Dokument 55 geschwärzt MAT A KPMG-1.01, Berichte, Bericht über Sonderuntersuchung vom 27.4.20
Die folgende Tabelle stellt eine Übersicht über die Zusamnnensetzung der in der Investoren präsentation veröffentlichten MCA-Geschäftsvolumina auf Basis der hierzu erhaltenen Micro soft Excel-Datei und der hierzu erteilten Auskünfte dar: 1 H e rku n ft I Q 4 2018 1 Q l 2019 1 Q2 2019 1 Q3 2019 TEUR TEUR TEU R TEUR K reditlinien an AI A lam S o lu tio n P rovider sow ie PayEasy S o lution s (TPA- P artner) 250.000 250.000 230.000 200.000 W irecard Brazil S.A. 0 85.000 85.000 85.000 W irecard Ö d em e ve E lektronik Para H izm e tle ri A.$. 5.000 5.000 5.000 H erm es 1 Tickets Pte Ltd 15.000 20.000 X 2Ö.-OÖO ■ 15.000 W irecard Bank AG 15.000 30.000 30.000 ,/ 15.000 davon: W irecard Ö dem e ve / ' \ ’ E lektronik Para H izm etleri A.$. 6.000 7.000 { 8.000 C ’V* Sum m e 285.000 390^00 \ 370.000 Tabelle 23: Detaillierung der Zahlenangaben zunn Merchant C^sh Advance-G^^ohäft (Wirecard-ÜJ>^rsicht) Nach den KPMG von Stephan 0 Head of Accounfipg der Wirecard ÄGi^ef Wire- card AG, am 27. Januar 2020 erteilten Auskünften wurden die MÖA-Volumina 1. einerseits durch Addition der den Unternehmen AI Alam Solution Provider und PayEasy Solutions eingeräumten und gezogenen Kreditlinien und andererseits 2. durch Schätzungen der MCA-Volumina der übrigen in der vorstehenden Übersicht genann ten Wirecard-Gesellschaiten^^üf d^Grundlage von verschiedenen Schätzungsgrundlagen (u. a. Dauer der Vorfinanzierung) \ ermittelt. Zu 1) Kreditlinien an AI Alam Solution Provider sowie PayEasy Solutions (TPA-Partner): Das auf diese TPA-Partner entfallende MCA-Volumen soll dabei jeweils dem bilanziellen Forderbagsbestiind der Wirecard AG gegenüber diesen TPA-Partnern entsprochen haben, das heißt den von diesen TPA-Partnern gezogenen Kreditlinien. Im Geschäftsjahr 2018 wurden AI Alam Solution Provider von der Wirecard AG eine unbesicherte Kreditlinie i. H. v. EUR 150 Mio sowie PayEasy Solutions eine unbesicherte Kreditlinie i. H. v. EUR 100 Mio zur Verfügung gestellt. Aus den Kreditverträgen ergibt sich als Verwendungszeck jeweils „Merchant Cash Advance". KPMG wurde keine Übersicht über die Kunden, denen diese Mittel in Form von Merchant Cash- Advance durch den jeweiligen TPA-Partner gewährt wurden, vorgelegt. In einer entsprechenden Dokumentation zusammengefasste und durch Wirecard bewertete Nachweise über eine Prüfung und Beurteilung der wirtschaftlichen Verhältnisse der TPA- Partner durch Wirecard lagen für den Untersuchungszeitraum nicht vor. Insbesondere wurden Anlage 1/103 I Wirecard AG | Bericht über die unabhängige Sonderuntersuchung 27.4.2020 - streng vertraulich | 10.020925-16039304
uns keine in einem strukturierten Prozess vorgenommenen Analysen der wirtschaftlichen Verhältnisse der Kreditnehmer (TPA-Partner) vorgelegt (z. B. inhaltliche Auswertungen von Jahresabschlüssen etc.). Zu 2) Wirecard Brazil S.A., Wirecard Ödeme ve Elektronik Para Hizmetleri Hermes I Tickets Pte Ltd, Wirecard Bank AG Die auf der Basis von Schätzungen ermittelten MCA-Volumina der übrigen in der oben ste henden Tabelle aufgeführten Wirecard-Gesellschaften wurden nach den KPMG vom Head of Accounting der Wirecard AG, Stephan ■ ! EVB, am 27. Januar 2020 erteilten Auskünften von den in den Ländern Brasilien, Türkei und Indien tätigen Wirecard-Gesellschaften per E-Mail an die Wirecard AG übermittelt. Die übermittelten Zahlen stammten nach den KPMG von Ste phan von Erffa am 27. Januar 2020 erteilten Auskünften aus Auswertungen von Transaktions daten dieser Wirecard-Gesellschaften, die insoweit auf der/Ebene der Wirecard AG nicht verifiziert worden seien. Die MCA-Volumina