Klimaschutzkonzept

Dieses Dokument ist Teil der Anfrage „Ihre Klimastrategie & Klimabilanz

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Klimaschutzkonzept der Universität Potsdam Ein weiterer großer Bereich der Mobilität sind die Dienstreisen. Der Status der Emissionen aus den dienstlichen Kurzstreckenflügen ist einer Mischform aus institutionellem Einflussbereich der Universität (deutliche Erschwerung der Beantragung solcher Flüge) und dem Nutzerverhalten zuzurechnen, während Mittel- und Langstrecke mangels praktikabler Alternativen eher der Domäne der Beeinflussung von Nutzerverhalten zuzurechnen sind. Auch die Möglichkeit über CO2-Kompensation liegt nicht vollständig im Entscheidungsbereich der Universität. Bei den Liegenschaften fallen ca. 32 % der gesamten Emissionen der UP an (vgl. Abbildung 31). Die Bereitstellung von Wärme ist dabei der größere Faktor im Vergleich zum Strom. Wie bereits dargelegt, fallen die für eine Emissionsreduktion erforderlichen Entscheidungen über Neubauten und große Bauerhaltungsinvestitionen in den Einflussbereich des BLB. Hier kann die Universität -weil eine zentrale Gebäudeleittechnik bereits installiert ist- höchstens 5 % des Energieverbrauchs einsparen. Hinzu kommen maximal 15 % Einsparungen durch Nutzerverhalten, so dass die restlichen 80 % primär im Bereich des BLB liegen. Dies bedeutet, dass nur wenige Emissionen im direkten Einflussbereich der Universität stehen, dies sind Einsparungen durch die Optimierung der Gebäudeleittechnik, Beschaffung und Entsorgung sowie die Elektrizität. Allerdings sind durch den Schritt zu zertifiziertem Ökostrom die Emissionen im Bereich der elektrischen Energie schon deutlich gefallen. Einige Emissionen sind indirekt durch den Einfluss auf das Nutzerverhalten der Hochschulangehörigen beeinflussbar, dazu gehören die Emissionen durch Dienstreisen, Pendeln mit dem Auto, teilweise Wärme & Strom sowie Beschaffung/Entsorgung. Die Universität wird sich bemühen, auch die Verringerung von Emissionen in den Bereichen Liegenschaften und Mobilität, die außerhalb ihres Entscheidungsbereichs liegen, in Gesprächen mit ihren Kooperationspartnern BLB und den Potsdamer Verkehrsbetrieben bzw. der Bahn zu befördern. Im Feld der Mobilität ist hier insbesondere das Firmenticket und die Verbesserung der ÖPNV-Verbindungen zu nennen. Die Emissionen der Dienstreisen sind also größtenteils der Beeinflussung durch Nutzerverhalten zuzurechnen. Ebenso dem Nutzerverhalten zuzurechnen sind die Emissionen der Pendelbewegungen mit dem Auto und ein Teil der Emissionen durch Beheizung der Gebäude. Insgesamt liegt hier das Einsparpotential durch die Angehörigen der Universität selbst bei ca. 5.700 t. Es ergibt sich also folgendes Gesamtbild: Tabelle 20: Abschätzung der Emissionen nach Einflussbereich Einflussbereich                                      Emissionen Infrastruktur Bahn und ViP                           10.400 t BLB                                                  5.000 t Verhalten der Hochschulangehörigen                   5.700 t Kurzstreckenflüge                                    220 t Durch Uni institutionell beeinflussbar               23.00 t Institutionell beeinflussbar nach Ökostrom           950 t Januar 2020                                                                                                 50 von 166
