Bayerischer Landtag 12. Wahlperiode Drucksache 12/15652 03. 05. 94/11. 05. 94 Für das Jahr 1993 Jagen die Jahresmittelwerte für Stick- Schriftliche Anfrage 3 stoffmonoxid zwischen 0,002 mgim in Reinluftgebieten des Abgeordneten Kamm DIE GRÜNEN 3 und etwa 0,12 mgim an Verkehrsschwerpunkten in vom 18. 02. 94 städtischen Ballungsgebieten. Für Stickstoffdioxid erga- ben sich entsprechende Jahresmittelwerte zwischen Stickstoffverbindungen in der Luft 3 3 0,011 mg/m und 0,051 mg/m . Typisch für die Stick- stoffbelastungen in den bayerischen Städten waren Jah- 3 resmittelwerte zwischen 0,03 und 0,04 mgim für Stick- Staatsminister Reinhold Bocklet wies in einem Brief an stoffmonoxid und Stickstoffdioxid. den Vorsitzenden des Bundes für Umwelt und Natur- schutz in Deutschland im Zusammenhang mit dem Zu 2. a): Waldzustandsbericht 1993 für Bayern darauf hin, daß Die Stickstoffoxid-Emission in Bayern betrug im Jahr „die Konzentration von Stickstoffverbindungen in der 1991 383.000 t (bezogon auf Stickstoffdioxid - NO,) bei Luft noch deutlich zu hoch sei" (vgl. Bulletin der Staats- leicht rückläufiger Tendenz. regierung vom 14.12. 94). Zu 2. b) und c): Ich frage die Staatsregierung, Die angesprochenen Emittentengruppen sind mit nach- 1. Wie hoch ist in Bayern die Konzentration von Stick- stehenden Anteilen an der Stickstoffoxid-Emission stoffverbindungen in der Luft? (Gesamtstickstoffoxid bezogen auf N02) beteiligt. De- taillierte Emissionsdaten liegen erst seit 1976 vor. 2. Stickoxidemissionen Emittentengruppe Gesamtstickstoffoxid-Emission a) Wieviel Stickoxid wird derzeit pro Jahr in Bayern (bezogen auf N02) in 1000 t/a 1976 1983 1991 emittiert? Haushalte und 25 17 20 b) Wie verteilen sich diese Emissionen auf die Kleinverbraucher Hauptemittenten: Straßenverkehr, Landwirt- Industrie 50 46 38 schaft, Kraftwerke, gewerbliche Feuerungsanla- gen, Hausbrand? Kraftwerke 76 65 19 (einschl. c) Wieviel Stickoxid wurde vor 10, wieviel vor 20 Stromerzeugung im industriellen Jahren in Bayern emittiert und wie verteilten sich Bereich sowie damals die Emissionen auf die Hauptemittenten? Heizkraft- und Heizwerke) 3. Wieviel Immissionen von Stickoxid kann die Natur in Verkehr 216 253 306 Bayern auf Dauer vertragen? (einschl. land- wirtschaftlicher Verkehr) Antwort Gesamt 366 381 383 des Staatsministeriums für Landesentwicklung und Um- weltfragen Zu3.: Die schriftliche Anfrage beantworte ich im Einverneh- Nach den Ergebnissen des automatischen lufthygieni- men mit dem Staatsministerium für Ernährung, Land- schen Meßnetzes wird der in der Technischen Anlei- wirtschaft und Forsten wie folgt: tung zur Reinhaltung der Luft (TA Luft) für Stickstoff- dioxid festgelegte Immissionswert für Langzeitwirkung 3 Zu 1.: (IWI) von 0,08 mg/m in Bayern nicht überschritten. Die vom Bayer. Landesamt für Umweltschutz im Rah- Das gleiche gilt auch für den Immissionswert für Kurz- men der lufthygienischen Landesüberwachung Bayerns zeitwirkung der TA Luft sowie der EG-Richtlinie für 3 gemäß den Anforderungen in § 44 BimSchG ermittel- Stickstoffdioxid in Höhe von 0,20 mgim als 98 %-Wert ten Meßdaten über die Luftbelastung durch Stickstoff- der Summenhäufigkeit. Derzeit deutet sich auch bei der oxide werden regelmäßig in Form von Jufthygienischen Immissionshelastung mit Stickstoffoxiden eine abneh- Wochen-, Monats- und Jahresberichten veröffentlicht. mende Tendenz an, so daß auch in Zukunft mit einer Darüber hinaus werden die Meßdaten täglich in jeweils Überschreitung dieser Immissionswerte nicht zu rech- aktualisierter Form über das Bildschirmtextsystem nen ist. (Btx) der Deutschen Bundespost Telekom sowie im Vi- Die Einflüsse auf die Belastung von Ökosystemen deotext-Angebot des Bayer. Rundfunks bereitgestellt. durch Stickstoffverbindungen beschränken sich natur-
Seite 2 Bayerischer Landtag · 12. Wahlperiode Drucksache 12115652 gemäß nicht nur auf den direkten Luftpfad. Stickstoff- Hektar und Jahr. Die Einträge bestehen zu jeweils un- oxide werden durch Reaktion mit Wasserdampf bzw. gefähr der Hälfte aus Nitrat- und Ammoniumstickstoff. Wasser und chemische Reaktionen beim Weitertrans- Damit wird in vielen Fällen die Langzeit-Belastungs- port durch die Luft umgewandelt, insbesondere zu Ni- schwelle für Wälder überschritten. Kleinräumige Öko- trat. Der Eintrag dieser sekundären Folgeprodukte ist systeme, wie z.B. Hochmoore, Magerrasen oder alpine für die Belastung von Ökosystemen viel bedeutender Heiden, werden als noch empfindlicher gegenüber als der Eintrag der primären Schadgase in direkter Langzeit-Einträgen an Stickstoff-Verbindungen einge- Emittentennähe. Außerdem sind Stickoxide wichtige stuft als Wälder. Eindeutige Schwellenwerte lassen sich Ausgangssubstanzen für die Bildung von Photooxidan- wegen der Komplexität der Vorgänge in den Ökosyste- tien (Leitsubstanz Ozon), bei denen während sommerli- men nicht angeben. Daher wird die Staatsregierung cher Schönwetterperioden hohe Werte erreicht werden auch in Zukunft bemüht sein, nach dem Vorsorgeprin- können. Der Stickstoff-Eintrag liegt in Bayern im Frei- zip die Absenkung der Stickstoffoxidemissionen, insbe- land im Mittel bei ca. 17-20 kg pro Hektar und Jahr sondere bei den Hauptemittentengruppen, wie Ver- und in Wäldern im Mittel bei 40-50 kg Stickstoff je kehr, Industrie und Kraftwerke, weiter fortzusetzen.