anlage-71-20171208-staatliches-amt-lu-vorpommern-an-bergamt-stralsund-planfeststellungsverfahren

Dieses Dokument ist Teil der Anfrage „IFG: Stiftung Klima- und Umweltschutz

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aus der Nutzung genommen werden. Insofern entspricht das Vorhaben grundsätzlich den
Zielstellungen des BNatSchG.

Der in den vorliegenden Unterlagen zugrundegelegte Maßnahmetyp der HzE 1999
„Wiederherstellung von Überflutungsregimen mit Retentionsräumen“ ist mit einer Höherlegung
der Gewässersohle und Beseitigung von Randverwallungen, der Beseitigung oder
Rückverlegung von Deichen und der Wiederherstellung der Überflutungsdynamik verbunden.
Die Insel Schadefähre ist jedoch nicht gepoldert.

Zutreffender erscheint der Maßnahmetyp der HzE 1999 „Vegetationsmanagement zur
Neuanlage und Wiederherstellung von historischen Landnutzungsformen (z. B. Seggenriede,
Heiden, Magerrasen)“

«e Entkusseln mit dauerhaftem Pflegemanagement

«e Erfordernis einschl. Wiederherstellung des natürlichen Wasserhaushaltes
zu sein.

Die in der Tab. 3.1 vorgenommene Ermittlung der Wertigkeit der vorhandenen Biotoptypen
basiert auf einer sehr groben Kartierung.

Nach Anlage 9 „Biotoptypenkatalog Mecklenburg-Vorpommern mit Bewertung und Status der
HzE 1999 erreichen sowohl Röhrichte als auch Großseggenriede den Biotopwert 2 und nicht
wie dargestellt den Biotopwert 1. Damit sind Auswirkungen auf das Kompensationspotential
verbunden.

Aus Tabelle 3-2 geht hervor, dass (zumindest ohne detaillierte Biotoptypenkartierung) die
Ausgangs- und Zielbiotope im Grunde identisch sind, so dass entgegen der gutachterlichen
Darstellung maximal eine Kompensationswertzahl von 0,9 möglich ist (vgl. Tab. 2, S. 95 HzE
1999 i.V.m. S. 104 f.), sofern eine nachvollziehbare Begründung zur Wahl der
Kompensationswertzahl (0,1 bis 0,9) geführt wird.

e Zur Ermittlung der Kompensationsflächenäquivalente nach der HZE marin
Entsprechend Tabelle 3-3 wird die Kompensationsmaßnahme dem Maßnahmetyp 5.11 i.V.m. 5.10
der HzE marin zugeordnet „Wiederherstellung des natürlichen Überflutungsregimes im Küstenraum
mit Nutzungsmöglichkeit“. Unter Berücksichtigung eines Kompensationswertes von 2 und eines
Lagezuschlags von 25 % wird ein KFÄ von 224,0 ha erreicht.

Zum einen stellt sich die Frage, ob eine Anerkennung als Kompensationsmaßnahme nach Maßgabe
der HzE marin überhaupt möglich ist, da die Maßnahme 5.10 und 5.11 die Ausdeichung von Poldern
mit Wiederherstellung des natürlichen Überflutungsregimes voraussetzt. (vgl. Anlage 3 HzE marin,
S. 30 f.). Gemäß S. 23 der vorliegenden Unterlage ist Schadefähre nicht gepoldert.

Da die Maßnahme auch ohne Deichrückbau auf die Natürlichkeit des Überflutungsregimes bzw.
natürlicher Verhältnisse abstellt, sollte eine Anerkennung jedoch folgen. In Anbetracht der bereits
hohen Wertigkeit des derzeitigen Zustandes ist jedoch ein geringerer Kompensationswert (max. 0,9)
zu wählen, da das Maß der Aufwertung nicht vergleichbar ist mit der Ausdeichung i.d.R. in Nutzung
befindlicher Polder.

Weiterhin steht die Bilanzierung der Kompensationsmaßnahmen unter dem Vorbehalt einer
differenzierten Betrachtung von Ausgangs- und Zielbiotopen sowie der weiteren Finalisierung bzw.
Konkretisierung der Ausführungsplanung unter Berücksichtigung der 0.g. Ausführungen sowie der
Stellungnahme vom 16.06.2017

e Zur Planung

Nach der derzeitigen Planung sollen „13 Standorte an den jeweiligen Auslaufbereichen der
nördlichen Gräben mittels Bodenmaterial punktuell verfüllt werden. Damit soll der Rückhalt von
Überflutungs- und Niederschlagswasser auf der Insel erzielt werden.“

Die Abb. 4-8 zeigt die Flurabstände zum Wasserspiegelniveau im Grabensystem bei
umgebendem Mittelwasser am Pegel Karnin — Zustand mit Grabenverschlüssen. Auf dem
Großteil der Flächen ist mit überstauten, nassen bis sehr feuchten Verhältnissen zu rechnen.
Zwar könnte durch die bisher übliche hohe Sonnenscheindauer in diesem Gebiet die obere
Bodenschicht rasch abtrocknen, doch zeigt das Jahr 2017, dass auch mit dauerhaft nassen
Verhältnissen gerechnet werden muss.

Wie bereits ausgeführt, liegen weder ein Höhen- und Lageplan noch eine dezidierte
hydrologische Planung vor, die eine sichere Aussage darüber liefern könnten, welche konkreten
Auswirkungen die beabsichtigten Grabenverschlüsse in der Fläche haben werden.

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Deshalb ist es erforderlich, auf der Grundlage eines Lage- und Höhenplanes, der Wasserstände
im Peenestrom und klarer Zielstellungen in der Wasserhaltung in der Fläche Varianten für die
Umgestaltung des hydrologischen Systems zu entwickeln und zu bewerten. Dabei ist zu
berücksichtigen, dass der überwiegende Vegetationsbestand gemäß 8 30 BNatSchG bzw.