wurden nach den KPMG von Stephan'von Erffa am 27. Januar 2020 erteilten Auskünften unter Verwendung von Schätzparametern zum Umfang von „Early Settlements" u. a. auf Basis Von Transaktionsdaten und der Dauer von Vorfinanzierungen geschätzt. Nach den KPMG von Stephan V i E ® f erteilten Auskünften waren entsprechende Schätzun gen zur Ermittlung der MCA-Volurnina erforderlich, da das Mprchant Cash Advance-Volumen weder aus den Aufzeichnungen cler Buchhaltung noch aus den vervyendeten, jeweiligen „Payment Platforms" ersichtlich gewesen sei. Nach eihem KPMG vorliegenden Aktenvermerk seien diese Schätzungen erfolgt, da es sich nicht um ein definiertes Produkt handele, sondern um eine Mehrwertleistung, die teilweise integraler Bestandteil der Dienstleistungen von Wirecard sei. Daher sei dieses Vplumen ein'b Management-Schätzung, die auf verschiedenen Annahmen und Kalkulationen beruht. Diese wurden grob gerundet und würden daher eher eine strategische Richtungsweisung widerspiegeln. Ursächlich hierfür sei insbesondere, dass die betreffenden Wirecard-Gesellschaften lediglich Zahlungen an ihre (Händler-)Kunden weiterleiteten, nachdem sie selbst die entsprechende Liquidität von den jeweiligeTt Acquiring-Banken erhalten hätten. Aus diesem Grund ist das Merchant Cash Advance-Volumen insbesondere im Hinblick auf Brasilieni und die Türkei auch nicht als Differenz zwischen den Forderungen und Verbindlich keiten aus dem Acquiring-Geschäft aus den jeweiligen Jahresabschlüssen dieser Wirecard- Gesellschaften ersichtlich. Zur Verifikation der erhaltenen Aussagen und zur Überprüfung der Angemessenheit der ver wendeten Schätzparameter hat KPMG am 5., 7. und 11. Februar 2020 Befragungen von Mitarbeitern der Wirecard Brazil S.A., Wirecard Ödeme ve Elektronik Para Hizmetleri A.§, Hermes I Tickets Pte Ltd und Wirecard Bank AG durchgeführt. Nach den uns erteilten Aus künften basieren die Schätzungsgrundlagen teilweise auf Expertenschätzungen des Manage ments lokaler Wirecard-Gesellschaften (u. a. zur Dauer der Vorfinanzierungen). Wirecard AG | Bericht über die unabhängige Sonderuntersuchung 27.4.2020 - streng vertraulich | 10.020925-16039304 | Anlage 1/104
Am 19. April haben wir weitere Unterlagen erhalten, welche Nachweise einer detaillierteren Validierung der angenommenen Schätzparameter darstellen sollen. Aufgrund des genannten Charakters einer Schätzung der Zahlenangaben haben wir für diese am 19. April 2020 erhalte nen Unterlagen keine weiteren Untersuchungshandlungen durchgeführt. Vor diesem Hintergrund konnten uns keine Übersichten zu Kunden zur Verfügung gestellt werden, die zu den jeweiligen Stichtagen Merchant Cash Advance erhalten haben. Daher ist eine detaillierte Beurteilung der Angemessenheit und Richtigkeit der im Rahmen der „Investor Presentation Q3/9M results, 6. November 2019" veröffentlichten Merchant Cash Advance- Volumina nicht möglich. Das in der Investorenpräsentation für Ql 2019 ausgewiesene Merchant Cash Advance- Volumen (i. H. v. EUR 400 Mio.") weicht um EUR 10 Mio von der M icrosoft’Excel-Datei zur Zusammensetzung des Merchant Cash Advance Volumens , in welcher für das betrejfende Quartal ein Wert von EUR 390 Mio ausgewiesen ist, ab. Dieses sdit nach den uns erteilten Auskünften darauf zurückzuführen, dass die veröffentlichten Merqhant-Cash Ad\mnce Voluhrti- na lediglich grob gerundet wurden. , \ 2.3 Rechtliche Zulässigkeit des Mensh ^ t €,ash Advance- Geschäfts in der Tüdflii^nd Brasihi^n 2.3.1 Vorwürfe Im Zusammenhang mit rechtlichen ^lässigkeit o*s Merchant Cash Advance-Geschäftes in der Türkei und Brasilien wurde die folgenden V orw ü i^e ^ob e n: „ Deloitte audit^accounts för.Wirecard