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Klimaschutzkonzept der Universität Potsdam 5.5             Vergleich            der        Bilanzierungsergebnisse                         zu        anderen Universitäten Die Kennzahlen zu den CO2-Emissionen in Abschnitt 5.3, in der alle ermittelten Emissionen für Bezugs- und Bilanzjahr zusammengefasst wurden, sind für sich gestellt, zunächst nur für die Nachverfolgung von zukünftigen Erfolgsindikatoren geeignet. Ohne einen Kontext lässt sich damit nicht bewerten, ob die Bilanzkennzahlen der UP hoch oder niedrig liegen. Hierfür bietet es sich an, einen Vergleich zu anderen Hochschulen herzustellen, was im folgenden Abschnitt erläutert wird. Diesem Vergleich voranzustellen ist, dass es keine festgelegte Bilanzierungsmethodik für Klimaschutzkonzepte an Universitäten und Hochschulen gibt. Dies und die Diversität in der deutschen Hochschullandschaft schränken den Vergleich der Universitäten untereinander ein. So divers die Universitäten und Hochschulen mit ihren Studierenden- und Mitarbeiterzahlen und ihren Profilen sowie Gebäudetypologien sind, so unterschiedlich sind die Herangehensweisen an die Bilanzierung in den einzelnen Konzepten. Am besten vergleichbar ist der Nachhaltigkeitsbericht der ETH Zürich. Dort bilanziert man nach dem GHG Protocol (siehe Abschnitt 5.1), das der hier angewendeten Bilanzierung nach DIN EN 14064 nahekommt. An anderen Universitäten wurden bspw. ausschließlich die Liegenschaften und deren Endenergieverbrauch betrachtet. Folgende Konzepte und Berichte wurden für den Vergleich herangezogen. Innerhalb des Integrierten Klimaschutzkonzeptes für die Leibniz Universität Hannover wurde bereits ein Vergleich zu den Hochschulen TU Berlin, Freie Universität Berlin und TU Braunschweig gezogen. Aus diesem Grund beziehen sich diese Vergleiche auf dieses übergeordnete Konzept. Tabelle 21: Zusammenstellung der zum Vergleich herangezogenen Klimaschutzkonzepte anderer Hochschulen Hochschule                                 Herangezogener Bericht Zweiter Bericht zur Nachhaltigkeit in Forschung, Lehre und Betrieb (2014- Uni Kassel 2016) (26) Leibniz Uni Hannover                      Integriertes Klimaschutzkonzept für die Leibniz Universität Hannover (27) ETH Zürich                                Sustainability Report 2017/2018 (28) Hochschule Osnabrück                      Klimaschutz-Teilkonzept (29) Leuphana Uni Lüneburg                     Klimaneutrale Universität (30) TU Berlin                                 Integriertes Klimaschutzkonzept für die Leibniz Universität Hannover (27) Freie Uni Berlin                          Integriertes Klimaschutzkonzept für die Leibniz Universität Hannover (27) TU Braunschweig                           Integriertes Klimaschutzkonzept für die Leibniz Universität Hannover (27) Uni Flensburg                             Integriertes Klimaschutzkonzept Flensburg (31) Die Vergleichswerte sind also eher eine Orientierung zur Einordnung der UP in den Kontext anderer Hochschulen als ein echter Bewertungsmaßstab. Die betrachteten spezifischen Werte wurden oftmals auf verschiedene Datenbasen bezogen und ergeben somit eine weitere Ungenauigkeit. Beispielsweise wurde der Energieverbrauch pro Person bei den Universitäten unterschiedlich angegeben. Einige haben den Verbrauch je Studierenden, andere je Hochschulangehöriger (Studierende und Mitarbeiter*innen) oder unspezifiziert je Person angegeben. Zur Vereinfachung und aufgrund der ungenauen Datenbasis wird in dem hier vorgelegten Klimaschutzkonzept die unspezifizierte Form Person als Bezugsgröße gewählt. Für die Bilanz der UP wird dabei davon ausgegangen, dass hierin alle Universitätsangehörigen, also Studierende und Mitarbeiter*innen inkludiert sind. Unklar ist zudem, welche Flächenart für die spezifischen Energieverbrauchswerte herangezogen wurde. Im Falle der UP ist die Nettogeschossfläche (NGF) die maßgebende Größe. Wird aber beispielsweise die Bruttogeschossfläche (BGF, d.h. Nettogrundfläche plus Konstruktionsflächen von Wänden) herangezogen, ändern sich die spezifischen Werte in etwa um den Faktor 0,8-0,9 (abhängig von der Gebäudeart (32)). Das bedeutet, dass die NGF entsprechend um diesen Faktor multipliziert werden muss. Im Kapitel 5.2.1 wird auf die Unterscheidung zwischen der BGF und der NGF im Hinblick auf die Benchmarkbewertung eingegangen. So wird der NGF-spezifische Verbrauchswert in von 196,3 kWh/m² NGF Januar 2020                                                                                                       51 von 166
