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Dieses Dokument ist Teil der Anfrage „Dokumente zur Klimastiftung MV - Welt am Sonntag“
Am Le 35 71/108 07.01.2021 Plenarprotokoll Landtag Mecklenburg-Vorpommern 108, Sitzung 7. Wahlperiode Donnerstag, 7. Januar 2021, Schwerin, Schloss Vorsitz: Präsidentin Birgit Hesse, Vizepräsidentin Beate Schlupp und Vizepräsidentin Dr. Mignon Schwenke Inhalt Änderung der Tagesordnung .......... ER :2 Feststellung der Tagesordnung gemäß 8 73 Abs. 3GOLT .....aensceneessenssnsannnnenensnennenene 2 Aktuelle Lage „Corona-Virus“ ....... bernesssnnsssnssserssnunnsen 2 Regierungserklärung der Ministerpräsidentin des Landes Mecklenburg-Vorpommenn .......uuuccc. 2 Antrag der Fraktionen . ‘der SPD, CDU und DIE LINKE Konsequenz ist weiter notwendig: Gemeinsam Corona-Infektionszahlen verringern — Drucksache 715697 = anna... VER 2 Ministerpräsidentin Manuela SCHWESIG sicscsssiuseansäcienannenn 2 Horst Förster, AfD .uunsessensensennennennnenn. energie 7,17 Wolfgang Waldmüller, CDU ...nessnsensananaeunneennenenn 12, 1 Torsten Koplin, DIE LINKE ............ nee 18 Holger Arppe, fraktionslos ....ussaennannanaaeenennnsnenaeneennnnnn 23 Dr. Gunter Jess, AfD .nesssnssssssnanannonsenneunsunannnanneneene 23, 28 Thomas Krüger, SPD ............. Nr 24,29 BORN nem 29 Errichtung der „Stiftung Klima- und Umweltschutz MV“... 30 “ Antrag der Landesregierung Zustimmung des Landtages gemäß 8 63 Absatz 1 LHO hier: Errichtung der „Stiftung Klima- und Umweltschutz MV“ _ Drucksache IRB innen 30 Ministerpräsidentin Manuela Schwesig Bert Obereiner, AfD Dietmar Eifler, CDU nunnnnsttnnnn nun hanu nn een ur an ar tnnenne BarnsnsssssnH stern une sn een nun n nn ne nennen BARnHSHHRAn SHELL SHE ET Enns nn nenne nenne Beschluss a ennentnssnansshensenssnensönsennsnnerssnninee 41 Erklärung zur.Abstimmung gemäß 895 GOLT durch den Abgeordneten Dr. Ralph Weber, AfD .......... 41 Erklärung zur Abstimmung gemäß $ 96 GOLT durch den Abgeordneten Thomas de Jesus Fernandes, AfD Thomas Krüger, SPD Horst Förster, AfD ......... Nächste Sitzung Mittwoch, 27. Januar 2021
30 Ich rufe auf den Tagesordnungspunkt 2: Errichtung der „Stiftung Klima- und Umweltschutz Mecklenburg- Vorpommern“, hierzu den Antrag der Landesregierung -— Zustimmung des Landtages gemäß Paragraf 63 Absatz 1 der Landeshaushaltsordnung, hier: Errichtung der „Stiftung " Klima- und Umweltschutz Mecklenburg-Vorpommern“, auf Drucksache 7/5696. Errichtung der „Stiftung Klima- und Umweltschutz MV“ Antrag der Landesregierung Zustimmung des Landtages gemäß $ 63 Absatz 1 LHO hier: Errichtung der „Stiftung Klima- und Umweltschutz MV“ - Drucksache 7/5696 — Das Wort zur Begründung hat für die Landesregierung die Ministerpräsidentin. Bitte schön, Frau Schwesig, Sie haben das Wort. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig: Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Ab- geordnete! Ich möchte heute im Namen der Landesregie- rung einen Antrag zur Einrichtung der „Stiftung Klima- : und Umweltschutz Mecklenburg-Vorpommern* einbrin- gen. Umwelt- und Klimaschutz ist seit Gründung unseres Landes eines der großen Landesziele, fest verankert in unserer Landesverfassung. Das Thema Klimaschutz hat gerade in den letzten Jahren immer weiter an Bedeutung gewonnen, und ich freue mich, dass ganz besonders die jungen Menschen sich sehr für dieses Thema engagie- ren, (Zuruf von Dr. Ralph Weber, AfD): Wir haben deshalb mit dem Rat für Umwelt und Nachhal- tigkeit eine Form geschaffen, damit sich gerade die jun- gen Menschen beteiligen können. Wir haben von Anfang an gesagt, Demonstrationsrecht, das ist natürlich gut und wichtig, aber wir wollen auch, dass die jungen Menschen mitmachen können. Darüber hinaus gibt es sehr viele engagierte Verbände, Vereine und lokale Initiativen, die zu diesem Ziel beitragen wollen. Und wir haben es schon oft hier im Landtag diskutiert, wir müssen aus Verantwor- tung gegenüber unseren nachfolgenden Generationen den Klimaschutz noch verstärken. Klima schützen heißt Zukunft sichern. Klima schützen heißt unser Land si- chern. Deshalb wollen wir diese Stiftung auf den Weg bringen und ich bitte Sie dafür heute um Ihre Zustim- mung. Mecklenburg-Vorpommern, sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete, leistet seit vielen Jahren einen großen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz. Das tun wir mit .einer Vielfalt von Maßnahmen. Wir haben Maß- nahmen im Naturschutz, zum Beispiel mit dem National- parkprogramm bereits seit 1990, mit dem wir ein Drittel der Landesfläche unter Schutz gestellt haben. Damit ist unser Bundesland führend in Deutschland. Und an dieser Stelle möchte ich mich noch mal ganz herzlich bei den Umweltverbänden, auch bei denen; die sich gerade in der Wendezeit vor über 30 Jahren enga- „ giert haben, bedanken, denn es ist ihnen zu verdanken, dass wir gerade 1990 diese Programme in einer Form bekommen haben, dass wir heute so viele Teile unseres Landes unter Schutz stellen. Hier haben sich gerade die Landtag Mecklenburg-Vorpommern — 7. Wahlperiode — 108. Sitzung am 7. Januar 2021 Umweltverbände, gerade auch aus der friedlichen Revo- lution heraus, sehr verdient gemacht. (Beifall vonseiten der Fraktion der SPD) Wir haben auch Maßnahmen in der Landwirtschaft. Das Land fördert, dass Bauern ihre Dünger emissionsarm : ausbringen und auch Ställe so bauen, dass möglichst wenig Emissionen ausgestoßen werden. Und auch für den Wald haben wir Maßnahmen ergriffen. Wir haben gerade im letzten Jahr die Initiative „Unser Wald in Mecklenburg-Vorpommem“ auf den Weg ge- bracht. 20 Millionen Euro stehen zur Verfügung, um den Zustand unseres Landeswaldes zu verbessern, der vor allem. aufgrund von Dürre und Bränden gelitten hat. Und ich bin Ihnen als Parlament sehr dankbar, dass Sie mit dem großen Nachtragshaushalt dafür gesorgt haben, dass wir diese Maßnahmen trotz der großen Corona- Herausforderungen, trotz der sinkenden Steuereinnah- men machen können, denn sie sind Maßnahmen für, die Zukunft, die wir jetzt trotz aller Sorgen wegen Corona, auch aller finanzieller Fa, nicht vernachlässigen dürfen. : Und auch für den Bodenschutz haben wir Maßnahmen ergriffen. Sie sind für Mecklenburg-Vorpommern deshalb so eritscheidend, weil Böden fünfmal so viel Kohlenstoff speichern wie die Vegetation. Und deshalb ist die Rena- - turierung von Mooren und Feuchtgebieten der wichtigste Beitrag des Landes zur Bindung von Treibhausgasen. (Beifall vonseiten der Fraktion der SPD) Und auch hier sind wir Vorreiter. Mit den MoorFutures kann sich jeder daran beteiligen. Und auch in der Energiepolitik haben wir wichtige Maß- nahmen ergriffen. Wir legen einen politischen Schwerpunkt vor allem bei dem Ausbau der erneuerbaren Energien. Wir haben eine energiepolitische Konzeption inklusive Aktionsplan Klimaschutz erarbeitet, die Landesenergie- und Klimaschutzagentur und das Landesenergiezentrum gegründet. Wir sind Vorreiter in Deutschland auch bei den erneuerbaren Energien. Schon 2017 haben wir mehr als doppelt so viel Strom aus regenerativen Ener- gien produziert als für unseren eigenen Bedarf nötig, 2.000 Windkraftanlagen im Land errichtet, vier Offshore-, windparks. Und auch vorne dabei sind wir, wenn es um Forschung und Anwendung von grünem Wässerstoff geht, mit Mo- dellprojekten, Plänen für eine Wasserstoffforschungs- fabrik. Vorpommem-Rügen gehört zu den Modellregio- nen der Nationalen Wasserstoffstrategie des Bundes. All das ist unser Beitrag zum Klimaschutz, zu einer gelin- genden Energiewende in Deutschland, Und, sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete, mit der „Stiftung Klima- und Umweltschutz“ wollen wir einen weiteren Beitrag leisten. Und aus den Maßnahmen, die ich jetzt skizziert habe, die wir schon machen, die uns in den verschiedensten Bereichen zum Vorreiter in Deutschland machen, wissen wir aber auch, dass Maß- nahmen für Klima- und Umweltschutz alle gut finden, aber wenn es ‘dann konkret umgesetzt werden muss — der Windpark, die Renaturierung von Mooren und Feuchtgebieten, auch zum Beispiel Düngefragen -, dann haben wir auch Diskussionen und Akzeptanzprobleme.
