Fachkräftemangel in Deutschland - Statistiken, Studien und Strategien

Arbeit, Soziales

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Wissenschaftliche Dienste            Infobrief                                                      Seite 21 WD 6 – 3010-189/11 der Zugang in Arbeitslosigkeit bei Akademikern lediglich um 1,4 Prozent verringert. Derzeit sind etwa drei Millionen Menschen mit Fachhochschul- oder Hochschulabschluss in sozialversiche- rungspflichtiger Beschäftigung. Die Zugänge in Arbeitslosigkeit im ersten Halbjahr 2011 entspre- chen hier laut DGB-Analyse einem Anteil von 3,7 Prozent. Die Analyse kommt zu dem Schluss, dass trotz demografischen Wandels und steigendem Fach- kräftebedarf längst nicht alle Unternehmen eine längerfristig orientierte Personalplanung betrie- ben. Zudem stelle sich die Frage, ob bei jenen Beschäftigten mit einer betrieblichen bzw. schuli- schen Ausbildung in den vergangenen Jahren ausreichend in Zukunftsfeldern - oder ob mögli- cherweise an den längerfristigen Anforderungen des Arbeitsmarktes vorbei - ausgebildet wurde.             68 6.    Strategien 6.1. Handlungsempfehlungen der BA Die BA prognostiziert einen Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials (EPP) um 6,5 Millionen Personen auf dann nur noch 38,1 Millionen Personen im Jahr 2025. Dementsprechend werde sich ein Fachkräftemangel vor allem bei den Ingenieurberufen einstellen. Nach Angaben der BA hat das Institut zur Zukunft der Arbeit errechnet, dass bis zum Jahr 2020 rund 240.000 Ingenieure fehlen werden. Die BA beruft sich auf Studien, die von 2 Millionen fehlenden Fachkräften bis 69 2020, bzw. einer Fachkräftelücke von 5,2 Millionen bis 2030 ausgehen.         70 Die BA hält eine Doppelstrategie für die beste Lösung den Fachkräftemangel zu verhindern bzw. zu beseitigen. So solle sowohl die Anzahl qualifizierter Fachkräfte innerhalb Deutschlands er- höht, als auch die Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte ermöglicht werden: –   „Durch Qualifikation und Anreize sollten diese individuellen und gleichzeitig gesellschaftlich- wirtschaftlichen Chancen erschlossen werden. Dies gilt vor allem für Personengruppen, deren Anteil am Fachkräfteangebot heute vergleichsweise gering ist: beispielsweise Personen über 55 Jahre, Frauen, Geringqualifizierte und Menschen mit Migrationshintergrund. Dafür den Rahmen zu schaffen durch gesetzliche und tarifliche Lösungen, durch Bildung und Ausbildung, durch Betreuungs- und Informati- onsangebote, erfordert das Zusammenspiel aller Arbeitsmarktakteure und Politikbereiche.“   71 Die BA hat zehn Handlungsfelder definiert, um den Fachkräftemangel zu verhindern bzw. zu beseitigen: –   Schulabgänger ohne Abschluss reduzieren und Übergänge in den Beruf verbessern, –   Ausbildungsabbrecher reduzieren, –   Studienabbrecher reduzieren, –   Erwerbspartizipation und Lebensarbeitszeit von Menschen über 55 erhöhen, 68    ADAMY (2011), S. 7. 69    BUNDESAGENTUR FÜR ARBEIT (2011). Perspektive 2025, S. 3 und S. 7. 70    BUNDESAGENTUR FÜR ARBEIT (2011). Perspektive 2025, S. 8. 71    BUNDESAGENTUR FÜR ARBEIT (2011), Perspektive 2025, S. 11.