Turkey showjust mca-mathematik. com, €2.3M in revenae for 2018, and no net lending to merchants is 23. August 2019: Letter to shown. In addithn, an opinion frorn a naspected and experi- the Supervisory Board^® enced Turkish lawyer States that MCA as described by Wire- carcfiß illegal in ^urkey. i "The lack.of len'ding in Brazil was also highlighted given Wire- mca-mathematik. com, card Brazil did not have the necessary acquiring license, so 15. Januar 2020: Letter to could not lend ffom its balance sheet". the Supervisory Board^^ Tabelle 24: VorwürfeTn Bezug auf die rechtliche Zulässigkeit des Merchant Cash Advance-Geschäfts in der Türkei uhd Brasilien Demnach wurde die rechtliche Zulässigkeit der Geschäftsaktivitäten der Wirecard in der Türkei und Brasilien in Zusammenhang mit dem Merchant Cash Advance-Produkt in Frage gestellt. https://www.mca-mathematik.com/static/pdf/letter-230819.7997da22.pdf, abgerufen am 5. November 2019 https://www.mca-mathematik.com/static/pdf/brazil-update.64690516.pdf, abgerufen am 18. April 2020 Anlage 1/105 I Wirecard AG | Bericht über die unabhängige Sonderuntersuchung 27.4.2020 - streng vertraulich | 10.020925-16039304
2.3.2 Untersuchungshandlungen Zur Untersuchung der Vorwürfe wurden KPMG folgende wesentliche Unterlagen zur Verfü gung gestellt: - Screenshots für die Abwicklung einer beispielhaft ausgewählten Kreditkartentransaktion durch die Wirecard Ödenne ve Elektronik Para Hizmetleri A.5., Istanbul (Türkei), - Nachweise über beispielhafte Zahlungsein- und -ausgänge der Wirecard Bank AG für die inn Zusammenhang mit dem MCA-Geschäft stehenden originären Zahlungsverpflichtungen der Wirecard Türkei in Form von SWIFT-Nachrichtensätzen sowie zusammenfassendes Memorandum einer Rechtsanwaltsgesellschaft vom 6. Dezember 2019 mit den wesentli chen Ergebnissen einer im Zeitraum Juli bis September 2015,erfolgten anwaltlichen Bera tung in Bezug auf die Zulässigkeit des von der Wirecard iri sier Türkei betrieb|nen Ge schäfts mit „MCA-Bezug". / Zur Untersuchung des Vorwurfs hat KPMG folgende Unteifeuchungshandlpngen isL dufchgeführt: - Untersuchung der von der Wirecard AG im liiltersuchun^sieitraum veröffentlj£^hten Ge schäftsberichte und weiterer Publikationen Hinblick aufVIercliant Cash^Aävance- bezogene Inhalte, \ ^, ‘ \ - Durchsicht der von der Wirecard AG im Untersii^hung^zeitraum erstellten Vorstandsbe schlüsse sowie Aufsichtsratsprötokolle und -besdblüsse \fn Hinblick auf Merchant Cash Advance-bezogene Inhalte, - \ - Durchsicht des zusammenfassend^n Memömr^dums'ißiner Rechtsanwaltsgesellschaft vom 6. Dezember 2019 mit den wesentlidlen Ergebnissen einer im Zeitraum Juli bis Septem ber 2015 erfolgten anwaltlichen Beratung in Bezug auf die Zulässigkeit des von der Wire card in der Türkei betriebenen Geschäfts nhlt „MCA-Bezug sowie - Beurteijung der Nachvolizjehbarkeit der in Bezug auf die Zulässigkeit der Merchant Cash Advance-Geschäftsaktivitäten der Wirecard in der Türkei eingeholten anwaltlichen Bera tung.; Im Rahnien der Untersuchung wurden ferner insbesondere Gespräche mit: - Jan M f l B I I Chief Operating Officer der Wirecard AG, am 21. November 2019, - Stefan E S « Head of Accounting der Wirecard AG, am 25. November 2019, am 27. Januar 2020 sowie am 5. Februar 2020, - Martin Gregor F| K Vertreter des Abschlussprüfers EY Audit, am 25. Novenhber 2019 sowie - Yigit KfBPund Yalgin Mitarbeiter der Wirecard Ödeme ve Elektronik Para Hizmetle ri A.5., Istanbul (Türkei), am 11. Februar 2020 geführt. Im Rahmen dieser Gespräche erhaltene, für die Untersuchung relevante Informationen wur den bei der zusammenfassenden Darstellung der Untersuchungsergebnisse berücksichtigt. Wirecard AG | Bericht über die unabhängige Sonderuntersuchung 27.4.2020 - streng vertraulich | 10.020925-16039304 | Anlage 1/106