‘ Landtag Mecklenburg-Vorpommern - 7. Wahlperiode — 108. Sitzung am 7. Januar 2021 31 Deshalb ist es so entscheidend, dass wir zukünftig dafür sorgen, dass wir alle Bürgerinnen und Bürger in Mecklenburg-Vorpommern beim Thema. „Klima- und Umweltschutz“ mitnehmen. Corona hat das Problem des Klimawandels nicht beiseitegeschoben. Das Problem gibt es weiter und wir müssen uns weiter beim Klima- und Umweltschutz anstrengen. Und das kann nicht allein eine staatliche Aufgabe sein, das kann nicht allein eine Auf- gabe von Vereinen und Verbänden sein, sondern ganz entscheidend ist, dass auch hier alle Bürgerinnen und Bürger mitziehen und wir deshalb Bürgerinnen und Bür- ger stärker beteiligen. Und das ist eine ganz besondere Idee und ein ganz besonderer Schwerpunkt dieser neuen Umwelt- und Klimaschutzstiftung. (Beifall vonseiten der Fraktion der SPD) Deshalb soll diese Stiftung sowohl Aufklärungs- als auch Bildungsarbeit betreiben, Ansprechpartner zu Fragen des Klimaschutzes sein und auch viele dabei unterstützen. Sie soll konkrete Natur- und Klimaschutzprojekte bei uns in Mecklenburg-Vorpommern und vor unserer Küste ‘ unterstützen. Das.,gilt auch für Projekte der Artenvielfalt und des Gewässerschutzes. Die Stiftung soll Wissen- schaft und Forschung im Bereich des Klima- und Um- weltschutzes fördem. Unterstützt werden können Projekte von Wissenschaftlern, auch von Unternehmen, die zum Gelingen der Energiewende in Deutschland beitragen, zum Beispiel zur Entwicklung von neuen Speichertechno- logien oder Lösungen zur Sektorenkopplung. Außerdem soll die Stiftung Aus-, Fort- und Weiterbildung im Bereich des Klima- und Umweltschutzes betreiben. Eine Besonderheit ist, dass sie auch einen wirtschaft- lichen Geschäftsbetrieb bekommen kann, der zeitlich befristet ist und genutzt werden kann, die Fertigstellung der Ostseepipeline 2 zu unterstützen. Dabei kann und soll die Stiftung mit den schon vorhandenen Akteuren im Bereich des Umwelt- und Klimaschutzes in Mecklenburg- Vorpommern zusammenarbeiten. Und, das ist mir ganz wichtig zu betonen, diese Stiftung soll vor allem die Beteiligung von Verbänden, Vereinen, Initiativen, Wissenschaft, Unternehmen unterstützen und auch die Beteiligung aller Bürgerinnen und Bürger. Und deshalb richtet sich diese Stiftung an alle Bürgerin- nen und Bürger im Land, an alle, die zum Klima- und Umweltschutz beitragen wollen, an Wissenschaft und Wirtschaft, an die großen Umweltverbände, aber eben gerade auch an viele kleine Initiativen, die vor Ort etwas bewegen wollen. Für diese Stiftung ist ein Stiftungskapital erforderlich in Höhe von 200.000 Euro. Dafür bitten wir Sie heute hier um Zustimmung. Und es gibt Möglichkeiten zu Zustiftun- gen. Und die Nord Stream 2 AG hat sich bereit erklärt, die Stiftung finanziell zu unterstützen, jetzt sofort zu Be- ginn beim Aufbau mit 20 Millionen Euro und später dann eine dauerhaft jährliche Unterstützung, wenn die Ostsee- pipeline fertiggestellt ist. Und, sehr geehrte Damen und Herren, das ist gar nichts Ungewöhnliches. Auch beim Bau der ersten Ostseepipe- line sind mit Unterstützung der Betreiber, der Pipeline zwei Stiftungen eingerichtet worden, die seitdem sehr erfolgreich Umweltprojekte, insbesondere mit Bezug zur Ostsee, also auf der Ostsee und davor, unterstützen, im Übrigen in ganz enger Zusammenarbeit mit Umweltver- bänden wie dem WWF in Deutschland. - Und das ist für uns ein Erfolgsmodell, diese beiden Ost- seestiftungen. Und wir wollen an diese Erfolgsmodelle anknüpfen und natürlich jetzt das Spektrum erweitern, weil diese Ostseestiftungen sind vor allem fokussiert auf ° Ostsee, auf Bezug zu Wasser. Und ich habe es eben‘ beschrieben, wir wollen natürlich viel mehr, was neue Technologien angeht, was Artenschutz angeht, was sozusagen sich sonst noch’ alles bei uns im Land zum Thema „Umwelt- und Klimaschutz“ abspielt, unterstützen. Und deswegen sage ich, es ist schon gelungen, mit zwei Ostseestiftungen den Umweltschutz zu befördern, und deswegen sind wir sehr zuversichtlich, dass diese neue Stiftung auch das weiter machen kann. Und wir laden alle Verbände ein, auch diese Stiftung gemeinsam mit uns zum Erfolg zu führen. (Beifall vonseiten der Fraktion der SPD) Neu ist an dieser Stiftung, an dieser dritten Stiftung, dass sich auch das Land beteiligt. Und ich finde, sehr geehrte Damen und Herren, dass das durchaus gerechtfertigt ist, denn sich alleine nur auf das Engagement letztendlich von Unternehmen und von Verbänden zu verlassen, das reicht nicht aus. Wir’als Land wollen uns auch stärker beteiligen und haben dann damit natürlich auch stärkere Mitspracherechte. Und ich bin sicher, dass das eine gemeinsame gute Situation werden kann. 2 Die Stiftung wird einen Vorstand haben, und - das will ich ausdrücklich betonen — dieser Vorstand wird ehren- amtlich arbeiten. Und ich bin sehr dankbar dafür, dass sich drei hochrangige Person aus unserem Land bereit erklärt. haben, im Vorstand dieser Stiftung zu arbeiten. Zunächst unser früherer Ministerpräsident Erwin Sellering, er hat sich bereit erklärt, diesen Vorsitz zu übernehmen. Und ich will Herm Sellering sehr danken und bin sicher, dass er mit seinen Erfahrungen auch der Ehrenamtsstif- tung diese Stiftung mit allen Partnern auf Augenhöhe zum Erfolg führen wird. Und weil es ja schon angefangen hat und in den nächs- ten Tagen noch weiter zunehmen wird, dass es natürlich auch Kritiker geben wird, die diese Idee zu zerreden’ versuchen und in Misskredit zu bringen: Ich will daran erinnem, dass, als Herr Sellering die .Ehrenamtsstiftung . des Landes-vorgeschlagen hat, es viel Kritik und Gegen- wind gab: Brauchen wir so was, ist das nicht alles zu aufgebläht und so weiter und so fort. Heute möchte nie- mand mehr die Ehrenamtsstiftung des Landes missen. Der Ehrenamtsstiftung ist es gelungen, genau diese breite Beteiligung der Zivilgesellschaft, die kleinen Initia- tiven zu unterstützen. Über 2.000 Projekte wurden geför- dert. Wir haben eine große Akzeptanz. Es wird Aus- und Fortbildung gemacht. Und die Landesehrenamtsstiftung war auch eine gute Blaupause, eine gute Bewerbung dafür, dass wir sogar die Bundesehrenamtsstiftung nach Mecklenburg-Vorpommern bekommen haben. Das zeigt, dass man sicherlich am Anfang erst mal . Kritiker, Nörgler und Leute hat, die das wieder alles nicht gut finden, und ich sage Ihnen voraus: Diese Umwelt- und Klimaschutzstiftung wird im Land Klima- und Um- weltprojekte voranbringen und auch in einigen Jahren . spätestens die gute Akzeptanz’ haben wie heute die Eh- renamtsstiftung. Und deswegen bin ich froh, dass Herr Sellering diese Erfahrung für den Vorsitz der Stiftung mitbringen wird. \ (Beifall vonseiten der Fraktion der SPD)
