WD 2 - 062/21 Der Afghanistan-Einsatz 2001-2021. Eine sicherheitspolitische Chronologie

Auswärtiges, Völkerrecht, Verteidigung, Menschenrechte

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Wissenschaftliche Dienste               Ausarbeitung                                                        Seite 321 WD 2 - 3000 - 062/21 Im Jahr 2021 haben noch 30 Prozent der Bevölkerung keinen Zugang zu einer medizinischen 1208 Versorgung laut einer Pressemitteilung von mehreren deutschen Hilfsorganisationen. 8.3.2.3.     Psychosoziale Folgen des Krieges Im Jahr 2009 stellt das afghanische Gesundheitsministerium fest: zwei Drittel der Afghanen 1209 leiden an psychischen Problemen. 8.3.2.4.     Lebenserwartung 1210 Lebenserwartung von Frauen und Männern in Afghanistan (2001-2019, ausgesuchte Jahre): Frauen            Männer    2001               45,5              46,9           Jahre    2005               43,1              42,7           Jahre    2010               44,8              44,4           Jahre    2015               52,2              49,5           Jahre    2019               54,4              51,4           Jahre     Zum Vergleich: 2019 liegt die Lebenserwartung von Frauen in Deutschland bei 83 Jahren 1211 und von Männern bei 78 Jahren. 1208 Afghanistan: Hilfe für Menschen in Not muss möglich bleiben – Deutsche Hilfsorganisationen stehen weiter an der Seite der afghanischen Bevölkerung, Johanniter, Care, Diakonie, Help, Islamic Relief, Welthungerhilfe, & World Vision, Medienmitteilung, 6. Mai 2021, Berlin, abgerufen am 18. Januar 2022 unter https://mb.cision.com/Public/19994/3341980/8bf46a959782babf.pdf ; Between Rhetoric and Reality – The Ongoing Struggle to Accces Healthcare in Afghanistan, Médecins sans Frontières, February 2014, abgerufen am 18. Januar 2022 unter https://www.aerzte-ohne-grenzen.at/sites/default/files//MSF_Bericht_Afghanis- tan_Feb_2014.pdf 1209 In: Afghan Civilian - Costs of War - Project, Watson Institute for International and Public Affairs, US-amerikanischen Brown University, Neta C. Crawford, 7. Dezember 2020, abgerufen am 29. November 2021 unter https://watson.brown.edu/costsofwar/costs/human/civilians/afghan 1210 Afghanistan Index – Tracking variables of reconstruction and security in post-9/11 Afghanistan, Sam Gollob & Michael E. O’Hanlon, Brookings, August 2020, S. 31, abgerufen am 23. November 2021 unter https://www.broo- kings.edu/wp-content/uploads/2020/08/FP_20200825_afganistan_index.pdf 1211 Lebenserwartung in Deutschland nahezu unverändert, Pressemitteilung Nr. 331 vom 9. Juli 2021, Statistisches Bundesamt, abgerufen am 24. September 2021 unter https://www.google.com/search?q=desta- tis&rlz=1C1GCEA_enDE947DE947&oq=destatis&aqs=chrome..69i57.4235j0j15&sourceid=chrome&ie=UTF-8
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Wissenschaftliche Dienste                Ausarbeitung                                                      Seite 322 WD 2 - 3000 - 062/21 8.3.3.        Kindeswohl 8.3.3.1.      Kindersterblichkeit Die Kindersterblichkeit (von Kindern unter fünf Jahren) konnte in den letzten zwanzig Jahren kontinuierlich reduziert werden, bleibt aber immer noch sehr hoch und beträgt in etwa das 16-fache von der in entwickelten Ländern, wie Deutschland. 1212 Kindersterblichkeit (Kinder unter fünf Jahre) pro 1.000 Gesundgeborene laut Weltbank (Zahlen abgerundet): Afghanistan:                              Deutschland:  1990 177 von 1.000                                    8,5 von 1.000  2000 128 von 1.000                                    5,4 von 1.000  2011         83 von 1.000                             4,1 von 1.000  2019         60 von 1.000                             3,8 von 1.000 1213 Laut UNICEF starben im Jahr 2017 ca. 80.000 Kinder, davon 80 Prozent im ersten Lebensjahr. 