neuAz36-15-06_Hefter9_20050113-20051212_TeilII

Dieses Dokument ist Teil der Anfrage „Bundeswehr: Lebenskundlicher Unterricht durch die Militärseelsorge und Ausweitung der Militärseelsorge

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FüSI3 Bonn, 14. Juli 2005

Entwickeln ethischen Bewusstseins und
einer ausgeprägten sittlichen Urteilsfähigkeit
der Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr

  

Entscheidungsstand gemäß der Besprechung mit EKA, KMBA,RI4,Fü SI4 und den
Fü TSK / MilOrgBer vom 20.06. 2005 und der Reaktion von EKA/KMBA vom 23.06.2005.

    

Bezüge:
ZDv 66/1 Militärseelsorge (Merkschrift) vom August 1956

ZDv 66/2 Lebenskundlicher Unterricht (Merkschrift) vom November 1959

3. Generalinspekteur vom 10.12.2003 — Weisung für die Zusammenarbeit mit den
Angehörigen der Militärseelsorge

4. EKA/KMBA vom 16.12.2004 — Konzept zur Neugestaltung des Lebenskundlichen
Unterrichts in der Bundeswehr

5. EKA/KMBA vom 23.06.2005

Einbinden „Lebensführung / Lebensorientierung / Wertebildung“ in die Systematik „Innere
Führung“

Menschenführung Streitkräfte

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Innere Führung Dienstgestaltung und
Ausbildung
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„Lebensführung/Lebensorientierung/Wertebildung“ von Soldatinnen und Soldaten wird als ein
Themenfeld der Inneren Führung als eigenständiges Kapitel in die ZDv 10/1 aufgenommen. In die
Neufassung der ZDv 10/1 wird die „Seelsorgerliche Begleitung“ als kooperativ von der
Militärseelsorge zu gestaltendes Anwendungsgebiet aufgenommen werden. Die ZDv 66/2
„Lebenskundlicher Unterricht“ wird aufgrund dieser Einbindung in eine neue ZDv 10/4
umgewidmet. Im Rahmen der Weiterentwicklung ist dann auch die Weisung des General-
inspekteurs (Bezug 3) anzupassen.

Ziel - Lebensführung / Lebensorientierung / Wertebildung von Soldatinnen und Soldaten

> Entwickeln von Kompetenzen für die berufsbezogene Lebensführung von Soldatinnen
und Soldaten im Einsatz und im Grundbetrieb der Streitkräfte

> Stärkung des Verantwortungsgefühls, des Urteilsvermögens und des Pflicht- und
Wertebewusstseins und damit Beitrag zur Persönlichkeitsbildung

=> Soldatinnen / Soldaten sind sich ihrer kulturellen Identität bewusst und vertreten
überzeugend die Werte des Grundgesetzes

Qualifikationsbereiche

> Grundbetrieb
o Lehrgangsgebundene Ausbildung
o Einsatzbezogene Ausbildung
o Betrieb der Grundorganisation

=> Einsatz

o Besondere Auslandsverwendungen und vergleichbare Einsätze

 

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Zielgruppe

=> Soldatinnen / Soldaten aller Ebenen

 

Verantwortlich für das Entwickeln von Kompetenzen

 

 

> Einheitsführer der Bundeswehr auf allen Ebenen

> Militärseelsorgerinnen und Militärseelsorger als dafür besonders qualifizierte
Lehrkräfte für die Persönlichkeitsentwicklung der Soldatinnen und Soldaten

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Beschreibung der notwendigen Kompetenzen und des jeweils angestrebten Kompetenzprofils |

> Geschärftes politisches und ethisches Bewusstsein und eine ausgeprägte rechtliche und
sittliche Urteilsfähigkeit, um die Folgen soldatischen Handelns richtig abschätzen und
werten zu können

 

> Dialogfähigkeit, erfolgreiche Auseinandersetzung mit Anderen, Interkulturelle
Kompetenz

Festlegen der Inhalte zum Erreichen der Kompetenzen

Individuum und Gesellschaft — Persönliche Lebensführung und soldatischer Dienst —
Herausforderungen des Einsatzes und des Grundbetriebes der Streitkräfte