8 20 NatSchAG M-V gesetzlich geschützt ist.
Artenschutzvorhaben in landwirtschaftlich extensiv genutztem Moorgrünland gehen zugunsten
der Aufrechterhaltung einer Pflegenutzung durchaus von einer ggf. erforderlich werdenden
schnellen Wasserableitung aus, so dass diese Möglichkeit bei der Planung berücksichtigt
werden sollte.

e Zu den planungsbedingten Auswirkungen auf die Nutzung

Eine flächenscharfe und dauerhafte Zuordnung der Parzellen für eine Mäh- bzw.
Weidewirtschaft kann vor den Planungen zur Änderung des hydrologischen Systems nicht
erfolgen. Bei stets sich ändernden Wasserständen erscheint ein dynamisches .
Grünlandmanagement sinnvoll.

Als Futterflächen für die landwirtschaftliche Produktion sind die Mahdflächen in absehbarer Zeit
kaum nutzbar, da die Energieerträge voraussichtlich sinken. Auf der Grundlage einer
Biomasseprognose (s.a. Erfahrungen des Förderverein „Naturschutz im Peenetal“ e.V.,
Auswertung 10 Jahre Pflegemahd) ist daher zu ermitteln, wieviel Biomasse zu erwarten ist. Da
die Heubereitung kaum praktikabel sein kann, müsste vermutlich von der Herstellung von
Silageballen ausgegangen werden, die von der Insel abzutransportieren wären.

Da der Abtransport des Mähgutes Teil des Kompensationszieles ist, sind nähere Angaben zur
verwendeten Technik (Eigentum, Kosten) erforderlich, die die Verwertung einzubeziehen
haben.

Trotz der Wiesenbrüter sollte eine Sommermahd angestrebt werden, wenn die Röhrichte
zurückgedrängt werden sollen. Hier ist ein abgestimmtes Pflege-Management erforderlich.

Je nasser die Flächen sind, um so weniger geeignet sind tiergebundene Verfahren. Für die
Entwicklung von Wiesenbrüterhabitaten aber sind Weideflächen sehr sinnvoll. Zum Schutz der
Weidetiere ist ein hochwassersicherer Rückzugsort, z.B. die alte Hofstelle, erforderlich. Das
Weidemanagement hat auch den hochwasserbedingten Abtransport der Weidetiere zu
berücksichtigen und geeignete Transportmöglichkeiten abzusichern.

e Zur Eigenjagd
Im Rahmen der Kompensationsmaßnahme sollten die Voraussetzungen für die Schaffung einer
Eigenjagd (Prädatorenbejagung!) evt. auch unter Einbeziehung der Polder Immenstädt und
Pinnow geschaffen werden.

« Zum Monitoring
Ein Gebietsmonitoring ist zu entwickeln, dabei ist der ornithologischen Gebietskontrolle eine
größere Aufmerksamkeit zu widmen.

Weiterhin steht die Bilanzierung der Kompensationsmaßnahmen unter dem Vorbehalt einer
differenzierten Betrachtung von Ausgangs- und Zielbiotopen sowie der weiteren Finalisierung
bzw. Konkretisierung der Ausführungsplanung unter Berücksichtigung der 0.9. Ausführungen
sowie der Stellungnahme vom 16.06.2017

Maßnahmen zur Verbesserung des ökologischen Zustands des Kleinen Jasmunder
Boddens (Rügen) (W-PE-EIA-OFG-REP-802-KORKJBGE-02)

Zur Kompensationsmaßnahme K2 Ossen hat sich das StALU VP als Fachbehörde für
Naturschutz mit Stellungnahme vom 16.06.2017 zumindest vom Grundsatz her, unter dem
Vorbehalt der weiteren Konkretisierung und abschließenden Bilanzierung, bereits zustimmend
geäußert.

Gemäß des vorliegenden Planfeststellungsbeschlusses über die Wiedervernässung der Ossen-
Niederung vom 09.10.2008 wurden die erforderlichen Arbeitsschritte für eine ökologische

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Durchgängigkeit (Biotopverbund) zwischen Ossen und Kleinem Jasmunder Bodden durch
Schaffung einer ungehinderten hydrologischen Verbindung weitestgehend umgesetzt.
Damit sind die Voraussetzungen für die ökologische Aufwertung des ehemaligen
Küstenüberflutungsmoors durch Schaffung naturnaher Standortbedingungen bereits im
Rahmen des Naturschutzgroßschutzprojektes „Ostrügensche Boddenlandschaft“ im
wesentlichen geschaffen worden.

Da sich im Zuge des Anhörungsverfahrens ergeben hat, dass o.g. Konzept (Maßnahme K2)
nicht realisierbar ist, hat die Antragstellerin das Maßnahmenkonzept in Teilen geändert und
setzt sich wie folgt zusammen:

1. Etablierung eines extensiven, nährstoffentziehenden Weidemanagements auf den
verfügbaren Grünlandbiotopen in der wiedervernässten Ossenniederung zum Zweck der
Offenhaltung und Entwicklung artenreicher eutropher Nass- und Feuchtwiesen mit
vorübergehender Beeinflussung durch Salzwasser auf Niedermoor.

2. Umwandlung von Ackerflächen mit Bodenwertzahl <<50 in Dauergrünlandbiotope in
geringem Umfang zum Zweck einer verbesserten Umsetzbarkeit eines
Ganzjahresweidekonzeptes (Umtriebsweide mit Rindern und Pferden).

