Traditionspflege im Heer
Dieses Dokument ist Teil der Anfrage „Aktuelle Bereichsanweisung Traditionspflege im Heer“
Stichworte zur Traditionsbildung und -pflege im Heer D1-2650/0-1350 613. Die Traditionsrichtlinien vom 20. September 1982 erläutern in diesem Zusammenhang: „Die Geschichte deutscher Streitkräfte hat sich nicht ohne tiefe Einbrüche entwickelt. In den Nationalsozialismus waren Streitkräfte teils schuldhaft verstrickt, teils wurden sie schuldlos missbraucht. Ein Unrechtregime, wie das Dritte Reich, kann Tradition nicht begründen.“ BM Rühe ergänzte hierzu am 13. März 1997 vor dem Deutschen Bundestag: „[…] nicht die Wehrmacht, aber 20 einzelne Soldaten können traditionsbildend sein, wie die Offiziere des 20. Juli […].“ 614. Die Soldaten des 20. Juli 1944 waren keine Verräter. Ihnen ging es um die Würde der Deutschen, die Beendigung des Krieges und die Erhaltung Deutschlands. Henning von Tresckow hat die Überzeugung aller Beteiligten ausgedrückt: „Das Attentat auf Hitler muss erfolgen, koste es, was es wolle. Sollte es nicht gelingen, so muss trotzdem der Staatsstreich versucht werden. Denn es kommt nicht mehr auf den praktischen Zweck, sondern darauf an, dass die Widerstandsbewegung st! vor der Welt und vor der Geschichte unter Einsatz des Lebens den entscheidenden Wurf gewagt hat. 21 en Alles andere ist daneben gleichgültig.“ di gs 615. ru Ein Indiz dafür, dass die Soldaten im Widerstand sachlich und moralisch richtig gehandelt n de haben, ist auch die Tatsache, dass 50% der Verluste an Menschen im Zweiten Weltkrieg erst im Än letzten Kriegsjahr von Juni 1944 bis Kriegsende eintraten. em 616. td Das Beispiel de Soldaten des 20. Juli 1944 zeigt die Grenzen der Gehorsamspflicht ic h auf. Viele dieser Soldaten sind Vorbilder, weil sie ihr Gewissen über den vom Unrechtsstaat tn geforderten Gehorsam stellten. Sie fühlten oder wussten, dass politische Tyrannei und im Gewissen eg te gebundener Gehorsam nicht vereinbar sind. Ihr Handeln entsprang Überzeugungen, die auf den rli un Wertevorstellungen einer seit Jahrhunderten geprägten christlich-abendländischen Kultur gründeten. k us In ihrem Handeln erkennen wir auch die in den Traditionsrichtlinien vom 20. September 1982 druc hervorgehobenen Einstellungen und Verhaltensweisen wie: „Liebe zu Heimat und Vaterland, er Orientierung nicht allein am Erfolg und dem Erfolgreichen, sondern auch am Leiden der Verfolgten A ie und Gedemütigten, politisches Mitdenken und Mitverantwortung […]“. s D 617. Widerstand ist für Soldaten in einem demokratischen Staat kein Anachronismus. Im Artikel 20 (4) unseres Grundgesetzes heißt es: „Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.“ Dies gilt auch für die Soldaten als Staatsbürger, wenn es jemand unternimmt, die verfassungsmäßige Ordnung zu beseitigen. Dieses in unserer Verfassung verankerte Recht gab es im nationalsozialistischen Deutschland nicht. Es galt jedoch auch in dieser Zeit die Orientierung am Recht und am eigenen Gewissen. 20 Rede des Bundesministers der Verteidigung Volker Rühe anlässlich der aktuellen Stunde im Bundestag am 13.03.1997, Bundestagsdrucksache, 13. Wahlperiode, 163. Sitzung, S. 14721 21 Henning von Tresckow nach: Aufstand des Gewissens – Militärischer Widerstand gegen Adolf Hitler und das NS-Regime 1933-1945, Katalog zur Wanderausstellung, Hg. Militärgeschichtliches Forschungsamt, Berlin, Bonn, Herford, 4. Auflage, 1994, S. 152 Seite 35 Stand: März 2015
