Strategieentwurf_konvertiert
Dieses Dokument ist Teil der Anfrage „Hightech-Strategie 2025 - Informationen zum Auswahlprozess der Missionen“
19 Zukunftskompetenzen für den Forschungs- und Innovationsstandort Deutschland Wissen und Wertschöpfung aus Big Data Zuverlässige und leistungsstarke generieren. Kommunikationssysteme etablieren. Wir stehen am Beginn einer datengetriebenen Neue Anwendungsszenarien in der Industrie Ökonomie und Ökologie. Die Entwicklung von 4.0, beim vernetzten autonomen Fahren oder in Fähigkeiten, Instrumenten und Methoden, um der interaktiven Medizintechnik erfordern große Datenmengen zu gewinnen, zu Informations- und Kommunikationssysteme, die speichern, zu analysieren und daraus neue hohe Datenraten sicher übertragen, sehr Erkenntnisse und Entscheidungshilfen zu reaktionsschnell sind und zuverlässig zur gewinnen, wird zu einer Schlüsselkompetenz. Verfügung stehen. Digitale und vernetzte Unser Ziel ist es, aus Daten neues Wissen und Systeme müssen vor unberechtigtem Zugriff von Wertschöpfung in Deutschland zu generieren. außen und Missbrauch geschützt werden, auch, Wir wollen Technik dabei so gestalten, dass um Datenverluste zu vermeiden. Sicherheit Datennutzung und Datenschutz Hand in Hand („security by design“, „privacy by design“), gehen. Zuverlässigkeit und Wirtschaftlichkeit neuer Technologien sind für gerade für einen erfolgreichen Transfer in die Wirtschaft und die Gesellschaft essentiell. Künstliche Intelligenz in Arbeitsabläufen nutzbar machen. Um künstliche Intelligenz in Arbeitsabläufen einsetzbar zu machen, muss sie zunächst bedarfsgerecht entwickelt werden – ein Zusammenspiel von Datenwissenschaften, maschinellem Lernen, Mikroelektronik und Kommunikationstechnologien. Sie muss aber auch so intuitiv handhabbar gemacht werden, dass eine Weiterbildung von Mitarbeitern „on the job“ möglich wird. Im Arbeitsalltag sollen Mensch und Maschine schließlich zu einem leistungsstarken Team zusammenwachsen. Damit das gelingt, müssen die intelligenten Systeme nicht nur sicher und zuverlässig, sondern auch bedarfsgerecht und gesellschaftlich akzeptiert sein. So wird die künstliche Intelligenz die Pflege nur dann revolutionieren können, wenn Pflegerinnen und Pfleger sich auf computerbasierte Assistenten einlassen und wenn Patientinnen und Patienten bereit sind, für ein mehr an Versorgungsqualität einige ihrer Daten nutzbar zu machen.