3. Freiwillige Zusatzfiltration von Nährstoffen in der Kläranlage Bergen, welche östlich der
Ossenniederung in den Kleinen Jasmunder Bodden entwässert.

e Zum Weidemanagement auf den verfügbaren Grünlandbiotopen in der
wiedervernässten Ossenniederung

Gemäß $ 15 Abs. 3 BNatSchG ist vorrangig zu prüfen, ob der Ausgleich oder Ersatz auch durch
Maßnahmen zur Wiedervernetzung von Lebensräumen oder durch Bewirtschaftungs- und
Pflegemaßnahmen, die der dauerhaften Aufwertung des Naturhaushaltes oder des
Landschaftsbildes dienen, erbracht werden kann, um möglichst zu vermeiden, dass Flächen
aus der Nutzung genommen werden. Insofern entspricht das Vorhaben grundsätzlich den
Zielstellungen des BNatSchG. In der Stellungnahme zum Gesamtvorhaben vom 16.06.2017
waren für die Kompensationsmaßnahme K2 u.a. folgende Unterlagen gefordert worden:

-  Biotoptypenkartierung des derzeitigen Zustandes,
-  Flächenscharfe Zielplanung mit Beschreibung und kartenmäßiger Darstellung der zu
entwickelnden Feucht- und Nassgrünländer auf der Grundlage eines Lage-/Höhenplanes

Gemäß der vorliegenden Unterlagen liegt keine Biotoptypenkartierung vor, sondern für die
Flächenkulisse des Kerngebietes des Naturschutzgroßprojektes „Ostrügensche
Boddenlandschaft“ IV/6&c Ossen-Niederung wurde eine aktuelle Bestimmung der Biotoptypen-
Ausstattung der Gebietsflächen lediglich überblicksmäßig vorgenommen“ (vgl. S. 27). Die
ebenfalls dort erwähnte Abstimmung zur Ermittlung der Kompensationsflächenäquivalente
erfolgte zumindest nicht mit dem StALU VP. Der auf S. 52 gegebene Hinweis, dass die
Kompensationsmaßnahmen zum Pflegemanagement keine gesetzlich geschützten Biotope
betreffen, ist nicht zutreffend. Nach der Biotopkartierung M-V 2015 liegen in der Weidefläche
gesetzlich geschützte Biotope.( z.B. aufgelassenes Feuchtgrünland, Phragmites-Bestände,
Feuchtgebüsche), die jedoch be- und durchweidet werden können, um einem Verbuschen
dieser Flächen entgegenzuwirken.

e Zur Etablierung von Salzgrasland

Ob der Maßnahmeplanung ein qualifizierter Höhen- und Lageplan vorliegt, kann anhand der
vorliegenden Unterlagen nicht abschließend beurteilt werden. Die vorliegenden Unterlagen
stellen darauf ab, dass die Einströmereignisse aus dem Kleinen Jasmunder Bodden „sich im
Zuge der geplanten Neuregulierung des Sperrwerkes am Lietzower Damm künftig noch
verstärken (MaP GGB DE 1547-303, Machbarkeitsstudie IFAÖ 2015). Das HW5 entspricht mit
einer Höhe von 0,93 m NHN dem Kriterium der HzE marin (LUNG MV 2017) für die
Bestimmung der Bezugsfläche für die Kompensationstypen 5.1 bis 5.3 (0,95 m NHN).
Langfristig ist daher davon auszugehen, dass sich der Ossen in einen See mit alternierendem
Salzgehalt wandelt. Auch die Feuchtwiesen in der Niederung werden sich im Ergebnis von

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stochastischer Überflutung mit Brackwasser in ihrer Artenzusammensetzung verändern. Die
Ansiedlung halophiler Arten wird nach gutachterlicher Einschätzung insofern angenommen.
Grundsätzlich ist behördlicherseits anzumerken, dass die geplante Neuregulierung des
Sperrwerkes am Lietzower Damm keine verfestigte Planung darstellt, deren Umsetzung in
nächster Zeit zu erwarten ist. Bisher liegt lediglich eine Machbarkeitsstudie vor. Es ist daher von
den derzeitigen naturräumlichen Gegebenheiten auszugehen.

Der Managementplan (MaP) zum FFH-Gebiet „Kleiner Jasmunder Bodden mit Halbinseln und
Schmaler Heide“ führt auf S. 47 aus, dass „der Kleine Jasmunder Bodden als letztes Glied der
Nordrügenschen Bodden Boddenkette am weitesten von dem vorgelagerten Salzwasserkörper
der Ostsee entfernt liegt.“

„Neben zahlreichen Verengungen zwischen den einzelnen Bodden dieser Kette wurde der
Kleine Jasmunder Bodden durch den Bau des Lietzower Dammes im Jahre 1868 nahezu
vollständig vom Wasseraustausch abgetrennt. Zurzeit wird der Wasseraustausch zwischen
Großem und Kleinem Jasmunder Bodden durch ein Wehr im Lietzower Damm geregelt. Als
nennenswerter Süßwasserzufluss ist der Karower Mühlbach aufzuführen.“

Aufgrund der unterbrochenen Verbindung mit der offenen Ostsee weist der Kleine Jasmunder
Bodden nur noch einen äußerst niedrigen Salzgehalt auf. Er ist dem oligohalinen Bereich
zuzuordnen. Bachor gibt für den südlichen Kleinen Jasmunder Bodden den Salzgehalt zw. min.
3,6 und max. 6,0 mit dem Mittelwert 5,0 psu an.(Nährstoff- und Schwermetallbilanzen der
Küstengewässer M-V unter besonderer Berücksichtigung ihrer Sedimente, Tab. 32
‚Schriftenreihe des LUNG M-V, H.2/2005). Für den nördlichen Kleinen Jasmunder Bodden
wurden höhere Salzgehalte erfasst. Im nordöstlichen Bereich konnte dort ein
Brackwasserröhricht (RUE05685) nachgewiesen werden. Im Bereich des gesamten Kleinen
Jasmunder Boddens ist jedoch kein aktueller Salzgraslandstandort bekannt. Nach MaP, S. 33,
gibt es im FFH-Gebiet „Kleiner Jasmunder Bodden“ das gesetzlich geschützte Biotop
Salzgrasland nicht. In der Tab. 13 des MaP mit aktuell ermittelten LRT des Anhangs | ist
Salzgrasland ebenfalls nicht enthalten. Das veranlasst, die Prognosesicherheit des Zielbiotops
Salzgrasland im Bereich der dem Kleinen Jasmunder Bodden noch nachgelagerten
Ossenniederung unter den derzeitigen Bedingungen in Frage zu stellen.

