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Dieses Dokument ist Teil der Anfrage „Dokumente zur Klimastiftung MV - Welt am Sonntag“
36 Landtag Mecklenburg-Vorpommern — 7. Wahlperiode — 108. Sitzung am 7. Januar 2021 neben dem Klimaschutz auch den Bau der Pipeline absi- chern soll. Zum Schluss, sehr geehrte Damen und Herren, sei mir ‘ jedoch noch eine Bemerkung zum Kommentar des Herm Reißenweber in der SVZ.vom 06.01.2021 gestattet. Fragwürdig finde ich seinen Aufruf zur Anstiftung der Mitglieder des Landtages von Mecklenburg-Vorpommern, die Stiftungsurkunde nicht zu unterschreiben. Sehr ge- ehrter Herr 'Reißenweber, an dieser Stelle darf ich auf Artikel 22 Absatz 1 unserer Landesverfassung hinweisen, ich zitiere: „Die Abgeordneten sind Vertreter des ganzen ‘Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen.“ Zitatende. Ich jeden- falls lasse mich, von niemandem anstiften. — Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! ; (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und CDU) Präsidentin Birgit Hesse: Vielen Dank, Herr Eifler! Das Wort hat jetzt für die Fraktion DIE LINKE Frau „Dr. Schwenke. Dr. Mignon Schwenke, DIE LINKE: Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Kolleginnen und Kolle- gen! Der Landtag widmet sich heute zwei entscheiden- den Zukunftsthemen: der Frage, wie die Herausforderun- gen der Corona-Pandemie gestemmt werden können, und der Frage, wie Mecklenburg-Vorpommern den Kli- maschutz weiter voranbringen kann. Beide Themen wer- den die Politik des Landes noch sehr viele Jahre beglei- ten. Dabei ist der Schutz des Klimas nicht nur eine akute Aufgabe für die nächsten fünf bis zehn Jahre, nein, es ist, wie im vorliegenden Antrag passend formuliert, eine Jahrhundertaufgabe. Und es gibt noch eine weitere Gemeinsamkeit mit dem ‘heute Vormittag diskutierten Thema, nämlich die Akzep- tanz. Die Coröna-Maßnahmen müssen von der Bevölke- rung verstanden, akzeptiert und’ umgesetzt werden, da- mit sie auch Erfolg haben. Genauso ist das beim Klima- schutz. Nur wenn jeder Einzelne seinen Beitrag leistet, erlernte Verhaltensmuster ändert, -Maßnahmen versteht und akzeptiert, nur dann wird letztlich auch der Klima- schutz Erfolg haben. Und dazu braucht es klar definierte und nachvollziehbare Ziele und konkrete, abrechenbare Maßnahmen. Diese hat aus meiner Sicht das Land noch nicht. Und das ist ein Problem, das ich seit Längerern kritisiere. Die Ziele fehlen und an der Kommunikation mangelt es auch. Das muss sich zwingend ändern. Und da wiederhole ich gem die Forderung meiner Fraktion, Mecklenburg-Vorpommern ° braucht ein Klimaschutzgesetz. Meine sehr geehrten Damen und Herren, mit dem heute vorliegenden Antrag sehe ich einen Schritt in die richtige Richtung (mehr Klimaschutz) und vielleicht sogar auch einen Schritt in Richtung Klimaschutzgesetz für Mecklenburg-Vorpommern. Von einer Stiftung für Klima- und Umweltschutz in Mecklenburg-Vorpommem können ‘wichtige Impulse ausgehen, nicht nur für eine bessere Kommunikation in die Öffentlichkeit. Nein, ich sehe die Möglichkeit, und das istja auch geplant, konkrete Projek- te anzuschieben, die die Menschen beim Klima- und Umweltschutz mitnehmen, denn es geht ums Mitmachen, für den Aha-Effekt u für die eigene Verhaltensände- rung. Und darum ist die Stiftung auch ein Schritt für ein Klimaschutzgesetz, weil eine Stiftung konkrete Ziele und Maßnahmen braucht, die sie flankiert-und die sie um- setzt. Meine Damen und Herren, mit der Gründung der Stiftung sollte allen deutlich werden, dass die energiepolitische Konzeption oder die Loseblattsammlung aus dem Akti- onsplan Klimaschutz mit wichtigen, aber unverbindlichen Maßnahmen nicht mehr ausreichen. Besonders zu be- grüßen ist, dass Forschung und Entwicklung für den Klimaschutz ganz oben auf der Agenda der Stiftung ste- hen sollen. Meine Damen und Herren, wie es jetzt schon deutlich wurde, die Stiftung hat darüber hinaus einen weiteren wesentlichen Zweck. Von den Gegnern wird sie als „Trick“ bezeichnet. Der Antrag zeigt, dass wir noch lange nicht so weit sind, um gänzlich auf fossile Energieträger verzichten zu können. Mit-dem Atomausstieg und auch dem Kohleausstiegsplan sind zwar Meilensteine definiert, aber der Umstieg auf 100 Prozent erneuerbare Energien ist noch ein langer und steiniger Weg. Um diesen Weg zu gehen und gleichzeitig die Energie- sicherheit zu gewährleisten, werden flexible Gaskraft- werke ein wesentlicher Baustein sein müssen. Wir woll- ten das so nicht, denn wir wollen so schnell wie möglich aus der fossilen Energiewirtschaft aussteigen, ebenso wie aus der Atomwirtschaft. Daran wird sich auch nichts ändern, aber die jahrelange Blockade des Ausbaus der erneuerbaren Energien durch die verschiedenen Bundes- regierungen der vergangenen Legislaturen zwingt fak- tisch dazu, Gas als Brückentechnologie zu nutzen. Und wie der Antrag richtig feststellt, wird auch die Etablierung von Speichen im industriellen und massenproduktions- tauglichen Maßstab noch eine Weile’ dauern, ebenso wie die Verwirklichung der Sektorenkopplung, zumal leider auch mit dem aktuellen Klimapaket und der Novelle des Emeuerbare-Energien-Gesetzes nicht wirklich zu erken- nen ist, dass in Richtung Ausbau erneuerbarer Energien, Speicherung und Sektorenkopplung tatsächlich eine Kohle zugelegt wird. Gas als Energieträger wird nicht nur für Mecklenburg-Vorpommern, nicht nur für Deutsch- land, sondern auch für die europäischen Staaten von besonderer Bedeutung auf dem Weg in eine Zukunft mit 100 Prozent emeuerbaren ERIMDMN: und mehr Klima- schutz sein. Gestatten Sie.mir an dieser Stelle eine Randbemerkung: Ich finde es schon erstaunlich, wie sich die GRÜNEN hier im Land dazu positionieren. .Mit Beschimpfungen kann ich umgehen, das bleibt offenbar leider nicht aus in der Politik. Aber die GRÜNEN sollten nicht vergessen, dass zahlreiche Mitglieder der Naturschutzverbände und auch Teile der Partei Seite an Seite mit Bürgerinitiativen gegen den Ausbau der Windenergie hier bei uns im Land de- monstrieren. Und gegen den Import von Frackirig-Gas habe ich grüne Stimmen bisher auch nicht so sehr laut gehört. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, CDU und DIE LINKE) Irgendwie passen diese Positionen nicht zusammen. Unsere Position ist klar, wir wollen so schnell wie möglich die Energiewende vollenden. Auf diesem Weg brauchen wir Gas als Brückentechnologie. In diesem Wissen hat sich ja auch der Landtag insgesamt bereits mehrmals
Landtag Mecklenburg-Vorpommern — 7. Wahlperiode - 108. Sitzung am 7. Januar 2024 37. für die Fertigstellung der Nord-Stream-2-Pipeline ausge- sprochen. Die Stiftung für Klimaschutz und Umwelt muss der Garant dafür sein, dass diese Pipeline auf den letzten Metern auch fertiggestellt wird. Dass die Fertigstellung den USA nicht passt, das spüren die beteiligten Unternehmen und auch das Land bereits ziemlich deutlich. Die Eskalationsspirale wird Stück für Stück nach oben gedreht. Es sind knaliharte wirtschaft- liche und strategische Interessen, die dahinterstehen. Europa soll das wesentlich umweltschädlichere und auch noch deutlich teurere Fracking-Gas aus den USA bezie- hen. Dass Russland nebenbei noch ein geostrategischer Rivale der USA ist, ist da nur eine Randerscheinung bei diesem Geschäft. Der Landtag hat sich bisher geschlossen gegen die Eipres- sungsversuche und Drohgebärden der US-Administration gezeigt. Das war ein starkes Signal. Wer aber in den letzten Wochen auch nur ein Fünkchen Hoffnung hatte, dass sich diese Politik, die Politik jenseits von Diplo- matie und der Missachtung von souveränen Entschei- dungen von Nationalstaaten, nicht mehr fortsetzt, der wurde eines Besseren belehrt. Inzwischen ist das Sanktionsgesetz in den USA beschlossen. Mit gleich- berechtigten Handelsbeziehungen und respektvollem Umgang hat das nichts zu tun. Nach wie vor vermisse ich deutliche Worte aus der Bundesregierung oder auch Reaktionen auf europäischer Ebene. Ich muss wirklich staunen darüber, was sich die Bundesregie- rung und auch die europäischen Staaten insgesamt alles so bieten lassen. Meine Damen und Herren, für meine Fraktion steht fest, Europa, Deutschland und als Letztes auch Mecklenburg- Vorpommern dürfen sich nicht zum Spielball der wirt- schaftspolitischen Interessen der USA machen lassen. