HTS2025_Reinschrift_konvertiert

Dieses Dokument ist Teil der Anfrage „Hightech-Strategie 2025 - Informationen zum Auswahlprozess der Missionen

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15 Finanzwirtschaft wollen wir durch unsere Forschungsförderung die notwendigen Grundlagen für die Bewertung nachhaltiger Wertschöpfungsketten zur Verfügung stellen. Arbeit 4.0 Mit unserer Forschungsförderung zur Zukunft der Arbeit wollen wir Antworten auf die Frage finden, wie die Arbeitswelt mit neuen Technologien human, gesundheitserhaltend und wirtschaftlich gestaltet werden kann. Dafür treiben wir die Entwicklung technischer und sozialer Innovationen voran, die die Gestaltung neuer Formen der Arbeit ermöglichen. Im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2018 „Arbeitswelten der Zukunft“ setzen wir uns gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern sowie Expertinnen und Experten intensiv mit diesem Thema auseinander und tragen es in die Breite der Gesellschaft. Neue Forschungs- und innovationspolitische Initiativen 2018-2021 Regionale Kompetenzzentren für Arbeitsforschung         voraussichtlich Sommer 2018 Plattform Lernende Systeme                       Laufend seit 2017 Wissenschaftsjahr 2018 „Arbeitswelten der Zukunft“                 2018 … [Ergänzungen Ressorts]                               …
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16 II. Wir entwickeln Deutschlands Zukunftskompetenzen. Deutschland muss ein Innovationsland bleiben. Wir können nur Lösungen für die großen Herausforderungen finden, wenn der Wissenschafts-, Forschungs- und Innovationsstandort Deutschland seine Zukunftskompetenzen kontinuierlich weiterentwickelt. Aktuell eröffnen Technologien, wie die künstliche Intelligenz, vielfältige Chancen für die Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft. Drei Komponenten sind für Zukunftskompetenzen essenziell: Erstens das Zusammenwirken verschiedener Schlüsseltechnologien, durch das neue, auch radikale Innovationspotenziale erschlossen werden. Zweitens die Ausbildung und stetige Weiterbildung hochqualifizierter Fachkräfte, die das Potenzial der Technologien in Wohlstand umsetzen. Drittens engagierte und aufgeklärte Bürgerinnen und Bürger, die den Wandel mitgestalten und im täglichen Leben davon profitieren. Beispiele für Zukunftskompetenzen des Innovationsstandorts Deutschland Wissen und Wertschöpfung aus Big                    Künstliche Intelligenz in Data generieren.                                    Arbeitsabläufen nutzbar machen. Wir      stehen     am      Beginn       einer      Um        künstliche       Intelligenz      in datengetriebenen Ökonomie und Ökologie.             Arbeitsabläufen einsetzbar zu machen, Die     Entwicklung     von       Fähigkeiten,      muss      sie    zunächst     bedarfsgerecht Instrumenten und Methoden, um große                 entwickelt werden – ein Zusammenspiel Datenmengen zu generieren, zu speichern, zu         von Datenwissenschaften, maschinellem analysieren und daraus neue Erkenntnisse            Lernen,          Mikroelektronik          und und Entscheidungshilfen zu gewinnen, wird           Kommunikationstechnologien. Sie muss zu einer Schlüsselkompetenz. Unser Ziel ist         aber auch so intuitiv handhabbar gemacht es, aus Daten Wissen und Wertschöpfung in           werden, dass eine Weiterbildung von Deutschland zu generieren. Wir wollen               Mitarbeitern „on the job“ möglich wird. Im Technik     dabei    so    gestalten,     dass      Arbeitsalltag sollen Mensch und Maschine Datennutzung und Datenschutz Hand in                schließlich zu einem leistungsstarken Team Hand gehen.                                         