2.3.3 Untersuchungsergebnisse Die Wirecard Ödeme ve Elektronik Para Hizmetleri A.S., Istanbul, Türkei („Wirecard Türkei"), war im Untersuchungszeitraum in der Türkei als Payment Service Provider tätig. Die Wirecard Türkei war zur Erbringung von Zahlungsdienstleistungen durch die Banking and Supervision Agency (BRSA) in der Türkei lizensiert, jedoch nicht zur Übernahme von Garantien oder zur Gewährung von Krediten. Vor dem Hintergrund der Änderung der Gesetzeslage im Juni 2013 (Law on Payment and Security Settlement Systems, Payment Services and Electronic Money Institutions, No. 6493 vom 27. Juni 2013) beauftragte die Wirecard eine Anwaltskanzlei mit der Erarbeitung von Handlungsalternativen zur möglichen Ausgestaltung das Merchant Cash Advance -Geschäfts im Einklang mit der nunmehr geltenden Gesetzeslage. Ausweislich des Memorandums vom 6. Dezember 2019, das die Ergebnisse der Böratuhg durch die Anwaltskanzlei im Jahre 2015 zusammenfasst, waren vörzeitige Auszählungen nur an Kunden mit Sitz außerhalb der Türkei („International rperchants") vorgesehen. Für diese Kunden sollte die Wirecard Bank als Acquirer eingebunden werden und das MCA-Geschäft mit den „International merchants" ausschließlich in d ie W Rollenkonstellation betrieben werden. Für die in der Türkei ansässigen Kunden („Domestic merchants") sollte durch die lokale Wirecard-Gesellschaft jeweils nur eine Weiterleitung bereits erhaltener Zahlungen von Acquiring-Banken erfolgen, was mit der vorliegenden Lizenz vereinbar sei. Im Rahmen der Untersuchung hat KPMG die Nachvolteiehbarkdit der im Memorandum der von Wirecard beauftragten Rechtsanwaltsgesellschaft zusammehgefassten Ergebnisse beur teilt. KPMG kam im Hinblick auf die Angemessenheit der Ausgestaltung des Merchant Cash Advance-Geschäfts mit internationalen K|jnden („International merchants") unter Einbezie hung der Wirecard Bank zu der Einschätzung, dass die Geschäfte mit internationalen Kunden in der Türkei rechtlich zülässig waren. Für in der Türkei ansässige Kunden der Wirecard Türkei wurden im Untersuchungszeitraum nach den KPMG diirch Mitarbeiter der Wirecard Türkei erteilten Auskünften Zahlungen stets - auch im Falle eines „Early settlemänt" im Sinne des MCA-Produkts - erst dann an ihre (Händler-)Kundeh weitergeleitet, nachdem die Wirecard Türkei selbst die entsprechende Liquidität von den entsprechenden Acquiring-Banken erhalten hatte. Zur Überprüfung dieser Aussage hat KPMG im Rahmen einer am 5. Februar 2020 mit Yigit K lH Iu n d Yalgin H(MB^ Mitarbeiter der Wirecard Türkei, geführten Videokonferenz Einsicht in die Benutzeroberfläche der entsprechenden „Payment Platform" genommen und sich anhand ausgewählter Transak tionen davon überzeugt, dass eine Auszahlung ausweislich der Daten der „Payment Platform" erst nach Erhalt der entsprechenden Zahlungen durch die jeweiligen Acquiring-Banken erfolg te. In Brasilien wurde das MCA-Produkt von der als Payment Service Providers lizensierten Wire card Brazil S.A., Sao Paolo auskunftsgemäß nur denjenigen Händlern angeboten, für welche die jeweiligen Acquiring-Partner entsprechende Zahlungen an die Wirecard Brazil weitergelei tet haben. Damit liegt nach den uns erteilten Auskünften nur eine Weiterleitung erhaltener Zahlungen und keine Kreditvergabe vor. Anlage 1/107 I Wirecard AG | Bericht über die unabhängige Sonderuntersuchung 27.4.2020 - streng vertraulich 110.020925-16039304