D1-2650/0-1350 Stichworte zur Traditionsbildung und -pflege im Heer Merke: • Die Soldaten im Widerstand gegen Nationalsozialismus gaben ein Beispiel für gewissenhaftes Handeln und Opfermut. Wir müssen und mit jeder Einzelpersönlichkeit und ihren Motiven auseinandersetzen, bevor wir jemanden als Vorbild hervorheben. • Derjenige, der diesen Soldaten Verrat vorwirft, muss beachten, dass der Eid nicht nur den Soldaten, der den Eid leistet, sondern auch den Dienstherren als Eidabnehmer bindet. • Die Soldaten im Widerstand haben uns verdeutlicht, dass – wie das Soldatengesetz im § 11 festlegt – die Gehorsamspflicht dort ihre Grenzen hat, wo Vergehen und Verbrechen die Folge von unrechtmäßigen Befehlen sind. • Die Bundeswehr gedenkt nicht nur den Soldaten, sondern auch anderen Frauen und Männern des Widerstandes – nicht nur am 20. Juli – und nimmt Bezug auf ihr Beispiel bei der st ! Unterrichtung der Soldaten über die Bedeutung von Eid und Feierlichem Gelöbnis oder bei der en Benennung mancher Kasernen. di gs ru n de 6.2.3 Ausgewählte Literatur Än • Aufstand des Gewissens – Katalog zur Wanderausstellung des MGFA, 4. Auflage, Herford, 1994 em • td Lill, Rudolf, Heinrich Oberreuer: 20. Juli – Porträts des Widerstands, Frankfurt, 1994 ic h • Steinbach, Klaus: Widerstand gegen Hitler, Stuttgart, 1997 tn • eg Klaus Steinbach, Johannes Tuchel (Hg.): Lexikon des Widerstandes, München, 1994 terli • Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland un • Generalinspekteurbrief 1/94 k • us dr Der Bundesminister der Verteidigung/ Fü B I 4 – Az 35-08-07 vom 01.07.1965 („Bundeswehr und uc Tradition“) er A • ZDv 10/1 „Innere Führung“, Februar 1993, Anlage 7/3: BMVg/ Fü S I 3 – Az 35-08-07 vom ie s 20.09.82 (Richtlinien zum Traditionsverständnis und zur Traditionspflege in der Bundeswehr) D • Bundesminister der Verteidigung Volker Rühle. Aktuelle Stunde im Bundestag am 13.03.1997, Bundesdrucksache, 13. Wahlperiode, 163. Sitzung, S. 14721 Seite 36 Stand: März 2015
Stichworte zur Traditionsbildung und -pflege im Heer D1-2650/0-1350 6.3 Staatsbürger in Uniform und Innere Führung ! st en di gs ru n de Än em td ic h tn eg terli Verleihung „Freiherr vom Stein Preis“ am 10.02.1965 an (v.l.) die Generale de Maizière, Graf un von Baudissin und Graf von Kielmannsegg k us dr In Gesprächen über die eigene Tradition der Bundeswehr werden häufig folgende Fragen uc gestellt: er A • Kann der nach den Grundsätzen der Inneren Führung geführte „Staatsbürger in Uniform“, ie s der lediglich einen Beruf von vielen ausübt, eine Tradition begründen? D • Was ist denn das Besondere am Staatsbürger in Uniform und der Inneren Führung? • Warum hat man diese beiden Begriffe in den Traditionserlass aufgenommen? 6.3.1 Grundlagen 618. Die Begriffe Staatsbürger in Uniform und Innere Führung wurden 1952 und 1953 im Amt Blank, dem Vorläufer des späteren Verteidigungsministeriums, geprägt. 619. Ausgangspunkt war die äußerst kontrovers geführte Diskussion um die Bewaffnung der Bundesrepublik Deutschland, in der die Gründerväter der Bundeswehr von der Möglichkeit eines Bündnisses zwischen demokratischer Idee und soldatischer Notwendigkeit ausgingen (General a.D. Graf von Kielmansegg). Seite 37 Stand: März 2015