zusammenwachsen. Damit das gelingt, müssen die intelligenten Systeme nicht nur sicher und zuverlässig, sondern auch Zuverlässige und leistungsstarke bedarfsgerecht       und      gesellschaftlich Kommunikationssysteme etablieren. akzeptiert sein. So wird die künstliche Intelligenz    die    Pflege      nur   dann Neue Anwendungsszenarien in der Industrie revolutionieren können, wenn Pflegerinnen 4.0, beim vernetzten autonomen Fahren oder und Pfleger sich auf computerbasierte in der interaktiven Medizintechnik erfordern Assistenten      einlassen      und     wenn Informations- und Kommunikationssysteme, Patientinnen und Patienten bereit sind, für die hohe Datenraten sicher übertragen, sehr ein Mehr an Versorgungsqualität einige reaktionsschnell sind und zuverlässig zur ihrer Daten nutzbar zu machen. Verfügung stehen. Digitale und vernetzte Systeme müssen vor unberechtigtem Zugriff von außen und Missbrauch geschützt                   …       [weitere       Beispiele       durch werden, auch, um Datenverluste zu                    Abteilungen/ Ressorts einzufügen] vermeiden. Sicherheit („security by design“, „privacy by design“), Zuverlässigkeit und Wirtschaftlichkeit neuer Technologien sind gerade für einen erfolgreichen Transfer in die Wirtschaft und die Gesellschaft essentiell.
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17 Die technologische Basis. Deutschland soll mit technologischem Fortschritt nicht nur Schritt halten, sondern ihn anführen und gestalten. Die Förderung zukunftsweisender Technologien wie der Informations- und Kommunikationstechnologie, der IT-Sicherheit, der Blockchain-Technologie und der Mikroelektronik werden wir ausbauen. Damit tragen wir zur Entwicklung zuverlässiger und effizienter Informations- und Kommunikationssysteme bei und erhalten unsere technologische Souveränität zum Beispiel beim autonomen Fahren, in der Industrie 4.0 und der Medizintechnik. Durch Kompetenzaufbau und Forschung im Bereich des maschinellen Lernens und der „Data Science“ stärken wir unsere Ressourcen und Expertisen im Umgang mit „Big Data“. Dabei sorgen wir auch dafür, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Deutschland weiterhin Zugang zu den modernsten Infrastrukturen haben, etwa zu Dateninfrastrukturen oder im Bereich des Hoch- und Höchstleistungsrechnens. Den Übergang in eine nachhaltige Wirtschaftsweise fördern wir durch neue, integrierte Produktions- und Recyclingverfahren, die auf möglichst umfassende Kreisläufe ausgelegt sind sowie durch neue Formen der Energieerzeugung und -speicherung. In der Produktionsforschung stärken wir ressourcenschonende und additive Fertigungsverfahren und bringen innovative Verfahren wie den 3D-Druck oder Leichtbau zur Anwendung. Wir werden die Entwicklung neuer, nachhaltiger Werkstoffe und intelligenter, programmierbarer Materialien unterstützen. Schwerpunkte legen wir z. B. auf die Nutzung digitaler Verfahren zur Materialsimulation und die – auch biotechnologische – Entwicklung neuer Materialien. Wir stellen uns an die Spitze der nächsten technologischen Revolutionen. In den kommenden Jahren wollen wir Deutschland zu einem Spitzenstandort der quantentechnologischen Forschung weiterentwickeln und unsere Aktivitäten in diesem Bereich europäisch und international vernetzen. Quantentechnologien der zweiten Generation versprechen eine grundlegende Veränderung der Datenverarbeitung durch eine technische Nutzbarmachung von quantenphysikalischen Effekten. Dadurch können noch bestehende technologische Grenzen überwunden werden: Bei der rechnerischen Simulation komplexer Systeme, bei der Informationsübertragung und -verarbeitung oder durch