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Wissenschaftliche Dienste               Infobrief                                                             Seite 22 WD 6 – 3010-189/11 –   Erwerbspartizipation und Arbeitszeitvolumen von Frauen steigern, –   Zuwanderung von Fachkräften steuern, –   Arbeitszeit von Beschäftigten in Vollzeit steigern, –   Qualifizierung und Weiterbildung vorantreiben, –   Arbeitsmarkttransparenz erhöhen, –   Flankierende Maßnahmen im Steuer- und Abgabenbereich prüfen. In der Altersgruppe der 55- bis 64-Jährigen sind bislang nur 56 Prozent beschäftigt, in Frankreich sind es 39, in Schweden 70 Prozent. Allerdings, so die BA, hat Deutschland mit 31 Prozent den höchsten Altersquotienten in ganz Europa (Verhältnis der über 65-Jährigen zu den 15- bis 64- Jährigen). Eine hohe Erwerbstätigenquote bei Älteren wäre demzufolge eine wichtige Maßnahme zur Steigerung des Fachkräfteangebots. Nach Berechnungen der BA würde eine Steigerung der Erwerbstätigenquote von derzeit 56,2 Prozent auf 61,8 Prozent im Jahr 2025 eine Zunahme von einer halben Million Erwerbstätigen bedeuten (Vollzeitäquivalent). Allerdings, so die BA, müssten die Arbeitsbedingungen den veränderten Bedürfnissen und Er- fordernissen Älterer angepasst werden. Hilfreich wäre zum Beispiel die Einführung eines ganz- heitlichen betrieblichen Gesundheitsmanagements wie Betriebssportgruppen, gesundes Kanti- nenessen, Rückenschulen oder Stressbewältigungsseminare. Im Jahr 2009 waren 71,4 Prozent Frauen in Deutschland erwerbstätig, allerdings in hohem Maße in Teilzeit. Nur 55 Prozent der erwerbstätigen Frauen waren vollzeitbeschäftigt. Hinzu kommt, dass die durchschnittliche Wochenarbeitszeit von Teilzeitkräften in Deutschland derzeit bei 18,5 Stunden liegt. Führend in der EU ist Schweden mit 25 Stunden pro Woche. Würde der Anteil der Frauen, die wegen Kinderbetreuung Teilzeit arbeiten, um zehn Prozent sinken und durch Voll- zeitkräfte ersetzt, entspräche dies nach Berechnungen der BA einem zusätzlichen Fachkräftepo- tenzial von 0,1 Millionenen Vollzeitäquivalenten. Eine Erhöhung der durchschnittlichen Ar- beitszeit um zehn Prozent würde demgemäß ebenfalls eine Erhöhung von 0,1 Millionen Vollzeitäquvalenten bedeuten. In Summe berge die Erhöhung der Erwerbspartizipation von Frau- en, die Senkung des Anteils der Frauen, die Teilzeit arbeiten und die Anhebung der Arbeitszeit laut Berechnungen der BA ein Gesamtpotenzial von 0,7 bis 2,1 Millionen Vollzeitäquivalenten. –   „Ein zentraler Ansatzpunkt (…) sind Initiativen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Zusätzlich sind Maß- nahmen auf Unternehmensebene denkbar, wie etwa der Ausbau von Betriebskindergärten, die Beteiligung von Ar- beitgebern an Kinderbetreuungskosten oder die Einführung flexibler Arbeitszeitmodelle (z.B. Telearbeit, Mutter- Kind-Büros).“72 Die BA gibt zu bedenken, dass bislang unter den Zuwanderern, die nach Deutschland kommen, die qualifizierten Fachkräfte in der Minderheit gewesen seien. 2009 waren von 721.000 Zuwan- derern nur 17.000 Fachkräfte (12.000 Hochschulabsolventen, 4.400 Mitarbeiter internationaler Unternehmen, 700 Hochqualifizierte). 72     BUNDESAGENTUR FÜR ARBEIT (2011), Perspektive 2025, S. 34
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Wissenschaftliche Dienste           Infobrief                                                  Seite 23 WD 6 – 3010-189/11 Wenn Deutschland ab 2015 auf 100 Prozent des langfristigen historischen Nettozuwanderungsni- veaus von 200.000 Personen pro Jahr kommen würde, ließe sich bis 2025 ein zusätzliches Fach- kräftepotenzial von 0,8 Millionen Vollzeitäquivalenten erschließen, so die Berechnungen der BA. Die BA schlägt vor, die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Zuwanderung von Fachkräften zu verändern, also rechtliche und bürokratische Hürden abzubauen und eine „Willkommenskul- tur“ auf allen gesellschaftlichen Ebenen zu schaffen. Erster Ansatzpunkt wäre, so die BA, ein Verzicht auf die Vorrangprüfung bei Mangelberufen, die auf einer Positivliste vermerkt sind. Der Vorteil dieses Modells läge darin, dass es relativ leicht und schnell umzusetzen sei. 73 Die BA spricht von einem Paradigmenwechsel hin zu mehr gesellschaftlicher Akzeptanz und Integration von Ausländern beginnend mit einer klaren Identifikation Deutschlands als Einwan- derungsland. Neben der quantitativen Erhöhung des Erwerbspersonenpotenzials seien bei einer erhöhten Zuwanderung auch die positiven Effekte auf das Steuer- und Sozialsystem sowie auf das Beschäftigungsniveau der Volkswirtschaft insgesamt zu sehen.     74 6.2. Expertise des Sachverständigenrates Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung hat im Mai 2011 eine Expertise zum demografischen Wandel im Auftrag der Bundesregierung vorgelegt. Ausgehend von einer Charakterisierung des demografischen Wandels – Alterung der Bevölke- rung und Rückgang der Bevölkerungszahl – untersucht der Sachverständigenrat die Auswirkun- gen dieser Entwicklung auf die Güter- und Finanzmärkte, den Arbeitsmarkt, das Produktionspo- tential und die öffentlichen Haushalte. Dargestellt werden hier im wesentlichen die Analysen und Empfehlungen der Sachverständigen zum Arbeitsmarkt (S. 90-121), „der bei allen Überle- gungen zum demografischen Wandel im Mittelpunkt steht.