IREK_SHK_Abschlussbericht_Phase_1_Bestandsanalyse_Stand_29.06.20211

Dieses Dokument ist Teil der Anfrage „Klimaschutz- und Klimaanpassungskonzepte

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Saale-Holzland-Kreis                    Integriertes Regionales Entwicklungskonzept (IREK) – Bestandsanalyse 06/2021 Ausgewählte Jahresdaten im Bergbau und Verarbeitenden Gewerbe (≥ 50 Beschäftigte) 201986 Anzahl der        Anzahl der SV-Beschäftigten               Umsatz     Export- Gebietseinheit Betriebe          am Arbeitsort                          insgesamt     quote Saale-Holzland-Kreis                   40         5.515                                911.677,00 €    28 % Stadt Jena                             38         7.607                              2.090.248,00 €    67,9 % Ø Thüringen                          36,9         6.473,3                            1.409.956,10 €    37,1 % Vergleich mit Landkreisen Ostthüringen Landkreis 46         7.736                              1.851.745,00 €    45,1 % Saalfeld-Rudolstadt Saale-Orla-Kreis                       50         9.296                              1.853.827,00 €    36,2 % Landkreis Greiz                        41         5.643                              1.073.242,00 €    28,9 % Altenburger Land                       35         6.202                              1.318.983,00 €    20,6 % Ø Ostthüringer Landkreise            38,3         6.878,4                            1.401.894,80 €    31,8 % Die bestimmenden Industriezweige des Saale-Holzland-Kreises sind das Glasgewerbe, die Her- stellung von Keramik, die Verarbeitung von Steinen und Erden, das Ernährungsgewerbe, die Her- stellung von Metallerzeugnissen sowie Gummi- und Kunststoffwaren, der Maschinenbau und das Holzgewerbe. Gemessen an der Bruttowertschöpfung stellt der Dienstleistungssektor den wichtigsten Wirt- schaftsbereich im Saale-Holzland-Kreis dar. Die Bruttowertschöpfung ist seit 2009 wachsend. Die Wachstumsrate der Bruttowertschöpfung liegt jedoch deutlich unter dem des produzierenden Ge- werbes. Über die Hälfte aller Beschäftigten im Landkreis (57,7 %) sind im Dienstleistungssektor tä- tig. Die Beschäftigungsentwicklung verläuft seit 2009 positiv (+3,5 %). Insgesamt liegen der Anteil der Beschäftigten im Dienstleistungssektor und die Wachstumsrate unter dem landesweiten Durch- schnitt. Im Dienstleistungssektor dominiert der Handel. Bei der IHK Ostthüringen sind mit 1.173 Betrieben (Stand: September 2020) über ein Viertel aller bei der IHK registrierten Betriebe diesem Wirtschafts- zweig zuzuordnen. Über die Hälfte der Gewerbetreibenden im Handel sind im Einzelhandel tätig (54,6 %) (vgl. auch Kapitel 2.5.3 Einzelhandel). Die für Thüringen charakteristische Handwerksstruktur spiegelt sich im Landkreis wider. Gemäß 87 Handwerkszählung in Thüringen (Stand: 2017) gibt es im Saale-Holzland-Kreis 775 Handwerks- unternehmen mit 4.106 SvB. Im landesweiten Vergleich liegt der Landkreis gemessen an der Zahl der Betriebe, den Beschäftigten und dem Umsatz im oberen Mittelfeld. Seit 2008 haben sich die Zahl der Handwerksbetriebe und die Zahl der SvB leicht verringert, wohingegen sich der Umsatz gestei- 88 gert hat. Dieser Trend zeichnet sich auch in Thüringen, wenn auch in abgeschwächter Form, ab. 86 Thüringer Landesamt für Statistik Thüringen, Betriebe und Beschäftigte im Monatsdurchschnitt, Daten abgerufen: November 2020 87 Thüringer Landesamt für Statistik: Handwerk in Thüringen Ergebnisse der Registerauswertung, 2008 und 2017 88 Ebenda KEM Kommunalentwicklung Mitteldeutschland GmbH                                                               Seite 46
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Saale-Holzland-Kreis                    Integriertes Regionales Entwicklungskonzept (IREK) – Bestandsanalyse 06/2021 Die Kreativwirtschaft hat im Saale-Holzland-Kreis mit einem Anteil von unter 3 % der SvB nur eine untergeordnete Bedeutung. Damit zählt der Landkreis im Vergleich zu anderen Landkreisen und kreisfreien Städten in Thüringen zu denen mit den geringsten Anteilen. Die Potenziale der Kreativ- wirtschaft als Markt- und Innovationstreiber zeigen sich auch in Thüringen erst in geringem Maße. Ziel des Freistaates ist es daher, mit einer Gesamtstrategie für Thüringen diesen Wirtschaftszweig schwerpunktmäßig in den größeren kreisfreien Städten zu stärken. Jena zählt bereits heute zu den 89 Schwerpunkten in Thüringen (Software/-Gameindustrie). Die räumliche Nähe des Saale-Holzland- Kreises zu Jena bietet zugleich Chancen für den Saale-Holzland-Kreis (Motor für die