neue, höchstpräzise und -sensible Mess- und Abbildungsverfahren. Die modernen Lebenswissenschaften liefern in rasantem Tempo neue, bahnbrechende Erkenntnisse. Das Zusammenspiel von Biotechnologie, Nanotechnologie und digitalen Technologien liefert neue Werkzeuge und Methoden, um diese Erkenntnisse zu nutzen. Damit eröffnen sich weitreichende Chancen für viele Bereiche des Wirtschaftens. Biologische Systeme, Prinzipien und Verfahren kommen in immer mehr Branchen zum Einsatz, von der Pharma- und Chemieindustrie über die Materialherstellung bis hin zum Automobilbau. Wir werden gemeinsam mit Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft eine ressortübergreifende Agenda „Von der Biologie zur Innovation“ erarbeiten und umsetzen. Dabei werden wir insbesondere die Forschung an den Schnittstellen der Wissenschaftsdisziplinen, die Entwicklung neuer Verfahren und deren Anwendungen fördern. Wir füllen die Technologiepipelines. Schlüsseltechnologien und die Grundlagenforschung sind – auch außerhalb von konkreten Anwendungs- und Bedarfsfeldern – Grundlage und Treiber von Innovation. Mit einer starken Grundlagenforschung und durch Technologieoffenheit in unserer Förderung legen wir den
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18 Grundstein dafür, dass die Technologiepipelines in Deutschland gefüllt bleiben. Wir werden das interdisziplinäre Zusammenspiel von Technologien besonders in den Blick nehmen, die Vernetzung über Disziplingrenzen hinweg vorantreiben und neue Modelle der Zusammenarbeit – etwa technologiefeldübergreifende Plattformen und Forschungsfabriken – fördern. Neue Forschungs- und innovationspolitische Initiativen 2018-2021 Forschungsfabrik/Forschungslabore Mikroelektronik            Laufend seit 2017/ab 2018 Deutschland IPCEI Mikroelektronik (BMWi)                      seit 2017 (vorbehaltlich Genehmigung durch EU- Kommission) Materialdachstrategie                               Sommer 2018 Innovationslabor "Hybride Dienstleistungen in der Logistik"  Eröffnung vorauss. im Juni bzw. mit Start-Up-Factory                                  Juli 2018 Rahmenprogramm „Quantentechnologien“                             Ende 2018 Agenda „Von der Biologie zur Innovation“                           2019 Kompetenzzentren für maschinelles Lernen                       Sommer 2018 Masterplan künstliche Intelligenz                           ab 2018 Fachprogramm „Kommunikationssysteme“                            Herbst 2018 Materialdachstrategie                               Sommer 2018 Rahmenprogramm „Erforschung von Universum und                   Laufend (2017-2027) Materie – ErUM“ Aktionsplan Digitalisierung und                          Sommer 2019 Forschungsdatenmanagement in der [naturwissenschaftlichen] Grundlagenforschung („ErUM- Data“) … [Ergänzungen Ressorts]                                      …
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19 Die Fachkräftebasis. Neue Forschungszweige und neue Technologien verlangen neue Fähigkeiten und Fertigkeiten von Forscherinnen und Forschern, Ingenieurinnen und Ingenieuren, Facharbeiterinnen und Facharbeitern. Unsere Förderung aufstrebender Forschungsfelder wird Hand in Hand gehen mit der Förderung hochqualifizierter Köpfe auf dem jeweiligen Gebiet. Die Weiterbildung werden wir mit einer nationalen Strategie deutlich stärken. Aus- und Weiterbildung werden wir auf die Geschwindigkeit der modernen Forschungs- und Entwicklungszyklen ausrichten. Denn während früher auf ein Berufsziel hin ausgebildet wurde, werden heute Flexibilität, Interdisziplinarität und lebenslanges Lernen immer wichtiger. Die Bundesregierung wird sich für die Erweiterung der Fachkräftebasis