D1-2650/0-1350 Stichworte zur Traditionsbildung und -pflege im Heer 620. Angesichts des Erbes der jüngsten Vergangenheit und der daraus resultierenden überaus kritischen Einstellung der Bevölkerung gegenüber allem Militärischen hatte ein solches Bündnis jedoch nur Aussicht auf Erfolg, wenn man einen militärischen Neubeginn unter den Vorzeichen einer seit Jahren pluralistisch ausgerichteten, parlamentarischen Demokratie verwirklichen wollte. 621. Von diesen Überlegungen ausgehend, wurden dann unter intensiver Beteiligung aller politischen und gesellschaftlichen Gruppierungen die rechtlichen Grundlagen geschaffen, die Bundeswehr als „Parlaments-, Staatsbürger-, Bündnis- und Verteidigungsarmee“ (General de Maizière) aufzustellen, in das politische System zu integrieren und an die Werteordnung des Grundgesetzes zu binden. 622. Eine erfolgreiche Umsetzung dieser Reform war letztendlich jedoch nur mit einem „neuen“ Soldaten möglich, der nunmehr als Staatsbürger in Uniform zugleich „freier Mensch, guter ! st Staatsbürger und vollwertiger Soldat“ sein sollte. Die sich aus diesem neuen Leitbild ergebenden en di rechtlichen Konsequenzen, insbesondere die Gültigkeit der Grundrechte auch für den Soldaten, sind gs ru u.a. im Grundgesetz und im Soldatengesetz verankert. Die Bundeswehr hat damit den Charakter n de einer Staatsbürgerarmee erhalten. Der Soldat soll im Dienst Werte erleben, zu deren Verteidigung er Än verpflichtet ist. em 623. td In der Truppe selbst sollte dieses neue Leitbild des Soldaten durch ein neues pädagogisches ic h Konzept auf der Basis einer adäquaten Führungsphilosophie und Inneren Ordnung realisiert werden tn (General a.D. Graf von Baudissin). Die hierzu erforderlichen Maßnahmen sind unter dem eg te Sammelbegriff Innere Führung zusammengefasst.rli un 624. Die Innere Führung sollte weiterhin die Integration der Armee und ihrer Soldaten in Staat k us und Gesellschaft fördern, um damit eine breite Zustimmung der Bevölkerung als zusätzliche druc Legitimationsgrundlage zu erhalten. Darüber hinaus war man auf der Basis von eingehenden er A Analysen von Staat und Gesellschaft, der internationalen Lage, von Industrie und Technik und des ie s daraus zu erwartenden zukünftigen Kriegsbildes davon überzeugt, dass der nach Grundsätzen der D Inneren Führung geführte, ausgebildete und gut motivierte Staatsbürger in Uniform den Anforderungen eines künftigen Krieges besser standhalten könne. 6.3.2 Konzeption der Inneren Führung 625. Unter dem Leitbild des Staatsbürgers in Uniform verstehen wir heute den Soldaten, der gleichzeitig „freier Mensch, verantwortungsbewusster Staatsbürger und vollwertiger Soldat“ ist. Er ist weiterhin die Grundlage der Inneren Führung und ihre Weiterentwicklung auf der Basis der sich ändernden Rahmenbedingungen. Der Soldat der Bundeswehr ist in diesem Sinne zu erziehen, auszubilden und zu führen. 626. Die Vorgaben sollen insbesondere durch die Anwendungsbereiche und durch die Leitsätze für die Praxis der Inneren Führung auf die Belange der Truppe abgestimmt und in der Armee Seite 38 Stand: März 2015
Stichworte zur Traditionsbildung und -pflege im Heer D1-2650/0-1350 verwickelt werden. Die Innere Führung ist demnach auf der Basis der seit 1993 verbindlichen Grundlage der ZDv 10/1 „Innere Führung“ die Summe aller Maßnahmen zur Verwirklichung des „Staatsbürgers in Uniform“. Sie bestimmen weiterhin die Unternehmenskultur der Bundeswehr und bindet die Streitkräfte an die Werte des Grundgesetzes. 