Gliederung des CO2-Konzeptes
Dieses Dokument ist Teil der Anfrage „Kommunaler Klimaschutz: Datenbasis der kommunalen THG-/CO2-Bilanzierung“
1 Zusammenfassung Die Energieversorgung Wolfsburgs ist seit Gründung der Stadt eng mit der Energie- erzeugung für das Volkswagenwerk verbunden. Aus dieser Einheit ergeben sich Vorteile insbesondere für die Wärmeversorgung und in Folge dessen auch für die CO2-Bilanz der Stadt. In der Frage der Reduzierung von CO 2-Emissionen ist der Handlungsspielraum von Rat und Verwaltung bezogen auf die Gesamt-CO2- Emission jedoch stark eingeschränkt, da der weitaus größte Teil der Emission auf die Produktion im Volkswagenwerk entfällt. In Summe sind für Wolfsburg 1,7 Mio. Ton- nen CO2 zu bilanzieren (Anhang B, Tabelle 2). Dies entspricht einer pro Kopf Emissi- 1 on von 14.1 t jährlich. Auf weniger als 0,7 Mio. Tonnen, entsprechend einer pro Kopf Emission von 5,5 t, haben Rat und Verwaltung Einfluss. Das CO2- Minderungskonzept untersucht und entwickelt Vorschläge lediglich in Bezug auf diesen kleineren Teil der Emission. Die geringe pro Kopf-Emission von 5,5 t für den städtische Teil einschließlich Ge- werbe jedoch losgelöst vom Volkswagenwerk, ist ein deutlicher Hinweis auf die effi- ziente Energieversorgung in Wolfsburg. Dieser Wert liegt weit unter den sonst übli- chen Werten in Städten vergleichbarer Größenordnung. Bei näherer Betrachtung der Datenlage wird deutlich, dass die hohe Effizienz vor allem der Wärmeversorgung aus einem zentralen Kraftwerk zu verdanken ist. Ohne Fernwärmeversorgung, an deren Stelle ein Öl- und Gasversorgung erforderlich wäre, läge die pro Kopf-Emission bei 5,8 t. 2 Die CO2-Emissionen sind in diesem Konzept für das Jahr 2000 ermittelt worden . Nicht die Energieerzeugung sondern der Energieverbrauch, sei es in Form von Fernwärme, Strom, Gas, Öl, beim Endverbraucher waren dabei von Interesse. Die Betrachtung des Energieverbrauchs ermöglicht eine Zuordnung der CO2-Emissionen zum Ort, an dem die Minderungspotentiale auch greifbar werden. Hohe Minderungspotentiale lassen sich dort erzielen, wo die größten Anteile der Emissionen verursacht werden. Da ist zunächst der Wohnungsbau anzusprechen. Im Geschosswohnungsbau sind 13.000 t und im Einfamilienhausbereich 10.500 t mög- lich, unter der Annahme, dass im Geschosswohnungsbau die in den vergangenen Jahren zu verzeichnende Sanierungsaktivitäten beibehalten und im Einfamilien- haussektor 20 % des bis 1984 erbaute Altbestandes auf das Niveau der bis 2008 geltenden Energieeinsparverordnung saniert wird. Dies ist bis zum Jahr 2020, dem Zielerreichungsjahr dieses Konzeptes, durchaus realistisch. Ein ebenfalls hohes Potential mit über 38.000 t CO2 liegt in der Umstellung der Warmwasserbereitung von Strom auf Fernwärme vor, jedoch unter der Annahme, dass in alle 40.000 Haushalten eine Umstellung erfolgt. Eine Umstellung obliegt dem Wohnungsbau. 1 Die Angaben in diesem Konzept beziehen sich ausschließlich auf die energiebedingten CO 2-Emissionen. CO2- Äquivalente und produktbezogenen Emissionen werden nicht berücksichtigt. 2 Die Daten dieses Konzeptes beziehen sich auf das Jahr 2000. Hierauf gründen sich ebenfalls die im Konzept genannten Minderungsziele, die bis zum Jahr 2020 erreicht sein sollen. 3