Beschäftigung, Innovationen für andere Wirtschaftsbranche). Die ursprüngliche Wirtschaftsstruktur aus klein- und mittelständisch geprägten Betrieben hat sich bis heute bewahrt. Die große Mehrzahl der 3.476 im Landkreis ansässigen Unternehmen und Arbeitsstätten sind den kleinen und mittleren Unternehmen zuzurechnen: -    86,9 % mit 1–9 Mitarbeitern, -    10,4 % mit 10–49 Mitarbeitern, -    2,4 % mit 50–249 Mitarbeitern und -    0,3 % mit mehr als 250 Mitarbeitern. Der größte Arbeitgeber im Saale-Holzland-Kreis ist die Silbitz Group GmbH mit über 500 Mitarbeitern mit dem Hauptstandort in Silbitz. Alle anderen Unternehmen beschäftigen weniger als 500 Mitarbei- ter. Die Mehrheit der großen Unternehmen befindet sich am Standort Hermsdorf. Größte privatwirtschaftliche Arbeitgeber im Saale-Holzland-Kreis90 Anzahl der Arbeitgeber                                  Firmensitz                       Branche Mitarbeiter 500–999        Silbitz Group GmbH                           Silbitz (Hauptsitz)              Gießerei 200–499        Micro-Hybrid Electronic GmbH                 Hermsdorf (Hauptsitz)            Elektronik AUTO-SCHOLZ-AVS GmbH & Co.                   Sulza (Hauptsitz)                Automobil KG VACOM Vakuum Komponenten &                   Großlöbichau (Hauptsitz)         Vakuumtechnik Messtechnik GmbH Griesson – de Beukelaer GmbH &               Kahla                            Lebensmittel Co. KG 100–199        Mathys Orthopädie GmbH                       Mörsdorf (Hauptsitz)             Medizinprodukte H.C. Starck Hermsdorf GmbH                   Hermsdorf (Hauptsitz)            Technologie-Metalle und Keramik CERA SYSTEM Verschleißschutz                 Hermsdorf (Hauptsitz)            Keramik GmbH Lust Hybrid-Technik GmbH                     Hermsdorf (Hauptsitz)            Elektronik- und Mikro- systemtechnik Porzellanfabrik Hermsdorf GmbH               Hermsdorf (Hauptsitz)            Keramik Technische Keramik 89 Vgl. Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Technologie (2011): Kreativwirtschaft in Thüringen. Lage, An- satzpunkte, Empfehlungen, S. 15 90 IHK Ostthüringen zu Gera. Unternehmensdatenbank, Stand November 2020 KEM Kommunalentwicklung Mitteldeutschland GmbH                                                                   Seite 47
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Saale-Holzland-Kreis                  Integriertes Regionales Entwicklungskonzept (IREK) – Bestandsanalyse 06/2021 Anzahl der Arbeitgeber                                 Firmensitz                    Branche Mitarbeiter Minimax GmbH & Co. KG                       Hermsdorf                     Brandschutz Fraunhofer-Institut für Keramische          Hermsdorf                     Keramik Technologien und Systeme 2.5.3 Einzelhandel Im Saale-Holzland-Kreis sind bei der IHK Ostthüringen 640 Einzelhandelsbetriebe registriert (Stand 91 2020). Im Jahr 2011 waren 846 Einzelhandelsbetriebe bei der IHK gemeldet. Dies bedeutet einen deutlichen Rückgang, der sich im gesamten Ostthüringer Raum abzeichnet. Im Landkreis gibt es 14 großflächige Einzelhandelsbetriebe mit einer Verkaufsfläche von über 1.200 m². Diese konzentrieren sich vorwiegend in den größten Städten im Landkreis, darunter je- weils vier Einrichtungen in Eisenberg und Hermsdorf. Auffällig sind zwei weitere Einrichtungen in Zöllnitz. Insgesamt nimmt deren Fläche etwa die Hälfte (47,8 %) an der gesamten Verkaufsfläche 92 ein (Stand: 2018). Weitergehende statistische Kennwerte liegen mit dem IHK-Handelsatlas lediglich für das Jahr 2011 93 vor. Der Saale-Holzland-Kreis verfügt mit 84,2 Prozent über ein im bundesweiten Vergleich unter- durchschnittliches Kaufkraftniveau. Gegenüber den anderen Landkreisen in Ostthüringen mit Ausnahme der kreisfreien Städte ist das Kaufkraftniveau leicht erhöht. Für das Umland sind die Städte Eisenberg und Hermsdorf von großer Bedeutung. Diese ziehen mehr Kaufkraft aus dem Umland an, als sie an das Umland verlieren. Vor allem Hermsdorf profitiert durch das SB-Warenhaus Globus und der Lage am Hermsdorfer Kreuz. Bei Kahla und Stadtroda verhält es sich umgekehrt. Aufgrund der räumlichen Nähe zu Jena verlieren diese Städte stark an Kaufkraft. Die Nahversorgung durch kleinflächigen Einzelhandel ist im gesamten Landkreis gesichert. Ledig- lich in der Verwaltungsgemeinschaft Südliches Saaletal konnte kein Nahversorger ab 200 Quadrat- meter ermittelt werden. Im Rahmen einer Einzelhandelserhebung 2017/2018 wurden 162 Leerstände erhoben, die sich mehrheitlich in den größeren Städten konzentrieren. Im Hinblick auf die