“         75 Der Sachverständigenrat geht davon aus, dass die rückläufige Bevölkerungszahl zusammen mit der verstärkten Alterung zu einem noch stärkeren Rückgang der Anzahl der Erwerbspersonen führen werde. Dieser Rückgang könne vermieden werden, wenn die Erwerbstätigkeit von Frauen erhöht, das Eintrittsalter in eine Erwerbstätigkeit vorverlegt und das Renteneintrittsalter hinaus- geschoben werde. Die Zuwanderung von qualifizierten Arbeitskräften könne ebenfalls eine Ent- lastung bewirken.    76 Die 12. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes bildet den Ausgangspunkt für die Expertise. Der Sachverständigenrat betrachtet unter den insgesamt zwölf Varianten des Statistischen Bundesamtes hauptsächlich die Variante der „Mittleren Bevölke- rung“. Diese stützt sich auf eine annähernd konstante Geburtenziffer von1,4 Kindern je Frau. Für die Migration (Wanderungssaldo) werden zwei Szenarien betrachtet. Zum einen wird eine jährli- che Nettozuwanderung von 100.000 ab dem Jahr 2014 angesetzt und zum zweiten eine jährliche 73    BUNDESAGENTUR FÜR ARBEIT (2011), Perspektive 2025, S. 35-37. 74    BUNDESAGENTUR FÜR ARBEIT (2011), Perspektive 2025, S. 38. 75    SACHVERSTÄNDIGENRAT (2011), 5. 76    SACHVERSTÄNDIGENRAT (2011), S. III und S. 2.
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Wissenschaftliche Dienste         Infobrief                                                   Seite 24 WD 6 – 3010-189/11 Nettozuwanderung von 200.000 Personen ab dem Jahr 2020. Die Sachverständigen weisen darauf hin, dass Aussagen über die erwartete Zu- und Abwanderung einer großen Unsicherheit unterlie- gen, da diese von politischen, wirtschaftlichen, sozialen und gesetzlichen Faktoren im Zu- und Abwanderungsland abhänge.      77 Infolge der demografischen Veränderungen, so die Sachverständigen, werde das Arbeitsangebot bei realistischen Annahmen über die Entwicklung der Geburtenrate und des Wanderungssaldos erstmals in der Nachkriegsgeschichte deutlich zurückgehen. Während die Projektion des Ar- 78 beitsangebots im Wesentlichen von der demografischen Entwicklung abhänge, sei eine Projektion der Arbeitsnachfrage bis zum Jahr 2060 allerdings deutlich unsicherer. Eine exakte Prognose ist nach Meinung der Sachverständigen so gut wie unmöglich. Eine detaillierte Voraussage nach Qualifikationen und Berufen sollte mit großer Vorsicht und allenfalls als eine trendmäßige Be- trachtung gewertet werden.  79 Zur Beschreibung der Entwicklung des Arbeitskräfteangebots ziehen die Sachverständigen eine Basisvariante der 12. Bevölkerungsvorausberechnung heran, der zufolge das Arbeitsangebot trotz einer jährlichen Nettozuwanderung von 100.000 Personen zwischen dem Jahr 2010 und 2060 um fast 30 Prozent auf etwa 31 Millionen Personen zurückgehen wird. Mit dem Ausscheiden der so genannten „Baby-Boomer-Generation“ aus dem Erwerbsleben verringert sich das Arbeitsangebot ab dem Jahr 2015 um etwa 100.000 Personen bis auf fast 400.000 Personen im Jahr 2030. Ab dem Jahr 2040 pendelt sich diese Zahl auf 250.000 Personen jährlich ein. Neben dem Rückgang des Arbeitsangebots findet eine Alterung der Erwerbspersonen statt. Allerdings: Inwieweit diese Pro- jektion der Basisvariante des Arbeitsangebots tatsächlich eintritt, hängt in der kurzen Frist haupt- sächlich von der Entwicklung der Nettozuwanderung und in der mittel- bis längerfristigen Per- spektive zusätzlich von der Geburtenrate ab. Eine Veränderung des Wanderungssaldos in der Arbeitsmigration würde, so die Sachverständigen, sofort das Arbeitsangebot verändern.    80 Die Sachverständigen diskutieren angesichts der Analysen zum Arbeitsangebot und Arbeitsnach- frage ein Maßnahmenbündel, das sich auf die Bereiche Qualifizierung, Förderung bereits vor- handener Potentiale und Zuwanderung konzentriert. Eine Verbesserung der Qualifikation von Schülern könne zum Beispiel dadurch erreicht werden, dass Bildungsausgaben trotz abnehmender Kinderzahl konstant blieben und nicht gekürzt wür- den. Damit stiege die Ressourcenausstattung pro Schüler – zum Beispiel eine bessere Schüler- Lehrer-Relation. Eine Steigerung der Arbeitszeit – Steigerung der wöchentlichen Normalarbeits- zeit oder Übergang von Teilzeit- in Vollzeitbeschäftigung – könnte den Rückgang des Arbeitsvo- lumens aufgrund der sinkenden Zahl der Erwerbstätigen dämpfen. Des Weiteren müsste die Er- werbstätigkeit der Frauen durch bessere Betreuungsangebote für Kinder und familienorientierte Arbeitszeitmuster erhöht werden. Bei älteren Beschäftigten stehe die Schaffung altersgerechter Arbeitsplätze und lebenslanges Lernen im Vordergrund. Die Erwerbsquote von Personen mit 77    SACHVERSTÄNDIGENRAT (2011), S. 24ff. 78    SACHVERSTÄNDIGENRAT (2011), S. 91. 79    SACHVERSTÄNDIGENRAT (2011), S. 99. 80    SACHVERSTÄNDIGENRAT (2011), S. 94ff.
