bäume, die für die Verkehrssicherheit kritisch sein können, werden entfernt. Das TLBV vollzieht diese Baumschauen zweimal jährlich. Aus derzeitiger Sicht besteht kein Anlass, die­ se Vorsichtsmaßnahmen aufgrund des Klimawandels weiter zu verschärfen oder neue Verfahren und Regelungen einzuführen. 101
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3.8 	Tourismus Beobachtbare Klimawandelfolgen Die Tourismuswirtschaft hat mit über 3,1 Milliarden Euro Brutto­  an denen diese Voraussetzung natürlicherweise gegeben ist, umsatz eine große Bedeutung für die Wirtschaft Thüringens.        hat in den letzten 35 Jahren zumindest in den höheren Lagen Urlaubsreisende suchen im Freistaat vor allem Naturerlebnisse,    des Thüringer Waldes über 750 Meter über Normalnull bereits Erholung und Familienurlaub. Außerdem spielen Städte- und         abgenommen (s. Indikator I-TO-2). Kulturreisen unter anderem in die 18 UNESCO-Welterbestätten des Freistaats eine wichtige Rolle.                               In der Nachwendezeit stieg während der 1990er Jahre die Zahl der Übernachtungen im Winterhalbjahr in den wichtigsten Vor allem für den naturgebundenen Urlaub und sportliche Ak­       Wintertourismusorten des Thüringer Waldes stetig und erreichte tivitäten hängt das Reiseverhalten neben zahlreichen anderen      in der Saison 2000/2001 ihren Höhepunkt. Seitdem stagniert Faktoren auch vom Klima und der jahreszeitlichen Witterung ab.    die Zahl der Gästeübernachtungen in den Monaten November bis April auf dem Niveau der späten 1990er Jahre. Beide geschilderten Entwicklungen legen nahe, dass eine Fokussierung der Thüringer Tourismuswirtschaft auf die Wintersportsaison nicht zukunfts­ fähig ist. Die Sommer hingegen könnten Urlaubssuchenden in Thüringen künftig mehr Sonne bescheren. Für viele Outdoor-Aktivitäten sind milde bis warme Tage ohne relevanten Niederschlag ideal. In Anlehnung an Arbeiten des DWD wird von einem Klimafolgenmonitoring: I-TO-2 „Schneedeckentage im Thüringer Wald“ solchen günstigen „Touristenklima“ dann gesprochen, wenn Tage eine Daher schwankt die Nutzung vieler touristischer Angebote von      Tageshöchsttemperatur zwischen 15 °C und 30 °C haben und Saison zu Saison stark, je nachdem ob ein Sommer warm und         die Niederschlagssumme bei weniger als 0,5 mm liegt. Noch hat trocken oder aber kühl und feucht, ob ein Winter schneereich      sich das Touristenklima Thüringens nicht signifikant verändert. oder schneearm ist. Wie sich Wetter und Witterung letztendlich    Allerdings waren in 15 der letzten 20 Jahre die tourismusklima­ auswirken, hängt dabei eng mit dem jeweiligen Angebot zusam­      tischen Bedingungen besser als im langjährigen Durchschnitt. men: Während Outdoor-Aktivitäten häufig an trockenes Wetter       Dies weist auf günstige Voraussetzungen für den Natur- und gebunden sind, profitieren Hallenbäder und Museen nicht           Erlebnisurlaub hin, der einen wesentlichen Anteil an den Reise­ selten von einem verregneten Sommer.                              gründen der Thüringenbesucher hat. Vor allem die Bedingungen für den Wintertourismus dürften sich    Grundsätzlich ist jedoch zu betonen, dass die Entwicklung des in Zukunft in Thüringen verschlechtern. Der alpine Skisport ist   Tourismus im Freistaat über das Klima und die Klimaverände­ bereits heute aufgrund der naturräumlichen Voraussetzungen        rungen hinaus sehr stark auch von sozioökonomischen und auf wenige Gebiete im Thüringer Wald konzentriert. Demgegen­      weiteren Faktoren abhängig ist. Vor allem die demographische über spielen vor allem die nordischen Wintersportarten sowohl     Entwicklung in Verbindung mit der Finanzkraft der alternden im Thüringer Wald als auch in den anderen Mittelgebirgen des      Bevölkerung wird in Zukunft einen deutlichen Einfluss auf die Freistaats auch großflächig eine relevante Rolle für die Touris­  touristische Nachfrage haben. Zudem verändert sich mit der muswirtschaft.                                                    zunehmenden Globalisierung des Tourismus die Konkurrenz­ situation zu vergleichbaren Angeboten in anderen Teilen der Voraussetzung für den (nordischen) Wintersport ist eine           Erde. Schneedecke von mindestens 20 cm. Doch die Anzahl der Tage, 102
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