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Klimaschutzkonzept der Universität Potsdam (Querschnitt alle Liegenschaften und alle Energiearten der UP) zu einem BGF-spezifischen Verbrauchswert von 170,8 kWh/ m²BGF. Nicht bei allen Konzepten wird die genutzte Bezugsfläche aus dem Bericht heraus klar. Eine weitere Quelle von Unterschieden stellt der Bezugszeitraum dar. Überwiegend wurde jeweils ein Jahr bilanziert, einige Klimaschutzkonzepte haben als Bilanzzeitraum mehrere Jahre. In diesem Fall wurde oftmals ein Mittelwert der Jahresverbräuche gebildet. In Abbildung 32 ist der flächenspezifische Energieverbrauch einiger Universitäten im Vergleich dargestellt. Die UP liegt mit 196,3 kWh/m² im oberen Bereich, etwa gleichauf mit TU Braunschweig, TU Berlin oder der Leuphana Universität Lüneburg. Zu begründen ist ein hoher Energieverbrauch vor allem mit älteren Gebäuden, die nicht den aktuellen energetischen Anforderungen entsprechen, sowie mit einem hohen Anteil an Laborgebäuden, die nutzungsbedingt hohe Stromverbräuche aufweisen. Ein weiterer Grund hierfür ist eine sehr enge Belegung der Gebäude, vor allem im Bereich der ständig belegten Arbeitsplätze. Die schraffierten Balken in Abbildung 32 und Abbildung 33 stellen geschätzte Werte aus dem „Integrierten Klimaschutzkonzept für die Leibniz Universität Hannover“ (27) dar und weisen eine bedingte Genauigkeit auf. Abbildung 32: Gegenüberstellung der Energieverbräuche universitärer Liegenschaften (bezogen auf die Fläche) In Abbildung 33 ist der Vergleich der spezifischen Energieverbräuche bezogen auf die Personenzahl dargestellt. Wie in dem Diagramm zu sehen ist, liegt die UP mit einem Verbrauch von 1.777 kWh/Person im Vergleich zu den anderen Universitäten in der unteren Hälfte. Dies lässt sich ebenfalls durch die enge Belegung der Gebäude erklären. Je mehr Personen ein Gebäude nutzen, desto geringer wird der spezifische Verbrauch pro Person. Januar 2020                                                                                                 52 von 166
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Klimaschutzkonzept der Universität Potsdam Abbildung 33: Gegenüberstellung        der   Energieverbräuche   universitärer Liegenschaften   (bezogen    auf   die Universitätsangehörigen) In Abbildung 34 und Abbildung 35 sind die spezifischen Emissionen pro Person, einmal bezogen auf die Gesamtemissionen und einmal bezogen auf den Endenergieverbrauch der Liegenschaften, dargestellt. In Abbildung 34 wurden die gesamten Emissionen, welche an der ETH ermittelt wurden, betrachtet (Strom, Wärme, Dienstreisen, Fuhrpark, Pendler). Alle an der ETH nicht betrachteten Emissionen, wurden aus dem spezifischen Wert der UP ausgeklammert. In Abbildung 35 ist der Vergleich von drei Hochschulen zu den Emissionen aus dem Energieverbrauch der Liegenschaften (Strom und Wärme) gegenübergestellt. Abbildung 34: Vergleich der personenspezifischen          Abbildung 35: Vergleich der personenspezifischen Emissionen (gesamt) der ETH Zürich und der UP 2018        Emissionen (aus Energieverbrauch der Liegenschaften) der Uni Kassel (2014-2016), der ETH Zürich und der UP 2018 Deutlich ist, dass die UP in beiden Diagrammen über den Werten der ETH Zürich liegt. Die Universität Kassel liegt in ihrem Personenspezifischen Wert über dem der UP. Insgesamt kann also festgestellt werden, dass die Verbräuche und Emissionen an der UP durchaus im üblichen Bereich im Vergleich zu anderen Universitäten liegen. Es ist aber zu beachten, dass die Universitäten sehr heterogen in Bezug auf Standortverteilung, Denkmalschutz der Liegenschaften und andere Faktoren sind. Hier könnte sich aber in Zukunft, durch die Bilanzierung vieler weiterer Hochschulen, eine bessere Vergleichbarkeit ergeben. Januar 2020                                                                                                     53 von 166