Die Entwicklung von Salzwiesen an der geplanten Neuregulierung des Sperrwerkes am
Lietzower Damm (MaP GGB DE 1547-303, Machbarkeitsstudie IFAÖ 2015) festzumachen, ist
grds. spekulativ, da sich eine solche Planung zumindest derzeit nicht verfestigt hat.

zur Ermittlung der Kompensationsflächenäquivalente nach der HZE 1999

Die in Tabelle 3-1 (S. 28) den Maßnahmen E3 und E4 zugewiesenen
Kompensationswertzahlen sind nicht hergeleitet. Eine sich an den Anforderungen der HzE 1999
orientierende Herleitung bedarf spätestens im Zuge der Ausführungsplanung der Nachreichung.
Neben einer detaillierten Biotoptypenkartierung des Ausgangszustandes ist zudem eine
flächenscharfe Maßnahmebeschreibung nebst Zielbiotopen erforderlich.

Mit Blick auf die Maßnahme E 5 „Reduzierung des Stoffeintrages durch Optimierung der
Kläranlage Bergen und Umwandlung von Ackerflächen" stellt sich vor dem Hintergrund des
grds. multifunktionalen Ansatzes die Frage nach der ggf. erfolgten doppelten Berücksichtigung
der Nährstoffreduktion, so dass zumindest für die Berechnung der Nährstoffreduktion in E5 die
Maßnahme E3 quantitativ unberücksichtigt bleiben müsste.

Da sich infolge der Reduzierung des Nährstoffeintrages kein höherwertiges Zielbiotop
entwickeln kann, ist gemäß S. 95, Tabelle 2 eine KWZ von maximal 0,9 möglich. Eine solche
bedarf nach Maßgabe der HzE der Begründung. Auch kann die Aufwertung auf einer Fläche
von 280,5 ha des Kleinen Jasmunder Boddens nicht zweifelsfrei nachvollzogen werden.
Anzunehmen wäre, dass es sich dabei gemäß Abb. 2-5 um die aufgewerteten
Flachwasserbereiche des Boddens ab 0,5 m bis zu einer Tiefe von 1,5 m handelt.

Pflegemanagement mittels Umtriebsweide E4

Grundsätzlich ist es erforderlich nachzuweisen und sicherzustellen, dass eine Anrechnung von
Kompensationsflächenäquivalenten (insbesondere bezüglich der NNE-Flächen) nur erfolgt,
soweit keine Naturschutzverpflichtungen aus dem Naturschutzgroßprojekt „Ostrügensche
Boddenlandschaft“ bestehen.

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die überplanten NNE - Flächen frei von Naturschutzverpflichtungen aus dem
Naturschutzgroßprojekt „Ostrügensche Boddenlandschaft“ sind.

Gemäß der vorliegenden Unterlagen wird in der Tab. 3-1, S. 27, der Maßnahme E4
„Pflegemanagement mittels Umtriebsweide“ das Zielbiotop Frischweide/-wiese bei einer
Gesamtfläche von 87,0 +10,8 ha zugeordnet. Grundsätzlich ist eine Klarstellung zur
Gesamtgröße der in die Bilanz einzustellenden Weidefläche erforderlich. Denn a. S. 10 der
vorliegenden Unterlagen heißt es:

„Durch diese(Pflege-) Maßnahmen können Kompensationsflächenäquivalente (KFÄ) von 47,5
ha generiert werden. Die Gesamtfläche für das Pflegemanagement in der Niederung des Ossen
wurde um 27,5 ha reduziert. Im Planfeststellungsverfahren zur Wiedervernässung der Ossen-
Niederung wurde die o. g. Flächengröße als Fläche für Waldsukzession ausgewiesen und steht
somit für ein Pflegemanagement nicht zur Verfügung (LK Rügen 2008).“

Weiterhin werden die Zielbiotope des Pflegemanagements bei identischen hydrologischen
Bedingungen bei Anwendung der HzE marin mit Salzgrasland angegeben und bei den HzE
1999 mit Frischweiden, obwohl bereits jetzt im Maßnahmebereich kleinflächig ein Mosaik aus
Röhrichten und Rieden feuchter Standorte vorzufinden ist. Hier ist eine klare Zielplanung auf
fachlicher Grundlage erforderlich.

Maßnahme zur Biotopersteinrichtung auf Ackerflächen und Durchführung eines langfristigen
Pflegemanagements E3

Die Umwandlung von 46,2 ha Ackerfläche in extensiv genutzte Wiesen und Weiden im
Einzugsgebiet (EZG) des Ossen ist eine multifunktionale Kompensationsmaßnahme, die der
ökologischen Aufwertung des Lebensraumes und der Reduzierung von Nähr- und
Schadstoffeinträgen in den Kleinen Jasmunder Bodden dient.

Grundsätzlich ist es auch erforderlich nachzuweisen und sicherzustellen, dass (insbesondere
hinsichtlich der überplanten NNE -Flächen) eine Anrechnung von KFÄ nur erfolgt, sofern keine
Naturschutzverpflichtungen aus dem Naturschutzgroßprojekt „Ostrügensche Boddenlandschaft“
betroffen sind.

Kompensationsmaßnahmen für Eingriffe in den marinen Bereich sollen gem. $ 24
Meeresnaturschutz NatSchAG M-V vorrangig dort umgesetzt werden. Deshalb war in der
Stellungnahme vom 16.06.2017 empfohlen worden, die Vorteilswirkung für den marinen Bereich
hinreichend darzulegen, um die Maßnahme im terrestrischen Bereich anerkennen zu können.
Die verbal-argumentative Nachweisführung ist im wesentlichen erfolgt. Der Vorhabenträger legt

dar, dass in den Gewässerbereichen zwischen 0,5 — und 1,5 m Tiefe durch die Verringerung

der Einträge eine Aufwertung durch vermehrtes Pflanzenwachstum erfolgt. Dem wird

grundsätzlich gefolgt. Unter der Voraussetzung, dass die getroffenen Annahmen valide sind,

könnte eine Zustimmung erfolgen.

e Zur Ermittlung der Kompensationsflächenäquivalente nach der HZE marin

Der marine Maßnahmenkatalog, der abschließend ist, enthält die Beschreibung der

Maßnahmen, die Anforderungen zur Anerkennung, zur Sicherung und Unterhaltung sowie den

zu erreichenden naturschutzfachlichen Wert (vgl. HzE marin, S. 15). Da die Herleitung einer
möglichen Etablierung von Salzgrasland in der Niederung des Ossen nicht mit hinreichender
Sicherheit geführt werden kann, ist die Anwendung der HzE marin nicht gegeben. |
Dennoch soll zu den vorliegenden Unterlagen folgendes ausgeführt werden:

In den vorliegenden Unterlagen wird Punkt 5.3 der HzE marin nicht berücksichtigt. Danach sind
bei Lage der vom Eingriff betroffenen Biotoptypen in wertvollen, ungestörten oder vorbelasteten |
Räumen Zu- bzw. Abschläge des ermittelten Biotopwertes (z.B. Natura 2000 -Gebiet Faktor |
1,25) zu berücksichtigen. |
Die Ermittlung der Kompensationsflächenäquivalente für die Maßnahme ergeben sich gemäß
der vorliegenden Unterlagen unter Berücksichtigung eines Lagezuschlages (LZ) von 25 %, da |
die Maßnahme den günstigen Erhaltungszustand des FFH-LRT 3150 Ossen fördert. |
Es ist fraglich, ob die HzE marin im Zielbereich Küste bei der Entwicklung von Salzgrasland auf
den günstigen Erhaltungszustand eines natürlichen eutrophen Sees abstellen. Gerechtfertigter N
erscheint ein Lagezuschlag von 10 % wegen der Lage der Kompensationsmaßnahme in einem
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Natura 2000- Gebiet.

In den HzE marin wird für den Zielbereich Küste die Entwicklung von Salzgrünland durch.
Wiederaufnahme einer dauerhaften Nutzung mit dem Kompensationswert von 2,0 belegt
(Maßnahme, die zur Funktionssicherung einer dauerhaften Unterhaltung bedarf- mit
Kapitalstock). Diesem Ansatz folgen die vorliegenden Unterlagen auf einer Fläche bis zu einer
Höhenlage von 0,95 NHN zwar, aber einschränkend ist auf die Prognoseunsicherheit für die
Etablierung von Salzgrasland zu verweisen.

In Tab. 5.2 ist eine überschlägige Kostenschätzung für die Maßnahme im Gebiet der Ossen-
Niederung aufgeführt. Die Kosten belaufen sich auf 3,5 Mio €. Um einen ausreichenden
Kapitalstock für die nächsten 25 Jahre zu hinterlegen, bedarf es einer qualifizierten Herleitung
unter Berücksichtigung.

Weiterhin steht die Bilanzierung der Maßnahmen E3 und E4 unter dem Vorbehalt einer
differenzierten Betrachtung von Ausgangs- und Zielbiotopen sowie der weiteren Finalisierung
bzw. Konkretisierung der Ausführungsplanung unter Berücksichtigung der 0.9. Ausführungen
sowie der Stellungnahme vom 16.06.2017.

Maßnahmen zur Verbesserung des Wasserhaushaltes in der Niederung des Lobber Sees
und Reduktion des Nährstoffaustrages in den Greifswalder Bodden (W-PE-EIA-OFG-REP-
802-KORLOBGE-02)

Auch zur Kompensationsmaßnahme K7 Grosser Lobber See hat sich das StALU VP als
Fachbehörde für Naturschutz mit Stellungnahme vom 16.06.2017 zumindest vom Grundsatz
her, unter dem Vorbehalt der weiteren Konkretisierung und abschließenden Bilanzierung,
bereits zustimmend geäußert.

Die Kompensationsmaßnahme K7 Lobber See hatte zunächst zum Ziel, eine signifikante
Reduktion der Nährstoffeinträge in die Niederung, und somit anschließend auch in den
Greifswalder Bodden, durch eine Umwandlung von konventionell bewirtschafte-tem Ackerland
in extensiv bewirtschaftetes Grünland bzw. Aufforstung zu erreichen. Im Ergebnis des
Anhörungsverfahrens hat die Antragstellerin das Kompensationskonzept angepasst und stellt
sich wie folgt dar:

1. Verbesserung des Wasserhaushaltes in der Niederung am Lobber See durch eine
saisonale Steuerung der Flurwasserstände an einem neu zu errichtenden,
leistungsgerechten Schöpfwerk Lobbe mit oberflächennahem Wasserstand im Winter
(Unterbindung der Torf-mineralisation) und einem Flurwasserstand von -0,3-0,5 m zur
Aufrechterhaltung von Bedingungen, die eine extensive, naturschutzgerechte
Grünlandbewirtschaftung im Sommerhabjahr (Mai-Oktober) weiterhin ermöglichen.

2. Arrondierung der Grünlandkulisse durch Umwandlung von Ackerflächen mit Bodenwert-
zahl <<50 in Dauergrünlandbiotope in geringem Umfang zum Zweck einer verbesserten
Weidebewirtschaftung (angepasste Weidetierdichte, Sicherung eines Futterdargebotes,
ausreichend für eine sechsmonatige Weideperiode).

3. Fortführung und Ausdehnung der ökologischen, naturschutzgerechten Grünlandbewirt-
schaftung zum Zweck der Erhaltung und Entwicklung artenreicher Wiesen- und
Feuchtbiotope.

4. Freiwillige Zusatzfiltration von Nährstoffen in der Kläranlage Göhren, welche westlich über
den Großen Lobber See in den Greifswalder Bodden entwässert.

«e Zur Maßnahme Biotopersteinrichtung auf Ackerflächen und Durchführung eines
langfristigen Pflegemanagements E7

Die Umwandlung von 30 ha Ackerfläche in extensiv genutzte Wiesen und Weiden am
nordwestlichen bzw. am südlichen Rand der Lobber See-Niederung ist eine multifunktionale
Kompensationsmaßnahme, die der ökologischen Aufwertung des Lebensraumes und der
Reduzierung von Nähr- und Schadstoffeinträgen in die Niederung dient. Grundsätzlich ist es
auch erforderlich nachzuweisen und sicherzustellen, dass die überplanten Flächen frei von
Naturschutzverpflichtungen aus dem Naturschutzgroßprojekt „Ostrügensche Boddenlandschaft“

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sind.