32 Landtag Mecklenburg-Vorpommern — 7. Wahlperiode - 108. Sitzung am 7. Januar 2021 Und ich bin auch Herrn Werner Kuhn sehr dankbar, . der als ehemaliger europäischer Abgeordneter auch genau diese Kenntnisse mitbringt, die wir für die Stiftung brauchen, denn natürlich endet Klima- und Umweltschutz nicht an unseren Landesgrenzen. Und ich bin auch Frau Enderlein, die sich als Unternehmerin schon in anderen wichtigen gesellschaftlichen Programmen, Projekten und Kommissionen. unseres Landes wie dem Zukunftsrat, aber wie zum Beispiel auch dem Kuratorium Gesund- heitswirtschaft engagiert, dass sie sich auch hier ein- bringt. Das ist: eine gute Mischurig von starken Persön- lichkeiten mit ganz unterschiedlichen Perspektiven. Und ich bin sicher, dass es gelingt, für das Kuratorium weiter Persönlichkeiten zu finden, auch gerade aus dem Umwelt- und Klimabereich, die dann gemeinsam als Team diese Stiftung voranbringen können. Und ich sage es noch mal ganz deutlich: Es ist ein eh- renamtlicher Vorstand. Und ich kann verstehen — ünd darauf komme ich noch —, dass einige, die schon immer ein Problem mit der Ostseepipeline hatten, jetzt all das in Misskredit bringen wollen. Und man kann gerne auch die Idee kritisieren — bitte sachlich und konstruktiv —, aber jegliche Unterstellung gegenüber denen, die jetzt hier Verantwortung übernehmen, und sei sie auch nur in Frageform, dass irgendjemand dort einen persönlichen Vorteil hätte, die weise ich zurück. (Beifall vonseiten der Fraktion der SPD und Burkhard Lenz, CDU) Vielleicht gibt es den einen oder anderen, der sich auch noch vorstellen kann, dass viele von uns handeln im Interesse des Landes, im Interesse der Bürgerinnen und Bürger und oft dafür ihre eigenen Interessen sehr weit, sehr weit nach hinten stellen. (Präsidentin Birgit Hesse übernimmt den Vorsitz.) Und deswegen sage ich ganz klar, wir können über alles diskutieren und Kritik ist herzlich willkommen, aber jegli- che persönliche Unterstellung von persönlichen Vorteilen weise ich strikt — insbesondere für diese drei handelnden Personen — zurück. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und CDU) Im Gegenteil, wahrscheinlich müssen diese drei han- deinden Personen eher damit rechnen, dass sie Nachtei- "le bekommen werden, und trotzdem haben sie sich dafür bereit erklärt. Denn wir alle wissen, dass es zum Bau der Ostseepipeline unterschiedliche Auffassungen geben wird. Und deshalb müssen wir damit rechnen, und das ist ja auch schon in vollem Gange, dass man versucht, diese Stiftung — obwohl es, wie gesagt, schon zwei Ost- seestiftungen gibt — in Misskredit zu bringen. Und des- wegen möchte ich auch ganz klar auf die Kritik eingehen und drei Dinge dazu sagen: Erstens. Was hat eigentlich die Ostseepipeline mit Klima- und Umweltschutz zu tun? Die Landesregierung war im- mer der festen Überzeugung - und so habe ich auch die Landtagsbeschlüsse verstanden —, dass wir den Bau der Ostseepipeline für richtig halten. Und ich habe mich immer gefreut, dass es dafür hier auch eine breite Mehrheit im Landtag gegeben hat, denn die Pipeline ist wichtig für die Energieversorgung von Deutschland und auch Europa. Und was hat die jetzt mit Klimaschutz zu tun, fragen sich einige. Das liegt ganz klar auf der Hand: Es ist rich- tig, dass wir 2022 aus Atomenergie aussteigen. Und, sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete, 2022, das ist morgen! Wir alle wissen, wie schnell dieses Jahr vorbeigehen wird. Im nächsten Jahr werden wir aus der Atomenergie aussteigen. Und es ist auch richtig, dass wir aus Kohlekraft aussteigen, und auch das 2038, Und da wird darüber diskutiert, ob es nicht hätte sogar eher sein müssen. Das ist nicht mehr lange hin. Aber der Energiebedarf wird der gleiche sein. Und gerade wir als Industrienation — und das wollen wir bleiben - sind an- gewiesen auf Energie. Und ich sage schon, dass es wichtig ist, dass wir weiter eine stabile Energieversor- gung haben. Und Ziel dieses Landes ist, dass wir unsere Energie- ‚versorgung stemmen aus emeuerbaren’ Energien. Das will ich ganz deutlich sagen, dieses Ziel verlassen: wir auch nicht. Im Gegenteil, ich habe es eingangs gesagt, wir im Land produzieren schon doppelt so viel, wie wir eigentlich bräuchten. Aber Deutschland ist größer als Mecklenburg-Vorpommern, und deshalb ist es so wichtig, dass wir auf dem Weg dahin es schaffen, die erneuerba- ren Energien auszubauen — wir setzen dabei auf die grüne Wasserstofftechnologie —, und deswegen wollen . wir auch mit der Stiftung dort Wissenschaft und Unter- nehmen unterstützen. . Aber der Weg dorthin, der muss auch funktionieren für eine erfolgreiche Energiewende, für einen erfolgreichen Klimaschutz. Und der Weg dorthin, und’ das ist schon immer unsere Auffassung, ist Gas, Gas aus der Ostsee- pipeline anstatt Fracking-Gas. Und: deshalb hat diese Pipeline und die Fertigstellung der Pipeline sehr wohl etwas mit Klimaschutz zu tun. Wenn jetzt Kritiker sagen, das sehen sie so nicht, dann ist das ihre Auffassung und das können sie auch so sagen. Man kann aber nicht dem Land Mecklenburg- Vorpommern vorhalten, dass das irgendwie Mogelei ist, denn wir haben schon immer diese Auffassung vertreten, dass die Ostseepipeline zum Klimaschutz gehört, weil zum Klimaschutz eine gelingende Energiewende gehört und weil man für eine gelingende Energiewende auch eine Brückentechnologie braucht. Und dazu brauchen wir die Ostseepipeline. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, CDU und DIE LINKE) Deswegen, sehr geehrte Damen und Herren, sind wir in dieser Frage konsequent, konsistent und auch glaubwür- dig. Zweitens. Die Ostseepipeline ist natürlich ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für das Land. Und ich muss mal sagen, dass ich es abenteuerlich finde, dass man mittlerweile dafür kritisiert wird, dass man sich für die Wirtschaft in seinem Land starkmacht. Ja, was denn sonst?! Worüber reden wir die ganze Zeit in der Corona-Krise? Und des- halb will ich sagen, für den Hafen Mukran, der dadurch auch langfristig als Standort für Offshoreprojekte gestärkt worden ist, ist es ein wichtiger Faktor, zum Beispiel als Logistikstandort für den Bau einer ‚Pipeline von Polen’ nach Norwegen. Auch der Standort Lubmin profitiert vom Bau der Pipeline mit den beiden Anlandestationen. Fir- ‘men, die Spezialschiffe ausrüsten, haben in Vorpommern ihren Sitz.