627. Dies spiegelt sich u.a. in Zielen wider, die durch • die Vermittlung rechtlicher und ethischer Begründungen für den soldatischen Dienst, • das Verständnis für den Dienst und den militärischen Auftrag, • die Integration der Bundeswehr und des Soldaten in Staat und Gesellschaft, • das Verständnis für die Aufgaben der Bundeswehr im Bündnis, • die Bereitschaft zur gewissenhaften Pflichterfüllung, • die Übernahme von Verantwortung, ! st • die Gestaltung einer menschenwürdigen Inneren Ordnung, en • die effiziente Auftragserfüllung, di gs • den Zusammenhalt in der Truppe ru n gefördert werden sollen (ZDv 10/1, Innere Führung, Kapitel 2).de Än 628. Die Umsetzung in der Truppe erfolgt durch eine entsprechende Führungsphilosophie und em td eine auf rechtsstaatlichen Grundsätzen beruhende soldatische Ordnung auf der Basis der ic h Grundsätze der Inneren Führung, die für das Handeln aller Soldaten verpflichtend sind. tn 629. eg Hieraus ergeben sich folgende Anwendungsbereiche der Inneren Führung als Grundlage für terli den Einsatz, die Erziehung, die Ausbildung und die Innere Ordnung der Bundeswehr: un • zeitgemäße Menschenführung, k • moderne Personalführung, us druc • Recht und soldatische Ordnung, er A • Betreuung und Fürsorge, ie s • sanitätsdienstliche Versorgung, D • Militärseelsorge, • Dienstgestaltung und Ausbildung, • Politische Bildung, • Informationsarbeit und • Organisation (ZDv 10/1, Kapitel 3). 630. Ergänzend dazu sind alle Soldaten und speziell alle Vorgesetzten verpflichtet, die Leitsätze für die Praxis der Inneren Führung anzuwenden und ihr Führungsverhalten danach auszurichten (ZDv 10/1). Dabei sind insbesondere die Würde und Eigenständigkeit der Soldaten zu beachten und ihre Persönlichkeitsentwicklung zur Selbstständigkeit und Eigenverantwortung zu fördern. Dies ist eine der wesentlichen Voraussetzungen für den Erfolg einer fordernden Führung im Seite 39 Stand: März 2015
D1-2650/0-1350 Stichworte zur Traditionsbildung und -pflege im Heer Rahmen der Auftragstaktik und einer harten, am Einsatz orientierten Ausbildung sowie einer erwachsenengerechten Erziehung. 631. Hinzu kommen die „Richtlinien zum Traditionsverständnis“ (=> Anlage 4). Sie stellen die eigene Tradition der Bundeswehr unter besonderer Berücksichtigung des Staatsbürgers in Uniform und der Inneren Führung in den Mittelpunkt der Traditionspflege. Der Traditionserlass sagt in Nr. 20: „Die Bundeswehr pflegt eigene Traditionen […]. Dazu gehören vor allem […] das Leitbild des „Staatsbürgers in Uniform“ und die Grundsätze der Inneren Führung […].“ Merke: • Staatsbürger in Uniform und Innere Führung sind die Grundlagen unserer eigenen! st en Tradition. Sie stehen für den nicht nur am Erfolg orientierten, aus Einsicht gehorchenden, gut di motivierten und einsatzbereiten Soldaten in der Demokratie. Die so handelnden Soldaten haben gs sich im Einsatz eindrucksvoll bewährt. ru n de • Der Staatsbürger in Uniform ist ein freier Mensch, verantwortungsbewusster Staatsbürger und Än einsatzbereiter Soldat. Er gehorcht aus Einsicht und ist aus Überzeugung bereit, sein Land zu em verteidigen sowie dem Frieden in der Welt zu dienen. td ic • Innere Führung ist der Führungs-, Ausbildungs- und Erziehungsauftrag zur Umsetzung von h tn Normen und Werten des Grundgesetzes für einsatzbereite Streitkräfte in der Demokratie und eg te zur Verwirklichung des Staatsbürgers in Uniform. rli un • Das Bündnis zwischen demokratischer Idee und soldatischer Notwendigkeit hat sich in k us über 40 Jahren bewährt und eine Tradition begründet. druc • Traditionsbildung und Traditionspflege