strukturellen Veränderungen im Einzelhandel durch ein geändertes Ausgabe- und Einkaufsverhalten, den demografischen Wandel, den Preiswettbewerb, die Flächenexpansion sowie den ständig wachsenden Anteil des Internethandels stehen insbesondere die Innenstädte mit ihrem stationären Einzelhandel vor großen Herausforderungen. Neben der Etablierung neuer Be- triebs- und Vertriebsformen ist die Entwicklung zu immer größeren Flächeneinheiten einer der 91 IHK Ostthüringen zu Gera. Gewerbetreibende nach Kreisen/kreisfreien Städten – September 2020 92 Vgl. TMIL Referat Raumordnung und Landesplanung/GMA 2018 93 Vgl. IHK Ostthüringen zu Gera 2011: Großflächiger Einzelhandel in der Region Ostthüringen 2011, S. 44 ff. KEM Kommunalentwicklung Mitteldeutschland GmbH                                                               Seite 48
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Saale-Holzland-Kreis                 Integriertes Regionales Entwicklungskonzept (IREK) – Bestandsanalyse 06/2021 Trends. Insbesondere diese Entwicklung führte und führt auch heute noch zu Einzelhandelsstand- orten „auf der grünen Wiese“ außerhalb der gewachsenen Ortskerne und Stadtteilzentren. Die Ent- wicklung der Einzelhandelsstruktur im Zusammenhang mit der betrieblichen Konzentration führt zur Aufgabe von kleinen Nachbarschaftsläden und generell zu einer Abnahme des wohnstandortnahen Einzelhandels. Damit verschlechtert sich insbesondere die Nahversorgung in den ländlichen Gebie- ten sowie generell die Versorgungssituation von nicht motorisierten Haushalten, da sich immer we- niger Geschäfte in fußläufiger Erreichbarkeit befinden. Aber auch in vielen Städten verschlechtert sich die wohnortnahe Versorgung durch eine Ausdünnung des Geschäftsbesatzes und durch die Verlagerung des Lebensmitteleinzelhandels aus den Innenstädten/Ortskernen an überwiegend Pkw-orientierte Standorte erheblich. Die Auswirkungen einer Pandemie können die lokale Einzel- handelssituation nochmals verschärfen, wie sich gegenwärtig mit der COVID-19-Pandemie zeigt. Zutrittsbeschränkungen, Ladenöffnungsverbote, Verhaltenseinschränkungen im öffentlichen Raum, die Absage von Festen und Märkten sowie die verstärkte Verschiebung des Einkaufsverhaltens zu- gunsten des Onlinehandels stellen lokale Einzelhändler vor wirtschaftliche, logistische und organi- satorische Herausforderungen. Das Ziel für die Zukunft besteht in der Sicherung und Belebung des Einzelhandels in der Region und einer ausreichenden, bedarfsgerechten und überwiegend verbrauchernahen Grundversorgung mit Waren des kurzfristigen Bedarfs. Wichtige Voraussetzung hierfür ist der Erhalt der zentralörtlichen Funktion von Bad Klosterlausnitz, Eisenberg, Hermsdorf, Stadtroda sowie Bürgel, Crossen an d. Elster, Dornburg-Camburg und Kahla. Auch die Themen Ladenleerstand und mögliche Formen der Zwischen- und Umnutzung sollten zukünftig fokussiert werden. 2.5.4 Tourismus Tourismusorganisation und Marketing Der Saale-Holzland-Kreis ist Teil der Tourismusregion „Saaleland”. Der Thüringer Tourismusver- band Jena-Saale-Holzland e.V. (TTV) übernimmt seit 2004 als Dachverband für die Region des Saalelandes die Steuerung der Tourismuspolitik, die Verbandsarbeit und Vermarktung des Reise- gebietes. Zum Verbandsgebiet zählen der Saale-Holzland-Kreis, die Stadt Jena, die Stadt Bad Köst- ritz und die Gemeinde Uhlstädt-Kirchhasel. Seit 2007 nimmt der TTV für den Saale-Holzland-Kreis auch die Aufgabe der touristischen Wirtschaftsförderung und die Betreuung der gebietsübergreifen- den touristischen Infrastruktur im Landkreis wahr. Der TTV wurde 2004 durch eine Fusion aus den drei Vereinen Tourismusverein Saale-Holzland e.V., Fremdenverkehrsverein Jena-Saaletal e.V. und dem Fremdenverkehrsverein Schlösser und Denkmäler um die Leuchtenburg e.V. gegründet. Heute zählt der Verband 130 Mitglieder aus unterschiedlichen Bereichen, darunter der Saale-Holzland- Kreis und die Stadt Jena als Gebietskörperschaften, Beherbergungseinrichtungen, Kultureinrichtun- gen und Gastgewerbe sowie diverse Vereine und Unternehmen. Die Fusion ist aus Sicht der ange- 94 strebten, einheitlichen Vermarktung der Saaleregion positiv zu werten. Der TTV ist das Bindeglied zur Thüringer Tourismus GmbH und arbeitet intensiv an der Umsetzung der Thüringer Tourismusstrategie 2025. Der TTV ist bestrebt, den Bekanntheitsgrad des Thüringer Saalelandes zu steigern und das Thüringer Saaleland als Destination im Reiseland Thüringen stär- ker zu positionieren. Hierzu sollen u. a. das Außenmarketing weiter ausgebaut, das Produktangebot 94 Vgl. Thüringer Tourismusverband Jena-Saale-Holzland e.V.: Verband KEM Kommunalentwicklung Mitteldeutschland GmbH                                                            Seite 49