8.3.3.2.      Prävalenz von Kindern in der Bevölkerung 1214 Laut dem Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA)                        sind 2021 rund 41 Prozent der 38,9 Millionen Menschen in Afghanistan Kinder zwischen 0 und 14 Jahren: knapp 1215 16 Millionen. 1212 Mortality rate, under-5 (per 1,000 live births), World Development Indicators, abgerufen am 20. September 2021 unter https://databank.worldbank.org/reports.aspx?source=2&series=SH.DYN.MORT&country= 1213 Kurzinformation Afghanistan, UNICEF, undatiert, (Erhebungsjahr ca. 2017/2018, A.d.R.) abgerufen am 20. September 2021 unter https://www.unicef.de/blob/175836/b7a2c7bc763f9bfaf666b83001af8cd5/afghanistan- kurzinformation-data.pdf 1214 United Nations Population Fund (UNFPA). 1215 Wie ist es, jetzt in Afghanistan ein Kind zu sein? 7 Fakten, Laura Sandgathe, 16. November 2021, UNICEF, https://www.unicef.de/informieren/aktuelles/blog/kinder-in-afghanistan-7-fakten/250238
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Wissenschaftliche Dienste              Ausarbeitung                                                       Seite 323 WD 2 - 3000 - 062/21 8.3.3.3.     Kinderernährung  Laut UNICEF hat Afghanistan eine der weltweit höchsten Zahlen von durch 1216 Unterernährung dauerhaft geschädigten Kindern unter fünf Jahren: 41 Prozent.  Laut UNICEF erhalten nur zwölf Prozent der afghanischen Kinder im Alter von 6 bis 24 Monaten die richtige Auswahl an Lebensmitteln in der für ihr Alter erfor- 1217 derlichen Menge.  Laut UNICEF werden bis Ende 2021 ca. 3,2 Millionen Kinder unter fünf Jahren an akuter Mangelernährung leiden. Bis zu einer Million Kinder könnten so schwer 1218 mangelernährt sein, dass sie davon sterben könnten. 8.3.3.4.     Kinderziehung  Laut UNICEF besuchen schätzungsweise 3,7 Millionen Kinder keine Schule. 75 Prozent 1219 davon sind Mädchen. 8.3.3.5.     Kinderehen  Laut UNICEF heiratet ein Drittel der afghanischen Mädchen vor dem 18. Geburtstag. Etwa 1220 1221 jedes sechste davon vor ihrem 15. Geburtstag. 1216 Kurzinformation Afghanistan, UNICEF, undatiert, (Erhebungsjahr ca. 2017/2018, A.d.R.) abgerufen am 20. September 2021 unter https://www.unicef.de/blob/175836/b7a2c7bc763f9bfaf666b83001af8cd5/afghanistan- kurzinformation-data.pdf 1217 Kurzinformation Afghanistan, UNICEF, undatiert, (Erhebungsjahr ca. 2017/2018, A.d.R.) abgerufen am 20. September 2021 unter https://www.unicef.de/blob/175836/b7a2c7bc763f9bfaf666b83001af8cd5/afghanistan- kurzinformation-data.pdf 1218 3,2 Millionen Kinder bis Ende des Jahres akut mangelernährt / Gesundheitssystem vor Kollaps, G20-Sondergipfel zu Afghanistan am 12. Oktober 2021, UNICEF, 12. Oktober 2021, abgerufen am 28. September 2021 unter https://www.unicef.de/informieren/aktuelles/presse/2021/afghanistan-kinder-brau- chen-sofortige-hilfe/249612 1219 Kurzinformation Afghanistan, UNICEF, undatiert, (Erhebungsjahr ca. 2017/2018, A.d.R.) abgerufen am 20. September 2021 unter https://www.unicef.de/blob/175836/b7a2c7bc763f9bfaf666b83001af8cd5/afghanistan- kurzinformation-data.pdf 1220 Kurzinformation Afghanistan, UNICEF, undatiert, (Erhebungsjahr ca. 2017/2018, A.d.R.) abgerufen am 20. September 2021 unter https://www.unicef.de/blob/175836/b7a2c7bc763f9bfaf666b83001af8cd5/afgha- nistan-kurzinformation-data.pdf 1221 Studie über Kinderheirat in Afghanistan, S. Bahgam & W. Mukhatari, medica mondiale e.V., Mai 2004, abgerufen am 28. September 2021 unter https://www.medicamondiale.org/fileadmin/redaktion/5_Service/Medi- athek/Dokumente/Deutsch/Dokumentationen_Studien/Afghanistan_Kinderheirat_medica_mondiale_Stu- die_2004_d.pdf