Kompensationsmaßnahmen für Eingriffe in den marinen Bereich sollen gemäß 8 24
Meeresnaturschutz NatSchAG M-V vorrangig dort umgesetzt werden. Deshalb war in der
Stellungnahme zum Gesamtvorhaben gefordert worden, die Vorteilswirkung für den marinen
Bereich hinreichend darzulegen, um die Maßnahme im terrestrischen Bereich anerkennen zu
können. Diese verbal-argumentative Nachweisführung ist im wesentlichen erfolgt.

Grds. zu Kompensationsmaßnahmen in Grünlandbiotopen

Gemäß 8 15 Abs. 3 BNatSchG ist vorrangig zu prüfen, ob der Ausgleich oder Ersatz auch durch
Maßnahmen zur Wiedervernetzung von Lebensräumen oder durch Bewirtschaftungs- und
Pflegemaßnahmen, die der dauerhaften Aufwertung des Naturhaushaltes oder des
Landschaftsbildes dienen, erbracht werden kann, um möglichst zu vermeiden, dass Flächen
aus der Nutzung genommen werden. Insofern entspricht das Vorhaben grundsätzlich den
Zielstellungen des BNatSchG.

In der Stellungnahme zum Gesamtvorhaben vom 16.06.2017 waren für die
Kompensationsmaßnahme K2 u.a. folgende Unterlagen gefordert worden:

-  Biotoptypenkartierung des derzeitigen Zustandes,
-  Flächenscharfe Zielplanung mit Beschreibung und kartenmäßiger Darstellung der zu
entwickelnden Feucht- und Nassgrünländer auf der Grundlage eines Lage-/Höhenplanes

Gemäß der vorliegenden Unterlagen liegt keine Biotoptypenkartierung vor, sondern für die
Flächenkulisse des Kerngebietes des Naturschutzgroßprojektes „Ostrügensche
Boddenlandschaft“ IV/6c Ossen-Niederung wurde eine aktuelle Bestimmung der Biotoptypen-
Ausstattung der Gebietsflächen lediglich überblicksmäßig vorgenommen. Auch ein aktueller
Höhen-Lageplan scheint nicht herangezogen worden zu sein.

Grundsätzlich ist es auch erforderlich nachzuweisen und sicherzustellen, dass eine Anrechnung
von KFÄ nur erfolgt soweit keine Naturschutzverpflichtungen aus dem Naturschutzgroßprojekt
„Ostrügensche Boddenlandschaft“ bestehen. Darüberhinaus ist zu prüfen, welche Flächen
vertraglich durch die naturschutzgerechte Grünlandbewirtschaftung gebunden sind und welche
Konsequenzen daraus erwachsen.

In den vorliegenden Unterlagen ist eine überschlägige Kostenschätzung für die Maßnahme im
Gebiet der Lobber See-Niederung aufgeführt. Um einen ausreichenden Kapitalstock für die
Pflegemaßnahmen der nächsten 25 Jahre zu hinterlegen, bedarf es einer qualifizierten
Herleitung.

e Zur Verbesserung des natürlichen Wasserhaushalts zur Biotopverbesserung auf
Grünlandflächen mit langfristigem Pflegemanagement (25 Jahre) E8

Auf einer Flächengröße von 74 ha soll das wasserwirtschaftliche System geändert werden. Ziel
ist, durch gezielte Wasserstandsanhebungen zukünftig in der Niederung frischere Verhältnisse
einzustellen. Durch Anstieg des Wasserstandes in der Niederung (geringere Flurabstände)
entwickeln sich die artenarmen Frischgrünländer sowie sonstigen Feuchtgrünländer zu
nährstoffreichen Feuchtwiesen.

In der Bilanzierung wird die Wiederherstellung des natürlichen Wasserhaushaltes
zugrundegelegt. Bei Beibehaltung des Deiches, der Neuanlage eines Schöpfwerkes, dem
Ersatz der Überlaufschwelle durch ein Wehr mit entsprechendem Stauziel und der geplanten
Einstellung der Wasserstände ist davon nicht auszugehen, dass dieses Ziel realistisch
erreichbar ist. Im Grunde geht es bei der vorgelegten Planung um die Anlage von naturnahen
Wiesen und Weiden auf ehemaligen Acker- oder Wirtschaftsgrünlandflächen bei Verbesserung
des Wasserhaushalts ohne Berücksichtigung der besonderen Lage in einem eingedeichten
ehemaligen Küstenüberflutungsbereich. Das Anheben der Wasserstände in der Niederung ist
grundsätzlich und alternativlos erforderlich. Ohne Anschluss an die Hagensche Wiek aber wird
sich der Bereich auch weiterhin von Fremdwasser ohne Brackwassereinfluss ernähren. Die
vorgelegte Planung entspricht damit nicht den potentiellen Möglichkeiten, die sich aus der Lage
in einem ehemaligen Küstenüberflutungsbereich ergeben könnten. Die Herstellung frischerer

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Verhältnisse kann/ sollte daher kein primäres Kompensationsziel sein, zumal nicht offensichtlich
ist, ob das Wasserdargebot ausreichend ist. Die bisher vorgenommene Eingriffs-/Ausgleichs-
bilanzierung ist für den überplanten Bereich nicht zutreffend (u.a. KWZ) und daher zu
überarbeiten. Weiterreichende Planungen für Renaturierungsvorhaben mit Freiauslauf im
Bereich des Lobber Sees sind bekannt und liegen zumindest teilweise im Biosphärenreservat
Südost-Rügen vor. Danach sollte ein wesentliches Merkmal der Zielplanung in der
weitestgehenden Wiederherstellung der natürlichen Überflutungsdynamik im Bereich der
Lobber See-Niederung durch Schaffung eines regulierten Zustroms von Salzwasser zugunsten
der Renaturierung des hypertrophen Gr. Lobber Sees in die Hagensche Wiek sein. Die _
Deichöffnung durch eine Fluttorlösung im Rahmen der Renaturierung der Mellnitz-Üselitzer
Wiek steht exemplarisch für eine ähnliche, bereits umgesetzte Maßnahme der DEGES und
kann sowohl die Probleme des Hochwasserschutzes als auch die der unzureichenden
Wasserstände in der Niederung lösen. Eine Beweidung bzw. Pflege-Nutzung der Flächen wäre
so weit wie möglich zu erhalten. Im Fall der weiterführenden Planung mit dem Ziel einer
angestrebten weitestgehenden Wiederherstellung des natürlichen Wasserhaushalts im
Küstenüberflutungsbereich bei Berücksichtigung des Hochwasserschutzes und weiterer
Flächennutzung würde sich das Kompensationspotential weiter erhöhen können.

