Positive Auswirkungen des Klimawandels in Hessen im Bereich Bauwirtschaft

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20. Wahlperiode                                                                    Drucksache 20/891 HESSISCHER LANDTAG                                                                          27. 09. 2019 Kleine Anfrage Klaus Gagel (AfD) vom 01.07.2019 Positive Auswirkungen des Klimawandels in Hessen im Bereich der Bauwirtschaft und Antwort Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen Vorbemerkung Fragesteller: Der Klimawandel bewirkt unter anderem steigende Temperaturen und beschert uns in der Folge heißere Sommer und mildere Winter als im vorigen Jahrhundert. Die positiven Effekte des Klimawandels für das Bundesland Hessen werden in der öffentlichen Debatte kaum wahrgenommen oder es wird bewusst der Zu- sammenhang nicht hergestellt. Zahlreiche Branchen der hessischen Wirtschaft sowie Privatpersonen profitie- ren vom bestehenden Klimawandel. Vorbemerkung Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen: Klimaschutz und Klimawandelanpassung gehören zu den Schwerpunkten im aktuellen Koali- tionsvertrag. Bereits innerhalb der ersten 100 Tage der neuen Legislaturperiode bekräftigte die Landesregierung ihr Handeln im Klimaschutz, indem sie für 2030 ein weiteres Ziel beschlossen hat: Bis zu diesem Jahr sollen die Treibhausgasemissionen Hessens um 55 % reduziert werden, im Vergleich zu 1990. Zur Erreichung dieses Ziels und der Klimaziele, die in der vergangenen Legislaturperiode vereinbart wurden, ist seit 2017 der Integrierte Klimaschutzplan Hessen 2025 in Kraft. Mit der Umsetzung der Maßnahmen des Integrierten Klimaschutzplans begleitet die Landesre- gierung Hessens Gesellschaft und Wirtschaft bei der Umstellung auf eine klimafreundliche Wirtschafts- und Lebensweise, die zur Einhaltung des Pariser Abkommens führt. Neben Klimaschutzmaßnahmen enthält der Integrierte Klimaschutzplan Hessen 2025 auch Maß- nahmen zur Anpassung an den nicht mehr vermeidbaren Klimawandel, da er bereits heute spür- bare Folgen auch für Hessen hat. Dazu gehört z.B. die Zunahme von warmen und heißen Tagen mit den bekannten Belastungen für die menschliche Gesundheit. Mit einer Jahresmitteltempera- tur von 10,5 °C war das Jahr 2018 das wärmste in Hessen seit Beginn der systematischen Wet- teraufzeichnungen 1881. Auch die lange Trockenheit hatte dramatische Folgen: In vielen Ge- genden Hessens fielen die Ernten dadurch bis zu 50 % geringer aus als in anderen Jahren. Da die Anpassung an einen ungebremsten Klimawandel die Kosten für den notwendigen Klima- schutz weit übersteigt, ist ambitionierter Klimaschutz für die Eindämmung der weltweiten Kli- makrise unverzichtbar. Die Landesregierung ist der Auffassung, dass die große Anzahl negati- ver Auswirkungen des anthropogenen Klimawandels in Fragen der Gesundheit, der Umwelt, der Wirtschaft, der Versauerung der Ozeane, dem Tauen der Arktis, dem Anstieg des Meeres- spiegels, der Gletscherschmelze und der Landwirtschaft deutlich überwiegt. Auch im Bereich „Wirtschaft“ überwiegen die negativen Auswirkungen des anthropogenen Klimawandels wie es u.a. durch Störungen im Bereich Transport, Schwierigkeiten bei der Energieversorgung sowie Kostensteigerungen bei Versicherungen zu beobachten ist. Dass es in bestimmten Wirtschaftssektoren und -branchen vereinzelt auch Phänomene geben kann, die zum Teil auch wirtschaftliche Vorteile bringen können, ändert nichts an der geschilderten negativen Gesamteinschätzung. Diese Vorbemerkungen vorangestellt, beantworte ich die Kleine Anfrage im Einvernehmen mit der Hessischen Ministerin für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz wie folgt: Eingegangen am 27. September 2019 · Bearbeitet am 27. September 2019 · Ausgegeben am 2. Oktober 2019 Herstellung: Kanzlei des Hessischen Landtags · Postfach 3240 · 65022 Wiesbaden · www.Hessischer-Landtag.de