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Klimaschutzkonzept der Universität Potsdam POTENZIALERMITTLUNG UNTER BETRACHTUNG DER SPEZIFISCHEN HANDLUNGSFELDER 6.1            Liegenschaften und Energieeffizienz Wie bereits in Kapitel 4 beschrieben, hat die UP drei Hauptstandorte. Campus I Am Neuen Palais mit der Philosophischen Fakultät, liegt am Rande des Parks Sanssouci und besteht insgesamt aus 18 Gebäuden. Neben drei Studentenwohnheimen gibt es Institute verschiedener Wissenschaften und Verwaltungsgebäude. Campus II Golm liegt etwas ländlicher im Westen von Potsdam innerhalb eines der größten Wissenschaftsparks der Region. Hier sind die Mathematisch-Naturwissenschaftliche und die Humanwissenschaftliche Fakultät mit insgesamt 26 Gebäuden angesiedelt. Der Campus Griebnitzsee (Campus III) beherbergt weitere 3 Fakultäten. 7 Universitätsgebäude, die ausschließlich von der UP genutzt werden, und 6 Gebäude des Hasso-Plattner-Institutes sind hier angesiedelt. Des Weiteren wird in die folgenden Betrachtungen der Campus V, Standort Maulbeerallee / Botanischer Garten, einbezogen. Am Neuen Palais und in Griebnitzsee ist ein Großteil der Gebäude denkmalgeschützt, was die Umsetzung von energetischen Modernisierungsmaßnahmen infolge der entsprechenden Auflagen stark einschränkt. Außerdem ist die UP selbst nur Mieter oder Nutzer der Gebäude. Rechtlich ist der BLB verantwortlich in Eigentümervertretung des Landes oder des Vermieters, umfangreichere Maßnahmen an Dach und Fach umzusetzen. Es wird eine enge Zusammenarbeit mit dem BLB zur Definition klimafreundlicher Standards bei Sanierungs- und Neubaumaßnahmen der Universitätsgebäude angestrebt. Diese Rahmenbedingungen müssen bei den folgenden Betrachtungen zur Potenzialanalyse einbezogen werden. Insgesamt lässt sich ein theoretisches Einsparpotenzial im Bereich der Liegenschaften von 40.444 MWh abschätzen, was 99 % des Energieverbrauches der Liegenschaften bedeutet. Ohne Installation weiterer PV-Anlagen können nur 66 % eingespart werden (26.843 MWh). Die bislang vorhandenen Photovoltaikanlagen wurden bei einem zukünftigen Potenzial hier nicht einbezogen. Der erzeugte Strom der vorhandenen Anlagen wird aktuell nicht über das EEG abgerechnet, sondern direkt in das Netz der UP eingespeist. Realistisch lässt sich dieses technisch mögliche Potenzial nicht im vollen Umfang umsetzen, da Wechselwirkungen         und    Rebound-Effekte     beachtet     werden     müssen.     Das     langfristige Gesamtreduktionspotenzial der Emissionen bis 2050 liegt bei mindestens 90 %, also 12.150 t/a. Dies entspricht einer jährlichen Reduktion von wenigstens 2,9 % 6.1.1          Auswertung Potenziale des Campus I, II und V Bei der Bewertung der liegenschaftsbezogenen Potenziale ist zu beachten, dass die UP als Mieter und Nutzer der Gebäude nur bedingt Einfluss auf energetische Sanierungsmaßnahmen hat. Die Maßnahmen dienen aber als Empfehlung für den BLB, in dessen Zuständigkeitsbereich die Gebäude fallen. Für den Campus I (Neues Palais) und den Standort Maulbeerallee (Campus V) existieren bereits Energiekonzepte aus den Jahren 2009 bzw. 2011. Die Umsetzung der Konzepte ist noch nicht oder nur in Anfängen erfolgt. Die Ergebnisse der Konzepte sind in Tabelle 22 zusammengefasst. Januar 2020                                                                                            54 von 166
