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Dieses Dokument ist Teil der Anfrage „E-Mails vom Kreativbeauftragten Dieter Gorny

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7    Verwendete Literatur ....................................................................................................................... 107 Länderfallstudien zur Förderung nichttechnischer Innovationen in Österreich, dem Vereinigten Königreich und Dänemark mit einem Fokus auf die Kultur- und Kreativwirtschaft ........ 116 Tabellen Tabelle 1 Anzahl und Zuordnung der Interviews.........................................................................................................14 Tabelle 2 Exemplarische Darstellung der Erhebung von erwarteten Produktivitätszuwächsen durch nichttechnische Innovationen bei Facebook .............................................................................................................. 36 Tabelle 3 In Anwendung befindliche Förderinstrumente und momentan adressierte primäre Handlungsfelder.. 81 Tabelle 4 Zusammenführung von Innovationsphasen nichttechnischer Innovationen, Handlungsfeldern und Förderinstrumenten aus dem Bereich der technischen Innovation .......................................................................... 90 Tabelle 5 Zusammenführung von Phasen des NTI-Prozesses, Handlungsfeldern und Förderinstrumenten aus dem Bereich der technischen Innovationen unter Berücksichtigung der Relevanzanalyse aus Kap. 5.1 ................. 92 Abbildungen Abbildung 1 Portfolio an Instrumenten zur Förderung nichttechnischer Innovationen in verschiedenen Innovationsphasen ........................................................................................................................................................ 8 Abbildung 2 Überblick über die Arbeitspakete ........................................................................................................... 13 Abbildung 3 Definition des Produktionsprozesses bei Dienstleistungen ................................................................. 35 Abbildung 4 Verhältniss von technischen, nichttechnischen und sozialen Innovationen (mit Beispielen) ............. 39 Abbildung 5 Fokus der Studie in Bezug auf Arten von (nichttechnischen) Innovationen .........................................41 Abbildung 6 Arten von nichttechnischen Innovationen ............................................................................................ 42 Abbildung 7 Schalenmodell der Interventionsräume................................................................................................. 89 Abbildung 8 Portfolio an Instrumenten zur Förderung nichttechnischer Innovationen in verschiedenen Innovationsphasen ...................................................................................................................................................... 98 Abbildung 9 Projektauswahlverfahren für die impulse-Förderungen innerhalb der österreichischen KW-Initiative „evolve“ ....................................................................................................................................................................... 119 Ökonomische und verwaltungs-technische Grundlagen einer möglichen öffentlichen Förderung von                                                                                       2 nichttechnischen Innovationen
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Executive Summary Das Projekt Deutsche Unternehmen gehören zu den weltweit führenden Anbietern von Industriegütern. Die Her- steller beispielsweise deutscher Autos, Maschinen- oder Industrieanlagen oder auch Medizintechnik gehören weltweit zu den wettbewerbsstärksten Anbietern. Sie tragen umfassend zum wirtschaftlichen Wohlstand in Deutschland bei und sind zentrale Träger des deutschen Exporterfolgs. Betrachtet man neue, etwa stark durch die Digitalisierung getriebene Bereiche im Bereich Business-to- Consumer (B2C) (unter anderem z.B. im Bereich der Kreativwirtschaft), dann fällt auf, dass deutsche Unternehmen auf diesen keine äquivalente Rolle wie in den oben benannten Märkten des verarbeiten- den Gewerbes einnehmen. Diese Märkte basieren im Gegensatz zu den oben genannten deutschen Erfolgsbranchen auffallend oft auf Innovationen, bei denen eine technische Komponente nicht primär im Vordergrund steht. Dies zeigt sich an verschiedensten Beispielen. So werden in Bereichen der Kul- tur- und Kreativindustrie wie z.B. in der Musikwirtschaft Innovationen wie Streaming-Services von Unternehmen wie Spotify und Napster getragen, die außerhalb Deutschlands angesiedelt sind. Ähnli- ches ist in der Gaming- oder Filmbranche bei innovativen Entwicklungen wie z.B. Social oder Serious Gaming oder Virtual Reality Applikationen in Filmen zu beobachten. In gleicher Weise wird der der- zeit dynamische Wandel in der Mobilitätswirtschaft vor allem durch amerikanische Unternehmen wie UBER oder auch das israelische