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Wissenschaftliche Dienste               Ausarbeitung                                                       Seite 324 WD 2 - 3000 - 062/21  Das UNICEF-Foto des Jahres 2007 wird das Bild von Stephanie Sinclair (USA) zum Thema „Kinderbräute“. Es zeigt den 40-jährigen Afghanen Mohammed Faiz und seine 11-jährige 1222 „Kinderbraut“ Ghulam H. nach der Verlobung 2006.  Laut dem „Institute for War and Peace Reporting“ war die noch 2009 in allen 34 Provinzen Afghanistans übliche ba‘ad-Praxis ein weiterer Grund für Kinderehen. Nach diesem recht weit verbreiteten Brauch können Dorfälteste – zwecks Beilegung von Streitigkeiten zwischen Familien oder zwecks Begleichung von unbezahlten Schulden sowie zur Bestrafung eines Verbrechens – eine säumige oder schuldige Familie dazu zwingen, ihre 5- bis 12-jährigen Mädchen einem Geschädigten zur Frau als Ausgleich zu geben. Manchmal können Mädchen selbst wegen eines Verbrechens, das ein Onkel oder ein entfernter Verwandter möglicherweise begangen hat, zu einer Kinderehe im Sinne der 1223 ba‘ad-Praxis gezwungen werden.  Das afghanische Zivilgesetz legt das Mindestalter für die Eheschließung für Mädchen auf sechzehn und für Jungen auf achtzehn Jahre fest. Ein 15-jähriges Mädchen kann jedoch mit Zustimmung des Vaters oder mit positivem Urteil des zuständigen Gerichts heiraten. Die Heirat von Mädchen unter 15 Jahren ist unter keinen Umständen erlaubt. (Daten aus dem 1224 Jahr 2008.)  Im Paschtunwali, dem Rechts- und Ehrenkodex der Paschtunen, des größten Volksstamms Afghanistans, dem auch Hamid Karzai angehört, ist Kinderheirat nach Angaben des 1225 Instituts für Islamfragen aus dem Jahr 2012 erlaubt. 1222 UNICEF-Foto des Jahres, Stephanie Sinclair, undatiert, UNICEF, abgerufen am 28. September 2021 über https://www.unicef.de/informieren/aktuelles/foto-des-jahres/wettbewerb-2007 1223 Afghan Girls Suffer for Sins of Male Relatives, Wahida Paykan, Wahida Paykan, 26. März 2009, Institute for War and Peace Reporting, abgerufen am 28. September 2021 über Refworld/UNHCR unter https://www.refworld.org/cgi-bin/texis/vtx/rwmain?docid=49dc4b201c 1224 Early Marriage in Afghanistan, Women and Children Legal Research Foundation (WCLRF), 2008, abgerufen am 28. September 2021 unter http://www.iccwtnispcanarc.org/upload/pdf/5449204478Early%20Marri- age%20in%20Afghanistan.pdf 1225 Menschenrechte am Hindukusch: Afghanische Frauen sind „zweitrangig“, Pressemitteilung zur Situation der Menschenrechte in Afghanistan, Institut für Islamfragen, 11. April 2012, abgerufen am 28. September 2021 unter https://www.islaminstitut.de/2012/pressemitteilung-zur-situation-der-menschenrechte-in-afghanistan/
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Wissenschaftliche Dienste               Ausarbeitung                                                       Seite 325 WD 2 - 3000 - 062/21 8.3.2. Zugang zu Wasser und Hygiene  Laut UNICEF haben 60 Prozent der afghanischen Haushalte noch 2018 unzureichende 1226 Sanitäranlagen, insbesondere keine Toiletten. 8.3.4.        Schul- und Bildungswesen 8.3.4.1.      