Im Verkehrssektor ist eine Einsparung von 44.000 t zu erwarten, wenn die gegenwär- tig in Diskussion befindlichen gesetzlichen Auflagen zur Reduzierung der durch- schnittlichen Emission der Fahrzeugflotte von 198 g/km auf 140 g/km gesenkt wird. Nicht allein der Energieverbrauch sondern auch die Art der genutzten Energie hat maßgeblichen Einfluss auf den Ausstoß von Klimagasen. In der Nutzung erneuerba- rer Energiequellen liegt daher ein wichtiger Schlüssel zur CO 2-Reduzierung. Inner- halb des städtischen Betriebes ließen sich 13.000 t CO2 durch Einkauf von 100% regenerativem Strom einsparen. Einen weitaus größeren Effekt zeigt die Verschiebung des Energiemix hin zu einem wachsenden Anteil erneuerbarer Energien. Seit Anfang der 90er Jahre wächst der Anteil der regenerativen Energien in der Stromversorgung der Bundesrepublik be- ständig. Die CO2-Belastung des Stromangebotes hat sich bundesweit bis 2005 um 15 % verringert. Zur Nutzung gehört auch ein Engagement in der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien. Im Stadtgebiet sind die Windkraftanlagen und die Biogasanlage am Stahl- berg zu nennen. Für die Biogasanlage am Stahlberg ist ein CO 2-Ertrag von 14.000 t aus Stromeinspeisung und Brennstofferzeugung zu bilanzieren. Die Windkraftanla- gen mit eine Gesamtleistung vom 5.200 kW erzielen in Wolfsburg einen ebenfalls nennenswerten Ertrag von 3.600 t CO2 jährlich. Die in diesem Konzept genannte große Zahl der möglichen Maßnahmen bedarf einer intensiven Betreuung. Die Gründung einer Energieagentur ist eine hilfreiche Voraus- setzung für den Aufbau von technischen und wirtschaftlichen Kompetenzen in der Region. Grundlage für eine Entwicklung einer Energiebewirtschaftung der Stadt ist die konti- nuierliche Aufbereitung von Energiebilanzen für die Stadt Wolfsburg. Die Daten wür- den Tendenzen offen legen und Zugang zu weiteren Maßnahmen erschließen. Sie bieten eine analytische Grundlage und sind notwendig, um Trends vorauszusagen und künftige Entwicklungen steuern zu können. Das Konzept wurde vom Rat der Stadt Wolfsburg am 6.05.2009 einstimmig beschlossen. Der Beschluss ist mit der Zielsetzung einer Minderung der CO2- Emissionen um 20 % bis zum Jahr 2020, bezogen auf die Emissionen im Basisjahr 2000, verbunden. 4
2 Ausgangssituation 2.1 Aufgabe des Konzeptes Mit Beschluss zur Vorlage V 0387/2007 erhielt die Verwaltung den Auftrag, ein CO2- Minderungskonzept bis Ende 2008 vorzulegen. Gemäß dem Beschluss vom 6.02.08 galt es, die in der Vorlage aufgezeigten Handlungsfelder hinsichtlich ihrer CO 2- Einsparungspotentiale näher zu charakterisieren, mögliche Minderungsstrategien aufzuzeigen und darüber hinaus konkrete Maßnahme zu benennen und gegebenen- falls deren Umsetzung einzuleiten. Das Konzept soll als Entscheidungshilfe für künftige Entwicklungen in Wolfsburg oder als Grundlage zur Umsetzung aktiver Strategien innerhalb der einzelnen The- menfelder herangezogen werden können. 2.2 Situation des Klimaschutzes auf der kommunalen Ebene Klimaschutz ist für die Kommunen keine gesetzliche Pflichtaufgabe. Dennoch wird diese Thematik mit großem Stellenwert in den Kommunen behandelt. Erst im Juni 2008 haben sich die kommunalen Spitzenverbände gemeinsam mit dem BMU im Rahmen der Tagung „Perspektiven des kommunalen Klimaschutzes“ auf eine gemeinsame Erklärung verständigt. Die Spitzenverbände erklärten, das Ziel der Bundesregierung - eine Reduzierung der Treibhausgasimmissionen um 40 % bis zum Jahr 2020 – zu unterstützen. Der Ausbau der erneuerbaren Energien um 30 % und der Kraft-Wärme-Kopplung auf 25 % sowie der Ausbau der erneuerbaren Ener- gien im Wärmebereich auf 