Unternehmen Gett getragen. Deutsche Unternehmen wie z.B. Black- lane adressieren diesen Markt zwar auch, fallen jedoch im Vergleich zu den ausländischen Konkurren- ten zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung stark zurück. Vor diesem empirischen Hintergrund hat sich das Projektteam bestehend aus Technopolis Group, ISIconsult und VDI/VDE-IT in dem Projekt „Ökonomische und verwaltungstechnische Grundlagen einer möglichen öffentlichen Förderung von nichttechnischen Innovatio- nen“ für das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie mit der Notwendigkeit und den Möglich- keiten einer öffentlichen Förderung von sog. nichttechnischen Innovationen befasst. Das Projekt wur- de in drei zentralen Arbeitspaketen bearbeitet. •   Zunächst wurde auf Basis einer umfangreichen Literatur- und Quellenanalyse sowie Inter- views mit Unternehmen und Experten aus Intermediären und Verbänden eine Definition des Begriffs „nichttechnische Innovationen“ sowie eine Abgrenzung zu anderen Arten von Innovation vorgenommen. Ziel war es dabei, eine klare konzeptionelle Fassung des Begriffs „nichttechnische Innovation“ zu erreichen. •   Auf Basis dieser Definition sowie weiterer Experteninterviews führte das Projektteam eine ökonomische Analyse zu potenziellen Tatbeständen von Marktversagen durch. Zudem wurde untersucht, ob verschiedene Aspekte des deutschen Innovationssystems die Reali- sierung von nichttechnischen Innovationen in Deutschland hemmen. Die ergebnisoffene Ana- lyse lieferte Hinweise zu verschiedenen Handlungsfeldern, in denen Tatbestände eines Markt- bzw. Innovationssystemversagens eine staatliche Intervention grundsätzlich nötig erscheinen lassen. •   In einem dritten Schritt wurden das bestehende Förderinstrumentarium der Innovations- politik mit Blick auf eine Anwendbarkeit und Übertragbarkeit auf nichttechnische Innovatio- nen sowie auf eine Passgenauigkeit zu den identifizierten Handlungsfeldern untersucht. Dabei wurden Anpassungsbedarfe der Innovationsförderung herausgearbeitet und Hand- lungsempfehlungen zu geeigneten Instrumenten formuliert. Grundsätzlich lag der Fokus des Projektes auf einer breiten, branchenunabhängigen Analyse von nichttechnischen Innovationen. Durch diesen breiten Fokus der Analyse sollte unter anderem eine Übertragbarkeit der Erkenntnisse auf verschiedene Bereich des Wirtschaftslebens erreicht werden. Allerdings wurden auf Wunsch des Auftraggebers einige Branchen vertieft betrachtet. So lagen Ökonomische und verwaltungs-technische Grundlagen einer möglichen öffentlichen Förderung von        3 nichttechnischen Innovationen
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Schwerpunkte der Untersuchung auf der Kreativwirtschaft (z.B. Gamesbranche), der Energiewirt- schaft, der digitalen Gesundheitswirtschaft sowie auf weiteren digital industries. Definition und Beispiele für nichttechnische Innovationen Es hat sich bisher keine etablierte Definition des Begriffs „nichttechnische Innovationen“ im poli- tischen und wissenschaftlichen Umfeld etablieren können. In der wissenschaftlichen Literatur geht das Verständnis von „Innovation“ zwar deutlich über rein technische Innovationen hinaus. Auch in auf die Nutzung durch die Politik abzielende Publikationen wie z.B. das Oslo-Manual der OECD wird auf nichttechnische Innovationsarten wie Marketing- oder Organisationsinnovationen eingegangen. Al- lerdings bleibt die konzeptionelle Grundlage hierfür unklar bzw. greift zu kurz. Zudem werden für diese Innovationsarten verschiedenste unterschiedliche Bezeichnungen (wie z.B. soziale Innovationen, nichttechnische Innovationen, nichttechnologische Innovationen) in unterschiedlichstem Verständnis und Verhältnis zueinander genutzt. Vor diesem Hintergrund wurde im Projekt eine Definition des Begriffs der nichttechnischen Innovation erarbeitet. Diese kann im Folgenden als Grundlage genutzt werden, um Markt- und Sys- temversagen zu identifizieren und mittels innovationspolitischer Instrumente zu adressieren. Diese Definition baut auf der Erkenntnis auf, dass sich nichttechnische in wesentlichen Aspekten von techni- schen Innovationen unterscheiden. Zwei Aspekte können hierbei beispielhaft genannt werden: •    Technische Innovationen sind kurzfristig nicht grundlegend veränderbar, da sie etwa als phy- sisches Artefakt (etwa als Maschine o.