 

Individuum und Gesellschaft
> Das, was sich trägt - das, was uns trägt

> Menschenbild und Menschenbilder
> Menschenwürde ist unantastbar
> Leben mit Behinderung
> Umgang mit Minderheiten

> Identität und Toleranz
> Freiheit und Verantwortung

> Das Verhältnis von Staat, Gesellschafft und Religion - Grenzen staatlicher Macht -
Grenzen kirchlicher Einflussnahme

> Religion

Glaube und Unglaube als Dimension menschlicher Existenz

Recht auf ungestörte Religionsausübung: Zur Funktion der Militärseelsorge
„Im Bewusstsein unserer Verantwortung vor Gott...“ - christliche Wurzeln
Europas

Einführung in die Weltreligionen

Christentum

Judentum

Islam

Andere Weltreligionen

VVVVWV VVW

> Bewahrung der Schöpfung
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Persönliche Lebensführung und Soldatischer Dienst

> Mensch / Familie und Beruf
> Partnerschaft - Familie - Beruf
> Umgang mit Tod und Sterben
> Selbstverständnis als Soldat
> Sucht und andere Abhängigkeiten

> Verantwortung übernehmen
> Gewissen
> Eid und Gelöbnis
> Befehl und Gehorsam
> Widerstand

Herausforderungen des Einsatzes und des Grundbetriebes der Streitkräfte
> Zugänge zur Friedensethik
> Ethische Reflexion des Einsatzes und seiner Ziele
> Verantwortung und Schuld

> Konflikte

Begegnung mit fremden Kulturen

Umgang mit Gewalt, Angst und Macht

Umgang mit Lebensgefahr, Verwundung und Tod (incl. Suizid)

Umgang mit Sexualität

Überbringen einer Todesnachricht

Ethische Entscheidungen in Extremsituationen (z.B. Folter, Begegnung mit
Kindersoldaten)

VVVVVWV

=> Belastung für Ehe und Familie

> Einführung in Kultur und Religionen des Einsatzlandes (z.B. Islam, Orthodoxie,
Religion und Gewalt, etc.)

 

Methodik zur Vermittlung der Kompetenzen / des Kompetenzprofils

> Reflexion und ethische Urteilsbildung durch Sinn- und Wertevermittlung im LKU als einem
Ort freier, vertrauensvoller Aussprache

> Unabhängigkeit der Militärseelsorgerinnen und -seelsorger bei der methodischen und
didaktischen Vermittlung im Sinne eines „positiven Pluralismus“

=> Inhaltliche Abstimmung der Themen zwischen den Kirchenämtern und BMVg

> gemeinsame Verantwortung für den LKU vor Ort durch den militärischen Einheitsführer
und den Militärseelsorger / die Militärseelsorgerin

4
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| Noch zu entscheidende methodische Schritte

 

> Einbindung der Vertreter aller großen Weltreligionen, Judentum, Islam usw.

> Einbindung des psychologischen Dienstes usw.

> Lebenskundliche Arbeitsgemeinschaft (LKA) gem. Bezug 3 für Offiziere und Unteroffiziere
> Lebenskundliche Seminare an Universitäten, Akademien und Schulen gem. Bezug 3

> Ausprägung abhängig von den jeweiligen Qualifikationsbereichen, z.B. Allgemeine
Grundausbildung, Einsatzbezogene Ausbildung, Laufbahnlehrgänge

> Entwicklung eines Kompendiums / Arbeitshilfen LKU
> Pädagogisch-wissenschaftliche Begleitung von LKU
> Entwicklung von Instrumenten zur Evaluation des LKU - Nennen - Messen - Quittieren

=> Stundenansatz für alle Soldatinnen/Soldaten

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Konzept zur Neugestaltung
des Lebenskundlichen Unterrichts
in der Bundeswehr

 

 

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Evangelische und Katholische Militärseelsorge
Bonn/Berlin, 16. 12. 2004
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In Umsetzung der bestehenden rechtlichen, Grundlagen, insbesondere der Merkschrift „Lebenskundlicher Unterricht“
(ZDv 66/2 vom 5. November 1959) und der Weisung des Generalinspekteurs zur Zusammenarbeit mit der Militärseel-
sorge (10. Dezember 2003), ausgehend von ihren Erfahrungen mit dem Lebenskundlichen Unterricht (LKU) und ange-
sichts des veränderten Aufgabenspektrums der Bundeswehr, schlägt die Militärseelsorge folgende Weiterentwicklung
des LKU vor.