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Saale-Holzland-Kreis                 Integriertes Regionales Entwicklungskonzept (IREK) – Bestandsanalyse 06/2021 erweitert und besser in die Produktlinien der Thüringer Tourismus GmbH (TTG) eingebunden, neue Gästegruppen auf überregionalen Märkten erschlossen und eine einheitliche Kommunikationsstruk- tur und -strategie entwickelt werden. Ebenso wird eine intensivere Zusammenarbeit von Destinatio- nen entlang der Saale angestrebt. Arbeitsschwerpunkte des TTV                      Produktlinien der Tourismusentwicklung im Saaleland95 -  Destinationsentwicklung                       -   Burgen & Schlösser -  Markenentwicklung und Marke erlebbar          -   Thüringer Handwerk (Thüringer Porzellan, Keramik) -  machen                                        -   Gesundheit & Wellness (Thermen, Saunen, staatlich -  Produktentwicklung und Innenmarketing             anerkanntes Heilbad Bad -  Qualität (der Produkte und buchbaren              Klosterlausnitz) -  Angebote)                                     -   StadtKultur (Lichtstadt Jena, Residenzstadt Eisenberg) -  Infrastruktur                                 -   Wandern, Rad-/Wasserwandern -  Außenmarketing                                -   Thüringer Tischkultur -  Content-Management/Onlinemarketing -  Vertriebsaktivitäten Im Saale-Holzland-Kreis finden sich alle Produktlinien wieder. Beispiele der touristischen Freizeit-, Kultur- und Sportangebote im Saale-Holzland-Kreis sind die Leuchtenburg in Kahla mit der Ausstellung Porzellanwelten, die Dornburger Schlösser, die Kemenate in Orlamünde, das Keramik-Museum in Bürgel, der Bürgeler Töpfermarkt, die Wasserburg Schkölen und der Kristall Sauna-Wellnesspark in Bad Klosterlausnitz. Neben den touristischen Destinationen ist es die Kul- turlandschaft und der Landschaftsraum selbst, die starkes touristisches Potenzial im Saale-Holz- land-Kreis ausüben. Hervorzuheben sind das Saaletal sowie das Holzland, eine Hügellandschaft mit ausgedehnten Waldgebieten. Entsprechend sind Outdoor-Aktivitäten, wie Radfahren, Wandern, Kanu- und Schlauchboottouren im Landkreis sehr frequentiert. Mit dem Qualitätswanderweg Saale- Horizontale und dem Saaleradweg führen zwei überregional bekannte Wander- bzw. Radwege in Nord-Süd-Richtung entlang der Saale durch den Landkreis. Hinzukommen weitere regional bedeut- same Wander- und Radwege. Die wichtigsten sind die in Ost-West-Richtung verlaufenden Teilstre- cken des Radfernweges „Thüringer Städtekette“, des „Thüringer Mühlenradweges“, der „Mittelland- Route“, des „Kirchenradweges Jena-Thalbürgel“ und des „ Erneuerbare-Energien-Radweges“. Wei- tere gut ausgebaute Wanderrouten führen durch den Zeitzgrund, das Mühltal, rund um die Leuch- tenburg oder um die Dornburger Schlösser. Ein bislang weniger touristisch erschlossenes Gebiet ist das Elstertal. Der Ausbau einer naturnahen touristischen Infrastruktur und die daraus erwachsenden Chancen der Vermarktung gewinnen als Teil der touristischen Wirtschaftsförderung in der Tourismusregion „Saaleland“ an Bedeutung und sollen auch im Saale-Holzland-Kreis durch entsprechende Angebote gezielt weiterentwickelt werden. Aufgrund des teils noch lückenhaften und teils unsanierten Rad- und Wanderwegenetzes sind die laufende Instandhaltung, Erneuerung und Verknüpfung des Wege- netzes einer der Aufgabenschwerpunkte für die nächsten Jahre. Da sich die touristischen Angebote über den gesamten Landkreis verteilen und die ländliche Struktur die Erreichbarkeit einzelner Des- tinationen deutlich erschwert, muss zukünftig auch der Mobilitätsaspekt intensiver betrachtet werden (vgl. auch Kapitel 2.3.3 ÖPNV). Angestrebt wird durch den TTV auch eine verstärkte Vermarktung 95 Vgl. Thüringer Tourismusverband Jena-Saale-Holzland e.V.: Reisethemen KEM Kommunalentwicklung Mitteldeutschland GmbH                                                            Seite 50