ä.) vorliegen. Nichttechnische Innovationen zeichnen sich dagegen oftmals durch einen interaktiven Charakter aus. Dies bedeutet, dass im Gegen- satz zu technischen Innovationen, die nichttechnischen Innovationen auch nach der Marktein- führung einem stetigen, dynamischen Veränderungsprozess unterliegen. Der Nutzer prägt da- bei durch seine Handlungen wesentlich die konkrete Ausprägung einer Innovation. Beispiele hierfür sind etwa Anpassungen an einem innovativen Webdesign oder einem online- gestützten Videospiel, bei dem auf Basis des Nutzerverhaltens gleichsam in Echtzeit Optimie- rungen vorgenommen werden können. •    Während technische Innovationen objektive Produkteigenschaften aufweisen (z.B. ein be- stimmter PKW bremst bei 100 km/h in 40 Metern in den Stand ab) zeichnen sich nichttechni- sche Innovationen oftmals durch das Fehlen dieser von vornherein bestimmbaren, objektivier- ten Produkteigenschaften aus. Dies wird deutlich etwa bei einem neuartigen Produktdesign- ansatz, bei einer organisatorischen Innovation, bei der sich der Nutzen erst durch die zukünf- tige Akzeptanz innerhalb der Organisation entfaltet oder bei einer innovativen Webplattform wie AirBnB, die maßgeblich von nutzergeneriertem Content lebt (bei AirBnB also konkret etwa der Bereitschaft der Nutzer, Wohnraum über die Plattform zu vermieten). Durch das Fehlen von vorab nicht fest definierbaren objektiven Eigenschaften, ist es bei nichttechnischen Inno- vation vielfach nicht möglich, klare Anwendungs- und Nutzenversprechen a priori identifizie- ren und kommunizieren zu können. Unter anderem auf Basis dieser identifizierten Unterschiede von technischer und nichttechnischer Innovation leitet sich unsere Definition von nichttechnischen Innovationen ab. Dabei stellen wir vor allem die Art der Nutzengenerierung für den Kunden in den Vordergrund, also in welcher Wei- se Wertschöpfung durch die Innovation generiert wird: Unter nichttechnischen Innovationen werden neuartige Produkt-, Dienstleis- tungs-, Prozess-, Organisations- und Marketingkonzepte wie auch Geschäftsmo- delle verstanden. Der primäre Wertschöpfungsbeitrag entsteht dabei nicht aus eingesetzten Technologien (z.B. Komponenten, Software), sondern wesentlich aus Veränderungen, die auf bisher nicht bekannte Anwendungskontexte, Nutzungs- möglichkeiten, organisationale Strukturen oder Ertrags- und Wertschöpfungs- mechaniken abzielen. Nichttechnische Innovationen können in marktorientierter und gemeinwohlorientierter Ausprägung, aber auch in Mischformen vorliegen. Ökonomische und verwaltungs-technische Grundlagen einer möglichen öffentlichen Förderung von          4 nichttechnischen Innovationen
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Ein wichtiger Aspekt bei der Definition und Analyse von nichttechnischen Innovationen ist, dass diese durchaus technische Elemente umfassen können. Allerdings ist Technik hierbei eher „Mittel zum Zweck“. Es gibt also Schnittmengen zwischen der technischen und nichttechnischen Ausprägung von Innovationen. Zudem ist bei der Nutzung der Definition zu beachten, dass diese lediglich generell eine Zuordnung einer Innovation zur Gruppe der nichttechnischen Innovationen ermöglichen soll. Selbst wenn diese Definition auf eine Innovation zutrifft, ist damit noch keine Aussage über die Notwendig- keit einer Förderung oder eine Förderwürdigkeit der Innovation gesagt. Die in der öffentlichen Diskussion (u.a. in der „Neuen Hightech-Strategie“) oftmals genannten sog. „sozialen Innovationen“ sind nach unserer Definition eine Untermenge von nichttechnischen und technischen Innovationen. Sie zeichnen sich nach unserem Verständnis durch eine primäre Gemein- wohlorientierung des Innovators und nicht alleinige, gleichwohl aber – gleichsam als „Nebeneffekt“ – mögliche Kommerzialisierung aus. Ein Beispiel für eine soziale Innovation nichttechnischer Art im Sinne dieses Projektes wäre etwa ein innovatives Partizipationskonzept in der Stadtentwicklung. Im vorliegenden Projekt haben wir uns auf nichttechnische Innovationen fokussiert, welche primär einen Fokus auf eine kommerzielle Verwertung der Innovation aufweisen und die damit prinzipiell für eine Förderung durch das BMWi in Frage kommen. Gleichzeitig können jedoch auch nichttechnische Inno- vationen im Sinne dieses Projektes „soziale“ Effekte haben, etwa wenn ein kommerzielles Videospiel wie Cloud Chaser eine Annäherung an die Erfahrungen von Geflüchteten ermöglicht. Ebenso kann auch ein auf die Nutzung älterer Menschen zielendes Produktdesign etwa eines Smartphones zu kom- merziellen Erfolgen führen, aber gleichzeitig auch die digitale Souveränität älterer Menschen im Sinne einer Nutzung von IKT-basierten Produkten verbessern und damit eine „soziale Komponente“ haben. Die Ausprägung nichttechnischer Innovationen lässt sich aus vielfältigen Perspektiven betrachten. Im vorliegenden Projekt wurden nichttechnische Innovationen in folgende Arten von Innovationen einge- teilt: •    Produktinnovationen mit Technikbezug: Innovationen mit Schnittstellen zu technischen oder IT- Komponenten unter weitgehender Nutzung des bestehenden Standes der Technik wie z.B. Digitale Spiele (Gaming), Video- oder Audio Streaming-Angebote, Online-Beratungsangebote im Bereich Banking, Health etc., Konfiguratoren für individuelle Produkte (Mass Customization), neue/andersartige Kommunikationsdienste/Messenger (z.B. Threema im Vergleich zu WhatsApp) •    Produktinnovationen ohne Technikbezug: Konzepte für neue Produkte (meist Dienstleistungen) weitgehend ohne Notwendigkeit einer technischen Komponente (z.B. neuartige