Konzept

Dieses Dokument ist Teil der Anfrage „MRI-Studie zu Nährwertkennzeichnung

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sammensetzung aufweisen [89, 90]. Dadurch würden bei konsequenter Wahl günstig bewerteter Produkte und beim Vermeiden ungünstig bewerteter Produkte VerbraucherInnen u. a. weniger Energie, gesättigte Fettsäuren, Zucker und Salz aufnehmen . Es gibt jedoch Kritikpunkte, das Health Star Rating bewerte ernährungsphysiolo- 1 gisch ungünstige Produkte („discretionary foods“ ) häufig zu gut [89, 90, 92, 93]. I.3   Hat das NWK-Modell einen Einfluss auf die Produktzusammensetzung? Ja, mit diesem NWK-Modell bewertete Produkte wurden hinsichtlich Energiedich- te, Salz- und Ballaststoffgehalts im gleichen Zeitraum nach der Einführung des NWK-Modells „stärker reformuliert“ als Produkte ohne derartige Bewertung [94]. Zu Artikel 35 LMIV: Erfüllt die NWK die Anforderungen des Artikels 35 Absatz 1? a) sie beruht auf fundierten und wissenschaftlich haltbaren Erkenntnissen der Verbraucherforschung und ist für VerbraucherInnen nicht irreführend im Sin- ne des Artikels 7 Inwieweit das NWK-Modell nicht irreführend im Sinne des Artikels 7 ist, ist juristisch zu bewerten. Weitergehende Informationen zur Verbraucherforschung finden sich un- ter den Punkten H und I. b) ihre Entwicklung ist das Ergebnis der Konsultation einer Vielzahl von Grup- pen betroffener Akteure Weitergehende Informationen hierzu finden sich unter Punkt A c) sie sollen VerbraucherInnen das Verständnis dafür erleichtern, welchen Bei- trag das Lebensmittel für den Energie- und Nährstoffgehalt einer Ernäh- rungsweise leistet oder welche Bedeutung es für sie hat Die „Initiatoren“ des NWK-Modells haben diesen Anspruch entsprechend auf deren Internetseite formuliert:    http://healthstarrating.gov.au/internet/healthstarrating/publishing.nsf/Co ntent/About-health-stars Weitergehende Informationen hierzu finden sich unter Punkt H d) es gibt wissenschaftlich haltbare Nachweise dafür, dass diese Formen der Angabe oder Darstellung von DurchschnittsverbraucherInnen verstanden werden 1 Lebensmittel, welche hohe Gehalte an gesättigten Fettsäuren, Zucker, Salz und/oder Alkohol und somit eine hohe Energiedichte aufweisen. Diese Lebensmittel tragen nicht zur Deckung des Nährstoffbedarfs bei [91]. 46
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Weitergehende Informationen hierzu finden sich unter Punkt H.2 e) sie basieren, im Falle anderer Formen der Angabe, entweder auf den in An- hang XIII genannten harmonisierten Referenzmengen oder, falls es solche nicht gibt, auf allgemein akzeptierten wissenschaftlichen Empfehlungen in Bezug auf die Zufuhr von Energie und Nährstoffen Weitergehende Informationen hierzu finden sich unter Punkt D.4 f) sie sind objektiv und nicht diskriminierend juristisch zu bewerten g) ihre Anwendung beeinträchtigt nicht den freien Warenverkehr juristisch zu bewerten 47
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5. Zusammenfassende Bewertung der NWK-Modelle In diesem Kapitel wird eine zusammenfassende Bewertung der in Kapitel 4 beschrie- benen und einzeln bewerteten NWK-Modelle vorgenommen. Hierzu werden die NWK- Modelle für die drei Modellgruppen jeweils gebündelt bewertet. In Tabelle 2 findet sich zunächst ein Überblick der Einzelbewertungen. Tabelle 2: Überblick der Einzelbewertungen der NWK-Modelle anhand der Optimumkriterien Modell- Darstellung einzelner Nährwerte        Positivkennzeichnungen      Mischformen gruppe NWK- Modelle     brit.                              1+4                                Nutri- Evolved                                              finn.           Health Nähr-                    Ital.    System                              Score® Nutrition                     Keyhole     Choices    Heart            Star wert-                  System       des Label                                             Symbol           Rating ampel                             BMELV Kriterien A                     x                                                            B                               ?                