1) Lebenskundlicher Unterricht als Beitrag zur Persönlichkeitsbildung

1 a) Sinn und Aufgabe

In Zeiten schnellen und tiefgreifenden Wandels und in einer Gesellschaft, die in wichtigen Lebensfragen hohe Pluralität
aufweist, brauchen Soldatinnen und Soldaten Sinnorientierung. ‘
Das sich verändernde Aufgabenspektrum der Bundeswehr stellt eine Herausforderung für Soldatinnen und Soldaten in
Bezug auf ihre Lebensführung dar. Dies betrifft insbesondere den für ihren Dienst notwendigen Rückhalt in der Gesell-
schaft und ihrem engeren sozialen Umfeld. Im LKU sollen daher mögliche Spannungsfelder zwischen soldatischem
Dienst und gesellschaftlichem sowie privatem Umfeld reflektiert und gemeinsam Handlungsmöglichkeiten erörtert
werden.

Für die Aufgaben der Konfliktvorbeugung und Krisenbewältigung sollen Soldatinnen und Soldaten befähigt werden,
die ethische Dimension des Einsatzes erkennen, ethisch reflektieren und bewerten zu können. _

Der LKU soll dazu helfen, dass die Soldatinnen und Soldaten sich ihrer eigenen religiösen und kulturellen Identität
bewusst werden und sich der gemeinsamen Werte in der freiheitlich-demokratischen Gesellschaft vergewissern. In
dieser Vergewisserung der eigenen Position und der gemeinsamen Werte sollen sie befähigt werden, sich mit anderen
Weltanschauungen und Kulturen kritisch auseinander zu setzen, in den Dialog zu treten und mögliche Schritte des in-
terkulturellen Verstehens zu gehen.

Der LKU stärkt so Gewissen, eigenes Urteilsvermögen und verantwortungsbewusstes Handeln der Soldatin/des Solda-
ten. In dieser identitätsstiftenden Weise leistet er einen wesentlichen Beitrag zur Persönlichkeitsbildung.

1b) Zielgruppe

Der LKU wendet sich an alle Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr. Insbesondere soll er sie in Phasen begleiten, in
denen ihre Situation vermehrt zu grundsätzlichen Lebensfragen führt oder in denen sie andere Soldatinnen und Soldaten
als Vorgesetzte zu führen haben (Allgemeine Grundausbildung, Ausbildung für den Auslandseinsatz, Laufbahnlehrgän-
ge für Offiziere und Unteroffiziere).

LKU wird unabhängig vom religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnis für alle Soldatinnen und Soldaten erteilt.

 

2) Rahmenbedingungen

2 a) Militärseelsorgerinnen und -seelsorger als Unterrichtende

Die Rechtsordnung der Bundesrepublik verpflichtet den Staat zu weltanschaulicher Neutralität, bekennt sich aber
gleichzeitig zu ihrer in der Präambel des Grundgesetzes zum Ausdruck kommenden christlichen Tradition. Der Staat
weist insbesondere den organisatorisch anerkannten Religionsgemeinschaften Aufgaben der Sinn- und Wertevermitt-
lung zu. \

Auf dieser Grundlage ist der Lebenskundliche Unterricht ein Ort freier, vertrauensvoller Aussprache. Der Staat misst
diesem Freiraum inmitten des militärischen Bereichs große Bedeutung bei (Leitbild des „Staatsbürgers in Uniform”).
Die besondere Dienststellung des Militärseelsorgers bzw. der Militärseelsorgerin innerhalb der Bundeswehr unter-
streicht dies Anliegen.