Grundschulwesen Die Zahlen der Schulen und der Kinder, die zur Schule gehen, sind unklar. Dies rührt einerseits daher, dass die kabuler Regierung nur Teile des Landes kontrolliert und dass die Statistiken der Regierung geschönt sind. Die Nichtregierungsorganisation Human Rights Watch (HRW) kommt 2017 zu folgendem Fazit: „Laut einem Bericht der afghanischen Regierung aus dem Jahr 2015 gingen mehr als 8 Millionen Kinder zur Schule, davon 39 Prozent Mädchen. Im Dezember 2016 gab der Bildungsminister bekannt, dass die tatsächliche Zahl der Schulkinder bei 6 Millionen liegt. Im April 2017 teilte ein Beamter des Bildungsministeriums Human Rights Watch mit, dass 9,3 Millionen Kinder zur Schule gehen, davon 39 Prozent Mädchen. Alle diese Zahlen werden durch die staatliche Praxis überhöht, ein Kind als Schulbesucher zu zählen, wenn der 1227 Schulbesuch weniger als drei Jahre zurückliegt.“ Diese systematische Zahlenüberhöhung hat nicht nur politische Motive, sie erfolgt vor allem aus ökonomischen Gründen, wie der Afghanistan Experte Thomas Ruttig es in einem Interview mit der Redaktion der Bundeswehr im Jahr 2014 erklärte: „Das Berichtswesen in Afghanistan zeichnet sich dadurch aus, dass oft nach oben aufgerundet wird und das hat häufig ganz handfeste Ursachen. Örtliche Verwaltungen geben oft Schüler- oder Lehrerzahlen an, die überhöht sind, und stecken sich die draufgeschlagenen Unterhaltskosten und Gehälter in die eigene Tasche. Das ist eine Nachahmung der Korruption auf höchster Ebene. (…) 60 Prozent der Kinder leiden unter Mangelernährung. Immer noch gehen 68 Prozent aller Schüler – und 82 Prozent aller Schülerinnen – vor Abschluss 1226 Kurzinformation Afghanistan, UNICEF, undatiert, (Erhebungsjahr ca. 2017/2018, A.d.R.) abgerufen am 20. September 2021 unter https://www.unicef.de/blob/175836/b7a2c7bc763f9bfaf666b83001af8cd5/afghanistan- kurzinformation-data.pdf 1227 “I Won’t Be a Doctor, and One Day You’ll Be Sick”, Girls’ Access to Education in Afghanistan, 17. Oktober 2017, Human Rights Watch, abgerufen am 4. Dezember 2021 unter https://www.hrw.org/report/2017/10/17/i-wont-be- doctor-and-one-day-youll-be-sick/girls-access-education-afghanistan
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Wissenschaftliche Dienste                Ausarbeitung                                                        Seite 326 WD 2 - 3000 - 062/21 der 6. Klasse ab und nach letzten Angaben fehlt der Hälfte aller Schulen ein 1228 Dach.“ Folgende Fakten und Zahlen beschreiben Herausforderungen und Zustand des Bildungswesens:  2013: 93 Prozent der 10-jährigen afghanischen Kinder können nach Abschluss der 1229 Grundschule keinen einfachen Text lesen.  2016: Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) geht davon aus, dass 1230 40 Prozent aller Kinder im schulpflichtigen Alter keine Schule besuchen.  2017: Bis dahin hat die afghanische Regierung keine Schritte unternommen, um einen verpflichtenden Schulbesuch in einem nationalen Gesetz zu 1231 verankern.  2017: Zwei Drittel der                afghanischen        Mädchen      gehen     schätzungsweise 1232 nicht zur Schule.  2017: Über 40 Prozent der Schulen haben kein Gebäude.                   