14 % sind darin als die hauptsächlichen Teilziele genannt. Der von der EU-Kommission ins Leben gerufene Konvent der Bürgermeister Europä- ischer Städte sieht sich ebenfalls verpflichtet, an der Reduzierung der CO 2- Emissionen zu beteiligen. Kernpunkt des Konvents der Bürgermeister/ Bürgermeiste- rinnen ist eine Erklärung, in der sich die Kommunen verpflichten, in ihrem jeweiligen Gebiet die CO2-Emissionen um mehr als 20 % zu reduzieren. Der Bund unterstützt den aktiven Klimaschutz in den Kommunen mit Fördermittel in Höhe von 280 Mio. € jährlich. 5
3 Bilanz für Wolfsburg 3.1 Methode zur Ermittlung der CO2-Emissionen Die CO2-Emissionen im Stadtgebiet werden aus den Verbrauchsdaten von Strom, Gas, Fernwärme und anderen Energieformen ermittelt. Je nach der eingesetzten Energieform ist die Kilowattstunde verbrauchter Energie mit einer ihr eigenen CO2- Konstante zu multiplizieren. Einige der CO2-Konstanten sind in Tabelle 1, Anhang A, zusammengestellt. Es sei an dieser Stelle ausdrücklich auf die Konsequenz der unterschiedlichen CO 2- Belastung der Energieformen hingewiesen. Nicht nur der Energieverbrauch beim Endverbraucher, der heute allerorts im Focus von Einsparstrategien steht, sondern auch die Form des Energieangebotes kann sich maßgeblich auf die gesamtstädti- schen CO2-Bilanz auswirken. Dies gilt insbesondere für das Stromangebot, dass sich in den vergangenen Jahren in Bezug auf den CO2-Faktor erheblich verändert hat. Die Veränderung des Faktors, dessen Ursache in der sich ändernden Zusammen- setzung der zur Stromerzeugung eingesetzten Primärenergien (Kohle, Öl, Gas, Atom, Wasser, Wind, Sonne) liegt, hat bundesweit zur Verbesserung der CO 2- Bilanzen beigetragen. So war die Belastung des Netzstroms zwischen 1990 und 2005 von 727 g auf 616 g CO2 je Kilowattstunde Strom gesunken. Diese Tendenz der sinkenden CO2-Belastung des Stroms wird sich weiter fortsetzen. Die Bundesre- gierung strebt einen Anteil der regenerativen Primärenergien von 30 % bis 2020 für die Stromerzeugung an (heute 14%). Auf Wolfsburg bezogen ist zunächst festzustellen, dass sich die Versorgung auf ein CO2-armes Energieangebot stützen kann. Dies gilt vor allem für die Wärmeversor- gung: über 80% der in Wolfsburg verbrauchten Wärmeenergie stammt aus Kraft- Wärme-Kopplung und wird über das Fernwärmenetz verteilt. Darüber hinaus ist je- doch auch das Stromangebot der LSW mit einem Wert von 432 g/kWh als CO 2-arm einzustufen. In der Bilanz sind die CO2-Werte für 2000/01 (Basisjahr) ausgewiesen worden. Die CO2-Emission für den Stromverbrauch sind mit dem damals geltenden Wert von 648 g/kWh ermittelt worden. 3.2 Bilanzierung der CO2-Emissionen aus dem Energieangebot Abb. 1 ordnet die CO2-Emissionen den unterschiedlichen Energieformen für die Jahre 1994/95, 2000/01 und 2007/08 zu. Das Diagramm zeigt, das aus dem Strom- bedarf der größte Anteil der Emissionen stammt, gefolgt von der Wärmeversorgung, die sich aus Fernwärme, Gas und Öl zusammensetzt. Auffällig ist der Rückgang der Emissionen aus der Stromversorgung zwischen 2000 und 2007. Er hat seine Ursache in der veränderten Zusammensetzung der zur Stromerzeugung eingesetzten Primärenergien. Die CO2-Emissionen aus Fernwärme und Gas ist im gleichen Zeitabschnitt mit steigendem Verbrauch gestiegen. 6