x           x         x              C.1        x            x           x         x      x           x         x              C.2                                                                                D.1                    x           x         x                                        D.2        x            x           x         x                                        D.3        x            x           x         x                                        D.4                                                                                E                                x         x                                        F                                x         x                                        G.1                              ?                                                  G.2                               ?         x                                        H.1                   ?           ?          ?                                        H.2                              ?          ?                 x         ?              I.1                   ?           ?          ?                          ?              I.2                   ?           ?          ?                                        I.3        ?           ?           ?          ?      ?                    ?     ?               ja                                         bedingt x     nein                                    ?   nicht bekannt 48
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Ein Optimumkriterium wird von allen NWK-Modellen erfüllt: Die Bewertungsgrundlage ist wissenschaftlich fundiert (D.4). Zwei weitere Kriterien werden von fast allen NWK-Modellen erfüllt: Mit Ausnahme des Evolved Nutrition Labels, das allein von fünf Unternehmen der Ernährungswirtschaft entwickelt wurde, wurden alle anderen NWK-Modelle gemeinsam von mehreren Ak- teursgruppen (A) erarbeitet. Auch die Adressatengruppe (F) ist bei fast allen NWK- Modellen, gemäß Optimumkriterium, die Breite der Bevölkerung (ausgenommen das italienische System und 1+4 System des BMELV). Bei fast allen NWK-Modellen der Modellgruppen „Darstellung einzelner Nährwerte“ und „Positivkennzeichnung“ ist die Vergleichbarkeit vorgefertigter Produkte innerhalb einer Produktgruppe (C.2) nur bedingt gewährleistet . Keines der bewerteten NWK-Modelle sieht bisher eine Einschränkung in Bezug auf die Adressatengruppe der Kinder vor, lediglich zwei der hier bewerteten NWK-Modelle nehmen explizit Säuglingsnahrung von der Kennzeichnung aus. Da für Kinder der Energie- und Nährstoffbedarf je nach Altersgruppe variiert, können auch keine einheit- lichen spezifischen Kriterien für Kinder zugrundegelegt werden. 5.1 Modellgruppe „Darstellung einzelner Nährwerte“ Grundsätzlich sind die vier NWK-Modelle dieser Gruppe (britische Nährwertampel, Evolved Nutrition Label, italienisches System, 1+4 System des BMELV) geeignet, alle vorgefertigten Produkte zu kennzeichnen. Bei den in dieser Kategorie bewerteten NWK-Modellen handelt es sich, mit Ausnahme der britischen Nährwertampel, um Modellentwürfe. Sie sind (noch) nicht in Supermärk- ten verfügbar. Für das Kriterium Verbraucherfreundlichkeit liegen daher bei diesen drei NWK-Modellen nur zum Teil bzw. keine literaturbasierten Hinweise vor. Für die briti- sche Nährwertampel zeigt die Studienlage hingegen, dass dieses NWK-Modell auf- grund seiner farblichen Gestaltung von VerbraucherInnen gut wahrgenommen und verstanden wird und es kein tiefergehendes Ernährungswissen voraussetzt. Dennoch weisen alle vier NWK-Modelle, selbst bei guter Datenlage aus wissenschaftli- chen Studien, einige Limitierungen auf: Bei keinem der aufgeführten NWK-Modelle handelt es sich um ein Stufenmodell, Nährstoffe werden nicht zusammengefasst be- wertet und es werden neben ungünstigen keine günstigen Nährstoffe berücksichtigt. Darüber hinaus nutzen die NWK-Modelle, abgesehen von der britischen Nährwertam- pel, Portionsgrößen und nicht die als Optimumkriterium angesetzten 100 g bzw. 100 ml als Bezugsgröße. Insbesondere bei nicht harmonisierten Portionsgrößen kann dies den VerbraucherInnen den Vergleich von Produkten innerhalb derselben Produktgruppe erschweren. Die wissenschaftliche Datenlage zu einem günstigen Einfluss auf die Produktzu- sammensetzung, die Produktauswahl und die Nährstoffzufuhr bzw. den Ernäh- 49