in zukunftsweisenden Disziplinen - etwa in den Datenwissenschaften und in der künstlichen Intelligenz - einsetzen. Dazu muss der Umgang mit Daten zu einem eigenen Wissenschaftsfeld und gleichzeitig zu einem zentralen Bestanteil verschiedenster Disziplinen werden. Die Etablierung neuer Berufsbilder (wie Datenarchivar, digitaler Dokumentar, Datenbibliothekar, Datenwissenschaftler, Datenkurator) werden wir unterstützen. Wir werden den wissenschaftlichen und technischen Nachwuchs in zukunftsweisenden MINT- Fächern vermehrt fördern und ihm aussichtsreiche Perspektiven für die berufliche Entwicklung eröffnen. Die Potenziale von Mädchen und Frauen wollen wir besonders fördern. Wir unterstützen den Aufbau eines bundesweiten MINT-E-Portals für mehr Transparenz und Information sowie die Entwicklung von Qualitätskriterien. Zudem wollen wir Wettbewerbe im MINT-Bereich ausbauen. Wir unterstützen Hochschulen bei der Modernisierung der Lehre. Die Potenziale digitaler Bildung wollen wir in allen Bildungsbereichen erschließen. Hochqualifizierte und mit digitalen Kompetenzen ausgestattete Fachkräfte sind elementare Voraussetzungen für Innovationen in neuen und etablierten Branchen ebenso wie in Verwaltung und Schule. Die Digitalisierung der Hochschulen hat damit eine weit über sie selbst hinausreichende Bedeutung. Jenseits der Gestaltung digitaler Lehr- und Lernangebote bedarf es einer strategischen Auseinandersetzung der Hochschulen mit der Digitalisierung in allen Leistungsbereichen sowie internen und hochschulübergreifenden Prozessen. Wir werden Hochschulen und Hochschulverbünde bei der Entwicklung und Umsetzung von Digitalisierungsstrategien unterstützen. Für die Lehre an Hochschulen haben Bund und Länder mit dem Beschluss zum Professorinnenprogramm III langfristige Weichenstellungen getroffen, um mehr Frauen auch nach der Promotion im Wissenschaftssystem zu halten. Bis zum Jahr 2023 werden im Rahmen des Hochschulpakts mehr als 19 Mrd. Euro für 760.000 zusätzliche Studierende und über den Qualitätspakt Lehre vom Bund insgesamt rund 2 Mrd. Euro für verbesserte Studienbedingungen und mehr Qualität in der Lehre zur Verfügung gestellt. Um vor dem Hintergrund der anhaltend hohen Studiennachfrage eine qualitativ hochwertige Lehre sicherzustellen, sieht der Koalitionsvertrag sowohl die Verstetigung der Bundesmittel aus dem Hochschulpakt als auch die Verstetigung des Qualitätspaktes Lehre vor. Wir stärken die Berufsbildung. Die Bundesregierung leistet mit einem modernen dualen Berufsausbildungssystem und der engeren Verknüpfung von beruflicher und akademischer Bildung einen Beitrag dazu, dass wir
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20 auch in der durch digitale Technologien geprägten Zukunft kompetente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in deutschen Unternehmen haben werden. Dazu sollen vor allem die Modernisierung der beruflichen Bildung, verbesserte Übergänge in die duale Berufsausbildung und Durchlässigkeit zwischen Berufsbildung und Hochschulen beitragen. Die Begabtenförderung von beruflich Qualifizierten, Promovierenden, Studierenden und Schülerinnen und Schülern werden wir als wichtige Querschnittsmaßnahme unterstützen. Wir fördern den internationalen Austausch. Wir treiben die europäische Vernetzung in allen Bildungsbereichen voran und unterstützen die Entwicklung innovativer und auf Dauer angelegter europäischer Hochschulnetzwerke. Die Mobilität von Lernenden und Lehrenden wollen wir ausweiten und so dem vom Bundestag formulierten Ziel, dass bis 2020 10 Prozent der Auszubildenden einen Lernaufenthalt im Ausland absolvieren, näherkommen. Deutschland unterstützt zahlreiche Partnerstaaten in