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Klimaschutzkonzept der Universität Potsdam Tabelle 22: Zusammenfassung der Ergebnisse der Energiekonzepte für die Standorte I und V Campus I                                      Campus V Konzeptjahr                                2009                                         2011 Gesamteinsparpotenzial 2.204 MWh/a                                    708 MWh/a (Energie) Anteil am Energiever- 37 %                                         21 % brauch des Campus 8                                            9 Gesamteinsparpotenzial                                    651,4 t/a                                    470,9 t/a (Emissionen)                               Faktoren 2018: 419,8 t/a                     Faktoren 2018: 135,1 t/a Anteil an Emissionen                      34,8 %                                       47,0 % des Campus Anteil an    Emissionen                    1,8%                                         0,6% gesamt Gesamtinvestition                                       4.056.703 €                                 5.646.962 € Kosteneinsparung                                      1.003.603 €/a                                  402.560 €/a Zusammenstellung          Wärmedämmung oberste Geschossdecke          Neuverglasung Gewächshäuser Hauptmaßnahmen            Innendämmung                                Sanierung Heizungsverteilung   Austausch der Beleuchtung                   Anschluss an GLT   Erneuerung Gebäudestationen/Pumpen          Wärmedämmung oberste Geschossdecke   Erneuerung Thermostate (UP)                 Innendämmung   Erneuerung Fenster                          Erneuerung Thermostate   Wärmedämmung Leitungen                      Erneuerung Fenster   Hydraulische Abgleiche                      Wärmedämmung Leitungen   Hydraulische Abgleiche   Austausch Beleuchtung (UP) Für den Campus II wird aktuell ein eigenes Energiekonzept erstellt. Die Ergebnisse lagen zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Klimaschutzkonzeptes nicht vor. Genauere Ergebnisse zum Potenzial in Campus II sind nach Abschluss des umfassenden Energiekonzeptes möglich. Einige Gebäudes des Campus II sind neueren Baujahres und augenscheinlich in einem energetisch akzeptablen Zustand. Andere hingegen in einem energetisch schlechten Zustand, darunter das Büro- und Lehrgebäude Haus 3 und Haus 24. Die Gebäude mit einem besonders schlechten Energieverbrauchskennwert sind in Tabelle 9 im Abschnitt 5.2.1.3 enthalten. Dort befindet sich das größte Potenzial zur Verbrauchsreduktion. 6.1.2           Einschätzung Potenziale Liegenschaften Campus III Der Campus verfügt bisher nicht über ein eigenes Energiekonzept. Eine detaillierte Betrachtung der Liegenschaften ist daher dringend empfohlen. Im Rahmen des Klimaschutzkonzeptes wurde eine überblickweise Analyse der wichtigsten Einsparpotenziale mit dem Fokus auf der technischen Gebäudeausstattung durchgeführt. Maßnahmen mit Bezug zur Gebäudehülle wurden nur für die Fenster berücksichtigt, da infolge der Denkmalschutzauflagen nur bedingt Veränderungen an der Gebäudehülle vorgenommen werden können. Außerdem ist der Zustand der Gebäudehülle nicht im Detail bekannt. So kann zwar davon ausgegangen werden, dass die obersten Geschossdecken bzw. Dächer der Gebäude nicht gedämmt sind, allerdings ist dies während der durchgeführten Begehung nicht geprüft worden. Für die größeren Gebäude des Campus III sind Steckbriefe mit Bewertung der energetischen Situation sowie konkreten Maßnahmenvorschlägen erstellt worden, die in Anhang A.3 zu finden sind. Aus den Einzelbetrach- tungen der Gebäude ergibt sich ein Gesamteinsparpotenzial von ca. 904 MWh. Dies entspricht einem Anteil von 11 % des Energieverbrauches des Campus. Nicht alle diese Maßnahmenvorschläge sind wirtschaftlich, 8 Dieser Wert aus dem Konzept wurde mit zum damaligen Zeitpunkt gültigen Emissionsfaktoren berechnet. 9 Dieser Wert aus dem Konzept wurde mit zum damaligen Zeitpunkt gültigen Emissionsfaktoren berechnet. Januar 2020                                                                                                 55 von 166