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) Nach den starken Signalen, die auch wir mit den Be- schlüssen aus dem Landtag heraus gesendet haben, folgen mit der Stiftung nun auch Taten, die verdeutlichen, dass Mecklenburg-Vorpommern souverän eigene Ent- scheidungen treffen kann und wird. Und wenn das als „Trick“ bezeichnet wird, so kann ich damit leben. Ich finde es eher bedauerlich, dass wir zu solchen Mitteln über- haupt greifen müssen. x (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) Wir sind keine Kolonie der USA, die auf Weisungen war- tet, ganz im Gegenteil, Mecklenburg-Vorpommern hat sich für den Bau’von Nord Stream 2 ausgesprochen und Mecklenburg-Vorpommern wird heute einen entschei- denden Schritt machen, damit das auch ermöglicht wird. Und der Landtag wird außerdem an die Menschen in Sassnitz, an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Ha- fen und die Unternehmen, die am Bau der Pipeline in irgendeiner Weise beteiligt sind, das Signal senden, wir stehen an eurer Seite und werden euch auch zukünftig unterstützen. — Wir stimmen dem Antrag zu. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) Präsidentin Birgit Hesse: Vielen Dank, Frau Dr. Schwen- kei. Das Wort hat jetzt der fraktionslose Abgeordnete Herr Arppe. (Der Abgeordnete Holger Arppe verzichtet.) Ich sehe, Herr Arppe hat seinen Wortbeitrag zurückge- zogen. Dann hat jetzt das Wort für die Fraktion der AfD Herr Förster. Horst Förster, . AfD: Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Abgeordnete! Liebe Landsleute! Um eins klarzu- stellen, das hat ja schon mein Kollege Obereiner ge- macht, Nord Stream ist für uns keine Frage, da stehen wir 100-prozentig dahinter. (Karsten Kolbe, DIE LINKE: Na, dann stimmen Sie zu!) Eine Stiftung für Klimaschutz lehnen wir im Prinzip ab, aus den Gründen, weil wir eine verfehlte Klimapolitik nicht unterstützen wollen. Für verfehlt halten wir sie deshalb, nicht, weil wir gegen Klimaschutz sind, son- dern weil Klimaschutz, um das in wenigen Worten zu sagen, auf den Punkt zu bringen, ein globales Problem ist. Wir sind mit zwei Prozent weltweit am |CO2-Ausstoß beteiligt und agieren so, als ob wir mit unseren Maß- nahmen die Welt retten könnten. Es ist schwierig, und das schafft ja kein anderes Land, zugleich aus der Kernenergie und zugleich aus der Kohle auszusteigen und dann zu glauben, man könnte wirtschaftlich ver- nünftig letztlich nur noch mit emeuerbaren Energien leben. Wir haben die höchsten Strompreise und; und, und, das kennen Sie alles. Also ganz klar die Position ; meiner Fraktion: Eine Stiftung für Klimaschutz lehnen wirab. : Trotzdem sind wir natürlich in der Zwickmühle, weil uns vorgetragen wird — und das alles sehr knapp und sehr kurz und wir konnten, trotz der erfreulichen Erörte- ' rungen und Hinweise von Minister Pegel sind wir natür- lich im Grunde schwach informiert von gestern.Abend bis heute —, sind wir in der Zwickmühle, weil uns erzählt wird, dass diese Stiftung notwendig sei, um Nord Stream zu retten. Und da wundere ich mich schon, wie von gestern Abend bis heute dann wundersam plötzlich diese Dinge erklärt werden. Also ich habe irgendwo mal gelesen oder ich sage es auch so, Politiker und Juristen, glaube ich, können alles erklären, jedenfalls tun sie, .als ob sie alles erklären können. Es ist einfach nicht glaubwürdig, dass diese Stiftung, ... . ‘(Heiterkeit und Unruhe vonseiten der Fraktionen der SPD und CDU) - Jaja! ... dass diese Stiftung, ... Ich will ja gerade sagen, ich mache das nicht so ganz mit. „.. dass diese Stiftung nun wirklich klimaschutzmotiviert ist. Also der ganze, wenn man das aüf den Tisch stellt — stellen wir uns das mal wie ein gerichtliches Verfahren vor, man'kann es ja übertragen auf einen Zivilprozess -, Sie,kriegen so was auf den Tisch, die Motivation ist son- nenklar, die Unterlagen sind klar, .das Ganze wird ge- gründet, um doch noch Nord Stream irgendwie hinzu- kriegen.
38 Landtag:Mecklenburg-Vorpommern - 7. Wahlperiode — 108. Sitzung am 7. Januar 2021 (Karsten Kolbe, DIE LINKE: Und trotzdem stimmen Sie nicht zul) So, und wenn das so ist und es wirklich notwendig wäre — und deshalb sind wir in der Zwickmühle, da ste- hen wir ja dahinter, das hat mein Kollege Obereiner ja gesagt —, aber mich überzeugt das nicht. ‚Die Amerika- ner, das brauche ich ja auch nicht zu vertiefen, setzen - knallhart ihre Interessen durch. Und da die auch, wer sagte das heute, die „Bild-Zeitung“ lesen und das alles mitkriegen hier, werden sie keine Schwierigkeiten haben, das.als, ich sage es mal so überspitzt, als eine Mogel- Packung zu entlarven, und sie werden auch rückwirkend, dann haben sie mit der Rückwirkung auch kein Problem, werden sie ihre Sanktionen da auch drauf erstrecken. Dessen bin ich mir sicher. Wenn dieses Land es wirklich will, dann wäre hier ein Punkt, wo man genau das Verhältnis zu Amerika an der Stelle — und da ist jetzt der Präsidentenwechsel, ‚stehen “die Chancen ja nicht so schlecht — auf den Prüfstand stellen müsste, jedenfalls diesen Punkt klären müsste, Dann müsste man den vollen-Rückhalt der Bundesregie- rung haben. Und wenn dem so wäre — das scheint näm- lich nicht zu sein —, wenn der so wäre, dann würde nicht die Verantwortung für Nord Stream jetzt allein dem Land M-V aufgedrückt. Dann müsste die Bundeskanzlerin sich gerademachen mit Rückgrat und müsste den Amerika- : nern verklickern, dass, wenn die Beziehungen sich nun ändern sollen, dass sie mit diesen Sanktionen aufhören müssen, denn sie sind ja rechtswidrig, da sind wir uns ja alle einig. ı (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) Und da die Amerikaner knallhart, noch mal, ihre Interes- sen durchsetzen, wird diese Stiftung — das ist meine Prophezeiung — überhaupt nichts fruchten am Ende. Und bisher haben wir keine Erklärung bekommen, dass diese Stiftung wirklich der einzige Weg ist. Der Staat hat viele Möglichkeiten. Er kauft ja auch Impfstoff ein, er schafft die Subventionen. Also natürlich hätte auch — auch von staatlicher Seite und sei es über eine irgendwie kreierte Firma —, hätte man bewirken können, dass die Materia- lien, um die geht es ja, es sollen ja die Sachen herkom- men und im Grunde gelagert werden, die dann für den weiteren Bau notwendig sind, das alles hätte auch von staatlicher Seite direkt erfolgen, können. Und dass es nicht geschieht, ist für mich ein deutliches Signal, dass Berlin — und da gibt es ja.genug Gegner, Röttgen ganz obenan -, dass Berlin nicht dahintersteht. Und das ist das eigentliche Problem. Und wenn Sie das glauben mit der Stiftung lösen zu müssen, dann wünschen wir Ihnen Glück, aber da es auch, ich habe diese Zwickmühle be- ' schrieben, da das so ist, können wir unseren Beitrag nur in der Weise leisten, dass wir uns der Stimme enthalten, denn überzeugend ist: das Projekt nicht, — Vielen Dankl. