WD 8 - 049/18 Braunbären in Europa

Umwelt, Bildung, Forschung

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Wissenschaftliche Dienste Dokumentation Braunbären in Europa © 2018 Deutscher Bundestag WD 8 - 3000 - 049/18
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Wissenschaftliche Dienste                Dokumentation                                                          Seite 2 WD 8 - 3000 - 049/18 Braunbären in Europa Aktenzeichen:                      WD 8 - 3000 - 049/18 Abschluss der Arbeit:              13. Juni 2018 Fachbereich:                       WD 8:       Umwelt, Naturschutz, Reaktorsicherheit, Bildung und Forschung Die Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages unterstützen die Mitglieder des Deutschen Bundestages bei ihrer mandatsbezogenen Tätigkeit. Ihre Arbeiten geben nicht die Auffassung des Deutschen Bundestages, eines sei- ner Organe oder der Bundestagsverwaltung wieder. Vielmehr liegen sie in der fachlichen Verantwortung der Verfasse- rinnen und Verfasser sowie der Fachbereichsleitung. Arbeiten der Wissenschaftlichen Dienste geben nur den zum Zeit- punkt der Erstellung des Textes aktuellen Stand wieder und stellen eine individuelle Auftragsarbeit für einen Abge- ordneten des Bundestages dar. Die Arbeiten können der Geheimschutzordnung des Bundestages unterliegende, ge- schützte oder andere nicht zur Veröffentlichung geeignete Informationen enthalten. Eine beabsichtigte Weitergabe oder Veröffentlichung ist vorab dem jeweiligen Fachbereich anzuzeigen und nur mit Angabe der Quelle zulässig. Der Fach- bereich berät über die dabei zu berücksichtigenden Fragen.
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Wissenschaftliche Dienste         Dokumentation                       Seite 3 WD 8 - 3000 - 049/18 Inhaltsverzeichnis 1.          Braunbären in Europa                                    4 1.1.        Bestandsvorkommen                                       4 1.2.        Bestandsschätzungen und Monitoring                      6 1.3.        Rechtlicher Status und Dezimierungsmöglichkeiten        8 1.4.        Konflikte und Konfliktmanagement                        8 1.5.        Bestandsziele und Zusammenarbeit zur Bestandserhaltung 10 1.6.        Bedrohungen der Bärenpopulationen                      10 2.          Angriffe von Bären auf Menschen                        11 3.          Ergebnisse der NINA-Studie                             11 3.1.        Braunbären                                             11 3.2.        Schwarzbären                                           12 3.3.        Eisbären                                               12 3.4.        Lippenbären                                            12 4.          Fazit                                                  14
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Wissenschaftliche Dienste                Dokumentation                                                          Seite 4 WD 8 - 3000 - 049/18 1.    Braunbären in Europa         1 1.1. Bestandsvorkommen In Europa kommen die Braunbären in 22 Ländern vor. Basierend auf den vorhandenen Daten zur Verteilung sowie einer Reihe von geographischen, ökologischen, sozialen und politischen Fakto- ren können diese in zehn geographische Vorkommen gebündelt werden: skandinavische, kareli- sche, baltische, karpatische, dinarisch-pindische, ostbalkanische, alpine, zentralapennine, kantabrische und pyrenäische Populationen. Daten aus Weißrussland, der Ukraine und Russland sind in dieser Untersuchung allerdings nicht enthalten. Eine frühere Studie aus dem Jahr 2000 schätzte die Gesamtzahl der Braunbären 1996 in Europa auf rund 50.000 Exemplare. Die weitaus meisten davon leben im europäischen Teil Russlands (einschließlich Weißrussland und der Ukraine) mit rund 36.000 Tieren.                  2 Die nachfolgende Tabelle verdeutlicht die verschiedenen verbliebenen Standorte der Braunbä- renpopulationen in Europa im Jahr 2011.           3 1     Der nachfolgende Text stammt von: Kaczensky, Petra; u.a. (2012). Status, management and distribution of large carnivores – bear, lynx, wolf & wolverine – in Europe. DECEMBER 2012. Part 1. http://ec.europa.eu/environ- ment/nature/conservation/species/carnivores/pdf/task_1_part1_statusoflcineurope.pdf 2     Vergleiche: Swenson, Jon E. ¸ Gerstl, Norbert; Dahle, Bjørn; Zedrosser, Andreas (2000). Action Plan for the con- servation of the Brown Bear (Ursus arctos) in Europe. Council of Europe Publishing, 2000 Nature and environ- ment, No. 114. S. 60. https://webcache.googleusercon- tent.com/search?q=cache:Yc9upvvm490J:https://www.wwf.at/de/view/files/download/forceDown- load/%3Ftool%3D12%26feld%3Ddownload%26sprach_connect%3D1153+&cd=8&hl=de&ct=clnk&gl=de 3     Vergleiche: Kaczensky, Petra; u.a. 2012: 16.