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Klimaschutzkonzept der Universität Potsdam wobei die angegebenen Investitionskosten lediglich grobe Prognosen sind. Die tatsächlichen Kosten können sich infolge unbekannter Rahmenbedingungen deutlich unterscheiden. 6.1.3          Nahwärmenetze der Liegenschaften Auch bei der Versorgungsstruktur über die Nahwärmenetze hat die UP bedingt Einfluss, da die Art der Wär- meerzeugung und deren Modernisierung als kostenintensive Maßnahme der Zuständigkeit des BLB unterlie- gen. In den Energiekonzepten für den Campus I und den Campus V wird auf den Aspekt der Nahwärmenetze und das mögliche Einsparpotenzial eingegangen. Dort ergibt sich, dass mit Modernisierung der Versorgung (Erneuerung Kessel und Einsatz eines Blockheizkraftwerkes – BHKW) etwa 1.497 MWh im Campus 1 (aus Erzeugung Strom aus BHKW und Brennstoffbedarf) und 500 MWh im Campus V (aus Anschluss an Nahwär- menetz Campus I, wirtschaftlichste Variante) eingespart werden können. Am Campus III werden drei Kessel für die Versorgung des Nahwärmenetzes genutzt. In Abbildung 36 ist ein Auszug aus der zentralen Leittechnik zu sehen, der die Kesselkonfiguration zeigt. Die Vorlauftemperatur des Nahwärmenetzes mit 70° C, die auf der Abbildung zu erkennen ist, ist bereits reduziert im Vergleich zum ursprünglichen Netz. In einigen Gebäuden waren Schaltschemen zu finden, die Vorlauftemperaturen über 90 °C als Solltemperaturen angeben. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass es sich hierbei um einen Auszug vom Juni 2019 handelt und sich das Netz im Sommerbetrieb befindet. Die Vorlauftemperaturen im Winter liegen dagegen deutlich höher. Problematisch sind die hohen Temperaturen im Hinblick auf das Ver- teilnetz. Das Netz ist bereits seit einigen Jahrzehnten in Betrieb. Der damalige Stand der Technik bedeutet, dass große Leitungsquerschnitte verwendet wurden, die bei den üblichen Temperaturen und unter Berück- sichtigung einer aus heutiger Sicht unzureichenden Dämmung zu hohen Übertragungsverlusten führen. Dies lässt sich ungefähr abschätzen, indem der Gasverbrauch des Heizhauses der Wärmemengenzählung der Liegenschaften gegenübergestellt wird. Dabei muss berücksichtigt werden, dass das Studentendorf (Verwal- tung durch Studentenwerk), das in die Betrachtungen des Klimaschutzkonzeptes nicht eingegangen ist, aus der Berechnung ausgeklammert werden muss. Es ergibt sich aus dem Vergleich zwischen Wärmemenge in den Gebäuden und bereitgestellter Wärmemenge im Heizhaus ein Unterschied von ca. 15 %. Mit einer Tem- peraturreduktion von ca. 10 K kann dieser Wert schätzungsweise auf 12 % reduziert werden, allerdings be- deutet dies ohne ergänzende Maßnahmen, dass das durch die Pumpen geförderte Volumen zur Deckung des Leistungsbedarfes in den Liegenschaften erhöht werden muss, was einen gesteigerten Stromverbrauch zur Folge hat. Um einen echten Einspareffekt zu erzielen, muss das Nahwärmenetz an sich modernisiert werden. Die Kosten und Effekte dieser Maßnahme lassen sich in dieser konzeptionellen Phase nicht abschätzen. Die Betriebsstundenzählung der Kessel suggeriert, dass es keinen Betriebsstundenausgleich zwischen den Kesseln gibt. Allerdings sind die Kessel aus unterschiedlichen Baujahren (Kessel 1 2005, Kessel 2 2015, Kessel 3 2012). Dennoch unterscheiden sich die auf das Alter umgelegten Betriebsstunden deutlich vonei- nander (Kessel 1 ca. 600 h/a, Kessel 2 ca. 1.000 h/a, Kessel 3 ca. 720 h/a). Grundsätzlich ist es aus energe- tischer Sicht von Vorteil, dass der jüngste Kessel (Kessel 2) den größten Anteil an der Wärmeversorgung übernimmt, da er wahrscheinlich mit den niedrigsten Verlusten arbeitet. Allerdings muss einbezogen werden, dass häufige Nutzungsstunden vor allem im Teillastbetrieb zu einem erhöhten Wartungs- und Instandhaltungs- aufwand führen. Januar 2020                                                                                              56 von 166