Die Kirchen wissen um die hohe Bedeutung dieses Dienstes und sehen daher den Lebenskundlichen Unterricht als Toil_
ihres Gesamtauftrags innerhalb der Bundeswehr an. In der Erfüllung dieses Auftrags bezieht die Militärseelsorge auf
der Grundlage der christlichen Tradition Stellung und ist dabei offen für die Weltbilder und Werte aller Soldatinnen und
Soldaten. '

Die Militärseelsorgerinnen und -seelsorger bleiben in ihrer weltanschaulichen Gebundenheit erkennbar. Sie vermitteln
den Soldatinnen und Soldaten im Sinne eines „positionellen Pluralismus“ Kenntnisse über Religion, Kultur, Ethik und
Tradition, fördern die Vergewisserung der eigenen Identität und leiten zu Dialogfähigkeit, kritischer Auseinanderset-
zung mit anderen Positionen und interkultureller Kompetenz an.

Die Militärseelsorge leistet den LKU für alle Soldatinnen und Soldaten. In Hinblick auf die oben genannten Zielgrup-
pen (Allgemeine Grundausbildung; Ausbildung für den Auslandseinsatz; Laufbahnlehrgänge für Offiziere und Unterof-
fiziere) stellt sie die verlässliche Erteilung sicher.

2b) Zuständigkeiten

Vorbereitung und Durchführung des LKU erfordern die Zusammenarbeit zwischen den militärischen Führern, den Mili-
tärseelsorgerinnen und -seelsorgern und den zu unterrichtenden Soldatinnen und Soldaten.

Kommandeure, Dienststellenleiter und Einheitsführer sind dafür verantwortlich, dass der LKU in die Dienstpläne auf-
genommen und die Durchführung organisatorisch sichergestellt wird.
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Die Verantwortung für die inhaltliche und didaktische Ausgestaltung der einzelnen Unterrichte liegt bei den Militär-
seelsorgerinnen und -seelsorgern.

2 e) Zeitansatz und Gruppengröße

In einem Ausbildungsplan stimmen BMVg, Evangelisches Kirchenamt für die Bundeswehr und Katholisches Militärbi-
schofsamt einvernehmlich den Umfang des LKU im jeweiligen Ausbildungsabschnitt ab. Im Rahmen der verlässlichen
Erteilung sollte ein Stundenansatz von einer Doppelstunde pro Monat Richtschnur sein.

Der LKU wird in Form von ein- oder mehrtägigen Seminaren gegeben, die auch außerhalb von Bundeswehr-
liegenschaften stattfinden können. Er kann in Unterrichtsstunden innerhalb des Dienstbetriebs erteilt werden, wo die
Seminarform aus organisatorischen Gründen nicht möglich ist.

Bei der Bildung der Unterrichtsgruppen ist Sorge dafür zu tragen, dass Gespräch und gemeinsame Reflexion möglich
sind. Das betrifft sowohl die Größe (mind. 8, max. 30 Personen pro Gruppe) als auch die Zusammensetzung der Gruppe
unter Berücksichtigung der verschiedenen Dienstgradgruppen.

2 d) Intentionen und Inhalte

Lernintentionen und -inhalte werden in Absprache zwischen dem Evangelischen Kirchenamt für die Bundeswehr, dem
Katholischen Militärbischofsamt und dem BMVg in Form eines Lehr- und Themenplans festgelegt und jährlich fortge-
schrieben.

Themenfelder sind: Menschenbild, Werteordnung der Bundesrepublik, Rechts- und Freiheitsprinzipien; im Blick auf
die veränderten Bundeswehraufgaben Reflexionen über Sinn des Einsatzes und Konfliktfelder im Einsatz, Friedens-
ethik; im Blick auf die persönliche Situation der Soldatinnen und Soldaten die Themenfelder Familie und Beruf, solda-
tischer Dienst und persönliche Lebensführung

Bei der Auswahl der Unterrichtsthemen orientiert sich der Militärseelsorger bzw. die Militärseelsorgerin an der spezifi-
schen Situation der zu Unterrichtenden. Themenwünsche der Truppe, insbesondere aus aktuellem Anlass, werden im
Rahmen des vorgegebenen Themenplans berücksichtigt.