Vor dem Hintergrund dieser Ausgestaltung sind vorzeitige Settlements im Sinne des Mer- chant Cash Advance-Geschäfts der Wirecard nicht als Differenz zwischen den Forderungen und Verbindlichkeiten aus dem Acquiring-Geschäft in den Abschlüssen der jeweiligen Wire- card-Gesellschaften ersichtlich. Zusammenfassend ergab die Untersuchung von KPMG keine Hinweise auf die rechtliche Unzulässigkeit der diesbezüglichen Geschäftsaktivitäten. 2.4 Geschäftshintergrund bestimmter Kreditvergaben 2.4.1 Vorwürfe Im Zusammenhang mit bestimmten Kreditvergaben wurden folgende Vorwürfe erhpben: Quelle „oCap has multiple dose ties to Wirecard, mal<ing the timingW their mca-mathema- MCA business launch interesting: oCap was formerly known as Senjo tik.com, Trading. Wirecard lent €25M to Senjo Group, a related business, in May 9. September 2019: 201 7 . Senjo was also widely reported as being a niaterial driver of Is Wirecard round Wirecard revenues, EBITDA and receivables. (...) tripping with Singa- The FT has previously reported that Senjo (now oCapjpad significant pore entities?^® unpaid receivables at Wirecard and that a substantiaj pörtion of their revenues and EBITDA corne from Senjo. It seems reasohable to con- clude that Wirecard \a^ s the 3rd party that lent the €115M to Senjo. If any of this money bas made it bqck to Wirecard to pay-off the receiva bles that are owed by Senjo/oCaß - that would be round-tripping." „ (...) business purpose of theß115M loan made to oCap Management mca-mathema- Pte, formprly Senjo Trading, in Singapore in 4Q2018? (...) tik.com, oCap Claims to have originated $W0M of MCA lending in 2017. This 9. September 2019: seems anlikely, as oCap hsd assets of only $25M in 402017 and all Letter to the Legal revenueß reported in their audited accounts came from 'Ship manage Advisor of the Su- ment Services' with zero revenues from 'interest income'. For all of pervisory Board®® 2018, oCap produced $6M in total revenue. We do not understand how it is then that oCap could be a responsible partner/counterparty for over eWOMöfioans. (...) (...) substantial loan to a related party with negligible revenues from financial services/payments and previously reported delinquent receiv ables? If ahy of the funds loaned to oCap returned to Wirecard to pay down receivables, that is the definition of 'round-trip' transactions and could constitute accounting fraud. " Tabelle 25: Vorwürfe in Bezug auf den Geschäftshintergrund bestimmter Kreditvergaben, insbesondere an oCap Management https://www.mca-mathematik.com/ocap-senjo/, abgerufen am 5. November 2019 https://www.mca-mathematik.eom/static/pdf/letter-090919.e72b9439.pdf, abgerufen am 5. November 2019 Wirecard AG | Bericht über die unabhängige Sonderuntersuchung 27.4.2020 - streng vertraulich | 10.020925-16039304 | Anlage 1/108
Insbesondere wird somit der Geschäftshintergrund von möglicherweise an oCap Manage ment Pte. Ltd, Singapur vergebenen Darlehen in Frage gestellt. 2.4.2 Untersuchungshandlungen Zur Untersuchung der Vorwürfe wurden KPMG folgende wesentliche Unterlagen zur Verfü gung gestellt: - Darlehensvertrag zwischen der Wirecard Bank und Senjo Trading vom 15. Dezember 2016, - Darlehensvertrag zwischen der Wirecard Bank und oCap Management vom 31. Januar 2018, - Vorstands- sowie Aufsichtsratsbeschlüsse der Wirecard Bank AG/' - Kreditvorlagen und -beschlüsse sowie diesen zugrunde liegend^ Informationen jfc0r<|ie wirtschaftlichen Verhältnisse von Kreditnehmern im Zusammei^hang mit Darlehen, dieN dem sogenannten „strategischen Kreditportfolio" der Wirecard^^Bank AG zugeordnet wer den sind, X, - Berichte der Jahresabschlussprüfer der Wirecard Bahk ÄQ über die Prüfung cter Jahresab schlüsse 2016, 2017 und 2018, \ - Vorstandsbeschlüsse sowie Aufsichtsratsprotokolle der Wirecard AG, - Darlehensverträge zwischen der Wirdcard Asia Holding und oCap Management sowie - geprüfte Jahresabschlüsse dproCap Management. . 