Europa und weltweit bei ihren Reformbemühungen in der beruflichen Bildung. Wir wollen auch dafür sorgen, dass Deutschland weiterhin ein attraktiver Arbeits- und Lebensort für ausländische Fachkräfte ist. Deutschland profitiert von ihren Qualifikationen und vielfältigen Erfahrungen, die insbesondere für Wirtschaft und Wissenschaft eine wichtige Bereicherung darstellen. Mit der Gewinnung qualifizierter internationaler Fachkräfte wirken wir Fachkräfteengpässen entgegen und steigern die Innovationsdynamik. Neue Forschungs- und innovationspolitische Initiativen 2018-2021 Nationale Weiterbildungsstrategie Bildungsoffensive für die digitale Wissensgesellschaft Dachinitiative Berufsbildung 4.0 MINT-Aktionsplan „Erfolg mit MINT – Neue Chancen für Frauen“ … [Ergänzungen Ressorts]                                 … Die Beteiligung der Gesellschaft. Digitale Technologien durchdringen zahlreiche Bereiche unseres Lebens. Sie verändern die Art, wie wir uns informieren, miteinander kommunizieren, wie wir lernen, arbeiten und unsere Freizeit verbringen. Digitale Kompetenzen sind unerlässlich für alle Bürgerinnen und Bürger unserer modernen Wissensgesellschaft. Umso wichtiger ist es, Nutzerinnen und Nutzer bei der Technologieentwicklung frühzeitig einzubeziehen. Technologische Lösungen der Zukunft müssen sicher, zuverlässig, wirtschaftlich und vor allem bedarfsgerecht sein. Mit der Entwicklung technologischer Innovationen müssen wir auch die begleitenden sozialen Prozesse untersuchen. Wir wollen Neugier auf digitale Technologien wecken und Souveränität im Umgang mit ihnen schaffen. Dabei kommt dem Bildungssystem eine zentrale Rolle zu. Erst eine an den Erfordernissen gesellschaftlicher und technologischer Entwicklungen orientierte Bildung
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21 ermöglicht eine aktive Teilhabe und einen selbstbewussten Umgang mit neuen Technologien. Deswegen fördern wir Vorhaben der Bildungsforschung mit dem Ziel, zur Entwicklung eines, reflexiven und kritischen Umgangs beizutragen. Wir werden neue Formen der Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern in Wissenschaft und Forschung erproben. Die „Citizen Science“ werden wir weiter voranbringen, um das Wissen der Vielen nutzbar zu machen. Wir werden – etwa im Rahmen der Wissenschaftsjahre – den offenen Dialog zwischen verschiedenen Akteurinnen und Akteuren aus Wissenschaft, Gesellschaft und Politik zu Zukunftsthemen führen und ausbauen. Wir sehen es als eine gemeinsame und zentrale Aufgabe von Wissenschaft und Politik an, den gesellschaftlichen Mehrwert auch der Grundlagenforschung allgemeinverständlicher für die interessierte Öffentlichkeit, die Bürgerinnen und Bürger, zu vermitteln. Wir nutzen die Potenziale der Gesellschaftswissenschaften Zukunftspolitik setzt Beurteilungskompetenzen voraus: Wir müssen Veränderungsprozesse verstehen, um sie aktiv gestalten zu können. Zusammen mit der Förderung von Schlüsseltechnologien werden wir deshalb soziale und geisteswissenschaftliche Begleitforschung unterstützen – etwa, um die Digitalisierung besser zu verstehen, sie zum Wohle der Gesellschaft nutzbar zu machen und Impulse für wissenschaftlich fundierte Debatten zu geben. Wir werden die wissenschaftsbasierte Betrachtung von ethischen, rechtlichen, sozialen und genderspezifischen Aspekten von Forschung und Innovation stärken und auf einen chancenorientierten und verantwortungsvollen Umgang mit wissenschaftlichem und technologischem Fortschritt hinwirken. Wir schaffen Räume für das kritische Nachdenken über technologische, aber auch über gesellschaftliche Veränderungen. Bei der erfolgreichen Gestaltung unserer Zukunft kommt den Geistes- und