20 Wir stärken die technologische Basis. Deutschland soll mit Technologiesprüngen nicht nur Schritt halten, sondern sie anführen und gestalten. Mit der Förderung zukunftsweisender Technologien wie den Informations- und Kommunikationstechnologien, der IT-Sicherheit, der Blockchain-Technologie und der Mikroelektronik trägt die Bundesregierung zur Entwicklung zuverlässiger und energieeffizienter Informations- und Kommunikationssysteme bei. Durch sie erhalten wir unsere technologische Souveränität zum Beispiel beim autonomen Fahren, in der Industrie 4.0 und der Medizintechnik. Durch Kompetenzaufbau und Forschung im Bereich des maschinellen Lernens und der modernen „Datenanalyse-Wissenschaft“ stärken wir unsere Ressourcen und Expertisen im Umgang mit „Big Data“. Dabei sorgen wir auch dafür, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Deutschland weiterhin Zugang zu den modernsten Infrastrukturen der Welt – etwa im Bereich des Hoch- und Höchstleistungsrechnens – haben. Den Grundstein für eine nachhaltige Wirtschaftsweise und geringeren Ressourcenverbrauch legen wir mit der Förderung von Material- und Produktionsforschung. Wir wollen die Entwicklung neuer Werkstoffe und intelligenter, programmierbarer Materialien fördern. Schwerpunkte legen wir z. B. auf die Nutzung digitaler Verfahren zur Materialsimulation und die – auch biotechnologische – Entwicklung neuer Materialien, neuer Produktions- und Recyclingverfahren, neuer Formen der Energieerzeugung und -speicherung. In der Produktionsforschung stärken wir ressourcenschonende und additive Fertigungsverfahren und bringen innovative Verfahren wie den 3D-Druck, Leichtbau oder lernende Produktionssysteme zur Anwendung. Wir wollen Deutschland zu einem Spitzenstandort der quantentechnologischen Forschung weiterentwickeln und unsere Aktivitäten in diesem Bereich europäisch und international vernetzen. Quantentechnologien der zweiten Generation versprechen eine grundlegende Veränderung der Datenverarbeitung durch eine technische Nutzbarmachung von quantenphysikalischen Effekten. Dadurch können noch bestehende technologische Grenzen überwunden werden: Bei der rechnerischen Simulation komplexer Systeme, bei der Informationsübertragung und -verarbeitung oder durch neue, höchstpräzise und - sensible Mess- und Abbildungsverfahren. Die modernen Lebenswissenschaften liefern in rasantem Tempo neue, bahnbrechende Erkenntnisse. Das Zusammenspiel von Biotechnologie, Nanotechnologie, Miniaturisierung und digitalen Technologien liefert neue Werkzeuge und Methoden, um diese Erkenntnisse zu nutzen. Biologische Systeme, Prinzipien und Verfahren kommen so in immer mehr Branchen zum Einsatz, von der Pharma- und Chemieindustrie über die Materialherstellung bis hin zum Automobilbau. Mit einer Agenda „Von der Biologie zur Innovation“ wollen wir diese Potenziale noch schneller entfalten. Schlüsseltechnologien sind – auch außerhalb von konkreten Anwendungs- und Bedarfsfeldern – Grundlage und Treiber von Innovation. Wir werden Kompetenzen in zentralen Schlüsseltechnologien erhalten und ausbauen. Mit einer starken
21 Grundlagenforschung und durch Technologieoffenheit in unserer Förderung legen wir den Grundstein dafür, dass die Technologiepipelines in Deutschland gefüllt bleiben. Wir werden das interdisziplinäre Zusammenspiel von Technologien besonders in den Blick nehmen, die Vernetzung über Disziplingrenzen hinweg vorantreiben und neue Modelle der Zusammenarbeit – etwa technologiefeldübergreifende Plattformen und Forschungsfabriken – fördern. Forschungs- und innovationspolitische Initiativen 2018-2021 Forschungsrahmenprogramm Laufend (20xx - 2020) Mikroelektronik Aktionsplan Nanotechnologie Laufend (20xx – 20xx) Rahmenprogramm Ende 2018 „Quantentechnologien“ Agenda „Von der Biologie zur 20xx Innovation“ Kompetenzzentren für maschinelles Sommer 2018 Lernen Masterplan künstliche Intelligenz 20xx und Aufbau eines deutsch- französischen Zentrums Fachprogramm „Kommunikations- Herbst 2018 systeme“ Materialdachstrategie Sommer 2018
