Klimaanpassungskonzept_Hagen

Dieses Dokument ist Teil der Anfrage „Klimaschutz- und Klimaanpassungskonzepte

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5.1.2 Bevölkerungssensitivität                   gegenüber           Hitze      Stadt Hagen die Prognosen der Bertelsmann Stiftung, heute und in Zukunft                                                   des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) sowie vom Landesbetrieb Information und Tech- Im Nachfolgenden Kapitel wird die zur Ermittlung der Kli-                       nik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW). Wie unterschiedlich mawirkung Hitze notwendige Bevölkerungssensitivität                             die Bevölkerungsentwicklung ausfallen kann verdeutlicht erfasst und erläutert.                                                          die nachfolgende Abbildung 15. Unverkennbar ist, dass trotz unterschiedlicher Annahmen bzw. Szenarien der Bevölkerungsentwicklung in Hagen bis 2030                                       aufgeführten Institutionen, die Stadt Hagen in jeder Vo- rausberechnung an Bevölkerung verliert. Auch wenn in Die Entwicklung der Bevölkerung lässt sich nicht exakt                          den vergangenen drei Jahren ein leichter Bevölkerungs- vorausberechnen. Je nach Datenbasis und Methode,                                anstieg verzeichnet werden konnte, so ist dies nicht als aber auch abhängig von unvorhersehbaren Ereignissen                             Trendumkehr zu deuten. Gründe für eine Zunahme der variieren Bevölkerungszahlen und die Prognosen für eine                         Einwohner sind zum einen die Osterweiterung der Euro- Stadt. Auch für die Stadt Hagen gibt es unterschiedliche                        päischen Union als auch die Flüchtlingszuwanderung in Prognosen. Im vorliegenden Konzept werden mehre-                                Europa ab 2015, die Bevölkerungszahlen ansteigen las- re mögliche Entwicklungskorridore berücksichtigt, um                            sen jedoch nicht als anhaltende Trendumkehr gedeutet unterschiedliche Bevölkerungsentwicklungen zu veran-                            werden können. schaulichen. Als Basis dienten neben der Prognose der Abbildung 15: Bevölkerungsentwicklungskorridore der Stadt Hagen für den Zeitraum 2012-2030 Quelle: Eigene Darstellung auf Basis statistischer Daten von Bertelsmann Stiftung 2015; Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR); Landes- betrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW) 2015; Stadt Hagen 2012 Integriertes Klimaanpassungskonzept Stadt Hagen                 39
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Für das Klimaanpassungskonzept werden wohnortspe-                          Wehringhausen-West, Kuhlerkamp, Halden/Herbeck und zifische Trendextrapolationen vorgenommen um klein-                        Vorhalle-Nord. Die Wohnbezirke Garenfeld, Fley/Helfe, räumig zu veranschaulichen welche Wohnbezirke der                          Fleyerviertel, Remberg und Westerbauer-Nord weisen Stadt Hagen am meisten bzw. am wenigsten schrump-                          hingegen die geringsten Verluste auf (siehe Abb. 16 Be- fen. Den stärksten Rückgang von Einwohner verzeichnen                      völkerungsentwicklung (2012-2030) in Hagen dargestellt demnach die Wohnbezirke Oege/Nahmer, Eilpe-Nord,                           auf Basis der Wohnbezirke in Prozent). Abbildung 16: Relative Bevölkerungsentwicklung (2012-2030) in Hagen dargestellt auf Basis der Wohnbezirke in Prozent Quelle: Eigene Darstellung auf Basis von Bevölkerungsdaten der Stadt Hagen Die Hagener Bevölkerung hat im regionalen Vergleich ein                    der Anteil der Menschen im erwerbsfähigen Alter im Ver- relativ hohes Durchschnittsalter. So sind 22,6 Prozent der                 gleich zu benachbarten Kommunen deutlich unterreprä- Einwohner 65 Jahre oder älter (vgl. IRI 2017: 44f ). Vor allem             sentiert ist (vgl. IRI 2017: 45). kaufkraftstarke Wohnbezirke im Nordosten des Stadtge- bietes sind von einem hohen Altersdurchschnitt geprägt.                    