Sozialwissenschaften eine Schlüsselrolle zu. Wir werden deren Potentiale weiter stärken, ihr Wissen zur Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen und zur Lösung drängender gesellschaftspolitischer Probleme einbringen und damit an der Entwicklung einer offenen, innovations- und zukunftsfähigen Gesellschaft mitwirken. Bei der Förderung der Geistes- und Sozialwissenschaften sowie der empirischen Bildungsforschung werden die Themen Migration, Integration und gesellschaftlicher Zusammenhalt,         Gender-Aspekte,       Demokratie        und   europäische        Integration, Radikalisierungsprozesse, Konfliktursachen und -bewältigungsstrategien im Fokus stehen. Neue Forschungs- und innovationspolitische Initiativen 2018-2021 Aufbau eines dezentralen, multidisziplinären „Instituts für     ab Ende 2018 gesellschaftlichen Zusammenhalt“ Neues Rahmenprogramm „Zukunft gestalten“ zur Förderung             Anfang 2019 der Geistes- und Sozialwissenschaften Weizenbaum-Institut für die vernetzte Gesellschaft – das Deutsche Internet-Institut Innovations- und Technikanalyse                  ITA II: 2018-2020 ELSI-Netzwerk Mensch-Technik-Interaktion                 Auftakt: 2018
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22 (ethische, rechtliche und soziale Aspekte der Technologieforschung) Rahmenprogramm empirische Bildungsforschung                        2018 Futurium … [Ergänzungen Ressorts]                                … III.   Wir etablieren eine offene Innovations- und Wagniskultur. Deutschland ist global vernetzt und profitiert von offenen Märkten, internationalem Wissensaustausch und freiem Handel, ebenso wie von einer EU ohne Schranken. Mit der zunehmenden Globalisierung schreitet auch die internationale Arbeitsteilung voran. Globale Innovations- und Wertschöpfungsketten werden komplexer und Innovationszyklen immer kürzer. Wir wollen diese Dynamik nutzen und mit unserer Forschungs- und Innovationspolitik in Deutschland eine Innovationskultur etablieren, die durch Offenheit, Agilität und Weitsicht geprägt ist. Wir werden nationale und globale Wissens- und Innovationsnetzwerke genauso stärken wie die Handlungs- und Leistungsfähigkeit der einzelnen Akteure. Dort, wo es die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands oder Europas entscheidend verbessert, werden wir übergreifende Infrastrukturen aufbauen und strukturbildende Impulse setzen. Unsere Innovationsförderung: (1)   Offen: Wir sind überzeugt, dass ein modernes Innovationssystem verstärkt Frei- und Experimentierräume bereithalten muss, um neue Technologien zu erproben und neue Modelle für unternehmerisches Handeln und neue Formen des Lernens, Arbeitens und Zusammenlebens zu erkunden. (2) Systemisch: Wir haben ein systemisches Verständnis von Innovation, das Innovation als das Resultat von Kooperation und Interaktion einer Vielzahl unterschiedlicher Akteure begreift. (3) Anwendungsorientiert: Unser Konzept von Innovation reicht von der Grundlagenforschung bis zur Markteinführung. (4) Zukunftsgerichtet: Wir wollen die Entwicklung von Sprunginnovationen fördern, um langfristig international konkurrenzfähig zu bleiben. (5) Umfassend: Wir zielen auf technologische, nicht-technische und Soziale Innovation. Wissen zur Wirkung bringen: Transfer in die Anwendung Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Innovatorinnen und Innovatoren, aber auch potenzielle Nutzerinnen und Nutzer arbeiten im gesamten Innovationsprozess – von der Wissens- bis zur Wertschöpfung – Hand in Hand und bringen Forschungsergebnisse für die Bürgerinnen und Bürger unseres Landes in die Praxis. Den Transfer wollen wir als zentrale Säule unseres Forschungs- und Innovationssystems nachhaltig stärken und substanzielle Steigerungen erreichen. Wir werden den Kulturwandel in Hochschulen und Forschungseinrichtungen hin zu einem effektiveren Transfer ihrer Forschungsergebnisse zum Nutzen von Wirtschaft und Gesellschaft