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rungs- und Gesundheitsstatus ist für diese Modellgruppe sehr limitiert bzw. fehlt: Für die britische Nährwertampel liegen Hinweise aus theoretischen Szenarien vor, dass dieses NWK-Modell die Nährstoffzufuhr potentiell günstig beeinflussen könnte. Im Hinblick auf einen günstigen Einfluss der NWK-Modelle dieser Modellgruppe auf die Produktauswahl der VerbraucherInnen ist die Studienlage nicht eindeutig. Zu Re- fomulierungserfolgen, die sich auf die NWK-Modelle zurückführen lassen, liegen kei- ne Untersuchungen vor. Bewertung dieser Modellgruppe: Keines der vier hier bewerteten NWK-Modelle (britische Nährwertampel, Evolved Nutrition Label, italienisches System, 1+4 System des BMELV) wird vom MRI als NWK-Modell für Deutschland empfohlen. 5.2 Modellgruppe „Positivkennzeichnungen“ In dieser Modellgruppe, bestehend aus den NWK-Modellen Keyhole®, Choices und dem finnischen Heart Symbol, werden viele der Optimumkriterien erfüllt. Alle Positivkennzeichnungen sind interpretative NWK-Modelle, sie setzen kein tiefer- gehendes Ernährungswissen voraus. Als Bezugsgröße wird bei allen NWK-Modellen dieser Modellgruppe der als optimal angesetzte Bezug pro 100 g bzw. 100 ml genutzt. Positiv hervorzuheben ist darüber hinaus die zusammenfassende Bewertung günstiger wie ungünstiger Inhaltsstoffe und der Umstand, dass bestimmte Produktgruppen mo- dellabhängig von einer Positivkennzeichnung ausgenommen sind, wie beispielsweise alkoholische Getränke oder Säuglingsnahrung beim Choices-Modell. Positivkennzeichnungen kennzeichnen gezielt diejenigen Produkte, die innerhalb einer Produktgruppe als günstig bewertet wurden („best in class“), damit diese sich von den nicht gekennzeichneten (und damit ungünstiger zu bewertenden) Produkten abheben. In der Theorie ermöglichen Positivkennzeichnungen daher zwar den Vergleich zwi- schen Produkten mit (günstig) und ohne Kennzeichnung (ungünstig), in der Praxis können VerbraucherInnen dies jedoch nicht differenzieren. Denn aufgrund der freiwilli- gen FoP-Kennzeichnung ist bei Produkten ohne Kennzeichnung nicht erkennbar, ob das betreffende Produkt weniger günstig ist oder ob das Herstellerunternehmen nicht an der Kennzeichnung teilnimmt. Darüber hinaus ist es aufgrund der Art des NWK- Modells nicht möglich, zwei positiv gekennzeichnete Produkte differenziert miteinander zu vergleichen, ebenso wenig wie zwei nicht gekennzeichnete Produkte. Positivkenn- zeichnung bedeutet insgesamt betrachtet auch, dass nicht alle vorgefertigten Produkte eine Kennzeichnung tragen werden. Keines der NWK-Modelle dieser Modellgruppe gehört zu den Stufenmodellen, die eine differenzierte Bewertung der Produkte erlauben. 50
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Generell ist bei der Modellgruppe „Positivkennzeichnungen“ kritisch anzumerken, dass es als unbeabsichtigte Konsequenz zu einem übermäßig hohen Verzehr dieser Pro- dukte kommen könnte. Die wissenschaftliche Datenlage für einen günstigen Einfluss auf die Produktzu- sammensetzung, die Produktauswahl und die Nährstoffzufuhr bzw. den Ernäh- rungs- und Gesundheitsstatus ist für diese Modellgruppe uneinheitlich: Im Hinblick auf einen günstigen Einfluss auf die Produktauswahl der VerbraucherIn- nen, die die NWK-Modelle Keyhole und Choices nutzten, sind die Studienergebnisse nicht eindeutig. Beim finnischen Heart Symbol liegen keine Studien vor. Die Nährstoff- zufuhr hingegen würde bei konsequenter Wahl gekennzeichneter Produkte ernäh- rungsphysiologisch günstig beeinflusst im Vergleich mit dem Verzehr nicht gekenn- zeichneter Produkte. Dies ergaben Studien mittels theoretischer Szenarien auf Basis repräsentativer Verzehrsdaten. Inwieweit Positivkennzeichnungen zu Impulsen für die Ernährungswirtschaft geführt haben, vorgefertigte Produkte zu reformulieren, kann mangels entsprechender Studien nicht bewertet werden. Bewertung dieser Modellgruppe: Keines der NWK-Modelle der Positivkennzeichnungen wird vom MRI als NWK-Modell für Deutschland empfohlen. 