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) Präsidentin Birgit Hesse: Vielen Dank, Herr. Abgeord- neter! Das Wort hat jetzt für die Fraktion der SPD Herr Schulte. Jochen Schulte, SPD: Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Lassen Sie mich mit zwei Dingen zu Beginn meiner Rede anfangen, zwei grundsätzlichen Aussagen, und ich hoffe, dass das in der Folge des Redebeitrages dann auch deutlich wird, was der Hintergrund dafür ist. Erstens. Meine Fraktion begrüßt ausdrücklich die Einrich- tung einer Klima- und Umweltschutzstiftung durch das Land. Daran gibt es überhaupt kein Vertun. | (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und CDU) ‚Und zweitens, zweitens, sehr geehrte, Kolleginnen und Kollegen, wenn ich die Debatte heute hier verfolgt habe — mit Ausnahme des Redebeitrages der Ministerpräsiden- tin, die ja das eingebracht und vorgestellt hat —,.dann bin ich mir nicht sicher gewesen, ob jeder der hier Anwe- senden tatsächlich auch die Vorlage für die heutige Landtagssitzung wirklich gelesen hat, weil ich habe hier manchmal den Eindruck gehabt, es handelt sich’hier um den Versuch, eine, ich nenne das mal, Fertigstellungsstif- tung für Nord Stream 2 zu machen. . Und, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, ich werde mich mal bemühen, " (Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) Ihnen und vielleicht auch der Öffentlichkeit in dem "Zusammenhang deutlich zu machen, dass dem so nicht ist, sondern dass wir, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, heute hier über die Errichtung einer Klima- und Umweltschutzstiftung mit einem Grundkapital von 200.000 Euro debattieren, die unter anderem auch zur Förderung ihrer umweltpolitischen Stiftungszwecke einen wirtschaftlichen Betrieb einrichten kann. Und eine der Möglichkeiten dieses wirtschaftlichen Betriebes ist es -» unter anderem auch, im Bereich der Fertigstellung der Nord-Stream-2-Pipeline unterstützend mit tätig zu wer- den, und zwar — und dafür bin ich der Ministerpräsidentin . ausdrücklich dankbar, dass sie das deutlich gemacht hat — dann auch am Ende.des Tages nur zeitlich be- grenzt, weil ich in der Vergangenheit, in den letzten, sagen wir mal, Tagen, ja immer schon wieder gelesen habe, dass es nachher möglicherweise auch darum ge- hen sollte, dass diese Stiftung möglicherweise NS2 - also Nord Stream 2, die Pipeline — betreibt, und das ist natürlich absoluter Unfug. Und, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, lassen Sie mich vielleicht so beginnen: Meine Fraktion, meine Frak- tion, meine Partei hat sich bereits seit Längerem aus- drücklich dafür eingesetzt, dass wir einen ökonomisch und sozialverträglich gestalteten Umbau unserer Gesell- schaft und unserer Wirtschaft hin zu mehr Nutzung er- neuerbarer Energien brauchen und vollziehen müssen. Und, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, ich sage das an dieser Stelle auch noch mal ganz deutlich, die “ Zukunft nicht nur unseres Landes, aber auch die von Mecklenburg-Vorpommern wird in einer stärker nachhal- tig ausgerichteten und ökologisch ausgerichteten Wirt- schaftspolitik sein. Und dazu gehört natürlich auch die Verwendung erneuerbarer Energien, und das ist das Ziel - meiner Fraktion und auch dieser Landesregierung. (Beifall vonseiten der Fraktion der SPD) Und, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, wir sind uns ‘doch aber hoffentlich auch über einen Punkt einig an dieser Stelle - und zumindest habe ich auch die Frau Kollegin Schwenke so verstanden, aber ich glaube, Herr
- Landtag Mecklenburg-Vorpommern - 7. Wahlperiode — 108. Sitzung am 7. Januar:2021 39 Kollege Eifler hat es auch gesagt -, wir werden das nicht übers Knie brechen können. Wir.werden nicht heute sagen können, wir haben diesen Fehler ja schon einmal mit einem Atomausstieg gemacht, dass wir gesagt ha- ben, oh, wir steigen morgen aus der Atomenergie aus — was ich vom Grundsatz her für richtig halte —, aber ohne sich darüber Gedanken zu machen, wie ich denn eigent- lich mit. den Folgen umgehe: Wo kriege ich die Energie für die Haushalte, für die Wirtschaft in diesem Land her, die ich dann tatsächlich brauche, wenn sie dort nicht mehr herkommt? z Und in der gleichen Situation sind wir momentan wieder. Wir haben einen Kohleausstieg beschlossen, wir wollen die Stärkung der erneuerbaren Energien, aber wir wissen ganz genau, dass wir das nicht machen können von heute auf morgen, und dafür — und da bin ich der sehr geehrten Kollegin Schwenke auch außerordentlich dank- bar, dass sie das an dieser Stelle noch mal gesagt hat — brauchen wir Energieträger, die für einen entsprechen- den Übergangszeitraum durch uns genutzt werden können. Da rede ich übrigens nicht für Mecklenburg- Vorpommem, das ist ein gesamtdeutsches, ein gesamt- europäisches Problem, vor dem wir stehen. Und, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, das ist einer der Gründe — und das ist ja, glaube ich, Konsens in diesem Haus —, weswegen sich dieses Haus dann tat- sächlich auch gemeinsam mit der Landesregierung im- ‚mer dafür ausgesprochen hat, dass wir die Fertigstellung : der Nord-Stream-2-Pipeline-befürworten. Und daran hat sich, das sage ich an dieser Stelle,auch noch mal ganz deutlich, daran hat sich auch bis heute nichts geändert, und wir begrüßen sämtliche Versuche, diese Pipeline auch weiter fertigzustellen, weil wir sie für die Energie- versorgung mittelfristig in diesem Land — und damit meine ich jetzt nicht allein Mecklenburg-Vorpommern, sondern Deutschland — tatsächlich auch brauchen. Aber lassen Sie mich an einer Stelle noch mal zu- nächst auf die Stiftung zurückkommen. Wofür ich dieser Landesregierung außerordentlich dankbar bin — und ich sage das jetzt nicht nur deswegen, weil es auch auf Initi- ative der SPD-Landtagsfraktion da reingekommen ist in den Stiftungszweck, 'sondem weil ich das wirklich für wichtig halte, und ich hoffe, dass das auch über meine eigene Fraktion entsprechend Unterstützung, auch inhalt- liche Unterstützung findet, nicht nur im Abstimmungs- verhalten —, ist, dass mit dieser Stiftung, das ist der quali- tative Unterschied zu den bereits von’der Ministerpräsiden- tin genannten bestehenden Stiftungen, die dort errichtet worden sind, dass sich diese Stiftung halt nicht alleine auf den Bereich Mecklenburg-Vorpommerns beziehungs- weise der Küstengewässer Mecklenburg-Vorpommems bezieht, sondem dass hier explizit aufgenommen worden ist, dass sie auch sich im gesamten Bereich der Ostsee- region, der Ostseeanrainerstaaten engagieren kann. Und, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, wir hier in diesem Haus, wir hier in diesem Haus haben in der Ver- gangenheit uns immer wieder dafür eingesetzt, dass wir die politische und gesellschaftliche Zusammenarbeit in der Ostseeregion selber nicht nur befürworten, sondern auch unterstützen wollen mit Maßnahmen, die wir ma- chen können. Wir sind eines — und das muss man ange- sichts der Größe dieses Parlamentes und dieses Landes auch mal sagen —, das sehr, sehr viele Ressourcen ein- setzt in dem Bereich; wie es sich in der Ostseeparlamen- tarierkonferenz einsetzt, wie es sich auch mit den Gremi- en wie HELCOM dann beschäftigt, wie es sich im Parla- mentsforum Südliche Ostsee einsetzt und den anderen. Und, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, ich sage das an dieser Stelle auch noch mal, damit fällt für mich — für meine Fraktion auch — das von diesem Landtag be- grüßte, unterstützte und hoffentlich dann ja vielleicht in diesem Jahr auch noch in Kraft tretende Zusammenar- beitsabkommen mit der Duma der Oblast Leningrad zusammen. (Beifall vonseiten der Fraktion der SPD) Das ist Zusammenarbeit, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, die letztendlich allen nützt. Sie nützt den Klimaschutz- und umweltpolitischen Zielen im gesamten Ostseeraum, - (Beifall Dr. Mignon Schwenke, DIE LINKE) weil die Ostsee macht keinen Unterschied