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23 weiter forcieren und sie in der Wahrnehmung ihrer Rolle im regionalen Innovationssystem unterstützen. Hier wollen wir zum einen dafür sorgen, dass das vorhandene Wissen und vorliegende Forschungsergebnisse in eine breite Anwendung insbesondere beim Mittelstand gelangen. Zum anderen werden wir die Wege eben, dass aus Spitzenforschung schnell innovative Produkte und Geschäftsideen werden. Dazu nutzen wir Querschnittsmaßnahmen - etwa die Förderung einer frühzeitigen Validierung, von Clustern und Forschungscampi - und spezifische Transferansätze in den Fachprogrammen. [Anknüpfungspunkt: Transfer-Initiative BMWi] Wir unterstützen eine offene Innovationskultur Neue Formen der Zusammenarbeit, wie Ideenwettbewerbe, digitale Plattformen oder die Open Source-Bewegung setzen sich in vielen Bereichen durch. Mit digitalen Technologien ist es möglich, in kürzester Zeit große Mengen an Wissen abzurufen und zu teilen. Sie zeigen neue Wege auf, um Wissen in Wertschöpfung zu übersetzen. Und sie ermöglichen es bislang Unbeteiligten, am Innovationsgeschehen mitzuwirken. Die Bundesregierung wird eine offene Innovations- und Wagniskultur unterstützen, die kreative Ideen fördert und ungenutzte innovative Potenziale in Deutschland mobilisiert. Die Öffnung von Wissens- und Innovationsprozessen werden wir mit einer breitangelegten Initiative unterstützen – in Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft. Dafür werden wir die Förderung von innovativen Netzwerken weiter intensivieren und themenoffen junge, hochinnovative Zukunftscluster unterstützen. Wir wollen thematische Lock-ins aufbrechen, branchenübergreifende Ansätze fördern und Zukunftstechnologien erschließen. Wir werden neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft, zwischen unterschiedlichen Disziplinen, zwischen Nutzern, Anbietern und Produzenten, zwischen großen und kleinen Akteuren unterstützen. Offene Innovationsformen bergen große ökonomische und gesellschaftliche Potentiale, sie erfordern aber auch geeignete Rahmenbedingungen und einen Kulturwandel. Für viele Unternehmen, insbesondere mit hohem Spezialisierungsgrad, wird es auch weiterhin darauf ankommen, ihre spezifischen Wissensvorsprünge und Kernkompetenzen zu schützen. Deshalb werden wir Räume schaffen, in denen Unternehmen mit ihren Partnern offen interagieren und neue Schutz- und Verwertungsstrategien erproben können. Demonstrationsvorhaben und Innovationslabore sollen Wissenschaft und Wirtschaft das experimentelle Umfeld bieten, sich für externes Wissen zu öffnen und neue Akteurinnen und Akteure in die Innovationsprozesse einzubinden. Im Rahmen von neuen Campusmodellen sollen Open Innovation, Crowd Sourcing, Open Science, Open Access und Open Data erprobt werden. Open Access und Open Data tragen zur Transparenz und Reproduzierbarkeit von Forschungsergebnissen bei und befördern die Qualitätssicherung im Forschungsprozess. Wir wollen die Bereitschaft zur Offenlegung von Wissen unterstützen und wir werden mit einer nationalen Open Access-Strategie weiter darauf hinwirken, Open Access als Standard des wissenschaftlichen Publizierens zu etablieren. Wir werden uns in Deutschland und in Europa weiter für ein bildungs- und wissenschaftsfreundliches Urheberrecht einsetzen – eine wesentliche Hürde haben wir mit dem Urheberrechts-Wissensgesellschafts-Gesetz im Juni 2017 genommen. Wir befördern Soziale Innovationen