2 e) Kosten

Der Staat trägt die Kosten des LKU. Dies sind neben Lehrmaterial und Medien insbesondere Transport-, Unterbrin-
gungs- und Verpflegungskosten (unter Anwendung der Vorschriften für vergleichbare andere dienstliche Veranstaltun-
gen). In Einzelfällen können sachkundige Personen (z.B. Zeitzeugen) als Gesprächspartner verpflichtet werden.

3) Unterstützende Maßnahmen

3 a) Ausbildung und Begleitung der Unterrichtenden

Um den Ansprüchen an den Lebenskundlichen Unterricht gerecht zu werden, bedarf es mehrerer Qualitätssicherungsin-

strumente:!

- In Einweisungs- und Fortbildungslehrgängen werden die Militärseelsorgerinnen und
-seelsorger für die im LKU relevanten Themenfelder fachlich geschult.

- Zur Weiterqualifikation werden (unter Aufnahme von Lehrgangsangeboten der Streitkräfte) didaktische Fortbil-
dungen angeboten. Für Schulpfarrer ist die Teilnahme an mindestens einer Maßnahme jährlich verpflichtend.

- Auf Ebene der Verantwortungsbereiche der Leitenden Militärdekane werden regelmäßig Lehrgänge für alle Mili-
tärseelsorgerinnen und -seelsorger zu Fragen der Ethik und der Erwachsenenpädagogik durchgeführt.

-  DerLKU wird pädagogisch-wissenschaftlich begleitet.

3 b) Arbeitshilfen und Medien

Zum Lehr- und Themenplan werden Arbeitshilfen für die Unterrichtenden und geeignete Medien für den Unterricht zur
Verfügung gestellt. Diese werden durch das Evangelische Kirchenamt für die Bundeswehr und das Katholische Militär-
bischofsamt erarbeitet bzw. beschafft,

3 c) Evaluation

Zur Verbesserung und Fortentwicklung der Qualität des LKU ist nach geeigneten Evaluationsinstrumenten zu suchen.
Dies schließt eine schriftliche Auswertung der gegebenen lebenskundlichen Unterrichte mit ein (analog zur Lehrgangs-
kritik).
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4) Anhang
4 a) Unterschiede zur bisherigen ern in der ZDv 66/2

LKU wird unabhängig
pflichtend erteilt.

Die inhaltliche Ausgestaltung des Unterrichts wird an die gesellschaftlichen Veränderungen und die neuen Heraus-
forderungen der Bw angepasst.

In bestimmten Sitwationen (AGA, Einsatzausbildung, Laufbahnlehrgänge für Offiziere und Unteroffiziere) werden
Soldatinnen und Soldaten verlässlich durch LKU begleitet.

Das Bundesministerium der Verteidigung, das Evangelische Kirchenamt für die Bundeswehr und das Katholische
Militärbischofsamt legen in jährlicher Absprache.den Lehr- und Themenplan fest.

Der Umfang des Unterrichts wird der Zielgruppe entsprechend festgelegt.

Der LKU wird verstärkt in Seminarform durchgeführt (nicht nur an Schulen).

Der Unterricht soll durch Verkleinerung der Gruppen, regelmäßige Schulung der Unterrichtenden und aktuelle
Themenreihen und Medien verbessert werden.

Die militärischen Vorgesetzen werden stärker in die Verantwortung für den LKU eingebunden.

siösen Bekenntnis, für. alle Soldatinnen und Soldaten ver-

 

Ingesamt soll das neue Konzept den LKU realitätsnäher, flexibler, aktueller und attraktiver machen.
4 b) Notwendige organisatorische Änderungen

Absprachen zwischen Truppe und Militärseelsorge über konkreten Bedarf an Seminaren und Unterrichtsstunden.
Festlegung der jeweils geeigneten Unterrichtsform, des Umfangs und Inhalts

Beteiligung der Militärseelsorgerinnen und -seelsorger bei der Erstellung der Dienstpläne.

Verpflichtung des Evangelischen Kirchenamts für die Bundeswehr und des Katholischen Militärbischofsamts und
der Leitenden Militärdekane, die Erteilung des LKU im vereinbarten Umfang verlässlich zu gewährleisten. Bei auf-
tretenden Schwierigkeiten am Standort besteht sowohl für militärische Vorgesetzte als auch für Militärseelsorge-
rinnen und -seelsorger die Möglichkeit, LKU beim Dekanat einzufordern.