'X \ Zur Untersuchung der Vorwürfe hat KPMG folgende Untersuchungen durchgeführt: - Durchsicht der Vorstandsbeschlüsse sowie Aufsichtsratsprotokolle und -beschlüsse im Hinblick auf Merchaht Cash Advance-bezogene Inhalte; - Durchsicht d^r Berichte der Jahresabschlussprüfer der Wirecard Bank AG über die Prüfung der Jahresabschlüsse 2016, 2017 und 2018; - Durchsicht dpr zwischen der Wirecard Bank AG bzw. der Wirecard Asia Holding Pte. Ltd. und relevanten Kreditnehmern (insbesondere oCap Management) geschlossene, im Unter suchungszeitraum geltenden Kreditverträge sowie - Analyse der entsprechenden Beschlussvorlagen der Wirecard Bank AG. Im Rahmen der Untersuchung wurden ferner insbesondere Gespräche mit: - Rainer V\Im §■, ehemaliger Chief Financial Officer der Wirecard Bank, am 5. Dezember 2019; - Alexander Chief Financial Officer, und Daniel H| y Chief Executive Officer der Wirecard Bank, am 9. Januar 2020; Anlage 1/109 I Wirecard AG | Bericht über die unabhängige Sonderuntersuchung 27.4.2020 - streng vertraulich | 10.020925-16039304
- Carlos-Dieter H f l U Chief Executive Officer, Lilian Teo, Chief Financial Officer, und Jan S tiB M * Chief Risk Officer von oCap Management, am 22. Januar 2020 sowie - Jan , Chief Operating Officer der Wirecard AG, am 17. Februar 2020; geführt. Im Rahmen dieser Gespräche erhaltene, für die Untersuchung relevante Informationen wur den ebenso wie Erkenntnisse aus durchgeführten Hintergrundrecherchen bei der zusammen fassenden Darstellung der Untersuchungsergebnisse berücksichtigt. 2.4.3 Untersuchungsergebnisse 2.4.3.1 Strategisches Kreditportfolio / i \ I Die Wirecard AG hat nach den KPMG vorgelegter) Unterla^n ynd erteilten Auskünften im Untersuchungszeitraum mehrere Darlehen über ihre Tochtef'Slöseyschaften an Geschäfts partner vergeben, mit welchen sie wiederum über andere Tochtergesellschaften in aktiven Geschäftsbeziehungen steht. Die Vergabe erfolgte inst)esondere üT>er die Wirecard Bank AG sowie über die Wirecard Asia Holding. Aus der Perspektive der Wirecar^d Bank AG entwickelte sich geftiäß den KPMG vorgelegten Unterlagen im Zeitraum von 2015 bts 2018 ein einerseits diese Darlehen und andererseits Kredite an Kreditvermittjungsplattformfen umfassendes, Sogenanntes „strategisches Kredit portfolio" mit einem Bruttokreditvolumeftvon ca. EUR 180 Mio (Stand: 31. Dezember 2018). Für in diesem Portfolio der Wirecard Bank AG enthaltene Darlehen stellte die Wirecard AG teilweise Sicherheiten in Form vpn selbstschuldnerischen Bürgschaften, welche sich zum 31. Dezember 2018 auf insgesamt ca. EUR 95 Mio beliefen. Im Rahmen der Untersuchung hat KPMG nach eigenem Ermessen weitere wesentliche strategische Kreditvergaben der Wirecard Bank hinsichtlich ihres Geschäftszwecks anhand der KPMG zjjr Verfügung gestellten Kreditunterlagen beurteilt. Diese umfassten die Darlehens vergaben an WPS MEA Holding Ltd. i. H. v. EUR 3 Mio, Aviatec Holding S.A. i. H. v. EUR 6 Mio, ßijiipay Pte. Ltd. i. H. v. EUR 11,25 Mio sowie an Senjo Group Pte. Ltd. i. H. v. EUR 25 Mio. Bei diesen Darlehensvergaben handelte es sich jeweils um Finanzierungen von im Zählungsdienstleistungsgeschäft tätigen Holding-Gesellschaften. Zur Beurteilung der wirtschaftlichen Verhältnisse lagen der Wirecard Bank neben Jahresab schlüssen der Holding-Gesellschaften insbesondere Planungsrechnungen und Business Pläne hinsichtlich der erwarteten wirtschaftlichen Entwicklungen vor. Die Besicherung erfolgte jeweils über Bürgschaften der Wirecard AG. Bei einzelnen durch Bürgschaften der Wire card AG besicherten Engagements sind im Untersuchungszeitraum Leistungsstörungen aufgetreten. Eine zeitnahe Ziehung der als Sicherheit von der Wirecard AG gewährten Bürg schaften konnte KPMG aus den Kreditunterlagen nicht erkennen. Im Laufe der Untersuchun gen durch KPMG wurde Ende 2019 in einem Fall die Ziehung einer Bürgschaft der Wire card AG vorgenommen. Wirecard AG | Bericht über die unabhängige Sonderuntersuchung 27.4.2020 - streng vertraulich | 10.020925-16039304 | Anlage 1/110