Landtag Mecklenburg-Vorpommern-- 7. Wahlperiode — 108. Sitzung am 7. Januar 2021 Natürlich geht es auch bei diesem Projekt um Arbeits- plätze. Und das ist übrigens nichts Schmuddeliges, es ist unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass es auch in unse- rem Land gute und gut bezahlte Arbeitsplätze gibt. (Beifall vonseiten der Fraktionen ; der SPD und DIE LINKE) Und deshalb war es für uns immer wichtig, dass diese Pipeline auch fertiggestellt wird, weil: Wer will es eigent- lich verantworten, dass da eine 11-Milliarden-Ruine in der Ostsee versenkt wird? (Horst Förster, AfD: Ja, eben!) Und für die -Fertigstellung dieser Pipeline sind natürlich Unternehmen verantwortlich. Und wir alle wissen, dass leider deutsche Unternehmen, europäische Unternehmen in den letzten Jahren immier stärker sanktioniert worden sind, zuletzt durch’neue Gesetzgebungen in der Jahres- wende. Und ich will noch mal ausdrücklich sagen, nie- mand, der am Bau, an der Fertigstellung der Pipeline ' mitwirkt, tut etwas Falsches oder gar Unrechtes. Falsch . handelt, wer versucht, aus eigenen wirtschaftlichen Inte- ressen den Bau der Pipeline in letzter Sekunde noch verhindem (Thomas Kfüger, SPD: So ist es.) und dafür deutsche, europäische Firmen zu sanktionieren. (Beifall Horst Förster, AfD) Das ist falsch und das muss ein Ende haben. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) Und deshalb haben wir weiterhin die klare Erwartung, dass unsere Bundesregierung dafür sorgt, dass allen Sanktionen und Sanktionsdrohungen, die vor allem durch die amerikanische Gesetzgebung erfolgen, dass wir denen entschieden entgegentreten. a (Beifall Horst Förster, AfD) Es muss wieder Normalität für unsere Unternehmen ge- ben. Die Ostseepipeline muss man nicht richtig finden, die kann man auch. kritisieren, das ist legitim, aber was nicht geht, ist, dass man, wenn sie rechtsstaatlich genehmigt ist, Firmen, die dort rechtsstaatlich mitwirken, sanktioniert. Das ist nicht in Ordnung und da gehen wir dagegen an. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, CDU und DIE LINKE) Und deshalb wäre es uns wichtig, dass es weiter die Möglichkeit gibt für Firmen, diese Ostseepipeline fertig- zustellen. . N . Und, sehr geehrte Damen und Herren, ja, die Stiftung hat die Möglichkeit — übrigens nur zeitlich befristet —, einen Wirtschaftsbetrieb aufzunehmen. ‘Im Gegenzug dazu, nicht im Gegenzug, im Gegensatz dazu, ist ihre Haupttä- tigkeit, Umwelt- und Klimaschutz, zeitlich unbefristet, um auch mal die Verhältnismäßigkeiten klarzustellen. Wir ' haben nicht vor, dass diese Stiftung diese Pipeline baut oder betreibt, es geht lediglich darum, dass die Stiftung die Möglichkeit hätte, einen Beitrag dazu zu leisten, dass 33 die Pipeline fertiggestellt wird. Ob diese Möglichkeit ge- braucht und genutzt wird, hängt davon ab, ob die USA weiter auf Sanktionen gegen deutsche, europäische Firmen setzen. Und deshalb ist es wichtig, dass die Bun- . . desregierung alles dafür tut, dass diese Sanktionen zu- rückgenommen werden. i Sehr geehrte Damen und Herren, die Stiftung bietet aus unserer Sicht zwei Vorteile für das Land: Wir bekommen erstens eine gute Stiftung mit Kapitalmöglichkeiten für Klima- und Umweltschutz. r (Zuruf von Burkhard Lenz, CDU) Und zweitens, wenn es nötig ist, kann die Stiftung einen Beitrag ‚dazu leisten, dass die Pipeline fertig wird. Aber sie wird sie weder bauen nöch betreiben. Wir kommen also mit dieser Stiftung auch dem Auftrag des Landtags entgegen, uns für Klima- und Umweltschutz einzusetzen und auch für die Pipeline. 1 Sehr geehrte Damen und Herren, ich möchte mich zum Abschluss außerordentlich bei unserem Energieminister Christian Pegel bedanken, der in den letzten Wöchen mit vielen Akteuren diese Umwelt-und-Klimaschutz-Stiftung für uns geplant hat. Und es hat hier im Landtag immer eine große, breite Mehrheit gegeben, wenn es auch um die Ostseepipeline ging. Und wir alle wissen, dass dieses Projekt umstritten ist, ideologisch umkämpft. Und deswe- gen, wenn wir uns auf diesen Weg begeben, müssen wir uns klar sein, werden wir auch Gegenwind aushalten . müssen. Ich finde, das ist kein Problem, wir sind nord- deutsch und stehen stark und fest im Sturm, wenn es drauf ankommt. “ (Burkhard Lenz, CDU: Und ein Bayer!) Und deshalb bitte ich Sie, dass wir uns auch nicht ab- bringen lassen und uns auch gegen Kritik, die unsachlich : ist, wehren. Ich würde mir weiter wünschen, dass wir parteiübergreifende Einigkeit haben in dieser Frage. » Und ich will ganz zum Schluss sagen, Hauptzweck dieser Stiftung ist Klima- und Umweltschutz. Ich bin sicher, dass wir mit der Stiftung die Möglichkeit haben, in den nächs- ten Jahren viele, viele gute Projekte in unserem Land umzusetzen. Das ist das, was unser Land braucht: Und ich weiß, dass in einigen Jahren viele wie bei der Ehren- amtsstiftung sagen werden, das war der richtige Weg, das hat unserem Land etwas gebracht, und darum geht es uns bei unserem Handeln. Dafür steht jede und jeder auch bei üns in der Landesregierung. Es geht uns darum, etwas Gutes für das Land und die Bürgerinnen und Bür- ° ‚ger zu tun. Die Stiftung hätte dieses Potenzial und des- halb bitte ich Sie um Ihre Zustimmung. - Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen . der SPD, CDU und DIE LINKE) Präsidentin Birgit Hesse: Vielen herzlichen Dank, Frau Ministerpräsidentin! ' Die Ministerpräsidentin hat die angemeldete Redezeit um’ elf Minuten überschritten. , Im Ältestenrat ist vereinbart worden, eine Aussprache mit . einer Dauer von bis zu 58 Minuten vorzusehen. Ich sehe und höre keinen Widerspruch, dann ist das so beschlos- sen. Ich.eröffne die, Aussprache. ' . x
34 ‚Landtag Mecklenburg-Vorpommern — 7. Wahlperiode — 108. Sitzung am 7. Januar 2021 Das Wort hat für die Fraktion der AfD Herr Obereiner. Bert Obereiner, AfD: Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Vorab möchte ich mich, da es ja mit diesem Antrag der Landesregierung sehr schnell gehen musste, noch mal beim Herrn Minister Pegel bedanken, der uns heute in der Fraktionssitzung noch mal ein paar offene Fragen beantwortet hat. Vielen Dank noch mal dafürl Und herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag! Das wussten wir nicht, Herr Pegel,. das tut uns leid, sonst hätten Sie noch was gekriegt. Gut, ein anderer Punkt, das hat die Ministerpräsidentin ja bereits angesprochen, die drei für den Stiftungsvor- sitz vorgesehenen Personen dort, die jetzt irgendwie . In Misskredit zu bringen, das liegt uns fern. Es ist .na- türlich so, dass diese drei Personen dort eventuell - auch Nachteile erleiden werden. Das muss man aner- kennen, das muss man auch sagen, das gehört zur Wahrheit dazu. Gut, dieser Antrag, der besteht ja im Prinzip aus zwei Teilen, wenn man das so.mal aufteilen will. Einmal geht es um die Fertigstellung der Nord-Stream-2-Pipeline, und zum anderen geht es um die Gründung einer Stiftung, die langfristig die Ziele der Landesregierung in puncto Ener- giewende unterstützen, flankieren will. Für uns ist klar, die Nord-Stream-2-Pipeline muss fertig- gestellt werden. Es ist dort ein Betrag von mittlerweile deutlich über 10 Milliarden Euro, der steht im Feuer, wenn es. fertiggestellt wird. Wenn es nicht fertiggestellt wird, haben wir dort eine Investitionsruine, die Leitung verrostet dann einfach am Grunde der Ostsee und nie- mand hat etwas davon. Wenn man sich:die Energiepolitik der letzten 20 Jahre in Deutschland anschaut, haben wir schon genügend Investitionsruinen produziert. Es geht einmal um den Ausstieg aus der Kernkraft, es geht zum anderen um den Kohleausstieg, jetzt ganz aktuell ja die Außerbetriebnahme des. hochmodernen Kohlekraftwer- kes in Hamburg-Moorburg nach etwas mehr als fünf Jahren