Wissenschaftliche Dienste Dokumentation Seite 11 WD 9 - 3000 - 017/22 Der Preprint wertet dabei Daten von 5.267 Transgender-Personen, die von Mai bis Anfang August 2020 in 63 Ländern erhoben wurden, aus. Im Ergebnis sei der Zugang zu Transgender-Gesund heitsdiensten aufgrund der Pandemie für rund die Hälfte der Befragten eingeschränkt gewesen. 35 Prozent der Teilnehmenden habe mindestens eine psychische Erkrankung angegeben. Jeder dritte Teilnehmende habe seit Ausbruch der Pandemie Suizidgedanken gehabt; ca drei Prozent hätten seit Beginn der COVID-19-Pandemie einen Suizidversuch unternommen. Nach Zwischenergebnissen, die bereits im Mai 2020 veröffentlicht wurden, berichteten von den über 1.200 Befragten aus dem deutschsprachigen Raum 15 Prozent, dass ihnen OP-Termine abge sagt wurden, weitere 17 Prozent befürchteten eine Absage bevorstehender Operationen. Bei 24 Prozent war die Nachsorge einer Operation beeinträchtigt und 44 Prozent befürchteten, dass der Zugang zu Hormonen eingeschränkt werden könnte. Banerjee, Debanjan/Nair, Vasundharaa, „The Untold Side of COVID-19“: Struggle and Perspec tives of the Sexual Minorities, in: Journal of Psychosexual Health, 2020, 2(2) 113–120, abrufbar unter https://journals.sagepub.com/doi/pdf/10.1177/2631831820939017. Der Beitrag erläutert, dass LSBTQ-Menschen schon im Hinblick auf das Infektionsrisiko mit SARS-CoV-2 besonders anfällig seien, aber auch in Bezug auf die psychosozialen Auswirkungen der Corona-Maßnahmen. Als zugrundeliegende Faktoren seien beispielsweise ein immunge schwächter Zustand, chronische Erkrankungen und Drogenmissbrauch zu nennen, aber auch ein eingeschränkter Zugang zur Gesundheitsversorgung, Stigmatisierung und soziale Diskriminie rung sowie wirtschaftliche Zwänge. Bishop, Amie, Vulnerability Amplified: The Impact of the Covid-19 Pandemic on LGBTQIA People, Mai 2020, abrufbar unter https://outrightinternational.org/sites/default/files/COVIDsRe portDesign_FINAL_LR_0.pdf. Im März und April 2020 führte OutRight Action International, eine in New York ansässige ge meinnützige Organisation, deren Ziel die Stärkung der Menschenrechte von LSBTIQ Personen weltweit ist, eine Literaturrecherche und Interviews mit 59 LSBTIQ Personen in 38 Ländern durch. Die Literaturrecherche habe ergeben, dass in Krisenzeiten Diskriminierung und Ausgren zung in den Bereichen Justiz, Gesundheit, Bildung, Beschäftigung, Wohnen und andere Dienst leistungen verstärkt werde. Die Auswertung der Interviews zeige, dass in einigen Ländern neben den wirtschaftlichen Folgen wie Arbeitsplatzverlust, Hunger und erschwerter Zugang zur Ge sundheitsversorgung vor allem auch eine Zunahme von (häuslicher) Gewalt und Ausgrenzung zu verzeichnen sei. Namentlich genannt werden in Zusammenhang mit Ausgrenzung z. B. Länder wie Ghana, Guyana, Kenia, Liberia, Russland, Uganda, Ukraine, die USA und Simbabwe. Die Or ganisationen im Bereich LSBTIQ kämpften zudem teilweise um das Überleben. Cramer Marsal, Stéphanie/Ahlund, Christian et al., COVID-19: an analysis of the anti-discrimi nation, diversity and inclusion dimensions in Council of Europe member States, Council of Eu rope, November 2020, abrufbar unter https://rm.coe.int/prems-126920-gbr-2530-cdadi-covid-19- web-a5-final-2774-9087-5906-1/1680a124aa. Die Mitgliedstaaten des Europarates berichten von erhöhter Gewalt gegenüber LSBTI Personen während der Coronapandemie. In einigen Ländern sei der Anstieg bei der Inanspruchnahme von Notrufnummern und Unterstützungsangeboten zur Suizidprävention besonders hoch gewesen, so
Wissenschaftliche Dienste Dokumentation Seite 12 WD 9 - 3000 - 017/22 in Belgien, Zypern, Frankreich, Italien, Montenegro, Serbien und im Vereinigten Königreich. Nichtregierungsorganisationen in diesem Bereich hätten ihre Dienste zur psychosozialen Unter stützung von bedürftigen Personen aus der LSBTI Community auf Online-Plattformen verlagert. Angemahnt wird ein strukturierteres Engagement in einer Reihe von Staaten, um geschlechtsspe zifische Gewalt zu bekämpfen. ***