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Wissenschaftliche Dienste       Dokumentation                                            Seite 5 WD 8 - 3000 - 049/18 Braunbärenverteilung in Europa 2006-2011. Dunkle Zellen: permanentes Vorkommen, graue Zel- len: sporadisches Vorkommen. Rote Grenzen markieren die Länder, für die Informationen verfüg- bar waren. Nachbarländer können unterschiedliche Kriterien und Zeiträume für die Definition von Zellen mit permanenter und sporadischer Präsenz haben. 4 4     Ebenda.
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Wissenschaftliche Dienste          Dokumentation                                            Seite 6 WD 8 - 3000 - 049/18 1.2. Bestandsschätzungen und Monitoring „Die geschätzte Gesamtzahl der Braunbären in Europa scheint im Bereich von 17.000 Individuen zu liegen. Basierend auf den gemeldeten und aktualisierten Volkszählungsdaten ist die größte Po- pulation die Karpatenpopulation (>7.000 Bären), gefolgt von den skandinavischen und dinarisch- pindischen Populationen (> 3.000 Bären). Die anderen Populationen sind viel kleiner und rei- chen von mehreren hundert (z.B. Ostsee ~700, Kantabrien ~200) bis zu weniger als hundert (z.B. Alpen 45-50, Pyrenäen 22-27). Im Vergleich zur letzten Erhebung, die Daten bis 2005 (Bear Online Information System for Eu- rope, BOIS) enthielt, haben die skandinavischen, karelischen, dinarischen, baltischen, kantabri- schen und pyrenäischen Bestände einen deutlichen Anstieg verzeichnet. Die anderen Populatio- nen blieben stabil. Die Feststellung des Rückgangs der Bestände im östlichen Balkan ist wahr- scheinlich auf neue Überwachungstechniken zurückzuführen. Alle Bestandsgruppen sind relativ stabil oder leicht expandierend. In den Alpen wurde der Bestandsverlust des zentralösterreichi- schen Segments durch den Ausbau des norditalienischen Segments im Trentino ausgeglichen. Das Monitoring in einer Reihe von Ländern basiert auf genetischen Methoden, die nichtinvasiv gesammelte DNA (aus Losungen oder Haaren) verwenden: Skandinavien, Italien, Österreich, Spa- nien, Frankreich, Griechenland, Slowenien. In anderen Ländern werden genetische Methoden verwendet, um Daten zu ergänzen oder zu bestätigen, die mit anderen Methoden gewonnen wur- den (Zählung an Fütterungsstellen, Schneeverfolgung und Telemetrie): Kroatien, Polen, Slowa- kei. In den Ländern ohne Genetik und Telemetrie basieren die zahlenmäßigen Schätzungen auf einer viel schwächeren Basis. Die kleinen Populationen unterliegen in der Regel intensiveren und kostenintensiveren Überwa- chungsmethoden, obwohl die am stärksten überwachte große Population in Skandinavien liegt. Bei bejagten Populationen werden die Abschusszahlen verwendet, um Populationstrends zu identifizieren.“  5 5     Ebenda: 18.
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Wissenschaftliche Dienste      Dokumentation        Seite 7 WD 8 - 3000 - 049/18 Bestandsgröße und Entwicklung6 6     Ebenda: 19.
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Wissenschaftliche Dienste               Dokumentation                                                        Seite 8 WD 8 - 3000 - 049/18 1.3. Rechtlicher Status und Dezimierungsmöglichkeiten „Die meisten Bärenpopulationen sind streng geschützt. Die Bestände, die in den EU-Ländern existieren, sind durch die gesamteuropäische Gesetzgebung (FFH-Richtlinie) streng geschützt und es gibt keine Ausnahmen nach Anhang V.              7 Schweden, Finnland, Rumänien, Estland, Bulgarien, Slowenien und die Slowakei nutzen derzeit Ausnahmeregelungen gemäß Artikel 16 der Richtlinie, um eine begrenzte Dezimierung von Bären durch Jäger zu ermöglichen. Kroatien, Bosnien und Herzegowina und Norwegen bejagen Bären als Wildart mit jährlichen Quoten, da sie in dieser Hinsicht nur durch die Berner Konvention begrenzt sind. Für Kroatien endet dies 2013, wenn die EU-Verordnungen angenommen werden. Fast alle Länder haben einen Bärenmanagementplan, einen Aktionsplan oder eine Bärenmanagementstrategie. In einer Reihe von Ländern wartet ein solches Dokument jedoch noch auf eine angemessene Umsetzung.