Marketingansätze wie Virales Marketing, Designinnovationen oder ein neuartiges Open Innovation-Konzept). •    Geschäftsmodellinnovationen: Neue Ansätze zur Generierung eines Kundennutzens sowie des damit zusammenhängenden Wertschöpfungs- und Ertragsmodells. Geschäftsmodellinnovationen können in neu gegründeten Unternehmen entstehen (Entrepreneurship in Start-ups, etwa bei Air- BnB, Uber, Deliveroo) oder sich innerhalb von etablierten Unternehmen entwickeln (Intrapreneu- rship, etwa neue Geschäftsmodelle in der KKW/Gamingbranche wie Free-to-play oder das geän- derte Geschäftsmodell von ebay von einer Auktionsplattform im Bereich Consumer-to-Consumer zu einer Business-to-Consumer Verkaufsplattform). Die Analyse eines möglichen Markt- oder Innovationssystemversagens Auf Grundlage der Konzepte einer klassischen, mikroökonomisch orientierten Marktversagensana- lyse sowie dem Konzept des Nationalen Innovationssystems wurden in Arbeitspaket 2 umfang- reiche ökonomische Analysen durchgeführt. Hierdurch wurden verschiedene Tatbestände untersucht, die bei Marktversagen bzw. Systemversagen als Hemmnis innerhalb des deutschen Innovationsystems gesehen werden können und somit eine innovationspolitische Intervention nötig machen könnten. Im Ergebnis der Analyse kommen wir zu einer Reihe von Handlungsfeldern, in denen relevante Innovationshemmnisse bei nichttechnischen Innovationen auf individueller (z.B. für potenzielle Gründer/Innovatoren im nichttechnischen Bereich) bzw. auf systemischer Ebene durch den Marktme- Ökonomische und verwaltungs-technische Grundlagen einer möglichen öffentlichen Förderung von         5 nichttechnischen Innovationen
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chanismus nur auf unzureichende Art und Weise behoben werden. Diese sind zum Teil auch bei tech- nischen Innovationen vorhanden, jedoch aufgrund der Eigenschaften nichttechnischer Innovationen für diese Studie in besonderem Maße relevant. Hierzu gehören beispielsweise: •    hohe Unsicherheiten, Informationsasymmetrien und Risiken bzgl. der kommerziellen Verwer- tung von nichttechnischen Innovationen (verstärkt u.a. durch den nichttechnischen, wenig ob- jektivierbaren Charakter wie z.B. Geschäftsmodellinnovationen sowie bestimmter Eigenschaf- ten von nichttechnischen Innovationen wie z.B. einer hohen Marktinteraktion bei der (Weiter- )Entwicklung der Innovation) •    eine ausbaufähige Vernetzung v.a. zwischen Akteuren verschiedener Branchen oder Unter- nehmenstypen (etwa von Kreativunternehmern mit der Industrie oder von Start-ups mit Mit- telständlern) •    ausbaufähige Infrastrukturen für nichttechnische Innovatoren wie z.B. Gründerzentren oder Co-Working-Spaces mit adäquater technischer Ausstattung Zudem haben systemische Rahmenbedingungen wie die •    Human- und Finanzkapitalausstattung für Innovationsaktivitäten (gut ausgebildeter Nach- wuchs; Finanzierung v.a. in der Wachstumsphase von Unternehmen), •    Innovations- und Gründermentalitäten sowie •    innovationshemmende Regularien - allgemein, aber auch speziell in datengetriebenen und/oder sensiblen Branchen (z.B. Digital Health) eine innovationshemmende Wirkung. Eine Adressierung dieser Faktoren auch durch die öffentliche Hand kann daher grundsätzlich zu einer höheren Innovationsdynamik bei nichttechnischen Innovati- onen führen. Screening der Förderlandschaft mit Blick auf eine Anwendbarkeit bei nichttechnischen Innovationen Das Projektteam hat in einem nächsten Schritt das bestehende (weitgehend auf eine Förderung von technischen Innovationen beschränkte) Förderinstrumentarium der Innovationspolitik gesichtet. Da- bei wurde u.a. die Möglichkeit einer Übertragbarkeit auf eine Förderung von nichttechnischen Innova- tionen untersucht. Besondere Berücksichtigung fanden dabei die vorab dargestellten Eigenschaften sowie die zu adressierenden Handlungsfelder bei nichttechnischen Innovationen. Festhalten lassen sich im Ergebnis hierbei folgende zentrale Aspekte: •    Die existierenden Verfahren der Innovationsförderung haben sich mit Blick auf eine technisch fokussierte Förderung weitgehend bewährt. Sie sind jedoch oftmals nicht direkt auf die Förderung von nichttechnischen Innovationen übertragbar: Eine Förderung muss vor al- lem wegen der besonderen Prozessdynamik nichttechnischer Innovationen (oftmals kurze vormarktliche Phase, schneller möglicher Markteintritt, schnelle Anpassungsprozesse) zu- mindest teilweise über speziell konzipierte oder deutlich angepasste Förderinstrumente und - prozesse realisiert werden. •    Gleichwohl gibt es für verschiedene Handlungsfelder auch bereits existierende Instrumente, die für eine Förderung von nichttechnischen Innovationen grundsätzlich geeignet er- scheinen (etwa der Gründerwettbewerb „IKT innovativ“). Festzustellen ist dabei auch, dass es eine Reihe von existierenden Maßnahmen/Programmen gibt, die der Förderung nichttechnischer Innovationen dienen sollen und können. Allerdings ist dort eine Förderung nichttechnischer Innovationen eher „zufällig“ (mangels Ausschluss) möglich, sie werden jedoch nicht aktiv eingefordert oder explizit miteingeschlossen. •    Ansätze für eine offensive Herangehensweise an die Förderung (explizit so bezeichneter) nichttechnischer Innovationen zeigen sich in neueren oder neu aufgelegten Unterstüt- Ökonomische und verwaltungs-technische Grundlagen einer möglichen öffentlichen Förderung von        6 nichttechnischen Innovationen