CO2-Emission nach Energieformen t CO2 zur Versorgung von Gewerbe und Privathaushalte 500.000 450.000 400.000 350.000 Öl 300.000 Gas 250.000 Fernwärme 200.000 Strom 150.000 100.000 50.000 0 1994/95 2000/01 2007/08 Jahr Abb. 1 3.3 CO2-Bilanz nach Verbrauchern Zur Aufdeckung der Verursacher und zur Ermittlung nutzbarer Minderungspotenziale sind die CO2-Emission dem Endenergieverbrauch zugeordnet worden. Abbildung 2 zeigt die Emissionsanteile der Industrie, Privathaushalte, Gewerbe und 2 Verkehr. Mehr als /3 der in Wolfsburg zu bilanzierenden CO2-Emissionen stammen aus der Automobilproduktion. Die CO2-Emission wird von Volkswagen für das Werk Wolfsburg mit 1.038.105 t (2007) angegeben. Addiert zu den städtischen Werten ergibt sich somit in Summe eine CO2-Emission von 1,7 Mio. t jährlich. Das entspricht einer jährlichen Pro-Kopf-Emission von 14,1 t. Wird lediglich der auf städtischer und privater Seite zuzuordnende Verbrauch berücksichtigt und die Wolfsburger Automo- bilproduktion ausgeklammert, liegt die Pro-Kopf-Emission bei 5,5 t jährlich. Zum Vergleich: Die aktuellen Pro Kopf Emission im Bundesdurchschnitt liegen bei wenig 3 über 10t pro Jahr . Münster und Hannover nennen für ihre Einwohner Werte von 10 t bzw. 11,8 t pro Jahr. Vergleiche müssen jedoch immer unter dem Vorbehalt der unterschiedlichen Ermittlungsmethodik betrachtet werden. Die Werte der Stadt Wolfsburg sind in Tabelle 2, Anhang B aufgeschlüsselt. 3 Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, 2008 7
Em issionsanteile inkl. VW 1.708.000 t pro Jahr 17,6% Haushalte 1,4% Stadt 7,2% Gew erbe 61% VW 12,5% Verkehr Abb. 2 Der Energieverbrauch des Volkswagenwerkes Wolfsburg und die daraus resultieren- de CO2-Emission wird im weiteren Verlauf dieser Studie nicht berücksichtigt werden, da die Stadt Wolfsburg hierauf keinen Einfluss nehmen kann. In Abb. 3 sind die Emissionsanteile der Verbraucher dargestellt, auf die durch Politik und Verwaltung Einfluss genommen werden kann. Auf die Emission der Gewerbebetriebe selbst haben Rat und Verwaltung geringen Einfluss. Jedoch kann z. B. die Form des Ener- gieangebotes in den Gewerbegebieten vorgegeben werden. Emissionsanteile nach Verbraucher ohne VW 664.000 t CO2 pro Jahr 32,2% Verkehr Haushalte 45,2% Gewerbe (ohne VW) 18,7% 3,8% Stadt Abb. 3 8
3.4 Handlungsfelder Die Handlungsfelder einer möglichen CO2-Reduzierung, auf die sich das Minde- rungskonzept bezieht, wurden in der Vorlage V0387/2007 benannt. Dieses Konzept berücksichtigt Themen, auf die Rat und Verwaltung Einfluss haben. Die möglichen Handlungsfelder liegen - im Wohnungsbau bzw. –bestand (Kapitel 4), - im Eigenbetrieb der Stadt (Kapitel 5) - im Verkehrssektor (Kapitel 6) - in der Erzeugung regenerativer Energie (Kapitel 7). In den genannten Handlungsfeldern gilt es Maßnahmen zu benennen und diese mit Zustimmung des Rates umzusetzen, soweit die Verwaltung nicht selbst über die dazu erforderlichen Mittel verfügen kann. Im Folgenden werden die Handlungsfelder detaillierter erschlossen und konkrete Ansätze und realisierbare Maßnahmen be- nannt. 9
4 CO2-Minderung in den Privathaushalten Abb. 3 zeigt, dass 45,2 % der CO2-Emissionen den Privathaushalten zuzuordnen sind. Die Emissionen stammen zu annähernd gleichen Teilen aus dem Wärme- und Strombedarf der Haushalte. Beide Energieangebote sollen im Folgenden getrennt untersucht werden. Zu beiden lassen sich Maßnahmen entwickeln. In Tabelle 3, Anhang C sind die bis 2020 realisierbaren CO2-Minderungen zusammengestellt. 