5.3 Modellgruppe „Mischformen“ Sowohl der Nutri-Score® als auch das Health Star Rating erfüllen nahezu alle Opti- mumkriterien. Beide NWK-Modelle dieser Gruppe ermöglichen die Kennzeichnung aller vorgefertig- ten Produkte, wobei auch hier bestimmte Produktgruppen modellabhängig von der Kennzeichnung ausgenommen sind (z. B. Säuglingsnahrung oder alkoholische Ge- tränke beim Health Star Rating). Bei diesen NWK-Modellen handelt es sich um Stu- fenmodelle. Diese ermöglichen einen differenzierteren Vergleich von Produkten der- selben Produktgruppe. NWK-Modelle der „Mischformen“ sind interpretativ und legen VerbraucherInnen eine günstige bzw. ungünstige Produktwahl eindeutig nahe. Indem sie bei den VerbraucherInnen kein tiefergehendes Ernährungswissen voraussetzen, sind sie für alle Verbrauchergruppen geeignet. Positiv hervorzuheben ist die Verwendung der Bezugsgröße 100 g bzw. 100 ml und eine zusammenfassende Bewertung günstiger und ungünstiger Inhaltsstoffe. Das Health Star Rating nutzt darüber hinaus zusätzlich Aspekte eines Schwellenwertmo- dells, um neben einer zusammenfassenden Bewertung auch einzelne Nährstoffe dar- zustellen und zu bewerten. Dies erweitert den Informationsgehalt des NWK-Modells insbesondere für VerbraucherInnen-Gruppen, die auf einzelne Nährstoffe achten. Die 51
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Verbraucherfreundlichkeit dieses NWK-Modells ist damit, abgesehen von seiner mono- chromen Farbgebung, durch die Kombination aus Detailliertheit bei den Nährstoffen und gesundheitlicher Gesamtbewertung als hoch einzustufen. Generell ist bei der Modellgruppe „Mischformen“ kritisch anzumerken, dass es als un- beabsichtigte Konsequenz zu einem übermäßig hohen Verzehr dieser Produkte kom- men könnte. Die wissenschaftliche Datenlage für einen günstigen Einfluss auf die Produktzu- sammensetzung, die Produktauswahl und die Nährstoffzufuhr bzw. den Ernäh- rungs- und Gesundheitsstatus ist auch für diese Modellgruppe uneinheitlich: Für beide NWK-Modelle liegen keine eindeutigen Studienergebnisse im Hinblick auf einen günstigen Einfluss der NWK-Modelle auf die Produktauswahl vor. Beim Health Star Rating wurde ein potentieller Einfluss des NWK-Modells auf die Nährstoffzufuhr beschrieben, der in der Folge zu einer Verbesserung des Ernährungsstatus führen und so das Risiko für ernährungsbedingte Erkrankungen reduzieren kann. Beim Nutri- Score® ist diese Risikosenkung bereits beschrieben worden. Die Kennzeichnung von Produkten mit dem Health Star Rating führte zu einer stärkeren Reformulierung be- stimmter Nährstoffe im Vergleich zu Produkten ohne derartige Kennzeichnung. Für Nutri-Score® liegen diesbezüglich keine Daten vor. Bewertung dieser Modellgruppe: Nach vorliegender Studienlage bewertet das MRI die beiden NWK-Modelle Nutri- Score® und Health Star Rating als grundsätzlich vorteilhaft für die FoP- Nährwertkennzeichnung. Der Nutri-Score® setzt dabei ganz auf eine zusammenfas- sende und interpretative Kennzeichnung, die von VerbraucherInnen wahrgenommen und verstanden wird. Das Health Star Rating verknüpft die zusammenfassende und interpretative Bewertung mit der Kennzeichnung einzelner Nährwerte und erweitert somit die Nützlichkeit für bestimmte VerbraucherInnengruppen. Optimierungsbedarf besteht bei diesem NWK-Modell bzgl. der Wahrnehmung der Kennzeichnung durch VerbraucherInnen. 52
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6. Fazit und Empfehlungen Fazit Sowohl aus ernährungsphysiologischer als auch aus sozialwissenschaftlicher Sicht sind die beiden NWK-Modelle Nutri-Score® und Health Star Rating als grundsätzlich vorteilhaft für eine FoP-Nährwertkennzeichnung vorgefertigter Produkte für Verbrau- cherInnen anzusehen (s. Kapitel 5.3). Aus Sicht des MRI sollte sich die Weiterentwick- lung einer FoP-Nährwertkennzeichnung für Deutschland daher an diesen beiden Mo- dellen orientieren. Empfehlungen für die Weiterentwicklung eines NWK-Modells Mit Blick auf das übergeordnete Ziel, die Gesundheit der VerbraucherInnen in Deutsch- land dauerhaft zu verbessern, werden derzeit zwei Handlungsstränge verfolgt: Zum einen sollen die Reformulierungsbestrebungen der Produkthersteller bezüglich