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zungsmaßnahmen der öffentlichen Hand. So wird etwa im Programm KMU-NetC des Bun- desministeriums für Bildung und Forschung von August 2016 u.a. auf „nichttechnische Inno- vationen“ Bezug genommen. Allerdings sind auch in dieser Bekanntmachung Hinweise zu ei- ner Unterscheidung oder Abgrenzung von technischen und nichttechnischen Innovatio- nen nicht enthalten. Fokussierung von Förderinstrumenten Überlegungen zur „Interventionseffizienz“ von Maßnahmen in verschiedenen potenziellen Handlungs- feldern führten zu einer Fokussierung auf eine Reihe von Handlungsfeldern. Leitend für diese Priorisierung waren hierbei Aspekte nach einer möglichst zielgenauen Adressierung von Zielgruppen, einer (kurz-/mittelfristig) möglichst effizienten Zielerreichbarkeit einer Maßnahme, der Transparenz und Überprüfbarkeit sowie der ordnungspolitischen Kompatibilität von Maßnahmen. Nach diesen Überlegungen konzentrieren sich die vorgeschlagenen Maßnahmen auf Aspekte innerhalb der Handlungsfelder •   Informationsasymmetrien zwischen Akteuren im Innovationsprozess, •   Erhöhte Unsicherheiten bzgl. der kommerziellen Umsetzung aufgrund bestimmter Eigen- schaften von nichttechnischen Innovationen, •   Infrastrukturen für nichttechnische Innovationsaktivitäten, •   Cross-sektorale Interaktionen, •   Humanressourcen sowie •   Finanzierung in der Wachstumsphase. Innerhalb dieser priorisierten Handlungsfelder wurden Ansätze für konkrete Maßnahmen entwickelt. Diese setzen an verschiedenen Phasen eines (modellhaft nachgezeichneten) Innovationsprozesses (Inkubation, Validierung, Pioneering und Kommerzialisierung) bei nichttechnischen Innovationen an. Die Empfehlungen Bei den Handlungsempfehlungen wurde die Studie von der Überzeugung geleitet, dass innovationspo- litische Instrumente in einer Marktwirtschaft immer nur dann in Betracht gezogen werden dürfen, wenn die spezifische Analyse in Branchen oder zu adressierenden Bereichen eindeutige Tatbestände für ein Markt- oder Systemversagen ergeben. In einer solchen Situation würden durch die Marktakteu- re alleine keine volkswirtschaftlich optimalen Lösungen gefunden werden. Auf Basis dieser Überle- gung wurden die zentralen Handlungsempfehlungen für eine Förderung von nichttechnischen Innovationen abgeleitet. Diese Empfehlungen setzen an den identifizierten Handlungsfeldern an und sind den Zielen der Studie entsprechend branchenübergreifend formuliert. Zu beachten ist hierbei jedoch, dass bei einer etwaigen Umsetzung in konkrete Förderinstrumente zusätzliche Detailanalysen etwa von Spezifika bestimmter Branchen- bzw. Innovationsberei- che nötig sind. Entsprechend schwierig ist es, im Folgenden sowohl eine pauschale Priorisierung als auch eine Fokussierung der innovationspolitischen Maßnahmen vorzunehmen. Diese sind jeweils nach einer Prüfung der Markt- und Systemversagenstatbestände in den einzelnen Branchen bzw. Bereichen zielgerecht zu konfektionieren. Insofern bieten die folgenden Handlungsempfehlungen eher ein Port- folio von möglichen Instrumenten. Aus diesen kann bedarfsorientiert ausgewählt und zugeschnitten werden, um gezielt Ergänzungen etwaiger branchen- oder bereichsspezifisch bereits vorliegender Maßnahmen vorzunehmen. Dadurch können unnötige Dopplungen im Fördergeschehen vermieden werden. Wir schlagen also nicht vor, alle Empfehlungen sofort und branchenübergrei- fend umzusetzen. Dies wäre allein schon aus Ressourcengründen etwa finanzieller oder administra- Ökonomische und verwaltungs-technische Grundlagen einer möglichen öffentlichen Förderung von       7 nichttechnischen Innovationen
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tiver Art unrealistisch. Insbesondere aber wird mit der Förderung von nichttechnischen Innovationen Neuland betreten, so dass wir eine vorsichtige Implementierung empfehlen. Die Empfehlungen sind entlang der unterschiedlichen Phasen des Innovationsprozesses und der damit einhergehenden Innovationshemmnisse ausgeführt. Die Gesamtheit der mit den Empfehlungen adressierten Instrumente ergibt dabei ein konsistentes Maßnahmenbündel zur Förderung von nicht- technischen Innovationen und hierbei insbesondere von Geschäftsmodellinnovationen. Die folgende Abbildung gibt einen Überblick über die Ausrichtung unserer Handlungsempfehlungen. Abbildung 1 Portfolio an Instrumenten zur Förderung nichttechnischer Innovationen in verschiedenen Innova- tionsphasen Gelegenheiten und Räume     Ressourcen und Know-How                 