Im Rahmen der Hagener Wohnungsmarktstudie wird auf Hierzu gehören Emst-West und Ost, Eppenhausen, Fley/                       aktuelle Daten der Verteilung von Sinus-Milieus zurück- Helfe, Elsey Nord, Halden/Herbeck und das Fleyerviertel.                   gegriffen. Beim Vergleich der bundesweiten Milieuver- Dort liegt das Durchschnittsalter bei etwa 50 Jahren. Der                  teilung mit der Verteilung in Hagen wurde aufgezeigt, Anteil der unter 65-jährigen an der Gesamtbevölkerung                      dass etablierte gesellschaftliche Leitmilieus unterdurch- in Hagen wird signifikant abnehmen. Hinzu kommt, dass                      schnittlich stark vertreten sind, wohingegen traditionelle, 40     Integriertes Klimaanpassungskonzept Stadt Hagen
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prekäre Milieus und vor allem Hedonisten überdurch-           eine Vergleichbarkeit der Quartiere auf kommunaler schnittlich stark vertreten sind (vgl. IRI 2017: 69). Insbe-     Ebene schaffen, um Prioritäten zu setzen und sondere Menschen mit hohen Bildungsabschlüssen sowie Fachkräfte wandern demnach ab. Eine große He-           Stadtquartiere identifizieren, in denen besonders rausforderung besteht derzeit durch die Zuwanderung              viele Bewohner sensitiv auf das jeweilige Klimasignal aus Bulgarien und Rumänien, die Einflüsse auf die Wohn-          reagieren. verhältnisse, das Nachbarschaftsmilieu und die Wohnzu- friedenheit haben.                                           Mehrere Studien belegen, dass die Sensitivität der über 65-jährigen Bevölkerung gegenüber Hitzebelastung Die Berücksichtigung sozial benachteiligter Bevölke-         signifikant hoch ist und die Sterblichkeitsrate als auch rungsgruppen und Stadtteile ist ein wichtiger Bestandteil    die Morbiditätsrate mit zunehmenden Alter steigt (vgl. bei Stadtentwicklungsstrategien. Die Förderung sozial        Scherber 2014; Fouillet 2007). In Berlin wurde beispiels- schwacher Stadtteile ist fester Bestandteil in Förderpro-    weise erhoben, inwiefern sich die Anzahl der Kranken- gramme ‚Soziale Stadt‘ und ‚Stadtumbau‘. Im Rahmen der       hauseinsätze bezüglich Herz- und Atemwegserkrankun- Umweltgerechtigkeitsforschung wird immer wieder be-          gen im ‚Hitzesommer‘ des Jahres 2006 im Vergleich zu tont, dass es Zusammenhänge zwischen dem sozialen            den Jahren davor veränderte. Hierbei wurde eine signi- Status und umweltbezogenen gesundheitlichen Beein-           fikante Steigerung der Einsätze bei den über 65-Jährigen trächtigungen gibt. Hierzu gehören Luft- und Lärmbe-         erkannt (vgl. Scherber et al. 2013: 34). lastung sowie der fehlende Zugang zu Grünflächen als Entastungsräume (siehe dazu UBA 2015b). Darüber hin-         Ein Leitfaden vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz aus hängt der Sozialstatus direkt mit der Mortalität der     und Katastrophenhilfen (BBK) zeigt relevante Themen- Menschen zusammen. Je schlechter der Status desto hö-        felder und Indikatoren auf, die die Sensitivität abbilden. her die Mortalität (vgl. Richter und Hurrelmann 2009: 17).   Hierzu zählt vor allem die körperliche Sensitivität. Als Folglich reagieren sozialschwache Bevölkerungsgruppen        Indikator wird dabei die Bevölkerung in besonders hit- potentiell stärker auf gesundheitlich beeinträchtigende      zeexponierten Räumen genannt, die u.a. über die räum- Wirkungen wie Lärm-, Luft- und Hitzebelastungen.             