4.1 Entwicklung der CO2-Emission im Wohnungsbestand Im betrachteten Zeitraum der Abrechnungsjahre 1994/95 und 2007/08 ist der Wär- mebedarf in Wolfsburg um über 10 % gestiegen. Auffällig ist die Verschiebung des Wärmebedarfs vom Mietwohnungsbau hin zum Einfamilienhausbereich. Diese Ver- lagerung ist zunächst zur Kenntnis zu nehmen. Abb. 4 zeigt den Wärmebedarf, wie er sich aus der Abrechnung über Heizkostenverteiler, die vorwiegend im Mietwoh- nungsbau anfällt, und Wärmemengenzähler (Gewerbe und Einfamilienhäuser) ergibt. MWh Verbrauch Fernwärme (witterungsbereinigt) 700000 600000 500000 400000 300000 200000 100000 Abb. 4 0 Verbrauch der Fernwär- 94/95 00/01 07/08 Jahr me ermittelt über Heiz- Heizkostenverteiler Wärmezähler kostenverteiler und Wärmemengenzähler Für den Mietwohnungsbau zeigt die Grafik einen deutlichen Rückgang des Wärme- bedarfs. Hierauf wird im Abschnitt 4.2.2. näher eingegangen. 4.2 Bewertung des Bestandes Der Wärmebedarf und somit die CO2-Emission kann durch bessere Qualität des Gebäudebestandes verringert werden. Daher soll hier zunächst eine grobe Bewer- tung des Bestandes erfolgen. Die Erfahrung aus der Gebäudetypisierung lehrt, dass Gebäude bestimmter Zeitab- schnitte eine ähnliche Bauweise mit ähnlichem Wärmebedarf aufweisen. Die Kenn- zeichnung des Wärmebedarfs der Gebäude erfolgt anhand der Energiekennzahl 4 (EKZ) . 4 Die Energiekennzahl gibt den Wärmebedarf eines Gebäudes in kWh pro Quadratmeter Wohnfläche und Jahr an. 10
Gegenüber früheren Zeiträumen gab es für Neubauten seit Mitte der 80er Jahre eine kontinuierliche Steigerung des Wärmeschutzes aufgrund gesetzlicher Auflagen, zunächst durch die Wärmeschutzverordnung und ab 2002 durch die Energieeinspar- verordnung (EnEv). So lagen die Energiekennzahlen von Gebäuden im 3 bis 4- geschossigen Wohnungsbau, die bis 1984 in Wolfsburg gebaut wurden, zwischen 150 bis 220 kWh/m²a. Später, bis zum Jahr 2002 erstellte, weisen niedrigere Ener- 5 giekennzahlen von 80 bis 100 kWh/m²a aus . Vergleichbare Gebäudetypen, die nach 2002 erstellt wurden, wiesen bereits Energiekennzahlen von 50 – 80 kWh/m²a auf. W o h n u n g s - u n d E m is s io n s a n te il fü r B e s ta n d 1 9 8 3 8 0 ,0 % A n te il A n te il 7 0 ,0 % W ohnungen C O 2 -E m is s io n 6 0 ,0 % 5 0 ,0 % 4 0 ,0 % M iet w ohnungen E in-/Z w eifam ilienh. 3 0 ,0 % E in-/Z w eifam ilienh. M iet w ohnungen 2 0 ,0 % Abb. 5 1 0 ,0 % 58 % der CO2-Emissionen entfallen auf 32 % des 0 ,0 % Gebäudebestandes Eine ähnliche Entwicklung ist für Einfamilienhäuser zu verzeichnen. Eine große Zahl der bis 1984 erbauten Einfamilienhäuser weisen Energiekennzahlen jenseits von 200 kWh/m²a aus. Ab 1984 begrenzte die Wärmeschutzverordnung den Heizwärmebe- darf auf ca. 140 kWh/m²a. Seit 2002 ist für Einfamilienhäuser ein Wert von 70 – 90 kWh/m²a im Fall des Neubaus einzuhalten. Die Diskrepanz der Energiekennzahlen zwischen dem alten und neuen Bestand macht deutlich, dass mit Maßnahmen zur Wärmedämmung bei den alten Wohnge- bäuden zu beginnen ist. Die ab 1984 geltende Wärmeschutzverordnung hat zu einer erheblichen Verbesserung der Wärmedämmstandards geführt. Der ab `84 erbaute Bestand soll deshalb im Hinblick auf Sanierungsmöglichkeiten zunächst außer Be- tracht bleiben. Mehr als 50.000 Wohneinheiten, das sind 82 % des heutigen Wohnungsbestandes, wurden vor 1984 erbaut. Ein kleinerer Anteil, nämlich 32 % der Wohnungen, ist den 6 Ein- und Zweifamilienhäusern und 68 % dem Geschosswohnungsbau zuzuordnen . Bemerkenswert ist jedoch, dass der kleinere Teil des Wohnungsbestandes für den größeren Teil der CO2-Emissionen verantwortlich ist. So entfällt nahezu 60 % des Wärmebedarfs auf den Ein- bzw. Zweifamilienhausbestand (Abb. 5). 5 Niedersächsische Energieagentur, Energiekonzept für die Stadt Wolfsburg, 1998 6 Ermittelt aus Daten des Niedersächsisches Landesamt für Statistik 11