(Wieder-)Einrichtung eines regelmäßigen Arbeitskreises aus Bundesministerium der Verteidigung, Evangelischem
Kirchenamt für die Bundeswehr und Katholischem Militärbischofsamt zur Erstellung und Fortschreibung des Lehr-
und Themenplans.

Berufung von hauptamtlichen LKU-Beauftragten, die die Militärseelsorgerinnen und

-seelsorger für den LKU begleiten und betreuen (zur Umsetzung von 2c, Abs. 1, und 3a).

Aufbau einer Materialbörse.

Kooperation mit geeigneten pädagogisch-theologischen Instituten zur wissenschaftlichen Begleitung des LKU.

4 c) Mögliche Themen des LKU

1.

2.

Individuum und Gesellschaft
1.1. Meine Werte und unsere Werte
1.2. Menschenbild und Menschenbilder
1.2.1. Menschenwürde ist unantastbar
1.3. Was heißt Toleranz?
1.3.1. Was heißt Nationalstolz?
1.3.2. Umgang mit Minderheiten
1.4. Einigkeit und Recht und Freiheit
1.5. Wie sehe ich den Staat? - Was erwartete ich von der Allgemeinheit? - Welche Verpflichtung habe ich gegen-
über der Allgemeinheit?
1.6. Religion
1.6.1. Recht auf ungestörte Religionsausübung: zur Funktion der Militärseelsorge
1.6.2. Christliche Traditionen in der Bundesrepublik Deutschland
1.6.3. Einführung in die Weltreligionen
1.6.3.1. Christentum
1.6.3.2. Judentum
1.6.3.3. Islam
1.6.3.4. andere Weltreligion
1.6.4. Religion und religiöser Fundamentalismus
1.6.5. Christentum zwischen Toleranz und Selbstverleugnung
1.6.6. Krieg der Kulturen oder Globalisierung
1.6.7. Grundlagen des ökumenischen Gesprächs
Persönliche Lebensführung und soldatischer Dienst
2.1. Mensch/Familie und Beruf
2.1.1. Partnerschaft
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2.1.2. Sexualität
2.1.3. Selbstverständnis als Soldat
2.14. Umgang mit Tod und Sterben
2.1.5. Sucht und andere Abhängigkeiten
2.2. Gewissen
2.2.1. Eidund Gelöbnis
2.3. Führen und Leiten
2.3.1. Befehl und Gehorsam
2.3.2. Fühningsverantwortung
2.3.3. Führung und Kameradschaft
2.3.4. Umgang mit der Geschlechterdifferenz
2.3.5. Überbringen einer Todesnachricht
2.4. Das Selbstverständnis des Soldaten/der Soldatin
Herausforderungen des Einsatzes
(Die folgenden Themen sind zwar auch für andere Lebenssituationen der Soldatinnen und Soldaten bedeutsam,
werden aber im Zusammenhang des Einsatzes besonders virulent.)
3.1. Reflexion des Einsatzes und seiner Ziele
3.2. Zugänge zur Friedensethik
3.3. Führen unter Belastung: Verantwortung und Schuld
3.4. Stress und Stressinanagement
3.5. Belastungen für Ehe und Familie im Einsatz
3.6. Konflikte im Einsatz
3.6.1. Gewaltbereitschaft von Menschen in der Gruppe
3.6.2. Begegnung mit fremden Kulturen
3.6.3. Umgang mit Sexualität
3.6.4. Umgang mit Lebensgefahr, Verwundung und Tod (inklusive Suizid)
3.6.5. Überbringen einek Todesnachricht
3.6.6. Menschen in Extremsituationen
3.6.7. ethische Entscheidungen in Extremsituationen (z.B. Folter)
3.6.8. Kindersoldaten
3.7. ethische Verantwortung im Einsatz
3.8. Einführung in Kultur und Religionen des Einsatzlandes
3.8.1. Einführung in den Islam
3.3.2. Einführung in die Orthodoxie
3.8.3. Religion und Gewalt
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