liche Lokalisierung (Bevölkerungsdichte) und anhand von Stadtklimamodellen identifiziert werden. Weitere Analyse der Bevölkerungssensitivität                         Indikatoren sind (alleinlebende) ältere Menschen (Seni- oren) und Kleinkinder (vgl. BBK 2013: 46). Darüber hinaus Ziel der Analyse war es, die Sensitivität bezüglich des      werden erweiterte Kriterien empfohlen, die jedoch meist Klimasignals Hitze in der Gegenwart und Zukunft zu be-       nicht mithilfe kommunaler Statistiken abrufbar sind. Hier- werten. Dabei wurde die Priorisierung der Anpassungs-        zu gehören gesundheitlich vorbelastete Menschen oder und Handlungsbedarfe sowie Förderprioritäten für eine        der bauliche Zustand von Wohngebäuden (z.B. Dämm- positive integrierte Stadtentwicklung erarbeitet. Die Fra-   standards). In den meisten kommunalen Klimaanpas- gestellung war dabei:                                        sungskonzepten werden ausschließlich die sogenannten sensitiven Bevölkerungsgruppen der unter 5-jährigen  In welchen Quartiere ist bereits heute von einer gro-      und über 65-Jährigen berücksichtigt. ßen Hitzebelastung auszugehen und wo ist unmit- telbares Handeln erforderlich?                          Neben den besonders sensitiven Bevölkerungsgruppen sind es auch Menschen im erwerbsfähigen Alter, die  Wo wirken sich Klimawandel und demografischer              eine besonders hohe subjektive Hitzebelastung äußern Wandel negativ, wo positiv im Sinne einer Abnahme       und im Rahmen der alternden Gesellschaft ebenfalls der Betroffenheit aus?                                  gesundheitlich beeinträchtigter sind. Eine Befragung von Großmann et al. (2012) ergab zudem, dass vor allem Um Strategien und Maßnahmen entwickeln zu können,            die jüngere Bevölkerung Hitze als stark belastend emp- werden Eingangsgrößen für die Analyse gewählt, die           findet und dies nicht am Wohnort selbst, sondern vor allem am Arbeitsplatz oder auf (Arbeits-) Wegen: „Der Integriertes Klimaanpassungskonzept Stadt Hagen   41
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Verwendung des Indikators Alter der Wohnbevölke-            dem Grundsatz des § 1 Abs. 6 Nr. 1 BauGB nachkommen rung zur Abschätzung von Verwundbarkeit gegenüber           und für gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse Sorge Hitzebelastung ist zweierlei entgegenzuhalten. Zum          tragen. einen muss die Gruppe der älteren Menschen differen- ziert betrachtet werden. Da vor allem die jungen Alten      Die arbeitende Bevölkerung wird aufgrund der projizier- die geringste subjektive Hitzebelastung äußern, sind die    ten Hitzeextreme eine zunehmende Belastung erleben. Pole zwischen körperlich Anfälligen, Hochbetagten und       In der technischen Regel für Arbeitsstätten (siehe ASR A jungen Alten mit geringer physischer und alltäglicher       3.5 ) von 2010 ist vermerkt, dass es bei Arbeiten über 26 7 Belastung aufzuspannen. Auf diese notwendige Diffe-         °C zu einer Gesundheitsgefährdung kommen kann, wenn renzierung verweisen Demografen und Gerontologen            schwere körperliche Arbeit zu verrichten ist, besondere bereits seit Jahren. Zum anderen dürfen die jüngeren        Schutzkleidung zu tragen ist oder gesundheitlich vorbe- und mittleren Altersgruppen nicht aus den Betrach-          lastete Menschen unter diesen Bedingungen arbeiten. tungen ausgeschlossen werden. Ihre […] teilweise sehr hohe subjektive Hitzebelastung ist ernst zu nehmen und      Folglich werden neben Wohngebieten, die bisher im auf seine Ursachen hin zu untersuchen“ (Großmann et         Mittelpunkt von Klimafolgenanalysen stehen, auch die- al. 2012: 65).                                              