Transparenz &            Gründer qualifizieren & für Ideen schaffen          zum Testen der Idee              Akzeptanz schaffen          Finanzierung stärken zugänglich machen 1. Informelle Netz-        1. Infrastruktur schaffen       1. Label für NTIs schaffen    1. Peer-Mentoring werke unterstützen          / zugänglich machen                                          Ansätze schaffen 2. Aufbau von cross- 2. Bestehende Netz-        2. Zugang zu Coaching &            sektoralen Plattformen     2. Internationalisierung werke für NTI öffnen        Mentoring eröffnen                                           fördern 3. Maßnahmen zur Er- 3. Wissenstransfer         3. Zugang zu Pioneer-              höhung von Kom-            3. Zugang zu Finanzie- erhöhen                     nutzern eröffnen               munikations-/ Mar-            rung verbessern ketingkompetenz 4. Bei „komplexen“ NTI                                        4. Zugang zur Wert- Projektförderung            4. Informations- & Demon-        schöpfungskette erwägen                        strationszentren schaffen     stärken Innovationsphasenübergreifende Maßnahmen 1. Innovation-Hubs schaffen 2. Informations- und Demonstrationszentren aufbauen Inkubation               Validierung                       Pioneering                       Kommerzialisierung Phase Quelle: Technopolis Group Die in der Abbildung dargestellten einzelnen Handlungsempfehlungen sind dabei von den folgenden Überlegungen getragen: In der frühen Phase der Innovation, der Inkubation, gibt es aufgrund der noch bestehenden Unbe- stimmtheit der Idee und des Prozesses zur Etablierung der Idee sowie aufgrund des hohen Unsicher- heitslevels bezüglich der Fortentwicklung einer Idee kaum Ansatzpunkte, gezielt konkrete Innovatio- nen zu fördern. Es lassen sich jedoch Bedingungen schaffen, welche die Wahrscheinlichkeit der Ideenfindung und ihrer Etablierung erhöhen. Hierfür sollten Netzwerke für Akteure mit unter- schiedlichen Erfahrungshintergründen ausgebaut werden. Dies kann zur Entwicklung von Ideen bei- tragen, die die Grundlage nichttechnischer Innovationen bilden. Entsprechend empfehlen wir grund- sätzlich in dieser Phase Maßnahmen zu nutzen, die den Wissenstransfer (z.B. zwischen Start-ups und etablierteren Mittelständlern) oder/und den „cross-sektoralen“ Austausch (also zwischen verschiede- nen Branchen, etwa der Kreativwirtschaft mit dem produzierenden Gewerbe o.ä.) befördern. Die Möglichkeit, eine Idee in der Validierungsphase zu testen und weiterzuentwickeln, erfordert die Kontrolle über die dafür notwendigen Ressourcen, insbesondere Infrastruktur und Zeit. Im Falle von nichttechnischen Innovationen findet die Weiterentwicklung der ersten Idee im Unterschied zu technischen Innovationen meist nicht in einer kontrollierten Laborumgebung statt, sondern oft in Interaktion mit internen und externen Experten oder potenziellen Anwendern in einem anwendungs- nahen Kontext (Open Innovation). Start-ups und Kleinunternehmen sind dazu jedoch oft nicht oder Ökonomische und verwaltungs-technische Grundlagen einer möglichen öffentlichen Förderung von                               8 nichttechnischen Innovationen
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nur unzureichend in der Lage, die dafür benötigten Ressourcen aufzubringen. Entsprechend empfeh- len wir bei Vorliegen von Markt- und Systemversagenstatbeständen in dieser Phase Maßnahmen zu nutzen, die den Zugang zu Infrastrukturen (wie z.B. Gründerzentren) und Pioniernutzern erleich- tern und gleichzeitig die wirtschaftlichen Kompetenzen der Unternehmen in Bezug auf ihre Märkte stärken. Bei (z.B. aufgrund eines Technikbezugs) komplexen nichttechnischen Innovationen können in dieser Phase auch traditionelle Förderkonzepte hilfreich sein, die an die existierende Technologieför- derung anknüpfen. Bei nichttechnischen Innovationen besteht in den Markteinführungsphasen (Pioneering und Kommerzialisierung) aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften (z.B. fehlender objektivierbarer Pro- dukteigenschaften) die besondere Herausforderung von Informationsasymmetrien zwischen Innova- tor und potenziellem Kunden oder Investor. Diese Problematik erschwert es, den Mehrwert überzeu- gend zu kommunizieren, um Marktanteile oder Kapitalgeber zu gewinnen. Entsprechend empfehlen wir bei Vorliegen von Markt- und Systemversagenstatbeständen in dieser Phase Maßnahmen zu nut- zen, die die Transparenz über den Mehrwert der nichttechnischen Innovation fördern und gleichzeitig die Akzeptanz bei den Nutzern steigern. Darüber hinaus sind in dieser Phase sowohl die Marktkompetenzen der Unternehmen zu stärken und ihren Zugang zu Finanzierung insbesondere in der Wachstumsphase zu unterstützen. Neben den innovationsphasenspezifischen Handlungsempfehlungen ist das Augenmerk auf die Ver- zahnung der Maßnahmen über die Phasen hinweg zu richten, um Synergieeffekte zu generieren. Wir empfehlen deshalb, wo es sinnvoll und in