22 Wir stärken die Fachkräftebasis. Neue Forschungszweige und neue Technologien verlangen neue Fähigkeiten und Fertigkeiten von Forscherinnen und Forschern, Facharbeiterinnen und Facharbeitern. Die Bundesregierung wird sich für die Erweiterung der Fachkräftebasis in zukunftsweisenden Disziplinen, allen voran in den Datenwissenschaften, beispielsweise im Bereich der künstlichen Intelligenz einsetzen. Wir werden den wissenschaftlichen und technischen Nachwuchs in zukunftsweisenden MINT-Fächern vermehrt fördern und ihm aussichtsreiche Perspektiven für die berufliche Entwicklung eröffnen. Die Förderung neuer, aufstrebender Forschungsfelder wird Hand in Hand gehen mit der Förderung hochqualifizierter Köpfe auf dem jeweiligen Gebiet. Aus- und Weiterbildung werden wir dabei auf die Geschwindigkeit der modernen Forschungs- und Entwicklungszyklen ausrichten: Während früher auf ein Berufsziel hin ausgebildet wurde, werden heute Flexibilität, Interdisziplinarität und lebenslanges Lernen immer wichtiger. Wir verbinden die Förderung von Forschung und Innovation mit dem Einsatz für ein gutes Bildungssystem und exzellente Hochschulen. Es gilt heute, Data Science in allen Bereichen, insbesondere aber in den Hochschulen, auszubauen. Dazu muss der Umgang mit Daten zu einem zentralen eigenen Wissenschaftsfeld und einer eigenen Disziplin werden. Die Potenziale digitaler Bildung wollen wir bildungsbereichsübergreifend erschließen. Mit dem Digitalpakt Schule und der Förderung einer länderübergreifend funktionsfähigen Schulcloud treiben wir den Aufbau einer digitalen Bildungsinfrastruktur intensiv voran. Auch Hochschulen werden wir bei der Entwicklung und Umsetzung von Digitalisierungsstrategien unterstützen. Für die Lehre an Hochschulen haben Bund und Länder mit den aktuellen Beschlüssen zur Exzellenzstrategie, zur Finanzierung von 1.000 zusätzlichen Tenure-Track-Professuren und zum Professorinnenprogramm III weitreichende Weichenstellungen für die Zeit bis nach der laufenden Wahlperiode getroffen. Bis zum Jahr 2020 werden im Rahmen des Hochschulpakts mehr als 19 Mrd. Euro für 760.000 zusätzliche Studierende und über die DFG-Programmpauschale vom Bund insgesamt rund 2 Mrd. Euro für verbesserte Studienbedingungen und mehr Qualität in der Lehre zur Verfügung gestellt. Zudem wollen wir die MINT-Bildung stärken, beginnend mit der Elementarbildung über die Initiative „Haus der Kleinen Forscher“. Die Potenziale von Mädchen und Frauen wollen wir besonders fördern. Wir unterstützen den Aufbau eines bundesweiten MINT-E- Portals für mehr Transparenz und Information sowie die Entwicklung von Qualitätskriterien. Zudem wollen wir Wettbewerbe im MINT-Bereich weiter fördern. Mit einem modernen dualen Berufsausbildungssystem und der engeren Verbindung von beruflicher und akademischer Bildung stellt die Bundesregierung sicher, dass wir auch in der durch digitale Technologien geprägten Zukunft kompetente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in deutschen Unternehmen haben werden. Dazu sollen vor allem die
23 Modernisierung der beruflichen Bildung, verbesserte Übergänge in die duale Berufsausbildung und eine erhöhte Durchlässigkeit zwischen Berufsbildung und Hochschulen beitragen. Die Weiterbildung werden wir mit einer nationalen Strategie deutlich stärken und die Begabtenförderung von Schülerinnen und Schülern, Studierenden, Promovierenden und beruflich Qualifizierten als wichtige Querschnittsmaßnahme unterstützen. Wir treiben die europäische Vernetzung in allen Bildungsbereichen voran und unterstützen die Entwicklung innovativer und auf Dauer angelegter europäischer Hochschulnetzwerke. Die Mobilität von Lernenden und Lehrenden wollen wir ausweiten und so dem