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24 Unser Innovationsverständnis basiert auf einem umfassenden Innovationskonzept, das technologische, nicht-technische und Soziale Innovationen gleichwertig in den Blick nimmt. Neue Geschäftsmodelle, organisatorische Praktiken oder neue Formen des Lernens, Arbeitens und Zusammenlebens können eine größere Wirkmacht haben als einzelne Technologien. Häufig bedingen sie einander. Deshalb werden wir die Forschungsförderung verstärkt für Soziale Innovationen öffnen und auf wichtige gesellschaftliche Ziele ausrichten. In Experimentierräumen für Soziale Innovationen sollen Innovatorinnen und Innovatoren und potenzielle Nutzerinnen und Nutzer zusammenkommen, um neue Formen der sharing economy, neue Finanzierungsmodelle und Verwertungswege, die Einbeziehung bürgerlichen Engagements oder neues Fach-, Management- und Organisationswissen zu erproben und in die praktische Anwendung zu übertragen. Die Einbeziehung von Vertreterinnen und Vertretern der Zivilgesellschaft trägt dazu bei, auf Bedarfe und Verbesserungspotenzial in Lebensumfeldern der Gesellschaft aufmerksam zu machen und Ideen für Lösungsansätze zu entwickeln. Auf diese Weise entstehen Soziale Innovationen, die durch neue Praktiken, Organisationsweisen oder Geschäftsmodelle für einzelne Menschen, besondere Zielgruppen und die gesamte Gesellschaft einen Mehrwert bringen. Wir fördern die Entstehung von Sprunginnovationen Das deutsche Innovationssystem ist sehr gut aufgestellt, um evolutionär Innovationen ausgehend von bestehenden Technologien, Produkten und Dienstleistungen hervorzubringen. Im internationalen Vergleich gibt es aber einen Nachholbedarf bei der Markteinführung von Sprunginnovationen, d.h. bei Innovationen, die sich durch eine radikale technologische Neuheit auszeichnen und/ oder disruptiv marktverändernd sind. Zur Stärkung des Innovations- und Wirtschaftsstandortes wollen wir deshalb neue, an das deutsche Innovationssystem angepasste Instrumente zur Förderung von Forschungsergebnissen mit Sprunginnovationspotential aus der Wissenschaft bis zur Marktreife einführen.           Dazu zählen die Gründung einer auf Sprunginnovationen         spezialisierten  Förderorganisation    („Innovationsagentur“),     die Innovationswettbewerbe zur Lösung konkret definierter Fragestellungen zu gesellschaftlichen Herausforderungen und Spitzenprojekte zur Überführung von Forschungsergebnissen mit Potenzial für Sprunginnovationen in die Anwendung fördert. Der Staat als Innovationspionier Die Bundesregierung selbst wird ihre Rolle als Innovationspionier wahrnehmen. So kann beispielsweise die öffentliche Beschaffung infolge ihres hohen Volumens von mehr als 350 Mrd. Euro pro Jahr wichtige Anreize für mehr Innovationen in der Wirtschaft setzen. Wir wollen daher die Hebelwirkung innovationsorientierter öffentlicher Beschaffung noch besser nutzen und innovativen Unternehmen so den entscheidenden Anschub für eine erfolgreiche Marktdurchdringung geben. Die Weiterentwicklung eines modernen und nutzerfreundlichen E-Governments werden wir intensiv vorantreiben. (Verwaltungs-)daten sind ein wesentlicher Baustein dafür, Entscheidungsprozesse in Staat und Verwaltung transparenter zu machen und eine Beteiligung gut informierter Bürger an Entscheidungsprozessen zu ermöglichen. Dort, wo der Staat über Datenbestände verfügt, wird er einen strukturierten Zugang zu diesen Daten ermöglichen. Zu einem starken Forschungs- und Innovationsstandort gehört auch ein regulatives Umfeld, das Innovationsoffenheit gewährleistet. Hier setzt das Innovationsprinzip an. Es beinhaltet, dass bei
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