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Wissenschaftliche Dienste          Infobrief                                                Seite 25 WD 6 – 3010-189/11 Migrationshintergrund könnte durch eine erleichterte Anerkennung von ausländischen Bil- dungsabschlüssen erreicht werden. Die Erwerbslebensphase könnte durch einen früheren Eintritt und ein späteres Ausscheiden ausgeweitet werden. Nach Ansicht der Sachverständigen sollte im Kontext eines weiteren Anstiegs der Lebenserwartung über einen nochmaligen Anstieg des ge- setzlichen Renteneintrittsalter nach dem Jahr 2029 nachgedacht werden. Ab dem Jahr 2012 be- ginnt eine stufenweise Heraufsetzung des gesetzlichen Renteneintrittsalters bis auf 67 Jahre im Jahr 2029. Schließlich befürwortet der Sachverständigenrat die Zuwanderung von qualifizierten Arbeitskräf- ten. Dafür müsste die „restriktive Einwanderungspolitik gegenüber Arbeitsmigration aus Dritt- staaten aufgegeben und stattdessen eine gezielte Immigrationspolitik verfolgt werden, wie sie beispielsweise Australien und Kanada praktizieren“.   81 6.3. McKinsey-Studie „Wettbewerbsfaktor Fachkräfte“ McKinsey stützt sich unter anderem auf die Prognos-Studie „Arbeitslandschaft 2030“ aus dem Jahr 2009 sowie auf Analysen und Handlungsempfehlungen des IAB und der BA. McKinsey zeigt Strategien für Politik und Unternehmen in Deutschland auf. Zentrale These ist, dass zur Vermei- dung eines Fachkräftemangels eine Kraftanstrengung aller Arbeitsmarktakteure notwendig sei. Staatliche Organe könnten, so die Studie, das Fachkräfteproblem nicht für die Unternehmen lö- sen, sondern nur mit ihnen. In erster Linie sei es Aufgabe der Unternehmen selbst, ihre Versor- gung mit Fachkräften in der benötigten Zahl und mit der notwendigen Qualifikation zu sichern. Unternehmen brauchten in Zeiten in denen Arbeitskräfte knapp werden, eine nachhaltige und weitsichtige Personalstrategie. 82 Angesichts des prognostizierten Fachkräftemangels stehe deshalb ein Paradigmenwechsel für die Unternehmen an: Nach Jahrzehnten hoher Arbeitslosigkeit und eines strukturellen Überangebots auch an qualifizierten Fachkräften würden nun auch qualifizierte Arbeitskräfte knapp, was stei- gende Löhne und Gehälter zur Folge habe. Ähnlich wie die BA in ihren Handlungsempfehlun- 83 gen (6.1.) sieht auch McKinsey Handlungsbedarf in den Bereichen Bildung, Lebensarbeitszeit, Betreuung, Zuwanderung sowie Steuern und Abgaben. Mit Mehrausgaben in allen genannten Bereichen von jährlich ca. 18 bis 25 Mrd. Euro könne der Staat einen wichtigen Beitrag zur Ab- wendung des Fachkräftemangels leisten. Mindestens zwei Millionen zusätzliche Fachkräfte könnten so im Jahr 2025 in Deutschland verfügbar sein, so McKinsey.   84 Für die Unternehmen im Deutschland sieht McKinsey drei Handlungsoptionen: Erstens eigene Potentiale ausschöpfen und Attraktivität als Arbeitgeber erhöhen, zweitens Kooperationen und Partnerschaften eingehen, wie zum Beispiel Public Private Partnerships und drittens eigenen Bedarf an Fachkräften senken. Eigene Potentiale könnten zum Beispiel durch eine bessere Ein- bindung älterer Arbeitskräfte, eine stärkere Einbindung der Mitarbeiterinnen und eine bessere 81    SACHVERSTÄNIGENRAT (2011), S. 115ff 82    McKINSEY (2011), S. 7,9 83    McKINSEY (2011), S. 12. 84    McKINSEY (2011), S. 17.