vom Bundestag formulierten Ziel, dass bis 2020 10 Prozent der Auszubildenden einen Lernaufenthalt im Ausland absolvieren, näherkommen. Deutschland unterstützt zahlreiche Partnerstaaten in Europa und weltweit bei ihren Reformbemühungen in der beruflichen Bildung. Gut ausgebildete Fachkräfte leisten einen wichtigen Beitrag für die Wirtschaftskraft und die Beschäftigung in diesen Ländern. Diese Fachkräfte sind zugleich eine Voraussetzung für das erfolgreiche Engagement deutscher Unternehmen in den Zielländern. Forschungs- und innovationspolitische Initiativen 2018- 2021 Digitalpakt Schule Bildungsoffensive für die digitale Wissensgesellschaft Dachinitiative Berufsbildung 4.0 Bundesprogramm „Köpfe für die Digitalisierung“ „Erfolg mit MINT – Neue Chancen für Frauen“ Open Access Strategie Bund-Länder-Programm zur Förderung von Digitalisierungsstrategien von Hochschulen („Hochschule 2030“) … … Wir stärken die Beteiligung der Gesellschaft. Digitale Technologien durchdringen zahlreiche Bereiche unseres Lebens. Sie verändern die Art, wie wir uns informieren, miteinander kommunizieren, wie wir lernen, arbeiten
24 und unsere Freizeit verbringen. Digitale Kompetenzen sind unerlässlich für alle Bürgerinnen und Bürger unserer modernen Wissensgesellschaft. Umso wichtiger ist es, Nutzerinnen und Nutzer bei der Technologieentwicklung frühzeitig einzubeziehen. Technologische Lösungen der Zukunft müssen sicher, zuverlässig, wirtschaftlich und vor allem bedarfsgerecht sein – darauf werden wir in unserer Förderung hinwirken. Wir wollen Neugier auf digitale Technologien wecken und Souveränität im Umgang mit ihnen schaffen. Wir werden darüber hinaus neue Formen der Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern in Wissenschaft und Forschung erproben. Die „Citizen Science“ werden wir weiter voranbringen, um das Wissen der Vielen – das große Potenzial von Bürgerwissen – nutzbar zu machen. Die Entwicklung partizipativer Formate stellen wir in das Zentrum der Wissenschaftskommunikation. Wir werden – etwa im Rahmen der Wissenschaftsjahre – den offenen Dialog zwischen verschiedenen Akteuren aus Wissenschaft, Gesellschaft und Politik zu Zukunftsthemen führen und ausbauen. Wir sehen es als eine gemeinsame und zentrale Aufgabe von Wissenschaft und Politik an, den gesellschaftlichen Mehrwert auch der Grundlagenforschung allgemeinverständlicher und bürgernäher zu vermitteln. Zukunftspolitik setzt Beurteilungskompetenzen voraus: Wir müssen Veränderungsprozesse verstehen, um sie aktiv gestalten zu können. Die Forschungsförderung zu den Schlüsseltechnologien soll deshalb soziale und geisteswissenschaftliche Begleitforschung beinhalten. Die Digitalisierung besser zu verstehen, sie zum Wohle der Gesellschaft nutzbar zu machen und Impulse für wissenschaftlich fundierte Debatten zu geben, ist Aufgabe des „Weizenbaum-Instituts für die vernetzte Gesellschaft – das Deutsche Internet-Institut“. Auch in anderen Bereichen werden wir die Betrachtung von ethischen, rechtlichen und sozialen Aspekten von Forschung und Innovation verstärkt unterstützen und auf einen chancenorientierten und verantwortungsvollen Umgang hinwirken. Wir schaffen – etwa mit dem Futurium – Orte des kritischen Nachdenkens über technologische, aber auch über gesellschaftliche Veränderungen. Bei der Förderung von Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften werden u. a. die Themen Migration, Integration und gesellschaftlicher Zusammenhalt, Demokratie und europäische Integration, Radikalisierungsprozesse, Konfliktursachen und -bewältigungsstrategien im Fokus stehen. Forschungs- und innovationspolitische Initiativen 2018-2021 Auswahl der Einrichtungen, die ein Mitte 2018 Gründungskonzept für das multidisziplinäre Institut für Gesellschaftlichen Zusammenhalt erarbeiten Neues Programm zur Förderung der Geistes- Ende 2018 und Sozialwissenschaften … ….