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Saale-Holzland-Kreis                 Integriertes Regionales Entwicklungskonzept (IREK) – Bestandsanalyse 06/2021 regionaler Produkte. Dabei sollen nicht nur Speisen und Getränke, sondern alles rund um die „Thü- ringer Tischkultur“ zusammengefasst und unter dieser Marke entwickelt werden. Wichtig für den TTV ist es, hierbei einzelne Produkte zu marktfähigen und buchbaren Angebotsbausteinen unter Berück- sichtigung einer themen-, zielgruppen- und branchenübergreifenden Vernetzung zu verbinden. Unterstützend auf die touristische Entwicklung wirken die Grundsätze im Regionalplan Ostthürin- gen (Entwurf 2018). In diesem sind das Saaletal, der Zeitzgrund und das Mühltal als Vorbehaltsge- biete für Tourismus und Erholung dargestellt. Diese Gebiete gehören zu besonders attraktiven Land- schaftsräumen und sollen hinsichtlich ihrer Ausstattung mit touristischer Infrastruktur weiterentwickelt werden. Dornburg-Camburg, Kahla und Bürgel sind als Gemeinden mit überörtlich bedeutsamen Tourismusfunktionen in den Bereichen „Natur und Aktiv“ und „Kultur und Städte“ aus- gewiesen und als solche weiter zu stärken. In den vergangenen Monaten wurde ein gemeinsames Tourismus- und Marketingkonzept sowie ein darauf basierendes Organisationsentwicklungskonzept für die gemeinsame Region des heutigen Saale-Unstrut-Tourismus e. V. (Saale-Unstrut) und des Thüringer Tourismusverbandes Jena-Saale- Holzland e. V. (Saaleland) erarbeitet. Beherbergung Die statistischen Daten zur Beherbergung deuten insgesamt auf eine positive touristische Entwick- lung im Saale-Holzland-Kreis hin. Auch wenn die Anzahl der gewerblichen Einrichtungen und ange- botenen Betten sowie die durchschnittliche Aufenthaltsdauer seit 2000 rückläufig sind, kann der Landkreis insgesamt einen Besucherzuwachs verzeichnen. Die Zahl der Übernachtungen ist seit 96 2000, wie auch im gesamten Freistaat, wachsend. Die sinkende Anzahl an Betten und Beherber- gungseinrichtungen ist bei gleichzeitigem Anstieg der Übernachtungen aus betriebswirtschaftlicher Sicht der Beherbergungseinrichtungen positiv zu werten. Die durchschnittliche Auslastung der Bet- ten in den Einrichtungen liegt im Landkreis 2019 bei 53,2 % und damit deutlich über den Durch- schnittswerten des Freistaates Thüringen (41,8 %) und Jena (43,3 %). Während der Saale-Holzland-Kreis 2019 deutlich weniger Gästeankünfte (103.892) als die Stadt Jena (217.039) verzeichnet, ist durch die längere Aufenthaltsdauer der Übernachtungsgäste (3,6 vs. 1,7 Tage) die Anzahl der Übernachtungen im Saale-Holzland-Kreis (372.080) knapp größer als in der Stadt Jena (370.495). Der Vergleich der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer mit dem gesamten Freistaat Thüringen (3,6 vs. 2,5 Tage) ist ein Indiz für die besondere touristische Attraktivität des Saale-Holzland-Kreises. Nach dem Wartburgkreis und dem Landkreis Hildburghausen ist dies die dritthöchste durchschnittliche Aufenthaltsdauer in Thüringen. Deutliches Ausbaupotenzial besteht in der Erhöhung des Anteils der Auslandsgäste, der in Jena 2019 (31.433 Ankünfte, 61.298 Übernachtungen) deutlich höher ist als im Saale-Holzland-Kreis (8.367 Ankünfte, 21.999 Übernachtungen). Die Zahl der Übernachtungen durch Auslandsgäste im Saale-Holzland-Kreis war bis 2010 rückläufig. Seit etwa zehn Jahren ist ein leichter Anstieg erkenn- bar. Ein solcher Trend zeichnet sich auch in Jena ab. Im Freistaat Thüringen ist die Anzahl an Über- nachtungen durch Auslandsgäste seit 2001 leicht gestiegen. Insgesamt entspricht der Anteil von Übernachtungen durch Auslandsgäste im Landkreis dem Thüringer Durchschnitt. Der überdurch- schnittlich hohe Anteil in Jena ist u. a. mit den internationalen Verflechtungen der Unternehmen, dem hohen Forschungsgrad und dem Status als Studentenstadt zu erklären. 96 IHK Ostthüringen zu Gera: Die Entwicklung im Beherbergungsgewerbe im Saale-Holzland-Kreis KEM Kommunalentwicklung Mitteldeutschland GmbH                                                            Seite 51
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Saale-Holzland-Kreis                   Integriertes Regionales Entwicklungskonzept (IREK) – Bestandsanalyse 06/2021 Die meisten Ankünfte und Übernachtungen wurden im Landkreis 2019 in den Sommermonaten ver- zeichnet, die geringsten in den Wintermonaten. Dies deutet darauf hin, dass der Saale-Holzland- Kreis insbesondere in der warmen und gemäßigten Jahreszeit ein beliebtes Ausflugs- und Reiseziel darstellt. Über die Hälfte der Übernachtungen (205.188, Stand: 2019) und über ein Fünftel der Ankünfte 97 (22.644, Stand 2019) sind in der Gemeinde Bad Klosterlausnitz registriert. Durchschnittlich bleiben Gäste dort 9,9 Tage. Die touristische Bedeutung der Gemeinde ist u. a. auf den überregionalen Bekanntheitsgrad als Kur-/Gesundheitszentrum und dem Status als staatlich anerkanntes Heilbad zurückzuführen. 