jenigen Quartiere mitberücksichtigt, in denen sich die arbeitende Bevölkerung (tagsüber) aufhält. Dies betrifft Eine andere Befragung von Kunz-Plapp et al. (2018) in       Gewerbegebiete und die hoch frequentierten Stadtzen- Karlsruhe kam zu ähnlichen Ergebnissen. Im Sommer           tren, für die die Tagbevölkerung erfasst wurde. Da keine 2013 wurden 428 Personen im Alter von 17 bis 64 Jah-        flächenspezifischen Daten verfügbar waren, wurde auf ren befragt. Dabei wurde ebenfalls der Arbeitsplatz als     Durchschnittswerte der Wirtschaftsförderung Metropole sehr belastend wahrgenommen, denn dort muss die             Ruhr zurückgegriffen, die die Angaben über die Flächen- Hitze körperlich ertragen werden. Hinzu kommen Anfor-       kennziffern in 2015 für die Gegenwart sowie in 2030 für derungen an das Arbeitsleben, die trotz hitzebedingter      die Zukunft über die Gewerbeflächen geben (vgl. Wirt- Konzentrationsschwierigkeiten, Schlappheit und Müdig-       schaftsförderung metropoleruhr 2015: 38ff ). Anhand keit erfüllt werden müssen (siehe dazu Kunz-Plapp et al     dieser Werte ließ sich die durchschnittliche Anzahl der 2018). Insofern führen Hitzeperioden zu einer Reduzie-      Beschäftigten in Misch- und reinen Gewerbegebieten rung der Produktivität (vgl. Laurent et. al. 2018) mit Fol- in die Betroffenheitsberechnung integrieren. Da diese gen für die Volkswirtschaft. Maßgeblich für eine subjekti-  Durchschnittswerte die Gewerbearten nicht differenzie- ve thermische Belastung sind verschiedene Aspekte des       ren, ist es möglich, dass insbesondere in den Stadtzent- Wohnumfelds und der bewohnten Gebäude (vgl. Kunz-           ren sogar eine geringere Sensitivität berechnet wurde als Plapp et al. 2018: 991). Auch eine nach Altersgruppen dif-  tatsächlich vorliegt. ferenzierte Mortalitätskurve einer amerikanischen Studie veranschaulicht, dass nicht nur über 65-Jährige bei Hitze   Darüber hinaus erfolgt eine Berücksichtigung der Verän- betroffen sind, sondern ebenfalls die Altersgruppe der      derung der Bevölkerungszusammensetzung. Quartiere, 15- bis 64-Jährigen mit ca. 25 Prozent durchaus Gewicht     in denen heute viele ältere Menschen (Senioren) woh- haben (siehe dazu Luber et al. 2006). Diese Faktoren sind   nen, erfahren gegebenenfalls in Zukunft einen Genera- für Hagen entscheidend, um geeignete Maßnahmen zu           tionenwechsel oder werden von Leerstand geprägt sein. treffen wie zum Beispiel die thermische Belastung im öf-    Dicht besiedelte Wohngebiete benötigen angepasste fentlichen Raum und in genutzten Gebäuden zu reduzie-       Strategien, die den Bevölkerungsrückgang bei gleichzei- ren. Diesbezüglich ist auch nicht zu unterschätzen, dass    tigem Anstieg der über 65jährigen berücksichtigen. die Arbeitsbevölkerung die Pausen mitunter im öffent- lichen Raum verbringt und insbesondere in den größe-        Im Rahmen der Sensitivitätsanalyse wird die Entwicklung ren Arbeitsmarktzentren das öffentliche Verkehrssystem      der unterschiedlichen Alterskohorten auf kommunaler nutzt. Mit geeigneten Maßnahmen kann eine Kommune           Ebene projiziert (siehe Abb. 17 Betrachtung der Zeitebe- Entlastung schaffen und die Attraktivität des (Arbeits-)    nen Gegenwart und Zukunft für die Bevölkerungssensiti- Standorts erhalten bzw. verbessern und darüber hinaus       vität). Um die Sensitivität der Gegenwart mit der der Zu- 42     Integriertes Klimaanpassungskonzept Stadt Hagen
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kunft vergleichbar zu machen, wird eine Normalisierung                    Heiße Tage und Tropennächte, ebenfalls über beide Zeit- über beide Zeitebenen hinweg durchgeführt. So kann                        räume hinweg normalisiert werden. Eine multiplikative dargestellt werden, wie sich die Quartiere über die be-                   Verknüpfung ergibt dann zwei Betroffenheitskarten, die trachteten Zeitebenen Gegenwart und Zukunft in ihrer                      den direkten Vergleich der Auswirkungen ermöglichen Sensitivität entwickeln. Gleiches erfolgt für das Klimasig-               und die individuelle Veränderung der Quartiere veran- nal Hitze, indem die Klimatope, mit ihren Aussagen über                   schaulichen. Abbildung 17:Betrachtung der Zeitebenen Gegenwart und Zukunft für die Bevölkerungssensitivität Quelle: Eigene Darstellung 5.1.3 Betroffenheit der Stadt Hagen gegenüber Hitze                       trum sowie Teile von Wehringhausen und Haspe. Hier ist jedoch hervorzuheben, dass sich die Betroffenheiten