davor, ob sie an die hiesigen Küsten plätschert mit ihrem Wasser oder ob sie das möglicherweise in Polen oder in Schweden oder in Russland macht, und es nützt letztendlich, auch wenn das vielleicht an dieser Stelle etwas hochtrabend klingen mag, es nützt auch der Verständigung zwischen den Staaten und ihren Völkern hier im gesamten Ostsee- raum. Und es ist auch mit ein Teil, der letztendlich auch dazu dient, dass wir hier gemeinsam in Frieden leben, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen. Und deswegen ist es wichtig, deswegen ist es wichtig, dass diese Stif- tung, diese neu gegründete Stiftung oder neu zu grün- dende Stiftung diese Überlegung hier mit aufnimmt und tatsächlich auch in den kommenden Jahren durch ihre Arbeit vertieft. , (Beifall vonseiten der Fraktion der SPD und Dr. Mignon Schwenke, DIE LINKE) Aber, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, ich will jetzt nicht so tun, ich will jetzt nicht so tun, als ob Nord Stream 2 da nichts mit zu tun hätte. Natürlich geht es am Ende des Tages auch — nicht, was den Stiftungszweck angeht, nicht, was die mittelfristige oder gar langfristige Arbeit dieser Stiftung angeht, aber was die momentane Situation, in der wir uns bewegen, nicht nur wir allein hier in Mecklenburg-Vorpommern, sondern wir insgesamt in Europa -—, geht es auch um die Frage, wie gehe ich mit Nord Stream 2 um. Und dann sage ich das an einer Stel- le erst mal zunächst, ich finde es gut, ich finde es gut, wenn ein Unternehmen wie die Nord Stream 2 AG, das in der Schweiz sitzt, in Zug - um da Steuern zu sparen, vermute ich mal —, dass dieses Unternehmen sagt, wir sind bereit, uns mittelfristig mit 60 Millionen Euro an die- ser Stiftung zu beteiligen, nicht, weil wir daraus Rendite erwarten, sondern weil wir auch eine gesellschaftspoliti- sche Verantwortung sehen, auch vor dem Hintergrund, was wir möglicherweise, na ja, nicht ganz-so klimapoli- tisch positiv mit unserem Erdgas an der einen oder ande- ren Stelle machen. Das ist gesellschaftspolitische' Ver- antwortung, wie man sie auch von Unternehmen erwar- ten kann und am Ende des Tages erwarten muss. Und, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, natürlich sind 60 Millionen Euro angesichts eines Gesamtinvestiti- onsvolumens’von rund 10 Milliarden Euro inzwischen für die Nord-Stream-2-Pipeline nicht unbedingt ein weltbe- wegender Betrag — es ist weniger als ein Prozent —, aber jetzt wollen wir doch mal ganz ehrlich sein: Wir können doch nur in die Hände klatschen, wenn sich ein Unter-
40 -__ Landtag. Mecklenburg-Vorpommern - 7. Wahlperiode - 108. Sitzung am 7. Januar 2021 SZ — 2 1anklag Mecklenburg-Vorpommem - 7. Wahlperiode - 108. Sitzung am 7. Januar 2021 nehmen bereit erklärt zu sagen, wir geben jetzt einmal 20 Millionen im Zusammenhang mit der Gründung der Stiftung und sind auch bereit, in der Folgezeit noch mal 40 Millionen weitere Euro in diese Stiftung reinzugeben, um Ziele zu verfolgen, die nicht originär mit dem Unter- nehmensgegenstand zu'tun haben. Und, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, das sollte.man dann auch mal anerkennen! Und, meine Damen und Herren, natürlich tut das die Nord Stream 2 AG auch — auch! —, weil sie tatsächlich ein Interesse an der Fertigstellung der Pipeline hat. Nur, wollen wir doch mal ganz ehrlich sein, völlig egal, ob Nord Stream 2 — und ich .rede jetzt von dem Unterneh- men, nicht von der Pipeline —, ob sie dieses Geld als Zustiftung geben würden oder nicht, wir haben hier im . Land eine klare politische Position, die immer geheißen hat, wir unterstützen dieses Unternehmen bei der ‚Fertig- stellung der Pipeline. Die hätten sich genauso gut hinstel- len können und sagen können, wir behalten unser Geld. Wir hätten trotzdem gesagt, dass wir diese Pipeline wei- terhin unterstützen, auch gegenüber Berlin und auch an den anderen Stellen, wo wir das machen können. Das muss man än dieser Stelle auch mal deutlich sagen. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) Aber, aber, meine Damen und Herren, auch das will ich an dieser Stelle deutlich sagen, auch wir haben ein ge- wieftes Interesse, ein wichtiges Interesse an der Fertig- stellung dieser Pipeline. Und das ist nicht nur der Grund, dass wir letztendlich es auch nicht verantworten können, "dass auch mit der Beteiligung von westeuropäischen Unternehmen, die immerhin rund 5 Milliarden Euro inzwi- schen in die Fertigstellung dieser Pipeline investiert ha- ben, dass wir es tatsächlich nicht verantworten können, einfach zuzugucken, wie ein solches Investment zu einer Investruine wird und dann tatsächlich in der Ostsee liegen bleibt, ohne dass das damit so gemacht werden kann. Das ist eine Verantwortung, eine wirtschaftspoliti- sche Verantwortung, die wir gegenüber jedem Untemeh- men haben, das sich hier in diesem Land engagiert hat, ' egal, ob es groß oder klein ist Wir müssen das tun, was wir politisch und rechtlich veraritworten können, um diese Unternehmen zu unterstützen, dass ihr Investment am Ende des Tages zu einem Erfolg kommt, völlig egal, ob es eine Nord Stream 2 AG ist oder ein kleiner Handwerks-- betrieb, der in diesem Land tatsächlich sich engagiert. 5 N In (Beifall vonseiten der-Fraktion der SPD) Und, meine Damen und Herren, ich will das noch einmal kurz aufgreifen, ich will das nicht vertiefen, weil sowohl die Ministerpräsidentin als auch der Kollege Eifler und auch die Kollegin. Schwenke haben das schon deutlich gemacht, aus meiner Sicht, aus Sicht meiner Fraktion gibt es im Endeffekt vier Gründe, die tatsächlich dafür sprechen, dass wir uns als Politik — damit rede ich jetzt - nicht von der Stiftung, ich rede von uns hier, die wir heute hier auch darüber abstimmen —, dass wir uns als Politik „für die Fertigstellung dieser Pipeline engagieren. Der erste Punkt ist die energetische Versorgungssicher- heit. Das ist in den nächsten Jahren substanziell für Deutschland, für Europa, dass wir tatsächlich auch weiter Erdgas bekommen. Wir haben ungefähr einen Bedarf, wenn ich das jetzt mal über den Daumen peilen kann, von, wenn ich die Zahl richtig im Kopf habe, 400 Milliar- den Kubikmeter Erdgas in Europa pro Jahr. Davon kom- men rund 200 Milliarden Kubikmeter alleine aus Russ- land, völlig egal, ob jetzt Nord Stream 2 fertiggestellt wird oder nicht. Wir werden auch in den nächsten Jahren - Erdgas brauchen für die Versorgungssicherheit, weil wir wissen alle, dass nicht nur wir hier in Deutschland zum Beispiel aus der Kohle aussteigen wollen, auch andere Länder tun das. Italien tut das, Österreich tut das, Nieder- lande tut das, und wir könnten diese Liste wahrscheinlich . noch weiter ausdehnen. Alle diese Länder brauchen . Erdgas, und das kommt zu einem Großteil heute schon aus Russland, und — da werden wir nicht dran vorbei diskutieren können — das wird es-auch in Zukunft tun. (Beifall vonseiten der Fraktion der SPD) Und, sehr geehrte, sehr geehrte Kolleginnen und Kolle- gen, ein Satz nur, weil es ist hier auch schon gesagt worden, der zweite Punkt ist die Sicherung von Arbeits- plätzen. Und ich hoffe, dass Sie mir das abnehmen, weil ich an dieser Stelle mich häufig genug auch für andere Unternehmen in diesem Land eingesetzt habe, dass wir möglichst viel tun, damit diese Arbeitsplätze gesichert werden, auch wenn ich nicht immer damit Begeiste- fungsstürme in der einen oder anderen Region dieses Landes damit erreiche. Aber genauso, wie ich mich hier und wie sich meine Fraktion und’ wie diese Landesregie- rung sich zum Beispiel für die Sicherung der Arbeitsplät- ze der MV WERFTEN einsetzt, was ich auch für richtig halte und wichtig halte, genauso setzen wir uns natürlich auch für die Sicherung der Arbeitsplätze