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Wissenschaftliche Dienste                Infobrief                                                       Seite 26 WD 6 – 3010-189/11 Weiterbildung und Ausbildung der eigenen Mitarbeiter ausgeschöpft werden. McKinsey macht85 für die drei Handlungsoptionen eine Vielzahl konkreter Vorschläge, die unter Beachtung der Be- sonderheiten der jeweiligen Unternehmen umgesetzt werden können. Dazu gehören flexible Ar- beitszeitmodelle, eine altersgerechte Arbeitsorganisation, familienorientierte Serviceleistungen wie betriebliche Betreuungseinrichtungen oder das Modell der Vertrauensarbeitszeit etc. McKinsey plädiert auch für die Anwerbung ausländischer Fachkräfte. Die Studie kritisiert, dass das Verfahren für Arbeitnehmer mit besonderen Qualifikationen aus Drittstaaten, für die eine Vorrangprüfung vorgenommen werden muss, eine hohe bürokratische Hürde darstelle. In 2009 seien lediglich 12.000 ausländische Fachkräfte nach erfolgreicher Prüfung nach Deutschland ge- kommen. Die verschiedenen Möglichkeiten zur Rekrutierung von Fachkräften aus dem Ausland reichen nach McKinsey nicht aus, um Wirkung zu zeigen. Unter anderem rät McKinsey deut- schen Unternehmen zu einer stärkeren Anwerbung ausländischer Hochschulabsolventen. Aller- dings müsse ein Bewusstseinswandel hin zu einer Willkommenskultur gelingen.                 86 7.    Effekte der Zuwanderung Im Folgenden werden Studien und Informationen des IAB und des IZA vorgestellt, die die Effek- te der Zuwanderung für den deutschen Arbeitsmarkt und die deutschen Staatsfinanzen beschrei- ben. In diesem Zusammenhang ist auf die umfangreiche Integrations- und Migrationsforschung hinzuweisen, die sich neben vielen anderen Aspekten auch mit Integrationsdefiziten von Zu- wanderern und ihren Auswirkungen beschäftigt. Dabei geht es naturgemäß auch um die Integra- tion von Migrantinnen und Migranten in den deutschen Arbeitsmarkt und das deutsche Bil- dungssystem. Seit 2005 liegen aufgrund entsprechender Erhebungen des Statistischen Bundes- amtes (Mikrozensus) Informationen über knapp 16 Millionen Personen mit Migrationshinter- grund vor . Auf die zahlreichen Studien und Analysen aus diesem Forschungsbereich kann hier 87 nicht näher eingegangen werden. 7.1. Analyse des IAB zur EU-Osterweiterung Das IAB der Bundesagentur für Arbeit hat mit fünf weiteren Forschungseinrichtungen in Europa eine gesamtwirtschaftliche Analyse der Arbeitsmarkteffekte der Migration nach der EU- Osterweiterung im Jahr 2004 (Estland, Lettland, Litauen, Polen, die Tschechische Republik, Un- garn, Malta und Zypern) und 2007 (Rumänien und Bulgarien) durchgeführt. Demnach erhöht die Migration aus den Beitrittsländern das Bruttosozialprodukt in der erweiterten Europäischen Uni- on um 0,2 Prozent bzw. 24 Mrd Euro (Integrationsgewinn), das BIP der Einwanderungsländer 85    McKINSEY (2011), S. 21ff. 86    McKINSEY (2011), S. 36ff. 87    Vgl. STATISTISCHES BUNDESAMT: https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Bevoelkerung/MigrationIntegration/MigrationInteg ration.html (letzter Abruf am 26. März 2012).