98 Beherbergungsstatistik für den Saale-Holzland-Kreis Durch-          Durchschnitt- Geöffnete                                          Darunter Angebo-           Übernach-                     schnittliche    liche Aufent- Beherber-                                          Auslands- tene Betten       tungen                        Bettenaus-      haltsdauer in gungsbe-                                           gäste lastung in %    Tagen triebe 2000          55                2.234             345.793         k. A.              42,0             4,3 2005          49                2.199             360.592         6,6 %              45,2             4,0 2010          51                2.065             362.027         4,8 %              47,6             3,7 2015          48                1.984             370.382         5,7 %              49,1             3,8 2019          41                1.814             372.080         5,9 %              53,2             3,6 Vergleich mit anderen Regionen (Stand: 2019) Stadt Jena    31                2.434             370.495         16,5 %             43,3             1,7 Thüringen     1.159             63.029            9.659.665       6%                 41,8             2,5 Tourismuswirtschaft Die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus für den Saale-Holzland-Kreis lässt sich nur schwer quantitativ darlegen. Grundsätzlich hängt sie vom Kaufkraftstrom ab, der durch Besucher und Gäste in den Landkreis fließt. Dieser Kaufkraftstrom belebt den Umsatz an Gütern und Dienstleistungen, schafft Einkommen und Arbeitsplätze. Für das Marktsegment der gewerblichen Einrichtungen kön- nen anhand der durchschnittlichen Aufenthaltstage und unter Bezugnahme durchschnittlicher Aus- gaben pro Person und Tag näherungsweise wirtschaftliche Effekte beziffert werden. Im Jahr 2019 konnte durch gewerbliche Einrichtungen ein Nettoumsatz von ca. 40.722.228 € generiert werden. Nicht inbegriffen in dieser Berechnung sind Übernachtungsgäste bei Familie und Freunden, Privat- vermietern und auf Campingplätzen, Gäste mit Nebenwohnsitz im Landkreis sowie Tagestouristen, sodass insgesamt ein deutlich höherer Nettoumsatz zu erwarten ist. Neben den gewerblichen Ein- richtungen profitieren direkt und indirekt verschiedenste Branchen, darunter u. a. Kultur- und Frei- zeiteinrichtungen, der Nahverkehr und Einzelhandel. 97 Thüringer Landesamt für Statistik, Daten abgerufen: November 2020 98 Vgl. ebenda, Daten abgerufen: November 2020 KEM Kommunalentwicklung Mitteldeutschland GmbH                                                              Seite 52
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Saale-Holzland-Kreis                   Integriertes Regionales Entwicklungskonzept (IREK) – Bestandsanalyse 06/2021 Wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus im Saale-Holzland-Kreis 201999 Markt-           Aufenthalts-         Ausgaben pro              Brutto- x                          =                  Abzug         Nettoumsatz segment          tage                 Person und Tag            umsatz Gewerbliche                                                                     Abzug ca. 372.080100       x 123,40     €101          = 45.914.672 €                   40.772.228,74 € Betriebe                                                                        11, 2% 2.5.5 Gewerbeflächen im Landkreis Gewerbestandorte Insgesamt sind im Saale-Holzland-Kreis 25 Gewerbegebiete mit bestätigten Bebauungsplänen mit einer Gesamtfläche von etwa 534 ha (Stand 2021) vorhanden. Die größten Gewerbegebiete liegen in Hermsdorf/Tridelta II (50,3 ha), Kahla/Camisch (45,8 ha), Mörsdorf/Trillersbüsche (32,6 ha) und St. Gangloff/Wachtelberg (31,8 ha). Ein weiteres Gewerbegebiet soll ab 2021 in Hermsdorf/Ost II mit einer Fläche von ca. 56 ha erschlossen werden. Bis auf ein Gewerbegebiet wurde die Erschließung der Gewerbegebiete im Rahmen der „Gemein- schaftsaufgabe zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) gefördert. Die Gewer- beflächen entstanden überwiegend verkehrsorientiert entlang der Bundesautobahnen 4 und 9 sowie entlang der Bundesstraßen 7 und 88. Eine Konzentration von Gewerbegebieten ist am Hermsdorfer Kreuz und in der Region Eisenberg feststellbar. Auffällig wenige Gewerbegebiete sind im nördlichen und südlichen Landkreis vorhanden. Insgesamt konnten mehr als drei Viertel der gewerblich nutzbaren Flächen bereits an Unternehmen verkauft werden. Etwa 120 ha stehen noch für eine Gewerbeansiedlung zur Verfügung. Etwa 20 % der Gewerbegebiete (u. a. in Mörsdorf, Crossen, Reichenbach, Eisenberg) sind bereits über 90 % und ein weiteres Viertel über 75 % belegt. Auch alle übrigen Gewerbegebiete sind bereits über die Hälfte belegt bzw. vermarktet. Dieser Vermarktungsstand