zum Beispiel in Mukran ein, weil auch das ist etwas, was für das Land wichtig ist. Auch diese Menschen müssen darauf ver- ' trauen können, dass wir sie nicht einfach im Regen ste- - hen lassen, nur weil es mal etwas schwieriger wird und weil es Winter ist und kälter und es draußen stürmt. Das kann so nicht sein, sehr geehrte Kolleginnen und Kolle- gen! (Beifall vonseiten der Fraktion der SPD) Und der dritte Punkt, der dritte Punkt, ich habe es eben schon mal gesagt, ist die grundsätzliche Bereitschaft, sich für die Unternehmer/-innen und Unternehmen in diesem Land tatsächlich zu engagieren. Die haben ein Recht darauf. Das.ist kein ‘Geschenk. Das ist ein Recht, das die Unternehmen — die in diesem Land — haben, darauf vertrauen zu können, dass sich die Politik tatsäch- lich für sie engagiert und für sie einsetzt. Und der vierte Punkt, der mag für den eirien oder ande- ren nicht wichtig sein, aber er ist für mich und er ist für meine Fraktion wichtig: Wir wollen auch weiterhin, dass . das über Jahre entstandene positive Verhältnis zwischen unserem Land und Russland auch weiterhin dadurch unterstützt wird. Und ich persönlich halte es für wichtig, weil nur, wenn man miteinander redet, wenn man mit- einander arbeitet, wenn man auch miteinander Ge- schäfte macht, dann schießt man nicht aufeinander. Und ich möchte nicht in die Situation kommen, in der wir im Kalten Krieg waren, wo die Truppen sich gegenüberge- standen haben und gegenseitig dann auch die Gefahr bestand, dass man übereinander im wahrsten Sinne des Wortes herfällt. ! (Beifall vonseiten der Fraktion der SPD) Und, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, ich will jetzt nicht noch mal darauf eingehen, welche Bedeutung Erd-
Landtag Mecklenburg-Vorpommern - 7. Wahlperiode - 108. Sitzung am 7. Januar 2021 41 gas und auch letztendlich diese Pipeline für die Versor- gungssicherheit hat, aber ich will etwas deutlich machen. Ich habe zu Beginn meiner Rede gesagt, das ist keine Fertigstellungsstiftung. Und ich sage das an dieser Stelle auch noch mal ganz deutlich, man sollte keine zu hohen Erwartungen daran setzen, was mit dieser Stiftung — und jetzt rede ich nur über den immer wieder in der Diskussi- on nach vome gebrachten, was aus meiner Sicht gar nicht das Entscheidende ist, nach vorne gebrachten wirtschaftlichen Zweck, nämlich die Hilfestellung bei einer Fertigstellung von Nord Stream 2 —, ich will das an einem einzigen Beispiel deutlich machen, was diese Stiftung eben nicht leisten kann: ° Diese Pipeline wird nur dann fertiggestellt werden — weil der größte Teil der noch zu verlegenden Rohre ist in dänischen Hoheitsgewässern —, wenn sich ein Zerti- fizierer findet, der die Verlegearbeiten in den dänischen Hoheitsgewässern zertifiziert. Und der muss nicht das Unternehmen oder die Stiftung oder Nord Stream 2 AG zertifizieren, er muss die Tätigkeit, nämlich das Verlegen der Pipeline, zertifizieren. Und der größte intemational tätige Zertifizierer - das ist DNV GL, dem einen oder anderen vielleicht noch als Germanischer Lloyd be- kannt —, der ist ausgestiegen. Und,ein wirklich immenses Problem, das Nord Stream 2 AG momentan hat, ist, im internationalen Markt einen Zertifizierer zu finden. Und wenn sie das nicht tun, dann wird diese Pipeline nicht gebaut. Und diesen Zertifizierer finden — da ist es völlig egal, ob Sie eine Stiftung bauen oder haben oder ob Sie eine Nord Stream 2 AG haben, die das macht, oder ob Sie noch ein drittes Unternehmen suchen, das das macht -, die Pipeline wird zertifiziert und das Zertifizieren der . Pipeline ist sanktionsbewehrt. Deswegen also soll man mal deutlich machen, wir können Hilfestellung leisten, und das sollten wir auch tun, aber wir können nicht die Probleme von Nord Stream 2 und der Nord Stream 2 AG lösen. Und, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, warum machen wir das denn überhaupt? Warum machen wir das zu diesem Zeitpunkt? Die Frage ist ja auch aufge- bracht worden. Dann will ich das an dieser Stelle auch ganz kurz noch anreißen — damit komme ich dann auch zum Ende meiner Rede -: Wir sind bei allen Schwie- rigkeiten, die wir mit unseren US-amerikanischen Part- nem haben, in einer Situation, die auch eine Chance bietet, und diese Stiftung ist eine Möglichkeit, vielleicht den Beteiligten, die diese Chance nutzen wollen, auch ein bisschen Zeit zu verschaffen. Und das ist in mei- nen Augen der wesentliche Gedanke, wenn wir über- haupt über die Frage „Fertigstellung NS2“ reden. Wir haben mit dem neuen zukünftigen US-Präsidenten jemanden, der natürlich auch gesagt hat in der Ver- gangenheit, er ist nicht begeistert von Nord Stream 2, aber er ist, er ist auch jemand, der erklärt hat - und das. jetzt auch.gerade kürzlich wieder erklärt hat -, dass er an einer Verbesserung der transatlantischen Beziehun- gen Interesse hat. Und das betrifft nicht nur Deutsch- land und Europa, das betrifft auch das Verhältnis zu Russland. Und, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, diesen Zeitrahmen sollte man dann auch den Partnern in den USA geben, um möglicherweise gemeinsam mit ihren russischen Vertragspartnern und russischen Ge- sprächspartnern, mit ihren europäischen Gesprächs- partnern dann tatsächlich neue Lösungen zu finden. Und wenn die Stiftung nur dafür gut sein sollte, was NS2 angeht, dann hat sie schon ihren Sinn erfüllt und dann ist sie auch gut, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen. (Beifall vonseiten der Fraktion der SPD) Präsidentin Birgit Hesse: Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktion der SPD) Vielen Dank, Herr Schulte! Weitere Wortmeldungen liegen mir nicht vor. Wir kommen zur Abstimmung über den Antrag der Landesregierung auf Drucksache 7/5696. Wer dem zu- zustimmen wünscht, den bitte ich jetzt um ein Handzei- chen. — Die Gegenprobe. — Stimmenthaltungen? - Danke‘ schön! Damit ist der Antrag der Landesregierung auf Drucksache 7/5696 bei Zustimmung durch die Fraktionen der SPD, CDU und LINKE sowie der fraktionslosen Ab- geordneten und Enthaltung aus Teilen der Fraktion der AfD sowie dem fraktionslosen Abgeordneten angenom- men. Zwei Mitglieder des Landtages haben an der Abstim- mung nicht teilgenommen und vorher erklärt, dass sie gemäß Paragraf 96 unserer Geschäftsordnung hierzu eine Erklärung abgeben möchten. Das sind zum einen Herr Professor Weber und Herr de Jesus Femandes. Bitte schön! Dr. Ralph Weber, AfD: Liebe Landsleute! Wertes Präsi- dium! Ich habe an der Abstimmung nicht teilgenommen und möchte kurz erläutern, warum. Wie der Fraktionsvorsitzende der SPD in seinen Ausfüh- rungen mehrfach deutlich gemacht hat, handelt es sich bei dieser Stiftung nicht um eine Fertigstellungsstiftung für die Nord-Stream-Pipeline. Da, wenn es nur darum gegangen wäre, hätte ich ohne Wenn und Aber zuge- stimmt. Ich bin felsenfest der Meinung, diese Pipeline muss fertiggestellt werden und wir dürfen und sollen uns dem .Druck, Sanktions- und anderem Druck, aus den USA nicht-beugen. Dazu hätte es aber andere Möglichkeiten gegeben als diese Stiftung, insbesondere ein landeseigenes Unter- nehmen. Ich gehe mal davon aus, dass der Landesre- gierung, die sich deutlich für Nord Stream 2 ausge- sprochen hat, nicht der Mut gefehlt hat, das so zu machen, sondern die Unterstützung im Bund. Und das finde ich schade. Und wir brauchen dann keine Stif- tung, die über Jahrzehnte dann mit Stiftungsziel „Kli- maschutz“ irgendwelche Umgestaltungsmaßnahmen im Sinne der erneuerbaren Energien und Energiewen- de fördert, (Thomas Krüger, SPD: Kommen Sie zur Sachel) um Nord Stream 2 zu vollenden. (Thomas Krüger, SPD: Was ist Ihre Erklärung?) Deswegen habe ich nicht an der Abstimmung teilge- nommen.