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Wissenschaftliche Dienste               Infobrief                                              Seite 27 WD 6 – 3010-189/11 und insbesondere der Zielländer steigt, das der Auswanderungsländer fällt. Die Einkommen der einheimischen Bevölkerung in den Einwanderungsländern steigen langfristig, gehen aber kurz- fristig zurück. Langfristig sind die Arbeitsmarkteffekte – so die Analyse – neutral, kurzfristig können die Löhne in den Einwanderungsländern leicht sinken und die Arbeitslosigkeit leicht steigen. Für Deutschland stellt die Untersuchung langfristig positive Effekte einer Arbeitsmigrati- on fest. 89 Die Autoren des IAB weisen darauf hin, dass die gesamtwirtschaftliche Analyse zwei Faktoren nicht berücksichtigt habe: Die illegale Migration aus den mittel- und osteuropäischen Ländern sei durch die Erweiterung teilweise legalisiert worden. Diese Migranten würden bei Öffnung der Arbeitsmärkte als Neuzuwanderer gezählt, obwohl sie bereits im Land waren. Hier könne es folg- lich zu einer verzerrten Angabe der Migrationszahlen kommen. Zum anderen hätten die Auswir- kungen der Finanzkrise auf die Arbeitsmärkte und die Arbeitsmigration noch nicht genau abge- schätzt werden können. Grundsätzlich gelte aber, dass die Krise zu einem deutlichen Rückgang der Zuwanderung führen werde.         90 7.2. Materialsammlung des IAB zur Arbeitsmigration In einer Materialsammlung des IAB zum Fachkräftebedarf der Wirtschaft heißt es zu den langfris- tigen Wirkungen der Zuwanderung von Fachkräften, dass die Abschwächung des Alterungspro- zesses durch Zuwanderung erhebliche Auswirkungen auf die öffentlichen Finanzen und die So- zialversicherungssysteme habe: „Obwohl die ausländische Bevölkerung sehr viel stärker als die deutsche Bevölkerung von Arbeitslosigkeit betroffen ist, in höherem Umfang soziale Leistungen nach dem SGB II bezieht und niedrigere Steuern als der Durchschnitt der deutschen Bevölkerung bezahlt, entsteht durch Zuwanderung ein Nettogewinn für die öffentlichen Finanzen und Sozial- systeme. Dies ist im Wesentlichen auf die zusätzlichen Einzahlungen in die Rentenversiche- rungssysteme sowie den Umstand, dass sich die Schuldenbelastungen der öffentlichen Haushalte und der Sozialversicherungssysteme durch Zuwanderung auf eine größere Zahl von Köpfen ver- teilt, zurückzuführen.“   91 Aber die Wohlfahrtseffekte der Zuwanderung seien – so das IAB – langfristig nicht allein von der Zahl, sondern auch von der Qualifikationsstruktur der Zuwanderer abhängig: Erstens bestimme die Qualifikation entscheidend die Arbeitsmarktintegration, das heißt, die Arbeitslosenrate unter den Zuwanderern ist abhängig von ihrer Qualifikation. Zweitens steige die Wachstumsrate der gesamtwirtschaftlichen Produktion und der Produktivität mit der Qualifikation der Zuwanderer. Drittens stiegen die fiskalischen Gewinne des Sozialstaats mit der Qualifikation der Zuwanderer. Eine langfristig angelegte Zuwanderungspolitik müsse deshalb die Qualifikationsstruktur der Zuwanderer erhöhen und die Integration der Migranten und von Personen mit Migrationshinter- grund in den Arbeitsmarkt und das Bildungssystem erheblich verbessern. Das größte Risiko der 92 Migration bestehe in den Problemen der Integration der Migranten in Arbeitsmarkt und Gesell- 89     BAAS, Timo; BRÜCKER, Herbert; HAUPTMANN, Andreas (2009), S. 1ff. 90     BAAS; BRÜCKER; HAUPTMANN (2009), S. 7. 91     BRÜCKER, Herbert (2007), S. 3. 92     BRÜCKER, Herbert (2007), S. 4.
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Wissenschaftliche Dienste            Infobrief                                                    Seite 28 WD 6 – 3010-189/11 schaft. Eine langfristige angelegte Zuwanderung müsse daher die Qualifikationsstruktur der Zu- wanderer erhöhen und die Integration der der Migranten und von Personen mit Migrationshin- tergrund in den Arbeitsmarkt und die Bildungssysteme deutlich verbessern.       93 7.3. Analyse des IZA Der Wissenschaftler Holger Bonin hat versucht, mit einer Analyse des Finanzierungsbeitrags von Ausländern zu den deutschen Staatsfinanzen für das Jahr 2004, eine andere Perspektive in die Diskussion um Zuwanderung und Arbeitsmigration einzubringen. Bislang, so der Autor, sei die fiskalische Dimension von Zuwanderung und Integration zu sehr auf die Themen „Zuwanderung in die Sozialsysteme“ und die schwierige Arbeitsmarktlage vieler Zuwanderer und die daraus resultierende Belastung für die öffentlichen Haushalte verengt worden. Dass die in Deutschland lebenden Zuwanderer mehrheitlich gut in den Arbeitsmarkt integriert seien und folglich einen nennenswerten Finanzierungsbeitrag zu den öffentlichen Haushalten leisteten, gerate dabei aus dem Blickfeld. Der Autor befürwortet ein Punktesystem zur aktiven Auswahl von Zuwanderern und die Integration der Zuwanderer unter Arbeitsmarktaspekten, um den positiven Effekt der Arbeitsmigration zu steigern.     