“                       8 1.4. Konflikte und Konfliktmanagement „Bären sind große, opportunistische und allesfressende Fleischfresser mit einem breiten Spekt- rum biologischer Bedürfnisse während ihres Lebenszyklus, die sie in Konflikt mit Menschen bringen können. Einige Konfliktarten bedrohen menschliche Interessen (z. B. Eigentumsverluste durch Viehzerstörung oder Angriffe auf Menschen), andere bedrohen die Bären selbst (z. B. durch Habitat-Fragmentierung und Höhlen-Störung), und einige sind gegenseitig problematisch (z. B. Verkehrsunfälle). Die meisten Länder zahlen Schadenersatzzahlungen entweder aus dem Staatshaushalt oder aus Mitteln von Interessengruppen, meist von Jägern. Die ungefähren wirtschaftlichen Kosten (basie- rend nur auf gemeldeten Kompensationen) liegen in der Größenordnung von 2,5-3,0 Mio. € pro Jahr. Viehschäden sind die wichtigste Art von Schäden, aber die Vielfalt der Schäden ist viel grö- ßer als bei Wölfen, Vielfraßen und Luchsen und umfasst Schäden an Bienenstöcken, Obstgärten, Pflanzen, Bäumen und sogar Fahrzeugen und Gebäuden. Mehr als die Hälfte des Geldes wird für Entschädigungen in Norwegen (1,5 Mio. €) gezahlt, gefolgt von 321.000 € im Kantabrischen Ge- birge und 252.000 € in Slowenien. Andere Länder zahlen jährlich zwischen 6.000 € (Kroatien) und 141.000 € (Griechenland). Die gezahlten Beträge steigen nicht proportional zur Anzahl der Bären in der Bevölkerung. Die Kos- ten pro Bär/Jahr sind im Allgemeinen in kleineren Populationen höher als in größeren Populatio- nen: z.B. 12.666 € in Norwegen, 6.114 € in den Pyrenäen, 3.445 € im zentralen Apennin, 1.605 € im kantabrischen Gebirge, 1.371 € in den italienischen Alpen, 555 € in Slowenien, 511 € in Grie- chenland, 102 € in Polen, 45 € in Bulgarien, 15 € in Estland und Lettland, 8 € in der Slowakei, 7      Anhang V listet Tier- und Pflanzenarten auf, deren Rückgang und Gefährdung vor allem durch die Entnahme aus der Natur verursacht wurde und die daher vor weiterer unkontrollierter Entnahme geschützt werden muss- ten. Zurzeit werden in Deutschland 110 Arten in Anhang V aufgeführt. Deutschlands Natur (2018). Anhang IV und V der FFH-Richtlinie. http://www.ffh-gebiete.de/natura2000/ffh- anhang-iv/ 8      Ebenda: 17.
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Wissenschaftliche Dienste         Dokumentation                                            Seite 9 WD 8 - 3000 - 049/18 6,0 € in Kroatien und 3,6 € in Schweden. Es sollte angemerkt werden, dass es keine Daten gibt, die zeigen, dass Länder, die mehr bezahlen, eine bessere Akzeptanz zu ihren Bären haben.“ 9 Konfliktarten und Kosten  10 9    Ebenda: 18. 10    Ebenda: 25.
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Wissenschaftliche Dienste         Dokumentation                                              Seite 10 WD 8 - 3000 - 049/18 1.5. Bestandsziele und Zusammenarbeit zur Bestandserhaltung „Alle Länder geben das Ziel an, zumindest eine stabile Bärenpopulation zu erhalten. Alle mit Ausnahme von zwei Bärenpopulationen (Zentralapennin und Kantabrien) werden auf zwei oder mehr Länder aufgeteilt. Für die Bärenpopulationen des Zentralapennins und Kantabriens ist die Verwaltungsbehörde auf die Ebene der autonomen Regionen delegiert. Das Bestandsmanagement wurde allgemein als das vorgeschriebene Modell akzeptiert, aber die Umsetzung dieses Konzepts ist bei weitem nicht zufriedenstellend, insbesondere in Ländern, die ihre eigenen nationalen Pläne nicht umsetzen. Abkommen zwischen den Ländern beinhalten ein gewisses Maß an ge- meinsamer oder koordinierter Verwaltung (Frankreich mit Spanien, Griechenland mit Bulgarien, Slowakei mit Polen, Slowenien mit Kroatien, Schweden mit Norwegen), Informationsaustausch (Schweden und Norwegen, Slowenien und Kroatien) oder am häufigsten Arbeitsgruppen zwi- schen Wissenschaftlern oder Managern. Es gibt jedoch keinen verbindlichen Plan zur Bestandser- haltung. 1.6. Bedrohungen der Bärenpopulationen Die kleinsten Bärenpopulationen sind stark gefährdet. Das derzeit vorherrschende öffentliche In- teresse sowie die meisten Managementmaßnahmen und die finanzielle Unterstützung scheinen jedoch derzeit zumindest ihr kurz- bis mittelfristiges Überleben zu sichern. Fast die Hälfte des Bestandes wächst derzeit, aber um das langfristige Überleben zu sichern, müssen alle gegenwärti- gen und potenziellen zukünftigen Bedrohungen berücksichtigt werden. Die wichtigsten Bedro- hungen (eingeteilt in 19 Hauptkategorien) für Bären in Europa, basierend auf 23 Fragebögen über alle Bärenpopulationen, wurden identifiziert als: Lebensraumverlust durch Infrastrukturentwick- lung, Störungen, geringe Akzeptanz, schlechte Managementstrukturen, intrinsische Faktoren, Un- fallmortalität und Verfolgung. Die meisten Bedrohungen dürften in Zukunft etwas an Bedeutung gewinnen.“   11 Gefährdungsbeurteilung für Bären über alle Populationen in Europa. 11    Ebenda: 18f.
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