zur Biotopverbesserung auf Grünlandflächen mit langfristigem Pflegemanagement (25 Jahren)
E9

Auf 41,7 ha findet eine Umwandlung von sonstigen Feuchtgrünlandbiotopen (zentrale
Niederung) bzw. artenarmen Frischgrünlandbiotopen (Rand der Niederung) zu Frischwiesen/
Frischweiden statt.

Ziel der Kompensationsmaßnahme ist es, die staatliche Förderung abzulösen und einheitliche
ökologische Bewirtschaftungsstandards in der gesamten Niederung zu etablieren. Für die
Anerkennung der Kompensationsmaßnahme ist dabei eine nachvollziehbare Abgrenzung zu
den Vertragsflächen der naturschutzgerechten Grünlandbewirtschaftung erforderlich.

Wegen der fehlenden Biotopkartierung ist keine Einschätzung möglich, ob nach langjährig
geförderter naturschutzgerechter Grünlandbewirtschaftung eine Erhöhung des Biotopwertes
möglich ist. Offensichtlich basiert die vorliegende Eingriffs-/Ausgleichsbilanzierung auf
Annahmen. Die Eingriffs-/Ausgleichsbilanzierung ist zu überarbeiten.

e Zum dauerhaften Nutzungsverzicht entwässerter Feuchtwälder mit
Teilwiedervernässung E10

Auf den entwässerten Feuchtwaldstandorten im Nordosten bzw. Südwesten der Niederung ist
auf einer Fläche von knapp 8 ha eine Nutzungseinstellung mit jahreszeitlich abhängiger
Teilwiedervernässung vorgesehen. Grundsätzlich positiv, kann das Kompensationsziel nicht
entsprechend der Eingriffs-/Ausgleichsbilanzierung in einem Erlen- Birkenwald stark
entwässerter Standorte bestehen und dann noch positiv kompensationswirksam sein.

e Zur Ermittlung der Kompensationsflächenäquivalente für die geplanten Maßnahmen

Der Tabelle 5-3 sind den einzelnen Maßnahmenbestandteilen
Kompensationsflächenäquivalente gemäß HzE 1999 zugewiesen worden. Den Ausführungen
sind jedoch keine begründenden Erwägungen zur Ableitung der KWZ zu entnehmen. Diese
leitet sich i.d.R. aus der Wertstufensteigerung von Ausgangs- zu Zielbiotop ab. Weder
tabellarische Gegenüberstellungen noch kartographische Darstellungen liegen vor, um die
Plausibilitat beurteilen zu können. Zudem ist die Frage, ob eine KWZ im unteren, mittleren oder
oberen Bereich liegt, nach Maßgabe der HzE 1999 zu beantworten (vgl. S. 104 f. HzE 1999).
Dies betrifft die Maßnahmen E7 bis E 11. Eine weitere Ausarbeitung, spätestens im Zuge der
Ausführungsplanung, ist erforderlich, um eine abschließende Bilanzierung zu ermöglichen.
Eine 1:1 Übernahme der Wertstufen gemäß Anlage 11 erscheint nicht möglich zu sein, da gem.
Tabelle 5-2 der vorliegenden Unterlage der Ausgangswert der Flächen >= 1 ist, so dass
ausschließlich der in 25 Jahren zu erwartende Wertsteigerungsbetrag zugrundegelegt werden
kann, um die KWZ bestimmen zu können.

Die Frage nach der Ableitung des Aufwertungspotenzials über die KWZ stellt sich nicht zuletzt
auch bei Maßnahme E11 „Nährstoffreduzierung im Lobber See durch Zusatzfiltration“. Auch

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hier ist eine Doppelbilanzierung in Anbetracht des mulitfunktionalen Ansatzes zu vermeiden, so
dass ausschließlich die Verbesserung durch die Zusatzfiltration von Nährstoffen in der
Kläranlage Göhren über eine gesonderte Bilanzierung berücksichtigt werden kann.

Weiterhin steht die Bilanzierung der Kompensationsmaßnahmen unter dem Vorbehalt einer
differenzierten Betrachtung von Ausgangs- und Zielbiotopen sowie der weiteren Finalisierung
bzw. Konkretisierung der Ausführungsplanung unter Berücksichtigung der o.g. Ausführungen
sowie der Stellungnahme vom 16.06.2017.

Da die 0.9. Kompensationsmaßnahmen zum Teil außerhalb der Küstengewässer geplant sind,
bedarf es unabhängig von der Frage des zu bilanzierenden Aufwertungspotenzials der Klärung
der Vereinbarkeit mit den sonstigen Belangen des Naturschutzes und der Landschaftspflege.
Die Zuständigkeit obliegt den jeweiligen UNB sowie dem Biospährenreservatsamt Südost-
Rügen.

Die in diesem Zusammenhang gutachterlicherseits erfolgten küstengewässerseitigen
Betrachtungen zur Frage der UVP-Pflicht, zum Gebiets-, Arten- und Biotopschutz erscheinen
zumindest nach überschlägiger Betrachtung plausibel.

Ergänzung zum Antrag auf Planfeststellung v. 30.11.2017
Document.Nr. : 800-968-PE-AUE-PGE-LET-17113001

Anrechnung der Okokontomaßnahme Fischlandwiesen (VR 007)

Gemäß der Prioritätenrangfolge der naturschutzrechtlichen Eingriffsregelung ist eine
Anrechnung der Ökokontomaßnahme Fischlandwiesen (VR 007) mit einem
Kompensationspotenzial von bis zu 764 ha KFÄ zu berücksichtigen. Entsprechende
erforderliche Konkretisierungen sind im Kontext mit den Pkt. 3.5 und 3.6 der
Nebenbestimmungen zu definieren.