der drei Nährstoffe Zucker, Salz und Fett in vorgefertigten Produkten unterstützt werden. Zum anderen wird die Produktauswahl durch die VerbraucherInnen als eine entschei- dende Zielgröße gesehen, an der mit einer FoP-Nährwertkennzeichnung angesetzt werden kann. Wird durch die Nährwertkennzeichnung der Absatz günstiger bzw. un- günstiger bewerteter Produkte gesteigert bzw. gesenkt, kann dies wiederum Reformu- lierungsbestrebungen der Ernährungswirtschaft verstärken. Das MRI schlägt vor, bei der Weiterentwicklung eines NWK-Modells für Deutschland folgende Aspekte in Betracht zu ziehen, damit VerbraucherInnen die Möglichkeit ha- ben, günstiger zu bewertende Produkte vermehrt und ungünstiger zu bewertende Pro- dukte seltener auszuwählen:     Eine FoP-Nährwertkennzeichnung sollte verpflichtend sein und so den Verbrau- cherInnen den Vergleich aller vorgefertigten Produkte erlauben [8, 18].     Derzeit besteht nach LMIV für die Hersteller vorgefertigter Produkte die Möglichkeit der freiwilligen Nutzung mehrerer voneinander unabhängiger NWK-Modelle. Da die gleichzeitige Verwendung mehrerer Modelle irreführend sein könnte und so zu Fehlinterpretationen bei den VerbraucherInnen führt, sollte in Deutschland lediglich ein NWK-Modell verwendet werden [8, 18].     Das geplante NWK-Modell auf vorgefertigten Produkten sollte einheitlich und möglichst standardisiert, u. a. hinsichtlich Design, Farbgebung, Größe und Posi- tionierung gestaltet sein, unter Zulassung möglichst weniger Variationen. So kann seine Wiedererkennung durch VerbraucherInnen gesteigert werden.     Würde im Prozess der Weiterentwicklung das bislang monochrome NWK-Modell Health Star Rating in den Fokus gerückt, sollte die Wahrnehmbarkeit des Modells für VerbraucherInnen noch verbessert werden. Dies könnte beispielsweise über die 53
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Hinzunahme einer farblichen Abstufung erreicht werden, die sich beim NWK- Modell Nutri-Score® für die gesundheitliche Gesamtbewertung als besonders ver- braucherfreundlich erwiesen hat (vgl. Kriterium H in Kapitel 4.3.1). Die Verknüpfung der 10-stufigen Bewertung des Health Star Ratings mit der 5-stufigen Farbgestal- tung vom NWK-Modell Nutri-Score® würde eine noch differenziertere Darstellung des zusammenfassenden Gesamtindikators ermöglichen.  Damit die VerbraucherInnen die Botschaften des NWK-Modells verstehen, ihnen vertrauen und sie als Entscheidungsgrundlage nutzen, ist eine umfangreiche me- diale Begleitung in Deutschland unabdingbar.  Hintergrundinformationen zum NWK-Modell sollten für die Allgemeinbevölkerung und Ernährungsexperten offen zur Verfügung stehen.  Aus Sicht des MRI sollten an Kinder adressierte Produkte von der Kennzeich- nung ausgenommen werden, da sich alle NWK-Modelle an den Referenzmengen einer moderat körperlich aktiven erwachsenen Frau (siehe Anhang) orientieren.  Das geplante NWK-Modell sollte auch geeignet sein, der Ernährungswirtschaft Im- pulse für die Reformulierung vorgefertigter Produkte zu geben. Das MRI geht davon aus, dass bei Berücksichtigung der oben genannten Aspekte eine Impuls- wirkung für die Wirtschaft stattfindet.  Es wird empfohlen, vor der Einführung des zu entwickelnden NWK-Modells Wir- kungsstudien durchführen zu lassen. Mit der Methodik dieser Studien ließe sich zum einen feststellen, ob das NWK-Modell geeignet ist, eine günstigere Produkt- auswahl der VerbraucherInnen zu bewirken und zum anderen, ob sich ggf. vorge- nommene Reformulierungen seitens der Ernährungswirtschaft auf das NWK-Modell kausal zurückführen lassen.  Die Produktauswahl von VerbraucherInnen wird von einer großen Vielfalt an Fakto- ren beeinflusst, die in einem komplexen Zusammenspiel wirken. Ein NWK-Modell stellt hierbei nur einen von vielen potentiellen Einflussfaktoren dar. Die Pro- duktauswahl kann daher, beeinflusst durch andere gewichtige Faktoren, grundsätz- lich unabhängig von der Nährwertkennzeichnung erfolgen. Zusätzlich zur Weiter- entwicklung eines NWK-Modells sollten weitere Maßnahmen für ein ernährungs- physiologisch günstigeres Ernährungsverhalten verstärkt werden. 54
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