Das im folgenden Abschnitt behandelte, in verschiedenen Presseartikeln thematisierte Darle hen an die Firma oCap Management Pte. Ltd., Singapur, war im Untersuchungszeitraum Bestandteil des strategischen Kreditportfolios der Wirecard Bank AG. 2.4.3.2 Darlehen an oCap Bei oCap handelt es sich nach den Ergebnissen der Hintergrundrecherchen von KPMG um ein Unternehmen, das bis zum 9. Oktober 2017 unter Senjo Trading Pte. Ltd., Singapore, firmier te. Senjo Trading war bis zum Erwerb sämtlicher Anteile durch Lora Limited, Douglas, Isle of Man, eine 100%ige Tochtergesellschaft der Senjö Group Pte Ltd., Singapur, zu der auch der TPA-Partner der Wirecard-Gruppe, die Senjö Payments Asia Pte. Ltd., gehörte. Laut Auskunft von Carlos-Dieter H B B , CEO oCap Management, am 22. Januar 2020 wurden die Anteile der Lora Ltd. im November 2018 an Delphinium Capital Plc, Isle of fyian, weiterveräußert. Nach den KPMG durch Carlos-Dieter H tB H und Jan M B B B i erteilten Auskünften ist die Swiss Life (Singapur) Pte. Ltd., Alleineigentümer der Delphinium Capital Plc und,profitiere daher von der Geschäftsentwicklung von oCap. Die von KPMG hierzu durchgeführten Hint^r- grundrecherchen konnten die Eigentumsverhältnisse von oCap Management bestätigen,, nicht aber die wirtschaftlich Berechtigten von Delphinium Capital anhand öffentlich verfügbarer Registerinformationen verifizieren. Ausweislich der KPMG als Kopie vorgelegten Selbstaus kunft des corporate secretary von Delphinium Capital - First Names Ltd. sei die Swiss Life (Singapore) Pte. Ltd zu über 99 % an Delpjiinjum Capital beteiligt. Darüber hinaus weist der Jahresabschluss von oCap Management zum 31. Dezember 2018 die Swiss Life (Singapore) Pte. Ltd. als alleinigen Anteilseigner von Delphinium. Capital auh. Laut Auskunft von Carlos-Dieter H flB R CEO oGap Management, am 22. Januar 2020 betrieb oCap im Untersuchungszpitraum (im voMiegenden Fall im Zeitraum zwischen dem 1. November 2017 und dem 31. Dezember 2018) im Wesentlichen Geschäfte mit kurzlaufen den Vorfinanzierungen'von Zahlungen aus Kreditkartentrahsaktionen. Ausweislich der KPMG vorliegenden Jahresabschlüsse hat oCap am 13. April 2018 die wesentliche Geschäftsausrich tung von „General Wholesale trade of crude oil and other oil products“ hin zu „Data analytics, Processing and felated activities and other credit agencies" geändert. Bei den Kunden von oCap handelt es sich gemäß Aussage von Jan M S H M , COO der Wirecard AG, sowie gemäß den Vertretern von oCap zu ca. 60 % um Wirecard-Kunden in Asien. Nach den KPMG von Jan M llM B t am 17L Februar 2020 erteilten Auskünften hat die Wirecard Kunden an oCap verwie sen und in deren Folge habe oCap Vorfinanzierungsgeschäfte mit diesen Wirecard-Kunden abgeschlossen. Vertragliche Vereinbarungen zur Vermittlung bzw. Weiterleitung von Kunden zwischen Wirecard und oCap bestünden im Untersuchungszeitraum nicht. Gemäß einer KPMG am 4. Februar 2020 von der Wirecard AG zur Verfügung gestellten schriftlichen Bestä tigung resultierten aus der Weiterleitung von Kunden an oCap Management in den Jahren 2016 bis 2018 keine Umsatzerlöse. Eine Übersicht der an oCap im Untersuchungszeitraum weitergeleiteten Kunden bzw. Merchants wurde KPMG nicht zur Verfügung gestellt. Anlage 1/111 I Wirecard AG | Bericht über die unabhängige Sonderuntersuchung 27.4.2020 - streng vertraulich | 10.020925-16039304