4.2.1 Maßnahmen zur Wärmedämmung der Ein-/Zweifamilienhäuser 12.800 Ein- und Zweifamilienhäuser in Wolfsburg sind vor 1984 erstellt worden. Die- ser Bestand emittiert für die Beheizung der Gebäude ca. 56.000 t Kohlendioxid. Ziel muss es sein, die Energiekennzahlen des Altbestandes auf die heutigen Anforderun- gen zu reduzieren, d. h. auf 70 bis 90 kWh/m²a herabzusetzen. Unter dieser Maßga- be, das heißt mindestens einer Halbierung der Energiekennzahlen, liegt das mögli- che CO2-Potenzial bei 28.000 t. Die Sanierung des Altbestandes kann durch besondere Anreize forciert werden. Ein wichtiger Anreiz liegt in steigenden Energiekosten. Förderprogramme können die Motivation unterstützen. Die Stadt Wolfsburg hat seit 2003 ein Programm zur Altbau- sanierung angeboten. Bis Ende 2008 wurde das Programm 279 mal, d.h. für 2,2% des in Frage kommenden Bestandes in Anspruch genommen. Insgesamt wurden fast 36.000 m² Wand- u. Dachfläche und 2800 m² Fensterfläche saniert. Die CO 2- Ersparnis beträgt aus den bisher geförderten Maßnahmen ca. 646 t jährlich. Die Erfahrung aus diesem Programm lehrt: Anzahl aber vor allem Qualität der Sanie- rungen müssen zunehmen, wenn ein nennenswertes Einsparpotential erschlossen werden soll. Allzu oft wird das Förderprogramm für Maßnahmen in Anspruch ge- nommen, die ohnehin vorgesehen waren. In wenigen Fällen bietet das Förderpro- gramm genügend Anregung für weitergehenden Wärmeschutz. Deshalb: Ein erweitertes Förderkonzept ist zu erstellen bzw. die derzeit gelten- de städtische Förderrichtlinie ist anzupassen und durch ein intensives Bera- tungsprogramm zu unterstützen. Das Programm ist an die Förderbedingungen der KfW-Förderbank anzulehnen. Das Ziel des Programms muss darin liegen, dass die Fördermittel aus dem CO2-Gebäudesanierungsprogramms der Kreditanstalt für Wiederaufbau in Anspruch genommen und die Hauseigentümer zu qualifizierten Maßnahmen angeregt werden. Die umfassenderen Förderbedingungen aus dem Kreditprogramm der KfW führen zu 7 Energieeinsparungen von durchschnittlich 18.000 kWh im Jahr pro Einfamilienhaus . Wird vorausgesetzt, dass 200 Sanierungen jährlich nach den Maßgaben der KfW in Wolfsburg umgesetzt werden, können bis 2020 nahezu 10.500 t genutzt werden. Jährlich würden 7,2 Mio. Euro Bundesfördermittel nach Wolfsburg fließen. 4.2.2 Maßnahmen zur Sanierung des Mietwohnungsbestandes Im Jahr 2000 umfasste der Mietwohnungsbestand 39.200 Wohnungen. Dieser Be- stand emittiert für den Heizenergiebedarf, der nahezu vollständig über Fernwärme erfolgt, 63.300 t CO2. Die durchschnittliche Energiekennzahl im Gebäudebestand liegt bei 116 kWh/m²a. Gebäude neueren Datums müssen gemäß der Energieeinsparverordnung eine Energiekennzahl von 40 bis 60 kWh/m²a aufweisen. Der Wärmebedarf des Altbau- bestandes kann durch Sanierung auf diese Werte, das sind 50% des derzeitigen Wärmebedarfs, heruntergeführt werden. Das Konzept „CO2-Minderungspotentiale in der Wohnungswirtschaft“ führt hierzu Beispiele auf. 8 7 Bremer Energie Institut, Effekte des CO2-Gebäudesanierungsprogramms 2007 8 CO2-Minderungspotentiale in der Wohnungswirtschaft, 1998, Niedersächsische Energieagentur. 12