94 Bonin hat in einer Studie für das Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA) errechnet, dass in Deutschland lebende Ausländer im Jahr 2004 einen Finanzierungsbeitrag zu den öffentlichen Haushalten von knapp 2.000 Euro pro Kopf geleistet haben. Auch wenn sich dieser Finanzie- rungsbeitrag langfristig aufgrund der Alterung der ausländischen Bevölkerung verschlechtern werde, so die Studie, werde er auch in Zukunft eindeutig positiv sein. Bonin weist allerdings einleitend auf eine Studie aus dem Jahr 2001 von Hans-Werner Sinn, Gebhard Flaig und Michael Werding hin, die zu dem gegenteiligen Ergebnis kommt. Danach seien Ausländer Nettoempfänger staatlicher Leistungen, die empfangenen Transferleistungen seien also höher als die von ihnen geleisteten Steuern und Beiträge. In der Studie für das IZA nutzt Bonin die Zahl der Bevölkerungsfortschreibung des Statistischen Bundesamtes. Hier werden alle ausländischen Staatsbürger registriert, die sich in Deutschland an- bzw. abmelden. Im so genannten Ausländerzentralregister, einer weiteren Datenquelle zur Beschreibung der ausländischen Bevölkerung in Deutschland, werden nur Ausländer erfasst, die sich in der Regel länger als drei Monate im Bundesgebiet aufhalten. Nach der Bevölkerungsfort- 95 schreibung lebten im Jahr 2004 genau 7,288 Millionen Ausländer in Deutschland. Insgesamt leb- ten 82,5 Millionen Menschen im Jahr 2004 in Deutschland. Der Anteil der Ausländer an der Ge- samtbevölkerung nach der Bevölkerungsfortschreibung betrug demnach 8,8 Prozent.           96 Ausgangspunkt der Studie für die Bilanzierung der Finanzierungsbeiträge von Deutschen und Ausländern ist eine Schätzung der durchschnittlichen und individuellen Steuerzahlungen, Bei- tragszahlungen und Transferbezüge nach Staatsangehörigkeit und nach Alter. Eine solche Alters- 93    BRÜCKER, Herbert (2007), S. 4. 94    BONIN, Holger (2007), S. 43ff. 95    BUNDESAMT FÜR MIGRATION UND FLÜCHTLINGE (2011), S. 98. 96    STATISTISCHES BUNDESAMT (2012). Bevölkerung insgesamt und ausländische Bevölkerung 1990 bis 2010.
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Wissenschaftliche Dienste             Infobrief                                              Seite 29 WD 6 – 3010-189/11 gliederung hält Bonin für sinnvoll, da die zu analysierenden Finanzströme zwischen Individuen und Staat teilweise stark altersabhängig seien und sich der Altersaufbau von deutscher und aus- ländischer Bevölkerung im Beobachtungszeitraum deutlich unterscheide. Als Datenquellen nutz- te Bonin das Sozio-Oekonomische Panel (SOEP), eine jährlich stattfindende Wiederholungsbefra- gung von Deutschen, Ausländern und Zuwanderern in den alten und neuen Bundesländern. Die Stichprobe erfasste im Erhebungsjahr 2004 fast 12.000 Haushalte mit mehr als 22.000 Personen.      97 Insgesamt wurden auf Grundlage des SOEP Altersprofile nach Nationalität für 33 verschiedene Steuern und Transfers generiert.    98 Für die weitere Analyse wurden die Altersprofile für Deutsche und Ausländer mit einem propor- tionalen Faktor so gewichtet, dass sich unter Berücksichtigung des deutschen und ausländischen Bevölkerungsbestands das jeweilige Einnahmen-und Ausgabenniveau gemäß Volkswirtschaftli- cher Gesamtrechnung (VGR) für das Jahr 2004 ergibt. Für die Aufschlüsselung einiger Ausgaben ist die Studie von der VGR abgewichen. Die Ausgaben zur Sozialhilfe stützen sich auf den Fi- nanzbericht des Bundesministeriums für Finanzen (2006).     99 Bonin ermittelt den Finanzierungsbeitrag der in Deutschland lebenden Ausländer zu den öffent- lichen Haushalten, indem er von der Summe aller durchschnittlichen altersspezifischen Steuer- und Beitragszahlungen pro Kopf die durchschnittlichen Transferbezüge pro Kopf abzieht. Bei den Steuer- und Beitragszahlungen handelt es sich z.B. um die Einkommens- und Lohnsteuer und Beiträge zur gesetzlichen Renten-, Arbeitslosen-, Kranken-, Pflege- und Unfallversicherung. Bei den Transferbezügen handelt es sich z.B. um Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe sowie öffent- liche Aufwendungen für Kindergärten, Schulen und Hochschulen (geldwerte Bildungsleistun- gen). Die Studie zeigt auf, dass Deutsche wie Ausländer generell abhängig vom Alter unterschiedliche Finanzierungsbeiträge leisten. Während der Finanzierungsbeitrag von Jugendlichen und Kindern negativ ist, wird der Finanzierungsbeitrag mit Eintritt in das Erwerbsleben positiv. Der höchste Finanzierungsbeitrag wird im Alter von 40 bis 45 Jahren geleistet. Ab 50 Jahren fällt er dann deutlich ab, weil diese Altersgruppe verstärkt von Arbeitslosigkeit betroffen ist oder in den Ru- hestand eintritt. 100 Die positive Bilanz der ausländischen Bevölkerungsgruppe ergebe sich, so die Studie, aus ihrer Altersstruktur, die sich deutlich von der der Deutschen unterscheide. Der Anteil der Personen im erwerbsfähigen Alter, nämlich der Anteil der 20 bis 60-jährigen, habe im Jahr 2004 genau 68,2 Prozent betragen und sei damit deutlich höher gewesen als der Anteil dieser Altersgruppe in der deutschen Bevölkerung mit 55,9 Prozent. Dagegen seien nur 9,1 Prozent der Ausländer in Deutschland älter als 60 Jahre und damit Nettoempfänger staatlicher Leistungen. Bei der Gruppe der Deutschen seien immerhin 22 Prozent im Rentenalter und damit Transferempfänger. Der Al- 97    BONIN, Holger (2006), S. 2ff. 98    BONIN, Holger, (2006), S. 3. 99    BONIN, Holger (2006), S. 4. 100   BONIN, Holger (2006), S. 5ff.