Betriebszeit. Es werden dort also, es wurden in den letzten Jahrzehnten dort also Beträge von zig Milliar- den Euro im Grunde genommen verschleudert. Das hätte «man sich eigentlich alles sparen können, aber gut, die Mehrheit in der Politik ist eine andere. Das ist zu akzep- tieren und man muss das hinnehmen. Jetzt geht es’ in dem Antrag natürlich im zweiten Teil darum, dass man dort auf längere Sicht eine Stiftung installiert. Die anderen-Ziele neben der Fertigstellung der Nord-Stream-Pipeline, die lehnen wir auch nicht zur Gänze ab, es sind dort durchaus einige Gesichtspunkte dabei, die wir teilen. Es ist natürlich so, dass wir mehr Erdgas brauchen. Die Nord-Stream-Pipeline in Vollkapa- zität hat eine Kapazität von 110 Milliarden Normkubikme- tern Erdgas pro Jahr — das ist mehr als der gesamte Erdgasbedarf Deutschlands, und wir beziehen ja nicht nur über die Nord-Stream-Pipaline Erdgas, sondern auch. etwa aus Norwegen, aus den Niederlanden und natürlich auch aus anderen Ländern — sodass die Rolle Deutsch- lands als Handelsdrehscheibe für Erdgas dadurch natür- lich gestärkt wird, was wir natürlich positiv sehen. Es liegt natürlich auch an der zentralen geografischen ‚Lage Deutschlands in. Europa. Dagegen ist eigentlich auch nichts zu sagen. Jetzt ist es so, die Landesregierung setzt darauf, dass ‚wir unseren Strombedarf in Zukunft durch Wind- und Solarkraft im Wesentlichen decken, natürlich auch durch andere Sachen, wie durch Biogas, Geothermie, andere Energiequellen, .aber natürlich ist es halt so, wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint, dann brauchen wir schnell reagierende- Kraftwerke, die dann den aktuell anstehenden Strombedarf decken können. In der Begründung des Antrages ist das ja auch deut- lich aufgeführt, dass dort eben jetzt Erdgaskraftwerke favorisiert werden. Das ist ja etwas, was der Bundes- verband der Energie- und Wasserwirtschaft bereits - seit Jahren fordert. In Deutschland sind leider zurzeit fast keine Erdgaskraftwerke in Planung oder Bau. Und wenn wir bis 2022 aus der Kemkraft und spätestens 2038 aus der Kohlekraft aussteigen wollen, dann wird es Zeit, dass dort Erdgaskraftwerke in großem Umfang in Deutschland errichtet werden müssen. Wir haben eine Spitzenlast in Deutschland von 70 Gigawatt elektri- scher Leistung. Die wird-in Zukunft wahrscheinlich noch zunehmen, wenn man in Elektromobilität geht, wenn man die angedachte Wasserstoffstrategie weiterverfolgt. Wir werden also eine immer weiter steigende Spitzen- „last in Deutschland haben, und die muss dann eben in der Dunkelflaute durch Erdgaskraftwerke gedeckt werden, und die Kapazitäten sind nicht da. Wenn wir diese Kapazitäten von vielleicht 70 Gigawatt jetzt bau- en wollen, dann bedeutet das einen Investitionsbedarf in dreistelliger Milliardenhöhe für ganz Deutschland. Das sind also weitere Kosten, die auf die Stromver- braucher zukommen. Wir schalten moderne Kraftwer- ke ab, Hamburg-Moorburg habe ich genannt, man könn- te auch weitere Beispiele anführen, aber es ist natürlich so, dass das die Kosten der Energiewende erheblich steigem wird, und die Frage ist, 'wie die Akzeptanz beim Bürger dafür ist. Gut, wir haben uns, die Landesregierung hat sich für diese Stiftungslösung entschieden, aus unserer Sicht durchaus nachvollziehbar und notwendig. Eine andere, bessere Lösung haben wir auch nicht auf der Tasche. Deshalb finden wir das jetzt erst mal in Ordnung, das mit der Stiftung. Die brauchen wir, um die Nord-Stream- Pipeline fertigzustellen. Wann die fertig ist, wissen wir nicht, wahrscheinlich vielleicht übernächstes Jahr. Hoffen : wir mal, dass das alles gutgeht. Allerdings, die Einrichtung einer Stiftung auf Dauer, die dann auf unbeschränkte Zeit existieren soll, die halten wir eben unter den vorgenannten Bedingungen nicht für sinnvoll. Wir denken, wenn die Landesregierung dort ihre energiepolitischen Ziele verfolgen will, dann sollte sie. das primär durch den Landtag — transparent — machen und nicht über eine Stiftung. Es ist natürlich in Rechnung zu stellen, dass dort Zustiftungen-seitens des Nord-Stream- Konsortiums erfolgen. Das ist natürlich ein Argument, was dafürspricht, Andererseits sind wir der Meinung, ' dass die Transparenz dabei verloren geht, wenn wir dort ‚eine Stiftung gründen, die dann quasi eine Parallelpolitik macht, und deshalb lehnen ’'wir den Antrag nichit-ab, aber wir können ihm auch nicht zustimmen. — Danke für die ANIRTINEDRIBENAN) (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) Präsidentin Birgit Hesse: Vielen Dank, Herr Abgeord- neterl Das Wort hat jetzt für die Fraktion der CDU Herr Eifler.
Landtag Mecklenburg-Vorpommern — 7. Wahlperiode - 108. Sitzung am 7. Januar 2021 35 ’ Dietmar Eifler, CDU: Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Auf die vielen inhaltlichen und organisatorischen Fragen, aber auch auf den Zusammenhang der Pipeline mit dem Klima- und Umweltschutz ist bei der Einbringung die Frau Minister- präsidentin umfassend eingegangen. Deshalb erspare ich mir an dieser Stelle und auch Ihnen unnötige Wieder- holungen. Erstaunlich finde ich allerdings, dass sich der bisherige mediale Fokus von den im Antrag unter elf Anstrichen aufgeführten Stiftungszielen ausschließlich auf den letzt- genannten Stiftungszweck konzentrierte. Dabei geht es um die, wie es angesprochen worden ist, temporären gewerblichen Aktivitäten der Stiftung, die nach meiner Auffassung durchaus nachvollziehbar und erklärbar auch sind, weil -aus dieser gewerblichen Tätigkeit auch die Stiftungsziele neben dem Stiftungskapital zu finanzieren 'sind. Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, die CDU hat sich in’den zurückliegenden Jahren im Zusammenhang mit der Energiewende immer für einen geordneten Umbau der Energieversorgung eingesetzt, wobei wir nie aus den Augen verloren haben zu unterscheiden zwischen dem, was technisch möglich ist und was lediglich Wunsch- träume sind. Deswegen spielen nach unserer Auffassung neben den erneuerbaren Energieträgern auch die fossi- len Energieträger nach wie vor noch eine bedeutende Rolle, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Insbesondere ist Erdgas unter den fossilen Energieträ- gern derzeit der klimafreundlichste. Deshalb wird die Versorgung mit Erdgas auch in Zukunft noch eine bedeu- tende Rolle in Deutschland und Europa einnehmen. Auch wenn es vom politischen Radar sehr vieler Men- schen verschwunden ist, vor ziemlich genau zwei Jahren begannen auch bei uns Proteste gegen die Art und Weise, wie Deutschland seine Energieversorgung sichert. „Fridays for Future* lautet das Stichwort. Mehr- fach waren diese Demos auch Thema hier im Landtag. Und ich habe immer diese These vertreten, dass es wenig Sinn hat, gar unverantwortlich wäre, über unver- hältnismäßige Einsparvorhaben unsere Volkswirtschaft zu ruinieren. Die Position meiner Fraktion war immer, wir werden unseren Energiebedarf langfristig nur dann um- weltschonend und sicher decken können, wenn wir auf Innovation setzen, hier insbesondere auf das Thema „erneuerbare Energien“ und „Wasserstoff als Speicher- medium“, aber auch auf: die Kernfusion. Bis wir unsere Energie-auf der Basis von Wasserstoff oder mittels Kern- fusion gänzlich decken können, brauchen wir weiterhin einen halbwegs sauberen und sicher zur Verfügung ste- henden fossilen Energieträger, und das ist nun mal Erd- gas. . (Beifall Horst Förster, AfD) Ob das jeder im Blick hatte, der vor zwei Jahren auf die Straße gegangen ist, ich weiß es nicht. (Zuruf von Egbert Liskow, CDU) b Was ich aber weiß, ist, dass man allein mit Luftschlös- sern nun mal’ keine Volkswirtschaft erfolgreich energe- tisch versorgen kann. (Beifall vonseiten der Fraktion der CDU und Horst Förster, AfD) Da, glaube