1233 1228 “In Afghanistan wird nicht ständig und an allen Ecken geschossen und gebombt”, Thomas Ruttig, 12. Dezember 2014, Blog, (Interview auf der Internetseite der Bundeswehr nicht mehr abrufbar), abgerufen am 18. Januar 2022 unter https://thruttig.wordpress.com/2014/12/12/in-afghanistan-wird-nicht-stan- dig-und-an-allen-ecken-geschossen-und-gebombt-bundeswehr-interview/ 1229 Report: 3.7 million Afghan children don’t attend school, Rahim Faiez, 7. Oktober 2020, Associated Press, abgerufen am 4. Dezember 2021 unter https://apnews.com/article/kabul-afghanistan-education-taliban- ba1c03e5721aff6a4fca55ccdb06f770 1230 “I Won’t Be a Doctor, and One Day You’ll Be Sick”, Girls’ Access to Education in Afghanistan, 17. Oktober 2017, Human Rights Watch, abgerufen am 4. Dezember 2021 unter https://www.hrw.org/report/2017/10/17/i-wont-be- doctor-and-one-day-youll-be-sick/girls-access-education-afghanistan 1231 “I Won’t Be a Doctor, and One Day You’ll Be Sick”, Girls’ Access to Education in Afghanistan, 17. Oktober 2017, Human Rights Watch, abgerufen am 4. Dezember 2021 unter https://www.hrw.org/report/2017/10/17/i-wont-be- doctor-and-one-day-youll-be-sick/girls-access-education-afghanistan 1232 “I Won’t Be a Doctor, and One Day You’ll Be Sick”, Girls’ Access to Education in Afghanistan, 17. Oktober 2017, Human Rights Watch, abgerufen am 4. Dezember 2021 unter https://www.hrw.org/report/2017/10/17/i-wont-be- doctor-and-one-day-youll-be-sick/girls-access-education-afghanistan 1233 “I Won’t Be a Doctor, and One Day You’ll Be Sick”, Girls’ Access to Education in Afghanistan, 17. Oktober 2017, Human Rights Watch, abgerufen am 4. Dezember 2021 unter https://www.hrw.org/report/2017/10/17/i-wont-be- doctor-and-one-day-youll-be-sick/girls-access-education-afghanistan
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Wissenschaftliche Dienste               Ausarbeitung                                                       Seite 327 WD 2 - 3000 - 062/21  2017: Schlechte Qualität des Unterrichtes und Lehrermangel sind verbreitet. - Die Lehrkräfte bekommen of weniger als 100 US-Dollar im Monat. - Frauen sind unter Lehrkräften enorm unterrepräsentiert und viele Eltern weigern sich, Mädchen zur Schule zu schicken, wenn die Lehrkraft eine 1234 männliche ist.  2017: Armut und Kinderarbeit sind kaum überwindbare Hürden: Mindestens ein Viertel der afghanischen Kinder zwischen 5 und 14 Jahren arbeitet für den eigenen Lebensunterhalt oder um ihrer Familie zu helfen, darunter 1235 27 Prozent der 5- bis 11-Jährigen.  2017: 30 Prozent der afghanischen Regierungsschulen haben kein sauberes 1236 Trinkwasser und 60 Prozent haben keine Toiletten.  2017: Das Bildungsministerium gehört laut Umfragen in der Bevölkerung zu den 1237 drei korruptesten Ministerien Afghanistans.  2019: Laut Daten des Bildungsministeriums bleiben 400 Schulen von den 18.000 1238 Schulen des Landes aus Sicherheitsgründen geschlossen.  2020: Die Koalition identifiziert im Jahr 2020 mehr als 2.400 Angriffe auf Bildungseinrichtungen, Studenten und Pädagogen, ein Anstieg von 1239 33 Prozent gegenüber 2019. 1234 “I Won’t Be a Doctor, and One Day You’ll Be Sick”, Girls’ Access to Education in Afghanistan, 17. Oktober 2017, Human Rights Watch, abgerufen am 4. Dezember 2021 unter https://www.hrw.org/report/2017/10/17/i-wont-be- doctor-and-one-day-youll-be-sick/girls-access-education-afghanistan 1235 “I Won’t Be a Doctor, and One Day You’ll Be Sick”, Girls’ Access to Education in Afghanistan, 17. Oktober 2017, Human Rights Watch, abgerufen am 4. Dezember 2021 unter https://www.hrw.org/report/2017/10/17/i-wont-be- doctor-and-one-day-youll-be-sick/girls-access-education-afghanistan 1236 “I Won’t Be a Doctor, and One Day You’ll Be Sick”, Girls’ Access to Education in Afghanistan, 17. Oktober 2017, Human Rights Watch, abgerufen am 4. Dezember 2021 unter https://www.hrw.org/report/2017/10/17/i-wont-be- doctor-and-one-day-youll-be-sick/girls-access-education-afghanistan 1237 “I Won’t Be a Doctor, and One Day You’ll Be Sick”, Girls’ Access to