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Wissenschaftliche Dienste               Infobrief                                                           Seite 30 WD 6 – 3010-189/11 tersstruktureffekt verbessere also den Finanzierungsbeitrag der ausländischen Bevölkerung im relativen Vergleich. Ein Beispiel aus der Studie: Ein Deutscher zahlte im Jahr 2004 pro Kopf durchschnittlich 2.582 Euro Lohn- und Einkommenssteuer inkl. Solidaritätszuschlag. Ein Ausländer zahlte im Durch- schnitt pro Kopf 1.532 Euro Lohn- und Einkommenssteuer inkl. Solidaritätszuschlag. Ein Deut- scher erhielt im Jahr 2004 durchschnittlich pro Kopf 275 Euro Sozialhilfe, ein Ausländer im Durchschnitt pro Kopf 465 Euro.        101 Ausländer zahlten insgesamt an Steuern und Beiträgen pro Kopf durchschnittlich 7.414 Euro, Deutsche zahlten pro Kopf durchschnittlich 10.831 Euro an Steuern und Beiträgen. Ausländer erhielten Transferleistungen in Höhe von durchschnittlich 5.460 Euro pro Kopf, Deutsche erhiel- ten durchschnittlich 7.473 Euro Transferleistungen pro Kopf. Damit lag der Finanzierungsüber- schuss von Ausländern bei 1.954 und von Deutschen bei 3.338 Euro pro Kopf. Der Finanzie- rungsbeitrag der Ausländer war damit zwar deutlich geringer als der der Deutschen, aber „ein- deutig positiv“.  102 Die hohe Arbeitslosigkeit unter den Ausländern zeige sich, so die Studie, anhand der massiv hö- heren Ausgaben pro Kopf für Arbeitslosengeld und Sozialhilfe. Bei den übrigen Sozialversiche- rungen profitierten Ausländer allerdings weniger von Leistungen als Deutsche. Bei der Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung liege dies überwiegend am relativ günstigen Altersaufbau der ausländischen Bevölkerung. Allerdings sei auch die altersspezifische Inanspruchnahme der So- zialversicherungsleistungen tendenziell geringer. In der Krankenversicherung zeigten sich bei- spielsweise – mit Ausnahme der obersten Altersjahrgänge – seltenere Arztbesuche und kürzere Klinikaufenthalte. Ausländer erhielten zudem pro Kopf weniger Wohngeld, Mutterschaftsgeld und Leistungen nach dem BAföG. Wegen der höheren Geburtenrate erhielten sie etwas mehr Kindergeld als Deutsche.    103 Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass bei einem geschätzten positiven Finanzierungsbeitrag von rund 2.000 Euro pro Kopf im Jahr 2004 die von den rund 7,2 Millionen Ausländern geleiste- ten Steuern und Beiträge die empfangenen Transfers um 14,1 Milliarden Euro überstiegen haben. Auch unter Berücksichtigung des Alterungsprozesses der ausländischen Bevölkerung und einer Verringerung des Überschusses bleibe der Finanzierungsbeitrag auch zukünftig positiv.                  104 8.    Fazit Ein Fachkräftemangel bzw. ein Fachkräfteengpass in Deutschland lässt sich bereits heute anhand verschiedener Indikatoren ablesen, allerdings kann er nicht immer wissenschaftlich präzise für 101   BONIN, Holger (2006), S. 9. 102   BONIN, Holger (2006), S. 7-8. (Die Zahlen und Beträge dieser Untersuchung beziehen sich nur auf das Jahr 2004.) 103   BONIN, Holger (2006), S. 9ff. 104   BONIN, Holger (2006), S. 14.
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