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Klimaschutzkonzept der Universität Potsdam Abbildung 36: Auszug GLT - Wärmeerzeuger Nahwärmenetz Campus 3 Betrachtet man die im Heizhaus produzierte Wärmemenge (siehe Abbildung 37), dann fällt auf, dass der Ver- brauch in Wintermonaten das bis zu Sechsfache des Verbrauches in den Sommermonaten beträgt. Das macht den Einsatz eines Blockheizkraftwerkes (BHKW) für die kombinierte Generation von Wärme und Strom (Kraft- Wärme-Kopplung) insofern schwierig, als dass die optimale Wirtschaftlichkeit dann erreicht wird, wenn die Betriebsstunden übers Jahr bei Volllast maximiert werden. Mit den vorliegenden Daten ist die Dimensionierung einer optimalen Größe eines BHKW als Ergänzung bzw. Ersatz für die vorhandenen Kessel aktuell nicht mög- lich. Um eine wirtschaftliche Anzahl an Vollbenutzungsstunden von ca. 5.000 h zu erreichen, wird geschätzt, dass ein oder mehrere BHKW in einem Größenbereich von insgesamt etwa 600-700 kW zum Einsatz kommen können. Die Gesamtinvestitionskosten belaufen sich damit auf ca. 750.000 €. Unter Anwendung einer einfa- chen Wirtschaftlichkeitsabschätzung kann davon ausgegangen werden, dass sich die Investition nach ca. 5-6 Jahren amortisiert, sofern der Strom direkt als Eigenverbrauch auf dem Campus verwendet wird. Das Einspar- potenzial liegt hier bei ca. 15 % des Gesamtenergiebedarfes, was ca. 1.120 MWh entspricht. Januar 2020                                                                                             57 von 166
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Klimaschutzkonzept der Universität Potsdam Abbildung 37: Bereitgestellte Wärmemenge im Heizhaus des Campus 3 - monatlicher Verlauf (2008-2018) Analog lässt sich für den Campus II abschätzen, dass ein oder mehrere BHKW mit einer Gesamtleistung von etwa 1-1,2 MW oder gar mehr zum Einsatz kommen könnten, welche eine wirtschaftliche Anzahl von Betriebs- stunden hätten. Die Investitionskosten lägen dann in etwa bei 900.000-1.000.000 €. Unter der Annahme eines Einsparpotenzials von ca. 15 % lässt sich abschätzen, dass sich am Campus II der Verbrauch durch die Mo- dernisierung der Nahwärme um etwa 3.880 MWh reduzieren lässt. 6.1.4           Zentrale Leittechnik der Universität Die zentrale Gebäudeleittechnik der UP wird vor allem für die Regelung und Steuerung der Heizungs- und Lüftungstechnik und in Teilen für die Kältetechnik sowie Beleuchtung genutzt und ist bis auf wenige Ausnahmen universitätsweit installiert. Neben der Vorgabe von Sollwerten und der entsprechenden Regelung auf Ebene der Nahwärmenetze und der Gebäude können Zeitprogramme vorgegeben werden. Diese Vielfalt an Steuer- und Regelelementen macht die zentrale Leittechnik kompliziert und verlangt an vielen Stellen ein manuelles Eingreifen des dafür angestellten Fachpersonals. Dies wiederum führt dazu, dass Zeitprogramme und Sollwertvorgaben, die aufgrund außergewöhnlicher Bedingungen (Langzeitversuche in Labors, Sonderveranstaltungen etc.) eingestellt wurden, nicht unmittelbar nach Ende des besonderen Ereignisses zurückgestellt werden. Ein erster Schritt zur Optimierung, ohne dass bauliche Maßnahmen an der im Grunde funktionstüchtigen Leittechnik vorgenommen werden müssen, ist eine detaillierte Prüfung aller Zeitprogramme sowie Steuer- und Regelvorgaben und Anpassung an den tatsächlichen Bedarf. Dazu gehört auch die Prüfung von notwendigen Temperaturen im Nahwärmenetz und die Programmierung von Nicht- Nutzungszeiten (sofern umsetzbar). Hierfür ist aufgrund der großen Menge an Regelpunkten eine gesonderte Freistellung eines Mitarbeiters/einer Mitarbeiterin oder die externe Vergabe dieser Leistung erforderlich. Es wird geschätzt, dass durch die Optimierung der zentralen Leittechnik 5 % des Energieverbrauches über alle Standorte hinweg eingespart werden können, was in etwa 2.239 MWh/a entspricht. Grundsätzlich können Einsparungen beim Gebäudeenergieverbrauch durch die komplette Neueinführung einer GLT bis zu 20 %, in besonderen Fällen auch bis zu 30 % betragen. Da die UP schon eine GLT hat, ist die Einsparung hier mit 5 % moderat angenommen worden und bezieht sich im Wesentlich darauf, dass die vorhandene Steuerung optimal eingestellt und angewendet wird. (10) Januar 2020                                                                                              58 von 166