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2                                  Hessischer Landtag · 20. Wahlperiode · Drucksache 20/891 Frage 1.   Wie haben sich die „Schlechtwettertage“ in der Bauindustrie seit 1960 entwickelt? Frage 3.   Von wie viel ausbleibenden Schlechtwettertagen hat die hessische Bauindustrie bereits durch den Klimawandel seit dem Jahr 1960 durchschnittlich p.a. profitiert? Frage 5.   Kann sie eine Abschätzung des volkswirtschaftlichen Vorteils in Promille des Hessischen BIP’s geben, der in diesem Wirtschaftszweig bereits durch den Klimawandel stattgefunden hat und in der Zukunft in Abhängigkeit der in Frage 2 definierten 5 Szenarien stattfinden wird? Die Fragen 1, 3 und 5 werden wegen ihres Sachzusammenhangs zusammen beantwortet. Die Landesregierung erhebt keine statistischen Daten zu „Schlechtwettertagen in der Bauindus- trie“. Insofern liegen hierzu keine Erkenntnisse vor. Frage 2.   Mit welcher Entwicklung der „Schlechtwettertage“ rechnet die Landesregierung in Hessen für die Jahre 2019 bis 2050 gemessen anhand der 5 Szenarien des einerseits sich nicht weiter ändernden Klimas und der 4 RCP-Szenarien? Die Landesregierung erhebt keine statistischen Daten zu „Schlechtwettertagen in der Bauindus- trie“. Insofern liegen hierzu keine eigenen Erkenntnisse vor. Auch dem Bauindustrieverband Hessen-Thüringen liegen hierzu keine Erkenntnisse vor. Allerdings teilt der Bauindustriever- band Hessen-Thüringen mit, dass bei einem weiteren Anstieg der Temperaturen „Schlechtwet- tertage“ im Sinne negativer Auswirkungen auf die Bautätigkeit auch in der Sommerzeit eintreten werden. Durch weiter ansteigende Temperaturen in der Sommerzeit würde die Ausführung von Bauleistungen, insbesondere im Straßenbau (Asphaltbau), deutlich erschwert werden. Auch die Arbeitsbedingungen für die dort beschäftigten Arbeitnehmer würden sich dadurch deutlich ver- schlechtern. Die Arbeitnehmer der Bauwirtschaft, die überwiegend unter freiem Himmel arbei- ten, seien schon jetzt in besonderer Weise der erhöhten UV-Strahlung und sommerlichen Höchsttemperaturen ausgesetzt. Insofern sei bei einer „Verbesserung“ im Winter spiegelbildlich mit einer „Verschlechterung“ im Sommer zu rechnen. Ggf. müssten hier auch tarifliche und ge- setzliche Regelungen der Schlechtwetterzeit angepasst werden. Frage 4.   Welche Unterbranchen der Bauindustrie haben am meisten profitiert? Die Landesregierung erhebt keine statistischen Daten zu „Schlechtwettertagen in der Bauindus- trie“. Insofern liegen hierzu keine eigenen Erkenntnisse vor. Der Bauindustrieverband Hessen- Thüringen teilt hierzu mit, dass die Sparten der Bauindustrie, die unter freiem Himmel arbeiten (insbesondere Verkehrswegebau sowie Kanal- und Rohrleitungsbau) in besonderem Maße von Witterungseinflüssen betroffen sind. Dies gilt selbstverständlich bei besonders tiefen Tempera- turen und winterlicher Witterung, aber umgekehrt auch bei besonders hohen Temperaturen bzw. sommerlicher Hitze. Wiesbaden, 18. September 2019 Tarek Al-Wazir
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