42 Landtag Mecklenburg-Vorpommern - 7. Wahlperiode — 108. Sitzung am 7. Januar 2021 Präsidentin Birgit Hesse: Das Wort hat jetzt für die entsprechende Erklärung zur Abstimmung Herr de Jesus Femandes. Jetzt haben wir keinen mehr, der das Mikro- fon saubermacht. Vielleicht nehmen Sie einfach das andere. Bitte schön! Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Sehr geehrtes Prä- sidium! Werte Abgeordnete! Ich unterstütze Nord Stream 2 uneingeschränkt und stehe hinter diesem Projekt, aber nicht so, wie es heute hier gemacht wird, und deswegen will ich erklären, warum ich an der Abstimmung nicht teilgenommen habe, und zwar habe ich Bedenken. . Wir konnten uns ja quasi alle erst seit gestern damit befassen, und wenn ich mir das Konstrukt angucke und wie das besetzt ist und durch wen, dann haben wir Herrn Sellering dort von der .SPD oben als Stiftungsvorsitzen- .den und dann haben wir auf der anderen Seite Beteiligte wie Herrn Schröder bei Gazprom et cetera. Und wir wis- sen alle, wie hier umgegangen wird mit öffentlichen Stif- tungen oder anderen Vereinen. Nehmen wir als Beispiel die AWO (Heiterkeit bei Thomas Krüger, SPD) oder nehmen wir solche Geschichten wie Demokratie- bahnhof oder Sonstiges. Und wir wissen ganz genau, dass sie immer missbräuchlich benutzt werden, um Wahlkampf zu machen. Präsidentin Birgit Hesse: Herr, ... Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Und gerade ... Präsidentin Birgit Hesse: ... Herr de Jesus Femandes, ... Thomas de Jesus Fernandes, AfD: . weltstiftung ... „ bei dieser Um- Präsidentin Birgit Hesse: ... ich möchte Sie kurz da- rauf hinweisen, dass Sie bitte eine Erklärung abgeben, warum Sie nicht an der Abstimmung teilgenommen ha- ben, ... Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Das mache ich! Präsidentin Birgit Hesse: ... Weber es gemacht hat. analog, wie Herr Professor Thomas:de Jesus Fernandes, AfD: Das mache ich, ... Präsidentin Birgit Hesse: Und ich bitte, ... Thomas de Jesus Fernandes, AfD: ... genauso analog. Präsidentin Birgit Hesse: ... entsprechend dann auch zum Thema zu kommen. " Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Das mache ich ganz analog genauso, und das ist das Thema. Und das ist eben genau der Knackpunkt. Wäre es tat- sächlich eine Stiftung gewesen, um Nord Stream zu retten, dann wäre das okay. Hier läuft man ganz große Gefahr, dass man versucht, hier ideologisch eine Hinter- tür zu öffnen, eine neue Institution zu schaffen, mit dem Vorwand quasi, hier nur irgendetwas retten zu wollen. Und da habe ich ein Problem.und deswegen habe ich an - der Abstimmung nicht teilgenommen. Präsidentin Birgit Hesse: Meine Damen und Herren, weitere Wortmeldungen liegen mir nicht vor. Wir waren bereits in der Abstimmung. (Der Abgeordnete Jochen Schulte tritt ans Präsidium heran.) Der Tagesordnungspunkt ist abgestimmt, Herr Schulte. (Der Abgeordnete Jochen Schulte wendet sich an das Präsidium.) Die SPD-Fraktion hat eine Sitzüngsunterbrechung für fünf Minuten beantragt. Wir fahren also fort mit der Sit- zung um 14.38 Uhr. Unterbrechung: 14. 33 Uhr Wiederbeginn: 14.43 Uhr Präsidentin Birgit Hesse: Meine sehr geehrien Damen und Herren, ich eröffne die.unterbrochene Sitzung. Es tut mir leid, dass alle jetzt etwas warten mussten, aber wir hatten eine Situation, die wir so auch noch nicht so oft . hatten. Insofern mussten wir uns einmal mit der Ge- schäftsordnung noch etwas näher befassen. Die Ministerpräsidentin hat gemäß Paragraf 85 Absatz 3 noch einmal um das Wort gebeten. Insofern ist dann auch entsprechend die Beratung wiedereröffnet. Die Ministerpräsidentin hat das Wort. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig: Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Ab- geordnete! Mir ist es sehr wichtig und der ganzen Lan- desregierung, dass wir unsere Themen im Land hier sehr breit und auch kontrovers und konstruktiv debattieren. Dazu betreiben wir alle sehr viel Aufwand. Ich glaube, dass man das zum Beispiel gerade in der Corona- Pandemie sehen kann. Man könnte auch die Verordnung direkt am Dienstag nach der MPK-Schalte in Kraft set- zen. Wir machen sehr viele gemeinsame Vorberatungen, wir machen heute eine Sondersitzung, morgen MV-Gipfel, „ das ist alles wichtig und richtig. Und genauso ging es uns mit der Stiftungsidee. Wir wa- ren von Anfang an dafür, dass wir diese Sachen transpa- rent allen vorlegen. Das haben wir heute getan. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Heutel) Energieminister Pegel hat sich heute auch in der Fraktion der AfD bemüht. Ja, wir sind unter Zeitdruck. Das hat auch Gründe. Das hat Gründe, das Sanktionsrecht der USA, das wir leider nicht in der Hand haben. Und da haben wir natürlich auch jede Zeit genutzt, denn unsere Aufgabe ist, zum Wohle des Landes zu handeln. , Und ich muss wirklich sagen, dass ich alles gut in diesen Debatten abkann. Was ich aber nicht in Ordnung finde, ist, dass die Geschäftsordnung missbraucht wird, sich einer offenen Debatte zu entziehen. Und das, sehr ge- ehrter Herr Weber und Herr de Jesus Fernandes, .. (Dr. Ralph Weber, AfD: Hallol Für Sie immer noch „Dr. Weber‘, ja?! Ich kann nichts dafür, dass Sie nicht promoviert haben!)