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Klimaschutzkonzept der Universität Potsdam 6.1.5           Sonstige technische Ausstattung Ca. 37 % des Gesamtenergieverbrauches in den Liegenschaften der Universität entfällt auf den Stromverbrauch. Neben den nutzungsbedingten Verbräuchen (Arbeitsplätze, Labore etc.) ist ein großer Teil bedingt durch die technische Gebäudeausrüstung in den Liegenschaften. Dazu zählen gemäß der Ausstattungsliste des HGP-UP vor allem Lüftungsanlagen, Kälteanlagen, Umluftkühler, Klimasplitgeräte, Heizungspumpen und Kompressoren. Diese Anlagen weisen sehr unterschiedliche Baujahre und Effizienzklassen auf. Auffällig ist die große Anzahl an Klimasplitgeräten in einzelnen Gebäuden. Hier ist es unter Umständen sinnvoll, eine zentrale Kälteanlage zu installieren, die bedarfsgerecht und effizient Kälte liefern kann. Die Heizungsumwälz- und Zirkulationspumpen sind ebenfalls recht divers hinsichtlich ihres Zustandes und Baujahres. Ein Großteil hat bereits seit einiger Zeit das Ende ihrer rechnerischen Lebensdauer (VDI 2067) überschritten. Für Heizungspumpen kann liegenschaftsweise beim BAFA ein Antrag auf Förderung gestellt werden, mit dem der Austausch in Verbindung mit einem hydraulischen Abgleich mitfinanziert werden kann. In den Laboren werden etwa 400 Kühlgeräte unterschiedlicher Baujahre genutzt; Der Austausch eines Teils der Geräte gegen effizientere sollte, auch vor dem Hintergrund verfügbarer Fördermöglichkeiten, geprüft werden. Dazu wurde eine entsprechende Maßnahme mit einem möglichen Potenzial entwickelt. Nur für den Tausch aller dieser alten Geräte würde sich ein theoretisches Potenzial von etwa 220 MWh/a ergeben. Der Verbrauch von Strom, Wärme und Wasser wird für fast jedes Gebäude über entsprechende Zähler einzeln gemessen und in der Datenbank „maximo“ gespeichert. Leider ist nur etwa ein Viertel der Zähler fernabfragefähig, so dass die Ablesung nicht zu jedem Zeitpunkt erfolgen kann, sondern nur einmal monatlich per Begehung erfolgt. Insgesamt lässt sich aus der Erfahrung vergleichbarer Gebäude abschätzen, dass sich mit der Modernisierung der sonstigen Gebäudeausrüstung etwa 8 % des Gesamtstromverbrauches einsparen lässt. Dies entspricht etwa 1.215 MWh/a 6.1.6           Erneuerbare Energien Die Nutzung erneuerbarer Energien auf dem Campus ist einer der Grundpfeiler einer nachhaltigen und zukunftsorientierten Energieversorgung. Aufgrund der Lage und des verfügbaren Platzes beschränkt sich im Moment die Auswahl allerdings auf die Nutzung von Kraftwärmekopplung (Blockheizkraftwerke – BHKW - im Nahwärmenetz) und Photovoltaik. Auf die Einsatzmöglichkeiten von BHKW wird bereits in Abschnitt 6.1.3 eingegangen, weshalb in diesem Abschnitt der Fokus auf Photovoltaik (PV) liegt. Photovoltaik bedeutet die Umwandlung von solarer Strahlungsenergie in elektrische Energie mittels Solarzellen. Durch Photovoltaik ist eine CO2-neutrale Stromerzeugung möglich. Solaranlagen können unter anderem auf Dächern oder an Fassaden installiert werden. Da nur wenige Freiflächen auf den Grundstücken der UP zur Verfügung stehen, wird im Folgenden nur auf Dachanlagen eingegangen. Für die Potenzialanalyse zum Einsatz von PV wurde mittels der Software PV*Sol das Dachpotenzial (Flachdächer) des Campus III abgeschätzt. Die Ergebnisse sind in Tabelle 20 zusammengefasst. Januar 2020                                                                                               59 von 166
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