Nebenbestimmungen für den Planfeststellungsbeschluss

Im Ergebnis der Prüfung vorliegender Ergänzungen durch das StALU Vorpommern sind unter
Berücksichtigung der 0.g. Ausführungen folgende ggf. zu konkretisierende und zu ergänzende
naturschutzrechtliche Nebenbestimmungen aufzunehmen:

1. Dieinden Antragsunterlagen benannten Vermeidungs- und Minderungsmaßnahmen sind
umzusetzen.

2. Für die Verlegung der NordStream2-Pipeline ist eine ökologische Baubegleitung
(einschließlich der bodenkundlichen Aspekte) zu beauftragen. Die ökologische
Baubegleitung gewährleistet vor Ort die Umsetzung und Kontrolle der
naturschutzrechtlichen Nebenbestimmungen. Darüber hinaus stellt sie sicher,

o Vogellebensräume (z.B. Mauserplätze, Rastplätze) bei der Wahl von Anfahrtswegen
zum Baufeld zu meiden,

o die Inanspruchnahme des Gewässers zeitlich und räumlich auf das unabdingbare Maß
zu reduzieren und

o Sedimentverfrachtungen und Trübstofffahnen durch die Nutzung geeigneter Technik zu
minimieren.

Die Ansprechpartner für die ökologische Baubegleitung sind der Fachbehörde für
Naturschutz über die Planfeststellungsbehörde rechtzeitig vor jeweiligem Baubeginn
schriftlich zu benennen. Zum Stand der Umsetzung und zur Kontrolle ist der Fachbehörde
für Naturschutz monatlich ein Sachstandsbericht und spätestens drei Monate nach
jeweiligem Bauende ein Abschlussbericht vorzulegen.

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3. Nebenbestimmungen zur Kompensation

3.1 Die geplanten Kompensationsmaßnahmen sind mit Ausnahme von E1 und E2 umzusetzen.
Ein etwaig verbleibendes Kompensationsdefizit ist durch Übertragung der
Kompensationspflicht auf die Landgesellschaft M-V mit befreiender Wirkung gem. & 14 Abs.
4 Satz 1 ÖkokontoV durch die Inanspruchnahme der Ökokontomaßnahme Fischlandwiesen
und die angestrebte Renaturierung des Polders Bargischow und zu berücksichtigen

Die verbleibende Verpflichtung zur Kompensation im Hinblick auf die Realisierung der
Kompensationsmaßnahme „Polder Bargischow“ und Übertragung auf die Landgesellschaft
M-V mit befreiender Wirkung gem. $ 14 Abs. 4 Satz 1 ÖkokontoV steht unter dem Vorbehalt
der nachträglichen Festsetzung nach erfolgter Maßnahmekonkretisierung nebst
Bilanzierung.

Für die Kompensationsmaßnahmen ist ein begleitendes Monitoring durchzuführen. Es
ist zu dokumentieren, dass die angestrebten Maßnahmeziele werden bzw. erreichbar sind.

3.2 Sofern sich die geplanten Kompensationsmaßnahmen als nicht umsetzbar erweisen sollten,
sind vorrangig geeignete Maßnahmen der Realkompensation umzusetzen.

3.3 Die für die Eingriffsermittlung entscheidungserheblichen GIS-Daten und ergänzenden
gutachterlichen Ausführungen zum o.g. Eingriffsumfang sind der Fachbehörde für
Naturschutz im Vorfeld der gemäß Ziffer 3.5 nachträglichen Festsetzung über die
Planfeststellungsbehörde zur Prüfung und Bestätigung vorzulegen.

3.4 Die vorgeschlagenen Kompensationsmaßnahmen E3, E4, E6, E7 bis E 10 bedürfen (soweit
erforderlich) spätestens im Rahmen der landschaftspflegerischen Ausführungsplanung der
weiteren Konkretisierung nach Art und Umfang:

«e Flächenscharfe Zielplanung mit Maßnahmebeschreibung und kartenmäßiger Darstellung
der erforderlichen Maßnahmen zum Erreichen des Zielzustandes (in Bereichen mit
Wasserstandsveränderungen auf der Grundlage eines Lage-/Höhenplanes) nebst
flächenkonkreter Darstellung der Zielbiotope,

«e  Biotoptypenkartierung des derzeitigen Zustandes

3.5 Die vorgeschlagenen Kompensationsmaßnahmen E3, E4, E6, E7 bis E 10 bedürfen (soweit
erforderlich) spätestens im Rahmen der landschaftspflegerischen Ausführungsplanung der
weiteren Konkretisierung nach Art und Umfang:

e Flächenscharfe Zielplanung mit Maßnahmenbeschreibung und kartenmäßiger
Darstellung der erforderlichen Maßnahmen zum Erreichen des Zielzustandes (in
Bereichen mit Wasserstandsveränderungen auf der Grundlage eines Lage-
/Höhenplanes) nebst flächenkonkreter Darstellung der Zielbiotope

e. Biotoptypenkartierung des derzeitigen Zustandes

«e Beschreibung des Beweidungsregimes

«e  Eingriffs-/Ausgleichsbilanzierung mit Begründung für KWZ und Leistungsfaktoren

3.6 Die Konkretisierungen nach Ziffer 3.5 sind der Fachbehörde für Naturschutz im Vorfeld der
gemäß Ziffer 3.6 nachträglichen Festsetzung über die Planfeststellungsbehörde zur Prüfung
und Bestätigung vorzulegen.

3.7 Die über Nebenbestimmung 3.5 hinausgehende weitere Konkretisierung der Maßnahmen ist
mit dem StALU Vorpommern als Fachbehörde für Naturschutz im weiteren Planungsverlauf
abzustimmen. Die Unterlagen sind dem StALU Vorpommern als Fachbehörde für
Naturschutz über die Planfeststellungsbehörde zur Prüfung und Bestätigung vorzulegen.

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