ich, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, stimmen Sie mir zu, da’sind Maß und Mitte erforderlich, um die Energiewende erfolgreich zu gestalten. Und die Umsetzung der Energiewende, so, wie ich sie eben be- schrieben habe, geht mit einem längeren Übergangszeit- raum einher. Gerade Gaskraftwerke sind aufgrund ihrer Flexibilität geeignet, die Grundlastfähigkeit in Deutsch- land für die kommenden Jahre zu sichern. Für uns als CDU ist das Projekt Nord Stream deswegen von enormer Bedeutung. Wir sehen die sichere Versor- gung mit Erdgas als: Voraussetzung für die weiterhin gute wirtschaftliche Entwicklung unseres Landes. Deutschland ist eben nach wie vor ein Industriestandort, der viel Ener- gie braucht Gerade in Mecklenburg-Vorpommem wissen wir, welch fatale Folgen Deindustrialisierung haben kann. Der Grund dafür, dass die Löhne bei uns bis heute im Durchschnitt niedriger als in anderen Teilen Deutsch- lands sind,.ist in erster Linie im Fehlen von Industrie zu suchen. Schon deshalb muss uns daran gelegen sein, für die Industrie in Mecklenburg-Vorpommern und Deutsch- land eine langfristige sichere Energieversorgung zu si- chern. Fachleute gehen aktuell davon aus, dass die Nachfrage nach Erdgas in Europa in den nächsten 20 Jahren min- destens stabil bleiben wird. Gleichzeitig wird mit einem Rückgang der Produktion in Norwegen, Großbritannien und auch in den Niederlanden gerechnet. Um diese Lü- cke zu schließen, ist es notwendig, Maßnahmen für eine sichere Versorgung mit Erdgas zu gewährleisten. Mit dem Projekt Nord Stream 2 soll die entsprechende Infra- struktur dafür geschaffen werden. Dennoch ist der Bau der Pipeline nicht unumstritten, nicht in Deutschland, nicht in der EU und weltweit schon gar nicht. Jeder Staat auf dieser Welt verfolgt Interessen. Die USA tun das, Deutschland tut das und Russland tut es auch. Mitunter decken sich die Interessen von Staaten, mitunter tun sie das nicht. Die Bundesrepublik Deutsch- land hat sich frühzeitig zum Bau der Pipeline bekannt, und deswegen ist die Errichtung der Stiftung zur Absiche- rung des Projektes ein logischer Schritt. Gleichzeitig möchte ich hier noch darauf hinweisen, dass in den vergangenen Jahren sehr viel transatlantisches Porzellan zerschlagen wurde. Der Hauptverantwortliche dafür wurde vor einigen Monaten abgewählt, und nach den gestrigen Ereignissen in den USA kann man sehr wohl sagen, Gott sei Dankl In etwa zwei Monaten wird sein Nachfolger ernannt. Ich habe sehr große Hoffnung, dass die politische Zusammenarbeit zwischen Europa und den Vereinigten Staaten vor einer Renaissance steht Anders wird es nicht möglich sein, die Probleme auf dieser Welt zu lösen. Der Bau beziehungsweise die Fertigstellung der Pipeline, davon gehe ich ganz fest aus, wird die deutsch-amerikanischen Beziehungen nicht nachhaltig eintrüben. Zugleich muss uns gleichwohl an partnerschaftlichen Beziehungen mit Russland gelegen sein, auch wenn die innenpolitischen Zustände in Russland durchaus besorg- niserregend sind, und das nicht erst seit gestern. Ich persönlich halte diese Lösung für ein sehr wichtiges Infrastrukturprojekt mit einem erheblichen langfristigen volkswirtschaftlichen Nutzen, nicht nur für beide Staaten, sondem für Europa insgesamt wichtig. Aus diesem Grund befürwortet meine Fraktion unverändert’ den Bau der Pipeline, ebenso jetzt die Errichtung der Stiftung, die
36 Landtag Mecklenburg-Vorpommern — 7. Wahlperiode — 108. Sitzung am 7. Januar 2021 neben dem Klimaschutz auch den Bau der Pipeline absi- chern soll. Zum Schluss, sehr geehrte Damen und Herren, sei mir ‘ jedoch noch eine Bemerkung zum Kommentar des Herm Reißenweber in der SVZ.vom 06.01.2021 gestattet. Fragwürdig finde ich seinen Aufruf zur Anstiftung der Mitglieder des Landtages von Mecklenburg-Vorpommern, die Stiftungsurkunde nicht zu unterschreiben. Sehr ge- ehrter Herr 'Reißenweber, an dieser Stelle darf ich auf Artikel 22 Absatz 1 unserer Landesverfassung hinweisen, ich zitiere: „Die Abgeordneten sind Vertreter des ganzen ‘Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen.“ Zitatende. Ich jeden- falls lasse mich, von niemandem anstiften. — Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! ; (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und CDU) Präsidentin Birgit Hesse: Vielen Dank, Herr Eifler! Das Wort hat jetzt für die Fraktion DIE LINKE Frau „Dr. Schwenke. Dr. Mignon Schwenke, DIE LINKE: Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Kolleginnen und Kolle- gen! Der Landtag widmet sich heute zwei entscheiden- den Zukunftsthemen: der Frage, wie die Herausforderun- gen der Corona-Pandemie gestemmt werden können, und der Frage, wie Mecklenburg-Vorpommern den Kli- maschutz weiter voranbringen kann. Beide Themen wer- den die Politik des Landes noch sehr viele Jahre beglei- ten. Dabei ist der Schutz des Klimas nicht nur eine akute Aufgabe für die nächsten fünf bis zehn Jahre, nein, es ist, wie im vorliegenden Antrag passend formuliert, eine Jahrhundertaufgabe. Und es gibt noch eine weitere Gemeinsamkeit mit dem ‘heute Vormittag diskutierten Thema, nämlich die Akzep- tanz. Die Coröna-Maßnahmen müssen von der Bevölke- rung verstanden, akzeptiert und’ umgesetzt werden, da- mit sie auch Erfolg haben. Genauso ist das beim Klima- schutz. Nur wenn jeder Einzelne seinen Beitrag leistet, erlernte Verhaltensmuster ändert, -Maßnahmen versteht und akzeptiert, nur dann wird letztlich auch der Klima- schutz Erfolg haben. Und dazu braucht es klar definierte und nachvollziehbare Ziele und konkrete, abrechenbare Maßnahmen. Diese hat aus meiner Sicht das Land noch nicht. Und das ist ein Problem, das ich seit Längerern kritisiere. Die Ziele fehlen und an der Kommunikation mangelt es auch. Das muss sich zwingend ändern. Und da wiederhole ich gem die Forderung meiner Fraktion, Mecklenburg-Vorpommern ° braucht ein Klimaschutzgesetz. Meine sehr geehrten Damen und Herren, mit dem heute vorliegenden Antrag sehe ich einen Schritt in die richtige Richtung (mehr Klimaschutz) und vielleicht sogar auch einen Schritt in Richtung Klimaschutzgesetz für Mecklenburg-Vorpommern. Von einer Stiftung für Klima- und Umweltschutz in Mecklenburg-Vorpommem können ‘wichtige Impulse ausgehen, nicht nur für eine bessere Kommunikation in die Öffentlichkeit. Nein, ich sehe die Möglichkeit, und das istja auch geplant, konkrete Projek- te anzuschieben, die die Menschen beim Klima- und Umweltschutz mitnehmen, denn es geht ums Mitmachen, für den Aha-Effekt u für die eigene Verhaltensände- rung. Und darum ist die Stiftung auch ein Schritt für ein Klimaschutzgesetz, weil eine Stiftung konkrete Ziele und Maßnahmen braucht, die sie flankiert-und die sie um- setzt. Meine Damen und Herren, mit der Gründung der Stiftung sollte allen deutlich werden, dass die energiepolitische Konzeption oder die Loseblattsammlung aus dem Akti- onsplan Klimaschutz mit wichtigen, aber unverbindlichen Maßnahmen nicht mehr ausreichen. Besonders zu be- grüßen ist, dass Forschung und Entwicklung für den Klimaschutz ganz oben auf der Agenda der Stiftung ste- hen sollen. Meine Damen und Herren, wie es jetzt schon deutlich wurde, die Stiftung hat darüber hinaus einen weiteren wesentlichen Zweck. Von den Gegnern wird sie als „Trick“ bezeichnet. Der Antrag zeigt, dass wir noch lange nicht so weit sind, um gänzlich auf fossile Energieträger verzichten zu können. Mit-dem Atomausstieg und auch dem Kohleausstiegsplan sind zwar Meilensteine definiert, aber der Umstieg auf 100 Prozent erneuerbare Energien ist noch ein langer und steiniger Weg. Um diesen Weg zu gehen und gleichzeitig die Energie- sicherheit zu gewährleisten, werden flexible Gaskraft- werke ein wesentlicher Baustein sein müssen. Wir woll- ten das so nicht, denn wir