kann als Erfolg gewertet werden. Die Gewerbegebiete sind verkehrstechnisch gut erschlossen. Defizite zeigen sich in erster Linie mit einer zum Teil unterdurchschnittlichen Breitbandversorgung und Mobilfunkabdeckung. Im Saale- Holzland-Kreis gibt es keine erheblichen Beeinträchtigungen durch gewerbebedingte Emissionen. Großindustrie, Industrieparks oder sonstige stark emittierende Anlagen, von den großflächige Be- lastungen ausgehen können, sind nicht vorhanden. Die Vermarktung der Restflächen gestaltet sich zunehmend schwierig. Zwölf Gewerbegebiete ver- fügen über freie Flächen von über 5,0 ha, darunter nur fünf Gebiete in Rothenstein/Schöps, Bad Klosterlausnitz, Kahla, Bollberg und Bucha mit einer Fläche über 10 ha. Zusammenhängende freie Flächen über 20 ha fehlen gänzlich. Es handelt sich demnach überwiegend um kleine Restflächen. In fünf Gebieten ist die freie Gewerbefläche mit unter 2,0 ha so gering, dass eine aktive Vermarktung oder Neuansiedlung von Unternehmen des produzierenden Gewerbes kaum in Erwägung zu ziehen 99 Eigene Berechnung auf Grundlage des Thüringer Landesamtes für Statistik und dwif consulting 2015: Wirtschafts faktor Tourismus für Thüringen 2014 100 Thüringer Landesamt für Statistik, Daten 2019, Daten abgerufen: November 2019 101 dwif consulting 2015: Wirtschaftsfaktor Tourismus für Thüringen 2014 KEM Kommunalentwicklung Mitteldeutschland GmbH                                                              Seite 53
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Saale-Holzland-Kreis                   Integriertes Regionales Entwicklungskonzept (IREK) – Bestandsanalyse 06/2021 ist. Diese Flächen sind als Bestandsflächen zu betrachten, die sich eher als Ergänzungs- oder Er- weiterungsflächen für bereits angesiedelte Betriebe, zur funktionellen Ergänzung des jeweiligen Ge- bietes (z. B. Stellplätze, (Ab-)Wasseraufbereitungsanlagen) oder als Reserve zur Ansiedlung von ergänzendem Handwerk und Dienstleistungen eignen. Angesichts stadtklimatischer Veränderungen in Folge des Klimawandels wäre als alternative Nutzung auch eine stärkere Begrünung der Gewer- begebiete, ggf. im Zuge von Ausgleichsmaßnahmen, vorstellbar. Gewerbe- und Industriegebiete im Saale-Holzland-Kreis Nr.    Name                                                   Fläche       Freie         Fläche        Auslas- gesamt       Fläche        belegt          tung 1      Gewerbepark A4 Saaletal                                4,2 ha       3,56 ha       0,6 ha        14,3 % 2      Bollberg                                               29,39 ha     12,4 ha       16,99 ha      57,8 % 3      Kahla/Camisch                                          45,8 ha      12,01 ha      33,79 ha      74,0 % 4      Bad Klosterlausnitz/Muna                               31,0 ha      11 ha         20,00 ha      64,5 % 5      Bucha/OT Schorba Industriepark Am Amselberg*           15,8 ha      10,7 ha       5,1 ha        32,3 % 6      Hermsdorf/Tridelta II                                  50,3 ha      8,85 ha       41,45 ha      82,4 % 7      Petersberg/Kuhberg                                     29,16 ha     8,41 ha       20,75 ha      69,7 % 8      Camburg/Tümpling                                       20,0 ha      8 ha          12,00 ha      60,0 % 9      Eisenberg/Wiesen                                       22,0 ha      6 ha          16,00 ha      72,0 % 10     Bucha/Pösener Weg                                      15,9 ha      5,5 ha        10,40 ha      65,4 % 11     Laasdorf                                               16,0 ha      5,47 ha       10,53 ha      65,8 % 12     Serba                                                  21,6 ha      5 ha          16,60 ha      76,9 % 13     Großlöbichau                                           12,0 ha      3,85 ha       8,15 ha       67,9 % 14     St. Gangloff/Wachtelberg                               31,8 ha      3,64 ha       28,16 ha      88,5 % 15     Bürgel                                                 10,3 ha      3,57 ha       6,73 ha       65,3 % 16     Hermsdorf/Ost I u. III                                 27,0 ha      3,38 ha       23,62 ha      87,5 % 17     Königshofen                                            17,57 ha     2,18 ha       15,39 ha      87,6 % 18     Zöllnitz/Lerchenfeld                                   6,84 ha      2,13 ha       4,71 ha       68,8 % 19     Crossen/Lange Wiese Rautenanger                        22,8 ha      1,92 ha       20,88 ha      91,6 % 20     Schöps/Mittleres Saaletal (Privat)                     4,26 ha      1,17 ha       3,09 