der Umsetzung möglich ist, Instrumente und damit einhergehende Kompetenzen zur Förderung von nichttechnischen Innovationen phasenübergreifend zu bündeln, um zusätzliche Hebelwirkungen zu erreichen. Eine solche Bündelung bietet sich insbe- sondere im Rahmen von Innovationsinfrastrukturen wie Informations- und Demonstrations- zentren (Orte zum Kennenlernens und Erfahren von Innovationen) oder bei Innovation-Hubs (Orten, an denen gezielt verschiedene innovationsunterstützende Maßnahmen zusammengeführt wer- den) an. Ergänzt werden diese innovationsphasenspezifischen und -übergreifenden Handlungsempfehlungen durch solche, die sich auf die Ausgestaltung der Maßnahmen beziehen. Allgemein muss die Ausgestal- tung einer Förderung von nichttechnischen Innovationen den besonderen Eigenschaften und hohen Dynamiken von nichttechnischen Innovationen Rechnung tragen. So ist bei der Ausgestal- tung der Maßnahmen darauf zu achten, dass diese flexibel, einfach und praktikabel ausgestaltet sind. Gleichzeitig müssen sie aber auch den speziellen Anforderungen des Innovationsprozesses bei nicht- technischen Innovationen genügen, was sich z.B. in den Bewertungsabläufen bei der Bewilligung von Förderanträgen (etwa Wettbewerbe mit Einbindung einer Jury aus Akteuren mit verschiedenen Hin- tergründen; „Pitches“ im Antragsgeschehen statt komplexer Anträge; Voucher-Formate mit geringem administrativem Aufwand) widerspiegeln muss. Die Förderung von nichttechnischen Innovationen selbst kann ebenfalls als ein nichttechnisches Innovationsprojekt (im Sinne einer „Public Sector Innovation“) angesehen werden. Aus dieser Sicht muss sich auch der Fördergeber selbst (Ministerium, Projektträger) in einen lernenden Pro- zess begeben. Dies beinhaltet sowohl Experimentiermaßnahmen einzuleiten sowie auch umfassende Analysen dieser Maßnahmen durchzuführen, um anschließend funktionierende Maßnahmen in einem größeren Maßstab effizient implementieren zu können. Ökonomische und verwaltungs-technische Grundlagen einer möglichen öffentlichen Förderung von         9 nichttechnischen Innovationen
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1      Einführung Die Stärke der deutschen Wirtschaft basiert zu großen Teilen auf der Marktführerschaft deutscher Industriegüterhersteller. Anbieter deutscher Autos, deutscher Maschinen- oder Industrieanlagen oder auch deutscher Medizintechnik gehören weltweit zu den wettbewerbsstärksten Mitbewerbern. Sie tragen dabei in großem Umfang zum wirtschaftlichen Wohlstand in Deutschland bei. So machten diese Branchen zusammen beispielsweise rund die Hälfte der Gesamtexporte in 2015 aus (Statistisches Bundesamt, 2016).1 In anderen Bereichen des Wirtschaftslebens wie etwa in digital industries im Bereich Business-to- Consumer (B2C) können jedoch andere Beobachtungen gemacht werden: So wird der Markt für sozia- le Medien durch amerikanische Anbieter wie Facebook getragen. Deutsche Anbieter wie StudiVZ und andere sind heute kaum mehr am Markt für soziale Medien vertreten. Auch in Bereichen der Kreativ- wirtschaftsbranche wie etwa der Musikindustrie werden Innovationen wie Streaming-Services von Unternehmen wie Spotify und Napster getragen, die außerhalb Deutschlands angesiedelt sind. Ähnli- ches ist in der Gaming- oder Filmbranche bei innovativen Entwicklungen wie z.B. Social oder Serious Gaming, oder Virtual Reality Applikationen in Filmen zu beobachten. Und der derzeit dynamische Wandel in der Mobilitätswirtschaft wird vor allem durch die amerikanische Unternehmung UBER oder auch das israelische Unternehmen Gett getragen, deutsche Anbieter spielen eher eine unterge- ordnete Rolle. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage nach den Ursachen für eine möglicherweise gegebene deutsche Schwäche in diesen Märkten. Warum gelingt es deutschen Unternehmen nicht so gut wie ihren Wettbewerbern in den USA oder in anderen Ländern sich auf den angesprochenen Wachstums- märkten zu etablieren? Liegt es vielleicht an den Innovationsprozessen in diesen Märkten, bei denen nicht eine Lösungsfindung für technische Herausforderungen im Vordergrund steht, sondern oftmals „state of the art“ Technologien zwar verbessert, aber nicht grundlegend verändert werden. Die vorliegende Studie setzt hier an. Sie erörtert Fragestellungen wie diese: •    Welche Eigenschaften hat dieser Typus von Innovation, der nicht mehr durch die Entwicklung neuer Technologien gekennzeichnet ist, sondern durch nichttechnische Faktoren? •    Gibt es Besonderheiten im Entstehungsprozess von nichttechnischen Innovationen, durch die aufgrund von Marktversagen oder durch Merkmale des deutschen Innovationssystems Hemmnisse bei der Innovationsdynamik entstehen? •    Können und sollten diese Faktoren durch eine adjustierte Innovationspolitik gemildert oder gar beseitigt werden? Wie könnten derartige Ansätze der Innovationspolitik aussehen? Die Bearbeitung dieser Fragen stellt einen hohen analytischen Anspruch an diese Untersuchung. So