wollen so schnell wie möglich aus der fossilen Energiewirtschaft aussteigen, ebenso wie aus der Atomwirtschaft. Daran wird sich auch nichts ändern, aber die jahrelange Blockade des Ausbaus der erneuerbaren Energien durch die verschiedenen Bundes- regierungen der vergangenen Legislaturen zwingt fak- tisch dazu, Gas als Brückentechnologie zu nutzen. Und wie der Antrag richtig feststellt, wird auch die Etablierung von Speichen im industriellen und massenproduktions- tauglichen Maßstab noch eine Weile’ dauern, ebenso wie die Verwirklichung der Sektorenkopplung, zumal leider auch mit dem aktuellen Klimapaket und der Novelle des Emeuerbare-Energien-Gesetzes nicht wirklich zu erken- nen ist, dass in Richtung Ausbau erneuerbarer Energien, Speicherung und Sektorenkopplung tatsächlich eine Kohle zugelegt wird. Gas als Energieträger wird nicht nur für Mecklenburg-Vorpommern, nicht nur für Deutsch- land, sondern auch für die europäischen Staaten von besonderer Bedeutung auf dem Weg in eine Zukunft mit 100 Prozent emeuerbaren ERIMDMN: und mehr Klima- schutz sein. Gestatten Sie.mir an dieser Stelle eine Randbemerkung: Ich finde es schon erstaunlich, wie sich die GRÜNEN hier im Land dazu positionieren. .Mit Beschimpfungen kann ich umgehen, das bleibt offenbar leider nicht aus in der Politik. Aber die GRÜNEN sollten nicht vergessen, dass zahlreiche Mitglieder der Naturschutzverbände und auch Teile der Partei Seite an Seite mit Bürgerinitiativen gegen den Ausbau der Windenergie hier bei uns im Land de- monstrieren. Und gegen den Import von Frackirig-Gas habe ich grüne Stimmen bisher auch nicht so sehr laut gehört. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, CDU und DIE LINKE) Irgendwie passen diese Positionen nicht zusammen. Unsere Position ist klar, wir wollen so schnell wie möglich die Energiewende vollenden. Auf diesem Weg brauchen wir Gas als Brückentechnologie. In diesem Wissen hat sich ja auch der Landtag insgesamt bereits mehrmals
Landtag Mecklenburg-Vorpommern — 7. Wahlperiode - 108. Sitzung am 7. Januar 2024 37. für die Fertigstellung der Nord-Stream-2-Pipeline ausge- sprochen. Die Stiftung für Klimaschutz und Umwelt muss der Garant dafür sein, dass diese Pipeline auf den letzten Metern auch fertiggestellt wird. Dass die Fertigstellung den USA nicht passt, das spüren die beteiligten Unternehmen und auch das Land bereits ziemlich deutlich. Die Eskalationsspirale wird Stück für Stück nach oben gedreht. Es sind knaliharte wirtschaft- liche und strategische Interessen, die dahinterstehen. Europa soll das wesentlich umweltschädlichere und auch noch deutlich teurere Fracking-Gas aus den USA bezie- hen. Dass Russland nebenbei noch ein geostrategischer Rivale der USA ist, ist da nur eine Randerscheinung bei diesem Geschäft. Der Landtag hat sich bisher geschlossen gegen die Eipres- sungsversuche und Drohgebärden der US-Administration gezeigt. Das war ein starkes Signal. Wer aber in den letzten Wochen auch nur ein Fünkchen Hoffnung hatte, dass sich diese Politik, die Politik jenseits von Diplo- matie und der Missachtung von souveränen Entschei- dungen von Nationalstaaten, nicht mehr fortsetzt, der wurde eines Besseren belehrt. Inzwischen ist das Sanktionsgesetz in den USA beschlossen. Mit gleich- berechtigten Handelsbeziehungen und respektvollem Umgang hat das nichts zu tun. Nach wie vor vermisse ich deutliche Worte aus der Bundesregierung oder auch Reaktionen auf europäischer Ebene. Ich muss wirklich staunen darüber, was sich die Bundesregie- rung und auch die europäischen Staaten insgesamt alles so bieten lassen. Meine Damen und Herren, für meine Fraktion steht fest, Europa, Deutschland und als Letztes auch Mecklenburg- Vorpommern dürfen sich nicht zum Spielball der wirt- schaftspolitischen Interessen der USA machen lassen. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) Nach den starken Signalen, die auch wir mit den Be- schlüssen aus dem Landtag heraus gesendet haben, folgen mit der Stiftung nun auch Taten, die verdeutlichen, dass Mecklenburg-Vorpommern souverän eigene Ent- scheidungen treffen kann und wird. Und wenn das als „Trick“ bezeichnet wird, so kann ich damit leben. Ich finde es eher bedauerlich, dass wir zu solchen Mitteln über- haupt greifen müssen. x (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) Wir sind keine Kolonie der USA, die auf Weisungen war- tet, ganz im Gegenteil, Mecklenburg-Vorpommern hat sich für den Bau’von Nord Stream 2 ausgesprochen und Mecklenburg-Vorpommern wird heute einen entschei- denden Schritt machen, damit das auch ermöglicht wird. Und der Landtag wird außerdem an die Menschen in Sassnitz, an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Ha- fen und die Unternehmen, die am Bau der Pipeline in irgendeiner Weise beteiligt sind, das Signal senden, wir stehen an eurer Seite und werden euch auch zukünftig unterstützen. — Wir stimmen dem Antrag zu. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) Präsidentin Birgit Hesse: Vielen Dank, Frau Dr. Schwen- kei. Das Wort hat jetzt der fraktionslose Abgeordnete Herr Arppe. (Der Abgeordnete Holger Arppe verzichtet.) Ich sehe, Herr Arppe hat seinen Wortbeitrag zurückge- zogen. Dann hat jetzt das Wort für die Fraktion der AfD Herr Förster. Horst Förster, . AfD: Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Abgeordnete! Liebe Landsleute! Um eins klarzu- stellen, das hat ja schon mein Kollege Obereiner ge- macht, Nord Stream ist für uns keine Frage, da stehen wir 100-prozentig dahinter. (Karsten Kolbe, DIE LINKE: Na, dann stimmen Sie zu!) Eine Stiftung für Klimaschutz lehnen wir im Prinzip ab, aus den Gründen, weil wir eine verfehlte Klimapolitik nicht unterstützen wollen. Für verfehlt halten wir sie deshalb, nicht, weil wir gegen Klimaschutz sind, son- dern weil Klimaschutz, um das in wenigen Worten zu sagen, auf den Punkt zu bringen, ein globales Problem ist. Wir sind mit zwei Prozent weltweit am |CO2-Ausstoß beteiligt und agieren so, als ob wir mit unseren Maß- nahmen die Welt retten könnten. Es ist schwierig, und das schafft ja kein anderes Land, zugleich aus der Kernenergie und zugleich aus der Kohle auszusteigen und dann zu glauben, man könnte wirtschaftlich ver- nünftig letztlich nur noch mit emeuerbaren Energien leben. Wir haben die höchsten Strompreise und; und, und, das kennen Sie alles. Also ganz klar die Position ; meiner Fraktion: Eine Stiftung für Klimaschutz lehnen wirab. : Trotzdem sind wir natürlich in der Zwickmühle, weil uns vorgetragen wird — und das alles sehr knapp und sehr kurz und wir konnten, trotz der erfreulichen Erörte- ' rungen und Hinweise von Minister Pegel sind wir natür- lich im Grunde schwach informiert von gestern.Abend bis heute —, sind wir in der Zwickmühle, weil uns erzählt wird, dass diese Stiftung notwendig sei, um Nord Stream zu retten. Und da wundere ich mich schon, wie von gestern Abend bis heute dann wundersam plötzlich diese Dinge erklärt werden. Also ich habe irgendwo mal gelesen oder ich sage es auch so, Politiker und Juristen, glaube ich, können alles erklären, jedenfalls tun sie, .als ob sie alles erklären können. Es ist einfach nicht glaubwürdig, dass diese Stiftung, ... . ‘(Heiterkeit und Unruhe vonseiten der Fraktionen der SPD und CDU) - Jaja! ... dass diese Stiftung, ... Ich will ja gerade sagen, ich mache das nicht so ganz mit. „.. dass diese Stiftung nun wirklich klimaschutzmotiviert ist. Also der ganze, wenn man das aüf den Tisch stellt — stellen wir uns das mal wie ein gerichtliches Verfahren vor, man'kann es ja übertragen auf einen Zivilprozess -, Sie,kriegen so was auf den Tisch, die Motivation ist son- nenklar, die Unterlagen sind klar, .das Ganze wird ge- gründet, um doch noch Nord Stream irgendwie hinzu- kriegen.