25 III. Wir etablieren eine offene Innovationskultur. Deutschland ist global vernetzt und profitiert von offenen Märkten, internationalem Wissensaustausch und freiem Handel, ebenso wie von einer EU ohne Schranken. Mit der zunehmenden Globalisierung schreitet auch die internationale Arbeitsteilung voran. Globale Wertschöpfungsketten werden komplexer und Innovationszyklen immer kürzer. Dies erfordert eine Forschungs- und Innovationspolitik, die durch Agilität, Offenheit und Weitsicht geprägt ist. Wir wollen diese Dynamik nutzen und eine offene Innovationskultur etablieren, die kreative Ideen und deren rasche Umsetzung fördert. Wir werden nationale und globale Wissens- und Innovationsnetzwerke genauso stärken wie die Handlungs- und Leistungsfähigkeit der einzelnen Akteure. Dort, wo es die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands oder Europas entscheidend verbessert, werden wir übergreifende Infrastrukturen aufbauen und strukturbildende Impulse setzen. Dort, wo Lösungen für große Herausforderungen nur in Kooperation aller Akteure gefunden werden können, werden wir Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft hinter gemeinsamen Zielen vereinen. Unsere Innovationsförderung: (1) Offen: Wir sind überzeugt, dass eine moderne Innovationskultur verstärkt Frei- und Experimentierräume eröffnen muss, um neue Technologien zu erproben und neue Modelle für unternehmerisches Handeln und neue Formen des Lernens, Arbeitens und Zusammenlebens zu erkunden. (2) Systemisch: Wir haben ein systemisches Verständnis von Innovation, das Innovation als das Resultat von Kooperation und Interaktion einer Vielzahl unterschiedlicher Akteure begreift. (3) Lückenlos: Unser Konzept von Innovation umspannt die ganze Kette der Wissensproduktion, von der Grundlagenforschung bis zur Markteinführung. (4) Zukunftsgerichtet: Wir wollen die Entwicklung von Sprunginnovationen fördern, um langfristig international konkurrenzfähig zu bleiben. (5) Umfassend: Wir betrachten nicht nur technologische, sondern auch nicht-technische und soziale Innovation. Wissen zur Wirkung bringen: Durch effiziente, kreative und offene Innovationsprozesse. Wissenschaftler, Innovatoren und potenzielle Nutzer arbeiten entlang der gesamten Innovationskette – von der Wissens- bis zur Wertschöpfung - Hand in Hand und bringen Forschungsergebnisse für die Bürgerinnen und Bürger unseres Landes in die Praxis. Nutzer und Anwender übernehmen dabei eine immer aktivere Rolle: Sie ergreifen selbst unternehmerische Initiative oder tragen dazu bei, neue Blickwinkel und Erfahrungswissen in das Innovationssystem einzuspeisen. Neue Formen der Zusammenarbeit, wie
26 Ideenwettbewerbe, digitale Plattformen oder die Open Source-Bewegung setzen sich in vielen Bereichen durch. Digitale Technologien vernetzen Forscher und Innovatoren weltweit und ermöglichen es bislang unbeteiligten Akteuren, am Innovationsgeschehen mitzuwirken. Mit ihnen ist es möglich, in kürzester Zeit große Mengen an Wissen zu generieren und zu teilen. Und sie zeigen ganz neue Wege auf, um Wissen in Wertschöpfung zu übersetzen. Wir wollen diese Dynamik nutzen, um den Wissens- und Technologietransfer zu intensivieren, bestehende Barrieren im Innovationsgeschehen zu überwinden und Kreativität zu fördern. Dafür werden wir die Förderung von innovativen Netzwerken weiter intensivieren und themenoffene, junge, hochinnovative Zukunftscluster unterstützen. Wir wollen thematische Lock-ins aufbrechen, branchenübergreifende Ansätze fördern und Zukunftstechnologien erschließen. Wir werden neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft, zwischen