Education in Afghanistan, 17. Oktober 2017, Human Rights Watch, abgerufen am 4. Dezember 2021 unter https://www.hrw.org/report/2017/10/17/i-wont-be- doctor-and-one-day-youll-be-sick/girls-access-education-afghanistan 1238 At Least 400 Schools Remain Closed Countrywide: Minister, Tamim Hamid, 18. April 2019, abgerufen am 4. Dezember 2021 unter https://tolonews.com/afghanistan/least%C2%A0400-schools-remain-closed-country- wide-minister 1239 Explosive Weapons Attacks on Afghanistan Schools Increase – Attacks on Education Rose 33 Percent Globally, Prompting Calls for Urgent Action, 7. September 2021, Human Rights Watch, abgerufen am 4. Dezember 2021 unter https://www.hrw.org/news/2021/09/07/explosive-weapons-attacks-afghanistan-schools-increase
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Wissenschaftliche Dienste               Ausarbeitung                                                          Seite 328 WD 2 - 3000 - 062/21  2020: Laut Daten des Bildungsministeriums sind seit 2001 etwa 13.000 Schulen gebaut worden. Aufgrund der Repatriierung von Flüchtlingen und des allgemeinen          Bevölkerungswachstums             fehlen        weiterhin          7.000 1240 Schulgebäude.  2020: Laut Daten des Bildungsministeriums gehen 3,7 Millionen Kinder nicht zur 1241 Schule und 46 Prozent der Schulen haben kein Unterrichtsgebäude.  Zum Vergleich: Anfang/Mitte der 1990er Jahre machten Frauen etwa 40 Prozent der Studentenschaft sowie etwa 70 Prozent der Lehrer (-innen), 40 Prozent der Ärztinnen und Ärzte und 50 Prozent der Beamtinnen und Beamten aus. Bevor die Taliban 1996 Kabul 1242 eroberten, wurden Jungen und Mädchen gemeinsam unterrichtet. 8.3.4.2.     Lese- und Schreibfähigkeit 1243 Lese- und Schreibfähigkeit von Frauen und Männern in Afghanistan (2000-2018). Frauen          Männer  2000                  13%             43%  2018                  30%             55% 1240 No Buildings for 7,000 Afghan Schools: Ministry, Massoud Ansar, ToloNews, 18. September 2020, abgerufen am 4. Dezember 2021 unter https://tolonews.com/afghanistan-166416 1241 Report: 3.7 million Afghan children don’t attend school, Rahim Faiez, 7. Oktober 2020, Associated Press, abgerufen am 4. Dezember 2021 unter https://apnews.com/article/kabul-afghanistan-education-taliban- ba1c03e5721aff6a4fca55ccdb06f770 1242 Higher education as a catalyst of peacebuilding in violence and conflict-affected contexts: the case of Afghanistan, Arif Sahar & Christian Kaunert, University College London & Dublin City University, February 2020, Peacebuilding, S.9-10, abgerufen am 4. Dezember 2021 unter https://www.researchgate.net/publica- tion/339459229_Higher_education_as_a_catalyst_of_peacebuilding_in_violence_and_conflict-affec- ted_contexts_the_case_of_Afghanistan 1243 Afghanistan Index – Tracking variables of reconstruction and security in post-9/11 Afghanistan, Sam Gollob & Michael E. O’Hanlon, Brookings, August 2020, S. 32, abgerufen am 23. November 2021 unter https://www.broo- kings.edu/wp-content/uploads/2020/08/FP_20200825_afganistan_index.pdf