38 Landtag:Mecklenburg-Vorpommern - 7. Wahlperiode — 108. Sitzung am 7. Januar 2021 (Karsten Kolbe, DIE LINKE: Und trotzdem stimmen Sie nicht zul) So, und wenn das so ist und es wirklich notwendig wäre — und deshalb sind wir in der Zwickmühle, da ste- hen wir ja dahinter, das hat mein Kollege Obereiner ja gesagt —, aber mich überzeugt das nicht. ‚Die Amerika- ner, das brauche ich ja auch nicht zu vertiefen, setzen - knallhart ihre Interessen durch. Und da die auch, wer sagte das heute, die „Bild-Zeitung“ lesen und das alles mitkriegen hier, werden sie keine Schwierigkeiten haben, das.als, ich sage es mal so überspitzt, als eine Mogel- Packung zu entlarven, und sie werden auch rückwirkend, dann haben sie mit der Rückwirkung auch kein Problem, werden sie ihre Sanktionen da auch drauf erstrecken. Dessen bin ich mir sicher. Wenn dieses Land es wirklich will, dann wäre hier ein Punkt, wo man genau das Verhältnis zu Amerika an der Stelle — und da ist jetzt der Präsidentenwechsel, ‚stehen “die Chancen ja nicht so schlecht — auf den Prüfstand stellen müsste, jedenfalls diesen Punkt klären müsste, Dann müsste man den vollen-Rückhalt der Bundesregie- rung haben. Und wenn dem so wäre — das scheint näm- lich nicht zu sein —, wenn der so wäre, dann würde nicht die Verantwortung für Nord Stream jetzt allein dem Land M-V aufgedrückt. Dann müsste die Bundeskanzlerin sich gerademachen mit Rückgrat und müsste den Amerika- : nern verklickern, dass, wenn die Beziehungen sich nun ändern sollen, dass sie mit diesen Sanktionen aufhören müssen, denn sie sind ja rechtswidrig, da sind wir uns ja alle einig. ı (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) Und da die Amerikaner knallhart, noch mal, ihre Interes- sen durchsetzen, wird diese Stiftung — das ist meine Prophezeiung — überhaupt nichts fruchten am Ende. Und bisher haben wir keine Erklärung bekommen, dass diese Stiftung wirklich der einzige Weg ist. Der Staat hat viele Möglichkeiten. Er kauft ja auch Impfstoff ein, er schafft die Subventionen. Also natürlich hätte auch — auch von staatlicher Seite und sei es über eine irgendwie kreierte Firma —, hätte man bewirken können, dass die Materia- lien, um die geht es ja, es sollen ja die Sachen herkom- men und im Grunde gelagert werden, die dann für den weiteren Bau notwendig sind, das alles hätte auch von staatlicher Seite direkt erfolgen, können. Und dass es nicht geschieht, ist für mich ein deutliches Signal, dass Berlin — und da gibt es ja.genug Gegner, Röttgen ganz obenan -, dass Berlin nicht dahintersteht. Und das ist das eigentliche Problem. Und wenn Sie das glauben mit der Stiftung lösen zu müssen, dann wünschen wir Ihnen Glück, aber da es auch, ich habe diese Zwickmühle be- ' schrieben, da das so ist, können wir unseren Beitrag nur in der Weise leisten, dass wir uns der Stimme enthalten, denn überzeugend ist: das Projekt nicht, — Vielen Dankl. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) Präsidentin Birgit Hesse: Vielen Dank, Herr. Abgeord- neter! Das Wort hat jetzt für die Fraktion der SPD Herr Schulte. Jochen Schulte, SPD: Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Lassen Sie mich mit zwei Dingen zu Beginn meiner Rede anfangen, zwei grundsätzlichen Aussagen, und ich hoffe, dass das in der Folge des Redebeitrages dann auch deutlich wird, was der Hintergrund dafür ist. Erstens. Meine Fraktion begrüßt ausdrücklich die Einrich- tung einer Klima- und Umweltschutzstiftung durch das Land. Daran gibt es überhaupt kein Vertun. | (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und CDU) ‚Und zweitens, zweitens, sehr geehrte, Kolleginnen und Kollegen, wenn ich die Debatte heute hier verfolgt habe — mit Ausnahme des Redebeitrages der Ministerpräsiden- tin, die ja das eingebracht und vorgestellt hat —,.dann bin ich mir nicht sicher gewesen, ob jeder der hier Anwe- senden tatsächlich auch die Vorlage für die heutige Landtagssitzung wirklich gelesen hat, weil ich habe hier manchmal den Eindruck gehabt, es handelt sich’hier um den Versuch, eine, ich nenne das mal, Fertigstellungsstif- tung für Nord Stream 2 zu machen. . Und, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, ich werde mich mal bemühen, " (Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) Ihnen und vielleicht auch der Öffentlichkeit in dem "Zusammenhang deutlich zu machen, dass dem so nicht ist, sondern dass wir, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, heute hier über die Errichtung einer Klima- und Umweltschutzstiftung mit einem Grundkapital von 200.000 Euro debattieren, die unter anderem auch zur Förderung ihrer umweltpolitischen Stiftungszwecke einen wirtschaftlichen Betrieb einrichten kann. Und eine der Möglichkeiten dieses wirtschaftlichen Betriebes ist es -» unter anderem auch, im Bereich der Fertigstellung der Nord-Stream-2-Pipeline unterstützend mit tätig zu wer- den, und zwar — und dafür bin ich der Ministerpräsidentin . ausdrücklich dankbar, dass sie das deutlich gemacht hat — dann auch am Ende.des Tages nur zeitlich be- grenzt, weil ich in der Vergangenheit, in den letzten, sagen wir mal, Tagen, ja immer schon wieder gelesen habe, dass es nachher möglicherweise auch darum ge- hen sollte, dass diese Stiftung möglicherweise NS2 - also Nord Stream 2, die Pipeline — betreibt, und das ist natürlich absoluter Unfug. Und, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, lassen Sie mich vielleicht so beginnen: Meine Fraktion, meine Frak- tion, meine Partei hat sich bereits seit Längerem aus- drücklich dafür eingesetzt, dass wir einen ökonomisch und sozialverträglich gestalteten Umbau unserer Gesell- schaft und unserer Wirtschaft hin zu mehr Nutzung er- neuerbarer Energien brauchen und vollziehen müssen. Und, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, ich sage das an dieser Stelle auch noch mal ganz deutlich, die “ Zukunft nicht nur unseres Landes, aber auch die von Mecklenburg-Vorpommern wird in einer stärker nachhal- tig ausgerichteten und ökologisch ausgerichteten Wirt- schaftspolitik sein. Und dazu gehört natürlich auch die Verwendung erneuerbarer Energien, und das ist das Ziel - meiner Fraktion und auch dieser Landesregierung. (Beifall vonseiten der Fraktion der SPD) Und, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, wir sind uns ‘doch aber hoffentlich auch über einen Punkt einig an dieser Stelle - und zumindest habe ich auch die Frau Kollegin Schwenke so verstanden, aber ich glaube, Herr