unterschiedlichen Disziplinen, zwischen Nutzern, Anbietern und Produzenten, zwischen großen und kleinen Akteuren unterstützen. Wir werden den Kulturwandel in Hochschulen hin zu einer besseren Verwertung von Erkenntnissen weiter forcieren und die Hochschulen dabei unterstützen, Strategien für den Transfer zu erarbeiten und konsequent umzusetzen. Dem Wissen und Engagement von Bürgerinnen und Bürgern wollen wir den gebührenden Platz bieten, genauso wie dem Know-how von Expertinnen und Experten. Darüber hinaus wollen wir neue Akteure erreichen und neue physische und digitale Orte der kreativen, kollaborativen und gemeinschaftsorientierten Zusammenarbeit fördern. Die Bundesregierung hat sich das Ziel gesetzt, eine offene Innovationskultur zu etablieren, die kreative Ideen fördert und ungenutzte innovative Potenziale in Deutschland mobilisiert. Deshalb werden wir die Öffnung von Wissens- und Innovationsprozessen unterstützen – in Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft. Offene Innovationsformen bergen große ökonomische und gesellschaftliche Potentiale, sie erfordern aber auch geeignete Rahmenbedingungen und einen Kulturwandel. Für viele Unternehmen, insbesondere mit hohem Spezialisierungsgrad, wird es auch weiterhin darauf ankommen, ihre spezifischen Wissensvorsprünge und Kernkompetenzen zu schützen. Deshalb werden wir geschützte Räume schaffen, innerhalb derer Unternehmen mit ihren Partnern offen interagieren und neue Schutz- und Verwertungsstrategien erproben können. In Demonstrationsvorhaben und Innovationslaboren sollen Wissenschaft und Wirtschaft in die Lage versetzt werden, sich für externes Wissen zu öffnen und neue Akteure in die Innovationsprozesse einzubinden. Im Rahmen von Campusansätzen sollen Crowd Sourcing, Open Science, Open Access und Open Data erprobt werden. Unser Innovationsverständnis basiert auf einem umfassenden Innovationskonzept, das technologische und soziale Innovationen gleichwertig in den Blick nimmt. Neue Geschäftsmodelle, organisatorische Praktiken oder neue Formen des Lernens, Arbeitens und Zusammenlebens können eine größere Wirkmacht haben als einzelne Technologien. Häufig bedingen sie einander. Deshalb werden wir die Forschungsförderung verstärkt für
27 soziale Innovationen öffnen und auf wichtige gesellschaftliche Ziele ausrichten. Zudem werden wir Experimentierräume für soziale Innovationen schaffen. Hier können Innovatorinnen und Innovatoren und potenzielle Nutzerinnen und Nutzer zusammenkommen und neue Formen der sharing economy, institutionelle Instrumente zur Förderung von Innovationen wie Innovationslabore, neue Finanzierungsmodelle und Verwertungswege, die Einbeziehung bürgerlichen Engagements oder neues Fach-, Management- und Organisationswissen erprobt und in die praktische Anwendung übertragen werden. Das deutsche Innovationssystem ist sehr gut aufgestellt, um evolutionär Innovationen ausgehend von bestehenden Technologien, Produkten und Dienstleistungen hervorzubringen. Verkürzte Produktzyklen sowie mit der Digitalisierung und dem rasanten technischen Fortschritt einhergehende Umbrüche in den Geschäftsmodellen treffen jedoch auf eine Schwäche im deutschen Innovationssystem, welches technische Validität oft vor die Geschwindigkeit der Vermarktung stellt und tendenziell zurückhaltend ist bei risikoreichen Unternehmungen. Trotz der exzellenten Grundlagen- und anwendungsorientierten Forschung in Deutschland werden deren Ergebnisse mit hohem Potenzial für Sprunginnovationen zu oft erst von ausländischen Unternehmen zur Marktreife geführt. Um langfristig international