auf Die Betroffenheit im Stadtgebiet von Hagen wurde an-                      beide Zeitebenen beziehen und so bereits eine geringe hand der gegenwärtigen und zukünftigen Hitzebelas-                        Betroffenheiten in der Gegenwart eine nicht unerhebli- tungssituation während der Tag- und Nachtstunden                          che Betroffenheit gegenüber Hitzebelastung darstellt. (Heiße Tage und Tropennächte) in Verbindung mit der betroffenen Bevölkerung identifiziert und für beide Zei-                  Für den Zeitraum der Zukunft zeigt die Betroffenheit der tebenen Gegenwart sowie Zukunft dargestellt.                              Stadt Hagen gegenüber Hitzebelastungen eine deutlich stärkere Ausprägung (sieh Abb. 19 Betroffenheit der Stadt Die Betroffenheit der Stadt Hagen gegenüber Hitze ist                     Hagen gegenüber Hitze - Zeitraum Zukunft). Die bereits für den Zeitraum der Gegenwart vergleichsweise gering                     in der Gegenwart als gering klassifizierten Bereiche wer- ausgeprägt. Folgende Karte zeigt eine sehr moderate Be-                   den in der Zukunft voraussichtlich eine sehr hohe Be- troffenheit für die Gegenwart (siehe Abb. 18 Betroffen-                   troffenheit aufweisen. Auch viele Bereiche die eine sehr heit der Stadt Hagen gegenüber Hitze - Zeitraum Gegen-                    geringe Betroffenheit in der Gegenwart aufweisen wer- wart). Lediglich einzelne Bereiche der Stadt weisen eine                  den in der Zukunft deutlich stärker betroffen sein. Insbe- geringe Betroffenheit auf, dazu zählen das Hagener Zen-                   sondere die verdichteten Stadtbereiche um das Zentrum Integriertes Klimaanpassungskonzept Stadt Hagen  43
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Abbildung 18: Betroffenheit der Stadt Hagen gegenüber Hitze - Zeitraum Gegenwart Quelle: Eigene Darstellung der Stadt weisen dementsprechend in der Zukunft eine                        vität gegenüber Hitze fünf Klassen bzw. Prioritätsstufen sehr hohe bis hohe Betroffenheit auf.                                       gebildet. Aufgrund der grundsätzlich hohen thermische Belastungssituation in Gewerbegebieten, in Verbindung Anhand der ermittelten Betroffenheiten können Hand-                         mit ihrer großflächigen Ausdehnung über weite Teile lungsbedarfe identifiziert und priorisiert werden, deren                    der Hagener Tallagen, werden diese der höchsten Prio- Ermittlung im Folgenden erläutert wird.                                     ritätsstufe zugeordnet. Darüber hinaus liegen die Gewer- begebiete vielfach in unmittelbarer Nachbarschaft zu weiteren großflächigen Belastungsgebieten, so dass der 5.1.4 Priorisierung der Handlungsbedarfe bei Hitze                          Handlungsbedarf in diesen Gebieten besonders hoch ist. Die Handlungsbedarfe und Anpassungserfordernisse                            Gebiete die in der Prioritätenkarte nicht einer der fünf bei Hitze werden in zwei Prioritätenkarten (Siedlungs-                      Klassen zugeordnet werden lassen sich nicht zwangs- räume sowie Gewerbe- und Industriegebiete) verortet                         läufig als unkritisch einstufen. Auch in diesen Gebieten (siehe Abb. 20 Priorisierung der Handlungsbedarfe bei                       sollten zukünftig, im Rahmen des städtischen Planungs- Hitze- Siedlungsflächen; Abb. 21 Priorisierung der Hand-                    prozesses, die Folgen etwaiger Planungsvorhaben be- lungsbedarf bei Hitze – Industrie- und Gewerbeflächen).                     züglich des Klimawandels abgeschätzt werden. Umfang- Dabei werden für beide Zeitebenen auf Basis der Sensiti-                    reiche Bauvorhaben in einzelnen Stadtgebieten können 44    Integriertes Klimaanpassungskonzept Stadt Hagen