Landtag Mecklenburg-Vorpommemn — 7. Wahlperiode — 108. Sitzung am 7. Januar 2021 Präsidentin Birgit'Hesse: Einen, (Zuruf von Dr. Ralph Weber, AfD) einen Moment bitte! . (Zuruf von Dr. Ralph Weber, AfD) Herr Professor Weber, es reicht jetzt langsam! | (Zuruf von Dr. Ralph Weber, AfD) Herr Professor Weber, ich erteile Ihnen jetzt einen Ord- nungsruf. Es steht Ihnen nicht zu, das zu kommentieren, was.die Ministerpräsidentin hier ausführt. (Dr. Ralph Weber, AfD: Aber wie sie mich anspricht, schont) Einen Moment, Herr Professor Weber! (Dr. Ralph Weber, AfD: _ Das bewusste Weglassen ...) Auch das steht Ihnen nicht zu, das können Sie mir gerne sagen, (Dr. Ralph Weber, AfD: Das bewusste Weglassen eines Dokktortitels ist eine Beleidigung.) “aber das haben Sie nicht in dieser Debatte zu sagen. . (Dr. Ralph Weber, AfD: “" Da gibt es zig Urteile!) Frau Ministerpräsidentin, Sie haben das Wort. Und, Herr Professor Weber, ich erteile Ihnen jetzt einen’ Ordnungsruf. (Zuruf von Dr. Ralph Weber, AfD) Ministerpräsidentin Manuela Schwesig: Herr Weber, es tut mir außerordentlich leid, dass ich Ihr Ego damit verletzt habe, dass ich den Doktortitel vergessen habe. Für mich ist das nicht so entscheidend. Das war nicht böse Absicht, aber ich weiß ja, dass Sie auf Leute, die das nicht haben, hinabgucken. Das unterscheidet uns. (Dr. Ralph Weber, AfD: Tue ich nicht.) Und deswegen: Sehr geehrter Herr Dr. Weber! Wenn es Ihnen jetzt besser geht, sage ich das gerne so. ‚(Dr. Ralph Weber, AfD: Na geht doch!) Sehr geehrte beide Abgeordnete der AfD, Sie haben versucht, sich jetzt einer offenen parlamentarischen, demokratischen Debatte zu entziehen, indem Sie näm- lich gar nichts gesagt haben in dieser Debatte, keine Ihrer kritischen Anmerkungen, und uns nicht mehr die Möglichkeit geben, als Landesregierung darauf zu rea- gieren. Und das finde ich nicht in Ordnung, erst recht nicht, wenn man dann noch nicht mal den Mut hat, sich an einer Abstimmung zu beteiligen. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, CDU und DIE LINKE) 43 Das ist in meinen Augen feige (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, CDU und DIE LINKE) und das zeigt, mit welchen Mitteln Sie arbeiten. Sie ver- suchen, demokratische Mittel zu benutzen, um letztend- lich Ihre, (Marc Reinhardt, CDU: Wie lange geht denn jetzt die Debatte?) Ihre Sachen letztendlich hier durchzubekommen. Und das, sehr geehrte Damen und Herren, möchte ich Ihnen ungern durchgehen lassen. Und ich möchte vor em auf Ihre Argumente eingehen. Ich habe schon bei der Corona-Debatte darüber hinweg- gesehen, dass Herr Förster seinen Redebeitrag genutzt hat, mehrfach mit Unterstellungen und Falschbehauptun- gen zu arbeiten, zum Beispiel der Unterstellung, wir wür- den ja Rostock einfach niedrig halten, indem nicht viel getestet wird. Ja, Sie haben es ganz elegant gemacht: „Man vermutet“! (Zuruf von Horst Förster, AfD) Und ich könnte noch so viel erzählen, so viel darüber, dass Sie zum Beispiel nur daran denken, ob Sie krank werden, und nicht, dass Sie auch noch einer behandeln muss... (Horst Förster, AfD: Das ist eine Unterstellung!) Und ähnlich war es jetzt eben auch hier, (Horst Förster, AfD: Das ist eine Unterstellung!) und'jetzt deshalb zu zwei Argumenten: Herr Weber sagt, wir machen die Stiftung und’ haben nicht-als Land den Mut, die Fertigstellung der Pipeline mit einem Landesun- ternehmen zu betreiben. Ich sage Ihnen, was passiert, wenn wir so was machen würden. Dann würde, weil wir nicht amerikanisches Sanktionsrecht in der Hand haben, die Gefahr bestehen, dass nicht nur die Landesregie- rung, sondern mehr Teile des Landes Sanktioniert wer- den. Und ich glaube, so weit kann bei allem guten Willen für eine Ostseepipeline auch das Land Mecklenburg- Vorpommern nicht gehen. Deswegen hat uns nicht der Mut gefehlt, sondern: Verstand, mit unseren Aktionen dafür zu sorgen, dass es keinen Schaden für das Land gibt, das ist der Grund, Herr Weber. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) Und.Ihre persönlichen Vorwürfe gegen die drei Perso- nen, die hier Verantwortung übernehmen, die weise ich zurück, Herr Abgeordneter, insbesondere, (Dr. Ralph Weber, AfD: Ich habe niemandem was vorgeworfen.) was ... (Zuruf von Dr. Ralph Weber, AfD) Ich bin jetzt schon bei dem anderen Abgeordneten.
44 “ Landtag Mecklenburg-Vorpommern — 7. Wahlperiode — 108. Sitzung am 7. Januar 2021 (Unruhe vonseiten der Fraktion der SPD — Zurufe von Thomas Krüger, SPD, Thomas de Jesus Fernandes, AfD, und Dr. Ralph Weber, AfD) Sie haben unterstellt, dass es hier Vorteile geben kann, (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Kann!) und ich sage es Ihnen hier ganz deutlich: Solche Unter- ‚stellungen gegenüber allen drei handelnden Personen finde ich unmöglich. Ich habe alles dazu heute gesagt. Und ich sage Ihnen auch, insbesondere gegenüber dem Ministerpräsidenten a. D., man kann - dass Sie sowieso anderer Meinung sind, ist klar —, aber Erwin Sellering hat viele Jahre (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Den schätze ich tatsächlich!) alles dafür getan, (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Den schätze ich tatsächlich!) um sich für dieses Land einzusetzen. Und jetzt zu unter- stellen, dass er oder andere.hier Vorteile hätten, das ist ' unmöglich. Die gehen ein Risiko ein, weil Sanktionsrisi- ken gibt es die ganze Zeit und die Stiftung mit ihren han- delnden Personen geht vielleicht Sanktionsrisiken ein. Und damit tun diejenigen viel mehr, als Sie Ihr ganzes Leben für dieses Land tun werden. (lang anhaltender Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und CDU — Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Ohal) Und jetzt sage ich mal ganz deutlich, und jetzt sage ich Ihnen mal eins ganz deutlich: Diese Dinge, die Sie ande- ren unterstellen, Vorteilsnahme und andere schmutzige Sachen, können ja nur daher kommen, dass Sie vielleicht so handeln würden — wir nicht, Herr Abgeordneter! Und ich will Ihnen sagen, (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und CDU — Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Lesen Sie denn keine Zeitung?) , und so, wie Sie hier auftreten, dass Sie Ihre Beden- ken, Ihre Fragen, Ihre andere Position - die völlig legitim wäre — nicht hier in der Debatte einbringen, sodass auch noch mal Fraktionen darauf eingehen können, sodass wir als Regierung vielleicht erklären könneri, dass Ihre Vor- schläge massiven Schaden für unser Land bedeuten würden, dass Sie sich dem entziehen und am Ende hier nur stehen wollen, mit Ihrer Meinung, mit Ihren’ wieder teilweise falschen Behauptungen, Ihren puren Unterstel- lungen, das ist die Methode Trump, das ist die.Methode, die der Demokratie schadet, das ist die Methode, die einem Land schadet. i " Und deswegen kann ich nur uns allen anderen wün- schen, dass wir uns immer wieder dagegenstellen. Vielen Dank allen anderen Abgeordneten für ihre fairen und konstruktiven parlamentarischen Beratungen! Das ist der Weg, den ich mir weiter für unser Land wünsche. — Herz- lichen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, CDU und DIELINKE) . Präsidentin Birgit Hesse: Vielen Dank, Frau Minister- präsidentin! Mir liegen jetzt zwei weitere Wortmeldungen vor, einmal von Herrn Professor Weber und dann von Herm de Jesus Fernandes. Ich weise darauf hin, dass Sie.insgesamt acht Minuten Redezeit haben und sich die dann bitte auch teilen. Bitte, Herr Professor Weber, Sie haben das Wort. Dr..Ralph Weber, AfD: Liebe Landsleutel Wertes Präsidi- “um! Sehr geehrte Frau Ministerpräsident! Ich bin dankbar, dass Sie. mir noch mal die Gelegenheit geben, jetzt noch nahezu acht Minuten das noch mal zu erklären, was ich vorhin bei der persönlichen Erklärung in knapp zwei Minuten sagen musste. Erst mal dafür herzlichen Dank! Zum Zweiten, wenn Sie einen Blick in die Geschäftsord- nung