intuitiv der Unterschied zwischen technischen und nichttechnischen Innovationen auf den ersten Blick sein mag, so schwierig ist er jedoch analytisch zu fassen. Dies gilt nicht zuletzt weil, wie in dieser Stu- die gezeigt wird, der Unterschied zwischen technischen und nichttechnischen Innovation keineswegs eindeutig ist. Vielmehr wird in der Studie zu zeigen sein, was die Unterschiede zwischen technischen und nichttechnischen Innovationen sind, obwohl beide Arten von Innovationen in Teilen sowohl tech- nische als auch nichttechnische Aspekte aufweisen können. Es muss hierfür also eine Definition erar- beitet werden, die eine analytische Betrachtung der unterschiedlichen Anteile von technischen und nichttechnischen Faktoren an einer Innovation ermöglicht und damit eine Einordnung in die Katego- rien technische bzw. nichttechnische Innovation ermöglicht. Verstärkt wird die Herausforderung der Analyse von nichttechnischen Innovationen auch durch eine gewisse Begriffsverwirrung. Verschiedenste Bezeichnungen wie nichttechnische, nichttechnologische 1 Die in den Anteil an den Gesamtexporten miteinbezogen Warenklassifikationen sind: Maschinen, Apparate und mechanische Geräte (84), Elektrische Maschinen, Bild- und Tonwiedergabegeräte (85), Zugmaschinen, Kraftwagen, Krafträder, Fahrräder (87), Optische, fotographische Instrumente; medizinische Instrumente (90); Bezugsjahr 2015 Ökonomische und verwaltungs-technische Grundlagen einer möglichen öffentlichen Förderung von                         10 nichttechnischen Innovationen
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oder soziale Innovationen werden in der politischen Diskussion verwendet, ohne dass sich bisher ein einheitliches Verständnis dieser Begriffe herausgebildet hätte. Die begriffliche Auseinandersetzung mit den verschiedenen Arten von Innovationen ist jedoch vor allem deshalb zentral für diese Studie, da sie auch darauf abzielt, Tatbestände für Markt- und System- versagen im Bereich der nichttechnischen Innovationen zu analysieren. Ist also die mögliche deutsche Schwäche im Bereich der nichttechnischen Innovationen auf ökonomisch erklärbare Tatbestände ei- nes nur bedingt funktionsfähigen Marktmechanismus zurückzuführen? Analysen von Markt- und Sys- temversagenstatbeständen sind aus der wissenschaftlichen Diskussion über technische Innovationen bestens bekannt. Aber gelten für nichttechnische Innovationen dieselben Probleme wie bei den techni- schen oder können andere Schwächen des Marktmechanismus identifiziert werden? Mit der Identifikation möglicher Schwächen des marktwirtschaftlichen Allokationsmechanismus bei nichttechnischen Innovationen einher geht die Suche nach möglichen innovationspolitischen Instru- menten zur Milderung bzw. Überwindung der möglicherweise identifizierbaren Schwächen. Kann der Staat durch innovationspolitische Interventionen die deutschen Unternehmen bei der Schaffung und Implementierung von nichttechnischen Innovationen unterstützen, die ohne seinen Beitrag nicht rea- lisiert würden? Im Rahmen dieser Studie soll also auch untersucht werden, welche Form der innovati- onspolitischen Intervention besonders geeignet ist, wenn ein Versagen des Marktmechanismus’ oder des Innovationssystems identifiziert wird. Die vorliegende Studie arbeitet vor allem in ihren ersten Kapiteln in einem hohen Maße theoretisch. Um diese theoretischen Analyseergebnisse zu ergänzen, wird im Rahmen dieser Studie auch eine em- pirische Erhebung durchgeführt. Hierbei muss sich die empirische Befragung aus forschungsprakti- schen Gründen notwendigerweise einen engeren Fokus setzen. Sie legt dabei ihren Schwerpunkt auf Innovationsprozesse in der Kultur- und Kreativwirtschaft (KKW), insbesondere KKW-Teilbranchen wie die Software- und Game-Industrie und Designwirtschaft (insb. Produkt- oder Industriedesign). Darüber hinaus werden datenbasierte nichttechnische Innovationen aus den Bereichen Energie sowie digital health betrachtet. Dieser Branchenfokus ist auch darauf zurückzuführen, dass die Kultur- und Kreativwirtschaft, aber auch digitale und datenbasierte Geschäftsmodelle wie z.B. internetbasierte Marktplätze, digitale Intermediäre wie UBER oder MyTaxi oder Ansätze des „Big Data Analytics“ wie z.B. Social Media Monitoring von besonderer Relevanz für den Auftraggeber dieser Studie sind. Es ist dennoch der Anspruch dieser Studie, nicht auf den Aussagen zu den empirisch analysierten Branchen zu verharren. Vielmehr will die Studie die Erkenntnisse aus den empirisch untersuchten Bereichen der KKW sowie der anderen Branchen auf nichttechnische Innovationen insgesamt übertragen und damit einen möglichen branchenübergreifenden innovationspolitischen Ansatz zur Steigerung der Innovati- onsaktivitäten im nichttechnischen Bereich ins Auge fassen. Ökonomische und verwaltungs-technische Grundlagen einer möglichen öffentlichen Förderung von         11 nichttechnischen Innovationen
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