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Wissenschaftliche Dienste                Ausarbeitung                                                       Seite 329 WD 2 - 3000 - 062/21 8.3.4.3.      Anzahl von Universitätsstudenten 1244 Entwicklung der Anzahl von Studentinnen und Studenten in Afghanistan (2003-2019) Frauen          Männer  2003-04:              7.200           23.600  2018-19:             49.000         136.900  Zum Vergleich gab es in Deutschland (ca. 83,2 Millionen Einwohner) im Wintersemester 2021/22 laut dem Statistischen Bundesamt etwa 2,9 Millionen Studentinnen und 1245 Studenten. 8.3.5.        Stromversorgung und Kommunikation 8.3.5.1.      Stromversorgung Im Jahr 2021 werden lediglich 30 Prozent der etwa 37 Millionen Einwohner Afghanistans mit 1246 Strom versorgt.  Besonders bemerkenswert dabei: Das für 335 Millionen US-Dollar im Juni 2010 an die afghanische Regierung überführte Elektrizitätswerk Tarakhil in der Nähe von Kabul funktioniert nur zu etwa zwei Prozent seiner Kapazität. Zwischen 2014 und 2015 produzierte die Anlage weniger als 0,5 Prozent des Strombedarfs von Kabul, einer Stadt in der die Stromversorgung als absolut unzureichend und äußerst unzuverlässig gilt. Grund dafür ist laut einem Bericht des SIGAR, dass die 1244 Afghanistan Index – Tracking variables of reconstruction and security in post-9/11 Afghanistan, Sam Gollob & Michael E. O’Hanlon, Brookings, August 2020, S. 33, abgerufen am 23. November 2021 unter https://www.broo- kings.edu/wp-content/uploads/2020/08/FP_20200825_afganistan_index.pdf 1245 Zahl der Studierenden im Wintersemester 2020/2021 auf neuem Höchststand, Pressemitteilung Nr. 497 vom 11. Dezember 2020, Destatis, abgerufen am 20. Januar 2022 unter https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemit- teilungen/2020/12/PD20_497_213.html 1246 Aus für deutsche Afghanistan-Investitionen, Till Bücker, Tagesschau, ARD, 18. August 2021, abgerufen am 17. Dezember 2021 unter https://www.tagesschau.de/wirtschaft/weltwirtschaft/afghanistan-deutschland- investitionen-entwicklungshilfe-101.html
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Wissenschaftliche Dienste               Ausarbeitung                                                        Seite 330 WD 2 - 3000 - 062/21 Regierung Afghanistans die Treibstoff- und Transportkosten in Höhe von 1247 245 Millionen US-Dollar pro Jahr nicht erbringt. 8.3.5.2.     Zugang zur Telefonkommunikation 1248 Anzahl der festen und mobilen Telefonanschlüsse in Afghanistan (2002-2018) Feste                       Mobile Anschlüsse                   Anschlüsse  2002:              33.100                       25.000  2018:             128.000                   21.976.000 1247 Aus für deutsche Afghanistan-Investitionen, Till Bücker, Tagesschau, ARD, 18. August 2021, abgerufen am 17. Dezember 2021 unter https://www.tagesschau.de/wirtschaft/weltwirtschaft/afghanistan-deutschland- investitionen-entwicklungshilfe-101.html ; Tarakhil Power Plant, Wikipedia, abgerufen am 17. Dezember 2021 unter https://en.wikipedia.org/wiki/Tarakhil_Power_Plant ; Black & Veatch's Tarakhil Power Plant: White Elephant in Kabul, Pratap Chatterjee, 19. November 2009, CorpWatch, abgerufen am 17. Dezember 2021 unter https://www.corpwatch.org/article/black-veatchs-tarakhil-power-plant-white-elephant-kabul ; Brief an: Donald L. „Larry“ Sampler, Assistant Administrator for Afghanistan and Pakistan Affairs, U.S. Agency for International Development, 7. August 2015, Office of the Special Inspector General for Afghanistan Reconstruction (SIGAR), SIGAR-15-80-SP, abgerufen am 17. Dezember 2021 unter https://www.sigar.mil/pdf/special%20projects/SIGAR-15-80-SP.pdf 1248 Afghanistan Index – Tracking variables of reconstruction and security in post-9/11 Afghanistan, Sam Gollob & Michael E. O’Hanlon, Brookings, August 2020, S. 35, abgerufen am 23. November 2021 unter https://www.brookings.edu/wp-content/uploads/2020/08/FP_20200825_afganistan_index.pdf
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