Zu der Frage, weshalb Wirecard das von oCap betriebene Finanzierungsgeschäft im Untersu chungszeitraum (und darüber hinaus) nicht selbst betrieben habe, wurde KPMG von Jan M flB B I, COO der Wirecard AG, am 17. Februar 2020 mi-tgeteilt, dass oCap (anders als Wirecard) über eine „intelligente IT-Plattform" verfüge, mit deren Hilfe das MCA-Geschäft in Singapur sowie zukünftig auch in weiteren asiatischen Ländern effizient abgewickelt werden könne. Wirecard beabsichtigte gemäß Aussage von Jan M f lI H I a m 17. Februar 2020 in der Region nicht in einer Weise tätig zu werden, die zu einer (lokalen) regulatorischen Einstufung als Bank hätte führen können. Auch die Durchsicht der Unterlagen zu einem im Dezember 2018 vom Aufsichtsrat der Wire card AG gefassten Beschluss über eine sogenannte „Partner-Kreditlinie" i. H. v. insgesamt EUR 500 Mio, in welchem die bestehende oCap-Kreditlinie Erwähnung findet, enthielt hierzu keine näheren Informationen bzw. Beweggründe. Die Wirecard Bank AG gewährte oCap in den Jahren 2017 und 2018 zwei teilweise dgrch Finanzgarantien der Wirecard AG besicherte Darlehen mit vereinbarten Zinssätzen zwischen 3,5 % und 8,0 % i. H. v. insgesamt EUR 25 Mio. Aus den KPMG vorgelegten Unterlagen ist als Verwendungszweck für diese Kredite jeweils die Finanzierung der operativen Geschäftstä tigkeit von oCap ersichtlich. Ursprünglich war eipes ^er Darlehen durch eine anteilige Verpfän dung von Unternehmensanteilen der Kalixa Payrhent Group Ltd. teilbesichert, nachdem dieses Unternehmen im Jahr 2017 von der Senjö Group erworben worden war. Diese Übernahme wurde seinerzeit auch durch die Wirecard Bank AG f^anziert. In den Kreditbeschlüssen zur Darlehensvergabe an oCaf^ wird darauf hingewiesen, dass die Kreditvergabe auch aus strategischen Überlegungen des Vorstands der Wirecard AG erfolgte. Die Wirecard Bank AG führt in den Kreditvorlagen diesbezüglich folgenden Grund für das Eingehen des Engagements aus: „ Die WDB [Wirecard Bank AG] sieht sich auch als Dienstleister für nahestehende Per- sonen und Unternehmen der Wirecard AG, die auf anderen Geschäftsfeldern erfolgreich nuit dem Konzern Zusammenarbeiten. In diesem Fall soll auf Empfehlung von Henry Ö 'tKKKBdie eben genannte Gesellschaft [oCap Management Pte. Ltd.] gefördert wer den. Nach Auskunft von Henry O ' d H i besteht eine hohe Nachfrage von Geschäften d^ipser Art in dieser Region Und vor allem in dieser Größenordnung, da ortsansässige Banken nur wesentlich höhere Beträge finanzieren. " I HenrV O 'M l Ü t findet innerhalb der Kreditbeschlüsse auch In den Ausführungen über die Beurteilung des Engagements Erwähnung. Sinngemäß führt die Wirecard Bank AG aus, dass der Vorstand der Wirecard AG in den Bereichen Payment Service Provider-Dienstleistungen und Acquirlng-Geschäft eng mit Henry O 'M B H I zusammenarbeitet. Henry O 'f l H H sei dem Vorstand der Wirecard AG persönlich bekannt und von zweifelsfreier Integrität. Darüber hinaus hat die Wirecard Asia Holding Pte. Ltd., Singapur, oCap im Jahr 2018 mehrere unbesicherte Kredite mit vereinbarten Zinssätzen zwischen 3,8 % und 6,0 % in einem Ge samtvolumen von EUR 115 Mio mit einjähriger Laufzeit zu Zwecken des „Merchant Cash Advance-Geschäfts" gewährt. Bis zum 23. September 2019 waren fällige Zinsen i. H. v. EUR 2,375 Mio aufgelaufen, die bisher nicht gezahlt wurden. Sämtliche fällige Darlehensver wwm Wirecard AG | Bericht über die unabhängige Sonderuntersuchung 27.4.2020 - streng vertraulich | 10.020925-16039304 | Anlage 1/112