sind Bestandteil der Inneren Führung. er A ie s 6.3.3 Ausgewählte Literatur D • Abendheim, Donald: Bundeswehr und Tradition – Die Suche nach dem gültigen Erbe des deutschen Soldaten, München, 1989 • Baudissin, Wolf Graf von: Soldat für den Frieden – Entwürfe für eine zeitgemäße Bundeswehr, Hg. Peter von Schubert, München, 1969 • Diefenbach, Karl: Staatsbürger in Uniform – Ausgangspunkt und Ziel der Inneren Führung, Reader Sicherheitspolitik 1/98, Beilage zur IFDT 1/98 • Ilsemann, Carl Gero von: Die Innere Führung in den Streitkräften – Regensburg, 1981 • Reeb, Hans-Joachim, Peter Többicke: Innere Führung von A-Z – Lexikon für militärische Führer, Regensburg, Berlin, Bonn, 1991 • ZDv 10/1 „Innere Führung“, Februar 1993 Seite 40 Stand: März 2015
Stichworte zur Traditionsbildung und -pflege im Heer D1-2650/0-1350 6.4 Bundeswehr: Erste deutsche Wehrpflichtarmee in der Demokratie st ! en di gs ru n de Än em td ic h Feierliches Gelöbnis vor dem Schloss Charlottenburg, Berlin 1996 tn eg Die Bundeswehr ist die erste Wehrpflichtarmee in einem demokratischen deutschen Staat. terli Was bedeutet dies für Traditionsbildung und Traditionspflege? un k 6.4.1 Hintergrund us druc 632. Am 12.11.1955 er erhielten die ersten 101 Freiwilligen der Bundeswehr ihre A Ernennungsurkunden. Dieses Datum wurde gewählt, weil es der 200. Geburtstag Scharnhorsts war. ie s Damit sollte an den Mann erinnert werden, der die Idee vom Bewohner eines Staates als dessen D geborenem Verteidiger in die preußischen Reformen eingebracht und als allgemeine Wehrpflicht durchgesetzt hatte (Absatz 6.1). 633. Am 1. April 1957 wurden die ersten Wehrpflichtigen in die Bundeswehr einberufen. 634. Die Entwicklung zur Wehrpflichtarmee war umstritten. Im In- und Ausland wurde kontrovers diskutiert, ob angesichts der deutschen Vergangenheit überhaupt eine erneute Bewaffnung erlaubt sei. Im Inland setzte man sich darüber hinaus mit der Frage auseinander, ob die neuen Streitkräfte als Wehrpflicht- oder als Freiwilligenarmee aufzustellen seien. Zu den gefundenen Antworten gibt es bis heute eine breite Zustimmung. Seite 41 Stand: März 2015
D1-2650/0-1350 Stichworte zur Traditionsbildung und -pflege im Heer 6.4.2 Bedeutung der Wehrpflicht für die Traditionsbildung 635. Verbreitung und Anerkennung des Leitbildes Staatsbürger in Uniform in der Bevölkerung sind unstrittig das Ergebnis von mehr als vier Jahrzehnten Wehrpflicht. Damit ist in Deutschland ein Bild parlamentarisch kontrollierter, in die Gesellschaft integrierter Streitkräfte entstanden, deren Soldaten Staatsbürger und Kämpfer zugleich sind. Unsere Mitbürger haben sich daran gewöhnt und fordern es ein. 636. Das deutsche Streitkräfte auch in Zukunft dem Leitbild Staatsbürger in Uniform verpflichtet bleiben, ist das überlieferungswürdige Verdienst der Wehrpflicht. 6.4.3 Pflege der „Tradition der Wehrpflicht“ 637. Eine Aufgabe der Traditionspflege ist es, das Bild der Bundeswehr als einer Armee der st ! en Staatsbürger in Uniform zu bewahren, zu festigen und lebendig zu halten. Dazu gilt es, in den di gs Streitkräften und in der Bevölkerung den Staatsbürger in Uniform als Ziel militärischer Ausbildung und ru n Erziehung erlebbar machen. So pflegt die gelebte Innere Führung die „Tradition der Wehrpflicht“. de 638. Än Die „Tradition der Wehrpflicht“ kann in der Traditionspflege unter anderem dokumentiert werden durch: em td • Fotos, die die Wehrpflicht in den Mittelpunkt