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Abbildung 19: Betroffenheit der Stadt Hagen gegenüber Hitze - Zeitraum Zukunft Quelle: Eigene Darstellung dazu führen, dass sich die derzeitigen klimatischen Be-                     sichtlich der Gebäudeanordnung oder der Grünflächen- dingungen erheblich verschlechtern und gleichzeitig die                     anteile, zu prüfen. Lässt sich eine starke Verschlechterung Betroffenheit zunimmt. Daher lassen sich Flächen, die                       der klimatischen Bedingungen in einem Planungsgebiet gegenwärtig noch nicht als relevant eingestuft werden,                      erwarten, sollten durch den Einsatz mikroskaliger Simula- in Zukunft möglicherweise einer höheren Prioritätsstufe                     tionsmodelle die stadtklimatischen Auswirkungen unter- zuordnen. Jedes Vorhaben innerhalb des Hagener Stadt-                       sucht und das Vorhaben ggf. um Klimaanpassungsmaß- gebietes ist daher hinsichtlich seiner Folgen für das Stadt-                nahmen ergänzt werden (siehe Anhang 2 Endbericht zur und Mikroklima zu prüfen und abzuschätzen inwiefern                         Mikroskaligen Modellierung des Stadtklimas für den Un- durch das Vorhaben die Betroffenheit durch Klimafolgen                      tersuchungsraum Hagen; K.Plan 2018). beeinflusst wird. Darüber hinaus sind die Belange der Klimaanpassung in der Abwägung mit allen anderen Be-                        Die Prioritätsstufen werden nachfolgend erläutert sowie langen zu berücksichtigen und entsprechend der ermit-                       ein kurzer Überblick über mögliche Anpassungsmaßnah- telten Betroffenheiten und Prioritätsstufen zu bewerten                     men gegeben. Eine ausführliche und räumlich detaillier- bzw. zu gewichten. Sollten geplante Vorhaben erhebli-                       te Darstellung empfohlener Maßnahmen wird sowohl che negative Folgen haben, sind weitere Planungsvarian-                     durch die Planungshinweiskarte als auch die Ergebnisse ten und -alternativen, bestenfalls unter Berücksichtigung                   der mikroskaligen Stadtklimamodellierungen ermög- von Klimaanpassungsmaßnahmen beispielsweise hin-                            licht. Die Planungshinweise enthalten für alle Last- und Integriertes Klimaanpassungskonzept Stadt Hagen   45
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Ausgleichsräume in Hagen Empfehlungen zur Verbesse- rung der klimatischen Verhältnisse und nennen entspre- chend zu schützenden Gunstfaktoren. Die Tabelle 6 veranschaulicht die gegenwärtige Betrof- fenheit und ihre Veränderung in Zukunft und die daraus folgende Handlungspriorität. Tabelle 6: Definition der Prioritätsstufen anhand der Betroffenheitsanalyse für die Siedlungsräume Betroffenheit T0              Betroffenheit T1 (Gegenwart)                      (Zukunft) Bewertung                      Bewertung Betroffenheit                  Betroffenheit Priorität Stufe 1                                                       sehr gering sehr gering (sehr geringe Priorität)                                                    bis gering Priorität Stufe 2 sehr gering                        mittel (geringe Priorität) Priorität Stufe 3 sehr gering                        hoch (mittlere Priorität) Priorität Stufe 4 gering                           hoch (hohe Priorität) Priorität Stufe 5 gering                        sehr hoch (sehr hohe Priorität) Quelle: Eigene Darstellung 46    Integriertes Klimaanpassungskonzept Stadt Hagen
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Abbildung 20: Priorisierung der Handlungsbedarfe bei Hitze - Siedlungsflächen Quelle und Datengrundlage: Eigene Darstellung; Datengrundlage Land NRW (2018): Datenlizenz Deutschland – Namensnennung – Version 2.0 (www.gov- data.de/dl-de/by-2-0) Industrie- und Gewerbeflächen                                                 tisch belasteten Industrie- und Gewerbeflächen an zum Teil ebenfalls stark wärmebelastete Innenstadtbereiche Aufgrund der überwiegend dichten Bebauung und der                             an und führen zu einer wechselseitigen Verstärkung der