konkurrenzfähig zu bleiben, wollen wir die Entstehung von Sprunginnovationen in Deutschland fördern und sie rasch in die Anwendung bringen. Komplementär zu den erfolgreichen Fachprogrammen und -instrumenten wird die Bundesregierung dafür neue Förderinstrumente und -organisationen mit hohen Freiheitsgraden schaffen. Die Bundesregierung selbst wird ihre Rolle als Innovationspionier wahrnehmen. So kann beispielsweise die öffentliche Beschaffung infolge ihres hohen Volumens von mehr als 350 Mrd. Euro pro Jahr wichtige Anreize für mehr Innovationen in der Wirtschaft setzen. Wir wollen daher die Hebelwirkung innovationsorientierter öffentlicher Beschaffung noch besser nutzen und innovativen Unternehmen so den entscheidenden Anschub für eine erfolgreiche Marktdurchdringung geben. Zu einem starken Forschungs- und Innovationsstandort gehört auch ein regulatives Umfeld, dass eine gute Balance bei der Abwägung zwischen Risikovermeidung und Innovationsoffenheit findet. Hier setzt das Innovationsprinzip an. Es besagt, dass bei der Formulierung von Gesetzen und Vorschriften geprüft wird, wie diese sich auf die Innovationsfähigkeit unseres Landes auswirken. Damit ergänzt es das bewährte Vorsorgeprinzip. Daher muss es gelingen, Regelungen so zu formulieren, dass sie Menschen und der Umwelt effektiv schützen und Innovationen gleichermaßen ermöglichen. Wir werden prüfen, wie das Innovationsprinzip ergänzend zum Vorsorgeprinzip verankert werden kann.
28 Forschungs- und innovationspolitische Initiativen 2018-2021 Neues Programm „Offene 2018 Innovationskultur“ Innovative Hochschule Zukunftscluster Open Innovation Campus Forschungscampus II Innovationsforen Mittelstand Galilei-Initiative Unternehmergeist stärken: Aufwind für kleine und mittlere Unternehmen. Unternehmen sind die zentralen Akteure des Innovationsgeschehens. Insbesondere die deutsche Wirtschaft ist im internationalen Vergleich durch eine hohe Innovationsorientierung gekennzeichnet. Dennoch sinkt die Innovatorenquote in Deutschland seit Jahren. Obwohl 2016 wieder ein leichter Anstieg zu verzeichnen war, ist diese Entwicklung angesichts eines wachsenden Anpassungsdrucks durch neue Technologien, Geschäftsmodelle und Dienstleistungen ernst zu nehmen. Um insbesondere den Mittelstand für den intensiver werdenden internationalen Wettbewerb zu stärken und wieder mehr KMU für eine Teilnahme am Innovationsgeschehen zu gewinnen, bauen wir die Förderung von Forschung und Innovation für KMU kontinuierlich aus und entwickeln das innovationspolitische Instrumentarium für den Mittelstand stetig weiter. Innovationskraft des Mittelstands stärken Gerade Mittelständler sind wichtige Treiber der Innovationskraft unseres Landes. Durch ihre Spezialisierung, ihre starke Kundenbindung, ihre Kooperationen mit Großunternehmen, ihre Verankerung in der Region und ihre Flexibilität und Agilität, auf Innovationen zu reagieren, tragen sie einen entscheidenden Anteil an der Innovationsfähigkeit Deutschlands. Es ist vor allem der Mittelstand, der neue Ideen in Märkte einführt und damit einen entscheidenden Anteil am Transfer von Forschung in die Anwendung hat. Daher wollen wir eine Transfer-Initiative starten, die die Unternehmen darin unterstützt, die Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung in Produkte, Verfahren und Dienstleistungen umzusetzen. Zudem werden wir beispielsweise Hochschulen und öffentliche Forschungseinrichtungen als zentrale Forschungs- und Innovationspartner für KMU etablieren – denn KMU allein haben oft nicht die notwenigen Kapazitäten, das Innovationsgeschehen kontinuierlich zu