ha       72,5 % 21     Reichenbach/West                                       19,3 ha      0,78 ha       18,52 ha      96,0 % 22     Mörsdorf/Trillersbüsche                                32,55 ha     0 ha          32,55 ha       100 % 23     Eisenberg/Nord                                         26,0 ha      0 ha          26,00 ha       100 % 24     Hainspitz/An der alten Bahn**                          17,2 ha      0 ha          17,2 ha        100 % 25     Bad Klosterlausnitz/An der Krümme                      5,2 ha       0 ha          5,2 ha         100 % Gesamt                                                        533,97 ha    119,52 ha     414,41 ha     77,6 % *   Gemeinsamer Bebauungsplan der Gemeinden Bucha und Magdala (Landkreis Weimarer Land), nachfolgend sind nur Flächen im Saale-Holzland-Kreis aufgeführt ** Es handelt sich um ein Gewerbe- und Mischgebiet. KEM Kommunalentwicklung Mitteldeutschland GmbH                                                              Seite 54
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Saale-Holzland-Kreis               Integriertes Regionales Entwicklungskonzept (IREK) – Bestandsanalyse 06/2021 Die Industrie- und Gewerbeflächen sind in Plan 4: Gewerbestandorte dargestellt. In der Gewerbeflächendatenbank der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen GmbH (LEG), in der Kommunen auf freiwilliger Basis Angaben zu ihren Industrie- und Gewerbeflächen eintragen können, sind weitere Gewerbestandorte gelistet. Die Angaben in der Gewerbeflächendatenbank der LEG und auf der Internetseite des Saale-Holzland-Kreises sind nicht immer identisch. Dies betrifft neben den Gewerbestandorten selbst auch Informationen zur Gebietsgröße und den noch verfüg- baren Bauflächen. Hier sollten eine engere Abstimmung und Aktualisierung erfolgen. Potenziale bestehen bei der Gewerbeflächenentwicklung für Kooperationen mit der Stadt Jena. In der Vergangenheit gab es bereits erste Schritte, u. a. mit dem Projekt „Standortinitiative JenAreal 21“ der LEG, Stadt Jena und dem Saale-Holzland-Kreis zwischen 2002 und 2006. Gewerbeflächenpotenziale Insbesondere in den wirtschaftsstarken Regionen rund um Eisenberg und Hermsdorf gibt es, vor- rangig durch Bestandsbetriebe, Anfragen nach verfügbaren Gewerbeflächen und gewerblichen Ein- richtungen. In Anbetracht der bereits hohen Flächenausnutzung und den teilweise nicht bedarfsge- rechten Gewerbeflächen (ungünstiger Flächenzuschnitt, unzureichende infrastrukturelle Ausstattung, fehlende Erschließung) ist es erforderlich, neue Gewerbeflächen auszuweisen bzw. die medienseitige Erschließung vorhandener Gewerbegebiete zu verbessern. Angesichts der Standort- vorteile entlang der Hauptverkehrsachsen und vor dem Hintergrund einer nachhaltigen Nutzung inf- rastruktureller Kapazitäten sollten sich auch zukünftige Gewerbeflächenentwicklungen entlang der Achsen orientieren. Bei der Flächenbereitstellung sind jedoch auch die z. T veränderten Standort- anforderungen von Unternehmen und die Auswirkungen der Megatrends zu berücksichtigen. Der zunehmende Umwelt- und Klimaschutz, aber auch die Digitalisierung werden die Entwicklung der lokalen Wirtschaft und damit auch die Nachfrage nach Gewerbeflächen beeinflussen. Das bedeutet einerseits ein Flächenrecycling, d. h. die Wiedernutzung von Brachflächen und Altstandorten zu fo- kussieren, um eine Flächenneuinanspruchnahme zu vermeiden und dadurch die Kulturlandschaft durch weitere Siedlungsausdehnung nicht zu beeinträchtigen. Mit der Digitalisierung verändern sich zudem Produktions- und Arbeitsformen. Unternehmen sind digital stärker vernetzt und standortun- abhängiger. Größere Potenzialflächen für Gewerbestandorte sind u. a. -   IG Hermsdorfer Kreuz/Schleifeisen (100 ha), -   IG Hermsdorf Ost III (für arbeitsplatzwirksame Unternehmen), -   Erweiterung Gewerbegebiet Tridelta, -   Innerörtliche Flächen in Eisenberg, -   Zöllnitz (10 ha). Die Ausweisung neuer Gewerbestandorte durch Neuaufstellung/Änderung von Bebauungsplänen gestaltet sich in vielen Städten und Gemeinden aufgrund eines fehlenden Flächennutzungsplanes schwierig. Zusätzlich erschweren Eigentumsverhältnisse die Entwicklung einiger Standorte. Zur Unterstützung gewerblicher und industrieller Aktivitäten weist der Regionalplan Ostthüringen (Entwurf 2018) Vorranggebiete für großflächige Industrieansiedlungen aus: IG-3 Hermsdorf Ost III und IG-4 Hermsdorfer Kreuz/Schleifreisen. KEM Kommunalentwicklung Mitteldeutschland GmbH                                                          Seite 55
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