meist hohen Flächenversiegelung treten die Industrie-                         Belastungssituation. Industrie- und Gewerbekomplexe und Gewerbeflächen sowohl tagsüber als auch in den                            stellen nicht nur bioklimatische, sondern auch lufthy- Nachtstunden als deutliche Wärmeinseln hervor. Als                            gienische Lasträume dar. Als besonders problematisch besonders problematisch stellt sich die Lage und Aus-                         erweist sich in diesem Zusammenhang ihre Lage im Be- dehnung großer gewerblicher Komplexe im Hagener                               reich der Täler, in denen die Belüftungssituation aufgrund Stadtgebiet dar (siehe Abb. 21 Priorisierung der Hand-                        häufiger Bodeninversionen an vielen Tagen des Jahres lungsbedarf bei Hitze – Industrie- und Gewerbeflächen).                       eingeschränkt ist und sich so Luftschadstoffe anreichern Zum einen befinden sich diese überwiegend entlang der                         können. Aus diesem Grund werden die Gewerbe- und Tallagen und nehmen dort großflächige Bereiche ein, wo-                       Industriekomplexe in die Stufen 4 und 5, in Abhängigkeit bei deren Ausdehnung quer zum Talverlauf stellenweise                         von der Höhe des in den Gebieten ermittelten Kaltluftvo- bis zu 700 m beträgt und die Längserstreckung teilweise                       lumenstroms (Stufe 4: Kaltluftvolumenstrom > 1000 m³/s; den gesamten Talverlauf im Bereich der besiedelten Flä-                       Stufe 5: Kaltluftvolumenstrom < 1000 m³/s) eingeteilt. chen einnimmt. Zum anderen grenzen die stadtklima- Integriertes Klimaanpassungskonzept Stadt Hagen         47
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Abbildung 21: Priorisierung der Handlungsbedarf bei Hitze – Industrie- und Gewerbeflächen Quelle und Datengrundlage: Eigene Darstellung; Datengrundlage Land NRW (2018): Datenlizenz Deutschland – Namensnennung – Version 2.0 (www.gov- data.de/dl-de/by-2-0) Priorität Stufe 1 (Gebiete mit sehr geringer Priorität)                       diesen Bereichen zu einer Verbesserung der klimatischen Verhältnisse in den angrenzenden Gebieten beitragen Teile des Hagener Stadtgebiets die eine sehr geringe                          können. So können beispielsweise durch die Schaffung Handlungspriorität aufweisen zeichnen sich gegenwär-                          von Luftleitbahnen Verbesserungen der Kalt- und Frisch- tig durch eine sehr geringe und zukünftig durch eine                          luftzufuhr auch in den umliegenden Gewerbe- und sehr geringe bis geringe Betroffenheit hinsichtlich der                       Wohnsiedlungen erreicht werden. Hitzebelastung aus. Zu diesen Flächen zählen überwie- gend Wohnsiedlungen, die dem Stadtrandklima zuzu-                             Priorität Stufe 2 (Gebiete mit geringer Priorität) ordnen und durch eine aufgelockerte Bauweise mit ei- nem zum Teil hohen Grünanteil gekennzeichnet sind.                            Flächen mit einer geringen Handlungspriorität finden Der Handlungsbedarf ist aufgrund der zum Teil günsti-                         sich im gesamten Stadtgebiet. Diese Bereiche sind ge- gen städtebaulichen Strukturen in diesen Gebieten so-                         genwärtig von einer sehr geringen Betroffenheit und mit vergleichsweise gering. Zu beachten ist jedoch, dass                      zukünftig von einer mittleren Betroffenheit gekennzeich- einige Gebiete im Übergangsbereich zu dichter bebau-                          net. Dazu zählen Flächen mit einer lockeren Bebauungs- ten Flächen mit einer höheren Handlungspriorität liegen                       struktur und einem geringen Versiegelungsgrad sowie und daher langfristige Anpassungsmaßnahmen auch in                            Bereiche innerhalb dicht bebauter Gebiete mit einem 48    Integriertes Klimaanpassungskonzept Stadt Hagen
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