rücken, ic h • Erinnerungstafeln für die einzelnen Wehrpflichtigenjahrgänge der Dienststelle, der Einheit, des tn Verbandes, (Absatz 6.17), eg terli • Erinnerungstage an die ersten Wehrpflichtigen des Standortes, der Dienststelle, der Einheit, des un Verbandes, k us • Verdeutlichung der Bedeutung des 12. November etwa im Rahmen von Veranstaltungen eben an druc diesem Tag (Appell, Weiterbildung, Truppeninformation, usw.) (Absatz 6.1), er A • Unterrichte über die Bedeutung der Wehrpflicht für den Staatsbürger in Uniform (Absatz 6.3), ie s • Feierliche Gelöbnisse und Kommandoübergaben in der Öffentlichkeit, mit denen die Verbindung D der Streitkräfte zur Bevölkerung gesucht wird und der Staatsbürger in Uniform in der Öffentlichkeit erlebt werden kann. Der Traditionserlass sagt in Nr. 9: „Für die Traditionsbildung in den Streitkräften ist von Bedeutung, dass die Bundeswehr die erste Wehrpflichtarmee in einem demokratischen deutschen Staatswesen ist.“ Merke: • 40 Jahre Wehrpflicht haben im allgemeinen Bewusstsein das Leitbild des Staatsbürgers in Uniform und die Innere Führung zur Selbstverständlichkeit gemacht. Damit ist eine Tradition begründet worden. • Durch die Wehrpflicht übernehmen Bürger Verantwortung für unsere Demokratie. • Die Wehrpflicht bindet die Streitkräfte in besonderem Maße in die Gesellschaft ein. Seite 42 Stand: März 2015
Stichworte zur Traditionsbildung und -pflege im Heer D1-2650/0-1350 6.4.4 Ausgewählte Literatur • Reichenberger, Rudolf: 25 Jahre Bundeswehr im Dienste des Friedens, IFDT 11/80, S. 6 ff. • Fischer, Johannes: Militärpolitische Lage und militärische Planung bei Aufstellungsbeginn der Bundeswehr, IFDT 11/80, S. 26 ff. • Caspar, Dr. Gustav-Adolf: Zur innenpolitischen Auseinandersetzung über den westdeutschen Verteidigungsbeitrag, IFDT 11/80, S. 78 ff. ! st en di gs ru n de Än em td ic h tn eg terli un k us druc er A ie s D Seite 43 Stand: März 2015
D1-2650/0-1350 Stichworte zur Traditionsbildung und -pflege im Heer 6.5 Armee im Bündnis st ! en di gs ru n de Än em td ic h tn Kann die Zugehörigkeit zu einer internationalen Verteidigungsgemeinschaft wie der NATO eg Tradition begründen? terli un 6.5.1 Die Geschichte k us 639. druc Der offene Ausbruch des Kalten Krieges im Jahre 1947 bestimmte die westliche Außen- und er Sicherheitspolitik für die folgenden Jahrzehnte. A 640. ie s Er führte in den Jahren 1949 – 1955/56 zum Aufbau der NATO. Die Bundesrepublik D Deutschland trat der Allianz im Mai 1955 bei in logischer Konsequenz des sich weiter verschärfenden Ost-West-Konfliktes und der nationalen Interessen aller westlichen Bündnispartner. 641. Zehn Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges vereinbarten die Demokratien des Westens mit dem westlichen Teil Deutschlands, auf der Grundlage gleicher Werte und Interessen gemeinsam die Zukunft zu gestalten. Es war und ist erklärtes Ziel des Bündnisses, den Frieden in Europa zu wahren und dem Totalitarismus entgegenzutreten. 642. Der Beitritt zur NATO schuf nach einer langen Debatte in einem geteilten Land endlich Klarheit über die Vorstellung Deutschlands zur Gestaltung eines friedlichen Zusammenlebens in Europa. Es bestimmte den Gang der deutschen und der europäischen Geschichte und somit die Entwicklung des Westens. Es beendete jedoch weder in Deutschland noch im internationalen Ausland die Auseinandersetzung über die Richtlinien der deutschen Beteiligung. Seite 44 Stand: März 2015