werfen, eine persönliche Erklärung kann man nur abgeben, wenn man an der Abstimmung nicht teilnimmt. Deswegen habe ich nicht mit abgestimmt, um diese Mög- lichkeit wahrzunehmen. Das ist ein Individualrecht jedes Abgeordneten, und das steht Ihnen nicht zu, anderen dieses Recht abzusprechen. Von der Zwickmühle in dieser Entscheidung, in der wir waren, hat Herr Förster schon gesprochen. Selbstver- ständlich und ohne Wenn und Aber steht die ganze AfD- Fraktion hinter der Entscheidung, Nord Stream 2 weiter- zubauen und sich auch in klaren und deutlichen Worten (Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU) und auch zur Not mit Gegensanktionen gegen die Versu- che der USA zu wenden, das hier in vielleicht sogar rechtswidriger Weise zu sabotieren. So viel dazu! Wenn Sie dann aber mir unterstellen, ich'würde irgend- etwas nicht verstanden haben, den Zeitdruck habe ich verstanden, der liegt in dem Sanktionsrecht und der knappen Frist, dass eben diese Bestellungen bis, sagen wir mal, Mitte Januar ausgeführt werden müssen. Aber das kann nicht nur eine Stiftung. (Beifall Horst Förster, AfD) Das eben, genau diese Bestellung, hätte auch ein lan- deseigenes Unternehmen oder das Land selbst unter- nehmen können. Das Land selbst wäre sogar:noch nahe- liegender gewesen, weil sich die US-Sanktionen —- wenn Sie es nicht glauben, schauen Sie doch im Sanktions- recht nach -, diese US-Sanktionen nicht gegen Regie- rungen und Länder, sondern gegen private Unternehmen richten, damit auch gegen die Stiftung. Da haben Sie recht, dass den drei, die sich da engagieren, eventuell Nachteile drohen, habe ich auch nie bestritten. Das ist ehrenhaft, sich da zu engagieren. Die Stiftung kann sank- tioniert werden. Weder das Land hätte das können, und ein landeseigenes Unternehmen als Unternehmen kann genauso sanktioniert werden wie die Stiftung, aber nicht mehr und nicht weniger. Es drohen also keine größeren Schäden dadurch. Warum macht das Land dann den Umweg über die Stif- tung? Entweder — Mutmaßung eins —, weil Ihnen der Mut
Landtag Mecklenburg-Vorpommern — 7. Wahlperiode — 108. Sitzung am 7. Januar 2021 45 fehlt, sich klar zu bekennen.’ Das glaube ich nicht, denn Sie haben mehrfach deutlich gemacht, wie wichtig Ihnen auch Nord Stream 2 und die Fertigstellung der Pipeline ist. Bleibt Vermutung zwei, Sie haben den notwendigen Rückhalt in der Bundesregierung nicht und sind von da “ irgendwie instruiert oder gebeten worden, das nicht als Land durchzuführen. Oder — Vermuturig drei — Sie wollen dann mit der so ins Leben und, wie wir gehört haben; von Nord Stream 2 dann insgesamt, der Nord Stream 2 AG mit insgesamt 60 Millionen ausgefütterten Stiftung alle möglichen sonstigen Zwecke der Energiewende und sonst irgendwas verfolgen. Eine Stiftung ist juristisch potenziell unsterbbar, das heißt, wir haben mit der Stif- tung dann, jedenfalls unsere Abgeordneten, ein Leben lang zu leben und müssen 'däs akzeptieren. Alles drei, egal, welche dieser Mutmaßungen zutrifft, war für mich nicht akzeptabel. Aber es ist auch nicht akzeptabel, gegen den Antrag zu stimmen, eben weil diese Fertigstellung der Pipeline ' notwendig, wichtig und richtig ist. Und dann war der not- wendige Ausweg, um das auch erklären zu können, der Weg, den ich gewählt habe. Daran ist nichts feige — und jetzt haben ja alle anderen die Gelegenheit, dazu noch mal Stellung zu nehmen, ich bin dankbar dafür —, daran ist weder was feige, noch ist es ein Trick mit der Ge- schäftsordnung, sondern ein ganz legitimes Vorgehen. Wenn Ihnen die Geschäftsordnungskenntnis dazu fehlt, das zu beurteilen, dann sollten Sie sich mal von Ihren vielen Juristen in Ihrer Regierung entsprechend unter- richten lassen. Und einen Satz möchte ich noch sagen. Herr Thomas de Jesus Fernandes wird selber dazu was sagen, aber zu, sagen, zu einem Abgeordneten zu sagen, mehr Gutes getan haben Sellering und Co — was ich nicht in Abrede stellen will —, als er in seinem ganzen Leben vollbringen wird, ist eine Unverschämtheit sondergleichen. A) wissen Sie ‘nicht, was er in seinem Leben noch vollbringt, aber ich kann Ihnen sagen, viel mehr Schaden für dieses Land, als Sie, Frau Ministerpräsidentin, hervorgerufen haben, wird Herr Thomas de Jesus Fernandes in seinem ganzen Leben in der Tat nicht zustande bringen. So, das war es. . . (Beifall Thomas de Jesus Fernandes, AfD, und Holger Arppe, fraktionslos) ı Präsidentin Birgit Hesse: Das Wort hat jetzt, das Wort hat jetzt noch einmal für die Fraktion der AfD Herr de ‚Jesus Fernandes. : Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Sehr geehrtes Prä- sidium! Werte Abgeordnetel Ich muss ja gar nicht schrei- .en, wenn Sie mal ruhig bleiben würden da hinten auf Ihren Plätzen. (Zuruf aus dem Plenum: Das sagt der Richtigel) Also noch mal ganz klar, wir haben eine ganz klare Ge- schäftsordnung, die gibt Rechte und Pflichten für Abge- ordnete vor, und die stehen tatsächlich jedem zu und eben auch den Abgeordneten von der AfD und nicht nur denen von der SPD und auch nicht nur. der Ministerpräsi- dentin, die ebenfalls Gebrauch von der Geschäftsord- nung gemacht hat, meine Damen und Herren. Und natürlich'gehörte das meines Erachtens nicht in die Debatte, was ich gesagt habe, weil ich ja eindeutig erklärt habe, warum ich nicht an der Abstimmung teilnehme, weil ich grundsätzlich dem Vorhaben nicht im Weg stehe, aber meine Bedenken habe und die hier im Vorfeld nicht ausgeräumt werden konnten, auch nicht in unserer Frak- tionsversammlung, die wir heute hatten, wo 'Herr Pegel Rede und Antwort gestanden hat. Und das hat er wirklich sehr gut gemacht; aber, wie gesagt, diese Bedenken konnte er bei mir nicht ausräumen. Und das liegt ja nun auf der Hand und das ist nicht aus dem Finger gesaugt und schon gar nicht unsere Intention, Frau Ministerpräsidentin Schwesig, weil, was die AWO angeht und die Verknüpfungen und dass’ Sie. sich im Wahlkampf eingemischt haben, das können Sie der gesamten Presse in Deutschland entnehmen, ‚meine Damen und Herren, und auch Sie, Frau Ministerpräsiden- tin Manuela Schwesig. Das ist nicht ausgedacht. Und die Gefahr bei der Verknüpfung von solchen Untemehmun- gen und der Politik, die ist einfach da. Und damit habe ich, nicht die Personen angegriffen. Und dazu sage ich auch noch mal, ich schätze den gewählten damaligen Ministerpräsidenten Erwin Sellering sogar sehr und er hatte ein gutes Ansehen hier, und ich glaube, er hätte sich diesen Auftritt, den Sie hier abgelegt haben, eben noch mal, das hätte er nicht gemacht. So, das reicht auch, finde ich. (Beifall Dr. Ralph Weber, AfD) Präsidentin Birgit Hesse: Das Wort hat noch einmal für die Fraktion der SPD der Fraktionsvorsitzende Thomas Krüger. (Der Abgeordnete Thomas Krüger tritt an das Rednerpult heran.) Thomasl (Das Rednerpult wird desinfiziert.) Thomas Krüger, SPD: Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Ich konnte das eben nicht'so stehen lassen, deswegen habe ich mich noch mal ge- meldet. Also, Herr Weber — Herr Professor Dr. Weber, da legen Sie ja ganz großen Weit darauf, dass Sie so genannt werden — und Herr de Jesus Fermandes, ... (Dr. Ralph Weber, AfD: Von manchen Menschen ja.) Ja, das ist bei manchen Menschen, das hat Frau Minis- terpräsidentin ja deutlich gemacht. ... Sie haben sich der Debatte entzogen. Das ist das; was Sie hier gemacht haben. Sie hätten von vornherein rein- gehen können, Sie hätten Redezeit gehabt als Fraktion. Das haben Sie beide nicht getan. Sie haben ganz be- wusst abgewartet. Sie haben ganz bewusst abge bis die Debatte vorbei ist, bis abgestimmt ist. Dann ha- ben Sie die persönliche Erklärung abgegeben, und dann haben Sie aus meiner Sicht keine persönliche Erklärung abgegeben, sondem Sie haben die Debatte über die persönliche Erklärung eröffnet. Und das ist das, was ich Ihnen vorwerfe. (Zuruf von Thomas de Jesus Femandes, AfD)